Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Angststörungen Seite 8 

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Häufige Sorgen

Personen mit Panikstörung zeigen charakteristische Überlegungen und Ursachenzuschreibungen im Hinblick auf die Begleiterscheinungen und Konsequenzen der Panikattacken.

Manche befürchten, dass die Attacken darauf hindeuten, dass sie an einer nicht diagnostizierten, lebensbedrohlichen Krankheit (z.B. Herzkrankheit, Schlaganfall) leiden. Trotz wiederholter medizinischer Untersuchungen und Beruhigung, haben sie weiterhin die Befürchtung und Überzeugung, dass sie an einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden. Andere befürchten, die Panikattacken seien ein Hinweis darauf, dass sie ,,verrückt" oder die Kontrolle verlieren würden oder emotional krank seien.

Manche Personen mit wiederholten Panikattacken nehmen aufgrund der Attacken bedeutende Verhaltensänderungen vor (z.B. kündigen sie ihre Arbeit), verleugnen jedoch entweder, Angst vor weiteren Attacken zu haben oder sich Sorgen über die Folgen der Panikattacken zu machen. Die Besorgnis über die nächste Attacke oder deren Begleiterscheinungen ist häufig mit der Entwicklung von Vermeidungsverhalten verbunden, das die Kriterien für Agoraphobie erfüllen kann. In diesem Fall wird Panikstörung mit Agoraphobie diagnostiziert.

Neben der Sorge über die Panikattacken und deren Begleiterscheinungen berichten viele Personen mit Panikstörung auch über fortwährende oder immer wieder auftretende Angstgefühle, die sich nicht auf eine bestimmte Situation oder ein bestimmtes Ereignis beziehen. Andere beginnen, sich große Sorgen über die Ergebnisse von Routinetätigkeiten oder von bestimmten Ereignissen zu machen, vor allem solchen, die mit Gesundheit oder der Trennung von nahestehenden Personen zu tun haben. Zum Beispiel erwarten Personen mit Panikstörung häufig einen katastrophalen Ausgang eines leichten körperlichen Symptoms oder einer Nebenwirkung eines Medikaments (z. B. denken sie, dass Kopfweh einen Gehirntumor oder akute Bluthochdruckkrisen anzeigt).

Solche Personen sind auch viel weniger tolerant gegenüber Nebenwirkungen von Medikamenten und benötigen im allgemeinen fortwährende Beruhigung, damit sie ihre Medikamente nehmen. Bei Personen, bei denen die Panikstörung nicht behandelt oder falsch diagnostiziert wurde, kann die Überzeugung, an einer nicht erkannten lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden, zu einer chronischen beeinträchtigenden Angst und zu einer übermäßigen Inanspruchnahmen medizinischer Versorgungseinrichtungen führen. Dieses Verhalten kann emotional und finanziell sehr belastend sein.

 

In manchen Fällen fällt der Beginn oder die Verschlechterung der Panikstörung mit dem Verlust oder dem Zerbrechen wichtiger persönlicher Beziehungen (z. B. zu Hause auszuziehen, Scheidung) zusammen. Demoralisation ist eine verbreitete Folge: Viele Personen verlieren den Mut, schämen sich und sind unglücklich darüber, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre normalen Routinearbeiten zu verrichten. Diese Schwierigkeiten führen sie häufig auf fehlende ,,Stärke" oder einen ,,schwachen Charakter" zurück. Diese Demoralisation kann sich auf Bereiche ausweiten, die nichts mit panikbezogenen Problemen zu tun haben. Es kommt vor, dass diese Personen aufgrund von Arztbesuchen oder dem Aufsuchen von Notfallambulanzen häufig bei der Arbeit oder in der Schule fehlen, was zu Arbeitslosigkeit oder zu Schulentlassung führen kann.

 

 

Die erfreuliche Botschaft für alle Betroffenen ist, dass es sich zwar unbehandelt um eine sehr chronisch verlaufende Erkrankung handelt. Mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten aber eine gut und eine sehr erfolgreich behandelbare Störung ist, wobei die Behandlungsdauer in aller Regel, wenn die Symptome erst kurze Zeit bestehen, einige Wochen bis maximal einige Monate beträgt, also nicht jahrelang dauert.   Der erste Schritt ist in jedem Fall Ehrlichkeit, sich einzugestehen, dass man unter einer Angststörung leidet. Die Betroffenen sollten sich ausführlich informieren und angstbesetzten Situationen nicht ausweichen. Es gilt, sich der Angst zu stellen - alleine, wenn möglich, oder gemeinsam mit Freunden oder  mit einem Therapeuten.

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