| Glossar
Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie |
Angststörungen Seite 12
| In der Differenzialdiagnostik
wird oft nur an Herzkrankheiten gedacht, Ähnlichkeiten die zu Verwechslungen
Anlass geben
bestehen aber auch zu bestimmten Arten der Epilepsie. Panikattacken und fokale Anfälle überschneiden sich in der
Symptomatik. 3-4% aller Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine
Epilepsie, und 60% von Ihnen haben einfach fokale oder komplex- fokale Anfälle. Diese
können im Einzelfall schwer von einer Panikattacke zu unterscheiden sein. Temporallappen-
Anfälle beinhalten meist affektive Symptome, wie Angst, und autonome vegetative Zeichen
wie veränderte Hautfarbe, Veränderungen beim Blutdruck, und der Herzfrequenz, oft auch
eine schwerbeschreibbares vom Bauch aufsteigendes Gefühl. Fokale Anfälle können wie
Panikattacken mehrfach täglich auftreten. Verwechslungen
in beide Richtungen sind nicht ganz selten, ich selbst habe 2 junge Frauen behandelt, bei
denen eine Epilepsie vordiagnostiziert war, und sich eine Panikstörung als Ursache der
"Anfälle" herausstellte. Kompliziert wird es dadurch, dass auch beide
Störungen gleichzeitig vorliegen können.
Gründe an fokale Anfälle zu
denken
- Kurze Dauer der Attacke (meist 1 bis 2 Minuten)
- In der Fremdanamnese werden motorische Automatismen
berichtet (z.B.: wiederholtes Schlucken, Kauen, Nesteln an den Kleidern)
- Alter über 45 Jahren beim ersten Auftreten der Attacken (es
sind aber auch schon bei jungen Patienten Fehldiagnosen vorgekommen)
- Vorgeschichte mit Fieberkrämpfen
- Mangelndes Ansprechen auf übliche Behandlungen der die bei
Panikattacken wirksam sind.
- Auch die umgekehrten Verwechslungen kommen leider
vor, ihre Konsequenzen sind nicht weniger bedeutsam,
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- Partial seizures presenting as panic attacks Siân A
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Selbstverständlich können auch viele andere
körperliche Krankheiten Angst verursachen, manchmal sogar richtige
Panikstörungen. Gedacht werden muss immer an eine Schilddrüsenüberfunktion
(Hyperthyreose), Nebennierentumore wie Phäochromozytom, Hypercortisolismus,
Unterzuckerungen bei Zuckererkrankung, insulinproduzierende Tumoren der
Bauchspeicheldrüse, schwere Herz- und Lungenerkrankungen ( z.B. Koronare
Herzerkrankung, Herzklappenfehler, chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Meist
sind diese Ursachen in den Jahren des Leidens vor die Diagnose gestellt wurde
mehrfach ausgeschlossen worden. Wenn nicht müssen zumindest im Labor die
Schilddrüsenwerte, der Blutzucker und eventuell der Urin auf Hinweise auf eine
Nebennierenrindenerkrankung untersucht werden. Ein Ruhe- EKG sollte vor Aufnahme
einer Behandlung Pflicht sein, ein EEG ist zumindest empfehlenswert. Allerdings
ist der Nachweis bisher unerkannter körperlicher Erkrankungen die Ausnahme. Die
häufigste Fehldiagnose bleibt, dass die Angststörung übersehen wird. Manche
Patienten haben es in Kombination mit eifrigen Neurochirurgen schon zu
(erfolglosen) Operationen der HWS gebracht. Vor vielen Jahren habe ich einen
Patienten kennengelernt, der bei einer der vielen Notarzteinweisungen ins
Krankenhaus einer Koronarangiographie unterzogen wurde, dabei kam es zu einer
Thrombose der Beinvene. (Durch den Druckverband auf die benachbarte Arterie).
Diese Thrombose der Beinvene führte zu einer akuten
Lungenembolie, die glücklicherweise operativ dann erfolgreich behandelt
werden konnte. Die Folgen solch heroischer und sinnloser Eingriffe werden meist
als weniger schlimm angesehen, als (das seltene) Übersehen einer organischen
Erkrankung. Angsterkrankungen sind bei Schwindelerkrankungen oft typische
Folgekrankheiten, nachdem der organisch bedingte Schwindel
ausgeheilt ist. Da Schwindel selbst zu den
Angstsymptomen gehört kann in der Anfangszeit die Überschneidung der Symptome
Anlass zu diagnostischen Schwierigkeiten sein.
Auch und gerade wenn eine organische Erkrankung
einer Angsterkrankung zugrunde liegt, muss die Angsterkrankung adäquat
behandelt werden.
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