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Glossar
Psychiatrie/Psychosomatik/
Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie |
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wurde unter Verwendung neuester Literatur erstellt. Insbesondere
dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der
Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der
analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie
dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und
Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem
einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der
letzten 10Jahre. Nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate sind kenntlich
gemacht. Verständlicherweise konnte durch Verwendung
verschiedener Quellen eine Mischung aus den unterschiedlichen
Zitaten nicht immer vermieden werden. Soweit möglich
wird dies angezeigt. Nicht alles ist auf Anhieb
laienverständlich, da ich die Zusammenstellung auch für
mich selbst nutze, musste hier ein Kompromiss zwischen
Verständlichkeit und medizinischer und psychologischer
Exaktheit gefunden werden. Falls sich jemand falsch oder in zu
großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail
schicken. KM 19.4.2000 Siehe auch die ergänzenden Hinweise
unten auf dieser Seite.
PS
selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig
aktualisiert werden.
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| Aarskog-Scott Syndrom |
| Faziogenitale Dysplasie, X- chromosomal dominant erbliche Erkrankung mit multiplen fazialen, muskuloskeletalen, dentalen, neurologischen und urogenitalen Abnormalitäten, Augenmanifestationen, kongenitalen Herzfehlern, niedrigem IQ und Verhaltensstörungen. Es handelt sich um eine Mutation am FGD1 Gen am Xp11.21. Entsprechend der X- chromosomalen Vererbung ist das Syndrom bei Mädchen weniger ausgeprägt als bei Jungen. Bisher sind 250 Fälle publiziert. Symptome können sein: Makrozephalie, Hypertelorismus, breite Nasenwurzel und andere Fehlbildungen der Nase, Ptosis, Ophthalmoplegie, Strabismus, große Cornea (Hornhaut), maxilläre Hypoplasie, Querfalte unter der unteren Lippe, verdickte Ohrläppchen, große breite Hände, interdigitale Hautfalten, Brachydaktylie, nur 1 palmare Handlinie, abnorm biegbare und überstreckbare Gelenke. Genu recurvatum, Plattfüße, Sprungelenksanomalitäten, Lymphödeme der Füße, auffälliger Hodensack, Cryptorchidismus, Hypospadie. Leistenhernien und Nabelhernien, die sich schon bald nach der Geburt zeigen. Herzklappenstenosen, Vorhofseptumdefekte. Die Kinder bleiben klein für ihr Alter. Die Intelligenz liegt meist im unteren Durchschnittsbereich, viele haben ADS oder ADHS. Dass wie bei allen angeborenen erblichen Syndromen nicht alle Symptome vorhanden sein müssen und nicht alle bei jedem in der selben Stärke ausgeprägt sind, ist selbstverständlich. Empfehlenswert ist die Seite der Selbsthilfegruppe . Diese wurde von einem Diplombiologen gegründet, der selbst betroffen ist, und unzweifelhaft den Beweis angetreten hat, dass man auch mit diesem Syndrom entgegen aller ärztlichen Prophezeiungen ein "normales" Leben führen kann. Als Biologe forscht er an den Grundlagen der Erkrankung. |
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Aarskog D (1970) A familial syndrome of short stature associated
with facial dysplasia and genital anomalies. J Pediatr 77:856–861.
Scott CI (1971) Unusual facies, joint hypermobility, genital
anomaly and short stature: a new dysmorphic syndrome. Birth
Defects Orig Artic Ser 7:240–246
Selbsthilfegruppe
OMIM Literatur
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| Abasie |
| Unfähigkeit zu gehen. Der beschreibende Begriff wird in der Regel dann verwendet, wenn keine organischen Gründe hierfür vorliegen, z.B. bei Stasobasophobie (Angst zu fallen). Oft auch als Astasie- Abasie = Unfähigkeit zu
stehen und zu gehen. Paul Blocq beschrieb das Astasie- Abasie- Syndrom
1888 als erster für Patienten, die im Bett bei der Untersuchung eine normale
Funktion der Beine zeigten und dann nicht stehen konnten. Ihm fiel auf,
dass das Syndrom häufig mit anderen psychogenen Symptomen wie psychogenen
Lähmungen, Anfällen, Tremor, und bizarrem Verhalten einher ging. Seine Patienten
hatten eine gute Prognose. Adolf Strümpell sprach von “Hysterischer Abasie”. Es
handelt sich damit nach dieser Beschreibung in der modernen Nomenklatur um
dissoziative Bewegungsstörungen. Etwas häufiger unter den psychogenen
Gangstörungen als die komplette Unfähigkeit zu stehen und zu gehen, ist das
"Einknicken" der Knie.
Hinweise auf psychogene Gangstörungen sind:
Nicht typisch für bekannte Gangstörungen,
bizarre Präsentation; variables, inkonsistentes Muster, Nicht-physiologisches
Muster; fällt selten/selten Verletzungen; abrupter Beginn; extreme Langsamkeit;
ungewöhnliche und unökonomische Haltungen; übertriebene Anstrengung, plötzliches
"Einknicken" der Knie; Hinweisende Begleitsymptome, inkongruenter Affekt (belle
indifference), sekundärer Krankheitsgewinn; Vorgeschichte mit anderen
psychiatrischen oder konversionsneurotischen Störungen.
Von anderen Autoren wird der Begriff aber auch bei organisch bedingten Störungen wie schweren Polyneuropathien, Kleinhirnerkrankungen oder schweren Lähmungen nach Schlaganfällen, M. Parkinson, MS... verwendet. |
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Boogaarts HD, F Abdo W, Bloem BR."Recumbent" gait: relationship to the phenotype of "astasia-abasia"? Mov Disord. 2007 Oct 31;22(14):2121-2.
Anke H Snijders, Bart P van de Warrenburg, Nir Giladi, Bastiaan R Bloem; Neurological gait disorders in elderly people: clinical approach and classification; Lancet Neurol 2007; 6: 63–74
Abstract |
| Aberrationen, chromosomale |
| Veränderung der Anzahl oder des strukturellen Aufbaus von Chromosomen. Von numerischen Aberrationen spricht man, wenn einzelne Körperzellen mehr oder weniger als die normalen 46 Chromosomen enthalten. Man nennt sie dann auch aneuploid. Bei strukturellen Chromosomenaberrationen geht genetisches Material innerhalb der Chromosomen verloren oder kommt durch eine Verdoppelung oder Vervielfältigung meist von Basentriplets hinzu. |
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| Abgestumpftheit |
| Eine mildere Form der Affektverflachung, die in einer schwer wiegenden Verminderung der Fähigkeit besteht, Emotionen auszudrücken. Zu den Manifestationen gehören ein verminderter Gesichtsausdruck, eine Modulation der Gefühle und eine Reduktion der kommunikativen Gefühle. Nach Traumen, "Gewöhnung an das Schreckliche", durch übermäßigen Medienkonsum, aber auch im Rahmen psychischer Störungen, ohne dass ein Trauma vorgelegen hat. Menschen die per se wenig emotional sind nicht nach der engen Definition abgestumpft. |
siehe auch unter
Affektisolierung,
Affektinkontinenz,
Erlernen einer Steuerung des Affektes,
Emotionalität ,
Empathie,
Residuum Schizophrenes
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| Abhängigkeit |
| Substanzabhängigkeit: Syndrom von körperlichen,
kognitiven und emotionalen Störungen sowie Störungen auf der Verhaltensebene und
im sozialen Bereich, das durch den kontinuierlichen Konsum von psychoaktiven
Substanzen über längere Zeit entsteht bzw. verstärkt wird, wobei der Missbrauch
trotz deutlicher und auch subjektiv wahrgenommener negativer Folgen nicht aus
eigener Kraft unterbrochen werden kann. Aus der Gewohnheit ist für den
Betroffenen eine subjektive Notwendigkeit geworden, die oft dann vor allem
anderen steht. Eine Liste von Suchtmitteln wird immer aktualisierungsbedürftig
bleiben. Zu jeder Zeit haben Menschen immer wieder neue psychotrope
Substanzen entwickelt, von denen viele dann einen Teil der Verführten schwer
geschädigt haben. Alkohol und Nikotin bleiben aber in unserer Gesellschaft
die folgenreichsten Suchtmittel, und die Suchtmittel, die am häufigsten zur
Substanzabhängigkeit führen. Dies hat auch kulturelle und juristische Gründe.
DSM-IV-Kriterien
„Substanzabhängigkeit" (Alkoholabhängigkeit)
Ein unangepasstes Muster von
Substanzgebrauch (Alkohol) führt in klinisch bedeutsamer Weise zu
Beeinträchtigungen oder Leiden, wobei sich mindestens drei der folgenden
Kriterien manifestieren, die zu irgendeiner Zeit in demselben 12-Monats-Zeitraum
auftreten:
(1) Toleranzentwicklung,
definiert durch eines oder folgenden Kriterien:
- Verlangen nach ausgeprägter
Dosissteigerung, um einen Intoxikationszustand oder erwünschten Effekt
herbeizuführen.
- deutlich verminderte Wirkung
bei fortgesetzter Einnahme derselben Dosis.
(2) Entzugssymptome, die sich
durch eines der folgenden Kriterien äußern:
- charakteristisches
Entzugssyndrom der jeweiligen Substanz
- dieselbe (oder eine sehr
ähnliche Substanz) wird eingenommen, um Entzugssymptome zu lindern oder zu
vermeiden.
(3) Die Substanz wird häufig in
größeren Mengen oder länger als beabsichtigt eingenommen.
(4) Anhaltender Wunsch oder
erfolglose Versuche, den Substanzgebrauch zu verringern oder zu kontrollieren.
(5) Viel Zeit für Aktivitäten, um
die Substanz zu beschaffen …
(6) Wichtige soziale, berufliche
oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Substanzmißbrauchs aufgegeben oder
eingeschränkt.
(7) Fortgesetzter
Substanzmißbrauch trotz Kenntnis eines anhaltenden oder wiederkehrenden
körperlichen oder psychischen Problems, das wahrscheinlich durch den
Substanzmißbrauch verursacht oder verstärkt wurde …
ICD-10 Kriterien Beispiel Alkohol
-
Ein starker Wunsch oder
eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren.
-
Verminderte Kontrollfähigkeit
bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums.
-
Ein körperliches Entzugssyndrom
bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.
-
Nachweis einer Toleranz.
-
Fortschreitende Vernachlässigung
anderer Interessen zugunsten des Alkoholkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um
den Alkohol zu konsumieren oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen.
-
Anhaltender Alkoholkonsum trotz
Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen wie z.B. Leberschädigung durch
exzessives Trinken.
Wo kommt Sucht her, machen Probleme
Menschen zu Alkoholikern oder macht das Suchtmittel immer mehr Probleme.
Eine genetische Veranlagung zu Suchterkrankungen ist gesichert. Die
Unterscheidung zwischen den Symptomen, Ursachen und Folgen ist bei jeder Form
des Drogenmißbrauchs schwierig. Man weiß, dass ein zerrüttetes Elternhaus,
inkonsequente Erziehung, inadäquate Betreuung, suchtkranke Eltern,
Vernachlässigung, Misshandlungen, ADHS,
oder Störung des Sozialverhaltens bei Kindern und Jugendlichen Süchte
begünstigen. Bestimmte soziale Gruppen und deren Normen können die Entwicklung
einer Suchterkrankung fördern. Suchterkrankungen verursachen andererseits
sekundäre psychische Störungen, beispielsweise kann
Cannabismissbrauch zu amotivationalen
Syndromen oder drogeninduzierten Psychosen
führen. Alkoholmissbrauch begünstig Gewalttätigkeit, Delinquenz und eine
Verflachung der Persönlichkeit.
Alkohol- und Drogenmißbrauch
verschlechtert den Verlauf von Essstörungen wie einer
Bulimia nervosa,
Persönlichkeitsstörungen oder psychischen Störungen wie
Schizophrenien oder
Depressionen erheblich. Sucht begünstigt allgemein ein Scheitern von
Beziehungen, mangelnden beruflichen Erfolg, Arbeitslosigkeit und manchmal
Verwahrlosung. Sucht führt nicht selten zur Verwahrlosung. Ob nun Delinquenz,
Scheidung oder Arbeitslosigkeit im Einzelfall Ursache oder Auswirkung der
Substanzabhängigkeit war, kann man nicht immer sicher unterscheiden. Sicher ist,
dass Substanzabhängigkeit in der Regel die Lösung der Probleme erschwert.
Alkohol- und/oder Substanzmißbrauch erhöht das
Risiko einer bleibenden Störung des Sozialverhaltens.
Abhängigkeit entsteht aus einem
Zusammenwirken von genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen in besonders
empfindlichen Phasen der Gehirnentwicklung, kulturellen Faktoren und sozialen
Faktoren. Eindimensionale Erklärungen der Ursachen greifen hier zu kurz.
Besonders wichtig in der Entwicklung von Substanzabhängikeiten scheinen
kritische Entwicklungsphasen in der Jugend zu sein. Bei Jugendlichen finden sich
besondere Phasen der Hirnreifung in bestimmten Hirngebieten. Dabei entwickelt
sich hier zeitgleich in den selben Regionen des Gehirns Motivation,
Impulsivität, und Abhängigkeit. Jugendliche Impulsivität und Neugier, die Suche
nach neuen Wegen sind normalerweise vorübergehende Verhaltensweisen, die zum
Teil mit Reifungsprozessen in frontalen corticalen und subcorticalen
monoaminergen System zu erklären sind. Diese Entwicklungsprozesse beeinflussen
Lernvorgänge vor allem in der Suche nach der Erwachsenenrolle positiv, bedingen
aber eine vermehrte Anfälligkeit für abhängiges Verhalten und Drogenmissbrauch.
Auch andere Ursachen spielen eine erhebliche Rolle. Neurochemische Studien
zeigen, dass ein schneller Anstieg der Dopaminkonzentration in bestimmten
Gehirngebieten (Hirnbelohnungssystem mit Schwerpunkt Basalganglien und Cingulum)
durch Drogen bewirkt wird, die abhängig machen. Nach chronischem
Drogenmissbrauch und im Entzug geht die Dopaminkonzentration in diesen
Hirngebieten massiv zurück. Es kommt zu einer Dysfunktion präfrontaler
Hirnregionen (einschließlich des orbitofrontalen Cortex und des Gyrus cinguli).
Diese Veränderungen der Dopaminfunktion des Gehirns verursachen eine verminderte
Sensitivität für natürliche Verstärker oder Belohnungen. Dies da Dopamin diese
Verstärker oder Belohnungen ebenso steuert und diese geringer direkt wirken. Es
tritt eine Zerstörung der Wirkung natürlicher Verstärker oder Belohnungen auf
frontale corticale Funktionen ein. Kontrollmechanismen und
Beruhigungsmechanismen werden gestört oder zerstört. Untersuchungen mit
funktionaler Bildgebung haben gezeigt, dass während einer Drogen oder
Alkoholintoxikation oder während des Craving, diese frontalen Regionen aktiviert
werden. Sie sind dabei Teil eines komplexen Regelsystems eben des
Hirnbelohnungssystems. Mit beteiligt sind dabei für Belohungen der Nucleus
accumbens, für Motivation der orbitofrontale Cortex), für das Gedächtnis die
Amygdala und der Hippocampus, und für die kognitive Kontrolle die präfrontale
Hirnrinde und der Gyrus cinguli. Natürliche Verstärker sind nicht in der Lage in
ähnlicher Geschwindigkeit die selben Reaktionen im Gehirn hervorzurufen, wie
dies drogeninduzierte Stimuli tun. Die Schwelle ab wann ein Verhalten, eine
Gewinn oder ein Erlebnis als Belohnung empfunden wird heraufgesetzt. Die hohen
Grade der Stimulation sind mit Erlebnissen nicht mehr erreichbar. Gleichzeitig
werden Hirngebiete, die für die kognitive Kontrolle zuständig sind
herunterreguliert. Im Gedächtnis wird in der Erwartung einer Droge eine
besondere Belohnung als erreichbar simuliert, es kommt bei der Suche nach der
Droge zu einer Überreaktion der Belohungs- und Motivationssysteme. Auf andere
Reize reagieren diese immer weniger. In der Behandlung ist es vor allem am
Anfang schwierig wieder attraktive Belohnungssystem für den Betroffenen
aufzubauen. Jugendliche mit passiver Gewalterfahrung entwickeln häufiger
Abhängigkeiten.
Der Begriff der Abhängigkeit wird
auch für Verhaltensstörungen ohne dass es zu einer Einnahme von abhängig
machenden Substanzen kommt verwendet. Im Einzelnen kann es schon schwierig sein,
zu definieren, wann eine Substanz eine Gewöhnung, Toleranzentwicklung oder
Entzugssymptome auslöst. So macht der regelmäßige Gebrauch von Schmerzmitteln,
Nasentropfen und Abführmittel unzweifelhaft Gewöhnung, Toleranzentwicklung oder
Entzugssymptome. Ob es sinnvoll ist den Missbrauch dieser Substanzen in der
selben Kategorie zu sehen wie
Alkoholabhängigkeit,
Drogenmißbrauch,
Cannabismissbrauch,
Heroin- oder
Kokainabhängigkeit,
Rauchen, etc. ist kontrovers. Sicher ist, dass manche Verhaltensweisen, die
unabhängig von der Einnahme einer Substanz sind, Abhängigkeits- oder
Suchtkriterien erfüllen. Ein Beispiel ist die
Spielsucht oder auch die zweifellos existente Internetsucht.
Hinzu kommt, dass auch bei Substanzabhängigkeiten wie der
Alkoholabhängigkeit,
Heroinabhängigkeit etc. sich in
Experimenten ein erheblicher Placeboeffekt zeigt. Erhaltene soziale Bindungen
und soziale Integration bessern die Prognose bei vorhandenen Substanz-
Abhängigkeiten. Alleinstehende, arbeitslose Menschen haben eine schlechtere
Prognose als Verheiratete oder in stabiler Partnerschaft lebende Menschen, die
noch ihren Arbeitsplatz erhalten haben. Dies gilt auch wenn letztlich oft die
Drohung des Partners oder Arbeitsgebers häufig den überwiegenden Therapieanstoß
gibt. Je mehr Substanzen missbraucht werden, je früher damit begonnen wurde, je
deutlicher körperliche Entzugsymptome sind, je mehr der Betroffene bereits durch
Vorstrafen etc. am Rande der Gesellschaft steht, umso schlechter die Prognose.
Auch gleichzeitig vorhandene andere psychische Störungen oder schwere
körperliche Folgen der Substanzabhängigkeit (Komorbidität) verschlechtern die
Prognose. Suchtmittel werden regelmäßig als Selbstmedikation eingesetzt. Als
"Beruhigungsmittel" sollen sie auch bei gesellschaftlich anerkanntem Gebrauch
helfen Hemmungen und Ängste im Kontakt abzubauen, Mut machen, Jugendlichen in
der Disko die Annäherung ans andere Geschlecht erleichtert, helfen den
Ärger "hinunter zu schlucken", oder über Belastungen, Ängste oder Depressionen
hinweghelfen. Andere Suchtmittel werden zur "Leistungssteigerung" eingenommen.
Im Grunde sind Suchtmittel Psychopharmaka mit vergleichsweise ungünstigem
Nebenwirkungsprofil. Weder Menschen noch Versuchstiere mögen den Geschmack von
Alkohol und Nikotin spontan. Erwartungen zur Wirkung und an zweiter Stelle die
allgemein unspezifisch dämpfende oder anregende Wirkung der Suchtmittel führen
dazu, dass sich Menschen trotz des zunächst unangenehmen Geschmacks und Geruchs
an die Suchtmittel und deren Konsum gewöhnen. Die allgemeine Dämpfung und
Verlangsamung des Geistes ist auch die Ursache für die beruhigende Wirkung.
Unangenehme Anspannung wird durch die verschlechterte Verarbeitungskapazität des
Gehirns einfach weniger wahrgenommen. Dies ist auch der Grund, warum
Suchtmittel keine Probleme lösen sondern bestenfalls deren Wahrnehmung zeitweise
unterdrücken. Nach und nach haben die Suchtmittel dann eigene Probleme und
womöglich körperliche Entzugserscheinungen geschaffen, spätestens dann
sind die vorherigen Probleme nicht nur wieder da, sondern auch deutlich
vergrößert. Die die verschlechterte Verarbeitungskapazität des Gehirns
begünstigt im Stadium verminderter Kritikfähigkeit Hochrisikoverhalten.
Ungeplante und im nüchternen Zustand nicht gewollte sexuelle Aktivitäten
vergrößern nicht nur das Risiko, dass Beziehungen in die Brüche gehen und
ungewollte Schwangerschaften entstehen, auch das Risiko einer Ansteckung mit
einer Geschlechtskrankheit steigt. Unfälle, Gewalttaten, Selbstverletzungen und
Suizidversuche sind im Rahmen akuter Intoxikationen deutlich häufiger.
Die Behandlung von Substanzabhängigkeiten
richtet sich nach der persönlichen Situation und der speziellen
Suchtproblematik. Meist ist eine Kombination von Suchtberatungsstellen, Ärzten,
und Selbsthilfegruppen sinnvoll. Manchmal ist ein stationäre Entgiftung und
anschließende Langzeitrehabilitation auch stationär notwendig. Ein wesentlicher
Faktor der bei der Abstinenz hilft ist auch der Abstand vom Suchtmittel. Je
größer der zeitliche Abstand, umso einfacher wird die Abstinenz. Am
gefährlichsten ist der Entzug von Alkohol und Benzodiazepinen. Dieser ist
körperlich auch deutlich gefährlicher als ein Heroinentzug. Der Entzug von
Alkohol sollte deshalb bei eindeutiger körperlicher Abhängigkeit auch stationär
erfolgen. Der alleinige körperliche Entzug hält aber die wenigsten abstinent,
davon auszugehen ist in der Regel eine Selbstüberschätzung. Wenn der körperliche
Entzug überstanden ist, gilt es auch zu verstehen, dass das jeweils momentane
dringende Bedürfnis nach dem Suchtmittel in aller Regel nur jeweils kurzdauernd
anhält, auch wenn es oft am Tag auftreten kann. Wurden neue Strategien im
Umgang mit solchen Situationen eingeübt und das Zutrauen über eine ausreichende
Zeit erworben sie zu überstehen, ist auch die Abstinenz erreichbar. Für Menschen
die an einer Substanzabhängigkeit leiden gilt in der Regel der Grundsatz,
dass eine lebenslange vollständige Abstinenz sinnvoll ist. Kontrolliertes
Trinken etc. ist für den bei weitem überwiegenden Teil der Abhängigen nicht
erreichbar. |
- Siehe auch unter Alkoholfolgen
Alkohol im Straßenverkehr,
Drogenmißbrauch
Ecstasy,
Cannabis,
Heroin
Kokain
Raucher,
Synapse
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| Ablenkbarkeit |
| Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, das heißt: Es wird aus geringstem Anlass von einem Bereich oder Thema zum anderen gesprungen oder die Aufmerksamkeit wird zu häufig auf unwichtige oder irrelevante äußere Reize gelenkt. Kommt bei verschiedensten psychischen Sörungen vor. |
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| Ablenkung |
| Der Versuch, einer Bedrohung, einer Traurigkeit, oder sonst einem unangenehmen Gefühl durch Aufmerksamkeitsabwendung in Form von Abschweifung, Flucht oder irgendwelcher Tätigkeiten zu begegnen, kann man als Coping (Bewältigungsmechanismus) "Ablenkung" bezeichnen. Laienpsycholgisch wird Ablenkung in ihrer Wirksamkeit meist überschätzt. Je nach Ausmaß des unangenehmen Gefühls oder der bedrohlichen Situation und je nach Ablenkungsmöglichkeiten, kann sie jedoch auch ein konstruktive Bewältigungsmechanismus sein. Teilweise wird sie bewusst in Verhaltenstherapien eingebaut, Listen angenehmer Tätigkeiten die vorgefertigt übergeben werden oder erarbeitet werden, nutzen auch diesen Mechanismus. Ob Ablenkung konstruktiv ist oder destruktiv eine Lösung verhindert, hängt von der Situation ab, in der sie eingesetzt wird. In aussichtslosen Situationen kann Ablenkung als kurzfristige Strategie die Methode der Wahl darstellen. Wird ein aversives Ereignis mit Sicherheit erwartet, und ergeben sich durch das aversive Ereignis keine weiteren Folgeprobleme, dann ist Ablenkung das optimale Coping. Ablenkung als Reaktion auf eine Bedrohung ist dann gefährlich, wenn die Zielrichtung der Maßnahme primär ausschließlich auf die Beseitigung von Bedrohungsgedanken gerichtet ist, ohne dass weitere mögliche konstruktive Ziele damit verbunden sind. Der Extremfall wäre hier chronische Verdrängung bei gleichzeitig möglicher Abwendung des aversiven Ereignisses (z.B. bei jeglichem Gedanken an die Prüfung ablenkende Tätigkeiten, dadurch bedingt mangelnde Vorbereitung, wobei ordentliche Vorbereitung die Erfolgschancen wirksam erhöhen würde). Man könnte hier von einer Ablenkung aus Bequemlichkeit sprechen. Verhindert Ablenkung angemessenes konstruktives Coping, so ist sie als inadäquat zu bezeichnen. Je mehr Ablenkung den Charakter einer Flucht annimmt, um so schwieriger und aufwendiger werden die Versuche sein, sie im Hinblick auf eine unangenehme Situation effizient anzuwenden, da es sich meist um Situationen handelt, bei denen erfolgreiche Flucht in der Regel nur durch noch größere Folgebedrohungen erkauft werden kann. Ablenkung führt nicht unmittelbar zu einer Problemlösung, sie bietet kurzfristige Verschnaufpausen, die im Verbund mit anderen Maßnahmen recht sinnvoll sein können, als ausschließliches Coping Gefahrensituationen bleibt sie jedoch meistens unangemessen. |
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Nach Prüfungsängstlichkeit
- B. Jacobs |
| Abschließer |
| Teilnehmer an einer Forschungsstudie, die während der gesamten Dauer an der Studie teilnehmen. |
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| Abschreckung als Methode gegen Jugendgewalt -und Jugendkriminalität. (Siehe auch unter
Aggression), Abschreckung im Straßenverkehr |
| Abschreckungsprogramme für
jugendliche Straftäter werden im Privatfernsehen immer wieder aufgewärmt. Die
Programme werden auf englisch 'Scared Straight' oder 'Boot-Camp' genannt und sollen ein
Rezept gegen Jugendkriminalität sein. Gefährdete oder schon Kriminelle
Jugendliche werden dabei im Rahmend der Scared Straight Programme in direkten
Kontakt zu Häftlingen gebracht. Die ursprüngliche Dokumentation wurde 1978
veröffentlicht, inzwischen sind bis 1998 in 4 weiteren Dokumentationen gesendet.
Die "Direkte Abschreckung" bestand hauptsächlich in einer aggressiven
Darstellung des Gefängnislebens. Den jugendlichen Gefängnisbesuchern wurden
nicht selten übertriebene Geschichten von Mord und Vergewaltigung im Gefängnis
dargeboten. Die Fernsehdokumentation des Programms, die 1979 gesendet wurde
zeigte damals, dass 16 der 17 jugendlichen Kriminellen 3 Monate nach Teilnahme
am Programm gesetzestreu geblieben waren. Das Programm "Direkte Abschreckung"
reklamierte eine Erfolgsrate von 94%. Daraufhin übernahmen 30 amerikanische
Staaten das Programm und es wurde sogar eine Anhörung im Congress zum Programm
und dem Fernsehfilm durchgeführt. 1999 wurde der Film 20 Jahre Direkte
Abschreckung mit 12 neuen jugendlichen in den USA ausgestrahlt und gab wieder
eine ähnlich hohe Erfolgsrate an, 10 der 12 Kids bleiben 3 Monate gesetzestreu.
Hart durchgreifen, oder wie man in den USA sagt "getting tough," wurde und ist
noch populär. Nicht alle Programme beschränkten sich darauf, brutale
Abschreckung durch zur Übertreibung neigenden Häftlinge oder auch Anschreien
durch geschulte Wärter zu betreiben. Programme mit höherem Anspruch beinhalteten
neben der Abschreckung einen informativen und erzieherischen Anspruch mit
geleiteten Diskussionen und differenzierter ausführlicher Darstellung der
Lebensgeschichte der Häftlinge. Großer Vorteil solcher Programme ist, dass sie
nicht nur dem Volksempfinden entgegen kommen, sondern auch sehr billig sind.
Solche Programme wurden deshalb auch in Australien, Großbritannien, Kanada und
auch in Deutschland (mit Neonazi und anderen Hassgruppen) übernommen.
Wissenschaftlich
höchst umstritten: Methodisch bessere und wesentlich größere
Untersuchungen kommen zu ganz anderen Ergebnissen als die
Fernsehstudien. Die
Cochrane Library veröffentlichte 2002 eine Übersicht über alle
Daten die zu solchen Abschreckungsprogrammen in den letzten Jahrzehnten
veröffentlicht wurden. Die Autoren dieser Literaturübersicht kommen zu
dem Schluss, dass die Programme nicht nur keinen Nutzen haben, sondern
sogar zu einem Anstieg der Kriminalität bei den so behandelten Kindern
und Jugendlichen beitragen. Immerhin um 7% stieg durch solche Programme
im Durchschnitt die Rückfallhäufigkeit an. Was in den positiven Daten
der Fernsehfilme und Kongressanhörung fehlte war die Vergleichsgruppe.
Nur wenn man Jugendliche mit vergleichbaren Vergehen in 2 Gruppen mit
vergleichbarer Alters- und Deliktstruktur per Zufall einteilt, ist der
Effekt solcher Programme, im Vergleich zu ganz einfach nichts tun,
beurteilbar. Mehrere auch größere Studien haben einen solchen Vergleich
angestellt. Diese Studien aus 25 Jahren werteten die jeweils die Daten
von 50 bis 180 Kindern und Jugendlichen teilweise über wesentlich
längere Zeiträume aus. Vergleichskriterien für die Gruppen waren
anschließende Verhaftungen, Verurteilungen, Kontakt mit der Polizei,
oder selbst berichtete Straftaten. Dass diese Programme also letztlich
eher zur Zunahme der Kriminalität führen, ist für die Betreiber wie für
Politiker, die sie befürworten, bitter. Diese durch solche Programme
zustande gekommene zusätzliche Kriminalität schadet nicht nur den
gestrauchelten Kindern und Jugendlichen, sie führt auch unter den
gesetzestreuen Bürgern zu mehr Verbrechensopfern und vermeidbaren
Traumatisierungen. Als in Kalifornien die wissenschaftliche
Begleitstudie zu einem solchen Programm negative Ergebnisse lieferte,
wurde nicht das Programm, sondern die Begleitstudie seitens der dortigen
Politiker eingestellt. Eine ausführliche Literaturübersicht über die
-mangelnde- Effektivität solcher Programme findet sich auf der Seite der
Campbell Collaboration.
Obwohl die jetzige
umfassende Literaturübersicht nicht die Erste ist, die solchen
Programmen mehr Schaden als Nutzen attestiert, werden sie weiter
propagiert. Eine englische Stadt soll sogar soweit gegangen sein, dass
sie ehemalige Gefängniswärter in den Schulen anstellt, um gewöhnliche
Schulkinder abzuschrecken. Gerade in den englischen Rechtstradition
sollte eigentlich bekannt sein, dass reine Abschreckung nicht
funktioniert. Der erste diesbezüglich eindeutige Hinweis stammt aus der
Zeit, als man in England Taschendiebe zur Abschreckung hängte. Im
Gedränge dieser "Volksbelustigung" gab es mehr Taschendiebstähle als bei
jeder anderen Gelegenheit.
Fazit: Die
Annahme, dass solcherart Abschreckung zumindest nicht schadet, kann als
widerlegt angesehen werden. So verständlich und populär das Bedürfnis
nach hartem Durchgreifen auch sein mag, wenn es zu mehr Tätern und damit
auch mehr Opfern führt, heizt es auch die Spirale der Kriminalität und
Gewalt an. Vom Ansatz her sinnvoller, wenn auch noch nicht unbedingt
ausgereift scheinen Programme wie "Faustlos"
oder das Schweizer Programm
Triple P ein verhaltensorientiertes Elterntraining Abschreckung ist
dennoch grundsätzlich eine sinnvolle Methode um Straftaten zu
verhindern. Zunächst ist dabei aber zu beachten, dass Abschreckung bei
dissozialen Persönlichkeiten per se schlecht funktioniert.
Per Definition ist
bei solchen Persönlichkeiten das Verhalten durch nachteilige Erlebnisse,
einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe
Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch
gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder
vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch
das der betreffende Mensch in einen Konflikt mit der Gesellschaft
geraten ist. Kriminelles Denken
beinhalten meist eine Selbstrechfertigung, im Kontakt werden soziale
Schlüsselreize fehl interpretiert. Die Schuld wird den Anderen gegeben,
Dominanz steht oft vor anderen Werten. Durch solche Denk- und
Verhaltensstörungen werden von Kriminellen oder Gewalttätern oft schon
harmlose Situationen fehl gedeutet. Harmlose Bemerkungen werden als
absichtliche Kränkung empfunden, Wünsche werden mit Ansprüchen
verwechselt, bei verminderter Frustrationstoleranz wird auf sofortiger
Bedürfnisbefriedigung bestanden. Sie sehen sich als Opfer der Umgebung
oder der Gesellschaft, unfair behandelt an. Nur selten vermögen sie
wirklich einzusehen, dass ihr antisoziales Verhalten für ihre Probleme
verantwortlich ist. In der entsprechenden Clique kann solches
Denken und Handel sozial angepasst sein. Dort gilt dann meist, - wenn du
den Eindruck hast, jemand hat dir etwas angetan, dann schlage sofort
zurück sonst wirst du nicht mehr respektiert. Eben diese Denkweise
wird möglicherweise durch die genannten "Abschreckungsprogramme"
verstärkt. Zumindest aus meiner Sicht eine Erklärung, warum diese
Programme nicht funktionieren. Abschreckung wirkt primär bei zuvor schon
moralischen Personen mit normaler Frustrationstoleranz und sozialer
Einbindung.
Abschreckung im
Straßenverkehr, besser als ihr Ruf Alle Autofahrer machen Fehler, die
meisten durchaus auch bewusst. Die wenigsten machen sich Gedanken, ob sie durch
ihre Geschwindigkeitsüberschreitung das Leben anderer gefährden. Im Gegensatz
zur Krebsvorsorge hat die Unfallvorsorge durch Polizeikontrollen kein besonders
gutes Image. Polizeikontrollen sind unbeliebt und werden nicht selten als
sinnlose Repression oder Geldmacherei angesehen. Verkehrsunfälle verursachen in
den USA jährliche Kosten von 200 Milliarden US- Dollar. Für das Jahr 2002 wurde
in der Bundesrepublik von 6 842 Verkehrstoten und 476 413 Verletzten im
Straßenverkehr ausgegangen. 2 289 474 Verkehrsunfälle wurden polizeilich
erfasst. Bei 362 054 Unfällen kam es zu Personenschaden. Nicht angepasste
Geschwindigkeit ist mit über 12% das häufigste zu Unfällen führende
Fehlverhalten der Unfallfahrer, gefolgt von ungenügendem Abstand und
Nichtbeachten der Vorfahrt. (Quelle
statistisches Bundesamt) Weltweit werden täglich 3000 Menschen durch
Verkehrsunfälle getötet und 30 000 schwer verletzt. Nicht zu Unrecht wird
deshalb von einem Krieg auf den Straßen gesprochen. Kanadische Forscher gingen
der Frage nach in welchem Umfang durch vermehrte Polizeipräsenz und Kontrolle
von Verkehrsverstößen die Unfallzahlen sinken. Die Daten der Verkehrsünderkartei
von 8975 Fahrern die einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hatten wurden
dabei analysiert. 21 501 Verkehrverstöße oder je einer in 5 Jahren waren von
diesen Fahrern vor den entsprechenden tödlichen Unfällen verursacht worden. Das
Risiko eines tödlichen Verkehrsunfalls war im Monat nach der Bestrafung beim
Durchschnitt der Fahrer um 35% gegenüber anderen Monaten vermindert, auch im 2.
Monat war noch eine Verminderung vorhanden, nach 3 und 4 Monaten ließ sich kein
Effekt mehr nachweisen. Strafpunkte hatten den deutlichsten Effekt. Die Autoren
der Studie kommen zum Schluss, dass pro 80 000 verfolgten Verkehrsverstößen etwa
ein tödlicher Unfall verhindert wird. Pro 1300 verfolgten Verkehrsverstößen soll
eine medizinische Notfallbehandlung verhindert werden, pro 13 verfolgten
Verkehrsverstößen wird ein gesellschaftlicher Schaden von 1000 Dollar
verhindert. Dabei gehen die Autoren davon aus, dass ihre Schätzungen konservativ
sind. Insgesamt scheint also die Polizeikontrolle eine vergleichsweise hohe
Effizienz in der Vorbeugung Unfällen und damit auch schweren Verletzungen und
Todesfällen zu haben und dazu noch kosteneffektiv zu sein. Es ist dennoch
erstaunlich wie kurz die Halbwertszeit der abschreckenden Wirkung von
Strafpunkten ist. Die Opfer von Unfällen sind häufig auch unbeteiligte andere
Verkehrsteilnehmer und Kinder. Die Folgen von Unfällen belasten den Geldbeutel
aller, nicht nur den der direkt betroffenen. Über Versicherungsprämien und
Steuern wird der größte Teil der Kosten auf die Allgemeinheit umgelegt.
Polizeikontrollen sollte man nach den gegebenen Zahlen genauso bewerten wie eine
Vorsorgeuntersuchung beim Arzt. Die Effektivität der Polizeikontrollen dürfte
sogar höher sein. |
Petrosino A , Turpin-Petrosino C, Buehler J "Scared Straight" and other
juvenile awareness programs for preventing juvenile delinquency
(Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2002. Oxford:
Update Software.
Donald A Redelmeier, Robert J Tibshirani, Leonard Evans
Traffic-law enforcement and risk of death from motor-vehicle crashes:
case-crossover study Lancet 2003; 361: 2177-82, [Full
Text] [PDF]
Anthony Petrosino et al., Scared Straight and
Other Juvenile Awareness Programs for Preventing Juvenile Delinquency: A
Systematic Review of the Randomized Experimental Evidence
The ANNALS of the American Academy of Political and Social Science, Vol. 589,
No. 1, 41-62 (2003)
DOI: 10.1177/0002716203254693
Petrosino A , Turpin-Petrosino C, Scared Straight
and other prison tour programs for preventing
juvenile delinquency
Protocol |
| Abschwächung |
| Bei häufiger Darbietung eines bedingten Reizes ohne Bekräftigung durch einen unbedingten Reiz kommt es zu einer Rückentwicklung bzw. zur Löschung des bedingten Reflexes (siehe auch unter
Konditionieren. ( VT) |
|
|
| Absence |
| Kurzzeitige
Bewusstseinsstörung bei bestimmten Formen der Epilepsie. |
|
|
| Absentismus |
| Abwesenheit, der Begriff wird
meist bei
Schulverweigerern oder Schulphobikern oder für Fehlzeiten am Arbeitsplatz
verwendet. Gemeint ist oft auch ein Fehlen, das nicht auf eine Krankheit,
sondern auf private Gründe (auch mit Krankmeldung oder
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) zurückgeht.
Motivationsbedingte Fehlzeiten in einem Betrieb, die
keine medizinische oder vertragliche Ursache (Urlaub, Freistellung) haben.
Gemeint ist hier also ein durch die Person entscheidbarer Entschluss zur
Abwesenheit. Ist von allgemeinen Wertvorstellungen, Ausmaß möglicher
Konsequenzen (Kontrollmaßnahmen, Intensität der Überprüfung), privaten
Problemen, Sucht, Arbeitsplatzzufriedenheit, Betriebsklima abhängig. Absentismus
verschlechtert von sich aus das kollegiale Klima und führt für Kollegen zu
Mehrarbeit und zusätzlichen Belastungen und kann dann ansteckend sein. Manchmal
wird Absentismus aber auch analog zur
Arbeitsunfähigkeit definiert als
vorübergehende, verlängerte oder ständige Arbeitsunfähigkeit infolge einer
Krankheit oder einer Behinderung. |
|
|
| Absetzsymptome |
| Beschwerdebild durch zu rasches Absetzen eines nicht Süchtigmachenden Medikamentes (z. B. Betablocker, Neuroleptika
oder Antidepressiva ), besteht bei Psychopharmaka aus Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Störungen, Schwindel, Zittern, Hitzewallungen, Schwitzen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Alpträumen etc. |
|
|
| Absinth |
| Vincent van Gogh, Oscar Wilde, Pablo Picasso, Baudelaire, Ernest Hemingway, und Toulouse-Lautrec sollen vor allem in ihren jungen Jahren A. als Drink beim geselligen Beisammensein geschätzt haben, später aber überwiegend davon abgeraten haben. Vincent van Gogh soll durch Absinth unter Halluzinationen, Stimmungsschwankungen, Bewusstseinsstörungen, Bauchschmerzen und hochgradiger Verstopfung gelitten haben, teilweise wird auch sein Suizid auf die Nebenwirkungen des A. zurückgeführt. Ob auch seine Epilepsie darauf zurück ging ist strittig. Thujon Hauptbestandteil des A. ist ein Monoterpen, ein aliphatisch zyklisches Molekül, dass als psychoaktiver Auslöser epileptischer Anfälle bekannt ist, es ist ein GABA Rezeptorantagonist. Allerdings ist A. auch porphyrogen so dass möglicherweise diese Stoffwechselkrankheit im Zusammenhang mit A. die Anfälle auslöste. Der französische Arzt Dr. Pierre Ordinaire in den 1780ern soll das Rezept für Absinth entwickelt haben und diesen als Allheilmittel verkauft haben. Der verbreitete Gebrauch von A. soll auf die Eroberung Algeriens durch Napoleon in den 1840ern zurückgehen. Seine Soldaten sollen ihren Wein mit "Wurmholz" (Wermut, Artemisia absinthium und A. pontica), verfeinert haben um keine Bandwurminfektion andere Wurminfektionen und Fieber zu erleiden. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich verblieben sie bei ihrer Gewohnheit und es kam zu einer Ausbreitung der grünen Fee unter Zivilisten. Im frühen 20. Jahrhundert wurde A. in fast allen entwickelten Ländern verboten. Seit 1923 war die "grüne Fee" - das Getränk ist im Ausgangszustand aufgrund seines hohen Chlorophyllgehaltes smaragdgrün - in Deutschland verboten. Erst im Jahr 1998 wurde der Verkauf im Zuge der Angleichung europäischer Rechtsvorschriften wieder legalisiert. Es gibt allerdings Grenzwerte für Thujon: Erlaubt sind fünf Milligramm pro Liter bei 25 Volumenprozent Alkohol, zehn Milligramm pro Liter bei einem Alkoholgehalt, der darüber liegt, und 35 Milligramm pro Liter in Bitterspirituosen. Diesen Richtlinien liegt die Annahme zugrunde, dass durch einen erhöhten Alkoholgehalt beziehungsweise Bitterstoffe weniger Thujon vom Körper aufgenommen werden kann. Eine Überprüfung der Thujongehalte von 30 in Deutschland im Handel befindlichen Absinthgetränken ergab, dass die meisten getesteten Getränke weniger als 10 mg/l Thujon enthielten. Bei 3 Absinthgetränken wurde der gesetzliche Höchstwert von 35 mg/l mit Gehalten von bis zu 44,9 mg/l Thujon deutlich überschreiten. Eine thujonspezifische Gefährdung des Verbrauchers soll davon laut BfR noch nicht ausgehen. Gefährlich ist überwiegend der hohe Alkoholgehalt. Bei starken Absinthtrinkern wurden früher Halluzinationen, psychotische Erkrankungen, epileptiforme Anfälle sowie Probleme des Magen-Darm-Traktes beobachtet. Neuere Studien weisen auf eine giftige Wirkung des Inhaltsstoffes Thujon auf Nerven, Nieren und Magen hin. Die Neigung zu Krämpfen wird durch Nikotinkonsum noch erhöht. Thujon stammt aus den ätherischen Ölen des Wermuts, kommt aber auch in Beifuss, Salbei, Rainfarn und dem Lebensbaum vor. |
|
Hold K, Sirisoma N, Ikeda T,
et al. Alpha-thujone (the active component of absinthe):
gamma-aminobutyric acid type A receptor modulation and metabolic
detoxification. Proc Natl Acad Sci USA 2000;97:3826–3831
Aktuelle Infos zur Situation in Deutschland im Heft 08/2002 des
Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinärmedizin (BdVV). Erhältlich für 8 Euro bei der
Pressestelle des BfR,Thielallee 88-92, 14195 Berlin erhältlich
Mail: pressestelle@bfr.bund.de
www.bfr.bund.de |
| Abstinenzsymptome |
| .Entziehungsbeschwerden. Bei Entzug einer süchtigmachenden Substanz, z.B. .
Alkohol,, Medikamente, Opiate treten je nach Substanz verschiedene Beschwerdebilder auf. zum Beispiel: Benzodiazepine:
: Schweißausbrüche, Zittern, Kopfschmerzen, Herzklopfen, innere Unruhe, epileptische Anfälle, Verstimmungen, Ängste, Merk- und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen mit aversiven Träumen etc. Deshalb sollten Benzodiazepine in der Regel nur 10 Tage verordnet werden oder es muss ausgeschlichen werden. |
|
Alkoholfolgen
Alkohol im Straßenverkehr,
Drogenmißbrauch
Ecstasy, Cannabis,
Heroin
Kokain
Raucher,
Synapse
|
| Abtreibung |
| Von den 210 Millionen jährlich weltweit entstehenden menschlichen Schwangerschaften führt etwa die Hälfte zu Lebendgeburten. 80 Millionen Schwangerschaften enden vorzeitig, 42-45 Millionen dieser Schwangerschaften werden vorzeitig durch Abtreibungen beendet, von diesen wird fast die Hälfte illegal ausgeführt. Etwa 3 Millionen Kinder werden tot geboren. Weltweit gibt es jährlich 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften, von denen 42-45 Millionen in Abtreibungen (davon 97% in Entwicklungsländern) enden, etwa 70 000Frauen sterben an den Folgen meist unter unhygienischen Bedingungen durchgeführter illegaler Abtreibungen. Mehr als eine halbe Million Frauen stirbt jedes Jahr an Komplikationen von Geburten, hunderte von Millionen von Frauen bekommen durch Geburten jährlich Behinderungen. Die Zahl der Abtreibungen geht bei uns eher zurück. 2006 wurden in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 119710 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Die Zahl war 2007 im 2. Quartal um 4% geringer als 2006. Jede 5. Schwangerschaft endet in einer Abtreibung, in Osteuropa sogar 45%. Im Gegensatz zur sinkenden Zahl der Abtreibungen in allen entwickelten Ländern steigt die Zahl der Abtreibungen in den Entwicklungsländern weiter kontinuierlich an. Dort gibt es die härtesten Gesetze gegen Abtreibungen. Die Sterblichkeit bei illegalen Abtreibungen ist 70 x höher als bei legalen Schwangerschaftsabbrüchen. Wo Abtreibungen erlaubt sind gibt es weniger Komplikationen und weniger Todesfälle bei den Frauen. Obwohl in Asien die Hälfte der illegalen Abtreibungen durchgeführt wird, und in Afrika 28% sind 54% der Todesfälle bei dem Eingriff in Afrika. Auch Südamerika hat einen hohen Anteil an illegalen Abtreibungen, das Gesundheitssystem dort ist aber besser darauf vorbereitet, die Komplikationen schlecht durchgeführter Eingriffe zu behandeln. Alleine 2001fehlten nach dem Indischen Census 5 Millionen Mädchen in Indien, die einer selektiven Abtreibung wegen ihrem Geschlecht zum Opfer gefallen waren.
72% der Frauen die in Deutschland Schwangerschaftsabbrüche durchführen ließen waren zwischen 18 und 34 Jahren, 16% zwischen 35 und 39 und 7% über 40 Jahre alt. 41% der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, hatten noch kein Kind geboren. 97 Prozent wurden in Deutschland nach der Beratungsregelung ohne spezielle Indikation nach Pflichtberatung durchgeführt. Kriminologische Indikation beispielsweise nach einer Vergewaltigung oder die Medizinische Indikation bei Gefahr für Leben bzw. die körperliche und seelische Gesundheit der Frau oder einer Behinderung beim Kind sind also relativ selten. In Deutschland werden 80% aller Abrüche mit der Absaugmethode zwischen der 6.und 12. SSW druchgeführt. Alternativ wird eine Curettage (Ausschabung), oder die Abtreibung mit Mifepriston/Prostagladinen (10%) durchgeführt. 79% der Abtreibungen werden in gynäkologischen Praxen und 19% ambulant im Krankenhaus durchgeführt.
Wiederholte Abtreibungen sollten die abtreibenden Ärzte auch an mögliche Gewalt in der Partnerschaft denken lassen. Jedenfalls geben Studien entsprechende Hinweise.
Ein
Schwangerschaftsabbruch nach der sogenannten
"Beratungsregelung"
ist rechtswidrig
, aber straffrei
(§ 218 StGB), wenn ...
- die Schwangerschaft
innerhalb von 12 Wochen (s. rechte Spalte) seit der
Empfängnis abgebrochen wird
- die Frau den Abbruch
verlangt und
- sie dem Arzt durch
eine Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle
eine mindestens drei Tage zurückliegende
Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB
nachgewiesen hat.
Ein
Schwangerschaftsabbruch ist
nicht rechtswidrig,
wenn ...
- die Schwangerschaft
auf einer Straftat, z.B. Vergewaltigung, beruht.
Seit der Empfängnis dürfen nicht mehr als 12 Wochen
vergangen sein (kriminologische
Indikation; § 218a Abs. 2 StGB) oder
- der Abbruch
notwendig ist, um eine Lebensgefahr oder die Gefahr
einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der
körperlichen oder seelischen Gesundheit der Frau
abzuwenden. Eine zeitliche Befristung besteht hier
nicht (medizinische
Indikation; § 218a Abs. 3 StGB).
Legale Abtreibungen hatten in den USA zwischen 1979 und 1985 eine Mortalität für
die Mütter von 0,6 Todesfällen pro 100 000 Eingriffe, mehr als 10fach niedriger
als die Müttersterblichkeit bei der Geburt im selben Zeitraum (9,1 pro 100 000
Lebendgeburten)
Nach einer Metaanalyse vorhandener Studien zu diesem Thema verursachen
Abtreibungen bei ungewollten Schwangerschaften bei den betroffenen Frauen auch
im späteren Verlauf keine psychischen Störungen.
Contraception 2008;78: 436–50. Jedenfalls sind Abtreibungen an sich meistens
kein größeres Risiko für eine psychische Störung als die Geburt eines Kindes bei
ungewollter Schwangerschaft. Eine neuere Studie weist allerdings darauf hin,
dass Frauen, die die Abtreibung an sich und die entsprechenden
Beratungsgespräche an sich als belastend erleben, ein etwas höheres Risiko haben
in der Folge eine psychische Störung zu haben. (British Journal of Psychiatry
(2009)195, 420–426.
doi: 10.1192/bjp.bp.109.066068 und
British Journal of Psychiatry (2008) 193: 444-451. doi:
10.1192/bjp.bp.108.056499,
Psychosomatic Medicine 66:265-271 (2004)) Es gibt allerdings keine
Studie, die darauf hinweist, dass Abtreibung psychischen Störungen, die
eventuell der Geburt eines Kindes bei ungewollter Schwangerschaft folgen
könnten, abhelfen würden. Abtreibung ist kein Mittel psychische Störungen zu
verhindern, so jedenfalls bisher die Studienlage. Es gibt allerdings durchaus
ältere Studien, die zum Schluss kommen, dass ungewollt geborene Kinder ein
deutlich höhere Risiko für psychische Störungen haben.
Am J Psychiatry 1991; 148: 578–85 Eher etwas zweifelhafte Schlussfolgerungen
gehen sogar soweit, zu behaupten, dass die Legalisierung der Abtreibung in den
USA 1973 zum Absinken der Verbrechensrate beigetragen hat, in dem die
ungewollten zukünftigen Kriminellen nicht geboren wurden.
Criminal Justice Policy Review, Vol. 19, No. 2, 135-152 (2008) und
Vol. 43, No. 1, 36-66 (2006)
|
|
World Health Organization. Unsafe abortion:
global and regional estimates of the incidence of unsafe abortion and associated
mortality in 2003. Geneva: WHO, 2007.
Hannah Brown, Abortion round the world, BMJ
2007;335;1018-1019
http://bmj.com/cgi/content/full/335/7628/1018
doi:10.1136/bmj.39393.491968.94
William A. Fisher et al.
Characteristics of women undergoing repeat induced abortion,
CMAJ •
March 1, 2005; 172 (5). doi:10.1503/cmaj.1040341.
Akashdeep Singh, Rupinder kaler,
Selective abortion: Missing Indian Baby Girls
Census of India 2001. Office of registrar
general and census commissioner,India Census of India 2001.
Siehe
auch Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Datenreport 2006 Zahlen und Fakten über die
Bundesrepublik Deutschland
|
| Abulie |
| Willenlosigkeit, unangemessene Schwäche bzw. Unvermögen, Entscheidungen zu treffen, Entschlüsse zu fassen und durchzuführen. Es kommt zu einer Verminderung von Spontanbewegungen, Initiative, Denken und emotionalen Reaktionen. Tritt u.a. auf bei verschiedenen depressiven Verstimmungen und verschiedenen organischen Hirnschädigungen. Besonders häufig tritt eine Abulie bei bilateralen Läsionen der Basalganglien, der Frontallappen und des Cingulums auf. Eine Verwechslung des neuropsychologischen hirnorganischen Syndroms mit einer Depression ist möglich. |
- SM Hastak, Pooja S Gorawara, NK Mishra
Abulia : No Will, No Way,
JAPI
VOL. 53, S 814-18
- Myoung Soo KIM Akinetic Mutism Responsive to
Bromocriptine Following Subdural Hematoma Evacuation in a Patient With
Hydrocephalus
Neurologia medico-chirurgica Vol. 47 (2007) , No. 9 419-423
-
- A. Otto, I. Zerr, M. Lantsch, K. Weidehaas,
C. Riedemann, and S. Poser Akinetic mutism as a classification criterion for
the diagnosis of Creutzfeldt-Jakob disease J. Neurol. Neurosurg.
Psychiatry, April 1, 1998; 64(4): 524 - 528.
[Abstract]
[Full Text]
[PDF]
|
| Abusus psychoaktiver Substanzen |
| = Substanzmissbrauch. Nach dem DSM-IV ist ein Substanz- Missbrauch psychoaktiver Substanzen
ein Missbrauch unter der Schwelle der vollen Abhängigkeit. Auch eine große Zahl von Arzneimitteln und Naturheilmitteln die primär nicht abhängig können missbraucht werden. Die wichtigsten Gruppen sind: 1. Psychotrope Substanzen, die keine Abhängigkeit hervorrufen, z.B. Antidepressiva, 2. Laxanzien, 3.
Analgetika, 4. Nasenspray, die ohne ärztliche Verordnung erworben werden können, z.B. Aspirin und Paracetamol. Der anhaltende Gebrauch dieser Substanzen ist oft mit unnötigen Kontakten mit medizinischen und anderen Hilfseinrichtungen verbunden und manchmal von schädlichen körperlichen Auswirkungen der Substanzen begleitet. Der Versuch, dem Gebrauch der Substanz entgegenzusteuern oder ihn zu verbieten, stößt oft auf Widerstand. Bei Laxanzien und Analgetika führt der Missbrauch trotz Warnungen vor (oder sogar trotz der Entwicklung derselben) zu körperlichen Schäden, wie Nierenfunktions- oder Elektrolytstörungen. Obwohl die betreffende Person ein starkes Verlangen nach der Substanz hat, entwickeln sich keine Abhängigkeit bzw. Entzugssymptome wie bei den unter F10-F19 klassifizierten psychotropen Substanzen. Laxanziengewöhnung , Missbrauch von:, · Antazida , Pflanzen oder Naturheilmitteln , Steroiden oder Hormonen, Vitaminen
DSM-IV-Kriterien „Substanzmißbrauch"A.
Ein unangepaßtes Muster von Substanzgebrauch führt in klinisch bedeutsamer Weise
zu Beeinträchtigungen oder Leiden, wobei sich mindestens eines der folgenden
Kriterien innerhalb desselben 12-Monats-Zeitraums manifestiert:
(1) Wiederholter
Substanzgebrauch, der zu einem Versagen bei der Erfüllung wichtiger
Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause führt …
(2) Wiederholter Substanzgebrauch
in Situationen, in denen es aufgrund des Konsums zu einer körperlichen Gefährung
kommen kann …
(3) Wiederkehrende Probleme mit
dem Gesetz in Zusammenhang mit dem Substanzgebrauch …
(4) Fortgesetzter
Substanzgebrauch trotz ständiger oder wiederholter sozialer oder
zwischen-menschlicher Probleme, die durch die Auswirkungen der psychotropen
Substanz verursacht oder verstärkt werden…
B. Die Symptome haben niemals die
Kriterien für Substanzabhängigkeit der jeweiligen Substanzklasse erfüllt …
Unter „schädlichem Gebrauch“ von
Alkohol versteht die ICD-10 ein Konsummuster mit tatsächlichen schädlichen
Gesundheitsfolgen für Psyche und /oder Physis des Konsumenten. Dazu zählen
sowohl körperliche als auch psychische Störungen wie z.B. depressive Episoden
nach massivem Alkoholkonsum. Die Ablehnung des Konsumverhaltens durch andere
Personen oder negative soziale Folgen wie z.B. Eheprobleme stellen kein
Kriterium für schädlichen Gebrauch dar. Ebenfalls eine akute Intoxikation
beweist allein nicht den Gesundheitsschaden, der für die Diagnose erforderlich
ist.
Substanz-
Abhängigkeit siehe dort
|
|
Alkoholfolgen
Alkohol im Straßenverkehr,
Drogenmißbrauch
Ecstasy, Cannabis,
Heroin
Kokain
Raucher,
Synapse
|
| Abwehrmechanismen |
| Bewusste oder vorbewusste traumatisch-belastende Lebensereignisse werden durch die Abwehrmechanismen ins Unbewusste abgedrängt . Sie sind jedoch dadurch nicht vergessen, sondern beeinflussen das Verhalten des Menschen erheblich. Durch die psychoanalytische Therapie sollen diese Inhalte bewusst gemacht werden. In symbolisch veränderter Form zeigen sich unbewusste Inhalte aber auch außerhalb der Therapie, z.B. im Traum oder in Fehlleistungen (Vergessen, z.B. Termin völlig vergessen, „Freudscher“ Versprecher, z.B. „Guten Tag Herr XY, herabsetzen Sie sich doch.“ im Vergreifen, Verlegen,) oder im Witz. Abwehr dient der Regulierung potentiell bedrohlicher innerpsychischer, aber auch interpersonaler Konflikte und dient so der Erhaltung der psychosozialen Integrität sowie der Anpassung des Individuums. Sie strukturiert Affekte und Kognitionen und wird handlungsprägend, und dies weitgehend unabhängig davon, wie anpassungsfördernd oder wie rigide und monoton die Abwehr ist. Der Copingprozess stellt demgegenüber eine spezifische - problem- bzw. bewältigungsbezogene - Anpassungs- oder Regulationsleistung des Individuums dar, die eingebunden ist in die dem Individuum verfügbaren emotionalen und kognitiven Möglichkeiten und Handlungsmuster, die grundsätzlich als Ausdruck der konkreten Abwehroperationen eines Individuums anzusehen sind. Siehe Analytische Psychotherapie |
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