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frontotemporale Demenz (FTD) |
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|
Eine Sonderform der Demenzen sind die frontotemporale
Demenzen (FTD). Es handelt sich um eine präsenile Demenz. Das Tauprotein scheint
auch hier eine Rolle zu spielen. Im frühen Erkrankungsalter ist sie
genauso häufig wie die Alzheimerdemenz. Insgesamt aber wesentlich
seltener als die Alzheimerdemenz. Der Begriff der frontotemporalen Demenz (FTD)
meint eine Gruppe primär degenerativer Demenzen bei denen eine fokale Atrophie
am frontalen und/oder temporalen Lappen des Gehirns entsteht. Sie sind häufig
mit einem Parkinsonismus und einer amyotrophen Lateralsklerose
vergesellschaftet. Frontotemporale Demenzen sind in fast der Hälfte der Fälle
familiär vorkommend. Bei
Demenzkranken
mit
erhaltenen
räumlich-konstruktiven
Fähigkeiten
und
relativ
geringen
Gedächtnisstörungen
bei denen
Verhaltensstörungen
und
Störungen
der
sozialen
Kompetenz
im
Vordergrund
stehen,
muss an
eine
frontotemporale
Demenz
gedacht
werden. Verhaltensauffälligkeiten, Enthemmung, Depressionen,
Hyperoralität, vegetative Symptome, Suizidgedanken und Schuldgefühle stehen im
Vordergrund. Die Prävalenz wird mit 3,4/ 100.000 angenommen. Das
durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 57 Jahren, die mittlere
Überlebenszeit bei 8 Jahre. Acetylcholinesterasehemmer helfen hier vermutlich
nicht. Trazodon schien in einer kleinen Studie eine Besserung zu erbringen. Es
handelt sich um eine autosomal dominante Demenzform. Mutationen im
Chromosom 17, 9 oder 3 sind beschrieben. Bei der Unterscheidung zwischen
FTD und Depression hilft, dass vegetative Symptome, Suizidgedanken und
Schuldgefühle, die bei einer organischen
Frontalhirnschädigung sehr selten auftreten.
|
Morbus
Alzheimer |
Morbus Pick und
Demenz vom Frontalhirntyp (DFT) |
| Disposition |
positive Familienanamnese bei ca.
30 %, F > M (ca. 2 : 1), mit Alter zunehmende Inzidenz, Assoziation mit
Apo E4 |
dominanter Erbgang bei 20 - 50 %,
Altersgipfel ca. 54 Jahre, ca. M = F |
| Leit-Symptome |
Gedächtnisstörungen,
Orientierungsstörung , Benennstörung |
frontales Psychosyndrom,
Sprachverarmung, Antriebsmangel |
| psychiatrische Symptome |
erhaltene Persönlichkeit, teils
Depression, Unruhe |
Gleichgültigkeit, manchmal
Enthemmung, Leugnung der Störung häufig |
| neurologische Symptome |
Rigor, Myoklonien, epileptische
Anfälle möglich |
Spastik, Primitivreflexe,
Parkinsonoid möglich |
| MRT, SPECT (besser PET) |
temporo-parietale Atrophie und
Hypoperfusion |
frontale Atrophie (im MRT und CCT
oft erst in späteren Stadien) mit typischer Minderperfusion frontaler und
temporal-anteriorer kortikaler Strukturen |
| EEG |
ab mittlerem Stadium
allgemeinverändert |
normal |

| Lund-Manchester-Kriterien der frontotemporale
Demenz (FTD) Brun A, et
al. (1994) Clinical
and neuropathological criteria for frontotemporal dementia.
J Neurol Neurosurg Psychiatry 57:416–418 Dritthäufigste Demenz nach
Alzheimer und Multiinfarktdemenz, im Spätstadium nicht mehr vom M.
Alzheimer zu unterscheiden. |
| Kernsymptome |
| • Schleichender Beginn und langsame Progredienz
Veränderungen von Persönlichkeit und Verhalten |
| • Früher Verlust der Krankheitseinsicht und
Selbstkontrolle |
| • Früher Verlust der Urteilsfähigkeit |
| • Frühe Zeichen der Enthemmung (Aggressivität,
Rastlosigkeit, unangemessene Witzeleien, ungebremste Sexualität) |
| • Ablenkbarkeit und Impulsivität |
| • Psychische Rigidität |
| • Stereotypes, perseverierendes Verhalten |
| • Hyperoralität (verändertes Essverhalten, Bulimie,
exzessives Rauchen, Alkoholismus) |
| • "Utilisationsverhalten" (ungebremste, automatische
Benutzung aller erreichbaren Gegenstände) |
| Affektive Symptomatik |
| • Emotionale Stumpfheit und Desinteresse, Verlust der
Empathie |
| • Angst, Depression |
| • Emotionale Labilität, exzessive Sentimentalität |
| • Bizarre Hypochondrie, überwertige Ideen |
| • Amimie, Aspontaneität |
| Störungen der Sprache |
| • Zunehmende Sprachverarmung |
| • Stereotype Phrasen, Palilalie, Echolalie, später
Mutismus |
| • Vergleichsweise gut erhaltene räumliche Orientierung und
praktische Fähigkeiten |
| Körperlich-neurologische Symptome |
| • Bereits im Frühstadium Primitvreflexe |
| • Frühe Inkontinenz |
| • Erst spät Akinese, Rigidität, Tremor |
| • Niedriger bzw. labiler Blutdruck |
| Untersuchungsbefunde |
| • Normales EEG trotz manifester Demenz |
| • In der zerebralen Bildgebung (funktionell und/ oder
strukturell) überwiegend frontale und/oder anterior temporale
Veränderungen |
| • Auffällige Neuropsychologie (schwere Defizite bei
"Frontallappentests" bei fehlender Amnesie oder Aphasie) |
| Supportive Merkmale |
| • Beginn vor dem 65. Lebensjahr |
| • Positive Familienanamnese einer ähnlichen Störung bei
einem Verwandten 1. Grades |
| • Bulbärparalyse, muskuläre Schwäche, Faszikulationen (bei
zusätzlicher Motoneuronerkrankung) Ausschlusskriterien |
| • Plötzlicher Beginn mit epileptischen Anfällen oder nach
einem Schädel-Hirn-Trauma |
| • Bereits im Frühstadium mnestische Defizite |
| • Im Frühstadium räumliche Orientierungsstörungen |
| • Im Frühstadium schwere Apraxie |
| • Logoklonie, Myoklonie |
| • Kortikale, bulbäre, spinale und zerebelläre Symptome |
| • Frühe, ausgeprägte EEG-Veränderungen |
| • Hinweise auf vorwiegend postzentrale Veränderungen in
der Bildgebung |
| • Multifokale Hirnläsionen in CT oder MRT |
| • Laborchemische Hinweise auf eine entzündliche
Hirnerkrankung |
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|
|
cortikale Demenz |
subcortikale Demenz |
frontale Demenz |
|
bes. betroffen |
Werkzeugleistungen
(Rechnen, Sprache, Benennen, Neu & Alt-gedächtnis, Praxis,
visuell-räumliche Verarbeitung) |
Antrieb,
psychomotorisches Tempo, Gestimmtheit, Ausdauer |
abstraktes, planendes,
urteilendes Denken, Antrieb, Sprachantrieb, Persönlichkeit |
|
eher erhalten: |
Persönlichkeit, Antrieb,
Wachheit, psycho-motorisches Tempo |
Orientierung, Sprache,
passives Gedächtnis (Wiedererkennung) |
visuell-räumliche
Leistungen, passives Gedächtnis (Wieder-erkennung) |
|
Ursache: |
·
M. Alzheimer
·
hypoxischer Hirnschaden |
·
hypertensive Enzephalopathie
·
Normaldruckhydro-cephalus (NPH)
·
Demenz b. Parkinson Syndrom
·
Demenz b. Chorea Huntington
·
symptomatische Demenzen |
·
M. Pick
-
frontotemporale Demenz
·
bifrontale Traumen, Blutungen
und Tumoren |
Bei der Behandlung gibt es Unterschiede zum M Alzheimer. Es gibt
bisher kaum Studien zur Behandlung. Bei der FTD sind Acetylcholinesterasehemmer
im Gegensatz zum M. Alzheimer wirkungslos. Die cholinergen Bahnen sind hier
nicht gestört. Antidepressiva könnten eventuell helfen einen Teil der
Verhaltensstörungen zu vermindern. Dies geht davon aus, dass die Anzahl
5HT2-Rezeptoren bei diesen Kranken in der frontalen Hirnrinde vermindert ist. In
einer plazebokontrollierten Doppelblindstudie verbesserte das Antidepressivum
Trazodon bei vielen Patienten Unruhe, Enthemmung, ungewöhnliches motorisches
Verhalten, gesteigertes Essverhalten und Apathie.
|
Diagnosekriterien für primär
progressive Aphasie |
|
Allmählich beginnende und langsam fortschreitende
Beeinträchtigung von Wortfindung,
Objektbenennen, Syntax oder Wortverständnis in der Konversation oder bei
Anwendung
eines etablierten neuropsychologischen Sprachtests.
|
Alle Einschränkungen im Alltag können in den ersten 2 Jahren nach
Symptombeginn
auf die Sprachbeeinträchtigung zurückgeführt werden. |
Die prämorbide Sprachfunktion ist intakt (eine Dyslexie in der
Entwicklung ist möglich).
Markante Apathie, Enthemmung, Frischgedächtnisstörungen,
visuell-räumliche Störungen,
visuelle Erkennungsstörung und sensomotorische Defizite fehlen in den
ersten 2 Jahren
der Erkrankung bei Berücksichtigung von Anamnese, Alltagsaktivitäten
oder neuropsychologischen
Ergebnissen, so dass der Patient keine Diagnosekriterien einer anderen
demenziellen
Erkrankung erfüllt. |
Andere kognitive Funktionen können nach den ersten 2
Erkrankungsjahren betroffen
sein, aber die Sprache bleibt die am stärksten beeinträchtigte Funktion
während des
gesamten Krankheitsverlaufs und verschlechtert sich rascher als andere
Funktionen.
Andere Aphasieursachen wie Schlaganfall oder Tumor sind mittels
Bildgebung ausgeschlossen. |
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