Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

 

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Chronische Kopfschmerzen

Inhaltsverzeichnis:
1. Häufigkeit von Kopfschmerzen
2. Ursachen von Kopfschmerzen
3. Behandelbarkeit von Kopfschmerzen
4. Kopfschmerzanamnese
5. Die häufigsten Fehldiagnosen
    5.1 Zusammenhang mit Bluthochdruck
    5.2 Weitere häufige Fehldiagnosen
6. Literatur und Leitlinien

 

Häufigkeit von Kopfschmerzen in der Bevölkerung (Prävalenz / Inzidenz)

Kopfschmerzen sind sehr weit verbreitet. Nach einer großen repräsentativen Umfrage in Deutschland hatte jede 3. Frau und jeder 5. Mann innerhalb der letzten Woche Kopfschmerzen, im letzten Jahr waren es zwei Drittel der Frauen und die Hälfte der Männer. (Bundes-Gesundheitssurvey 1998).

Weltweit geht man davon aus, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung ein Kopfschmerzleiden haben, 10% Migräne, 38% Spannungskopfschmerzen, und 3% einen chronischen Kopfschmerz, der mehr als 15 Tage pro Monat anhält. Ähnliche Zahlen gibt es auch aus Umfragen in ganz Europa. (J Headache Pain. 2010; 11(4): 289–299).

Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung hat ein Kopfschmerz-Leiden, Frauen sind häufiger betroffen als Männer.*

Die Häufigkeit der Kopfschmerzen nimmt bei beiden Geschlechtern mit dem Älterwerden ab, bei den oberen sozialen Schichten bzw. bei den Besserverdienenden sind Kopfschmerzen als einziges Schmerzsyndrom häufiger als in den unteren Schichten. Jüngere Menschen mit besserer Ausbildung und besserem Einkommen fehlen allerdings seltener am Arbeitsplatz wegen Kopfschmerzen, unabhängig von der Intensität der Schmerzen. Die Hälfte aller Frauen mit Migräne und fast 40% der Männer mit Migräne verlieren pro Jahr 6 oder mehr Arbeitstage wegen ihrer Kopfschmerzen. Krankheitsbedingte Fehltage und Produktivitätsverlust durch Kopfschmerzen verursachen Milliardenkosten jährlich. Kopfschmerzen insgesamt verursachen in Europa etwa Kosten von bis zu 173 Milliarden Euro pro Jahr. (Eur J Neurol. 2012;19(5):703-11, European Neuropsychopharmacology 21,10, 718-779. Work-related disability: results from the American migraine study. Stewart WF, Lipton RB, Simon D PMID: 8792034, UI: 96384137)

Schmerzen und insbesondere Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen, einen Arzt aufzusuchen. Kopfschmerzen sind damit die häufigste neurologische Erkrankung.

Andauernde oder oft wiederkehrende (das heißt: chronische) Kopfschmerzen sind in der Bevölkerung sehr verbreitet. Allein an Migräne leiden 15 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer. In Deutschland sind dies umgerechnet über 7 Millionen Menschen.  Etwa 4% der Erwachsenen und 1%- 2% der Kinder leiden unter fast täglichen Kopfschmerzattacken. Unter diesen chronischen Kopfschmerzen sind Migräne und Spannungskopfschmerzen etwa gleich häufig. Meistens bessern sich auch die fast täglichen Kopfschmerzattacken im Verlauf. Fast täglichen Kopfschmerzattacken sind bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern und in den unteren sozialen Schichten häufiger. Nicht selten (ca. 30%) sind medikamenteninduzierte Kopfschmerzen die Ursache. Nikotin, Koffein, Bewegungsmangel, Schlafstörungen, Stress etc. können andere Ursachen für die Verschlimmerung von Kopfschmerzleiden sein. (Headache 2008;48:16-25 Abstract).

 

Ursachen von Kopfschmerzen

Mehr als 90% aller Kopfschmerzen haben keine im Labor, Kernspintomogramm oder bei einer sonstigen Untersuchung fassbare Ursache.

Chronische Kopfschmerzen stören das körperliche und seelische Gleichgewicht und können die Lebensqualität sehr stark beeinträchtigen. Mehr als 95% der Patienten, die einen Arzt wegen Kopfschmerzen aufsuchen, haben einen nicht gefährlichen chronischen Kopfschmerz. Bis eine Diagnose sicher steht, ist Kopfschmerz wie jeder Schmerz als Warnsymptom des Körpers zu verstehen. Dieses macht deutlich, warum die Abklärung und Behandlung von Kopfschmerzen grundsätzlich in die Hand des für den Kopf zuständigen Spezialisten, des Neurologen , gehört. Ein übersehene Gefäßmissbildung, die später (nach wenigen "Migräne-Attacken") platzt, ein übersehener Hirntumor oder eine falsch interpretierte TIA (transitorisch ischämische Attacke) oder auch nur ein progredientes subdurales Hämatom bedeuten zwangsläufig für den Patienten gefährliche Situationen, die oft nicht mehr behebbare lebenslange Folgen hinterlassen können. Auch die falsche Behandlung "einfacher oder gewöhnlicher  Kopfschmerzen" ist leider nicht immer ohne Folgen. Eine gründliche Diagnostik beim Spezialisten und eine richtige Beratung erspart oft viel Leid.

Kopfschmerzen werden in der  Klassifizierung des „International Committee of the International Headache Society“ in primäre und sekundäre Kopfschmerzen eingeteilt.  Von primären  Kopfschmerzen spricht man, wenn eine für ein bekanntes Kopfschmerzsyndrom typische Kopfschmerzanamnese und -symptomatik sowie unauffällige neurologische, radiologische und laborchemische Befunde vorliegen. Dies trifft auf 92% der Kopfschmerzpatienten zu. Nur etwa 8% der Kopfschmerzpatienten haben sekundäre Kopfschmerzen, ein großer Teil dieser Patienten kann bereits auf Grund der Beschwerdeschilderung erkannt werden. In der Diagnostik stehen nicht die Apparate an erster Stelle, sondern eine ausführliche Erhebung der Vorgeschichte und eine neurologische Untersuchung. Auch in der Behandlung von Kopfschmerzen ist eine gute Beratung das Entscheidende. Einfache vorbeugende Maßnahmen können oft wesentlich helfen, Medikamente und damit auch Nebenwirkungen einzusparen. 

 

Behandelbarkeit von Kopfschmerzen

Ein häufiger Irrtum ist, dass wenn keine fassbare Ursache vorhanden ist, auch keine Behandlung möglich sei. Die meisten Kopfschmerzsyndrome sind jedoch gut behandelbar.

Wenn man den Erfolg einer Behandlung von Kopfschmerzen feststellen will, benötigt man zunächst realistische Ziele. Realistisch ist in der Regel, dass die Kopfschmerzhäufigkeit und die Schmerzintensität um mehr als die Hälfte gemindert werden können. Um dies festzustellen, bedarf es oft einer entsprechenden Aufzeichnung in einem Schmerztagebuch oder einem Kalender über einen längeren Zeitraum.

Eine erfolgreiche Behandlung beruht auf entsprechenden Erfahrungen und Studien zur Behandlungsmethode. Nachschlagen kann man die Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungsmethoden zum Beispiel in den Leitlinien der Neurologischen Fachgesellschaft (die unten verlinkt sind) oder bei der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DKMG). Obwohl eindeutige Untersuchungen zur Wirksamkeit (oder Unwirksamkeit) bestimmter Therapieverfahren vorliegen und diese allgemein zugänglich sind, werden die wenigsten Kopfschmerzpatienten nach solchen Leitlinien behandelt. Besonders in Zeiten der Rationierung der Mittel im öffentlichen Gesundheitswesen haben unwirksame Methoden, deren Ziel hauptsächlich ist, außerhalb des Budgets an den Geldbeutel der Patienten und manchmal auch der wenig wachsamen Krankenkassen zu kommen, Hochkonjunktur. Eine gute Information hilft so nicht nur Kopfschmerzen lindern, sie schützt auch Ihren Geldbeutel vor dem Zugriff von Scharlatanen.
 

Kopfschmerzanamnese

Die wichtigsten Fragen bei der Kopfschmerzanamnese.
Wie Sie sich auf eine Untersuchung vorbereiten können.
Diese Fragen lassen bereits in 90% der Fälle die Diagnose stellen.


Ist dies ihr erster oder schlimmster Kopfschmerz ? 

Wie schlimm ist Ihr Kopfschmerz auf einer Skala von 1-10 (wenn 10 ganz schlimm und 1 leicht und wenig störend ist) ? 

Haben Sie regelmäßig Kopfschmerzen? Ist der derzeitige Kopfschmerz so wie Ihre sonstigen Kopfschmerzen?

Was für Symptome hatten sie vor Ihre Kopfschmerzen anfingen? 

Was für Symptome hatten Sie während der Kopfschmerzen? Was für Symptome haben Sie jetzt?

Wann fing der Kopfschmerz an? Wie hat er angefangen (allmählich, plötzlich, oder sonst)?

Wo tut es weh? Breitet sich der Schmerz aus? Wenn ja wohin?

Was für eine Art Schmerzen haben Sie (pulsierend, stechend, dumpf, oder sonst)?

Haben Sie andere Krankheiten oder andere Symptome? Wenn ja welche?

Nehmen Sie Medikamente, bitte alle angeben, auch die Kopfschmerztabletten? Wenn ja welche?

Haben Sie in den letzten Monaten ihren Kopf angeschlagen, wurden medizinische oder zahnärztliche Eingriffe bei Ihnen vorgenommen?
 

 

  Migräne chron. Spannungskopfschmerzen Kombination Migräne und Spannungskopfschmerz Cluster Kopfschmerzen Tumor
Frequenz 2 bis 8x /Monat Täglich oder fast täglich Dauerschmerz + 2 bis 8x /Monat typische Migräneattacken 1 bis 8x /Tag während der Serie Unterschiedlich
Dauer 4 Stunden bis 2 Tage meist 12 bis18 Stunden Konstant Konstant mit 30 min bis 2 Tage dauernden Attacken der Verschlimmerung 30 bis 90 Minuten Unterschiedlich
Beginn Allmählich Allmählich Allmählich Plötzlich, erreicht das Maximum der Intensität in 1 bis 3 Minuten Unterschiedlich,
Schmerz- Lokalisation Einseitig, kann die Seite wechseln und beidseitig werden Schraubstock oder Helmgefühl, beidseitig Schraubstock oder Helmgefühl, ständig dazu oft einseitige Attacken Einseitig, meist hinter dem Auge Meist einseitig
Schmerz- Charakteristik Pulsierend; mäßig bis schwer Ständiger dumpfer Schmerz, als ob der Kopf zusammengedrückt wird Ständiger dumpfer Schmerz in den Attacken Pulsierend; mäßig bis schwer Anhaltend, schwer, wie mit einem Messer, stechend, zur Verzweiflung treibend Unterschiedlich
Begleitende Symptome Systemisch- Meist Übelkeit und Erbrechen, Prodrome bei Migräne mit Aura, Vorsymptome bei Migräne ohne Aura, Lichtscheu Keine, meist auch keine Zunahme durch körperliche Aktivität Nur in den Attacken wie bei Migräne, oft von Depressionen begleitet Auf der Schmerzseite:  partielles  Horner- Syndrom, Tränenfluss, verstopfte Nase Augenrötung Unterschiedlich
Trigger Stress, Menses, Alkohol, Schlafrhythmusveränderung Stress Stress, Depression, Während der Serien kann Alkohol die Attacken auslösen Keine bekannt
Geschlechtsverteilung 3:1 weiblich Gleichmäßig verteilt Frauen etwas häufiger 10:1 männlich Gleichmäßig verteilt

 

Unterscheidung Spannungskopfschmerz und Migräne

Symptom Spannungskopfschmerzen Migräne 
Intensität and Art des Schmerzes
Mild-bis-mäßig x x
Mäßig -bis schwer x x
Intensiv, pochend und stark beeinträchtigend . x
Störend aber nicht stark beeinträchtigend x .
Dauerschmerz x .
Wo es weh tut
Eine Seite des Kopfes . x
Beide Seiten des Kopfes x x
Begleitsymptome
Übelkeit und Erbrechen . x
Licht- und Lärmempfindlichkeit . x
Aura vor den Kopfschmerzen wie Lichtblitze vor den Augen . x
Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen können beide Kopfschmerzarten imitieren.
Bei der Migräne fangen Übelkeit und Kopfschmerz meist gleichzeitig an, oft geht die Übelkeit den Kopfschmerzen voraus. Wer mit  Kopfschmerzen aufwacht und wem dann gegen Mittag übel wird, hat eher einen Spannungskopfschmerz. Übelkeit ist aber bei Spannungskopfschmerzen selten.

 

Die häufigsten Fehldiagnosen

Zusammenhang zwischen Blutdruck und Kopfschmerzen

Bluthochdruck und Kopfschmerzen - ein Mythos der sich lange hält jetzt aber endlich fallen gelassen werden sollte.
 

Die Vermutung, dass Kopfschmerzen ein Hinweis auf einen hohen Blutdruck sind, ist weit verbreitet. Nicht wenige Hochdruckpatienten gehen sogar davon aus, dass sie an ihren Kopfschmerzen die Höhe des Blutdrucks erkennen können. Dabei handelt es sich nach einer großen Studie um einen weit verbreiteten Irrtum. Sowohl die Gefahren des Bluthochdrucks, als auch die Gefahren, die sich hinter Kopfschmerzen als Symptom verbergen können, werden durch solche Annahmen leicht unterschätzt.

Eine norwegische Studie nutzte die Daten von 22.685 Menschen ohne spezielle Kopfschmerzvorgeschichte. Diesen Personen war zwischen 1984 und 1986 der Blutdruck gemessen worden. Zwischen 1995 und 1997 beantworteten diese Personen einen Kopfschmerzfragebogen. Im Ergebnis zeigte sich, dass diejenigen die einen systolischen Blutdruck (oberer Wert) von 150 oder höher hatten, ein durchschnittlich 30% niedrigeres Risiko für  Kopfschmerzen hatten als Personen, die einen systolischen Blutdruck von 140 und weniger hatten. Auch bei Erhöhung des diastolischen Blutdrucks sank das Risiko von Nicht- Migräne Kopfschmerzen. Migränekopfschmerzen zeigten gar keinen Zusammenhang zum Blutdruckwert.

Die Autoren der Studie mutmaßen, dass Druckrezeptoren Einfluss auf die schmerzregulatorischen Systeme im Hirnstamm und Rückenmark nehmen und über diesen Mechanismus dafür sorgen, dass Hochdruckpatienten unempfindlicher gegen Kopfschmerzen werden. Frühere Studien an Bluthochdruckpatienten, die gleichzeitig unter Kopfschmerzen litten, hatten bereits ergeben, dass die Kopfschmerzen bei diesen Patienten nicht im Zusammenhang mit der Blutdruckhöhe standen. Den Zusammenhang mit Bluthochdruck zu untersuchen ist ein schwieriges Unterfangen. Kopfschmerzen und hoher Blutdruck sind allgemein sehr häufig. Dass also Menschen mit einem hohen Blutdruck auch unter Kopfschmerzen leiden ist wegen der Häufigkeit beider Erkrankungen bei vielen Menschen zu erwarten. Die jetzige Studie ist im Ergebnis überzeugend. Es handelt sich um eine Studie, die sich auf Messwerte und Angaben sehr vieler Probanden stützt und sie berücksichtigt einen langjährigen Verlauf. Einzelne frühere Studien hatten widersprüchliche Ergebnisse gezeigt. Einige ältere Veröffentlichungen hatten teilweise einen Zusammenhang alleine auf Grundlage der Tatsache vermutet, dass Bluthochdruckpatienten auch häufig Kopfschmerzen haben, die entsprechende Kopfschmerzhäufigkeit aber nicht mit der von Vergleichspersonen ohne Blutdruckerhöhung verglichen. Die praktische Bedeutung der jetzt veröffentlichten Studie geht über die Tatsache hinaus, dass ein alter Mythos eine Korrektur erfährt.

Mäßiger Bluthochdruck verursacht leider über Jahre meist keine Beschwerden, der einzige Weg diesem wichtigen Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle auf die Spur zu kommen ist ganz einfach die Blutdruckkontrolle. Die Annahme den Blutdruckwert anhand der Kopfschmerzen beurteilen zu können, kann folgenschwer in falscher Sicherheit wiegen.  Kopfschmerzen haben oft harmlose Ursachen, leider liegen aber manchmal doch dringlich behandlungsbedürftige Krankheiten den Kopfschmerzen zu Grunde. Mit der Blutdruckmessung sollte man sich in der Kopfschmerzdiagnostik also nicht zufrieden geben.

Kopfschmerzen können bei langjährig bestehendem Bluthochdruck und sehr hohen Werten aber durchaus auch vom Hochdruck kommen. Die Stärke der Kopfschmerzen geht dann parallel zur Höhe des diastolischen Blutdrucks (des unteren oder 2. Wertes bei der Messung). Vor allem Frauen unter 50 Jahren sind davon betroffen, die Schmerzen sind dann meist morgens am Hinterkopf lokalisiert.  Die Behandlung eines Bluthochdrucks ist immer indiziert. Obwohl Bluthochdruck meist nicht ursächlich für Kopfweh ist, kann die Behandlung eines Bluthochdrucks die Häufigkeit von Kopfschmerzen vermindern. Betablocker und andere Bluthochdruckmedikamente wirken beispielsweise auch bei niedrigem Blutdruck vorbeugend gegen Migräne. Bluthochdruck ist eine der Hauptursachen für Schlaganfälle und andere gravierende Leiden und vor allem deshalb immer behandlungsbedürftig.
 

Weitere häufige Fehldiagnosen

Fälschlich als Ursache von Kopfschmerzen angeschuldigte Gebrechen gibt es auch sonst zuhauf. Obwohl die Halswirbelsäule vermutlich nur für 6% bis maximal 15% der Kopfschmerzen verantwortlich ist, wird wegen der ab den 30. Lebensjahr regelmäßig vorhandenen und im Röntgenbild darstellbaren Abnutzungserscheinungen von vielen ganz generell und zu Unrecht die HWS für fast jeden Kopfschmerz verantwortlich gemacht.

Nasenschleimhautschwellungen, Druckschmerz über den Nebenhöhlen und tränende Augen geben vor allem in den Wintermonaten häufig Anlass zur Verwechslung mit einer chronischen Nebenhöhlenentzündung. Besonders wenn diese Symptome episodisch immer wieder auftreten und einen halben bis 3 Tage dauern, gehen sie häufig auf eine Migräne zurück. 50 bis 80 Prozent der Migräne-Patienten haben solche Symptome. Nach einer aktuellen Untersuchung hatten von 3000 Patienten bei denen bei solchen Beschwerden eine chronische Sinusitis diagnostiziert worden war eine Migräne (Arch Intern Med 164, 2004, 1769  ABSTRACT).

Zitat: Nahezu 50 Prozent der Bevölkerung weisen chronisch entzündliche Veränderungen der Nasennebenhöhlenschleimhaut auf, ohne dass Kopfschmerzen oder Dauerkopfschmerzen vorhanden sind. Eine ursächliche Beziehung zwischen Zeichen einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung und primären Kopfschmerzerkrankungen besteht nicht. ...Eine chronische Sinusitis ist als Ursache von Kopf- oder Gesichtsschmerzen nicht validiert, sofern es nicht zu einer akuten Exazerbation kommt....Eine Nasenscheidewandverbiegung spielt als mögliche Ursache dieser primären Kopfschmerzen keine Rolle. Kopfschmerzen sollten daher nur als Operationsindikation bei einer Nasenscheidewandverbiegung angesehen werden, wenn sie eindeutig als durch diese verursachte sekundäre Kopfschmerzen identifiziert werden können und primäre Kopfschmerzen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen sind. Göbel, H. et al., Dt Ärztebl 2001; 98: A 396–401 [Heft 7] Online HNO Lehrbuch zur Nasennebenhöhle

 

Literatur und Leitlinien zur Kopfschmerzbehandlung

  1. Hagen K, Stovner LJ, Vatten L, Holmen J, Zwart JA, Bovim G. Blood pressure and risk of headache: a prospective study of 22 685 adults in Norway.J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2002 Apr;72(4):463-6.
  2. Kruszewski P, Bieniaszewski L, Neubauer J, Krupa-Wojciechowska B. Headache in patients with mild to moderate hypertension is generally not associated with simultaneous blood pressure elevation. J Hypertens. 2000 Apr;18(4):437-44.
  3. Gus M, Fuchs FD, Pimentel M, Rosa D, Melo AG, Moreira LB.Behavior of ambulatory blood pressure surrounding episodes of headache in mildly hypertensive patients. Arch Intern Med. 2001 Jan 22;161(2):252-5.
  4. Curtis P. Schreiber, Prevalence of Migraine in Patients With a History of Self-reported or Physician-Diagnosed "Sinus" Headache Arch Intern Med. 2004;164:1769-1772. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
     

Guidelines der American Academy of Neurology

Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Neurologie

Leitlinien der deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft

 



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