Im Notfall Beim großen epileptischen Anfall (Grand mal) verliert der Betroffene das Bewußtsein und fällt zu Boden. Der Körper verkrampft sich, es treten Zuckungen auf. Ruhe bewahren, die meisten Anfälle klingen von alleine ab. Gegenstände, die eine Verletzungsgefahr darstellen, nach Möglichkeit außer Reichweite bringen, evtl. Kopf mit Kleidung oder Kissen unterlegen. Brille abnehmen. Den Betroffenen nicht auf den Boden drücken. Beengende Kleidung (z.B.: Krawatte, enger Kragen) lockern Nichts zwischen die Zähne schieben, der berühmte Beiskeil (besser ist dann ein Güdeltubus) hat nur Sinn bei Serien von Anfällen, wenn er zwischen den Anfällen in den Mund geschoben wird, im Anfall werden dadurch nur die Zähne geschädigt, der Zungenbiss erfolgt, wenn, dann am Beginn des Anfalls. Arme und Beine nicht festhalten Keine Beatmung während der Zuckungen Vor Unterkühlung schützen Sehen Sie nach, ob der Betroffene einen Notfallausweis bei sich hat. Anfälle - Sturz, Zuckungen der Arme, Beine und des Gesichts - sind meist nach 1 - 2 Minuten von selbst abgeklungen. Anschließend kann der Betroffene noch für einige Zeit (kann bis zu mehreren Stunden dauern), kaum weckbar, schwer besinnlich und müde sein. Der Betroffene erholt sich fast immer von selbst. Hilfe/Begleitung anbieten. Nach dem Anfall den Betroffenen in eine stabile Seitenlage bringen Arzt oder Krankentransport verständigen, nur wenn die Zuckungen mehr als 5 Minuten dauern (Status epilepticus -lebensbedrohlich) , , das Gesicht blau angelaufen ist, die Zuckungen nur vorübergehend abklingen, nach Abklingen eines Anfalls gleich der nächste folgt, oder die Verwirrtheit länger als 30 Minuten anhält. Dann ist von einem medizinischen Notfall auszugehen. oder auch wenn der Anfall sich im Wasser ereignete. Wenn der Betroffenen den ersten Anfall hat und keine Epilepsie bekannt ist, hier kommen auch andere gefährliche medizinische Notfälle wie Diabetes, Herzleiden usw. in Betracht. Wenn die Person sich verletzt hat, schwanger ist, oder Diabetiker ist.. Wenn auf einen ersten Anfall rasch ein zweiter folgt. Wichtig ist immer zu bedenken, dass auch bei bekannter Epilepsie eine neue Ursachen dazukommen kann. Z.B.: Blutungen nach dem Sturz, aber auch Menschen mit einer Epilepsie können an einer Meningoenzephalitis oder ähnlichem erkranken. Verlängerte Bewußtseinsstörungen sind also immer Anlass über eine erneute Diagnostik nachzudenken. Auch eine Überdosierung der Medikamente muss in solchen Fällen in Betracht gezogen werden. Im Status epilepticus folgen motorische, sensorische bzw. psychomotorische Anfälle einander, ohne daß in der Zwischenzeit das Bewußtsein wiedererlangt wird. In den USA geht man von 120 000 bis 200 000 Status pro Jahr aus. In England geht man von 180 bis 280 Fällen pro Million Einwohner und Jahr aus, die Mortalität wird dort mit 10%-15% angegeben. Bei Anfällen die 10 min oder länger dauern ist das Risiko der Entwicklung eines Status bereits 50%.Ein epileptischer Grand-mal-Status kann Stunden oder Tage andauern und tödlich enden. Er kann spontan oder durch zu rasches Absetzen von Antikonvulsiva entstehen. Besonders häufig entsteht ein nicht auf die Akutbehandlung ansprechender Status bei akuten Hirnerkrankungen z.B.: bei akuter Enzephalitis, akutem Schlaganfall. Bei bekannter Epilepsie ist die Ursache für einen Status oft dass die Medikamente nicht in ausreichender Dosis eingenommen wurden. Bei Aufnahme einer ärztlichen Behandlung erfolgt neben der direkt begonnenen Behandlung auch eine Suche nach der Ursache. Überprüft werden Blutzucker (Der Status kann Ausdruck einer nonketotischen Hyperglykämie auch bei bisher nicht bekanntem Diabetes m. sein, aber auch Unterzuckerungen können auslösend sein), Blutgase, Nierenfunktion, Leberwerte, Kalzium und Magnesiumkonzentrationen, Blutbild, Gerinnung, Bestimmung der Antiepileptikaspiegel. Neben Diazepam und anderen Antiepileptika gehört Sauerstoffgabe, Kontrolle des Blutdrucks, und ggf. die Gabe von Glukose und Vitamin B1 dazu. B1 ist besonders bei schlechter Ernährung und Alkoholikern sinnvoll, da auch eine Wernicke Enzephalopathie ursächlich sein können. Im Status ist auch immer die Gabe von Diazepam Rektiolen sinnvoll. Rektiolen also nur wenn bekannt ist, dass der Patient zu Serien von Anfällen neigt oder Anfälle nicht von alleine aufhören. Im letzteren Fall muss immer der Arzt (am besten gleich der Notarzt wenn kein Arzt im Hause ist) gerufen werden. Diazepam kann Anfälle unterbrechen und vor kurzfristigen neuen Anfällen schützen, mittelfristig erhöht es mit Abfall des Blutspiegels das Anfallsrisiko. Im Status ist dieses Risiko unerheblich. Bei Wirkungslosigkeit wird in der ärztlichen Behandlung rasch das Medikament gewechselt (z.B. Phenytoininfusion, Midazolam, Valproatinfusion, Phenobarbital, ..). Je früher der Wechsel bei Wirkungslosigkeit um so besser die Behandlungsaussichten. Von einem Therapierefraktären Status epilepticus spricht man, wenn die Anfälle länger als 60 Minuten anhalten, obwohl adäquat mit einem Benzodiazepin und einer adäquaten Dosis eines intravenösen Standardantikonvulsivums behandelt wurde. Sichere Daten über die Häufigkeit liegen nicht vor, man geht von 9% bis 40% aller Status aus. Therapierefraktäre Status hinterlassen nicht selten Folgeschäden. Leider lassen sich nur 80% aller Status epil. effektiv
behandeln. Je früher die Behandlung einsetzt und je konsequenter sie ist,
umso eher
wirkt sie
auch, umso
weniger Folgeschäden entstehen für den Betroffenen. Umso besser auch die
Überlebensrate. Auch der "nonkonvulsive Status" ist ein Notfall, der auf die
Intensivstation gehört. Ein Status hat auch häufig eine schwere andere Krankheit
als Ursache.
In einer aktuellen Studie starben 18 von 100 Patienten am "nonkonvulsiven
Status". 14 von 52 starben an dem medizinischen Grundleiden, das zum Status
führte. Nur einer von 31 Epilepsiepatienten starb am Status, hingegen 3 von17
mit einem kryptogenen Status (unklare Ursache). Die EEG- Veränderungen
dienen dabei der Diagnose des Status, und der Beurteilung des
Behandlungserfolges, über die Prognose sagen sie zunächst wenig aus. Je schwerer
die mentalen Beeinträchtigungen umso schlechter die Prognose. Bassel F.
Shneker, NEUROLOGY 2003;61:1066-1073,
Stephan A.
Mayer, Jan
Claassen,
Johnny
Lokin,
Felicia
Mendelsohn,
Lyle J.
Dennis,
and
Brian-Fred
Fitzsimmons
Refractory
Status
Epilepticus:
Frequency,
Risk
Factors,
and Impact
on Outcome,
Arch
Neurol.
2002;59:205-210.
Eine kontinuierliche Partialepilepsie ist eine seltene Art von fokal-motorischen Anfällen (meist im Hand- oder Gesichtsbereich); die Attacken rezidivieren in Intervallen von einigen Sekunden oder Minuten und können Tage bis zu Wochen anhalten. Sie sind im Gegensatz zum Grand- mal- Status nicht lebensgefährlich. Auch diese können allerdings in einen Status einmünden.
Neben den meistens notwendigen Medikamenten sollten Sie, wenn sie eine Epilepsie haben möglicherweise anfallsauslösende Situationen/Verhaltensweisen vermeiden: Schlafentzug, Alkohol, Flackerlicht (hauptsächlich Diskos und Video oder Computerspiele), Spiegelungen, glitzernde Schnee-oder Wasserflächen, evtl. individuelle Auslösemechanismen. Eine sogenannte Photosensiblität besteht nur bei 5% der Epilepsiekranken. Bei vorhandener Fotosensibilität sollten Sie nicht zu nahe und nicht zu lange vor dem Fernseher sitzen, Kontraste am Fernseh- und Computermonitor nicht zu grell einstellen, den Bildschirm eventuell mit einer Blendscheibe abdunkeln, Raum nicht abdunkeln, eventuell zusätzliche Leuchten nutzen, in der Disko dunkel getönte Brille tragen und in regelmäßigen Abständen ins Freie gehen.
Status Epilepticus - Immer ein medizinischer Notfall Definition • Mehr als 30 Minuten andauernde epileptische Aktivitätoder • Zwei oder mehr aufeinander folgende Anfälle in 30 Minuten ohne dass dazwischen eine vollständige Erholung zwischen den Anfällen eintritt. •Folgen können vor allem eine cerebrale und allgemeine Hypoxie (Sauerstoffmangel), Hypotension (Blutdruckabfall), Azidose (Übersäuerung) und Hyperthermie (Überhitzung des Körpers mit all ihren leider manchmal nicht wieder gut zu machenden Folgen sein. Ziel ist deshalb immer die Anfälle möglichst schnell und besonders bereits in der ersten Stunde in den Griff zu bekommen. Nach einem Status epilepticus können in seltenen Fällen kernspintomographische Veränderungen des Hirnparenchyms mit temporal akzentuierten transienten kortikalen Signalanhebungen in den T2- und diffusionsgewichteten Sequenzen auftreten
Leitlinie
der
Deutschen
Gesellschaft
für
Neurologie
Epilepsie:
Status
epilepticus
im
Erwachsenenalter
Behandlung
des Status
epilepticus
im
Kindesalter
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