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Ca. 10% der Bevölkerung erkranken einmal oder mehrmals
im Leben an einer schweren depressiven Episode und ca. 3-4% aller depres siv
Erkrankten nehmen sich im weiteren Verlauf das Leben, bei schweren
Depressionen sogar 15-20%.. Schätzungen zufolge leiden in den USA etwa
17,6 Millionen Menschen an Depression und bis zu 25% aller Frauen bzw. bis
zu 12% aller Männer in den USA werden einmal in ihrem Leben eine schwere
Depression durchmachen. Der Median der Dauer schwerer depressiver Episoden
betrug in einer Studie mit 7076 Untersuchten betrug 3 Monate. Die Hälfte
der Betroffenen erholte sich binnen 3 Monaten, 63% innerhalb von 6 und 76%
innerhalb von 12 Monaten, nahezu 20% hatten sich nach 24 Monaten nicht
erholt. Determinanten der Persistenz waren die Schwere der Depression und
komorbide Dysthymien. Wiederkehrende Episoden hingen mit kürzerer Dauer
zusammen. Die Verbesserung der Diagnostik und medizinischen
Versorgung depressiver Krankheiten ist daher ein relevantes
gesundheitspolitisches Problem. Angst- und Suchterkrankungen,
schwere Persönlichkeitsstörungen, aber auch akute Belastungsfaktoren wie
Trennung, Arbeitslosigkeit und finanzielle Not gelten als Risikofaktoren
für die Entwicklung einer depressiven Erkrankung. Lebenskrisen,
Verlusterlebnisse und Einsamkeit können die Depressionsgefahr erhöhen.
Allein oder getrennt lebende Menschen weisen ein deutlich erhöhtes
Erkrankungsrisiko auf. Derzeit nimmt man an, dass ein Zusammenwirken von
genetischen, neurobiologischen und psychosozialen Faktoren Depressionen
auslöst und aufrechterhält. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens
eine Depression zu erleben, ist bei Erstgradangehörigen von depressiv
Erkrankten deutlich erhöht. Das weist darauf hin, dass es familiäre
Belastungsfaktoren gibt. Dass Vererbung dabei eine Rolle spielt, lässt
sich aus unterschiedlichen Abhängigkeiten der Erkrankungshäufigkeiten bei
eineiigen und zweieiigen Zwillingen ableiten. Die neurobiologische,
neuroimmunologische und genetische Forschung konzentriert sich derzeit
u.a. auf Störungen der Signalübertragung innerhalb und zwischen
Nervenzellen sowie auf endokrinologische Einflüsse (z.B. Cortison,
Serotonin, Noradrenalin) und Störungen der Schlaf-Wach-Regulation.
Untersuchungen zur Persönlichkeitsstruktur von Patienten vor dem Auftreten
einer depressiven Störung ergaben, dass diese oft bereits im Vorfeld der
Erkrankung zu einer übervorsichtigen, gewissenhaften, auf soziale
Anerkennung und Unterstützung bedachten Lebensführung neigen und sich
evtl. damit gegenüber unkontrollierbarem Stress schützen. Außerdem gilt
als gesicherter Indikator für häufigere depressive Erkrankungen, wenn die
Persönlichkeitsmerkmale "Ängstlichkeit", "Besorgtheit", sowie
"Stimmungsschwankungen unterworfen" und "emotional anhaltend und stark auf
alle möglichen Eindrücke reagierend" vorhanden sind. Die
Wahrscheinlichkeit weiterer depressiver Episoden wird vor allem
beeinflusst durch die Anzahl vorhergegangener Episoden, einen frühen
Erkrankungsbeginn, die Verbindung der Depression mit einer
Angsterkrankung, Sucht oder Dysthymia sowie durch mangelhafte soziale
Unterstützung der Betroffenen. Depressionen sind für 6,3% aller
Frühberentungen und 2,2% aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich.
"(Aus Kapitel 5.15 Depressionen
Gesundheitsbericht für Deutschland 1998)
Entgegen der Meinung vieler Menschen nehmen Depressionen aber nicht zu.
Sie werden etwas häufiger diagnostiziert, es gibt mehr Fachärzte, auch die
Diagnostik der Hausärzte hat sich verbessert. Im
wiedervereinigten Deutschland kann, allen Kassandrarufen zum Trotz, von
einem Rückgang der Zufriedenheit keine Rede sein, berichtet eine
Studie von Thomas Bulmahn vom Wissenschaftszentrum (WZB) Berlin. In den
alten Ländern habe sich das Empfinden von "Glück und Zufriedenheit" in den
vergangenen 20 Jahren auf einem hohen Niveau stabilisiert, in den neuen
Ländern habe sich das subjektive Wohlbefinden trotz (oder wegen?) der
Modernisierung "erheblich verbessert". Nach der empirischen Untersuchung
des WZB ("Wohlfahrtssurvey") leiden immer weniger Menschen unter
Depressionen und Erschöpfungszuständen. Zwar fühlen sich gegenwärtig 10
Prozent der Deutschen "unglücklich und niedergeschlagen", 17 Prozent
klagen über Ängste, 9 Prozent sind aufgeregt und nervös, 34 Prozent fühlen
sich öfter erschöpft oder erschlagen. Doch die Zahl der Zufriedenen
steigt. 1998 waren in den alten Bundesländern 60 Prozent der Menschen frei
von all diesen Beschwerden, 1978 aber nur 41 Prozent. Einen ähnlichen
Trend verzeichnet Bulmahn in den neuen Bundesländern. Während 1990 direkt
nach der Wende nur 37 Prozent frei von mentalen Belastungen waren, stieg
der Anteil in 1998 auf 52 Prozent. Aber es existieren auch gegenläufige
Trends. Während jüngere Menschen die Freiheiten und Autonomie genießen,
leidet die ältere Generation unter der Auflösung familiärer und sozialer
Bindungen.
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Typischer Beginn und Verlauf affektiver Störungen |
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Unipolare Störung: Durchschnittsalter für Beginn der major
Depression ist 25 J., Tendenz sinkend. Inzidenz ist tendenziell am
Steigen. Länge der depr. Episode ist variabel, d.h. leicht dep.
Episoden dauern nur 2 Wochen; schwerer können bis zu einigen Jahren
dauern; erst Episode dauert unbehandelt zw. 6-9 Monaten; Chance von
Teilremissionen in dieser Zeit ca. 90%; Recovery-Wahrscheinlichkeit
von Episoden die 5 Jahren oder noch länger dauern ca. 38%. Bleiben
einige Symptome in dieser Zeit zurück, steigt die Chance für weitere
depr. Episoden => Konsequenzen für Therapieplanung und Behandlung =>
länger.
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Dysthymie: typischer Beginn 20-25 Jahre oder sogar früher;
meist chronisch; dauert sehr lange; schlechte Prognose; steigende
Prävalenz bei Kindern; dauert oft länger als 25 Jahre |
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Bipolare
Störungen: Manische-depressive Episoden: durchschnittliches
Alter beim Auftreten ist ca. 20 Jahre; generell etwas früher als bei
depr. Episoden; nach dem 40. Lebensjahr ist Auftreten relativ
unwahrscheinlich, Beginn ist akuter. |
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| Depressionen sind
Gemütskrankheiten, keine Geisteskrankheiten
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| Viele Menschen die an Depressionen leiden halten sich nicht für
krank, sondern nur für Versager. Die immer noch
mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz
der Erkrankung und die aus der Depression selbst kommenden
Schuldgefühle sind hierfür verantwortlich. |
| Depressionen können verschiedene körperliche und psychische
Ursachen haben (nach denen bei Aufnahme der Behandlung immer gesucht
werden sollte). Beispielsweise das Blutdruckmedikament, die
Schilddrüsenerkrankung, oder eine Trennung, eine schwere Kränkung
usw.) |
| Oft findet sich auch keine Ursache oder keinen Grund warum
jemand in eine Depression hineingeraten ist. An der
Behandelbarkeit ändert dies nichts. |
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