Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Depression Seite 4

 

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Symptome 

häufige psychische Symptome der Depression

häufige körperliche Symptome der Depression

innere Leere die man mit dem "Gefühl der Gefühllosigkeit" beschreiben kann Appetitverlust, Gewichtsabnahme, manchmal aber auch Gewichtszunahme

Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände

Verstopfung, bei Angst auch Durchfall oder Harndrang

Mangel an Antrieb und Interesse,

Verlust and sexuellem Interesse,

Müdigkeit oder Energieverlust, Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten.

Rücken- oder Gliederschmerzen,

Nachlassen der Aufmerksamkeit,

Kopfdruck, Schwindel,

Konzentrationsstörungen, Grübelneigung

Übelkeit,

innere Unruhe oder Verlangsamung,

Kloßgefühl im Hals,

Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf,

Beklemmung in der Brust,

Nachlassen der Kreativität,

Zyklusstörungen, 

Reizbarkeit,

Reduzierte Vitalität,

Selbstvorwürfe,

Kraftlosigkeit, rasche Ermüdbarkeit,

mangelndes Selbstwertgefühl,

fehlende Frische,

negative Bewertung der eigenen Person, ihres Wertes für andere und sich,

vorgealtertes Aussehen

negative Bewertung der eigenen Vergangenheit; fehlende Zukunftsperspektive,

Depression können schwere und lebensverkürzende Krankheiten, wie Diabetes mellitus, Herzinfarkt, Bluthochdruck und Krebserkrankungen verschlimmern, vielleicht sogar auslösen.

Gedanken von Schuld, selbstverschuldetem Zurückbleiben hinter Anforderungen, Entwicklungsansprüchen, Normen,

Depression können auslösend oder verstärkend auf Suchterkrankungen wirken

Gefühl von Wertlosigkeit, Versagen;

 

Gedanken von Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, von überflüssig; und Wertlossein;

 

allgemeiner Pessimismus,

 

unangemessene Schuldgefühl, Selbstanklage,

 

Vorwürfe gegen andere;

 

Gedanken von Nichtgewollt-, Nichtgeliebt-, Nichtgeschätztsein, niemandem etwas wert zu sein, 

 

Gedanken von Nichtkönnen, Insuffizienz und Minderwertigkeit,

 

Todes- und Ruhewünsche, wiederkehrende Gedanken an den Tod, Suizidideen, -Pläne, -absichten. fehlende Ansprechbarkeit auf psychosozialen Kontakt,

 

 

Das körperliche Syndrom einer Depression im engeren Sinn: 

Von einer somatisierten Depression kann man sprechen, wenn wenigstens 4 der unten genannten Symptome vorhanden sind. 

  • Anhedonie = Verlust des Interesses und der Fähigkeit sich zu freuen.
  • Verlust der emotionalen Schwingungsfähigkeit (Verlust des emotionalen Reaktionsvermögens auf normalerweise erfreuliche Umgebung oder Ereignisse, oft auch Verlust der Fähigkeit wirklich traurig zu sein)
  • Früherwachen (>2 Stunden früher als gewöhnlich)
  • Psychomotorische Verlangsamung oder Agitation (Unruhe)
  • Erheblicher Appetitverlust
  • Gewichtsverlust  >5% des Körpergewichts in einem Monat
  • Verlust der Libido

    Depressionen können auch viele andere körperliche Symptome auslösen. Oft ist es dann aber sinnvoller die zusätzliche Diagnose einer Somatisierungsstörung zu stellen. 

 

 

Depressionen kommen in allen Kulturen vor. Nach Vergleichsstudien sind dabei die  Kernsyndrome: Traurigkeit, Freudlosigkeit, Angst und Anspannung, Energielosigkeit, Interessenverlust, Konzentrationsverlust, Insuffizienzgefühle, Versagensgefühle und das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit in verschiedenen Kulturen etwa gleichhäufig bei einer Depression vorhanden. Schuldgefühle scheinen hingegen in westlich christlichen Ländern häufiger, während beispielsweise  körperliche Symptome im Iran deutlich häufiger vorkommen als in den westlichen Ländern.

Sexuelle Funktionsstörungen sollten bereits bei der Eingangsuntersuchung erhoben werden. Sehr viele psychische Störungen können auch sexuelle Funktionsstörungen mitbedingen. Emotionale Probleme und Sexuelle Dysfunktionen gehen häufig parallel.   Allerdings haben auch viele Menschen mit ungestörter Emotionalität Sexuelle Dysfunktionen.  Angst fand in einer Studie in Zürich bei 26% der Gesunden eine sexuelle Probleme, bei depressiven bisher nicht behandelten Patienten war dieser Prozentsatz auf 45% erhöht, bei den behandelten depressiven Patienten auf 63%.  Interessanterweise fand er keinen Unterschied der Prävalenz von sexuellen Dysfunktionen zwischen nur mit Psychotherapie und nur mit Antidepressiva behandelten Patienten.  Int Clin Psychopharmacol. 1998 Jul;13 Suppl 6:S1-4. Auch nach Besserung der Depression kann eine verminderte Libido und ein unbefriedigendes Sexualleben zur Lebensunzufriedenheit und dem Risiko eines Rückfalls in die Depression beitragen. In einer Studie mit 132 Patienten, berichteten Patienten die unter Depressionen litten, zu 72% und Patienten mit bipolaren Störungen zu 77% über einen Libidoverlust, bzw. Potenzstörungen. Arch Gen Psychiatry 1985; 42: 1098-104  Die Wechselbeziehung zwischen Depressionen und sexuellen Funktionsstörungen ist komplex. Manchmal bessert die Behandlung der Depression oder der sexuellen Funktionsstörung beides. Häufiger aber verbleibt auch nach Behandlung einer Depression die sexuelle Funktionsstörung, auch unabhängig davon ob Medikamente oder Psychotherapie eingesetzt werden. Da aber manche Antidepressiva sexuelle Funktionsstörungen auslösen oder verschlimmern können, ist die Ausgangslage auch für die Auswahl des Antidepressivums wichtig. Manche Antidepressiva, die sonst eher als 2. Wahl eingesetzt werden, können die sexuelle Lust bei manchen Patienten steigern (Bupropion, Trazodon). Manchmal ist eine Dosisreduktion bei Auftreten sexueller Nebenwirkungen ausreichend.  Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch immer die Begleitmedikation wegen anderer Leiden. Das Magenmittel Cimetidin reduziert beispielsweise die Sexuelle Lust erheblich mehr als Ranitadin, Betablocker häufiger als viele andere Mittel gegen Bluthochdruck.   Fazit: Sexuelle Funktionsstörungen sollten in der Depressionsbehandlung von Arzt und Patient angesprochen werden.

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Die Unterscheidung Generalisierte Angststörung, Panikstörung und Depression

Erkrankung Unterscheidende Symptome Alter bei Beginn Begleitsymptome Verlauf Familienanamnese
Generalisierte  Angststörung, Sorgen und Ängste um und bezogen auf bestimmte Themen früh ab dem 20sten Lebensjahr Unruhe, innere Anspannung, Müdigkeit Chronisch Generalisierte  Angststörung, Panikstörung, Alkoholmissbrauch
Panikstörung Intensive aber kurzdauernde Panikattacken stehen im Vordergrund. Akute Angst; Häufigkeit wechselnd, oft keine Auslöser, oft Agoraphobie  Bimodaler Beginn  (späte Pubertät und Mitte 30er) Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Luftnot,  Variable  Perioden mit Besserung bis Symptomfreiheit und Rückfälle  Panikstörung, Majore Depression, Alkoholmissbrauch
Depression Anhaltend schlechte Stimmung oder Gefühl der Gefühllosigkeit, dabei kann auch ständig begleitend Angst vorhanden sein.   Mitte-20er Neurovegetative Symptome (bes. , Schlaflosigkeit, Mangel an Appetit, Schuldgefühle, Antriebsmangel) Symptom verschwinden können aber phasenweise wieder auftreten Majore Depression, Alkoholmissbrauch

 

 

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