Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

   Suche  Inhaltsverzeichnis  Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y

Depression Seite 13

 

Weiter Zurück

Angehörige

Depression betreffen immer auch die Partnerschaft, die Familie und die Freunde und Kollegen. Aus Überforderung mangelnder Information und Schuldgefühlen entstehen unnötige Konflikte und zusätzliche Belastungen für die Betroffenen.
Der soziale Rückzug der Betroffenen wird hierdurch oft verschlimmert. Nicht selten kommt es zu Ablehnung durch Freunde und Kollegen, die nicht verstehen warum sich der Erkrankte verändert hat. Schlechte Leistungen bei der Arbeit und erhöhte Kränkbarkeit gefährden den Arbeitsplatz. Der soziale Rückzug der Betroffenen bedingt nicht selten einen Rückzug der ganzen Familie.

Was Angehörige wissen müssen
Depression ist eine echte Erkrankung, keine Simulation. Depression ist keine Willensschwäche. Äußerungen wie „reiß dich zusammen“ bewirken eher, dass der Patient noch tiefer in die Depression sinkt.

Schwere Depressionen enden unbehandelt oft im Suizid.

Die Depression kann die Partnerschaft oder die Familie erheblich belasten.  Oft ist es notwendig, dass auch Angehörige Hilfe suchen.
Partnerschafts- oder  Familienkonflikte können auslösend für Depressionen sein, sie können auch Folge der Depression oder der daraus resultierenden Stressbelastung sein.
Depressive Menschen wie auch deren Angehörige neigen oft dazu den Schuldigen zu suchen. Schuldzuweisungen sind selten fruchtbar, oft sind sie der Anfang vom Ende einer Beziehung.
Schuldzuweisungen wie Selbstbeschuldigungen sind oft ein Symptom einer Depression, sie verschlechtern die Prognose erheblich und reduzieren die notwendigen Kompensations- und Copingmöglichkeiten.
Bei Partnerschafts- oder  Familienkonflikten ist die Einbeziehung des Partners in die Behandlung oft sinnvoller als getrennte Behandlung der Partner.
Wer eine schwere Depression hat, lässt sich nicht davon „ablenken“. Dringend abzuraten ist von größeren Aktivitäten wie zum Beispiel Reisen oder großen Festen. Sinnvoll sind, wenn der Antrieb ausreicht, kleinere Unternehmungen wie ein kurzer Spaziergang.
Jede auch noch so kleine Maßnahme, die dem Kranken zeigt, dass er noch funktioniert, ist wertvoll.
Jede Überforderung wird sein Unfähigkeitsgefühl und damit die Depression verstärken
Eine Depression ist eine behandelbare Erkrankung. Wie bei schweren körperlichen Krankheiten sollten Sie so schnell wie möglich ärztlichen Rat einholen. 
Antidepressiva und psychotherapeutische Führung/Behandlung sind heute bewährter Standard von Therapie
Verunsichern Sie Ihren Angehörigen nicht im Bezug auf die Medikamente. Informieren Sie sich über die Medikamente beim behandelnden Arzt oder in qualifizierter Fachliteratur, Laieninformationen hierüber sind oft falsch, voller Vorurteile und gefährden damit die Genesung.
Besserung von Symptomatik, Wiedererlangung von Arbeits- und Beziehungsfähigkeit sind Therapieziele
Behandlung einer Depression braucht Zeit und Geduld und Kompetenz
Depressives Nichtleistenkönnen ist echtes Nichtkönnen, kein Nichtwollen
Depressive Angehörige sollen nicht überfordert, aber auch nicht ganz entlastet werden
Gemeinsame Aktivitäten sind hilfreich
Hoffnungslosigkeit ist eine Symptom der Depression, dies bedeutet aber nicht, dass nicht geholfen werden kann. Die meisten Depressionen sind besser behandelbar als körperliche Erkrankungen.
Suizidalität muss beachtet werden als Notsignal
Zusammenarbeit mit behandelndem Arzt ist wichtig und notwendig
Die Behandlung einer Depression kann zur Langzeittherapie werden.
Wichtige Entscheidungen sollten verschoben werden, sie bringen meist nicht die erhoffte Erleichterung, Fehlentscheidungen die in der Depression getroffen werden können schlimme Folgen haben. 
Wenn Gewalt in der Partnerschaft eine Ursache der Depression ist, sollte dies bei der ärztlichen Behandlung angesprochen werden. Oft ist dann Hilfe für beide Partner notwendig.
Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht überfordern. - Es ist niemand gedient, wenn Sie auch wegen langdauernder Überforderung eine Depression entwickeln.
Oft ist es sinnvoll, dass Angehörige auch für sich selbst fachmännische Hilfe suchen. Besondere Aufmerksamkeit brauchen auch die Kinder depressiver Mütter. Sie leiden nicht selten erheblich mit. Bei Suizidalität kann es auch zum erweiterten Suizid mit Tötung der Kinder kommen. Schulkinder zeigen deutlich schlechtere Leistungen in allen Bereichen, wenn die Mütter depressiv sind.

 

Depressionen gehören in fachärztliche Behandlung. Nicht nur, dass es dem Nichtfachmann oft schon schwer fällt die Diagnose zu stellen und sie von anderen auch psychiatrischen, neurologischen oder internistischen Erkrankungen abzugrenzen, auch die auf das Individuum abgestimmte Behandlung ist ein Handwerk, das genauso verantwortungsvoll wie das eines Chirurgen und nicht weniger kompliziert ist. Fehler haben auch hier manchmal tödliche Konsequenzen, oft verlängern sie ein schweres Leiden von Patienten und Angehörigen unnötig. Depressiv Erkrankte haben ein hohes Suizidrisiko. Man schätzt, dass sich 3-4% der Erkrankten im weiteren Verlauf das Leben nehmen. Bei Personen, die wegen schwerer Depressionen stationär behandelt werden bzw. wurden, liegt diese Wahrscheinlichkeit sogar bei ungefähr 15%. Gleichzeitig ist ein großer Teil aller Suizide auf Depressionen zurückzuführen. Depressionen sind der häufigste Grund für Suizide, besonders groß ist das Risiko wenn noch eine Alkoholkrankheit dazukommt. Tod durch Suizid ist häufiger als durch Verkehrsunfall, dies gilt für alle Kulturen. Siehe Z.B.: (Arch Gen Psychiatry. 1995;52:594-603 Mental Illness and Suicide, A Case-Control Study in East Taiwan, Andrew T. A. Cheng, MD, PhD, MRCPsych)

 

Weiter Zurück

Zur Startseite Anschrift des Verfassers: (Praxisadresse)
Feedback: Karl C. Mayer
Gästebuch Bergheimerstraße 56a
E-Mail 69115 Heidelberg