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Medikamente-
Antiepileptika eine kurze Übersicht
Antiepileptika (AE) sind Medikamente,
die die Häufigkeit oder die Schwere von Anfällen bei Menschen mit einer
Epilepsie vermindern. Mit ihnen behandelt man das Symptom Anfälle, nicht die
zugrunde liegende Erkrankung, die für die Anfälle verantwortlich ist. Ziel ist
die Lebensqualität möglichst weitgehend zu verbessern in dem man die Anfälle
verhindert und möglichst wenig Nebenwirkungen verursacht. Voraussetzung
für die Behandlung ist eine genaue Diagnose des epileptischen Syndroms, da nicht
alle AE bei allen Syndromen wirken. Manche AE werden auch bei anderen
Erkrankungen oder Symptomen eingesetzt. Beispielsweise Topiramat zur Vorbeugung
der Migräne, Lamotrigin , Carbamazepin, Valproinsäure zur Vorbeugung bei manisch
depressiven Erkrankungen, Carbamazepin, Phenytoin bei der Trigeminusneuralgie,
Gabapentin, Pregabalin bei der Behandlung der Missempfindungen und Schmerzen bei
Polyneuropathie, Phenobarbital bei essentiellem Tremor ...... Bei einer Mehrzahl von etwa 70% aller
Epilepsiepatienten kann mit einer medikamentösen Therapie Anfallsfreiheit
erreicht werden. Hierzu muss aber die jeweilige Epilepsieform richtig
diagnostiziert und das entsprechend günstigste Medikament ausgewählt werden.
Wichtig ist auch, dass dieses Medikament in adäquater Dosierung eingesetzt wird,
d.h. es muss einen ausreichenden Schutz vor Anfällen gewährleisten ohne dass
Nebenwirkungen auftreten. Jedes Antiepileptikum kann nur optimal wirken,
wenn es hoch genug dosiert ist. Es gibt keine allgemeingültigen Höchstdosen, die
Zieldosis hängt allein an dem Verhältnis von klinischer Wirksamkeit und
Verträglichkeit ab. Ähnliches gilt auch für die vom Labor übermittelten
Normwerte für Blutspiegel. Vergleichsstudien zeigen bisher wenig
Wirksamkeitsunterschiede zwischen verschiedenen Medikamenten.
Nebenwirkungen sind bei Behandlung mit einem Medikament (Monotherapie) geringer
als bei Behandlung mit mehreren Medikamenten (Polytherapien). Wenn mit dem
ersten Medikament keine Anfallsfreiheit erreicht wird, versucht man deshalb
meist mit einem zweiten Medikament in Monotherapie Anfallsfreiheit zu erreichen.
Erst dann kommt die Kombination verschiedener Medikamente in Betracht. Ausnahme
ist, wenn mit dem ersten Medikament 90% der Anfälle ausbleiben, dann kann von
vorneherein ein Versuch mit einer Kombination sinnvoll sein.

Ob jemand auf Antiepileptika anspricht zeigt sich meist schon beim
ersten korrekt ausgewählten AE. Die Chance nach erfolgloser Therapie mit dem 2.
AE anfallsfrei zu werden ist bereits deutlich geringer (13%9 und reduziert sich
beim weiteren Versuchen weiter. Jede Behandlung mit einem
Antikonvulsivum (Antiepileptikum) ist eine Langzeitbehandlung, bei der eine
regelmäßige und gründliche Kontrolle und Einstellung indiziert ist. Dem
Patienten muss die Bedeutung der regelmäßigen Einnahme
erklärt
werden, da
eine unregelmäßige Einnahme gefährlicher als keine medikamentöse Behandlung ist
(Delank, 1988). Der epileptische Anfallstyp muss, um eine adäquate Einstellung
gewährleisten zu können, möglichst genau bestimmt werden. Die Einstellung soll
schleichend mit geringer Steigerung, bis zu einer üblicherweise wirksamen
Dosierung erfolgen.
Wie
schnell
die Dosis
gesteigert
werden
kann hängt
vom
Medikament
ab. Sollte die gewünschte Wirkung ausbleiben, wird die Dosierung
weiter bis zur Wirksamkeit oder bis toxische Erscheinungen auftreten,
gesteigert. Um diese zu erfassen sind gegebenenfalls Blutbildbestimmungen,
Thrombocyten- und Leberwerte etc., heranzuziehen. Erst bei entsprechenden
Nebenwirkungen erfolgt eine (schleichende) Umstellung auf ein anderes
Medikament. Monotherapien (nur ein Medikament) werden Kombinationstherapien
vorgezogen. Ein langsames Absetzen der Medikamente kommt erst nach 2-5 Jahren
nach der Anfallsfreiheit in Betracht.

Carbamazepin und
Valproinsäure
sind in
Deutschland
noch die
am
häufigsten
verwendeten
(Standard-)
Medikamente.
Es gibt aber
inzwischen eine Vielzahl von
Antiepileptika die unterschiedliche Indikationen und Nebenwirkungen
haben. Bis
zu 65 %
der
Patienten werden unter Monotherapie anfallsfrei, unter Kombination
entsprechend mehr, leider nicht alle Kranken. Der Start einer medikamentösen
Behandlung sollte immer eine Monotherapie sein, das heißt eine
"Ein-Medikament-Behandlung", die mit Hilfe von EEG und Messung des
Medikamentenspiegels kontrolliert wird. Da in frühen Stadien noch etwa 70% der
epilepsiekranken Patienten durch die medikamentöse Behandlung anfallsfrei werden
können, mit fortschreitender Erkrankungsdauer jedoch eine Chronifizierung
droht, ist
es nötig,
von Anfang
an
wirkungsvolle
Medikamente
einzusetzen.
Ob eine frühzeitige und möglichst vollständige
Anfallskontrolle
den
Verlauf
wirklich
günstig
beeinflusst,
ist immer
wieder
Gegenstand
der
Diskussion.
Die
Vorbeugung
von
Anfällen
nach einer
akuten
Hirnschädigung,
scheint
den
langjährigen
Verlauf
bisher
nicht
eindeutig
positiv
beeinflussen
zu können.
Vieles
spricht
aber
dafür, dass neben genetisch determinierten Veränderungen und bestimmten
Ereignissen, wie Status, Fieberkrampf, Enzephalitis oder Trauma, auch
wiederkehrende Anfälle zum Epileptogenese-Prozeß beitragen können.
Bei weiter auftretenden Anfällen wird die Dosis solange gesteigert, bis entweder
die Anfälle aufhören oder unakzeptable Nebenwirkungen auftreten. Wenn das
Ergebnis nicht befriedigend ist, werden andere Einzelpräparate ausprobiert.
Führt auch dies zu keinem Erfolg, werden Kombinationsbehandlungen mit zwei oder
mehr Medikamenten angewendet. Allergische Reaktionen auf die Haut sowie
Übelkeit, Erbrechen und Appetitstörungen sind möglich, aber auch
Schwindelgefühle, Müdigkeit und Sehstörungen. Die Leber, das Lymphsystem und die
Knochen können betroffen sein. Nebenwirkungen können auch ein Zeichen von
Überdosierung sein. Sie müssen deshalb immer mit dem Arzt besprochen werden. Bei
der mesialen Temporallappen-Epilepsie und fokale Epilepsien ist manchmal
eine
operative Therapie möglich. Durch eine operative Therapie werden
bei mesialer Temporallappenepilepsie 60 - 70 % anfallsfrei (unter
weiterlaufender medikamentöser Behandlung). Bei mehrjähriger
Anfallsfreiheit kann man manchmal die Medikamente unter EEG-
Kontrolle langsam ausschleichen, berücksichtigen muss man dabei immer: Welche
Folgen hätte ein erneuter Anfall? Je nach Art der Epilepsie treten nach Absetzen
Anfallsrezidive in 20 bis 80 % auf, durchschnittlich 30-40%. Derzeit
stellen nicht zuletzt auch aus ökonomischen Gründen die „alten“ Antiepileptika
und unter diesen in erster Linie Carbamazepin (CBZ) und Valproat (VPA) nach wie
vor die Mittel erster Wahl zur Behandlung der weitaus meisten Epilepsien dar.
Dabei kommt CBZ nur bei fokalen und fokal eingeleiteten generalisierten Anfällen
zum Einsatz, während VPA ein breiteres Wirkungsspektrum mit allerdings
bevorzugter Wirkung bei primär generalisierten Anfällen hat. Phenytoin (PHT) und
besonders die Barbiturate sind zunehmend in den Hintergrund getreten . Der
Nutzen der Zusatztherapie mit neuen Antiepileptika geht allerdings in der Regel
nicht über denjenigen einer Kombination der alten Antiepileptika hinaus, das
heißt z.B. eine Zugabe von VPA bei Versagen einer Monotherapie mit CBZ oder PHT.
Keines der neuen Antiepileptika ist bei fokalen Epilepsien besser wirksam als
CBZ.
| Beispiele wann die
Antiepileptika eingeführt wurden |
|
1857 - Brom |
1978 - Valproat |
|
1912 - Phenobarbital |
1991- Vigabatrin |
| 1937 - Phenytoin |
1993 - Lamotrigin |
|
1944 - Trimethadion |
1995 - Felbamat, Gabapentin |
|
1954 - Primidon |
1997- Tiagabin |
|
1960 - Ethosuximid |
1998 - Topiramat, |
|
1974 - Carbamazepin |
1999 - Oxcarbazepin |
| 1975 - Clonazepam |
2000- Levetiracetam |
| |
2004
Praegabalin |
Beipackzettel zu Arzneimitteln
verunsichern leider viele Patienten. Die Listen auf Beipackzetteln gehen von
möglichen Nebenwirkungen aus, auch ohne Nachweis eines Zusammenhanges sind die
Pharmahersteller dazu verpflichtet, alle beobachteten Erscheinungen
beziehungsweise möglichen Nebenwirkungen ab einer gewissen, sehr niedrigen
Häufigkeit in diese Texte aufzunehmen. Auch Placebos haben häufige
Nebenwirkungen, je nach Indikation in der sie gegeben werden. Zu Beispielen
siehe im entsprechenden Kapitel der Homepage.
Bei diesen Angaben auf den Beipackzetteln wird zwischen häufig (bei mehr als 10
Prozent), gelegentlich (bei zwischen 1 und 10 Prozent) und selten (bei weniger
als 1 Prozent) unterschieden, was ebenfalls einen Anhaltspunkt zum möglichen
Risiko geben kann. Hat man den Verdacht, dass irgendwelche Störungen unter
Einnahme von Medikamenten darauf zurückzuführen sein könnten und fühlt sich
dadurch beeinträchtigt, sollte man dies in jedem Fall mit seinem behandelnden
Arzt besprechen. Manche Nebenwirkungen treten auch nur zu Beginn der Einnahme
eines Medikamentes auf und bilden sich dann innerhalb von wenigen Wochen
vollständig oder zumindest teilweise zurück, ohne dass die Einnahme beendet wird.
Ein plötzliches Absetzen von Medikamenten wegen Nebenwirkungen sollte nur in
Absprache mit dem Arzt erfolgen. Die Abwägung ob manche Nebenwirkungen in Kauf
genommen werden müssen oder nicht tolerabel sind ist meistens individuell nach
schwere der zu behandelnden Krankheit, möglichen Alternativen in der
medikamentösen Behandlung und anderen Grundkrankheiten sowie den individuellen
Empfindlichkeiten des Patienten zu treffen.

Grundlage der Wirkung der Medikamente
ist die Vorstellung, dass Anfälle auf der zellulären Ebene durch
folgende Mechanismen entstehen
a) Zu starke Erregung entstehend durch Ionenstörme in die Zelle
Na+, Ca++ Ströme, Neurotransmitter: Glutamate, Aspartat
b) Zu geringe Hemmung ( Inhibition) entstehend durch Ionenstörme
aus der Zelle CI-, K+ Ströme, Neurotransmitter: GABA
Antiepileptika entfalten verschiedene Wirkungen an
Ionenkanälen und Rezeptoren. Gegenwärtig wird nach 4
Hauptwirkungen unterschieden:
- Steigerung der GABA-vermittelnden Hemmung / Wirkung am GABA-Rezeptor und
dadurch auch über Beeinflussung der Cl- Ströme z.B.: besonders
Phenobarbital, Primidon, Clonazepam, Tiagabin, Valproat, Topiramat,
(Epilepsy
and GABA,
Ion Channels and Episodic Disease
Society for
Neuroscience )
- Blockierung der Glutamatströme z.B.: besonders Felbamat,
Topiramat, Lamotrigin dazugehörig Modulation der NMDA Rezeptoren via
strychnineinsensitiver Glycinrezeptoren z.B.: besonders durch Felbamat
- Reduktion des NA+- Einstromes z.B.: besonders Valproat, Lamotrigin ,
Phenytoin, Topiramat, Carbamazepin
- Hemmung von Ca²+-Strömen in thalamischen Neuronen z.B.: besonders
Ethosuximid
Dabei wirken verschiedene Antiepileptika vermutlich über mehrere Mechanismen.
Nicht alles ist dabei vollständig geklärt
|
Die Auswahl des
Antiepileptikums richtet sich nach |
|
der Anfallsart und dem Epilepsiesyndrom |
|
dem pharmakokinetischen Profil |
|
Wechselwirkungen und anderen begleitend eingenommenen
Medikamenten |
|
Alter und Geschlecht des Patienten, Kinderwunsch, |
|
Vorhandenen sonstigen Erkrankungen und Risikofaktoren beim Patienten |
|
der Effektivität |
|
den erwarteten Nebenwirkungen |
|
der Präferenz des Patienten nach entsprechender Aufklärung über die
verschiedenen Medikamente |
|
den Kosten |
|
Wenn möglich erfolgt die
antiepileptische Behandlung als Monotherapie, also mit einem Medikament |
|
Vorteil einfachere Behandlung, weniger Nebenwirkungen und
Wechselwirkungen |
|
Bei Umwandlung einer Polytherapie (Behandlung mit mehreren
Medikamenten) in eine Monotherapie versucht man zunächst das stärker
sedierende Medikament langsam wegzulassen. |
|
Ein
typisches
Beispiel
für
Probleme
in
der
Kombination
ist
Topiramat,
in
Kombinationsbehandlung
benötigt
man
bei
diesem
Medikament
deutlich
höhere
Dosen
mit
mehr
Nebenwirkungen,
in
der
Monotherapie
zeigt
Topiramat
meist
eine
ähnlich
hohe
Wirksamkeit
bei
niedrigeren
Dosen
mit
besserer
Verträglichkeit. |
Beginn der medikamentösen Anfallsprophylaxe
- Monotherapie (mit einem Medikament) bei schrittweiser Dosissteigerung
- systematische Kontrolle des Wirkspiegels bei Carbamazepin, Valproat,
Phenytoin.
- Ausdosierung: wenn erst durch Zugabe eines zweiten Medikamentes
Anfallsfreiheit
besteht, dann Ausdosierung dieses Medikamentes und allmählicher Abbau des
ersten
Medikamentes
- Dosisänderung gleichzeitig nur bei einem Medikament
- Berücksichtigung der notwendigen Aufsättigungszeiten für den Steady state
- Vermeidung entbehrlicher Zusatzmedikation (unnötige Wechselwirkungen
erschweren die Behandlung)
- Verabreichung möglichst weniger Einzeldosen (2 x /d bzw. 1 x /d),
verbessert die Mitarbeit der Patienten
- Dosierung so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig
- abendliche Einmalgabe bei Therapiebeginn leichterer Verlaufsformen

Nach der
DGN-Leitlinie:
Therapie des
ersten
epileptischen
Anfalles bei
idiopathischen,
generalisierten
Epilepsien:
-
Valproinsäure
600-1500
mg/d
-
Lamotrigin
100-300 mg/d
-
Topiramat
50-200 mg/d
Nach der
DGN-Leitlinie:
Therapie des
ersten
epileptischen
Anfalles bei
fokalen
Epilepsien:
-
Carbamazepin
200-1200
mg/d
-
Oxcarbazepin
300-1800
mg/d
-
Lamotrigin
100- 300
mg/d
-
Topiramat
50- 200
mg/d
-
Valproinsäure
600-1500
mg/d
-
Gabapentin
900-2400
mg/d
Man kann Antiepileptika in solche mit einem breiten Wirkungsspektrum
(wirksam bei Primär generalisierten und bei symptomatischen/fokalen Epilepsien)
wie Valproat, Lamotrigin, Tpiramat, Levetiracetam, vielleicht auch Zonisamid
einteilen und in Antiepileptika mit begrenztem Wirkungspektrum (
nur wirksam bei symptomatischen/fokalen Epilepsien sowie sekundär
generalisierten fokalen Epilepsie) wie Carbamazepin, Phenytoin, Gabapentin,
Tiagabin, Oxcarbazepin, und Pregabalin einteilen. Bei Einsatz von Antiepileptika
mit begrenztem Wirkungspektrum ist die sicher Diagnose der fokalen Epilepsie
besonders wichtig, auch um zu vermeiden, dass die Epilepsie durch das falsche
Antiepileptikum sogar verschlimmert wird. Bei
Unsicherheit ob
eine
idiopathische,
generalisierte
Epilepsie oder
eine fokale
Epilepsie
vorliegt sind
Valproinsäure,
Lamotrigin, und
Topiramat am
besten
geeignet. Lamotrigin ist dabei deutlich weniger wirksam als Valproat, bei
Topiramat kommt es in höheren Dosen zu häufigerem Absetzen durch die Patienten,
was ebenfalls eine geringere Wirksamkeit bedingt. Bei
alten Menschen
über 60 spielen
die
Wechselwirkungen
eine
wesentliche
Rolle für die
Auswahl, hier
kommen am
ehesten Valproinsäure,
Lamotrigin,
Topiramat und
Gabapentin in
Betracht. Bei
der
Kombinationsbehandlung
mit
verschiedenen
Medikamenten
spielt die
Enzyminduktion
eine
wesentliche
Rolle,
Carbamazepin,
Phenobarbital
und Phenytoin
sind dann
besonders
ungünstig, bei Behandlung mit diesen Medikamenten sollten Patienten Vitamin D
(bis zu 2000 IU/Tag) und
Kalzium (bis zu 1200 mg pro Tag) einnehmen, da durch die Wechselwirkungen sonst
eine Osteoporose entstehen kann. Lamotrigin,
Topiramat,
Gabapentin und Levetiracetam
haben deutlich
weniger
Wechselwirkungen
und können
deshalb besser
kombiniert
werden. Bei Einnahme von Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital,
Topiramat und Oxcarbazepin sollten Frauen, die mit der Pille verhüten wissen,
dass die Antibabypille mindestens 50 μg Ethinylöstradiol enthalten sollte, da
bei Minipillen insbesondere mit einem erhöhten Risiko ungewollter
Schwangerschaften zu rechnen ist. Ob höher dosierte Antibabypillen sicher sind
ist darüber hinaus auch nicht ausreichend untersucht, so dass ggf. noch andere
Verhütungsmethoden in Kombination angewendet werden sollten. Lamotrigin muss bei
Einnahme der Pille höher dosiert werden, da die Pille zum schnelleren Abbau von
Lamotrigin führt. Bei
möglicher
Schwangerschaft
ist Valproinsäure
besonders
ungünstig,
Folsäure
prophylaktisch
in jedem Fall
sinnvoll. Die Auswahl des Medikamentes ist also sehr individuell, abhängig von
der Epilepsie, dem Alter und Geschlecht des Patienten, dessen sonstigen
Krankheiten und Risikofaktoren und der sonstigen Medikamenteneinnahme.
| Wirksam bei |
|
| Fokale Anfälle mit und ohne
Generalisierung
Carbamazepin, Phenytoin,
Oxcarbazepin, Valproat, Phenobarbital, Primidon, Felbamat,
Lamotrigin , Gabapentin, Topiramat, Tiagabin,
|
Generalisierte Anfälle
a) Absence
Ethosuximid, Valproat,
b) Myoklonisch
Valproat, Clonazepam
c) Tonisch -klonisch
Valproat, Phenytoin, Carbamazepin,
Oxcarbazepin,
d) Tonisch -klonisch bei
Lennox-Gastaut- Syndrom
Felbamat |
| Syndrom |
Medikament |
| BNS- (West) Syndrom |
Vit B6, Corticoide, ACTH, Valproat,
Vigabatrin, |
| Lennox- Gastaut- Syndrom |
Valproat, Clonazepam/Carbamazepin, Lamotrigin ,
Topiramat, Felbamat (in
Kombination), Vigabatrin (in Kombination) |
| Aufwach- GM, Absencen, myoklonisch astatisch, juvenile
myoklonische Epilepsie |
1.Wahl Ethosuximid (bei Absencen), Valproat,
2.Wahl Lamotrigin (juvenile myoklonische Epilepsie und GM), Primidon
(Aufwach- GM), |
| fokale Epilepsie |
1.Wahl Carbamazepin,
Oxcarbazepin, Valproat, Lamotrigin
2.Wahl Phenytoin, Phenobarbital, Primidon, Felbamat, Gabapentin,
Topiramat, Tiagabin, |
|
Häufige Nebenwirkungen von Antiepileptika |
Medikament |
Mögliche Alternativen (falls
beim Syndrom wirksam) |
| Allergie |
Carbamazepin, Phenytoin,
Lamotrigin , |
|
| Blutbildveränderungen |
Carbamazepin, Felbamat (1:4000 aplastische Anämie), Phenytoin, Clonazepam |
Gabapentin, Diazepam |
| Colitis |
Carbamazepin Epilepsia
40(1999)1780-83 |
|
|
Doppelbilder |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Dupuytren´sche Kontraktur |
Phenobarbital, Primidon, |
OXC,
Gabapentin, Carbamazepin,
Valproinsäure,
Lamotrigin |
|
Erbrechen |
besonders Felbamat und Valproinsäure |
|
|
Gangunsicherheit |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Gewichtsabnahme |
Felbamat, Topiramat |
Valproinsäure, Carbamazepin, Vigabatrin,
Gabapentin,
Pregabalin,
|
|
Gewichtszunahme |
Valproinsäure
(am
häufigsten),
Gabapentin,
Pregabalin,
selten Carbamazepin, Vigabatrin, |
Felbamat, Topiramat |
|
Gleichgewichtsstörungen |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Haarausfall |
Valproinsäure, Clonazepam |
OXC,
Gabapentin, Vigabatrin, |
|
Hautausschlag, Juckreiz |
Carbamazepin, |
OXC,
Gabapentin, Vigabatrin,
Valproinsäure |
|
Herzrhythmusstörungen (Verschlechterung von) |
Carbamazepin, Phenytoin, |
Lamotrigin ,
Gabapentin,
Vigabatrin,
Valproinsäure |
|
Hirsutismus (übermäßige Behaarung) |
Phenytoin |
|
|
Konzentrationsstörungen |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Kopfschmerzen |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Leberschäden |
Carbamazepin, Felbamat (1: 25000)und Valproinsäure,
Phenobarbital, Primidon, Phenytoin,
Lamotrigin , |
Gabapentin, |
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Lupus erythematodes |
Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Ethosuximid, |
Gabapentin, |
|
Lymphknotenschwellung |
Phenytoin, Carbamazepin, |
|
|
Missbildung (ungeborenes Kind) |
Valproinsäure (prinzipiell aber alle
Antiepileptika in Studien signifikant, Überlegung ob es auch ohne
Medikamente geht, ist je nach Schwere der Erkrankung immer zu treffen) |
|
Müdigkeit |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Myasthenie (Verschlimmerung) |
Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Diazepam, Clonazepam |
OXC,
Gabapentin, Carbamazepin,
Valproinsäure,
Lamotrigin |
|
Nierensteine |
Topiramat |
Carbamazepin, Phenytoin |
|
Osteoporose |
Carbamazepin,
Phenobarbital, Primidon, Phenytoin |
OXC,
Gabapentin, Vigabatrin,
Valproinsäure,
Lamotrigin |
|
Porphyrie (Verschlimmerung) |
Carbamazepin, Felbamat, Phenytoin,
Ethosuximid, Mesuximid, Phenobarbital,
Primidon, |
Gabapentin Vigabatrin |
|
psychische Störungen (u.a. Reizbarkeit aber auch Depressionen und
Psychosen.) |
Clonazepam, Ethosuximid, Gabapentin, Mesuximid, Phenobarbital, Primidon,
Tiagabin, Topiramat, Vigabatrin |
OXC,
Valproinsäure, |
|
Schläfrigkeit |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Schlaflosigkeit |
Felbamat, Lamotrigin |
|
|
Schluckauf |
Ethosuximid |
|
|
Schultersteife |
Phenobarbital, Primidon |
|
|
Schwindel |
bei
praktisch allen Medikamenten möglich |
|
|
Sprachstörungen |
Topiramat |
|
|
Status epileptikus (non-konvulsiv) |
Tiagabin |
|
| Suizidalität |
kann bei vielen Medikamenten ein
Problem sein. Untersucht ist es bei den wenigsten Medikamenten. Eine
Warnung der FDA macht auf das Risiko bei Medikamenten bei Epilepsie
aufmerksam, die nicht psychiatrische Patienten, die solche Medikamente
bekommen überwiegend betrifft, sondern Patienten mit Epilepsie. Unter
den 11 angeschuldigten Medikamenten befinden sich: Carbamazepin,
Felbamat, Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin,
Pregabalin, Tiagabin, Topiramat, Valproat und Zonisamid.
FDA Antiepileptic Drugs and Suizide |
Überwachung der Patienten im ersten
Behandlungsjahr regelmäßige Termine und Information über das mögliche
Risiko |
|
Vergröberung der Gesichtszüge |
Phenytoin |
Kommt
sonst kaum vor |
|
Zahnfleischwucherung |
Phenytoin (ca. 50% der Behandelten),
Neben der konventionellen Zahnpflege kann der Gebrauch einer elektrischen
Zahnbürste, die Verwendung von Chlorhexidin sowie regelmäßige
professionelle Zahnreinigung der phenytoininduzierten Gingivahyperplasie
vorbeugen. |
Kommt
sonst kaum vor |
|
Gesichtsfeldausfälle |
Vigabatrin |
Auch das zentrale Sehen ist nach einer
neuen Studie betroffen. Gerald F. Cox
ABSTRACT
|
|
Zittern (Tremor) |
Valproinsäure, selten Carbamazepin, |
|
|
Therapie
fokaler
Epilepsien
unter
Berücksichtigung
spezieller
Behandlungssituationen
|
|
Zu
berücksichtigender
Aspekt |
Favorisierte
Antiepileptika
(alphabetisch
gelistet) |
|
Mono-
und
Kombinationstherapie |
CBZ,
GBPa,
LEVa,
LTGa,
OXCa,
PHT,
PB,
PRM,
TPMa,
VPA |
|
Kombinationstherapie |
CLB,
FBMb,a,
PRGa,
RFNb,a,
TGBa,
VGBa,
ZNSa |
|
Verstoffwechselung/
Abbau
oder
Ausscheidung
der Antiepileptika |
|
Starke
Enzyminduktion
in
der
Leber,
die
den
Abbau
des
Medikamente
und
von
anderen
Substanzen
beschleunigt |
CBZ,
PHT,
PB,
PRM |
|
Geringe
Enzyminduktion
in
der
Leber |
FBM,
LTG,
OXC,
RFN,
TPM |
|
Verstoffwechselung
in
der
Leber
ohne
dass
es
zur
Enzyminduktion
kommt |
CLB,
TGB,
ZNS |
|
Enzyminhibition
in
der
Leber,
die
den
Abbau
des
Medikamente
und
von
anderen
Substanzen
hemmt. |
VPA |
|
Ausscheidung
über
die
Niere
ohne
Enzyminduktion
in
der
Leber |
GBP,
PRG,
LEV,
VGB |
|
Therapieauswahl
bei
Monotherapie |
|
Allgemeine
Aspekte |
|
Wirkung
in
der
Anfallsverhütung |
Alle
Antiepileptika
>GBP,
PB,
PRM |
|
Verursacht
geringe
kognitive
Störungen
oder
kann
bei
schon
vorhandenen
kognitiven
Störungen
oder
bei
geistig
anspruchsvollem
Beruf
verordnet
werden |
GBP,
LTG,
LEV
>OXC |
|
Verursacht
wenig
Gewichtsprobleme |
LTG,
LEV,
OXC,
PHT,
PB,
PRM,
TPM
>CBZ |
|
Frauen
im
reproduktiven
Alter |
|
Bei
Schwangerschaftswunsch |
CBZ,
LTG |
|
Bei
Einnahme
der
Antibaby
Pille |
GBP,
LEV,
TPM
(≤200 mg),
VPA |
|
Bei
Zyklusstörungen
mit
zu
vielen
männlichen
Hormonen |
CBZ,
PHT,
PB,
PRM |
|
Männer |
|
Bei
Erektionsstörungen |
GBP,
LEV,
LTG,
OXC,
TPM,
VPA |
|
Patienten
im
höheren
Lebensalter |
|
Kombinationstherapie
mit anderen
Medikamenten
|
GBP,
LEV,
LTG,
TPM
>OXC,
VPA |
|
Ataxie |
GBP,
LEV,
LTG,
TPM
>OXC,
VPA
|
|
Knochendichteminderung
bzw.
Anzeichen
von
Osteoporose |
GBP,
LEV,
LTG,
OXC,
TPM |
|
Patienten
mit
retardierter
geistiger
Entwicklung |
|
Steigerung
kognitiver/sozialer
Fähigkeiten |
LEV,
LTG |
|
aAntiepileptika
der
neuen
Generation;
bZulassung
für
Lennox-Gastaut-Syndrom;
>günstiger
als.Der
Einsatz
von
Brom
wurde,
da
selten
angewendet,
nichtberücksichtigt.CBZ Carbamazepin,
CLB Clobazam,
FBM Felbamat,
GBP Gabapentin,
LEV Levetiracetam,
LTG Lamotrigin,
OXC Oxcarbazepin,
PB Phenobarbital,
PRG Pregabalin,
PRM Primidon,
PHT Phenytoin,
RFN Rufinamid,
TGB Tiagabin,
TPM Topiramat,
VGB Vigabatrin,
VPA Valproat,
ZNS Zonisamid.
Modifiziert nach
J. Bauer,
Epilepsietherapie
im
Erwachsenenalter
Nervenarzt 2007 DOI
10.1007/s00115-007-2328-7 |
|
Therapie
idiopathischer
Epilepsien
mit
generalisierten
Anfällen
unter
Berücksichtigung
spezieller
Behandlungssituationen |
|
Zu
berücksichtigender
Aspekt |
Favorisierte
Antiepileptika
(alphabetisch
gelistet) |
|
Mono-
und
Kombinationstherapie |
ESMb,
LTGa,
PB,
PRM,
TPMa,
VPA |
|
Kombinationstherapie |
CLB,
LEV |
|
Metabolisierung/Elimination
der
Antiepileptika |
|
Starke
Enzyminduktion
in
der
Leber,
die
den
Abbau
des
Medikamente
und
von
anderen
Substanzen
beschleunigt |
PB,
PRM |
|
Geringe
Enzyminduktion
in
der
Leber |
LTG,
TPM |
|
Verstoffwechselung
in
der
Leber
ohne
dass
es
zur
Enzyminduktion
kommt |
CLB,
ESM |
|
Enzyminhibition
in
der
Leber,
die
den
Abbau
des
Medikamente
und
von
anderen
Substanzen
hemmt. |
VPA |
|
Ausscheidung
über
die
Niere
ohne
Enzyminduktion
in
der
Leber |
LEV |
|
Therapieauswahl
bei
Monotherapie |
|
Allgemeine
Aspekte |
|
Wirkung
in
der
Anfallsverhütung |
TPM,
VPA |
|
Verursacht
geringe
kognitive
Störungen
oder
kann
bei
schon
vorhandenen
kognitiven
Störungen
oder
bei
geistig
anspruchsvollem
Beruf
verordnet
werden |
LTG
>VPA
(niedrig
dosiert) |
|
Verursacht
wenig
Gewichtsprobleme |
ESM,
LTG,
PB,
PRM,
TPM |
|
Frauen
im
reproduktiven
Alter |
|
Bei
Schwangerschaftswunsch |
LTG |
|
Bei
Einnahme
der
Antibaby
Pille |
TPM
(≤200 mg),
VPA |
|
Männer |
|
Bei
Erektionsstörungen
|
LTG,
TPM,
VPA |
|
Patienten
im
höheren
Lebensalter |
|
Kombinationstherapie
mit
anderen
Medikamenten
|
LTG,
TPM
>VPA |
|
Ataxie |
LTG,
TPM
>VPA |
|
aAntiepileptika
der
neuen
Generation;
bkein
Grand-mal-Schutz;
>günstiger
als.CLB Clobazam,
ESM Ethosuximid,
LEV Levetiracetam,
LTG Lamotrigin,
PB Phenobarbital,
PRM Primidon,
TPM Topiramat,
VPA Valproat.
Modifiziert nach
J. Bauer,
Epilepsietherapie
im
Erwachsenenalter
Nervenarzt 2007 DOI
10.1007/s00115-007-2328-7 |
|
Medikament |
Nebenwirkungen |
| |
Viele Nebenwirkungen sind
dosisabhängig und treten vor allem am Beginn der Behandlung in den ersten
Wochen auf, andere sind auch langfristig problematisch und
überwachungsbedürftig. Fragen Sie Ihren Arzt. |
| Carbamazepin |
Müdigkeit, Ataxie,
Schwindel, Doppelbilder, Nystagmus,
Hyponatriämie, kardiale
Reizleitungsstörungen, Hautexanthem, Leukopenie oder Agranulozytose,
Aplastische Anämie, Thrombozytopenie,
depressive Verstimmung. Seltener: schwere Hautreaktionen bis zum
Lyell-Syndrom. Kopfschmerzen, Obstipation, Haarausfall, EPM-Störungen,
Lymphadenopathie, Osteopathie. Teratogenität, kann eine primär
generalisierte idiopathische Epilepsie verschlimmern,
(Serumspiegel, Blutbild und Leberwerte und E-lyte müssen kontrolliert
werden). therapeutischer Spiegel 4-12 mg/ml.
Viele Wechselwirkungen. Bei älteren Patienten Probleme durch die
Wechselwirkungen und die Hyponatriämie. Bei Asiaten muss vorher eine
Genotypisierung durchgeführt werden wegen erhöhter Hautauschlagsgefahr
bei HLA-B 1502. |
| Oxcarbazepin |
Hyponatriämien (v.a.
bei älteren Patienten häufiger als unter Carbamazepin etwa 2,5% der
Patienten), Hautexanthem,
Müdigkeit, EPM-Störungen, Appetitverlust, Schwindel, Doppelbilder, Ataxie,
Dysarthrie, kann eine primär generalisierte idiopathische Epilepsie
verschlimmern, (Blutbild und Leberwerte und E-lyte müssen kontrolliert
werden). |
| Gabapentin |
Benommenheit,
Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schwächegefühl, Schwindel, Ataxie, Kopfschmerzen, Doppelbilder,
Zittern, kann eine primär generalisierte idiopathische Epilepsie
verschlimmern, therapeutischer Spiegel 12-20
mg/ml Bei älteren Patienten und bei
Nierenschäden geringere Dosen. Keine relevanten Wechselwirkungen |
| Pregabalin |
Benommenheit,
Müdigkeit, Schwächegefühl, Schwindel, Ataxie, Kopfschmerzen, Doppelbilder,
Zittern, Ataxie, Gewichtszunahme, kann eine primär generalisierte
idiopathische Epilepsie verschlimmern, Rasches Absetzen kann zu
Entzugserscheinungen mit Angst, Nervosität und Unruhe führen. Im Alter
niedrigere Dosen |
| Lamotrigin |
Benommenheit,
Schläfrigkeit, Ataxie, Schwindel, Doppelbilder, allergisches Exanthem.
Selten Kopfschmerz, Zittern, Lyell- oder Stevens-Johnson-Syndrom (1-3/1000
Patienten), Multiorganversagen, Leberversagen, therapeutischer Spiegel
3-14 mg/ml, keine Wechselwirkung mit der
Pille. |
| Levetiracetam |
Müdigkeit, Apathie,
Schwindel, selten Psychosen. therapeutischer Spiegel 10-40
mg/ml, bei Niereninsuffizienz und bei Alten
geringere Dosen. Vorsicht bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen |
| Oxcarbazepin |
Hyponatriämien (v.a.
bei älteren Patienten häufiger als unter Carbamazepin), Hautexanthem,
Müdigkeit, EPM-Störungen, Appetitverlust, Schwindel, Doppelbilder, Ataxie,
Dysarthrie. Bei älteren Patienten Probleme durch die
Hyponatriämie, senkt den T4 Spiegel, Allergien auch häufig bei
Patienten, die auf Carbamazepin allergisch sind. Hat weniger
Wechselwirkungen als Carbamazepin, hat aber Wechselwirkungen mit der
Pille. |
| Phenobarbital |
Sedierung,
Konzentrationsstörungen, kognitive Störungen, Schwindel, Ataxie, Depression, Wesensveränderung mit Agitiertheit, Irritabilität, Aggressivität,
Obstipation, Allergien. Seltener Palmar-/Plantarfibrosen, Anämie, Akne,
Osteopathie, schwere Hautreaktionen, Stevens-Johnson-Syndrom
therapeutischer Spiegel 15-45 mg/ml, Vorsicht
Entzugsanfälle häufig, erhebliche Wechselwirkungen durch Enzyminduktion. |
| Phenytoin |
Müdigkeit,
Schwindel, Koordinationstörungen, Ataxie, Kleinhirnatrophie, kognitive
Störungen, Gingivahyperplasie, Virilisierung mit Hirsutismus. Seltener
EPM-Störungen, Osteopathie, Lymphadenopathie, Herzrhythmusstörungen,
Kopfschmerzen, senkt den T4 Spiegel, Wechselwirkungen durch
Enzyminduktion. Kann einen AV-Block oder Arrythmien verstärken, kann die
Symptome einer Hypglykämie verschleiern. Wird häufig schlecht vertragen.
therapeutischer Spiegel 10-20 mg/ml |
| Tiagabin |
Müdigkeit,
Benommenheit, Schwindel, Koordinations- /Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität, Zittern.
Kann eine primär generalisierte idiopathische Epilepsie verschlimmern,
Kann einen Spike-wave Status epileptikus auslösen. Keine Wechselwirkung
mit der Pille, beeinflusst andere Medikamente kaum, wird aber von
anderen AE im Stoffwechsel beeinflusst. |
| Topiramat |
Parästhesien,
Schwindel, Ataxie, Konzentrations- und kognitive Störungen, Wortfindungsstörungen, Zittern, Nierensteine (1-2%), Gewichtsverlust (3-5%),
psychotische Reaktionen, depressive Verstimmung, Müdigkeit, Bei 3%
metabolische Azidose, bei 1,5% Nierensteine, selten akutes Glaukom,
höhere Gefährdung für Hitzschlag, Hat wenig Wechselwirkungen, hat
aber Wechselwirkungen mit der Pille. therapeutischer Spiegel 5-25
mg/ml |
| Valproinsäure |
Müdigkeit,
Gewichtszunahme, Zittern, Haarverlust, Magen- Darm Unverträglichkeit,
polyzystische Ovarien, Gerinnungsstörungen, Pankreatitis bei 1/3000. Blutbildveränderungen, v.a. Thrombozytopenien. .
Leberzerfallskoma bei älteren Patienten im Gegensatz zu jungen Patienten
höchst selten.
Teratogenität
(bei
jungen
Frauen
nur
mit
intensiver
Aufklärung
indiziert,
wenn
andere
Medikamente
vermutlich
schlechter
wirken),
dabei
nicht
nur
Neuralrohrmissbildungen
(offener
Rücken
oder
Spina
bifida
sondern
auch
schlechtere
Verbalintelligenz
bei
Kindern,
die
keine
große
Behinderung
haben. therapeutischer Spiegel 40-100 mg/ml,
auf Wechselwirkungen achten. |
| Zonisamid |
Müdigkeit,,
Schwindel, Schläfrigkeit, Appetitmangel, Gewichtsverlust, Verlangsamung,
Ataxie, selten schwere allergische Hautausschläge, Lyell- oder
Stevens-Johnson-Syndrom (selten), Nierensteine,
vermindertes Schwitzen (im Sommer in der Hitze problematisch). Aplastische
Anämie, Nierensteine bei 0,2-4% der Patienten, |
| Haupt-
Auswahl am Beginn der Behandlung |
Carbamazepin |
Valproinsäure |
|
Modifiziert nach Diagnosis and Management of Epilepsy in Adults A National
Clinical Guideline recommended for use in Scotland by the Scottish
Intercollegiate Guidelines Network Pilot Edition November 1997 (dort wird
auch Phenytoin genannt, was ich bewußt weggelassen habe, wegen des
ungünstigeren Nebenwirkungsprofils ist es eher 2. Wahl. Dauermedikation
entsteht hier meist nach Infusion im Status). |
| Start
Dosis |
100 mg /Tag für 2 Wochen |
600 mg /Tag |
|
Erhaltungsdosis (Spannbreite) |
200-1600 mg /Tag |
600-2500 mg
/Tag |
|
Halbwertszeit |
in den ersten 2-6 Wochen 30-35 Stunden später
oft nur 12-20 Stunden bei Enzyminduktion auch durch das Medikament selbst
(Autoinduktion) |
5-15 Stunden,
kürzer wenn ein anderes induzierendes Medikament eingenommen wird
1 |
|
therapeutischer Serumspiegel |
25-50 mmol/l (6-12 mg/ml) |
350-700 mmol/l
(50-100 mg/ml) |
|
Häufige/wichtige Nebenwirkungen (vollständige Liste siehe z. B.
Gelbe Liste (Deutschland)
|
Schwindel, Übelkeit,
Ataxie, Doppeltsehen, Hautausschläge, Leukopenie, AV- Block,
Hyponatriämie |
Gewichtszunahme,
Tremor, Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit,
Haarausfall, Blutungsneigung, Leberschädigung, Pankreatitis |
| Kinetik |
Enzyminduktion durch das Medikament selbst
über 2-4 Wochen |
Serumspiegel
wenig sinnvoll als Hinweis für die Dosierung |
| Effekt
auf die Pille |
Höhere Dosen erforderlich |
keine Veränderung |
|
therapeutische
Serumspiegel
sind nur Anhaltspunkte, entscheidend ist die individuelle Situation, |
| |
Ausscheidung |
Halbwertszeit (h) |
Proteinbindung (%) |
|
| Carbamazepin |
über die Leber |
12* -17 |
75 |
induziert
CYP2C, CYP3A, UGT |
| Gabapentin |
über die Niere |
5-7 |
0 |
keine wesentlichen Interaktionen |
| Lamotrigin |
über die Leber |
25 |
56 |
in der add-on Therapie mit VPA
erhöhte LTG-Spiegel |
| Levetiracetam |
über die Niere |
7 |
0 |
keine wesentlichen Interaktionen |
| Oxcarbazepin |
über die Niere/über die Leber |
8-10 |
4 |
induziert CYP3A4/5 inhibiert
CYP2C19 |
| Phenobarbital |
über die Niere/über die Leber |
100 |
45-60 |
induziert CYP2C, CYP3A, UGT |
| Phenytoin |
über die Leber |
13-70 |
90 |
induziert CYP2C, CYP3A, UGT
inhibiert CYP2C9 |
| Tiagabin |
über die Leber |
7-9 |
96 |
keine wesentlichen Interaktionen |
| Topiramat |
über die Niere/über die Leber |
23 |
15 |
inhibiert CYP2C19 |
| Valproinsäure |
über die Leber |
9-16 |
93 |
inhibiert Epoxidhydrolase,
CYP2C9,UGT |
| *Nach Autoinduktion;
Dosisanpassung notwendig bei Nierenfunktionsstörungen; Halbwertszeit erhöht
sich mit steigendem Serumspiegel; Dosisanpassung notwendig bei
Leberfunktionsstörungen CYP=Cytochrom-P450-Monooxygenasen;
UGT=Uridindiphosphat-Glucuronosyltransferase |
| Häufig verwendete
Medikamente mit entweder erhöhter oder verminderter Clearance bei
Gabe eines Antiepileptikums (unvollständige Liste) |
| Art der Medikation |
erhöhte Clearance
(=höhere Dosen werden benötigt) mit Phenytoin, Phenobarbital,
Carbamazepin |
verminderte
Clearance
(=niedrigere Dosen werden benötigt) mit Valproinsäure |
| Herzmedikamente |
Mexiletin, Quinidin,
Amiodaron, Propranolol, Metoprolol, Nifedipin, Felodipin, Nimodipin,
Digoxin,
Lovastatin, Simvastatin, Marcumar |
Nimodipin |
| Psychopharmaka |
Amitriptylin,
Nortriptylin, Imipramin, Desipramin,
Clomipramin, Citalopram, Paroxetin, Buproprion,
Haloperidol, Chlorpromazin, Clozapin, Olanzapin,
Risperidon, Quetiapin, Diazepam, Alprazolam, |
Amitriptylin,
Nortriptylin, Clomipramin, Paroxetin, Lorazepam, Diazepam |
| Zytostatika |
Cyclophosphamid,
Busulfan, Etoposid, Methotrexat,
Teniposid, einige Vinca-Alkaloide |
|
| Antibiotika/ Virustatika |
Praziquantel, Albendazol,
Doxycyclin, Nevirapin,
Efavirenz, Delavirdin, Indinavir, Ritonavir, Saquinavir |
Zidovudin,
möglicherweise auch andere.. |
| Andere |
Cyclosporin, Tacrolimus,
Prednison, orale Kontrazeptiva (Pille), Theophyllin, Methadon |
|
| Patsalos PN, Perucca E.
Clinically important drug interactions in epilepsy: interactions
between antiepileptic drugs and other drugs.
Lancet Neurol 2003;2:473-81. |
Entscheidend ist meist nicht der Blutspiegel sondern
die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikamentes, dennoch gibt es häufiger
Gründe den Spiegel zu bestimmen. Wichtig ist der Blutspiegel beim Auftreten von
Nebenwirkungen oder bei Wirkungslosigkeit des Medikamentes. Bestimmt wird
morgens meist 12 Stunden nach der letzten Einnahme, oder
Nüchternspiegel vor Einnahme der ersten Tagesdosen zumindest aber Abnahme zu in
etwa gleichen Zeiten bei einem Patienten. Nach Dosisänderungen muss je nach
Medikament bis zu 2 Wochen gewartet werden bis der Blutspiegel verwertbar ist.
| Medikament |
üblicher
therapeutischer Bereich |
 |
 |
Mikromol/
Liter |
Milligramm/
Liter |
| Carbamazepin |
15-50 |
4-12 |
| Ethosuximid |
280-700 |
40-100 |
| Gabapentin |
über 12 |
über 2 |
| Lamotrigin |
über 10 |
über 2 |
| Oxcarbazepin |
30-80 |
7-20 |
| Phenobarbital |
40-130 |
10-30 |
| Phenytoin |
20-80 |
5-20 |
| Primidon |
20-70 |
4-15 |
| Valproat |
200-850 |
30-120 |
AE bei verschiedenen Epilepsien und Anfällen bei Kindern nach
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/index.html Leitlinien der
Gesellschaft für Neuropädiatrie
Die Wahrscheinlichkeit und Auswahl des Medikamentes hängt von der
Syndromzugehörigkeit der Anfälle ab. Während hierüber im Wesentlichen
Einigkeit besteht, ist die Wertung der Reihenfolge der Medikation (1., 2.,
... Wahl) nicht ganz unumstritten und von individuellen Faktoren abhängig.
Die folgende Liste ordnet die Medikamente den Syndromen zu, die Reihenfolge
ist dabei aber nicht verbindlich! |
Idiopathische generalisierte Epilepsien
mit "großen" (tonisch-klonischen Anfällen): Valproinsäure (VPA),
Phenobarbital (PB) oder Primidon (PRI, wird zu PB verstoffwechselt), Brom
(bei frühkindlicher Grand Mal-Epilepsie)
mit "kleinen" Anfällen (Absencen, myoklonische A.,
myoklonisch-astatische A.): Valproinsäure, Ethosuximid (ESM), Methosoximid (MSM),
Lamotrigin * (LTG). |
Idiopathische fokale Epilepsien (sog. benigne Epilepsien)
Sultiam (ST), Sultiam und Clobazam (CLB), Carbamazepin (CBZ), Valproinsäure,
Vigabatrin* (VGB), ACTH oder orale Steroide. |
Symptomatische/kryptogene fokale Epilepsien
Carbamazepin (Oxcarbazepin), Vigabatrin*, Sultiam, Valproinsäure, Phenytoin
(PHT), Phenobarbital/Primidon, Gabapentin* (GBP), Lamotrigin * |
Symptomatisch/kryptogene generalisierte Epilepsien
Valproinsäure, Ethosuximid, Methsuximid, Lamotrigin *, Vigabatrin*, ACTH oder
orale Steroide |
| (*) Neue Medikamente, die bisher nur in Kombinationstherapie zugelassen
sind, LTG und GBP erst ab 12. Lebensjahr, FBM ab 4. Lebensjahr für
Lennox-Gastaut-Syndrom. VGB inzwischen etabliert, besonders beim
West-Syndrom. Für LTG, GBP und FBM liegen noch nicht genügend Daten für
gültige Empfehlungen vor. |
Da bei Epilepsiekranken ein gegenüber der Normalbevölkerung fünffach erhöhtes
Suizidrisiko besteht, ist das gezielte Behandeln
depressiver Symptome von großer klinischer Bedeutung. Sämtliche
Antiepileptika können in Abhängigkeit von Dosierung und Wirksamkeit sowie der
individuellen Empfindlichkeit zu psychischen Störungen führen. Zu den häufigeren
medikationsbezogenen psychiatrischen Komplikationen der „alten“ Antiepileptika
gehören z.B. Depressionen unter Phenobarbital, die Valproatenzephalopathie,
toxische paranoid-halluzinatorische Psychosen unter Phenytoin und alternative
Psychosen mit EEG-Normalisierung unter Ethosukzimid. Insbesondere bei den
GABA-ergen „neuen“ Antiepileptika Vigabatrin, Topiramat und Tiagabin kann es zu
psychischen Problemen, insbesondere zu depressiven Verstimmungen kommen.
Allergische Reaktionen auf mehrere Antiepileptika sind keine Seltenheit, da
der oben beschriebene Stoffwechselweg für eine ganze Gruppe von bestimmten
Antiepileptika nichts ungewöhnliches ist: So unterliegen Phenytoin,
Phenobarbital und auch Primidon ähnlichen Stoffwechselwegen. Die von diesen
Wirkstoffen hervorgerufene allergische Symptomatik lässt sich unter dem Begriff
„Antikonvulsiva-Hypersensitivitäts-Syndrom” subsumieren. Über den zeitlichen
Ablauf des Carbamazepin-Hypersensitivitäts-Syndroms gibt es unterschiedliche
Angaben: Einige sehen den Beginn erster Symptome meist 14 Tage nach erstmaliger
Applikation von Carbamazepin, spätestens nach 3 bis 4 Wochen. Andere sprechen
von einem Zeitraum zwischen 4 Wochen und 3 Monaten. Nach Absetzen der
allergogenen Substanzen normalisieren sich die klinischen Symptome und
pathologischen Labordaten meist innerhalb von 6 Wochen. Die Disposition zur
Ausbildung eines solchen Krankheitsbildes scheint genetisch verankert zu sein:
Bei Auftreten eines Carbamazepin-Hypersensitivitäts-Syndroms besitzen Verwandte
ersten Grades ein erhöhtes Risiko für solche Reaktionen. Durch die Zufuhr
bestimmter pharmakologischen Stoffe wird bei so veranlagten Patienten eine
multisystemische Hypersensitivitäts-Reaktion ausgelöst. Diese drückt sich
klinisch vor allem durch Veränderungen der Haut, die makulopapulär, urtikariell,
erythematös, exfoliativ und ekzematös aussehen können, aus. In ca. 20 % kommt es
zu einer systemischen Beteiligung: Fieber, Müdigkeit, generalisierte
Lymphknotenschwellung, Schwindel, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Halsschmerzen
sowie Antriebsarmut. Des Weiteren können eine Lungenentzündung,
Nierenentzündung, Leberentzündung, oder Gefäßentzündung auftreten. Laborchemisch
lassen sich eine zum Teil stark ausgeprägte Eosinophilie und eine Leukozytose
mit atypischen Lymphozyten finden. Ebenso ist eine Erhöhung insbesondere der LDH
und der Immunglobuline beschrieben.
|
Psychotrope
Effekte von Antiepileptika |
| |
Positive psychotrope Effekte |
Negative affektive Effekte |
Psychosen und andere Komplikationen
|
| Barbiturate, Primidon |
sedierend |
Aggression, Depression, Entzugssyndrome
|
Aufmerksamkeitsdefizit,
Hyperaktivitätssyndrom
(ADHD) bei Kindern |
| Benzodiazepine |
anxiolytisch, sedierend |
Entzugssyndrome |
Disinhibition |
| Ethosukzimid |
- |
Insomnie |
Alternative Psychosen |
| Phenytoin |
- |
- |
Toxisch schizophreniforme Psychosen |
| Carbamazepin |
stimmungsstabilisierend, Impulskontrolle |
selten Manie oder Depression |
- |
| Valproat |
antimanisch, stimmungsstabilisierend |
- |
Akute and chronische Enzephalopathie |
| Vigabatrin |
- |
Aggression, Depression Entzugssyndrome |
Aufmerksamkeitsdefizit,
Hyperaktivitätssyndrom
(ADHD) bei Kindern, Enzephalopathie, alternative Psychosen |
| Lamotrigin |
antidepressiv |
Insomnie |
selten Psychosen, selten
Tourette-Syndrom |
| Felbamat |
antriebssteigernd? |
Agitation |
Psychosen möglich |
| Gabapentin |
anxiolytisch, antidepressiv? |
selten Aggression bei Kindern |
- |
| Tiagabin |
- |
Depression |
Non-konvulsiver Status epileptikus |
| Topiramat |
- |
Depression |
Psychosen möglich |
| |
? = Minimale Information |
|
Nach PD. Dr. Bettina
Schmitz |
Wechselwirkungen der Antiepileptika unter einander
|
CBZ |
ESM |
MSM |
PB |
DPH |
PRM |
VPA |
FBM |
GBP |
LTG |
OXC |
TGB |
TPM |
VGB |
| CBZ |
|
- |
|
= |
= |
-PB+ |
-- |
-- |
= |
-- |
|
-- |
-- |
= |
| ESM |
|
|
|
|
|
|
- |
|
|
= |
|
|
|
|
| MSM |
|
|
|
++ |
++ |
-PB+ |
|
|
|
-- |
|
|
|
|
| PB |
-- 1 |
- |
|
|
-+ 2 |
|
-- |
- |
= |
-- |
=/- |
-- |
- |
= |
| DPH |
-- 1 |
- |
|
+ |
|
-PB+ |
-- |
-- |
= |
-- |
=/- |
-- |
-- |
= |
| PRM |
--CE+ |
|
|
|
|
|
-- |
- |
= |
-- |
|
-- |
- |
|
| VPA |
-CE++ |
= |
|
++ |
- 3 |
-PB+ |
|
(+) |
= |
++ |
= |
= 4 |
= |
= |
| FBM |
-CE++ |
|
|
++ |
++ |
|
++ |
|
|
= |
= |
|
|
= |
| GBP |
= |
|
|
= |
= |
|
= |
|
|
= |
|
|
= |
|
| LTG |
=(CE+) |
|
|
= |
= |
= |
=/+ |
|
= |
|
|
|
|
|
| OXC |
|
|
|
= |
= |
|
= |
|
|
- |
|
|
|
|
| TGB |
= |
|
|
= |
= |
|
= |
|
|
|
|
|
|
|
| TPM |
= |
|
|
= |
+/++ 5 |
= |
=(-) |
|
|
|
|
|
|
|
| VGB |
=(+) |
|
|
=(-) |
-/-- |
=(-) |
= |
= |
|
= |
|
|
|
|
| Gabapentin,
Lamotrigin , Levetiracetam, Tiagabin, Topiramat, Vigabatrin, und Zonisamid
verursachen im Gegensatz zu den alten Antiepileptika keinen beschleunigten
Abbau anderer Antiepiletika. Philip N Patsalos a and Emilio Perucca
Clinically important drug interactions in epilepsy: general features and
interactions between antiepileptic drugs, The Lancet Neurology 2/2003
http://neurology.thelancet.com
|
| = keine relevanten Interaktionen bzw. kein
Einfluß |
| + bzw. - Erhöhung bzw. Erniedrigung
meistens ohne klinische Relevanz |
| ++ bzw. -- klinisch relevante Erhöhung
bzw. Erniedrigung |
| Leere Zellen: es liegen keine
Untersuchungen vor |
| Die Pfeile sind in Klammern gesetzt, wenn
widersprüchliche Ergebnisse vorliegen. |
| CBZ, Carbamazepin; ESM, Ethosuximid; MSM,
Methsuximid; PB, Phenobarbital; DPH, Diphenylhydantoin (Phenytoin); PRM.
Primidon; VPA, Valproinsäure; FBM, Felbamat; GBP, Gabapentin; LTG,
Lamotrigin ; OXC, Oxcarbazepin; TGB, Tiagabin; TPM, Topiramat; VGB,
Vigabatrin |
|
| 1CBZ wird erniedrigt, CBZ-Epoxid (CE):
CBL-Verhältnis steigt |
| 2 abhängig von der Hohe der
PB-Konzentration , |
| 3 VPA senkt die DPH Konzentration da
gleichzeitig die Proteinbindung erhöht wird heben sich die gegenläufigen
Effekte auf. |
| 4 möglicherweise erhöht VPA den freien
Anteil von TGB |
| 5 TPM kann bei einigen Patienten den
Phenytoinspiegel erhöhen. |
| 1) Mayer, Th: Klinik für Anfallskranke
Mara 1, Bielefeld |
Neue
Antiepileptika
sind oft
(aber
nicht
immer)
besser
verträglich.
Sie
verbessern
damit die
Möglichkeit
auch
Patienten
mit
Unverträglichkeiten
zu
behandeln
und helfen
Risiken zu
vermeiden.
Neue
Antiepileptika
sind aber
nicht
wirksamer
als die
alten
Antiepileptika
|
Substanz
|
Pharmakologie
|
Indikation
|
Typische Nebenwirkungen |
| Carbamazepin z.B.
Tegretal®, Timonil®, Sirtal®, Carbium®, Finlepsin®, Carba®,
Carbabeta®, Carbagamma® |
nichtlinear (Autoinduktion);
Wirkdosis
interindividuell, hepatische Metabolisierung (CYP 450);
Plasmaproteinbindung hoch (70–80%);aktive Metaboliten
|
fokale und
sekundär generalisierte Anfälle, generalisierte Anfälle
|
allergisches
Exanthem; Kopfschmerzen; Müdigkeit; abdominelle Symptome; supraventrikuläre
Blockierungen, (u.a. CBZ-Epoxid) (SA-Block, AV-Block, Sick sinus) |
| Valproinsäure,z.
B. Ergenyl®, Orfiril®, Leptilan®, Convulex® Convulsofin®
|
nichtlinear
(Sättigung der Plasmaeiweißbindung im höheren
Dosisbereich); Plasmaproteinbindung sehr hoch (ca. 90%);viele
Metaboliten, Exkretion überwiegend renal |
generalisierte
Anfälle, fokale Anfälle |
primär und
sekundär Tremor; Gewichtszunahme; Leberfunktionsstörungen;
Gerinnungsstörungen; Pankreatitis; Schläfrigkeit; hormonelle Störungen, (polyzystische
Ovarien – PCOS);Hyperinsulinismus |
| Phenytoin,
Phenhydan®, Zentropil®, Epanutin® |
nichtlineare
Dosis/Wirkungsbeziehung, (Enzymsättigung); hepatische Metabolisierung (CYP
450); Plasmaproteinbindung sehr hoch (90%) |
fokale und
sekundär generalisierte Anfälle ; Status epilepticus
|
bei
Langzeittherapie: Kleinhirnatrophie, Polyneuropathie, Gingivahyperplasie,
Osteopathie, megalozytäre Anämie (Folsäuremangel); Kurzzeiteffekte:
Blutbildveränderungen, Anstieg d. Leberenzyme, allerg. Exanthem; bei
i.v.Therapie: kardiovaskuläre Komplikationen insbes. bei älteren Patienten
(RR-Abfall, Asystolie) |
| Phenobarbital z.
B. Luminal®, Phenaemal, ®Lepinal®
Primidon Mylepsinum®, Liskantin® |
linear; hepatische
Metabolisierung (CYP 450), renale Ausscheidung |
fokale und
sekundär generalisierte Anfälle; primär generalisierte Anfälle,
Status epilepticus ;Absencen |
kognitive
Störungen; Sedierung; Osteopathie; Gewöhnung; Schulter-Arm-Syndrom bei
Primidon Übelkeit v. a. bei zu rascher Eindosierung; |
|
Lamotrigin , Lamictal® Zusatztherapie |
linear (geringe
Autoinduktion) nach Glukuronidierung renale Ausscheidung; keine aktiven
Metaboliten |
fokale und
sekundär generalisierte Anfälle (ab dem 12.
Lebensjahr); bei refraktären fokalen Anfällen und Lennox-Gastaut (Kinder
von 4–11 Jahren); bisher ohne offizielle Zulassung: primär generalisierte
Anfälle |
allergische
Hautreaktionen, systemische Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zum
Stevens-Johnson-Syndrom, Leber- und Blutbildschädigung; Benommenheit |
|
Oxcarbazepin, Trileptal®, Timox® |
linear;
Ketoanalogsubstanz von Carbamazepin; nur geringe Beeinflussung des CYP 450
Enzymsystems; rasche Umwandlung zu MHD; renale Exkretion; |
fokale und
generalisierte Anfälle |
sekundär
Müdigkeit; Schwindel; Kopfschmerz; Doppelbilder; Nystagmus; Hepatitis;
Hyponatriämie; allergische Reaktionen Carbamazepin-Epoxid fällt
nicht an in Einzelfällen: Arrhythmien; BB-Veränderung; |
| Gabapentin
Neurontin® |
Plasmaeiweißbindung 0 %; keine Metabolisierung; -renale Exkretion
|
fokale und
sekundär generalisierte Anfälle |
gastrointestinale
Störungen; Mattheit; Somnolenz; Gewichtszunahme; Interferenz
mit Blutzuckereinstellung; Blasenstörungen (?) |
| Topiramat Topamax® |
linear, Exkretion
überwiegend unverändert renal; teils komplexe Metabolisierung in der Leber
|
Zusatztherapie (ab
dem 2. Lebensjahr) bei: fokalen und sekundär generalisierten
Anfällen– primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen –
Lennox-Gastaut-Syndrom, scheint aber auch in der Monotherapie aller Formen
von Epilepsie wirksam zu sein, gilt als eines der wirksamsten
Antiepileptika. |
neuropsychologische Störungen,(„Pseudodemenz"); Kopfschmerz; Parästhesien;
Nystagmus; Tremor; Gewichtsabnahme; Nierensteine |
| Tiagabin Gabitril®
|
linear;
Plasmaeiweißbindung sehr hoch (95%) Metabolisierung über CYP
450,aber ohne nennenswerte aktive Induktion oder Inhibition; überwiegend
fäkal ausgeschieden |
Zusatztherapie bei
fokalen und sekundär generalisierten Anfällen |
neuropsychologische Störungen sind häufiger als bei anderen Antiepileptika
und bedürfen der besonderen Beachtung; besonders Störungen der
Wortflüssigkeit, der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit und verbalen
Gedächtnisleistungen.; Depressivität; Kopfschmerz; Nervosität;
Schwindel; Tremor; Diarrhoe; Ekchymosen |
| Vigabatrin Sabril® |
Plasmaeiweißbindung 0 %; keine Metabolisierung; überwiegend renale
Exkretion |
Zusatztherapie bei
pharmakoresistenten fokalen und sekundär generalisierten Anfällen, wenn
alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind; Monotherapie: infantile
Spasmen (West-Syndrom) |
psychotische
Störungen, Depression; ;neuropsychologische Störungen,
Gesichtsfeldstörungen und Schädigung der Fovea (u. U. irreversibel);
Gewichtszunahme; Kopfschmerz; Müdigkeit; Provokation
tonisch-klonischer oder myoklonischer Anfälle |
| Felbamat Taloxa®
|
linear; keine
aktiven Metaboliten vorwiegend renale Exkretion |
Zusatztherapie des
Lennox-Gastaut-Syndroms wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind |
aplastische
Anämie; akutes Leberversagen; allergische Reaktionen;
Schlafstörungen; Gewichtsabnahme; Kopfschmerzen |
| Levotirazepam, Keppra®
|
Vorteil keine wesentlichen
Wechselwirkungen, vergleichsweise gut verträglich |
Zusatz bei therapierefraktären
partiellen Anfällen Erwachsener.
|
Somnolenz und Schwäche (jeweils
15%). Psychische Symptome und Verhaltensauffälligkeiten wie Agitiertheit,
Angst, Feindseligkeit oder Depression 13%. 3% leiden unter gestörter
Koordination wie Ataxie oder
Gangstörung. 0,7% entwickeln psychotische Symptome. Suizidversuche sind in
klinischen Studien bei 0,5% beschrieben,
ein Patient stirbt. |
|
Ergänzt nach Wolfgang Hetzel,
Schnellübersicht zur Pharmakotherapie, Antikonvulsiva: Neu ergänzt
alt, NeuroTransmitter 9 ·2000 |
Antiepileptika,
die die
Wirksamkeit
der Pille
vermindern
können:
Carbamazepin,
Felbamat,
Oxcarbazepin,
Phenobarbital,
Phenytoin,
Primidon,
Topiramat
(Bei Dosen
>200
mg/Tag),
Antiepileptika,
die die
Wirksamkeit
der Pille
nicht
vermindern:
Benzodiazepine,
Gabapentin,
Lamotrigin ,
Levetiracetam,
Tiagabin,
Valproinsäure,
Vigabatrin,
Zonisamid.
Sexualfunktion bei Männern mit Epilepsie
| Studiengruppe |
Sexualfunktion |
| Normal |
Gesteigert |
Vermindert |
| Valproat (n = 21) |
16 (76) |
4 (19) |
1 (5) |
| Carbamazepin (n = 40) |
30 (75) |
3 (8) |
7 (18) |
| Oxcarbamazepin (n = 29) |
23 (80) |
1 (3) |
5 (17) |
| Kontrollen (n = 25) |
22 (88) |
1 (4) |
2 (8) |
| Prozentzahlen in
Klammern (%). |
| Die Sexualfunktion
wurde als gesteigert bezeichnet, wenn der Patient vermehrte Libido,
Potenz, oder verbesserte Zufriedenheit mit der Erektion und dem
Orgasmus angab, sie wurde als vermindert gewertet,
wenn der Patient verinderte Libido, Potenz, oder verinderte
Zufriedenheit mit der Erektion und dem Orgasmus angab. Bei den
anderen wurde angenommen, dass sie normal war. Valproat erhöht die
Androgenkonzentrations,
Carbamazepin vermindert die Bioaktivität der Androgene,
Oxcarbamazepin hat hierauf keinen Effekt. In einer anderen Studie
verschlechterten alle 3 Medikamente die Spermaqualität, bei Valproat
geht womöglich das Hodenvolumen zurück. J. Rättyä, J. Turkka,
A. J. Pakarinen, M. Knip, M. A. Kotila, O. Lukkarinen, V.V. Myllylä,
and J. I.T. Isojärvi, Reproductive effects of valproate,
carbamazepine, and oxcarbazepine in men with epilepsy, Neurology
2001 56: 31-36.[Abstract]
[Full
Text]
|
|
| Wirkstoff |
Handelsnamen |
| Carbamazepin |
carba, Carbagamma,
Carbium, Carbamazepin, Finlepsin, Fokalepsin, Sirtal, Tegretal, Timonil |
| Clobazam |
Frisium |
| Clonazepam |
Antelepsin,
Rivotril |
| Diazepam |
diazep, Diazepam,
faustan, Lamra, Stesolid, Tranquase, Valiquid, Valium, Valocordin |
| Ethosuximid |
Petnidan,
Pyknolepsinum, Suxilept, Suxinutin |
| Felbamat |
Taloxa |
| Gabapentin |
Neurontin |
| Kalium-Bromid |
dibro-Be |
| Lamotrigin |
Lamictal |
| Levetiracetam |
Keppra |
| Mesuximid |
Petinutin |
| Oxcarbazepin |
Trileptal |
| Phenobarbital |
Fali-Lepsin,
Lepinal, Luminal, Phenaemal, (andere Barbiturate: Maliasin) |
| Phenytoin |
Zentropil, Phenhydan, Epanutin, Phenytoin
AWD |
| Primidon |
Liskantin,
Mylepsinum, Resimatil |
| Sultiam |
Ospolot |
| Tiagabin |
Gabitril |
| Topiramat |
Topamax |
| Valproinsäure/Valproat |
Convulex,
Convulsifin, Ergenyl, Leptilan, Myproin, Orfiril |
| Vigabatrin |
Sabril |
NNTs für die neuen Antiepileptika als
Zusatzbehandlung bei schlecht einstellbaren Epilepsien Nach
Bandoliner (Daten bis 1997)
NNT= Numbers needed to Treat= wie viele Patienten muss
man behandeln bis ein eindeutiger Effekt nachweisbar ist. |
| Drug |
Dosis (mg) |
Anzahl der in den Studien
Untersuchten Patienten |
NNT (95%CI) |
| Gabapentin |
900 |
256 |
NSD |
| Gabapentin |
1200 |
514 |
8.8 (5.7 to 20) |
| Zonisamid |
500 |
291 |
7.4 (4.5 to 20) |
| Lamotrigin |
500 |
454 |
7.2 (5.0 to 13) |
| Tiagabin |
32 |
651 |
6.5 (4.9 to 9.6) |
| Vigabatrin |
300 |
384 |
3.3 (2.6 to 4.6) |
| Topiramat |
600 |
246 |
3.0 (2.3 to 4.5) |
| Topiramat |
1000 |
303 |
2.9 (2.2 to 3.9) |
| Outcome
(Ergebnis) waren Patienten mit mindestens 50%iger Reduktion der
Anfallsfrequenz. NSD kein signifikanter Unterschied zu Placebo. |
NNHs für
die neuen Antiepileptika als Zusatzbehandlung bei schlecht einstellbaren
Epilepsien Nach
Bandoliner (Daten bis 1997)
NNH= Numbers needed to harm, also Anzahl derer, die man behandeln muss
um einen nachteiligen Effekt zu erzielen |
| |
Gabapentin |
Zonisamid |
Lamotrigin |
Tiagabin |
Vigabatrin |
Topiramat |
| Ataxie |
12 |
5 |
7 |
NSD |
NSD |
12 |
| Schwindel |
9 |
8 |
5 |
8 |
14 |
6 |
| Müdigkeit |
14 |
8 |
NSD |
18 |
10 |
8 |
|
Übelkeit |
NSD |
NSD |
12 |
NSD |
NSD |
20 |
|
Schläfrigkeit |
9 |
ND |
22 |
NSD |
15 |
5 |
| Absetzen
wegen Nebenwirkungen |
NSD |
11 |
25 |
13 |
12 |
9 |
|
NSD kein signifikanter Unterschied zu Placebo..
ND keine Daten |
|
Das
Cytochrom P-450 Enzymsystem und AE näheres auf
einer Separaten Seite Wechselwirkungen von
Medikamenten allgemein |
|
Induzierend |
Inhibierend |
|
Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Carbamazepin,
Zigaretten, Steroidhormone, Theophyllin, Trizyclische Antidepressiva,
Vitamine |
Erythromycin, Nifedipin/ Verapamil,
Trimethoprim/sulfa, Propoxyphen Cimetidine |

Wann und wie kann man mit den
Medikamenten aufhören:
Medikamente zur Verhütung von neuen Anfällen müssen von
Patienten mit einer Epilepsie meist jahrelang, oft sogar ein Leben lang,
genommen werden. Diese Medikamente, die man wegen ihrer Wirkung in der Verhütung
von epileptischen Anfällen Antiepileptika nennt, müssen dabei ganz regelmäßig
eingenommen werden. Schon das Vergessen einer oder mehrerer Tagesrationen kann
die Anfallswahrscheinlichkeit sogar erhöhen. Medikamente haben viele Nachteile,
nicht nur die Nebenwirkungen, auch die ständige tägliche Erinnerung daran, dass
man krank ist, belasten. Einfach ist die Entscheidung nur dann, wenn die
Medikamente nicht helfen. Für die meisten Menschen mit einer Epilepsie ist es
sinnvoll ihre Anfälle in einen Anfallskalender zu notieren, stell sich dabei
heraus, dass das Medikament nicht wirkt, muss die Behandlung geändert werden.
Wenn aber die Medikamente über Jahre geholfen haben und keine neuen Anfälle
aufgetreten sind, stellt sich die Frage ob sie weiter nötig sind. Absetzen
muss meist gut überlegt sein. Die Entscheidung muss auch das individuelle Risiko
berücksichtigen. Wichtig ist dabei auch, was hätte der nächste Anfall für
Auswirkungen auf Partnerschaft, Beruf, Führerschein usw. Wichtig ist aber vor
allem auch wie groß ist das Risiko, dass die Anfälle wiederkommen. Dies hängt
von der genauen Diagnose der Art der Epilepsie oder des Syndroms ab.
Rückfallrate nach Beendigung der medikamentösen Therapie (nach einem
anfallsfreien Zeitraum von mehr als 2 Jahren) -Zahlenbeispiele
|
Rezidivrate nach Beendigung der medikamentösen Therapie (nach einem
anfallsfreien Zeitraum von mehr als 2 Jahren )Nach Elger et
al. Forschung und Praxis 395/00 Seite 14 ff. |
| Typische Absencen |
25% |
| myoklonische Absencen |
?? |
| Absencen und Grand mal |
65% |
| Grand mal |
83% |
| Myoklonisch- impulsive Anfälle |
91% |
| Einfach fokale Anfälle |
25% |
| Schlaf- Grand mal |
56% |
| Sekundär generalisierte Grand mal |
73% |
| Komplexe-partielle Anfälle |
87% |
Im Wesentlichen hängt das von der genauen Diagnose ab: Es gibt
sehr gutartige Formen wie die Rolando-Epilepsien, bei dieser Form hören die
Anfälle nach der Pubertät meist von alleine auf. Bei den häufigen
Absencen-Epilepsien, Aufwach-Grand mal und juvenilen myoklonischen Epilepsie
sind die Aussichten schlechter, manchmal ist eine dauerhafte Behandlung
erforderlich. Nur bei einem Teil der Patienten kann man hier auch bei
langjähriger Anfallsfreiheit damit rechnen, dass wenn man die Medikamente
weglässt, auch die Anfälle nicht mehr auftauchen. Noch mehr müssen die
meisten Patienten mit fokalen Anfällen, die auf eine umschriebene Hirnschädigung
zurückgehen, damit rechnen, dass die Anfälle nach Absetzen der Medikamente
wieder kommen. Bei der zuletzt genannten Gruppe ist manchmal eine Operation
heilend. Je kürzer die Behandlung und je kürzer die Anfallsfreiheit unter
Behandlung um so wahrscheinlicher, dass die Anfälle wiederkommen. 3 Jahre
Anfallsfreiheit erscheinen dabei bei den meisten Anfallsformen ein vernünftiger
Zeitraum. Bei bestimmten Formen wie der juvenilen Epilepsie mit Aufwach-Grand
sollte man sogar 8 – 10 Jahre Anfallfreiheit abwarten. Wenn abgesetzt
wird, sollte dies möglichst langsam geschehen. Je schneller das Absetzen, um so
größer das Risiko, dass die Anfälle wiederkommen.
|
Hinweise auf ein hohes Rezidivrisiko bei
idiopathischem Grand mal (van Donselaar et al Br.
Med. J. 302,1991) |
| junges Alter: 15-24 Jahre |
| Anfall im Schlaf/ Aufwachphase |
| Zungenbiss |
| wenn im ersten EEG Hinweise für eine erhöhte zerebrale
Erregungssteigerung 90% Risiko |
| EEG unspezifisch verändert 40% Risiko |
| EEG normal 10% Risiko |
|
Rezidivrisiko nach dem ersten
Anfall |
| Hart YM, Sander
JWAS, Johnson AL, Shorvon SD. National General Practice Study of Epilepsy:
recurrence after a first seizure. Lancet 1990;336: 1271 -1274. This
community-based, observational study of 564 patients included patients who
had their first seizure before the study began as well as patients who
entered the study at the time of their first seizure. Subgroup analysis of
patients who were assessed only prospectively revealed a recurrence rate
of 43% at 2 years. |
| Untergruppe |
6 Monate, %
|
1 Jahr, % |
3 Jahre, % |
| |
Anfall nach einem akuten
Hirninfarkt
|
33
|
40
|
46
|
Anfall nach einem weiter
zurückliegenden Hirninfarkt
|
70
|
75
|
85
|
Idiopathisch
|
62
|
69
|
81
|
Gefäßprozess
|
66
|
73
|
82
|
Tumor
|
83
|
83
|
100
|
Alkohol
|
41
|
48
|
55
|
Tonisch-klonisch
|
53
|
60
|
72
|
Partial
|
82
|
89
|
94
|
Bei
Patienten
die auf
das erste
Medikament
nicht
ansprechen,
kann die
Behandlung
mit einem
anderen
Medikament
oder eine
Kombination
wirksam
sein.
Die
Erfolgsaussichten
beim
Wechsel
sind
allerdings
nur mäßig.
Für den
einzelnen
Patienten
ist es
allerdings
ein großer
Gewinn,
wenn er zu
den
Patienten
gehört,
bei denen
der
Wechsel
eine
Besserung
oder
Anfallsfreiheit
bewirkt.
|
Erfolg
der
Behandlung
mit
Antiepileptika
bei
Erstbehandlung
Ergebnisse
einer
Studie
mit
470
Patienten
in
Prozent
der
Patienten |
|
Ansprechen
auf
das
erste
Antiepileptikum
|
47% |
|
bleiben
anfallsfrei
während
der
Behandlung
mit
dem
ersten
Antiepileptikum
(Monotherapie) |
44% |
|
bleiben
anfallsfrei
nach
Absetzen
des
ersten
Antiepileptikums
|
3% |
|
Ansprechen
auf
das
zweite
Antiepileptikum
|
13% |
|
bleiben
anfallsfrei
während
der
Behandlung
mit
dem
zweiten
Antiepileptikum
(Monotherapie) |
9% |
|
bleiben
anfallsfrei
nach
Absetzen
des
zweiten
Antiepileptikums
|
4% |
|
Ansprechen
auf
das
dritte
Antiepileptikum
oder
eine
Kombination
mehrerer
Antiepileptika |
4% |
|
bleiben
anfallsfrei
während
der
Behandlung
mit
dem
dritten
Antiepileptikum
(Monotherapie) |
1% |
|
bleiben
anfallsfrei
während
einer
Kombinationsbehandlung
mit
2
verschiedenen
Antiepileptika |
3% |
|
Kwan,
P.,
Brodie,
M.
J.
(2000).
Early
Identification
of
Refractory
Epilepsy.
N
Engl
J
Med
342:
314-319
[Abstract]
[Full
Text]
|

|
Relatives Risiko (RR) dass Anfälle nach
Beendigung der Behandlung wiederkommen |
| Medical Research
Council Antiepileptic Drug Withdrawal Study Group. Randomised study of
antiepileptic drug withdrawal in patients in remission. Lancet 1991;337:
1175 -1180. 1,021 Patienten mit mindestens 2 Anfällen, aber
anfallsfrei in den letzten beiden Jahren, langsames Ausschleichen der
Medikamente. |
| Risikofaktor |
RR (95% CI)
|
| |
| Vorgeschichte mit fokalen Anfällen |
2.51 (1.00-6.30) |
| Vorgeschichte mit myoklonischen Anfällen |
1.85 (1.09-3.12) |
| Vorgeschichte mit tonisch-klonischen
Anfällen |
3.40 (1.48-7.84) |
| Anfälle nach Beginn der Behandlung |
1.57 (1.10-2.24) |
| Einnahme von mehr als einem AE |
1.79 (1.34-2.39) |
| Anfallsfrei für 3 bis <5 Jahre |
0.67 (0.48-0.93) |
| Anfallsfrei für 5 bis <10 Jahre |
0.47 (0.32-0.69) |
| Anfallsfrei für über 10 Jahre |
0.27 (0.15-0.48) |
| 95% CI = 95% Confidenzinterval;
AE = antiepileptische Medikamente. |
| Wenn abgesetzt wird (minimal
einzuhaltende Zeiten), die ersten 6 Monate nach dem Absetzen sollte nicht
Auto gefahren werden. Nach Diagnosis and
Management of Epilepsy in Adults A National Clinical Guideline recommended
for use in Scotland by the Scottish Intercollegiate Guidelines Network
Pilot Edition November 1997 |
| Dosisreduktion alle 2-4 Wochen |
Dosisreduktion alle 4-8 Wochen |
| Carbamazepin 100 mg |
|
| Lamotrigin 50 mg |
Clobazam 0.5 mg |
| Phenytoin 50 mg |
Ethosuximid 250 mg |
| Valproinsäure 200 mg |
Phenobarbital 30 mg |
| Vigabatrin 500 mg |
Primidon 125 mg |
Fazit
Absetzen sollte deshalb immer mit dem Facharzt besprochen werden
und nach genauer Abwägung aller relevanter Faktoren erfolgen. Entscheidend ist
dabei die ganz persönliche Situation des Patienten.
Patienten die Valproinsäure (Orfiril, Ergenyl u.a.) nehmen und über
Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit klagen sollten einen
Arzt aufsuchen. Sie könnten eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
haben. Valproinsäure wird ist langem ein Standardmedikament in der
Behandlung von Epilepsien. Angewendet wird es auch in der Behandlung von manisch
depressiven Krankheiten. Bauchspeicheldrüsenentzündung durch das Präparat sind
seit 20 Jahren bekannt, die Häufigkeit könnte aber nach neuen Untersuchungen
größer sein, als bisher angenommen. In den USA warnt ein Hersteller
und die FDA vor dieser seltenen Nebenwirkung die möglicherweise bei 1/2500
Patienten auftreten kann. Die spezielle Nebenwirkung wurde in den USA jetzt
besser sichtbar auf dem Beipackzettel plaziert. Andere häufigere
Nebenwirkungen sind Zittern, Gewichtszunahme und Haarausfall. Sehr selten
macht das Medikament vor allem bei Kombination und bei mehrfach- behinderten
Kindern tödliche Leberschäden.

Alternative Heilmethoden haben in der
modernen Epilepsiebehandlung in der Regel keinen besonderen Stellenwert.
Wirkungsnachweise für Akupunktur, und ko fehlen. Vorurteile sind bei den
Behandlern mit solchen Verfahren besonders verbreitet. Viele Patienten suchen
dennoch in diesem Bereich Hilfe. Das wichtigste dabei ist zunächst, dass dies
einer wirksamen Behandlung nicht entgegen stehen sollte. (Und natürlich auch die
Sorge um den Geldbeutel der Betroffenen). Eine selten sinnvolle Ausnahme bildet
die ketogene Diät. Die ketogene Diät wird seit
einigen Jahrzehnten besonders bei Kindern mit schweren und schwer behandelbaren
Epilepsien eingesetzt. Grundlage ist die Beobachtung, dass in einem Zustand der
Ketose und Azidose (Übersäuerung) die Anfälle manchmal weniger werden. Wegen
sehr großer Risiken einer Stoffwechselentgleisung sollte die anfängliche
Einstellung auf eine solche Diät immer im Krankenhaus erfolgen. Zu Beginn ist
eine strikte Einschränkung der Eiweiß und vor allem der Kohlehydratzufuhr
erforderlich. Es wird dann mit sehr hohem Fettanteil ernährt, so dass eine
Ketose entsteht. Dies zu erreichen ist oft nicht einfach. Bei eine Minderheit
von Epilepsiepatienten lässt sich mit dieser Diät ein Erfolg über Monate oder
Jahre erzielen und auch nur eine Minderheit ist in der Lage diese Diät
durchzuhalten. Selten soll dann auch nach Normalisierung der
Nahrungsaufnahme noch eine Besserung des Anfallsleidens erhalten bleiben. Risiko
ist die Begünstigung einer Arteriosklerose. Die besten Erfolgsaussichten scheinen bei
einer Behandlung in den ersten zehn Lebensjahren zu bestehen
|
Ketogene Diät |
|
Beruht auf dem
antiepiletischen Effekt der Ketose und Azidose |
| sollte stationär begonnen werden, wegen
sehr großer Risiken einer Stoffwechselentgleisung |
|
Wenig Kohlehydrate, Wenig
Eiweiß, Viel Fett nach Fasten in der Klinik
um die Ketose auszulösen |
| Bedarf ärztlicher Kontrolle einschließlich
Laborkontrolle und Kontrolle des Wachstums der Kinder |
|
Hauptsächlich Erfahrungen bei
Kindern mit schweren Epilepsien |
|
Langzeiteffekt nicht bekannt |
Verzicht
auf
Alkohol
und ein
regelmäßiger
Schlaf/Wachrhythmus
gehören zu
den
wichtigsten
Verhaltensregeln
für
Epilepsiepatienten.
Schlafmangel
zählt aus
vielen
Gründen zu
den
häufigsten
Anfallsauslösern.
Auch die
Epilepsie
an sich
beeinträchtigt
den
Schlaf.
Auch
Anfälle
tagsüber
beeinträchtigen
nachhaltig
die
Schlafarchitektur.
Im EEG
sichtbare
Veränderungen
der
elektrischen
Hirnaktivität
gehen
ebenfalls
mit einem
gestörten
Schlaf
einher.
Schlafstörungen
und
Schlafmangel
verursachen
ebenso wie
die
Schwierigkeiten
im Umgang
mit der
Epilepsie
nicht
selten
psychische
Störungen.
Viele
Epilepsiemedikamente
können
auch bei
psychischen
Störungen
ausgleichend
wirken,
manche
verbessern
auch
unabhängig
davon den
Schlaf.
Gabapentin
kann
beispielsweise
periodische
Beinbewegungen
bessern.
Phenobarbital,
kann aber
beispielsweise
ein
Schlafapnoesyndrom
begünstigen
und
dadurch
die
Schlafarchitektur
negativ
beeinflussen.
Die nicht
medikamentöse
Behandlung
von
Schlafstörungen
ist
deshalb
bei
Epilepsiepatienten
besonders
wichtig.

Bei alten Patienten können die Antiepileptika in der Regel niedriger
dosiert werden. Ältere Patienten sind empfindlicher
gegenüber den zentralen und systemischen Nebenwirkungen der Medikamente und
nehmen meist eine Vielzahl anderer Medikamente, so dass die Wechselwirkungen
besonders berücksichtig werden müssen. Eine aktuelle Übersicht hierüber findet
sich in:
K.J. Werhahn
Altersepilepsie Dtsch Arztebl Int 2009; 106(9): 135–42
- J. I.T. Isojarvi, E. Lofgren, K. S.T. Juntunen,
A. J. Pakarinen, M. Paivansalo, I. Rautakorpi, and L. Tuomivaara Effect of
epilepsy and antiepileptic drugs on male reproductive health Neurology,
January 27, 2004; 62(2): 247 - 253.
[Abstract]
- Konrad J. Werhahn
Altersepilepsie Dtsch Arztebl Int 2009; 106(9): 135–42 DOI:
10.3238/arztebl.2009.0135
- Walker, M. C., White, H. S., Sander, J. W. A. S. (2002). Disease
modification in partial epilepsy. Brain 125: 1937-1950
[Abstract]
[Full
Text]
- LaRoche, S. M., Helmers, S. L. (2004). The New Antiepileptic Drugs:
Scientific Review. JAMA 291: 605-614
[Abstract]
[Full Text]
- Diaz-Arrastia, R., Agostini, M. A., Van Ness, P. C. (2002). Evolving
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24 March 2004
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