Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Aarskog-Scott Syndrom
Faziogenitale Dysplasie, X- chromosomal dominant erbliche Erkrankung mit multiplen fazialen, muskuloskeletalen, dentalen, neurologischen und urogenitalen Abnormalitäten, Augenmanifestationen, kongenitalen Herzfehlern, niedrigem IQ und Verhaltensstörungen. Es handelt sich um eine Mutation am FGD1 Gen am Xp11.21. Entsprechend der X- chromosomalen Vererbung ist das Syndrom bei Mädchen weniger ausgeprägt als bei Jungen. Bisher sind 250 Fälle publiziert. Symptome können sein: Makrozephalie, Hypertelorismus, breite Nasenwurzel und andere Fehlbildungen der Nase, Ptosis, Ophthalmoplegie, Strabismus, große Cornea (Hornhaut), maxilläre Hypoplasie, Querfalte unter der unteren Lippe, verdickte Ohrläppchen, große breite Hände, interdigitale Hautfalten, Brachydaktylie, nur 1 palmare Handlinie, abnorm biegbare und überstreckbare Gelenke. Genu recurvatum, Plattfüße, Sprungelenksanomalitäten, Lymphödeme der Füße, auffälliger Hodensack, Cryptorchidismus, Hypospadie. Leistenhernien und Nabelhernien, die sich schon bald nach der Geburt zeigen. Herzklappenstenosen, Vorhofseptumdefekte. Die Kinder bleiben klein für ihr Alter. Die Intelligenz liegt meist im unteren Durchschnittsbereich, viele haben ADS oder ADHS. Dass wie bei allen angeborenen erblichen Syndromen nicht alle Symptome vorhanden sein müssen und nicht alle bei jedem in der selben Stärke ausgeprägt sind, ist selbstverständlich. Empfehlenswert ist die Seite der Selbsthilfegruppe . Diese wurde von einem Diplombiologen gegründet, der selbst betroffen ist, und unzweifelhaft den Beweis angetreten hat, dass man auch mit diesem Syndrom entgegen aller ärztlichen Prophezeiungen ein "normales" Leben führen kann. Als Biologe forscht er an den Grundlagen der Erkrankung.
Aarskog D (1970) A familial syndrome of short stature associated with facial dysplasia and genital anomalies. J Pediatr 77:856–861. Scott CI (1971) Unusual facies, joint hypermobility, genital anomaly and short stature: a new dysmorphic syndrome. Birth Defects Orig Artic Ser 7:240–246

Selbsthilfegruppe OMIM Literatur



Abasie
Unfähigkeit zu gehen. Der beschreibende Begriff wird in der Regel dann verwendet, wenn keine organischen Gründe hierfür vorliegen, z.B. bei Stasobasophobie (Angst zu fallen). Oft auch als Astasie- Abasie = Unfähigkeit zu stehen und zu gehen. Paul Blocq  beschrieb das Astasie- Abasie- Syndrom 1888 als erster für Patienten, die im Bett bei der Untersuchung eine normale Funktion der Beine zeigten und dann nicht stehen konnten.  Ihm fiel auf, dass das Syndrom häufig mit anderen psychogenen Symptomen wie psychogenen Lähmungen, Anfällen, Tremor, und bizarrem Verhalten einher ging. Seine Patienten hatten eine gute Prognose. Adolf Strümpell sprach von “Hysterischer Abasie”. Es handelt sich damit nach dieser Beschreibung in der modernen Nomenklatur um dissoziative Bewegungsstörungen.  Etwas häufiger unter den psychogenen Gangstörungen als die komplette Unfähigkeit zu stehen und zu gehen, ist das "Einknicken" der Knie.

Hinweise auf psychogene Gangstörungen sind: Nicht typisch für bekannte Gangstörungen,
bizarre Präsentation; variables, inkonsistentes Muster, Nicht-physiologisches Muster; fällt selten/selten Verletzungen; abrupter Beginn; extreme Langsamkeit;  ungewöhnliche und unökonomische Haltungen; übertriebene Anstrengung, plötzliches "Einknicken" der Knie; Hinweisende Begleitsymptome, inkongruenter Affekt (belle indifference), sekundärer Krankheitsgewinn; Vorgeschichte mit anderen psychiatrischen oder konversionsneurotischen Störungen.

Von anderen Autoren wird der Begriff aber auch bei organisch bedingten Störungen wie schweren Polyneuropathien, Kleinhirnerkrankungen oder schweren Lähmungen nach Schlaganfällen, M. Parkinson, MS... verwendet.

Boogaarts HD, F Abdo W, Bloem BR."Recumbent" gait: relationship to the phenotype of "astasia-abasia"? Mov Disord. 2007 Oct 31;22(14):2121-2. Anke H Snijders, Bart P van de Warrenburg, Nir Giladi, Bastiaan R Bloem; Neurological gait disorders in elderly people: clinical approach and classification; Lancet Neurol 2007; 6: 63–74 Abstract


Aberrationen, chromosomale
Veränderung der Anzahl oder des strukturellen Aufbaus von Chromosomen. Von numerischen Aberrationen spricht man, wenn einzelne Körperzellen mehr oder weniger als die normalen 46 Chromosomen enthalten. Man nennt sie dann auch aneuploid. Bei strukturellen Chromosomenaberrationen geht genetisches Material innerhalb der Chromosomen verloren oder kommt durch eine Verdoppelung oder Vervielfältigung meist von Basentriplets hinzu.


Abgestumpftheit
Eine mildere Form der Affektverflachung, die in einer schwer wiegenden Verminderung der Fähigkeit besteht, Emotionen auszudrücken. Zu den Manifestationen gehören ein verminderter Gesichtsausdruck, eine Modulation der Gefühle und eine Reduktion der kommunikativen Gefühle. Nach Traumen, "Gewöhnung an das Schreckliche", durch übermäßigen Medienkonsum, aber auch im Rahmen psychischer Störungen, ohne dass ein Trauma vorgelegen hat. Menschen die per se wenig emotional sind nicht nach der engen Definition abgestumpft.
siehe auch unter Affektisolierung, Affektinkontinenz, Erlernen einer Steuerung des Affektes, Emotionalität , Empathie, Residuum Schizophrenes 
 


Abhängigkeit
Substanzabhängigkeit: Syndrom von körperlichen, kognitiven und emotionalen Störungen sowie Störungen auf der Verhaltensebene und im sozialen Bereich, das durch den kontinuierlichen Konsum von psychoaktiven Substanzen über längere Zeit entsteht bzw. verstärkt wird, wobei der Missbrauch trotz deutlicher und auch subjektiv wahrgenommener negativer Folgen nicht aus eigener Kraft unterbrochen werden kann. Aus der Gewohnheit ist für den Betroffenen eine subjektive Notwendigkeit geworden, die oft dann vor allem anderen steht. Eine Liste von Suchtmitteln wird immer aktualisierungsbedürftig bleiben. Zu jeder Zeit haben Menschen  immer wieder neue psychotrope Substanzen entwickelt, von denen viele dann einen Teil der Verführten schwer geschädigt haben.  Alkohol und Nikotin bleiben aber in unserer Gesellschaft die folgenreichsten Suchtmittel, und die Suchtmittel, die am häufigsten zur Substanzabhängigkeit führen. Dies hat auch kulturelle und juristische Gründe.

 DSM-IV-Kriterien „Substanzabhängigkeit" (Alkoholabhängigkeit)

Ein unangepasstes Muster von Substanzgebrauch (Alkohol) führt in klinisch bedeutsamer Weise zu Beeinträchtigungen oder Leiden, wobei sich mindestens drei der folgenden Kriterien manifestieren, die zu irgendeiner Zeit in demselben 12-Monats-Zeitraum auftreten:

(1) Toleranzentwicklung, definiert durch eines oder folgenden Kriterien:

  1. Verlangen nach ausgeprägter Dosissteigerung, um einen Intoxikationszustand oder erwünschten Effekt herbeizuführen.
  2. deutlich verminderte Wirkung bei fortgesetzter Einnahme derselben Dosis.

(2) Entzugssymptome, die sich durch eines der folgenden Kriterien äußern:

  1. charakteristisches Entzugssyndrom der jeweiligen Substanz
  2. dieselbe (oder eine sehr ähnliche Substanz) wird eingenommen, um Entzugssymptome zu lindern oder zu vermeiden.

(3) Die Substanz wird häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt eingenommen.

(4) Anhaltender Wunsch oder erfolglose Versuche, den Substanzgebrauch zu verringern oder zu kontrollieren.

(5) Viel Zeit für Aktivitäten, um die Substanz zu beschaffen …

(6) Wichtige soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Substanzmißbrauchs aufgegeben oder eingeschränkt.

(7) Fortgesetzter Substanzmißbrauch trotz Kenntnis eines anhaltenden oder wiederkehrenden körperlichen oder psychischen Problems, das wahrscheinlich durch den Substanzmißbrauch verursacht oder verstärkt wurde …

ICD-10 Kriterien Beispiel Alkohol

  1.  Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren.

  2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums.

  3. Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.

  4. Nachweis einer Toleranz.

  5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Inter­essen zugunsten des Alkoholkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um den Alkohol zu konsumieren oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen.

  6. Anhaltender Alkoholkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen wie z.B. Leberschädigung durch exzessives Trinken.

Wo kommt Sucht her, machen Probleme Menschen zu Alkoholikern oder macht das Suchtmittel immer mehr Probleme.  Eine genetische Veranlagung zu Suchterkrankungen ist gesichert.  Die Unterscheidung zwischen den Symptomen, Ursachen und Folgen ist bei jeder Form des Drogenmißbrauchs schwierig. Man weiß, dass  ein zerrüttetes Elternhaus, inkonsequente Erziehung, inadäquate Betreuung, suchtkranke Eltern, Vernachlässigung, Misshandlungen,  ADHS,  oder Störung des Sozialverhaltens bei Kindern und Jugendlichen Süchte begünstigen. Bestimmte soziale Gruppen und deren Normen können die Entwicklung einer Suchterkrankung fördern. Suchterkrankungen verursachen andererseits sekundäre psychische Störungen, beispielsweise kann Cannabismissbrauch zu amotivationalen Syndromen oder drogeninduzierten Psychosen führen. Alkoholmissbrauch begünstig Gewalttätigkeit, Delinquenz und eine Verflachung der Persönlichkeit.  Alkohol- und Drogenmißbrauch verschlechtert den Verlauf von Essstörungen wie einer Bulimia nervosa, Persönlichkeitsstörungen oder psychischen Störungen wie Schizophrenien oder Depressionen erheblich. Sucht begünstigt allgemein ein Scheitern von Beziehungen, mangelnden beruflichen Erfolg, Arbeitslosigkeit und manchmal Verwahrlosung. Sucht führt nicht selten zur Verwahrlosung. Ob nun Delinquenz, Scheidung oder Arbeitslosigkeit im Einzelfall Ursache oder Auswirkung der Substanzabhängigkeit war, kann man nicht immer sicher unterscheiden. Sicher ist, dass Substanzabhängigkeit in der Regel die Lösung der Probleme erschwert. Alkohol- und/oder Substanzmißbrauch erhöht das
Risiko einer bleibenden Störung des Sozialverhaltens.
 

Abhängigkeit entsteht aus einem Zusammenwirken von genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen in besonders empfindlichen Phasen der Gehirnentwicklung, kulturellen Faktoren und sozialen Faktoren. Eindimensionale Erklärungen der Ursachen greifen hier zu kurz. Besonders wichtig in der Entwicklung von Substanzabhängikeiten scheinen kritische Entwicklungsphasen in der Jugend zu sein. Bei Jugendlichen finden sich besondere Phasen der Hirnreifung in bestimmten Hirngebieten. Dabei entwickelt sich hier zeitgleich in den selben Regionen des Gehirns Motivation, Impulsivität, und Abhängigkeit. Jugendliche Impulsivität und Neugier, die Suche nach neuen Wegen sind normalerweise vorübergehende Verhaltensweisen, die zum Teil mit Reifungsprozessen in frontalen corticalen und subcorticalen monoaminergen System zu erklären sind. Diese Entwicklungsprozesse beeinflussen Lernvorgänge vor allem in der Suche nach der Erwachsenenrolle positiv, bedingen aber eine vermehrte Anfälligkeit für abhängiges Verhalten und Drogenmissbrauch. Auch andere Ursachen spielen eine erhebliche Rolle. Neurochemische Studien zeigen, dass ein schneller Anstieg der Dopaminkonzentration in bestimmten Gehirngebieten (Hirnbelohnungssystem mit Schwerpunkt Basalganglien und Cingulum) durch Drogen bewirkt wird, die abhängig machen. Nach chronischem Drogenmissbrauch und im Entzug geht die Dopaminkonzentration in diesen Hirngebieten massiv zurück. Es kommt zu einer Dysfunktion präfrontaler Hirnregionen (einschließlich des orbitofrontalen Cortex und des Gyrus cinguli). Diese Veränderungen der Dopaminfunktion des Gehirns verursachen eine verminderte Sensitivität für natürliche Verstärker oder Belohnungen. Dies da Dopamin diese Verstärker oder Belohnungen ebenso steuert und diese geringer direkt wirken. Es tritt eine Zerstörung der Wirkung natürlicher Verstärker oder Belohnungen auf frontale corticale Funktionen ein. Kontrollmechanismen und Beruhigungsmechanismen werden gestört oder zerstört. Untersuchungen mit funktionaler Bildgebung haben gezeigt, dass während einer Drogen oder Alkoholintoxikation oder während des Craving, diese frontalen Regionen aktiviert werden. Sie sind dabei Teil eines komplexen Regelsystems eben des Hirnbelohnungssystems. Mit beteiligt sind dabei für Belohungen der Nucleus accumbens, für Motivation der orbitofrontale Cortex), für das Gedächtnis die Amygdala und der Hippocampus, und für die kognitive Kontrolle die präfrontale Hirnrinde und der Gyrus cinguli. Natürliche Verstärker sind nicht in der Lage in ähnlicher Geschwindigkeit die selben Reaktionen im Gehirn hervorzurufen, wie dies drogeninduzierte Stimuli tun. Die Schwelle ab wann ein Verhalten, eine Gewinn oder ein Erlebnis als Belohnung empfunden wird heraufgesetzt. Die hohen Grade der Stimulation sind mit Erlebnissen nicht mehr erreichbar. Gleichzeitig werden Hirngebiete, die für die kognitive Kontrolle zuständig sind herunterreguliert. Im Gedächtnis wird in der Erwartung einer Droge eine besondere Belohnung als erreichbar simuliert, es kommt bei der Suche nach der Droge zu einer Überreaktion der Belohungs- und Motivationssysteme. Auf andere Reize reagieren diese immer weniger. In der Behandlung ist es vor allem am Anfang schwierig wieder attraktive Belohnungssystem für den Betroffenen aufzubauen. Jugendliche mit passiver Gewalterfahrung entwickeln häufiger Abhängigkeiten.

Der Begriff der Abhängigkeit wird auch für Verhaltensstörungen ohne dass es zu einer Einnahme von abhängig machenden Substanzen kommt verwendet. Im Einzelnen kann es schon schwierig sein, zu definieren, wann eine Substanz eine Gewöhnung, Toleranzentwicklung oder Entzugssymptome auslöst. So macht der regelmäßige Gebrauch von Schmerzmitteln, Nasentropfen und Abführmittel unzweifelhaft Gewöhnung, Toleranzentwicklung oder Entzugssymptome. Ob es sinnvoll ist den Missbrauch dieser Substanzen in der selben Kategorie zu sehen wie Alkoholabhängigkeit, Drogenmißbrauch Cannabismissbrauch, Heroin- oder Kokainabhängigkeit, Rauchen, etc. ist kontrovers. Sicher ist, dass manche Verhaltensweisen, die unabhängig von der Einnahme einer Substanz sind, Abhängigkeits- oder Suchtkriterien erfüllen. Ein Beispiel ist die Spielsucht oder auch die zweifellos existente Internetsucht.  Hinzu kommt, dass auch bei Substanzabhängigkeiten wie der Alkoholabhängigkeit, Heroinabhängigkeit etc. sich in Experimenten ein erheblicher Placeboeffekt zeigt. Erhaltene soziale Bindungen und soziale Integration bessern die Prognose bei vorhandenen Substanz- Abhängigkeiten. Alleinstehende, arbeitslose Menschen haben eine schlechtere Prognose als Verheiratete oder in stabiler Partnerschaft lebende Menschen, die noch ihren Arbeitsplatz erhalten haben. Dies gilt auch wenn letztlich oft die Drohung des Partners oder Arbeitsgebers häufig den überwiegenden Therapieanstoß gibt. Je mehr Substanzen missbraucht werden, je früher damit begonnen wurde, je deutlicher körperliche Entzugsymptome sind, je mehr der Betroffene bereits durch Vorstrafen etc. am Rande der Gesellschaft steht, umso schlechter die Prognose. Auch gleichzeitig vorhandene andere psychische Störungen oder schwere körperliche Folgen der Substanzabhängigkeit (Komorbidität) verschlechtern die Prognose. Suchtmittel werden regelmäßig als Selbstmedikation eingesetzt. Als "Beruhigungsmittel" sollen sie auch bei gesellschaftlich anerkanntem Gebrauch helfen Hemmungen und Ängste im Kontakt abzubauen, Mut machen, Jugendlichen in der Disko die  Annäherung ans andere Geschlecht erleichtert, helfen den Ärger "hinunter zu schlucken", oder über Belastungen, Ängste oder Depressionen hinweghelfen. Andere Suchtmittel werden zur "Leistungssteigerung" eingenommen. Im Grunde sind Suchtmittel Psychopharmaka mit vergleichsweise ungünstigem Nebenwirkungsprofil. Weder Menschen noch Versuchstiere mögen den Geschmack von Alkohol und Nikotin spontan. Erwartungen zur Wirkung und an zweiter Stelle die allgemein unspezifisch dämpfende oder anregende Wirkung der Suchtmittel führen dazu, dass sich Menschen trotz des zunächst unangenehmen Geschmacks und Geruchs an die Suchtmittel und deren Konsum gewöhnen. Die allgemeine Dämpfung und Verlangsamung des Geistes ist auch die Ursache für die beruhigende Wirkung. Unangenehme Anspannung wird durch die verschlechterte Verarbeitungskapazität des Gehirns einfach weniger wahrgenommen.  Dies ist auch der Grund, warum Suchtmittel keine Probleme lösen sondern bestenfalls deren Wahrnehmung zeitweise unterdrücken. Nach und nach haben die Suchtmittel dann eigene Probleme und womöglich körperliche Entzugserscheinungen geschaffen,  spätestens dann sind die vorherigen Probleme nicht nur wieder da, sondern auch deutlich vergrößert. Die die verschlechterte Verarbeitungskapazität des Gehirns begünstigt im Stadium verminderter Kritikfähigkeit Hochrisikoverhalten. Ungeplante und im nüchternen Zustand nicht gewollte sexuelle Aktivitäten vergrößern nicht nur das Risiko, dass Beziehungen in die Brüche gehen und ungewollte Schwangerschaften entstehen, auch das Risiko einer Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit steigt. Unfälle, Gewalttaten, Selbstverletzungen und Suizidversuche sind im Rahmen akuter Intoxikationen deutlich häufiger.

Die Behandlung von Substanzabhängigkeiten richtet sich nach der persönlichen Situation und der speziellen Suchtproblematik. Meist ist eine Kombination von Suchtberatungsstellen, Ärzten, und Selbsthilfegruppen sinnvoll. Manchmal ist ein stationäre Entgiftung und anschließende Langzeitrehabilitation auch stationär notwendig. Ein wesentlicher Faktor der bei der Abstinenz hilft ist auch der Abstand vom Suchtmittel. Je größer der zeitliche Abstand, umso einfacher wird die Abstinenz. Am gefährlichsten ist der Entzug von Alkohol und Benzodiazepinen. Dieser ist körperlich auch deutlich gefährlicher als ein Heroinentzug. Der Entzug von Alkohol sollte deshalb bei eindeutiger körperlicher Abhängigkeit auch stationär erfolgen. Der alleinige körperliche Entzug hält aber die wenigsten abstinent, davon auszugehen ist in der Regel eine Selbstüberschätzung. Wenn der körperliche Entzug überstanden ist, gilt es auch zu verstehen, dass das jeweils momentane dringende Bedürfnis nach dem Suchtmittel in aller Regel nur jeweils kurzdauernd anhält, auch wenn es oft am Tag auftreten kann.  Wurden neue Strategien im Umgang mit solchen Situationen eingeübt und das Zutrauen über eine ausreichende Zeit erworben sie zu überstehen, ist auch die Abstinenz erreichbar. Für Menschen die an einer  Substanzabhängigkeit leiden gilt in der Regel der Grundsatz, dass eine lebenslange vollständige Abstinenz sinnvoll ist. Kontrolliertes Trinken etc. ist für den bei weitem überwiegenden Teil der Abhängigen nicht erreichbar.

  1. Siehe auch unter Alkoholfolgen  Alkohol im Straßenverkehr, Drogenmißbrauch Ecstasy, Cannabis, Heroin Kokain Raucher, Synapse
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Ablenkbarkeit
Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, das heißt: Es wird aus geringstem Anlass von einem Bereich oder Thema zum anderen gesprungen oder die Aufmerksamkeit wird zu häufig auf unwichtige oder irrelevante äußere Reize gelenkt. Kommt bei verschiedensten psychischen Sörungen vor.


Ablenkung
Der Versuch, einer Bedrohung, einer Traurigkeit, oder sonst einem unangenehmen Gefühl durch Aufmerksamkeitsabwendung in Form von Abschweifung, Flucht oder irgendwelcher Tätigkeiten zu begegnen, kann man als Coping (Bewältigungsmechanismus) "Ablenkung" bezeichnen. Laienpsycholgisch wird Ablenkung in ihrer Wirksamkeit meist überschätzt. Je nach Ausmaß des unangenehmen Gefühls oder der bedrohlichen Situation und je nach Ablenkungsmöglichkeiten, kann sie jedoch auch ein konstruktive Bewältigungsmechanismus sein. Teilweise wird sie bewusst in Verhaltenstherapien eingebaut, Listen angenehmer Tätigkeiten die vorgefertigt übergeben werden oder erarbeitet werden, nutzen auch diesen Mechanismus. Ob Ablenkung konstruktiv ist oder destruktiv eine Lösung verhindert, hängt von der Situation ab, in der sie eingesetzt wird. In aussichtslosen Situationen kann Ablenkung als kurzfristige Strategie die Methode der Wahl darstellen. Wird ein aversives Ereignis mit Sicherheit erwartet, und ergeben sich durch das aversive Ereignis keine weiteren Folgeprobleme, dann ist Ablenkung das optimale Coping. Ablenkung als Reaktion auf eine Bedrohung ist dann gefährlich, wenn die Zielrichtung der Maßnahme primär ausschließlich auf die Beseitigung von Bedrohungsgedanken gerichtet ist, ohne dass weitere mögliche konstruktive Ziele damit verbunden sind. Der Extremfall wäre hier chronische Verdrängung bei gleichzeitig möglicher Abwendung des aversiven Ereignisses (z.B. bei jeglichem Gedanken an die Prüfung ablenkende Tätigkeiten, dadurch bedingt mangelnde Vorbereitung, wobei ordentliche Vorbereitung die Erfolgschancen wirksam erhöhen würde). Man könnte hier von einer Ablenkung aus Bequemlichkeit sprechen. Verhindert Ablenkung angemessenes konstruktives Coping, so ist sie als inadäquat zu bezeichnen. Je mehr Ablenkung den Charakter einer Flucht annimmt, um so schwieriger und aufwendiger werden die Versuche sein, sie im Hinblick auf eine unangenehme Situation effizient anzuwenden, da es sich meist um Situationen handelt, bei denen erfolgreiche Flucht in der Regel nur durch noch größere Folgebedrohungen erkauft werden kann. Ablenkung führt nicht unmittelbar zu einer Problemlösung, sie bietet kurzfristige Verschnaufpausen, die im Verbund mit anderen Maßnahmen recht sinnvoll sein können, als ausschließliches Coping Gefahrensituationen bleibt sie jedoch meistens unangemessen.
Nach Prüfungsängstlichkeit - B. Jacobs  


Abschließer
Teilnehmer an einer Forschungsstudie, die während der gesamten Dauer an der Studie teilnehmen.


Abschreckung als Methode gegen Jugendgewalt -und Jugendkriminalität. (Siehe auch unter Aggression), Abschreckung im Straßenverkehr
Abschreckungsprogramme für jugendliche Straftäter werden im Privatfernsehen immer wieder aufgewärmt. Die Programme werden auf englisch 'Scared Straight' oder 'Boot-Camp' genannt und sollen  ein Rezept gegen Jugendkriminalität sein. Gefährdete oder schon Kriminelle Jugendliche werden dabei im Rahmend der Scared Straight Programme in direkten Kontakt zu Häftlingen gebracht. Die ursprüngliche Dokumentation wurde 1978 veröffentlicht, inzwischen sind bis 1998 in 4 weiteren Dokumentationen gesendet. Die "Direkte Abschreckung" bestand hauptsächlich in einer aggressiven Darstellung des Gefängnislebens. Den jugendlichen Gefängnisbesuchern wurden nicht selten übertriebene Geschichten von Mord und Vergewaltigung im Gefängnis dargeboten. Die Fernsehdokumentation des Programms, die 1979 gesendet wurde zeigte damals, dass 16 der 17 jugendlichen Kriminellen 3 Monate nach Teilnahme am Programm gesetzestreu geblieben waren. Das Programm "Direkte Abschreckung" reklamierte eine Erfolgsrate von 94%. Daraufhin übernahmen 30 amerikanische Staaten das Programm und es wurde sogar eine Anhörung im Congress zum Programm und dem Fernsehfilm durchgeführt. 1999 wurde der Film 20 Jahre Direkte Abschreckung mit 12 neuen jugendlichen in den USA ausgestrahlt und gab wieder eine ähnlich hohe Erfolgsrate an, 10 der 12 Kids bleiben 3 Monate gesetzestreu. Hart durchgreifen, oder wie man in den USA sagt "getting tough," wurde und ist noch populär. Nicht alle Programme beschränkten sich darauf, brutale Abschreckung durch zur Übertreibung neigenden Häftlinge oder auch Anschreien durch geschulte Wärter zu betreiben. Programme mit höherem Anspruch beinhalteten neben der Abschreckung einen informativen und erzieherischen Anspruch mit geleiteten Diskussionen und differenzierter ausführlicher Darstellung der Lebensgeschichte der Häftlinge. Großer Vorteil solcher Programme ist, dass sie nicht nur dem Volksempfinden entgegen kommen, sondern auch sehr billig sind. Solche Programme wurden deshalb auch in Australien, Großbritannien, Kanada und auch in Deutschland (mit Neonazi und anderen Hassgruppen) übernommen.

Wissenschaftlich höchst umstritten: Methodisch bessere und wesentlich größere Untersuchungen kommen zu ganz anderen Ergebnissen als die Fernsehstudien. Die Cochrane Library veröffentlichte 2002 eine Übersicht über alle Daten die zu solchen Abschreckungsprogrammen in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht wurden. Die Autoren dieser Literaturübersicht kommen zu dem Schluss, dass die Programme nicht nur keinen Nutzen haben, sondern sogar zu einem Anstieg der Kriminalität bei den so behandelten Kindern und Jugendlichen beitragen. Immerhin um 7% stieg durch solche Programme im Durchschnitt die Rückfallhäufigkeit an. Was in den positiven Daten der Fernsehfilme und Kongressanhörung fehlte war die Vergleichsgruppe. Nur wenn man Jugendliche mit vergleichbaren Vergehen in 2 Gruppen mit vergleichbarer Alters- und Deliktstruktur per Zufall einteilt, ist der Effekt solcher Programme, im Vergleich zu ganz einfach nichts tun, beurteilbar. Mehrere auch größere Studien haben einen solchen Vergleich angestellt. Diese Studien aus 25 Jahren werteten die jeweils die Daten von 50 bis 180 Kindern und Jugendlichen teilweise über wesentlich längere Zeiträume aus. Vergleichskriterien für die Gruppen waren anschließende Verhaftungen, Verurteilungen, Kontakt mit der Polizei, oder selbst berichtete Straftaten. Dass diese Programme also letztlich eher zur Zunahme der Kriminalität führen, ist für die Betreiber wie für Politiker, die sie befürworten, bitter. Diese durch solche Programme zustande gekommene zusätzliche Kriminalität schadet nicht nur den gestrauchelten Kindern und Jugendlichen, sie führt auch unter den gesetzestreuen Bürgern zu mehr Verbrechensopfern und vermeidbaren Traumatisierungen. Als in Kalifornien die wissenschaftliche Begleitstudie zu einem solchen Programm negative Ergebnisse lieferte, wurde nicht das Programm, sondern die Begleitstudie seitens der dortigen Politiker eingestellt. Eine ausführliche Literaturübersicht über die -mangelnde- Effektivität solcher Programme findet sich auf der Seite der Campbell Collaboration.

Obwohl die jetzige umfassende Literaturübersicht nicht die Erste ist, die solchen Programmen mehr Schaden als Nutzen attestiert, werden sie weiter propagiert. Eine englische Stadt soll sogar soweit gegangen sein, dass sie ehemalige Gefängniswärter in den Schulen anstellt, um gewöhnliche Schulkinder abzuschrecken. Gerade in den englischen Rechtstradition sollte eigentlich bekannt sein, dass reine Abschreckung nicht funktioniert. Der erste diesbezüglich eindeutige Hinweis stammt aus der Zeit, als man in England Taschendiebe zur Abschreckung hängte. Im Gedränge dieser "Volksbelustigung" gab es mehr Taschendiebstähle als bei jeder anderen Gelegenheit. 

Fazit: Die Annahme, dass solcherart Abschreckung zumindest nicht schadet, kann als widerlegt angesehen werden. So verständlich und populär das Bedürfnis nach hartem Durchgreifen auch sein mag, wenn es zu mehr Tätern und damit auch mehr Opfern führt, heizt es auch die Spirale der Kriminalität und Gewalt an. Vom Ansatz her sinnvoller, wenn auch noch nicht unbedingt ausgereift scheinen Programme wie "Faustlos" oder das Schweizer Programm Triple P ein verhaltensorientiertes Elterntraining Abschreckung ist dennoch grundsätzlich eine sinnvolle Methode um Straftaten zu verhindern. Zunächst ist dabei aber zu beachten, dass Abschreckung bei dissozialen Persönlichkeiten per se schlecht funktioniert. Per Definition ist bei solchen Persönlichkeiten das Verhalten durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Mensch in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.  Kriminelles Denken beinhalten meist eine Selbstrechfertigung, im Kontakt werden soziale Schlüsselreize fehl interpretiert. Die Schuld wird den Anderen gegeben, Dominanz steht oft vor anderen Werten. Durch solche Denk- und Verhaltensstörungen werden von Kriminellen oder Gewalttätern oft schon harmlose Situationen fehl gedeutet. Harmlose Bemerkungen werden als absichtliche Kränkung empfunden, Wünsche werden mit Ansprüchen verwechselt, bei verminderter Frustrationstoleranz wird auf sofortiger Bedürfnisbefriedigung bestanden. Sie sehen sich als Opfer der Umgebung oder der Gesellschaft, unfair behandelt an. Nur selten vermögen sie wirklich einzusehen, dass ihr antisoziales Verhalten für ihre Probleme verantwortlich ist.  In der entsprechenden Clique kann solches Denken und Handel sozial angepasst sein. Dort gilt dann meist, - wenn du den Eindruck hast, jemand hat dir etwas angetan, dann schlage sofort zurück sonst wirst du nicht mehr respektiert.  Eben diese Denkweise wird möglicherweise durch die genannten "Abschreckungsprogramme" verstärkt. Zumindest aus meiner Sicht eine Erklärung, warum diese Programme nicht funktionieren. Abschreckung wirkt primär bei zuvor schon moralischen Personen mit normaler Frustrationstoleranz und sozialer Einbindung. 
 

Abschreckung im Straßenverkehr, besser als ihr Ruf Alle Autofahrer machen Fehler, die meisten durchaus auch bewusst. Die wenigsten machen sich Gedanken, ob sie durch ihre Geschwindigkeitsüberschreitung das Leben anderer gefährden. Im Gegensatz zur Krebsvorsorge hat die Unfallvorsorge durch Polizeikontrollen kein besonders gutes Image. Polizeikontrollen sind unbeliebt und werden nicht selten als sinnlose Repression oder Geldmacherei angesehen. Verkehrsunfälle verursachen in den USA jährliche Kosten von 200 Milliarden US- Dollar. Für das Jahr 2002 wurde in der Bundesrepublik von  6 842 Verkehrstoten und 476 413 Verletzten im Straßenverkehr ausgegangen. 2 289 474 Verkehrsunfälle wurden polizeilich erfasst. Bei 362 054 Unfällen kam es zu Personenschaden. Nicht angepasste Geschwindigkeit ist mit über 12% das häufigste zu Unfällen führende Fehlverhalten der Unfallfahrer, gefolgt von ungenügendem Abstand und Nichtbeachten der Vorfahrt. (Quelle statistisches Bundesamt) Weltweit werden täglich 3000 Menschen durch Verkehrsunfälle getötet und 30 000 schwer verletzt. Nicht zu Unrecht wird deshalb von einem Krieg auf den Straßen gesprochen. Kanadische Forscher gingen der Frage nach in welchem Umfang durch vermehrte Polizeipräsenz und Kontrolle von Verkehrsverstößen die Unfallzahlen sinken. Die Daten der Verkehrsünderkartei von 8975 Fahrern die einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hatten wurden dabei analysiert. 21 501 Verkehrverstöße oder je einer in 5 Jahren waren von diesen Fahrern vor den entsprechenden tödlichen Unfällen verursacht worden. Das Risiko eines tödlichen Verkehrsunfalls war im Monat nach der Bestrafung beim Durchschnitt der Fahrer um 35% gegenüber anderen Monaten vermindert, auch im 2. Monat war noch eine Verminderung vorhanden, nach 3 und 4 Monaten ließ sich kein Effekt mehr nachweisen. Strafpunkte hatten den deutlichsten Effekt. Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, dass pro 80 000 verfolgten Verkehrsverstößen etwa ein tödlicher Unfall verhindert wird. Pro 1300 verfolgten Verkehrsverstößen soll eine medizinische Notfallbehandlung verhindert werden, pro 13 verfolgten Verkehrsverstößen wird ein gesellschaftlicher Schaden von 1000 Dollar verhindert. Dabei gehen die Autoren davon aus, dass ihre Schätzungen konservativ sind. Insgesamt scheint also die Polizeikontrolle eine vergleichsweise hohe Effizienz in der Vorbeugung Unfällen und damit auch schweren Verletzungen und Todesfällen zu haben und dazu noch kosteneffektiv zu sein. Es ist dennoch erstaunlich wie kurz die Halbwertszeit der abschreckenden Wirkung von Strafpunkten ist. Die Opfer von Unfällen sind häufig auch unbeteiligte andere Verkehrsteilnehmer und Kinder. Die Folgen von Unfällen belasten den Geldbeutel aller, nicht nur den der direkt betroffenen. Über Versicherungsprämien und Steuern wird der größte Teil der Kosten auf die Allgemeinheit umgelegt. Polizeikontrollen sollte man nach den gegebenen Zahlen genauso bewerten wie eine Vorsorgeuntersuchung beim Arzt. Die Effektivität der Polizeikontrollen dürfte sogar höher sein.

Petrosino A , Turpin-Petrosino C, Buehler J "Scared Straight" and other juvenile awareness programs for preventing juvenile delinquency (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2002. Oxford: Update Software. Donald A Redelmeier, Robert J Tibshirani, Leonard Evans Traffic-law enforcement and risk of death from motor-vehicle crashes: case-crossover study  Lancet 2003; 361: 2177-82, [Full Text] [PDF]  Anthony Petrosino et al., Scared Straight and Other Juvenile Awareness Programs for Preventing Juvenile Delinquency: A Systematic Review of the Randomized Experimental Evidence The ANNALS of the American Academy of Political and Social Science, Vol. 589, No. 1, 41-62 (2003)
DOI: 10.1177/0002716203254693

Petrosino A , Turpin-Petrosino C, Scared Straight and other prison tour programs for preventing
juvenile delinquency Protocol



Abschwächung
Bei häufiger Darbietung eines bedingten Reizes ohne Bekräftigung durch einen unbedingten Reiz kommt es zu einer Rückentwicklung bzw. zur Löschung des bedingten Reflexes (siehe auch unter Konditionieren. ( VT)


Absence
Kurzzeitige Bewusstseinsstörung bei bestimmten Formen der Epilepsie.


Absentismus
Abwesenheit, der Begriff wird meist bei Schulverweigerern oder Schulphobikern  oder für Fehlzeiten am Arbeitsplatz verwendet. Gemeint ist oft auch ein Fehlen, das nicht auf eine Krankheit, sondern auf private Gründe (auch mit Krankmeldung oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) zurückgeht. Motivationsbedingte Fehlzeiten in einem Betrieb, die keine medizinische oder vertragliche Ursache (Urlaub, Freistellung) haben.  Gemeint ist hier also ein durch die Person entscheidbarer Entschluss zur Abwesenheit. Ist von allgemeinen Wertvorstellungen, Ausmaß möglicher Konsequenzen (Kontrollmaßnahmen, Intensität der Überprüfung), privaten Problemen, Sucht, Arbeitsplatzzufriedenheit, Betriebsklima abhängig. Absentismus verschlechtert von sich aus das kollegiale Klima und führt für Kollegen zu Mehrarbeit und zusätzlichen Belastungen und kann dann ansteckend sein. Manchmal wird Absentismus  aber auch analog zur Arbeitsunfähigkeit definiert als vorübergehende, verlängerte oder ständige Arbeitsunfähigkeit infolge einer Krankheit oder einer Behinderung.


Absetzsymptome
Beschwerdebild durch zu rasches Absetzen eines nicht Süchtigmachenden Medikamentes (z. B. Betablocker, Neuroleptika oder Antidepressiva ), besteht bei Psychopharmaka aus Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Störungen, Schwindel, Zittern, Hitzewallungen, Schwitzen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Alpträumen etc.


Absinth
Vincent van Gogh, Oscar Wilde, Pablo Picasso, Baudelaire, Ernest Hemingway, und Toulouse-Lautrec sollen vor allem in ihren jungen Jahren A. als Drink beim geselligen Beisammensein geschätzt haben, später aber überwiegend davon abgeraten haben. Vincent van Gogh soll durch Absinth unter Halluzinationen, Stimmungsschwankungen, Bewusstseinsstörungen, Bauchschmerzen und hochgradiger Verstopfung gelitten haben, teilweise wird auch sein Suizid auf die Nebenwirkungen des A. zurückgeführt. Ob auch seine Epilepsie darauf zurück ging ist strittig. Thujon Hauptbestandteil des A. ist ein Monoterpen, ein aliphatisch zyklisches Molekül, dass als psychoaktiver Auslöser epileptischer Anfälle bekannt ist, es ist ein GABA Rezeptorantagonist. Allerdings ist A. auch porphyrogen so dass möglicherweise diese Stoffwechselkrankheit im Zusammenhang mit A. die Anfälle auslöste. Der französische Arzt Dr. Pierre Ordinaire in den 1780ern soll das Rezept für Absinth entwickelt haben und diesen als Allheilmittel verkauft haben. Der verbreitete Gebrauch von A. soll auf die Eroberung Algeriens durch Napoleon in den 1840ern zurückgehen. Seine Soldaten sollen ihren Wein mit "Wurmholz" (Wermut, Artemisia absinthium und A. pontica), verfeinert haben um keine Bandwurminfektion andere Wurminfektionen und Fieber zu erleiden. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich verblieben sie bei ihrer Gewohnheit und es kam zu einer Ausbreitung der grünen Fee unter Zivilisten. Im frühen 20. Jahrhundert wurde A. in fast allen entwickelten Ländern verboten. Seit 1923 war die "grüne Fee" - das Getränk ist im Ausgangszustand aufgrund seines hohen Chlorophyllgehaltes smaragdgrün - in Deutschland verboten. Erst im Jahr 1998 wurde der Verkauf im Zuge der Angleichung europäischer Rechtsvorschriften wieder legalisiert. Es gibt allerdings Grenzwerte für Thujon: Erlaubt sind fünf Milligramm pro Liter bei 25 Volumenprozent Alkohol, zehn Milligramm pro Liter bei einem Alkoholgehalt, der darüber liegt, und 35 Milligramm pro Liter in Bitterspirituosen. Diesen Richtlinien liegt die Annahme zugrunde, dass durch einen erhöhten Alkoholgehalt beziehungsweise Bitterstoffe weniger Thujon vom Körper aufgenommen werden kann. Eine Überprüfung der Thujongehalte von 30 in Deutschland im Handel befindlichen Absinthgetränken ergab, dass die meisten getesteten Getränke weniger als 10 mg/l Thujon enthielten. Bei 3 Absinthgetränken wurde der gesetzliche Höchstwert von 35 mg/l mit Gehalten von bis zu 44,9 mg/l Thujon deutlich überschreiten. Eine thujonspezifische Gefährdung des Verbrauchers soll davon laut BfR noch nicht ausgehen. Gefährlich ist überwiegend der hohe Alkoholgehalt. Bei starken Absinthtrinkern wurden früher Halluzinationen, psychotische Erkrankungen, epileptiforme Anfälle sowie Probleme des Magen-Darm-Traktes beobachtet. Neuere Studien weisen auf eine giftige Wirkung des Inhaltsstoffes Thujon auf Nerven, Nieren und Magen hin. Die Neigung zu Krämpfen wird durch Nikotinkonsum noch erhöht. Thujon stammt aus den ätherischen Ölen des Wermuts, kommt aber auch in Beifuss, Salbei, Rainfarn und dem Lebensbaum vor.
Hold K, Sirisoma N, Ikeda T, et al. Alpha-thujone (the active component of absinthe): gamma-aminobutyric acid type A receptor modulation and metabolic detoxification. Proc Natl Acad Sci USA 2000;97:3826–3831 Aktuelle Infos zur Situation in Deutschland im Heft 08/2002 des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BdVV). Erhältlich für 8 Euro bei der Pressestelle des BfR,Thielallee 88-92, 14195 Berlin erhältlich Mail: pressestelle@bfr.bund.de www.bfr.bund.de


Abstinenzregel
Neutral-distanziertes (therapeutisches) Verhalten des Psychoanalytikers.


Abstinenzsymptome
.Entziehungsbeschwerden. Bei Entzug einer süchtigmachenden Substanz, z.B. . Alkohol,, Medikamente, Opiate treten je nach Substanz verschiedene Beschwerdebilder auf. zum Beispiel: Benzodiazepine: : Schweißausbrüche, Zittern, Kopfschmerzen, Herzklopfen, innere Unruhe, epileptische Anfälle, Verstimmungen, Ängste, Merk- und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen mit aversiven Träumen etc. Deshalb sollten Benzodiazepine in der Regel nur 10 Tage verordnet werden oder es muss ausgeschlichen werden.
Alkoholfolgen Alkohol im Straßenverkehr, Drogenmißbrauch Ecstasy, Cannabis, Heroin Kokain Raucher, Synapse


Abtreibung
Von den 210 Millionen jährlich weltweit entstehenden menschlichen Schwangerschaften führt etwa die Hälfte zu Lebendgeburten. 80 Millionen Schwangerschaften enden vorzeitig, 42-45 Millionen dieser Schwangerschaften werden vorzeitig durch Abtreibungen beendet, von diesen wird fast die Hälfte illegal ausgeführt. Etwa 3 Millionen Kinder werden tot geboren. Weltweit gibt es jährlich 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften, von denen 42-45 Millionen in Abtreibungen (davon 97% in Entwicklungsländern) enden, etwa 70 000Frauen sterben an den Folgen meist unter unhygienischen Bedingungen durchgeführter illegaler Abtreibungen. Mehr als eine halbe Million Frauen stirbt jedes Jahr an Komplikationen von Geburten, hunderte von Millionen von Frauen bekommen durch Geburten jährlich Behinderungen. Die Zahl der Abtreibungen geht bei uns eher zurück. 2006 wurden in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 119710 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Die Zahl war 2007 im 2. Quartal um 4% geringer als 2006. Jede 5. Schwangerschaft endet in einer Abtreibung, in Osteuropa sogar 45%. Im Gegensatz zur sinkenden Zahl der Abtreibungen in allen entwickelten Ländern steigt die Zahl der Abtreibungen in den Entwicklungsländern weiter kontinuierlich an. Dort gibt es die härtesten Gesetze gegen Abtreibungen. Die Sterblichkeit bei illegalen Abtreibungen ist 70 x höher als bei legalen Schwangerschaftsabbrüchen. Wo Abtreibungen erlaubt sind gibt es weniger Komplikationen und weniger Todesfälle bei den Frauen. Obwohl in Asien die Hälfte der illegalen Abtreibungen durchgeführt wird, und in Afrika 28% sind 54% der Todesfälle bei dem Eingriff in Afrika. Auch Südamerika hat einen hohen Anteil an illegalen Abtreibungen, das Gesundheitssystem dort ist aber besser darauf vorbereitet, die Komplikationen schlecht durchgeführter Eingriffe zu behandeln. Alleine 2001fehlten nach dem Indischen Census 5 Millionen Mädchen in Indien, die einer selektiven Abtreibung wegen ihrem Geschlecht zum Opfer gefallen waren. 72% der Frauen die in Deutschland Schwangerschaftsabbrüche durchführen ließen waren zwischen 18 und 34 Jahren, 16% zwischen 35 und 39 und 7% über 40 Jahre alt. 41% der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, hatten noch kein Kind geboren. 97 Prozent wurden in Deutschland nach der Beratungsregelung ohne spezielle Indikation nach Pflichtberatung durchgeführt. Kriminologische Indikation beispielsweise nach einer Vergewaltigung oder die Medizinische Indikation bei Gefahr für Leben bzw. die körperliche und seelische Gesundheit der Frau oder einer Behinderung beim Kind sind also relativ selten. In Deutschland werden 80% aller Abrüche mit der Absaugmethode zwischen der 6.und 12. SSW druchgeführt. Alternativ wird eine Curettage (Ausschabung), oder die Abtreibung mit Mifepriston/Prostagladinen (10%) durchgeführt. 79% der Abtreibungen werden in gynäkologischen Praxen und 19% ambulant im Krankenhaus durchgeführt. Wiederholte Abtreibungen sollten die abtreibenden Ärzte auch an mögliche Gewalt in der Partnerschaft denken lassen. Jedenfalls geben Studien entsprechende Hinweise.

Ein Schwangerschaftsabbruch nach der sogenannten "Beratungsregelung" ist rechtswidrig , aber straffrei (§ 218 StGB), wenn ...

  • die Schwangerschaft innerhalb von 12 Wochen (s. rechte Spalte) seit der Empfängnis abgebrochen wird
  • die Frau den Abbruch verlangt und
  • sie dem Arzt durch eine Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle eine mindestens drei Tage zurückliegende Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB nachgewiesen hat.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn ... 

  • die Schwangerschaft auf einer Straftat, z.B. Vergewaltigung, beruht. Seit der Empfängnis dürfen nicht mehr als 12 Wochen vergangen sein (kriminologische Indikation; § 218a Abs. 2 StGB) oder
  • der Abbruch notwendig ist, um eine Lebensgefahr oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der körperlichen oder seelischen Gesundheit der Frau abzuwenden. Eine zeitliche Befristung besteht hier nicht (medizinische Indikation; § 218a Abs. 3 StGB).

Legale Abtreibungen hatten in den USA zwischen 1979 und 1985 eine Mortalität für die Mütter von 0,6 Todesfällen pro 100 000 Eingriffe, mehr als 10fach niedriger als die Müttersterblichkeit bei der Geburt im selben Zeitraum (9,1 pro 100 000 Lebendgeburten)

Nach einer Metaanalyse vorhandener Studien zu diesem Thema verursachen Abtreibungen bei ungewollten Schwangerschaften bei den betroffenen Frauen auch im späteren Verlauf keine psychischen Störungen. Contraception 2008;78: 436–50. Jedenfalls sind Abtreibungen an sich meistens kein größeres Risiko für eine psychische Störung als die Geburt eines Kindes bei ungewollter Schwangerschaft. Eine neuere Studie weist allerdings darauf hin, dass Frauen, die die Abtreibung an sich und die entsprechenden Beratungsgespräche an sich als belastend erleben, ein etwas höheres Risiko haben in der Folge eine psychische Störung zu haben. (British Journal of Psychiatry (2009)195, 420–426. doi: 10.1192/bjp.bp.109.066068 und British Journal of Psychiatry (2008) 193: 444-451. doi: 10.1192/bjp.bp.108.056499, Psychosomatic Medicine 66:265-271 (2004))  Es gibt allerdings keine Studie, die darauf hinweist, dass Abtreibung psychischen Störungen, die eventuell der Geburt eines Kindes bei ungewollter Schwangerschaft folgen könnten, abhelfen würden. Abtreibung ist kein Mittel psychische Störungen zu verhindern, so jedenfalls bisher die Studienlage. Es gibt allerdings durchaus ältere Studien, die zum Schluss kommen, dass ungewollt geborene Kinder ein deutlich höhere Risiko für psychische Störungen haben. Am J Psychiatry 1991; 148: 578–85 Eher etwas zweifelhafte Schlussfolgerungen gehen sogar soweit, zu behaupten, dass die Legalisierung der Abtreibung in den USA 1973 zum Absinken der Verbrechensrate beigetragen hat, in dem die ungewollten zukünftigen Kriminellen nicht geboren wurden. Criminal Justice Policy Review, Vol. 19, No. 2, 135-152 (2008) und Vol. 43, No. 1, 36-66 (2006)

World Health Organization. Unsafe abortion: global and regional estimates of the incidence of unsafe abortion and associated mortality in 2003. Geneva: WHO, 2007. 

Hannah Brown, Abortion round the world, BMJ 2007;335;1018-1019 http://bmj.com/cgi/content/full/335/7628/1018 doi:10.1136/bmj.39393.491968.94

William A. Fisher et al. Characteristics of women undergoing repeat induced abortion, CMAJ • March 1, 2005; 172 (5). doi:10.1503/cmaj.1040341.
 
Akashdeep Singh, Rupinder kaler, Selective abortion: Missing Indian Baby Girls

Census of India 2001. Office of registrar general and census commissioner,India Census of India 2001.

Siehe auch Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Datenreport 2006 Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland



Abulie
Willenlosigkeit, unangemessene Schwäche bzw. Unvermögen, Entscheidungen zu treffen, Entschlüsse zu fassen und durchzuführen. Es kommt zu einer Verminderung von Spontanbewegungen, Initiative, Denken und emotionalen Reaktionen. Tritt u.a. auf bei verschiedenen depressiven Verstimmungen und verschiedenen organischen Hirnschädigungen. Besonders häufig tritt eine Abulie bei bilateralen Läsionen der Basalganglien, der Frontallappen und des Cingulums auf. Eine Verwechslung des neuropsychologischen hirnorganischen Syndroms mit einer Depression ist möglich.
  1. SM Hastak, Pooja S Gorawara, NK Mishra Abulia : No Will, No Way, JAPI  VOL. 53, S 814-18
  2. Myoung Soo KIM Akinetic Mutism Responsive to Bromocriptine Following Subdural Hematoma Evacuation in a Patient With Hydrocephalus Neurologia medico-chirurgica Vol. 47 (2007) , No. 9 419-423
  3. H Förstl and B Sahakian A psychiatric presentation of abulia--three cases of left frontal lobe ischaemia and atrophy.  J R Soc Med. 1991 February; 84(2): 89–91
  4. A. Otto, I. Zerr, M. Lantsch, K. Weidehaas, C. Riedemann, and S. Poser Akinetic mutism as a classification criterion for the diagnosis of Creutzfeldt-Jakob disease  J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, April 1, 1998; 64(4): 524 - 528. [Abstract] [Full Text] [PDF]


Abusus psychoaktiver Substanzen
= Substanzmissbrauch. Nach dem DSM-IV ist ein Substanz- Missbrauch psychoaktiver Substanzen ein Missbrauch unter der Schwelle der vollen Abhängigkeit. Auch eine große Zahl von Arzneimitteln und Naturheilmitteln die primär nicht abhängig können missbraucht werden. Die wichtigsten Gruppen sind: 1. Psychotrope Substanzen, die keine Abhängigkeit hervorrufen, z.B. Antidepressiva, 2. Laxanzien, 3. Analgetika, 4. Nasenspray, die ohne ärztliche Verordnung erworben werden können, z.B. Aspirin und Paracetamol. Der anhaltende Gebrauch dieser Substanzen ist oft mit unnötigen Kontakten mit medizinischen und anderen Hilfseinrichtungen verbunden und manchmal von schädlichen körperlichen Auswirkungen der Substanzen begleitet. Der Versuch, dem Gebrauch der Substanz entgegenzusteuern oder ihn zu verbieten, stößt oft auf Widerstand. Bei Laxanzien und Analgetika führt der Missbrauch trotz Warnungen vor (oder sogar trotz der Entwicklung derselben) zu körperlichen Schäden, wie Nierenfunktions- oder Elektrolytstörungen. Obwohl die betreffende Person ein starkes Verlangen nach der Substanz hat, entwickeln sich keine Abhängigkeit bzw. Entzugssymptome wie bei den unter F10-F19 klassifizierten psychotropen Substanzen. Laxanziengewöhnung , Missbrauch von:, · Antazida , Pflanzen oder Naturheilmitteln , Steroiden oder Hormonen, Vitaminen

DSM-IV-Kriterien „Substanzmißbrauch"A. Ein unangepaßtes Muster von Substanzgebrauch führt in klinisch bedeutsamer Weise zu Beeinträchtigungen oder Leiden, wobei sich mindestens eines der folgenden Kriterien innerhalb desselben 12-Monats-Zeitraums manifestiert:

(1) Wiederholter Substanzgebrauch, der zu einem Versagen bei der Erfüllung wichtiger Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause führt …

(2) Wiederholter Substanzgebrauch in Situationen, in denen es aufgrund des Konsums zu einer körperlichen Gefährung kommen kann …

(3) Wiederkehrende Probleme mit dem Gesetz in Zusammenhang mit dem Substanzgebrauch …

(4) Fortgesetzter Substanzgebrauch trotz ständiger oder wiederholter sozialer oder zwischen-menschlicher Probleme, die durch die Auswirkungen der psychotropen Substanz verursacht oder verstärkt werden…

B. Die Symptome haben niemals die Kriterien für Substanzabhängigkeit der jeweiligen Substanzklasse erfüllt …

Unter „schädlichem Gebrauch“ von Alkohol versteht die ICD-10 ein Konsummuster mit tatsächlichen schädlichen Gesundheitsfolgen für Psyche und /oder Physis des Konsumenten. Dazu zählen sowohl körperliche als auch psychische Störungen wie z.B. depressive Episoden nach massivem Alkoholkonsum. Die Ablehnung des Konsumverhaltens durch andere Personen oder negative soziale Folgen wie z.B. Eheprobleme stellen kein Kriterium für schädlichen Gebrauch dar. Ebenfalls eine akute Intoxikation beweist allein nicht den Gesundheitsschaden, der für die Diagnose erforderlich ist.

Substanz- Abhängigkeit siehe dort

Alkoholfolgen Alkohol im Straßenverkehr, Drogenmißbrauch Ecstasy, Cannabis, Heroin Kokain Raucher, Synapse


Abwehrmechanismen
Bewusste oder vorbewusste traumatisch-belastende Lebensereignisse werden durch die Abwehrmechanismen ins Unbewusste abgedrängt . Sie sind jedoch dadurch nicht vergessen, sondern beeinflussen das Verhalten des Menschen erheblich. Durch die psychoanalytische Therapie sollen diese Inhalte bewusst gemacht werden. In symbolisch veränderter Form zeigen sich unbewusste Inhalte aber auch außerhalb der Therapie, z.B. im Traum oder in Fehlleistungen (Vergessen, z.B. Termin völlig vergessen, „Freudscher“ Versprecher, z.B. „Guten Tag Herr XY, herabsetzen Sie sich doch.“ im Vergreifen, Verlegen,) oder im Witz. Abwehr dient der Regulierung potentiell bedrohlicher innerpsychischer, aber auch interpersonaler Konflikte und dient so der Erhaltung der psychosozialen Integrität sowie der Anpassung des Individuums. Sie strukturiert Affekte und Kognitionen und wird handlungsprägend, und dies weitgehend unabhängig davon, wie anpassungsfördernd oder wie rigide und monoton die Abwehr ist. Der Copingprozess stellt demgegenüber eine spezifische - problem- bzw. bewältigungsbezogene - Anpassungs- oder Regulationsleistung des Individuums dar, die eingebunden ist in die dem Individuum verfügbaren emotionalen und kognitiven Möglichkeiten und Handlungsmuster, die grundsätzlich als Ausdruck der konkreten Abwehroperationen eines Individuums anzusehen sind. Siehe Analytische Psychotherapie


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Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. 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