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Depression Seite 7
Verschiedene Modelle der Depression

Psychoanalytische Theorien zur
Depression (aus
M. Wolfersdorf, 1995,) : Unter ätiologischen Gesichtspunkten der
Depression hat sich die klassische psychoanalytisch-tiefenpsychologische
Sichtweise bis heute nicht verändert. Die Ätiologiehypothese geht aus von
einer ,,primären narzisstischen Wunde", die der später zur Depression
disponierte und bei entsprechender Auslösesituation depressiv Erkrankte in
seiner Kindheit erlitten haben soll. Der Verlust des Beziehungsobjektes
bzw. die Beeinträchtigung einer fürsorglichen, förderlichen und stabilen
Beziehung in dieser frühkindlichen Dualunion mit der meist mütterlichen
Bezugsperson soll zu Unlustgefühlen, zu Ärger- und Hassgefühlen und zu
Kompensationsversuchen mittels oraler Reinprojektion des Liebesobjektes,
welches dann jedoch mit Hass und Liebesgefühlen besetzt ist, führen. G.
und R. Blanck sprachen von einer schon bestehenden inneren
Bereitschaft zu diesem ,,unglücklichen Affekt" und meinten, die
Disposition für Depression habe ihre Wurzeln im frühen Objektverlust, in
dem das Ich noch nicht zur Trauer und zur Auflösung der Ambivalenz und der
narzisstischen Verwundung fähig sei. E. Erikson sprach von einer zu frühen
Erfahrung infantiler Ich-Hilflosigkeit und Kubinfine sah die
prädisponierenden Wurzeln für eine spätere Depression in einer Fixierung
des Kindes in einem Zustand der narzisstischen Einigkeit mit der Mutter.
Zetzel (1961) sah den Verlust der Selbstachtung des Ichs in der späteren
Depression als Ursache für komplizierte und qualitativ regressive
Veränderungen, wodurch archaische, ursprüngliche Mechanismen auftauchen
würden. Und Melanie Klein (1972) verstand die Depression als eine
Wiederbelebung der infantilen depressiven Disposition, die niemals
wirklich überwunden worden sei. Als Folgen dieser ,,primären Wunde"
(Wisdom 1967)werden in der tiefenpsychologischen Literatur die sog. orale
Fixierung, die anal- sadistische Fixierung sowie das Gefühl der Ich-
Insuffizienz angeführt. Orale Fixierung meint eine überstark ausgeprägte
Oralität im Sinne einer hohen Zuwendungsbedürftigkeit, was zu
symbiotischer Abhängigkeit, zu Trennungs- und Verlustunfahigkeit, zur
Überanpassung depressiver Menschen führt, die sich gleichzeitig wegen der
ambivalenten Besetzung des introjezierten Objektes durch eine von
Zuwendung und Ablehnung gekennzeichnete Beziehungsstruktur auszeichnen.
Analsadistische Fixierung meint die Aspekte Aggression gegen das
introjezierte verloren gegangene Liebesobjekt und, bei sich entwickelndem
strengen Über-Ich, das Auftreten von Schuldgefühlen eben wegen der Hass
und Aggressionsgefühle, die abgewehrt und nicht zugelassen werden dürfen.
-
Depressive Neurose: Orale Fixierung; starke Abhängigkeit und
Trennungsangst; später bedeuten Trennungen immer wieder tiefe
narzisstische Kränkung; die dabei auf die anderen Menschen entstehenden
aggressiven Impulse werden gegen die eigene Person gerichtet (das Richten
der Aggression gegen den anderen würde u.U. noch stärkere Abwendung von
diesem zur Folge haben); Selbstanklagen und Selbstmordimpulse werden als
Anklagen und Mordimpulse gegen den anderen interpretiert;
Hoffmann und
Hochapfel: Unbewussten
Verlustphantasien wird entweder durch Herstellen ...ausgeprägter
Abhängigkeitsbeziehungen (der andere soll einem geben, was man selbst
vermisst; aber die überzogenen Nähewünsche werden dem anderen zuviel; es
kommt zur Trennung; der Depressive ist sich mal wieder seiner
Wertlosigkeit bewusst) oder durch Herstellen unbewusster Größenphantasien
(die einen selbst wichtig für andere machen, aber auch immer wieder zur
Enttäuschung führen, wenn die Realität des Unwichtigseins erfahren wird)
...begegnet, um Kränkungserlebnisse zu verarbeiten. => Dieser Weg ist
jedoch, wie bei allen Neurosen, ein unzureichender Lösungsversuch; dies
führt zu Wut und Aggression; Das
rigide Über-Ich des Depressiven kann solche aggressiven Regungen gegenüber
anderen Personen jedoch nicht zulassen. Daher besteht die Lösung in der
Wendung der Aggression gegen die eigene Person (das eigene Selbst); die
Autoaggression ist dann die Ursache für die depressive Symptomatik.
Insgesamt werden die Nichtverarbeitung der Trennung von wichtiger
Bezugsperson, die Autoaggression des Ich der Depressiven (Introjektion des
enttäuschenden bösen Anteils des
verlorenen Objektes, die im Selbst attackiert werden),
vernachlässigende und bestrafende Eltern, )Überidentifikation mit
vermuteten /tatsächlichen Leistungsanforderungen), Scheitern
(=> immer eigenes Scheitern), der depressive Grundkonflikt,
(Verunsichertes Selbstwertgefühl, primär unsichere Bindung), die
Abhängigkeit von äußeren/inneren Objekten ( Idealbildungen) und
das Patt zwischen teils verborgender Abhängigkeit und nicht realisierbaren
Individuierungswünschen als wesentliche Faktoren der
depressiven Vulnerabilität angesehen. Zur psychoanalytischen Theorie der
Depression gibt es nur wenige empirischen Belege, der symbolische Verlust
wird erst retrospektiv aus dem Vorliegen der Depression erschlossen, es
besteht eine mangelnde Vorhersagbarkeit, ob zu viel oder zu wenig
orale Befriedigung vorliegt. Es bleibt unklar, warum die Aggression
gegenüber dem Liebesobjekt überwiegt und nicht die positiven Gefühle. Es
gibt keine Belege, dass Trauernde den Tod einer nahe stehenden Person
als Liebesentzug wahrnehmen. In Träumen depressiver Personen überwiegen
Verlust und Versagen, nicht Ärger und Feindseligkeit; in projektiven Tests
identifizieren sie sich mit Opfern von Aggressionen, nicht mit dem
Aggressor.

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Risiko einer nachfolgenden
depressiven Episode bei schwerwiegenden Lebensereignissen in einer
Bevölkerungsstichprobe (Prospektivstudie) (nach Brown et al. 1995) |
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Art des Lebensereignisses |
Risiko in % |
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Erniedrigung/
Demütigung: Trennung |
34 |
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Erniedrigung/
Demütigung: Delinquenz anderer |
19 |
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Erniedrigung/
Demütigung: Abwertung durch andere |
38 |
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als ausweglos
empfundene Situation |
34 |
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Alleiniges
Verlusterlebnis: Tod einer nahe stehenden Person |
29 |
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Alleiniges
Verlusterlebnis: Selbst herbeigeführte Trennung |
11 |
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Alleiniges
Verlusterlebnis: Anderer bedeutungsvoller Verlust |
7 |
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Alleiniges
Verlusterlebnis: Weniger schwerwiegender Verlust |
2 |
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Alleinige
Gefahrensituation |
3 |
Seligmans Modell der erlernten Hilflosigkeit
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Theorie: Macht jemand die Erfahrung, dass sein
Verhalten keinen Einfluss auf ein gewünschtes Ergebnis hat, reagiert er
mit der Zeit hilflos, d.h. er wird in weiteren Problemsituationen u.U. gar
keine Versuche mehr unternehmen, diese zu lösen (auch, wenn sie objektiv
lösbar sind); Reuformulierung von
Seligman, Abramson und Teasdale: Die Erfahrung der Hilflosigkeit (das
Gefühl, über bedeutsame Aspekte der Umwelt keine Kontrolle ausüben zu
können), führt zu emotionalen, kognitiven, motivationalen und vegetativen
Veränderungen, deren Merkmale derer der Depression ähnlich sind;
Entscheidend ist dabei der Attributionsstil: Das Individuum geht davon
aus, dass auch zukünftige Situationen nicht bewältigt werden können und
attribuiert dieses Misslingen intern (auf die eigene Person), stabil (über
lange Zeit hinweg) und global (über viele Situationen); Dies bedeutet eine
Misserfolgserwartung bezüglich zukünftiger Ereignisse und festigt die
depressive Verstimmung zusätzlich; Kritik: Es bestehen zwar Korrelationen
zwischen Hilflosigkeit und Depression, was aber davon was auslöst, ist
noch ungeklärt (möglicherweise können vermehrte Hilflosigkeitserfahrungen
zur Entstehung einer Depression beitragen; auf jeden Fall scheint es aber
auch logisch, dass depressive Menschen - insbesondere, wenn die Depression
mit Selbstanklagen einhergeht - vermehrt dazu neigen, Misserfolge sich
selbst zuzuschreiben und für die Zukunft pessimistische Erwartungen zu
haben); |
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Depressionsmodell nach Beck
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"Negative kognitive Triade": |
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1.
Negatives Selbstkonzept; |
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2.
Negative Interpretation der eigenen Erfahrungen mit der Umwelt; |
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3.
Negative Zukunftsperspektive; |
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·
Beck geht davon aus, dass einer Depression eine kognitive
Störung zugrunde liegt; die kognitiven Strukturen Depressiver verzerren die
Realität; |
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·
Die dysfunktionalen Kognitionen Depressiver sind
gekennzeichnet durch willkürliche (negative) Schlussfolgerungen;
Generalisierungen (generelle Schlussfolgerungen aus einzelnen Ereignissen);
moralisch-absolutistisches Denken; überhöhte Ansprüche an die eigene Person; |
|
·
Formal laufen diese Kognitionen unfreiwillig, automatisch und
wiederholt ab und scheinen dem Depressiven plausibel; die Schemata sind
überdauernde, stabile Muster der selektiven Wahrnehmung, Kodierung und
Bewertung von Reizen; |
|
·
Die Schemata entstehen durch belastende oder traumatische
Erfahrungen; sie sind durch ein zirkuläres Feedbackmodell gekennzeichnet, in
das alle negativen Erfahrungen so eingebaut werden, dass das negative Welt-
und Selbstbild erhalten bleibt; |
| Als belegt gelten dabei, mehr dysfunktionale und negative
Gedanken und Bewertungen; mehr Interpretationsfehler und unlogische
Gedanken; negative Informationen werden besser erinnert;
Kognitionen beeinflussen Befindlichkeit und physiologische Reaktionen,
Kausalität unklar (dysfunktionale Kognitionen als Ursache vs. Folge der
Depression), Manchmal haben depressive Menschen eine realistischere
Einschätzungen als bei nicht-depressiven Personen, Das Ende einer Depression
wird nicht erklärt, die soziale Umwelt wird nicht berücksichtigt |
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Entwicklungen in der
Verhaltenstherapie
Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass depressive Patienten traurige und
allgemein negative Informationen besser im Gedächtnis behalten als Gesunde,
gesunde Menschen zeigen darüber hinaus eine Tendenz sich eher positive
Informationen zu merken.
Wenn
depressiven
Patienten
glückliche
Gesichter
angeboten
werden,
werden
limbische,
subkortikale,
und
extrastriatale
Rindengebiete
weniger
aktiv als
bei
Kontrollpersonen,
nach
erfolgreicher
Behandlung
gleicht
sich dies
wieder an.
(Am J
Psychiatry
2007;
164:599–607) Auch richten depressive Menschen eher ihre
Aufmerksamkeit auf negativen Informationen. An sich wenig relevante
Informationen finden so eher die Aufmerksamkeit depressiver Menschen. Man
nennt dies auch ein „emotionales Bias“. Bei manisch depressiven Patienten
scheint dieser Effekt nicht vorhanden zu sein. Nach Untersuchungen mit
funktioneller Kernspintomographie scheinen dabei spezielle neuronale
Prozesse in den medialen und orbitalen praefrontalen Hirnregionen sowie dem
rechten vorderen Temporallappen eine wichtige Rolle zu spielen. Es zeigt
sich bei diesen Patienten auch eine Auffälligkeit im Stoffwechsel des
vorderen Gyrus cinguli in der Nähe der subgenualen Region. Auffälligkeiten
in dieser Hirnregion scheinen für die emotionale Modulation kognitiver
Prozesse verantwortlich zu sein. (R.
Elliot et al. Arch. Gen Psychiatry; 59;2002;597 ff)
Im Laufe der letzten zehn Jahre gewannen Befunde zu kognitiven
Auffälligkeiten immer mehr an Bedeutung für die Theorienbildung zu
affektiven Störungen und Angststörungen. Die Berücksichtigung spezifischer
kognitiver Auffälligkeiten erwies sich zudem als äußert wichtig für die
Entwicklung wirksamer kognitiv-behavioral orientierter Behandlungsmanuale.
Wichtigste Elemente sind dabei:
Informationsvermittlung, Aufbau positiver Aktivitäten, Veränderung
dysfunktionaler Kognitionen, Verbesserung der sozialen Kompetenz,
Verbesserung der Selbstbewertung und die Rückfallprophylaxe.
Charakteristisch für dieses Forschungsgebiet ist eine Integration
klinisch-psychologischer und kognitionspsychologischer Fragestellungen und
Methoden zur näheren Analyse des Zusammenspiels von Aufmerksamkeits- und
Gedächtnisprozessen sowie Prozessen der Verarbeitung affektiver Information,
wie sie sich bspw. in der neu aufgelegten Monographie von Williams, MacLeod,
& Mathews (1997) zeigt. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen Probleme
der Unterdrückung unerwünschter Gedanken, wiederkehrende negative Gedanken
und Erinnerungen und eine damit einhergehende Fokussierung auf die eigene
Person und den eigenen Zustand sowie sorgenvolles Grübeln.
Eine sich selbst verstärkende Spirale aus negativen Gedanken, gedrückter
Stimmung, Rückzugsverhalten und körperlichen Beschwerden wird in Gang
setzen: Ein düsterer Gedanke jagt den nächsten, man fühlt sich zunehmend
unruhiger und hoffnungsloser, traut sich nichts mehr zu, isoliert sich und
gibt die gewohnten Aktivitäten auf. Der Eindruck, sich selbst nicht mehr
helfen zu können, wird so immer stärker. Schließlich stellen sich
Selbstzweifel und Versagensgefühle ein. Man kommt mit dem Leben nicht mehr
zurecht und sieht die Zukunft ohne Hoffnung. Diese Prozesse kennzeichnen
viele psychische Störungen, im besonderen aber depressive Störungsbilder.
Sie werden als Rumination oder Worry bezeichnet und werden
mit einer erhöhten Vulnerabilität für Entstehung und Aufrechterhaltung
psychischer Störungen in Verbindung gebracht (vgl. bspw. die Response-Styles
Theorie von Nolen-Hoeksema). Zunehmend wird die Reduktion dieser
dysfunktionalen Prozesse zum Ziel therapeutischer Interventionen. Ungenügend
geklärt sind jedoch noch die Bedingungen und Ursachen ruminativer
Reaktionen, die Auswirkungen auf emotionale Zustände, deren Verhältnis zur
Vulnerabilität für verschiedene emotionale Störungen und die Veränderbarkeit
solcher Prozesse.

Stress und Depression biologische Theorien
und ihre Hintergründe
Ungebrochen aktuell ist die Forschung zum Zusammenhang von Depression und
Stress. Das aktuellste Modell mit den derzeit besten Chancen für eine
klinische Realisierung geht von einem CRF-Over-drive als Folge und Mediator
eines andauernden, nicht adaptierbaren Stresses aus. Die klinische
Konsequenz ist die Entwicklung eines Antagonisten am CRF-l-Rezeptor. Die
bisherigen tier- und humanexperimentellen Studien zeigen klar. dass die für
die normale endokrine Funktion unabdingbare endokrine CRF-Wirkung, nicht die
exzitatorische Wirkung auf verschiedene neuronale Systeme, aber weitgehend
blockiert wird. Damit kommt solchen Substanzen eine enorme Bedeutung in der
Behandlung von Angst und Depression aber beispielsweise auch beim
Alkoholentzug zu. Lange nach der ursprünglichen Entdeckung der Wirkungen des
CRF haben bis in die jüngste Zeit hochinteressante Publikationen der
experimentellen Verhaltensforschung unser Verständnis für die Bedeutung des
CRF erweitert. Interessant für das klinische Bild der Depression ist noch
ein anderer Aspekt der "Stress-Achse", die Glukokortikoid-Rezeptoren (GC-R).
Als wesentlicher pathogenetischer Mechanismus in der Depression wird eine
Herunterregulierung der GC-R als Folge der erhöhten Kortison-Spiegel
angenommen. Besonders in seiner hippokampalen Lokalisation führt dieser
Vorgang zu einer Disinhibition der negativen Rückkopplung in der HHNR-Achse.
Unter Verwendung von Antisense-RNA konnte im Tierexperiment bereits vor
einigen Jahren festgestellt werden, dass eine funktionelle Reduktion der
GC-R zu einer Schädigung des Lernvermögens führt.
Umwelt und sozialer Status verändern das
serotonerge System. In Affenexperimenten konnte gezeigt werden, dass bei
untergeordneten Affen der Serotoninspiegel eher absinkt, bei dominanten
Affen steigt er erheblich an. Macht man solche Affen Kokainabhängig so
greift der dominante auch weniger zur Glücksdroge als der untergeordnete.
Depressionen werden nach modernen Theorien der
Neurowissenschaften als eine Störung der adaptativen Funktionen des Gehirns
aufgefasst.
Depressionen führen im Verlauf der ersten Jahre zu
einer Hippocampusatrophie. Dise Atrophie entsteht eindeutig erst im Verlauf
der Depression. Möglicherweise hält die Behandlung diese Atrophie auf.
EKT verbessert die hippocampale Neurogenese. Die Anzahl der Synapsen nimmt
damit zu und die Medikamente haben damit einen besseren Ansatzpunkt. Auch
Antidepressiva für sich alleine sollen die hippocampale Neurogenese
verbessern. Die Dauer der Erkrankung, Therapieresistenz korrelieren
mit der Hippokampusatrophie. Auch andere psychische Störungen wie
Zustand nach sexuellem Missbrauch und Posttraumatische Belastungsstörungen
gehen mit einer Hippokampusatrophie einher. Ein erhöhter
Serumkortisonspiegel, eine Beeinträchtigte Neurogenese und ein verminderter
Spiegel von wesentlichen Neurotrophinen im Hippokampus scheinen
verantwortlich für die Atrophie. Im Tierversuch lässt sich die Verbesserung
der Neurogenese durch Antidepressiva und damit die Erholung des Hippokampus
durch eine Strahlentherapie blockieren. Die Hippokampusatrophie ist
vermutlich verantwortlich für die neurokognitiven Defizite wie Nachlassen
des Kurzzeitgedächtnisses und der Konzentrationsfähigkeit. Neue Methoden der funktionellen Kernspintomographie und PET
können Schmerzen und Depressionen ebenso wie deren Linderung durch
Medikamente aber auch durch Scheinmedikamente sichtbar machen. Im Gegensatz
zur PET- Untersuchung gehend sie mit keiner Strahlenbelastung einher und
benötigen keine Injektionen. Sie sind damit bei einzelnen Probanden auch
wiederholt einsetzbar und ermöglichen auch die Untersuchung größerer
Gruppen von Menschen. Das Verfahren misst die bei Zunahme der Gehinaktivität
rasch folgende stärkere Durchblutung. Die bebilderten Ergebnisse zeigen
sowohl die Hirnsubstanz dreidimensional als auch die Veränderung der
Durchblutung und damit die Stoffwechselaktivität im entsprechenden Bereich.
Einzelbilder bilden dabei Vorgänge im 100ms Bereich ab. Es handelt sich
allerdings im Gegensatz zum PET um eine nur indirekte
Darstellungsmöglichkeit der Gehirnaktivität. Diese neuen
Verfahren machen nicht nur deutlich, dass Empfindungen wie Depressionen oder
Schmerzen zu nachweisbaren Stoffwechselveränderungen im Gehirn führen, sie
lassen auch folgern, dass diese Veränderungen zu einer Umorganisation der
Synapsen im Gehirn führen. Längerdauernde Depressionen hinterlassen damit
ebenso wie längerdauernde Schmerzen Spuren im Gehirn. Glücklicherweise
müssen diese Spuren bei zeitiger therapeutischer Intervention nicht
irreversibel sein. Das Risiko besteht aber und ist um so größer je
länger eine schwere Depression dauert. - Ein Grund zeitig zu behandeln. Auch
angenehme Erfahrungen und eine Änderung der in der Krankheit
eingeschliffenen Fehlverhaltensweisen, die in einem Teufelskreis oft die
Symptome aufrechterhalten, führen zu substanziellen Veränderungen im Gehirn
die den Schaden ganz oder teilweise rückgängig machen können. Dabei sind in
der Forschung bereits Verfahren eines Biofeedbacks im Kernspintomographen
erfolgreich getestet worden, die Patienten haben dabei die Schmerzen in
ihrem Hirn auf dem Bild gesehen und während der Untersuchung gelernt mit
gedanklicher Steuerung diese Bilder zu verändern und damit die Schmerzen zu
reduzieren. Die Basalganglien spielen im Belohnungssystem des Gehirns
(Ich- fühl- mich gut System) eine entscheidende Rolle. Hier besonders der
Nucleus accumbens. Dopaminerge Neurone spielen damit beim Glücksgefühl eine
entscheidende Rolle. mitbeteiligt ist hier der präfrontale Cortex, der
Hippokampus, die Amygdala, das anteriore Cingulum und die Inselregion. Der
Hirnstamm spielt eine wesentliche Rolle in der Kontrolle des körpereigenen
Opiodsystems. Mit beteiligt ist hierbei auch dass anteriore Cingulum. Eine
Aktivierung dieser Hirnregionen ist bei Gabe von Opiaten genauso nachweisbar
wie bei eintretender Plazebowirkung. Am deutlichsten ist diese
Plazebowirkung für jeden in der alltäglichen Erfahrung sichtbar bei Kindern,
die sich verletzt haben. Obwohl eine oft blutende Wunde zurückbleibt, die
offensichtlich weh tun müsste, lässt der Schmerz oft schnell nach einem Trost
der Mutter nach. Dabei hat die Mutter nicht nur das Kind beruhigt und ihm
die Sicherheit gegeben, dass nichts schlimmes passiert ist, sie hat auch für
das Kind die Bedeutung des Schmerzes relativiert. Wir Erwachsenen müssen uns
meist selbst beruhigen und die Bedeutung des Schmerzes selbst einordnen.
Dabei kann es auch ohne Hilfe von außen gelingen, den Schmerz zu
relativieren. Nicht nur psychologische Beobachtungen auch funktionelle
Kernspinbilder beweisen, dass alleine die Aufmerksamkeit auf ein anderes
Geschehen zu lenken (Ablenkung) den Schmerz reduziert.

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Unterschiede in der Entstehung
bei früher und später Manifestation.
Eine neue neuseeländische Studie sieht Unterschiede
zwischen Depressionen die bei Kindern und Jugendlichen vor dem 15.
Lebensjahr beginnen und solchen die erst nach dem 15. Lebensjahr beginnen.
In der Studie waren alle die in einem Jahr (1.4.1972-31.3 1973) in einer
Provinz geboren wurden bis zum 26. Lebensjahr wiederholt untersucht worden
(Geburtskohortenstudie). Nach der Studie ist ein sehr früher Beginn von
Depressionen besonders bei Kindern und Jugendlichen anzutreffen, die
frühkindliche Hirnschädigungen hatten, Ungeschicklichkeiten in ihren
Bewegungen aufwiesen, einen unstabilen Charakter hatten oder bei denen in
der Herkunftsfamilie erhebliche psychosoziale oder Verhaltensprobleme
bestanden. Diese Auffälligkeiten waren bei denen, bei denen die Depression
erst nach dem 17. Lebensjahr auftrat nicht vorhanden. Einzige zahlenmäßig
weniger bedeutsame Ausnahme war, dass Menschen die als Erwachsene an einer
Depression erkrankten als Jugendliche häufiger Opfer eines sexuellen
Missbrauchs geworden waren und etwas häufiger Ortswechsel durchgemacht
haben, als ihre gesunden Vergleichspersonen. Nach den Ergebnissen dieser
Studie scheinen also Risikofaktoren in der kindlichen Entwicklung relativ
früh Symptome einer depressiven Erkrankung zu begünstigen. Andererseits
scheinen bei Menschen, die nach dem 17. Lebensjahr eine schwerere depressive
Störung entwickeln Faktoren aus der Kindheit weniger bedeutsam. Generell
wird davon ausgegangen, dass psychische Störungen die sehr früh beginnen
eine ungünstigere Verlaufsprognose haben. Dies gilt nicht nur für
Depressionen sondern auch für sehr früh beginnende Hyperaktivitäts-
Aufmerksamkeitsstörungen oder dissoziale Entwicklungen. Eine andere
neuseeländische Studie die 1265 Kinder einer anderen Geburtskohortenstudie
untersuchte, weist darauf hin, dass eine frühe Erkrankung an einer
Depression auch ein hohes Rückfallrisiko und auch ein hohes Risiko an einer
Angsterkrankung zu erkranken beinhaltet. 2/3 derer, die zwischen 14
und 16 eine depressive Episode hatten, erkrankten bis zum 21.Lebensjahr
erneut an einer Depression. Häufiger sind bei den früh an Depressionen
erkrankten auch Nikotinabhängigkeit, Alkoholmissbrauch, Schulversagen und
allgemein niedrigere Bildungsabschlüsse. Sie werden auch häufiger arbeitslos
und bekommen ihre Kinder früher. Auch in dieser Studie zeigten sich
besonders häufige psychosoziale Risikofaktoren bei den an jungen Jahren an
eine Depression erkrankten. Prävention bei Kindern und in der Familie ist
also eine auch gesellschaftlich sehr lohnende Aufgabe in der
Krankheitsverhütung. |
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