Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Depression Seite 5

 

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Zur Einteilung und Terminologie:

 

Hippokrates (460-377 vor Christus) beschrieb Manien und Depressionen getrennt. Schon in 2. Jahrhundert beschrieb Aretaeus, ein Arzt aus Capadokien in Asien als erster, dass beide Krankheiten zusammengehören.  Dies geriet lange in Vergessenheit.   Kraepelin (1856-1926) beschrieb hunderte von Patienten mit diesem Krankheitsbild in seinem Lehrbuch (1896) und fügte sie so wieder zu einem Krankheitsbild wie wir es heute kennen zusammen Er vertrat  das Einheitskonzept der manisch-depressiven Krankheit.  Diese grobe Einteilung war der Überbegriff für leichte Niedergeschlagenheit, periodisch oder kontinuierlich. Es war aber ebenfalls der Überbegriff für all das was wir heute affektive Störungen nennen. Erst im zweiten Teil des 20. Jahrhunderts konnte das Einheitskonzept widerlegt werden und die Depression wie auch die Manie galten als zwei unterschiedliche Krankheiten. Der Begriff der mono- und bipolaren Verlaufsform wurde geprägt.  Innerhalb der monopolaren Depression verwendete man Begriffe wie neurotische versus psychotische Depression. Oder reaktive versus endogene Depression. Beide Dichotomien sind veraltet, werden aber in der Literatur häufig angetroffen. Die heutige nach DSM-IV und ICD 10 gebräuchliche Einteilung ordnet die Depression (monopolar) den affektiven Störungen unter. Ebenfalls den affektiven Störungen untergeordnet werden die Manie, die manisch-depressive Erkrankung (bipolar), die Dysthymie (monopolar) und die Zyklothymie. Um eine Differentialdiagnose einer Depression machen zu können, gilt es zunächst diese von den übrigen affektiven Störungen abzugrenzen. Es gilt die bipolaren affektiven Störungen, die Manie und die Dysthymie auszuschließen. Zudem ist es notwendig abzuklären, ob die Störung auf Grund einer körperlichen Erkrankung, zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion, oder  durch bestimmte neuronale Noxen entstanden ist. Die Unterscheidung zwischen einer Major- und Minor-Depression wird hauptsächlich im amerikanischen Sprachgebrauch angewandt. Prinzipiell ist zu sagen, dass in den neuen Klassifikationssystemen (ICD 10 = International classification of diseases; DSM IV = Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) ursprüngliche von vermuteten Ursachen ausgehende (z.B. neurotisch, endogen) Einteilungen nicht mehr vorgenommen werden, sondern die Einteilung beschreibend ist. In der aktuellen Version des DSM IV wird die Minor Depression nicht mehr aufgeführt. Vorteil der neuen Einteilungen ist, dass sie von Psychiatern unterschiedlicher Schulen verwendet werden können und dass Forschungsergebnisse vergleichbarer werden.  Zwischen den einzelnen Diagnosen gibt es Übergänge und häufig gerechtfertigte Doppeldiagnosen. Die Lebenszeit-Prävalenz der Dysthymen Störungen wird im DSM IV (mit oder ohne überlagernde Major Depression) mit ungefähr 6 %, die Punktprävalenz der Dysthymen Störung mit etwa 3 % angegeben. Manche neuere Untersuchungen gehen sogar von einer deutlich höheren Prävalenz aus, und gehen davon aus, dass die dysthymen Störungen (also anhaltende leichtere depressive Störungen) bei den meisten Menschen mit episodisch verlaufenden depressiven Störungen zusätzlich vorhanden sind. Die Diagnosehäufigkeiten ändern sich und hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab. Besonders in den USA werden zunehmend häufiger bipolare Störungen diagnostiziert, was bei uns auch in der Tendenz so vorhanden ist.

 

Die ältere Einteilung in endogen und neurotisch
endogene (psychotische) Depression exogene (neurotische) Depression
vorzeitiges Erwachen Einschlafstörungen
Morgentief Abendtief
Selbstanklage Fremdanklage
Wahn und Halluzination fehlt
Anhedonie (Appetit, Libido) nur geringer
Unfähigkeit zu weinen Symptome: Angst, Zwang

 

Definition nach dem ICD 10 Kapitel V

ICD-10 Homepage

Affektive Störungen
(F30-F39)

Dieser Block enthält Störungen deren Hauptsymptome in einer Veränderung der Stimmung oder der Affektivität entweder zur Depression - mit oder ohne begleitender Angst - oder zur gehobenen Stimmung bestehen. Dieser Stimmungswechsel wird meist von einer Veränderung des allgemeinen Aktivitätsniveaus begleitet. Die meisten anderen Symptome beruhen hierauf oder sind im Zusammenhang mit dem Stimmungs- und Aktivitätswechsel leicht zu verstehen. Die meisten dieser Störungen neigen zu Rückfällen. Der Beginn der einzelnen Episoden ist oft mit belastenden Ereignissen oder Situationen in Zusammenhang zu bringen.
F32 Depressive Episode
Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden, leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von so genannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.
Inkl.: Einzelne Episoden von:
- depressiver Reaktion
- psychogener Depression
- reaktiver Depression (F32.0, F32.1, F32.2)
Exkl.: Anpassungsstörungen )
depressive Episode in Verbindung mit Störungen des Sozialverhaltens )
rezidivierende depressive Störung
F32.0 Leichte depressive Episode                            zurück zum Seitenanfang  
Gewöhnlich sind mindestens zwei oder drei der oben angegebenen Symptome vorhanden. Der betroffene Patient ist im allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.
F32.1 Mittelgradige depressive Episode
Gewöhnlich sind vier oder mehr der oben angegebenen Symptome vorhanden und der betroffene Patient hat meist große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.
F32.2 Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
Eine depressive Episode mit mehreren oben angegebenen, quälenden Symptomen. Typischerweise bestehen ein Verlust des Selbstwertgefühls und Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld. Suizidgedanken und -handlungen sind häufig und meist liegen einige somatische Symptome vor.
Einzelne Episode einer agitierten Depression
Einzelne Episode einer majoren Depression [major depression] ohne psychotische Symptome
Einzelne Episode einer vitalen Depression ohne psychotische Symptome
F32.3 Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
Eine schwere depressive Episode, wie unter F32.2 beschrieben, bei der aber Halluzinationen, Wahnideen, psychomotorische Hemmung oder ein Stupor so schwer ausgeprägt sind, dass alltägliche soziale Aktivitäten unmöglich sind und Lebensgefahr durch Suizid und mangelhafte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bestehen kann. Halluzinationen und Wahn können, müssen aber nicht, synthym sein.
Einzelne Episoden:
- majore Depression [major depression] mit psychotischen Symptomen
- psychogene depressive Psychose
- psychotische Depression
- reaktive depressive Psychose
F32.8 Sonstige depressive Episoden
Atypische Depression
Einzelne Episoden der "larvierten" Depression o.n.A.
F32.9 Depressive Episode, nicht näher bezeichnet                         zurück zum Seitenanfang  
Depression o.n.A.
Depressive Störung o.n.A.
F33 Rezidivierende depressive Störung
Hierbei handelt es sich um eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden (F32.-) charakterisiert ist. In der Anamnese finden sich dabei keine unabhängigen Episoden mit gehobener Stimmung und vermehrtem Antrieb (Manie). Kurze Episoden von leicht gehobener Stimmung und Überaktivität (Hypomanie) können allerdings unmittelbar nach einer depressiven Episode, manchmal durch eine antidepressive Behandlung mitbedingt, aufgetreten sein. Die schwereren Formen der rezidivierenden depressiven Störung (F33.2 und .3) haben viel mit den früheren Konzepten der manisch-depressiven Krankheit, der Melancholie, der vitalen Depression und der endogenen Depression gemeinsam. Die erste Episode kann in jedem Alter zwischen Kindheit und Senium auftreten, der Beginn kann akut oder schleichend sein, die Dauer reicht von wenigen Wochen bis zu vielen Monaten. Das Risiko, dass ein Patient mit rezidivierender depressiver Störung eine manische Episode entwickelt, wird niemals vollständig aufgehoben, gleichgültig, wie viele depressive Episoden aufgetreten sind. Bei Auftreten einer manischen Episode ist die Diagnose in bipolare affektive Störung zu ändern (F31.-).
Inkl.:

Rezidivierende Episoden (F33.0 oder F33.1):
- depressive Reaktion
- psychogene Depression
- reaktive Depression
Saisonale depressive Störung

Exkl.: Rezidivierende kurze depressive Episoden
F33.0 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist, wobei die gegenwärtige Episode leicht ist (siehe F32.0), ohne Manie in der Anamnese.
F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist, wobei die gegenwärtige Episode mittelgradig ist (siehe F32.1), ohne Manie in der Anamnese.
F33.2 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist, wobei die gegenwärtige Episode schwer ist, ohne psychotische Symptome (siehe F32.2) und ohne Manie in der Anamnese.
Endogene Depression ohne psychotische Symptome
Manisch-depressive Psychose, depressive Form, ohne psychotische Symptome
Rezidivierende majore Depression [major depression], ohne psychotische Symptome
Rezidivierende vitale Depression, ohne psychotische Symptome
F33.3 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen                            zurück zum Seitenanfang  
Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist; die gegenwärtige Episode ist schwer, mit psychotischen Symptomen (siehe F32.3), ohne vorhergehende manische Episoden.

Endogene Depression mit psychotischen Symptomen
Manisch-depressive Psychose, depressive Form, mit psychotischen Symptomen
Rezidivierende schwere Episoden:
- majore Depression [major depression] mit psychotischen Symptomen
- psychogene depressive Psychose
- psychotische Depression
- reaktive depressive Psychose

F33.4 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
Die Kriterien für eine der oben beschriebenen Störungen F33.0-F33.3 sind in der Anamnese erfüllt, aber in den letzten Monaten bestehen keine depressiven Symptome.
F33.8 Sonstige rezidivierende depressive Störungen

F33.9 Rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet

Monopolare Depression o.n.A.
F34 Anhaltende affektive Störungen                        zurück zum Seitenanfang  
Hierbei handelt es sich um anhaltende und meist fluktuierende Stimmungsstörungen, bei denen die Mehrzahl der einzelnen Episoden nicht ausreichend schwer genug sind, um als hypomanische oder auch nur leichte depressive Episoden gelten zu können. Da sie jahrelang, manchmal den größeren Teil des Erwachsenenlebens, andauern, ziehen sie beträchtliches subjektives Leiden und Beeinträchtigungen nach sich. Gelegentlich können rezidivierende oder einzelne manische oder depressive Episoden eine anhaltende affektive Störung überlagern.
F34.0 Zyklothymia
Hierbei handelt es sich um eine andauernde Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden von Depression und leicht gehobener Stimmung (Hypomanie), von denen aber keine ausreichend schwer und anhaltend genug ist, um die Kriterien für eine bipolare affektive Störung (F31.-) oder rezidivierende depressive Störung (F33.-) zu erfüllen. Diese Störung kommt häufig bei Verwandten von Patienten mit bipolarer affektiver Störung vor. Einige Patienten mit Zyklothymia entwickeln schließlich selbst eine bipolare affektive Störung.
Affektive Persönlichkeit(sstörung)
Zykloide Persönlichkeit
Zyklothyme Persönlichkeit
F34.1 Dysthymia
Hierbei handelt es sich um eine chronische, wenigstens mehrere Jahre andauernde depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung (F33.-) zu erfüllen. Konstante oder konstant wiederkehrende Depression über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren. Dazwischenliegende Perioden normaler Stimmung dauern selten länger als einige Wochen, hypomanische Episoden kommen nicht vor. Keine oder nur sehr wenige der einzelnen depressiven Episoden während eines solchen Zweijahreszeitraums sind so schwer oder dauern so lange an, dass sie die Kriterien für eine rezidivierende leichte depressive Störung (F33.0) erfüllen. Wenigstens während einiger Perioden der Depression sollten mindestens 3 der folgenden Symptome vorliegen:
1. verminderter Antrieb oder Aktivität,
2. Schlaflosigkeit,
3. Verlust des Selbstvertrauens,
4. Konzentrationsschwierigkeiten
5. Neigung zum Weinen,
6. Verlust des Interesses oder der Freude an Sexualität oder anderen angenehmen Aktivitäten,
7. Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung,
8. erkennbares Unvermögen mit den Routineanforderungen des täglichen Lebens fertig zu werden,
9. Pessimismus im Hinblick auf die Zukunft oder Grübeln über die Vergangenheit,
10. sozialer Rückzug,
11. verminderte Gesprächigkeit

Fakultativ, kann ein früher (in der Adoleszenz oder in den 20-ern) oder ein später Beginn (meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, im Anschluss an eine affektive Episode) näher gekennzeichnet werden.

Anhaltende ängstliche Depression
Depressiv:
- Neurose
- Persönlichkeit(sstörung)
Neurotische Depression
Exkl.: Ängstliche Depression (leicht, aber nicht anhaltend)

Wenn neben einer dysthymen Störung auch eine majore Depression besteht, wird dies als "double depression” bezeichnet.

F34.8 Sonstige anhaltende affektive Störungen

F34.9 Anhaltende affektive Störung, nicht näher bezeichnet

F38 Andere affektive Störungen Hierbei handelt es sich um eine Restkategorie für Stimmungsstörungen, die die Kriterien der oben genannten Kategorien F30-F34 in Bezug auf Ausprägung und Dauer nicht erfüllen.
F38.0 Andere einzelne affektive Störungen Gemischte affektive Episode zurück zum Seitenanfang  
F38.1 Andere rezidivierende affektive Störungen Rezidivierende kurze depressive Episoden

F 38.10 Die "recurrent brief depression”  häufige kurze, 2 - 4 Tage andauernde depressive Episoden, die zwar bezüglich ihrer Schwere, aber nicht bezüglich ihrer Dauer mit einer major depression vergleichbar sind.

F38.8 Sonstige näher bezeichnete affektive Störungen
F39 Nicht näher bezeichnete affektive Störung

Affektive Psychose o.n.A.

Anpassungsstörungen F43.2
Hierbei handelt es sich um Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten. Die Belastung kann das soziale Netz des Betroffenen beschädigt haben (wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnissen) oder das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte (wie bei Emigration oder nach Flucht). Sie kann auch in einem größeren Entwicklungsschritt oder einer Krise bestehen (wie Schulbesuch, Elternschaft, Mißerfolg, Erreichen eines ersehnten Zieles und Ruhestand). Die individuelle Prädisposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine bedeutsame Rolle; es ist aber dennoch davon auszugehen, daß das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst oder Sorge (oder eine Mischung von diesen). Außerdem kann ein Gefühl bestehen, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, diese nicht vorausplanen oder fortsetzen zu können. Störungen des Sozialverhaltens können insbesondere bei Jugendlichen ein zusätzliches Symptom sein.

 

Hervorstechendes Merkmal kann eine kurze oder längere depressive Reaktion oder eine Störung anderer Gefühle und des Sozialverhaltens sein.

Die Diagnose einer depressiven Anpassungsstörung ist dann sinnvoll, wenn eine depressive Störung nicht die diagnostischen Kriterien einer depressiven Episode erfüllt, aber einen klinisch relevanten Schweregrad erreicht und an einen konkreten auslösenden Belastungsfaktor gebunden ist.  (Deutsches Ärzteblatt 103, 25, 23.06.2006,  A-1754)

 

Hospitalismus bei Kindern
Kulturschock
Trauerreaktion
 
Einfache Trauerreaktion nach dem DSM IV Diese Kategorie kann verwendet werden, wenn im Vordergrund der klinischen Aufmerksamkeit die Reaktion auf den Tod eines geliebten Menschen steht. Als Teil der Reaktion auf den Verlust können manche trauernde Personen Symptome entwickeln, die charakteristisch für eine Episode einer Major Depression sind . Die trauernde Person betrachtet typischerweise die depressive Stimmung als normal, obwohl sie möglicherweise professionelle Hilfe aufsucht, um Symptome wie Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit zu lindern. Dauer und Ausdrucksform einer normalen Trauer sind in verschiedenen kulturellen Gruppen sehr unterschiedlich.

Die Diagnose einer Major Depression wird im allgemeinen nicht vergeben, es sei denn, die Symptome sind auch 2 Monate nach dem Verlust noch vorhanden. Das Vorhandensein Folgender Symptome spricht ebenfalls eher für eine Major Depression als für eine Einfache Trauer: Schuldgefühle, die sich nicht auf Handlungen beziehen, die der Überlebende zum Zeitpunkt des Todes getan oder nicht getan hat; Gedanken an den Tod, außer solche Gedanken des Überlebenden, dass er besser auch tot wäre oder dass er mit der verstorbenen Person zusammen hätte sterben sollen; krankhafte Beschäftigung mit Gefühlen von Wertlosigkeit; deutliche psychomotorische Verlangsamung; verlängerte und ausgeprägte Funktionsbeeinträchtigungen und andere halluzinatorische Erlebnisse als der Eindruck, die Stimme des Verstorbenen zu hören oder vorübergehend sein Gesicht zu sehen.

 

 

saisonal abhängigen Depression (SAD)

Der immer wiederkehrende saisonale Rhythmus (Beginn des Auftretens der Befindlichkeitsstörung regelmäßig zwischen Anfang Oktober und Ende November und Abklingen der Beschwerden regelmäßig zwischen Mitte Februar und Mitte April) zusätzlich zur depressiven Verstimmung Symptome wie erhöhtes Schlafbedürfnis, verbunden mit morgendlicher Müdigkeit, Verlangen nach Kohlehydraten und Gewichtszunahme Bei einigen Patienten stehen die körperlichen Beschwerden im Vordergrund, hier besonders die verminderte Energie und nicht so sehr die ebenfalls auftretende Verstimmung.

 

 

 

Fachwörter zum Verlauf von depressiven und manisch-depressiven Syndromen

 Remission: Kurze Zeitstrecke der vollständigen oder partiellen Besserung depr. Symptomatik

Recovery (Genesung): eine vollständige Remission über eine längere Zeitstrecke (je nach Kriterium nach 2 bis 6 Monaten)

Relaps (Rückfall): ist ein Wiederauftreten von depressiven Symptomen während der Remission, bevor Recovery erreicht und damit die aktuelle depressive Episode abgeschlossen ist

Recurrence (Wiedererkrankung): ist das Auftreten einer neuen depressiven Episode nach Recovery, was voraussetzt, dass die Diagnosekriterien einer  unipolaren Depression erfüllt sind.

Uni- und bipolare Verläufe: (unipolar = nur depressive oder nur manische Phasen, bipolar =   depressive und manische Phasen) Diese Trennung ist nicht ganz unproblematisch, da man beispielsweise nach einer oder mehreren depr. Episoden nicht sicher wissen kann, ob nicht noch manische Episoden folgen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach drei unipolaren Episoden eine manische Episode auftritt, liegt zwischen 10% und 30%.  ( Ev. schon oben erwähnt) Risikofaktoren für einen solchen Diagnosewechsel sind: Jüngeres Lebensalter, psychomotorische Retardierung, Schuldgefühle, deutliche familiäre Belastung mit affektiven Erkrankungen, in der Familie kamen bereits Manien vor.

Phasenzahl: (einphasig und mehrphasig = es treten nur einmal oder mehrfach Phasen depressiver (oder affektiver) Erkrankungen auf) Bipolare Patienten haben (über 30 Jahre) typischerweise ca. 7-8 Episoden, unipolare Patienten ca. 4-5 Episoden in dieser Zeit. Nur etwa 25% der Depressionen verlaufen einphasig, 75% der Erkrankungen verlaufen rezidivierend. Der Beginn einer depr. Phase kann sowohl schleichend als auch plötzlich einsetzend sein, während manische Phasen typischerweise rasch (innerhalb  von Stunden oder wenigen Tagen einsetzen.

 Phasendauer. Die Dauer unbehandelter depr. und manischer Episoden beträgt durchschnittlich 4-12 Monate. Intraindividuell ist die Phasendauer bei den Patienten, bei denen keine Chronifizierung eintritt, recht stabil und damit vorhersagbar.

 Zyklusdauer:  Zeitspanne zwischen Beginn einer Phase und Beginn der nächsten folgenden Phase. Die Zyklusdauer liegt im Median bei periodisch verlaufenden unipolaren Erkrankungen bei 4,5 bis 5 Jahren und bei bipolaren Formen bei 2-3 Jahren.

 

Nach DSM IV TR Majore depressive Störung Dysthymia
keine Vorgeschichte mit Manie oder Hypomanie + +
Majore depressive Episode + +/-
Depressive Symptome, die nicht die Kriterien einer Majoren depressiven Episode erfüllen +/- +
Dauer mindestens 2 Wochen mindestens 2 Jahre
+=vorhanden, -= nicht vorhanden

 

Kriterien für eine majore depressive Episode und Manie/Hypomanie nach dem DSM-IV-TR
  Majore depressive Episode Manie/Hypomanie
Anzahl der Symptome  mindestens 5 mindestens 4
Hauptkriterium (immer vorhanden) schlechte Stimmung, Interessenverlust gehobene Stimmung oder Reizbarkeit
Gewicht/Nahrungsaufnahme vermehrt oder vermindert  
Schlaf vermehrt oder vermindert, vermindert
Psychomotorische Aktivität vermehrt oder vermindert vermehrt
Energie vermindert vermehrt
Selbstbewusstsein vermindert vermehrt
Konzentration vermindert vermindert
Suizidalität vorhanden, kann auch bei Manie vorhanden sein
Rededrang vermindert vermehrt
Denken vermindert vermehrt
Zielgerichtetes Handeln (überaktiv) vermindert vermehrt
Riskante Aktivitäten vermindert vermehrt
Psychotische Symptome können vorhanden sein, bei Manie häufig vorhanden, bei Hypomanie fehlend
Dauer mindestens 2 Wochen,  mindestens 1 Woche bei Manie, 4 Tage bei Hypomanie
Funktionsfähigkeit beeinträchtigt, stark  beeinträchtigt bei Manie, wenig beeinträchtigt oder verbessert bei Hypomanie
Substanzinduziert (Antidepressiva) oder durch eine körperliche Erkrankung ausgelöst Nein Nein
Nach Franco Benazzi, Bipolar disorder-focus on bipolar II disorder and mixed depression Lancet 2007; 369: 935-45

 

Die "rezidivierende kurze depressive Störung" (RKD) ist durch wenige Tage andauernde und etwa monatlich rezidivierende depressive Episoden charakterisiert, wobei diese mit einem Suizidrisiko ähnlich dem "klassischer" depressiver Episoden (MD) assoziiert sind. Das gemeinsame Vorliegen einer RKD und MD, was als "kombinierte Depression" (KD) bezeichnet wird, erhöht dieses Risiko noch beträchtlich. Während KD-Patienten in der Regel beim Nervenarzt in Behandlung stehen, werden RKD-Patienten in der allgemeinmedizinischen Versorgung gegenwärtig kaum erkannt. Die diagnostischen Kriterien der RKD finden sich im ICD-10 einfach operationalisiert und sind für den klinischen Gebrauch und die Forschung gut geeignet. Die Differentialdiagnose stellt sich vor allem gegen andere kurzdauernde psychiatrische Störungen und stellt in der Praxis keine Schwierigkeiten dar. Die Möglichkeit einer prospektiven Bestätigung der Diagnose und die Evaluation des Therapieerfolges einer prophylaktischen antidepressiven Intervention bei einer RKD unterscheidet sich wesentlich von der MD und ähnelt formal vielmehr dem klinischen Vorgehen wie es bei der Behandlung von Migräne oder etwa Epilepsie üblich ist. Der formal unterschiedliche Verlauf von RKD und MD hat zur Folge, dass unterschiedliche Methoden in der Durchführung von Therapiestudien angewendet werden müssen. Die fehlende Berücksichtigung dieser speziellen methodischen Aspekte in RKD-Therapiestudien und der Einschluss von hoch selektierten Patientenstichproben haben vermutlich zu falsch negativen Studienergebnissen in der Vergangenheit geführt. Obwohl einige Autoren über eine erfolgreiche Therapie der RKD bei etwa derzeit 60 einzelnen Fällen berichten, ist gegenwärtig daraus noch kein therapeutischer Algorithmus ableitbar. Zukünftige kontrollierte Studien ohne die Mängel der Vergangenheit sind daher dringend notwendig.

 

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