Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Demenz auch Angehörige müssen auf sich achten. und rechtzeitig Hilfe auch für sich in Anspruch nehmen

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Pflegetagebuch als Exceltabelle zur Vorbereitung des Besuches des MDK

Studien zeigen, dass betreuende Angehörige von Alzheimerpatienten

  • ihre eigene Gesundheit als schlecht bewerten

  • Mehr körperliche Krankheiten und Symptome haben

  • Häufiger unter Depression und Angst leiden

  • Häufiger das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen

  • Weniger allgemeine eigene Gesundheitsvorsorge betreiben

  • Selbsthilfegruppen können entlasten
     

Alzheimerkranke können im frühen bis mittleren Stadium ihre Lebensqualität durchaus einschätzen. Alzheimerkranke schätzen nach einer Studie ihre Lebensqualität höher ein, als ihre betreuenden Angehörigen. Patienten wie Angehörige wurden gefragt, wie oft sie sich als glücklich, hoffnungsvoll,  nützlich, fühlten, wie oft sie sich einsam, depressiv, nervös, ängstlich, frustriert, oder in einer peinlichen Situation fühlten, wie oft sie etwas zum Lachen mit anderen oder alleine hatten, wie oft sie sich an der Beobachtung von Tieren erfreuten, Freude beim Musikhören... Angehörigen und Patienten wurden die selben Fragen gefragt.  Der Unterschied zwischen beiden Einschätzungen resultiert nach der Einschätzung der Forscher, die diese Studie an 91 Patienten durchgeführt haben aus der Überforderung der Angehörigen mit der Betreuung. Je überforderter die Angehörigen sind, umso schlechter schätzen sie auch die Lebensqualität der betreuten Patienten ein. Hier kann sich leicht ein Teufelskreis herausbilden, der das Burnout und die Schuldgefühle immer weiter verstärkt.. Laura P. Sands et al., What Explains Differences Between Dementia Patients' and Their Caregivers' Ratings of Patients' Quality of Life? Am J Geriatr Psychiatry 12:272-280, June 2004
 

Empfehlungen für den verständnisvollen Umgang mit Alzheimer-Patienten

--Die Hauptlast der Betreuung der Demenzkranken liegt in der Familie, ein enormer Arbeitsaufwand und hohe Kosten für die Familie sind die Regel.

--Wenn die Diagnose neu gestellt wurde, ist es meistens sinnvoll, dass die ganze Familie zusammen kommt und mit dem Kranken über die neue Situation spricht. Jetzt ist der späteste Zeitpunkt, sich über die zukünftige Regelung aller wichtigen Angelegenheiten zu unterhalten. Das Thema der Vorsorgevollmacht, Betreuungsvollmacht, Patientenverfügung, Bankvollmachten etc. sollte jetzt nochmals besprochen werden. Das Gespräch sollte in seinen wichtigen Teilen schriftlich festgehalten werden.

--Sprechen Sie jetzt auch darüber, wie Sie die Lasten in der Familie gerecht verteilen. Die primäre Betreuungsperson sollte von den anderen Angehörigen Entlastungsmöglichkeiten angeboten bekommen. Auch eine finanzielle Unterstützung der primären Betreuungsperson in der Familie sollte von Anfang an mit allen offen besprochen werden.

--Die neue Situation kann die Familie fester zusammenschweißen oder auch zum Streit oder gar zum Abbruch des Kontaktes führen. Nutzen Sie also möglichst frühzeitig die Möglichkeiten des offenen Sprechens und Verhandelns in der Familie.

--Wenn Sie Demenzkranke oder betreuende Angehörige als Freunde haben, besuchen sie diese. Oft haben auch die betreuenden Angehörigen nur noch wenig Zeit aus dem Haus zu gehen. Gebäck oder einen Salat zum gemeinsamen Essen mitzubringen ist meist eine gute Idee. Bieten Sie an, dass sie eine Zeitlang beim Kranken bleiben, solange die betreuende Angehörige Besorgungen machen muss. 

--Demenzkranke sind ehrlich, weil sie nicht mehr lügen können, sie können auch keine Intrigen mehr spinnen, sind auch in ihren emotionalen Reaktionen ehrlich (wenn auch nicht immer situationsadäquat, da sie die Situation oft nicht mehr verstehen). Hören Sie, wenn möglich, zu und geben Sie ihm das Gefühl ihn ernst zu nehmen.

-vorhandenen Fähigkeiten des Demenzpatienten müssen gefördert werden, individuelle Interessen fördern und die Aufrechterhaltung des normalen Alltags ist wichtiger als "künstliche" therapeutische Maßnahmen.

- Auch Demenzkranke brauchen das Gefühl gebraucht zu werden. Dort wo sie noch nützliche kleine Arbeiten verrichten können helfen Sie nicht nur Ihnen die Arbeit zu erleichtern, sie bekommen auch das Gefühl gebraucht zu werden. Das stärkt das Selbstwertgefühl und sorgt für gute Stimmung.

-Versuchen Sie die Schwierigkeiten des Kranken zu verstehen. Ganz im Vordergrund stehen Defizite im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses und der Orientierung.

-Unsere Gedächtnisinhalte werden wie Stapel von Blättern auf einander abgelegt. Gesunde haben Zugriff auf alle Blätter. Bei einer Demenz verschwinden die oberen Blätter zuerst. Das weiter zurückliegende bleibt für einen Zugriff bereit. Da immer mehr Blätter verschwinden, gehen die Erinnerungen für immer mehr aktuelle Jahrzehnte verloren, der Patient lebt in seiner Vergangenheit. Er weiß manchmal nichts mehr vom Ableben seiner Eltern oder sucht den vor Jahren verstorbenen Ehegatten. Wenn es bereits soweit ist, sollten sie ihn nicht mit seinen diesbezüglichen Defiziten konfrontieren, er wird sich Ihre Erklärung meistens nicht merken können und sich nur gedemütigt fühlen. Lenken Sie ihn lieber ab, - z.B.: wir trinken einen Tee solange wir auf  Mutter warten-. 

-Das eigentliche Gefühlsleben bleibt wesentlich länger intakt. Beispiel: der Patient hat den Schlüssel verlegt. Dies kennen wir von uns selbst wenn wir im Stress sind. Im Gegensatz zu uns Gesunden erinnert er sich beim Wiederauffinden nicht daran, dass er ihn selbst dort hingelegt hat. Dieses fehlende Wiedererinnern (bzw. Wiedererkennen des Handlungsablaufs) kann Anlass für Aggression sein: "jemand anderes muss ihn dahin gelegt haben".

- Vermeiden Sie Konfrontationen. Demenzkranke sind nicht nachtragend, auch ein Streit ist meist nach 2 Minuten vergessen. Wenn sie an einer Meinungsverschiedenheit nach 10 Minuten wieder weitermachen wollen, weiß der Demenzkranke meist nicht mehr um was es ging. Nachträgliche Diskussionen überfordern und zerstören die Atmosphäre.

- Bleiben Sie ruhig und gelassen und unterstützen Sie Ihren Pflegling weiter, auch wenn dieser aggressiv wird. Seien Sie nicht persönlich beleidigt. Halten Sie ihn nicht gewaltsam fest. Lenken Sie ab. Meist ist die Aggression nicht zielgerichtet.

--Aggressionen entstehen durch Überforderung, Verletzung der Intimsphäre, sich eingesperrt fühlen, Reaktion auf die Ungeduld und Gereiztheit der Umgebung.

--Achten Sie darauf, dass der Patient den Pfleger der ihn wäscht auch akzeptieren kann, oft geht dies im Intimbereich besser mit Fremden, muss es bei der schamhaften alten Dame ein junger Zivi sein....Das Duschen und Baden ist ein häufiger Anlass für aggressive Auseinandersetzungen. Versetzen sie sich in die Lage des Betroffenen: Sich vor seinen Kindern oder Fremden ausziehen zu müssen ist demütigend. Oft ist die Frustration über die misslungene Mitteilung eigener Bedürfnisse und die fehlende Selbstständigkeit der Auslöser. Bereiten sie das Baden oder Duschen gut vor, sorgen Sie dafür, dass vor sie das Badezimmer aufsuchen alle Utensilien bereit liegen, die Sie benötigen werden- bevor der Kranke ausgezogen wird. Lassen Sie den Kranken möglichst viel selbst machen. Bleiben sie bei aggressiven Ausbrüchen des Kranken ruhig, sprechen Sie weiter langsam ruhig mit normaler Lautstärke.   

--Fernsehen kann überfordern, wenn Realität und Film nicht mehr unterschieden werden kann. Ein alter schwarz-weiß- Fernseher kann hier eventuell helfen. Demenzkranke sind auch allgemein schneller durch eine laute Umgebung überfordert, zu viele Gäste auf einmal können überfordern.

- Vermeiden Sie überfordernde Aufgaben und halten Sie Ihre Aufforderungen bewusst einfach. Achten Sie dabei nicht nur auf kurze Sätze sondern vor allem auf eine freundliche und angemessenen Stimme. Achten Sie auch auf eine respektvoll zugewandte Körperhaltung.

--Sprechen Sie langsam in kurzen Sätzen und mit Pausen. Sprechen Sie nicht zu laut, insbesondere schreien Sie nicht,  möglicherweise hört sie der Betroffene gut, kann aber wegen der Demenz das Gesagte nicht schnell oder gar nicht verstehen.

--Seien Sie in Ihren kurzen Sätzen immer konkret und ohne Mehrdeutigkeit. Bespiele: Wenn Sie darüber gesprochen haben, dass der Sohn am Abend zu Besuch kommt, sagen sie nicht "er wird heute abend kommen- sondern Hans wird heute abend kommen.

-Versuchen Sie alle Sinnesmodalitäten anzusprechen, im späteren Demenzstadien ist es beispielsweise sinnvoll bei der Frage ob der Kranke Hunger hat, ihm das Essen konkret zu zeigen, so dass er es auch sehen und riechen kann.

- Achten Sie im Gespräch auch auf die Körpersprache des Betroffenen, oft können sich die Kranken verbal nicht mehr gut ausdrücken, zeigen aber in Mimik und Gestik ihre Gefühlslage oder was sie wollen.

- Weisen Sie den Kranken nicht auf seine Fehler und Defizite hin.

--Wenn die Kranke über verstorbene Angehörige sprechen, als ob diese noch leben oder gerade zu Besuch da waren, korrigieren Sie den Kranken nicht.

-- Wenn der Kranke darüber spricht, dass er nach hause gehen will, obwohl er zu hause ist, korrigieren Sie den Kranken nicht, bleiben Sie mit ihm im Gespräch.

-- Sprechen Sie in Gegenwart des Kranken nicht über den Kranken als ob er nicht da wäre. Wenn Sie mit anderen über den Kranken sprechen, beziehen Sie ihn in das Gespräch mit ein.

--Besonders in den späteren Stadien der Erkrankung sollte der Kranke möglichst oft mit seinem Namen angesprochen werden um ihm ein Gefühl der Identität möglichst lange zu erhalten.

--Der Respekt vor dem alten Menschen sollte uns gebieten sie nicht wie Kinder anzusprechen.

- Vermeiden Sie unnötigen Umgebungswechsel (dazu kann schon eine Renovierung der Wohnung gehören). Stellen Sie nach Möglichkeit die Möbel nicht um.

--Versuchen Sie einen festen Tagesablauf einzuhalten, nach Möglichkeit Aufstehen, Mahlzeiten..täglich um die selbe Zeit.

- Verwenden Sie immer wiederkehrende Erinnerungsstützen, einfache Erklärungen und Orientierungshilfen.

- Halten Sie sich an eine möglichst regelmäßige Tagesstruktur.

--Halten Sie die Zahl der unterschiedlichen Betreuer überschaubar.

- Mit Fortschreiten der Erkrankung sollten Sie Ihre Erwartungen zurückschrauben.

- Suchen Sie zur Frühdiagnose und optimalen medikamentösen Einstellung möglichst frühzeitig einen Facharzt auf.

--Unruhe entsteht manchmal durch mangelnde Bewegung und Beschäftigung. Manchmal ist sie ein Versuch eine frühere Beschäftigung wieder aufzunehmen, manchmal wird verloren geglaubtes gesucht. Wie uns manchmal ein Spaziergang oder Joggen hilft unsere Gedanken zu ordnen und über eine Hirnstammaktivierung unser Gedächtnis bessert, versucht dies oft auch unbewusst der Kranke.

- Unter eher günstigen Betreuungsbedingungen für die Betroffenen (z.B. täglicher Spaziergang) scheint es auch bei beeinträchtigter kognitiver Funktion zu gelingen, der körperlichen Gebrechlichkeit vorzubeugen. Der Alzheimer-Patient, der sich mehr bewegt, hat einen besseren Appetit und erhält seine funktionelle Muskelmasse besser. Dadurch kann er Stürze, Bettlägerigkeit, stärkere Behinderung und stärkere Pflegeabhängigkeit eher vermeiden. Die körperliche Aktivierung und Motivation zur angemessenen Ernährung sind vermutlich wirksame und kostengünstige Therapieansätze bei Morbus Alzheimer.

-- lassen Sie wann immer möglich den Kranken in überschaubarer Umgebung laufen, Fixierung (Festbinden) fördert den geistigen Abbau

--Auch körperliche Schmerzen die nicht mehr geäußert werden können sind manchmal eine Ursache der Unruhe.

--Hirnleistungstraining sollte so gestaltet sein, dass der Kranke Erfolge dabei hat. Trainiert sollte möglichst das werden, was auch im Alltag relevant ist. Erfolgserlebnisse beruhigen, Misserfolg macht   gereizt oder aggressiv. In späteren Stadien sollte eine Aktivierung Vorrang vor einem Hirnleistungstraining haben. Um bei eigentlichem Hirnleistungstraining Erfolge zu sehen sollte im MMST noch ein Punktwert von mehr als 18 Punkten erzielt werden.  Eine von Angehörigen zu Hause vorgenommene Übungstherapie kann beim Patienten sehr schnell zu Ungeduld und Überforderung führen, was dann einen vermehrten Rückzug auslösen oder zu Katastrophenreaktionen der Erkrankten führen kann.

- Besonders wichtig ist die gezielte Förderung der zeitlichen, örtlichen und personellen Orientierung im aktuellen Umfeld. Auch hier keine Überforderung.

--Mülleimer und Wäschekörbe auf Wertsachen überprüfen.

- Reminiszenz-Therapie. Dabei geht es hauptsächlich um die Erhaltung des eigenen Selbst, wobei die fortwährende Vergegenwärtigung wichtiger Ereignisse der persönlichen Lebensgeschichte und die Stabilisierung der hier verwurzelten historischen - und damit auch sozialen - Identität eine zentrale Stellung einnehmen. Die wiederholte Durchsicht alter Fotoalben hilft, besonders wenn sie mit viel Geduld erfolgt. Oft können Kinder dabei auch sonst endgültig verlorenen Daten die für sie selbst wichtig sind noch von den Kranken erzählt bekommen. Ein Nutzen der Reminiszenz-Therapie ist bisher nicht erwiesen, Studien zu diesem populären Vorgehen sind erforderlich. Schaden wird sie nicht. Cochrane Library, Issue 2, 2001

--Anklammern und Nachlaufen ist häufig ein Hinweis, dass der Patient eine Bezugsperson in einer Welt sucht in der er sich im Moment nicht zurecht findet und in der nichts einen Sinn macht. Fassen Sie freundlich seinen Arm, lassen Sie ihn spüren, dass jemand da ist. Teilen Sie ihm mit was sie tun, wenn Sie aus seinem Blickfeld verschwinden.

- Auch daran, die Toilette aufzusuchen, müssen manche Alzheimer-Patienten regelmäßig erinnert werden, weil sie die Füllung der Blase oder des Enddarms nicht mehr richtig beurteilen können, oder weil sie gar nicht mehr wissen, wo die Toilette ist. Besser ist es für Angehörige, die Patienten zur Toilette zu führen und diese zu benennen. Oft ist ein Aufsuchen der Toilette alle 2 Stunden sinnvoll um "peinliche Unfälle" zu vermeiden. Tipp: Wasserhahn öffnen, um das Entleeren der Blase zu erleichtern.

- Früh einen Nachtstuhl besorgen, machen Sie ein Kontinenztraining

--Achten Sie auf genügende Flüssigkeitszufuhr (2 Liter pro Tag), ein Getränk und etwas Gesundes zum Knabbern sollten immer in Sichtweise stehen.

--Bei Stuhlinkontinenz reicht es oft aus, die Patienten morgens nach dem Frühstück auf den Toilettenstuhl zu setzen und ihnen ein heißes Getränk zu geben.

-Hinterlegen Sie Schlüssel zur Wohnung auch außerhalb der Wohnung z.B.: bei Nachbarn, oft ist es sinnvoll dass Angehörige alle Schlüssel für Türen innerhalb der Wohnung an sich nehmen. Schlüssel werden sehr häufig verlegt.

--Besonders wenn viele fremde Betreuungspersonen in die Wohnung des Kranken kommen, ist es oft sinnvoll, dass Angehörige zeitig alle Wertsachen und vor allem wichtige Dokumente nach Absprache und im Einverständnis des Betroffenen an sich nehme und bei sich oder in der Bank verwahren. Das kann bei häufigem Verlegen durch die Betroffenen auch sonst schon frühzeitig sinnvoll sein. Dies sollte mit allen Familienmitgliedern besprochen sein.  Falsche Verdächtigungen können so vermieden werden. Wenn die Betroffenen selbst ihre finanziellen Angelegenheiten nicht mehr überblicken können und Geschäfte nicht mehr überschauen können, sollte dies auch die Bank wissen, idealerweise kann dann dort auch eine Vollmacht vorgelegt werden.

--Nachts für ausreichende Beleuchtung sorgen um die Sturzgefahr zu mindern

--Ein Zimmer im Untergeschoss mindert die Sturzgefahr

--legen Sie rutschfeste Matten in die Badewanne und Dusche, sorgen Sie für Greifstangen im Sanitärbereich

--Bei Fallneigung erkundigen Sie sich nach einem Hüftprotektor, wenn eine Weglaufneigung besteht und Angehörige im Haus wohnen, kann ein Bewegungsmelder lohnend sein.

--Auch Demenzkranke habe oft Schmerzen, können diese aber oft nicht mehr äußern, achten Sie auf die Mimik. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Schmerzen vorhanden sind, sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt, kontrollieren Sie ob ausreichend Schmerzmedikamente verordnet wurden.

Es gibt das Phänomen, dass sich Patient und Betreuer im Laufe der Zeit mimisch, gestisch und z.T. auch sprachlich immer ähnlicher werden. So lassen ,,stumme" Kranke oft auch ihren Betreuer ,,verstummen". Achten Sie darauf, ob es Ihnen ähnlich geht und ob Sie sich und dem Kranken damit letztlich einen Gefallen erweisen. Wählen Sie den Vormittag, wenn Sie mit dem Patienten Wichti­ges besprechen wollen. Dann sind Demenz-Kranke erfahrungsgemäß am aufmerksamsten. Greifen Sie bei Bedarf auf ,,Übersetzer" zurück, also auf denjenigen Familienangehörigen, von dem sich der Demenz-Kranke am ehesten verstanden fühlt. Manchmal ist es hilfreich, im Dialekt zu sprechen. Sprechen Sie niemals mit anderen über den Kopf des Patienten hinweg und verzichten Sie darauf, sich mit anderen durch heimliche Zeichen zu verständigen. Sie wissen nie, was der Patient dennoch mitbekommt und wie tief er durch solche Formen der Entmündigung verletzt wird. Versuchen Sie nicht, mit dem Demenz-Kranken zu diskutieren oder ihm Gründe zu erläutern. Sie helfen ihm mehr, wenn Sie auf seine Gefühle eingehen. Beispiel: Ein Demenz-Kranker will unbedingt zur Bank, weil er vergessen hat, dass sein Konto nicht mehr existiert. Hier kann der Hinweis ,,Die Finanzen sind in Ordnung" manchmal mehr beruhigen als Appelle an das Gedächtnis. Gefühle existieren auch dann, wenn die Sprache versagt: Versuchen Sie daher, die Gefühle des Kranken zu erkennen und zu erwidern. Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Verhalten (z.B. der ärgerliche oder warme Unterton Ihrer Stimme) beim Demenz-Kranken Emotionen auslöst. Ein Demenz-Kranker kann sehr wohl registrieren, ob Sie ihm nur formal oder mit Aufmerksamkeit und Zuwendung ,,das Händchen halten".

Die Einnahme von Medikamenten ist für Patienten im fortgeschrittenen Stadium schwierig einzuhalten. Denn schon nach kurzer Zeit haben sie vergessen, ob sie das Medikament für den Tag schon genommen haben. Auch bei der Zusammenstellung der entsprechenden Tagesrationen sind die Patienten überfordert.  Tablettendöschen mit Fächern für Tabletten oder Kapseln für morgens, mittags, abends und nachts - jeweils tageweise vorbereitet - haben sich bewährt.  Der Hauptvorrat der Medikamente sollte für die Patienten unzugänglich aufbewahrt werden.

Österreichisches Alzheimer-Krankheit-Konsensuspapier

Achten Sie als Angehörige auf sich selbst:

Die typische betreuende Angehörige ist zwischen 45 und 50 Jahre alt, weiblich, und verbringt 20 Stunden in der Woche mit der Betreuung des Demenzkranken. Viele betreuenden Angehörigen gehen neben dieser Betreuungstätigkeit einer regulären Beschäftigung nach und müssen zusätzlich sich noch um ihre eigene Familie kümmern. Durch mangelnde Zeit und Energie, bleibt immer weniger Zeit für die eigene Familie, für Bewegung, Sport, Hobbys, Urlaub, und den Kontakt zu Freunden.  80% der betreuenden Angehörigen empfinden eine gravierend emotionale Belastung, ihre Gesundheit leidet, sie essen ungesünder, haben viel weniger Zeit als Gleichaltrige um sich um sich selbst und ihr Wohlergehen zu kümmern. Sehr viele betreuende Angehörige entwickeln selbst eine Depression, sie werden häufiger körperlich krank, gehen wegen eigener Beschwerden seltener zum Arzt und riskieren damit eine Chronifizierung oder Verschlimmerung ihrer eigenen Erkrankungen. Oft wird zu wenig bedacht, dass die Betreuung eines Demenzkranken viele Jahre dauern kann und dann die verbrauchten eigenen Reserven nicht mehr aufgefüllt werden können.

Warnhinweise für ein drohendes Angehörigen-Burnout-Syndrom

- Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, soziale Isolation,

- Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch,

- exzessiver Kaffeegenuß,

- verbale oder physische Aggressionen gegenüber dem Patienten,

- Selbstmordgedanken.

Ein möglichst baldiges Aufsuchen von professioneller Hilfe kann einer weiteren Zuspitzung entgegenwirken. Eine der wesentlichsten Gegenmaßnahmen ist die Aufteilen der Belastung auf weitere Betreuungspersonen bzw. auf spezialisierte Zentren. Gelingt eine Betreuung in einem Tageszentrum oder einer Tagesklinik, so erhält der Angehörige wieder die Möglichkeit, seine Freizeit aktiv zu gestalten, vernachlässigte Freundschaften und Interessen zu pflegen oder auch aufgeschobenen Verpflichtungen nachzukommen. In diesem Sinne sind kurzzeitige stationäre Entlastungsaufenthalte auf Fachabteilungen indiziert.

Vorbeugung des drohenden Burnout-Syndroms

- Delegation der Betreuung,

- soziale Kontakte,

- Angehörigen-/Selbsthilfegruppen,

- Tageszentren, Tageskliniken, Kurzzeitpflege,

- soziale Hilfen,

- Freizeitaktivitäten,

- Trainingskurse,

- Achten auf die eigene Gesundheit,

- psychotherapeutische Begleitung.

Die Reduktion der Belastung der pflegenden Angehörigen geht mit einer erhöhten Lebensqualität aller Betroffenen - der Patienten, der Betreuer und der gesamten Familie - einher.   Machen Sie sich immer wieder klar, die Betreuung eines demenzkranken Partners bedeutet oft, man verliert gleichzeitig den Partner den man kannte und geliebt hat und bekommt einen Pflegefall dazu.

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Die Hauptlast der Pflege und Betreuung von Alzheimer-Kranken wird noch immer von der Familie getragen. In erster Linie vom oft selbst betagten Ehepartner, von Töchtern, Schwiegertöchtern oder anderen Familienangehörigen. Diese sind zumeist das wichtigste stützende soziale System für Demenzpatienten. Nur ca. 20 -30% der Patienten werden in Heimen gepflegt.

Die größten Belastungen für die pflegenden Angehörigen sind nicht die zu erwartenden Hirnleistungsdefizite, sondern vor allem schwere Verhaltensstörungen, wie z.B. Unruhe verbale und physische Aggressivität, Schreien, Wandertrieb und Störung des Tag/Nachtrhythmus, sowie wie Depressivität und Ängstlichkeit und psychotische Phänomene, wie z.B. Verfolgungs- oder Vergiftungs- Verarmungs- Ideen,  Darüber hinaus müssen noch die schweren praktisch-pflegerischen Aufgaben bewältigt werden. Mit Fortschreiten der Demenz erhöhen sich auch die Anforderungen an den Betreuer. Die zunehmende Unselbständigkeit der Patienten zieht einen Wandel in den Rollenbeziehungen nach sich. Außerdem müssen die Angehörigen mit der oft weitgehenden Persönlichkeitsveränderung eines geliebten und vertrauten Menschen fertig werden und sind einem langjährigen, oft schmerzvollen Prozess des Abschiednehmens ausgesetzt.

Aufgrund der schwierigen Pflege, der überfordernden Betreuung und der oftmaligen Erfolglosigkeit von Lösungsstrategien kommt es bei vielen Angehörigen zu Erschöpfungssyndromen, psychischen Störungen, wie Ängstlichkeit und Depression, körperlichen Beschwerden, verminderter Immunabwehr, familiären Konflikten und sozialem Rückzug.

Auch die Information über soziale Hilfeleistungen wie z.B. Sozialstationen, Essen auf Rädern, Besuchsdienst, Tageszentren und Tageskliniken, Urlaubsbetten oder Kurzzeitpflege und die Abklärung juristischer Fragen, wie Anspruch auf Pflegegeld, gerichtliche Betreuung und Testamentsverfassung, führen zu einer Entlastung der Angehörigen und dadurch zu einer deutlichen Besserung ihrer reduzierten Stimmung und Befindlichkeit.

 

 Infos zu Fehlern und zu dem was schief gehen kann: kritische Ereignisse aus der Praxis der Altenpflege Kuratorium Deutsche Altershilfe e.V. https://www.kritische-ereignisse.de/

 

Deutsche Alzheimer Gesellschaft http://www.deutsche-alzheimer.de Dachverband der Alzheimer Gesellschaften in Deutschland
Alzheimer-Telefon 01803-171017 es werden Angehörige, Betroffene und alle Rat Suchenden montags bis donnerstags von 9.00 bis 18.00 Uhr und freitags von 9.00-15.00 beraten. Die Telefongebühren betragen 9 Cent pro Minute.  Auch Chat, Foren, E-Mail- Beratung….
 

 

Buchempfehlungen

"Abschied vom Ich - Stationen der Alzheimer Krankheit" - diesen praktischen Leitfaden mit wichtigen Informationen über den Verlauf der Alzheimer-Krankheit sowie Orientierungshilfen von der  Alzheimer Gesellschaft in Berlin herausgegeben. Alzheimer Gesellschaft Berlin e. V. (Hrg.): Abschied vom Ich - Stationen der Alzheimer Krankheit, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2000, Herderspektrum Band 4865, 288 Seiten, 30 DM, ISBN 3-451-04865-5.

Dr. med. Christian Thuile: Leben mit Vergeßlichkeit.

Ursula Dette: Ein langer Abschied: der Verlauf einer Alzheimer-Krankheit.

Lili Feldmann: Leben mit der Alzheimer-Krankheit.

Annelies Furtmayer-Schuh: Das große Vergessen - Alzheimer-Krankheit.

Rose Götte/Edith Lackmann: Alzheimer -was tun? Eine Familie lernt mit der Krankheit zu leben.

Edda Kleßmann: Wenn Eltern Kinder werden und doch Eltern bleiben. Die Doppelbotschaft der Alzheimer-Krankheit.

Dr. med. Günther Krämer: Alzheimer-Krankheit: Ursachen, Krankheitszeichen, Untersuchung, Behandlung.

Wilhelm Stuhlmann: Das Leben vergessen: Leben mit demenzkranken alten Menschen.

Nancy Mace: Der 36-Stunden-Tag: Die Pflege des verwirrten alten Menschen.

Alfred Führmann: Das Alzheimer-Schicksal meiner Frau: Lebend begraben im Bett.

Dr. med. Günther Krämer: Alzheimer-Kranke betreuen.

Dr. Bere Miesen: So blöd bin ich noch lange nicht.

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