Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Baastrup-Phänomen
vermehrte Sklerosierung der lumbalen Dornfortsätze durch Kontakt bei Hyperlordose


Babinski- Zeichen
Hinweis auf eine Schädigung im Verlauf der Pyramidenbahn. In der Regel besteht dabei auch eine Spastik mit gesteigerten Muskeleigenreflexen. 1896 von dem Pariser Neurologen Joseph François Felix Babinski als Reflex beschreiben bei dem die Reizung der Fußsohle eine Dorsalflexion der großen Zehe auslöst. Bei einer Pyramidenbahnstörung zeigen die Beine eine starke Neigung zur Beugung in allen Gelenken, der Babinski-Reflex wird durch den Extensor hallucis longus ausgeführt, und physiologisch eine solche Beugung.



Babinski-Nageotte-Syndrom
Seltene Variante des Wallenberg-Syndroms mit etwas medialerer Medulla-oblongata-Schädigung. Zusätzlich zum Wallenberg-Syndrom kontralateral zum Herd lokalisierte Hemiparese (Läsion der Pyramidenbahn). Ursächlich ist eine Ischämie in den Versorgungsgebieten der lateralen medullären Arterien, die aus der A. cerebelli posterior inferior stammen, und teilweise auch durch Ischämien im Vaskularisationsbereich der für die Blutversorgung der Pyramidenbahn verantwortlichen medialen (anteromedialen) paramedianen medullären Arterien, die aus der A. spinalis anterior stammen.
Wallenberg-Syndrom


Babor Typologie des Alkoholismus
Einen einheitlichen Alkoholikertyp gibt es nicht. Aus der Masse der Alkoholkranken heben sich statistisch einzelne Prägnanztypen heraus, die auch durch unterschiedliches Trinkverhalten charakterisiert sind. In der Praxis sind dagegen beim Einzelfall Überschneidungen evident. Die gebräuchlichste Einteilung wurde von Jellinek vorgeschlagen Die Typologie von Barbor ist wegen der prognostischen Aussage aber in der Praxis gut verwendbar
Typ A:   Typ B:
Später Beginn (30–40 Jahre) Früher Beginn (vor 21. Lebensjahr)
Wenig Risikofaktoren in der Kindheit Vermehrt Risikofaktoren in Familie und Kindheit
Geringer Grad der Abhängigkeit Starke Ausprägung der Abhängigkeit, Mißbrauch auch von anderen Substanzen
Wenig körperliche und soziale Konsequenzen des Alkoholkonsums Vermehrt körperliche und soziale Konsequenzen des Alkoholkonsums nach kürzerer Zeit
Geringe psychiatrische Komorbidität Hohe psychiatrische Komorbidität
Geringe Belastungsfaktoren im familiären und beruflichen Umfeld Hohe Belastungsfaktoren im familiären und beruflichen Umfeld
Gute therapeutische Prognose Schlechte therapeutische Prognose
Siehe auch Alkoholismus (Fragen zur Selbst- und Fremddiagnose, Screening), Jellinek und Substanzmissbrauch,
TF, et al. (1992) Types of alcoholics, I. Evidence for an empirically derived typology based on indicators of vulnerability and severity. Arch Gen Psychiatry 49: 599–608


Bachblüten
Der englische Arzt Edward Bach 1886-1936 gelangte im Laufe seiner Arbeit mit kranken Menschen immer mehr zu der Überzeugung, dass Krankheit ihren Ursprung im Seelischen hat. Folgerichtig suchte er nach einer natürlichen Heilmethode, die sich auf dieser Ebene der „charakterlichen Unzulänglichkeiten“ auswirkt. Er entdeckte, dass das energetische Potential bestimmter Blütenpflanzen auf die seelische Ebene der Menschen wirkt. Die Wirkung seiner Blütenkonzentrate hat Bach wie folgt beschrieben:  „Bestimmte Wildwachsende Blumen, Büsche und Bäume höherer Ordnung haben durch ihre hohe Schwingung die Kraft, unsere menschliche Schwingung zu erhöhen und unsere Kanäle für die Botschaften unseres spirituellen Selbst zu öffnen und unsere Persönlichkeit mit den Tugenden, die wir nötig haben, zu überfluten und dadurch die Charaktermängel auszuwaschen, die unsere Leiden verursachen. (...) Sie heilen nicht  dadurch, dass sie die Krankheit direkt angreifen, sondern dadurch, dass sie unseren Körper mit den schönen Schwingungen unseres Höheren Selbst durchfluten, in deren Gegenwart Krankheit hinwegschmilzt wie Schnee an der Sonne.“ Bach ist davon überzeugt, dass die Einnahme der Blüte bzw. der Blütenmischung einen Impuls auf die menschliche Energie auslöst: Die disharmonische Schwingung im menschlichen Körper wird von der höheren Schwingung der Blütenessenz überlagert. Bei wiederholter regelmäßiger Einnahme wird so allmählich eine Harmonisierung eingeleitet; die negative seelische Haltung löst sich schließlich auf, und der Mensch hat wieder die Möglichkeit, positiv zu reagieren. Die Wirkung spielt sich also nicht auf der physischen Ebene des Körpers sondern auf dem so genannten „energetischen Feld“ ab- behaupten die Anwender. Was das „energetischen Feld“ ist weiß niemand so genau. Es wird meist mit (primitiven Vorstellungen von) der Psyche gleichgesetzt. Ferner konzipierte Bach 38 Blütenkonzentrate, die grundsätzlich eine höhere Schwingungsfrequenz als die negativen Aspekte der seelischen Reaktionsmuster haben.  Die Bach-Blütentherapie ist medizinisch und rational nicht begründbar. Sie wird dem Spirituellen zugeordnet. Es handelt sich um eine sogenannte Plazebotherapie.


Balint-Gruppe
(Michael B. Arzt, Psychotherapeut, 1896-1970, Budapest, England). Kleiner Kreis sich regelmäßig zusammenfindender Ärzte, Psychologen oder Pädagogen, die anhand einschlägiger Fälle aus der eigenen Praxis im gegenseitigen Gespräch unter Leitung eines Psychotherapeuten die psychodynamischen Zusammenhänge zwischen Arzt und Patienten aufzuhellen suchen, um Fehlbeziehungen abzubauen und Spannungen zu beseitigen.


Balintsyndrom
1909 berichtete Reszö Bálint über einen Patienten, der nach zweimaligen, plötzlichen Schwindelanfällen (bei vollem Bewusstsein) deutliche Sehstörungen sowie Probleme in der Kontrolle seiner dominanten rechten Hand bemerkte, infolge derer er weder lesen noch schreiben konnte und zahlreiche Probleme bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten hatte. Der japanische Augenarzt Tatsuji Inouye hatte bereits zuvor unabhängig davon an Soldaten des Boxeraufstandes 1900 und des Russisch-Japanischen Krieges 1904–5 ähnlich Symptome in einer deutschen Veröffentlichung beschrieben. Gordon Holmes beschrieb später 6 Soldaten mit Schussverletzungen, die zu einem ähnlichen Syndrom geführt hatten . Die Benennung erfolgte 1954 durch Hécaen und De Ajuriaguerra in einer eigenen Beschreibung von 4 Patienten um den ungarischen Neurologen Balint zu ehren, manchmal wird es auch Balint Holmes Syndrom genannt. Balint stellte folgende Symptome als typisch für das von ihm beschriebene Syndrom heraus: 1. die Unfähigkeit, die verschiedenen einzelnen Elemente, die eine visuelle Szene zusammensetzen, als Ganzes wahrzunehmen (räumliche Störung der Aufmerksamkeit oder Simultanagnosie = pathologische Fokussierung der Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand, Störungen der räumlichen Orientierung), 2. eine Störung von Handbewegungen unter visueller Kontrolle (Visuomotorische oder optische Ataxie) und 3. die Unfähigkeit zielgerichtete Augenbewegungen auszuführen (Störung der visuellen Aufmerksamkeit, die Augen können nicht gezielt auf neue Reize gerichtet werden, Störung der intentionalen Exploration des Raumes, Seelenlähmung des Schauens). Balints Patient hatte ein linksseitiges Hemineglektsyndrom: er nahm Annäherungen von links oder von hinten nicht wahr, sein Aufmerksamkeitsfokus war um 35-40° ins rechte Halbfeld verschoben. Wenn er aufgefordert wurde nach links zu schauen, konnte er dort im Augenblick auch sofort und immer dargebotene Objekte sehen und erkennen, aber die Aufmerksamkeit für die linke Seite ließ dann sofort nach. Es kommt beim Balintsyndrom durch beidseitige Parietalhirnläsionen zum Verlust der Reizentdeckung, der visuellen Exploration und Orientierung im gesamten Gesichtsfeld da die okulomotorischen Such- und Abtastbewegung stark beeinträchtigt sind. Balint-Syndrom ist eine ebenso seltene wie schwerwiegende neurologische Erkrankung, welche die betroffenen Personen derartig einschränkt, dass sie sich oft wie Blinde bewegen. Das erstmals von R. Balint beschriebene und nach ihm benannte Krankheitsbild tritt zumeist nach bilateralen posterior-parietalen Läsionen vaskulärer und demyelinisierender Art auf. Auch bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankeit und im Rahmen von HIV- Infekten tritt es gehäuft auf. Da es sich um ein seltenes Syndrom handelt, besteht die Literatur überwiegend aus Falldarstellungen. Aktuelle Studien gehen eher davon aus, dass die einzelnen Defekte nicht unbedingt gemeinsam auftreten müssen und untersuchen deshalb meistens die Einzelaspekte des Syndroms. Die Existenz als Syndrom wird zudem in Frage gestellt, so lässt sich eine Simultanagnosie von einer optischen Ataxie abgrenzen, Okuläre Apraxien kommen auch ohne visuospatiale Defizite vor, sind umgekehrt selbst auch bei dem Syndrom oft nicht vorhanden. Smultanagnosie und optische Ataxie gelten in der neueren Literatur als weite Kategorien, die sich aus anderen mehr spezifischen Defekten zusammensetzen. Viele der Patienten, die mit einem Balintsyndrom beschrieben wurden, weisen zudem Verhaltensauffälligkeiten auf, was die Testung erschwert und die Aussagekraft der Tests einschränkt.
M Rizzo, S P Vecera, Psychoanatomical substrates of Bálint’s syndrome, J Neurol Neurosurg Psychiatry 2002;72:162–178


Balken
:eine die beiden Großhirnhälften verbindende Masse querverlaufender markhaltiger Nervenfasern, er wird unterteilt in Rostrum (Schnabel), Genu (Knie), Truncus (Stamm) u. Splenium (Hinterende). Das Volumen des Balkens ist parallel zur Kommunikation der Hirnhälften. Frauen haben in der vorderen Balkenregion durchschnittlich mehr Fasern, was durch NMR- Studien gemessen werden kann. Dies korrespondiert mit den besseren verbalen Fähigkeiten von Frauen und der besseren Performance in neuropsychologischen Tests


Ballismus
(von Herumhüpfen, Tanzen). Wie bei der Chorea handelt es sich auch hierbei um schnelle Kontraktionen wechselnder Muskelgruppen, jedoch proximal betont, so dass grobe Schleuderbewegungen resultieren, bei denen die Patienten den Halt verlieren und hinfallen können. Möglicherweise handelt es sich um eine Extremform der Chorea. Die Patienten berichten meist über eine plötzlichen oder subakuten Beginn der Symptome auf einer Körperhälfte. Die Bewegungen sind immer unwillkürlich, unregelmäßig, von großer Amplitude und folgen meist keinem eigentlichen Muster. Meist sind Arm und Bein gleichzeitig betroffen, das Gesicht ist nur in der Hälfte der Fälle betroffen. Bei Willkürbewegungen nimmt die Symptomatik zu, bei Entspannung ab im Schlaf hört sie auf. Patienten nehmen deshalb oft irrtümlich an, dass ein (kurzes) Nachlassen während entspannenden Behandlungen wie Kraniosakraltherapie oder Akupunktur zu einer Heilung beitrage. Die ballistische Hyperkinese kommt fast stets als Hemiballismus (nur eine Körperhälfte betreffend) vor, selten auch als Monoballismus (nur eine Gliedmaße betreffend). Vor allem Schädigungen des Nucleus subthalamicus und dessen Verbindungen zum Pallidum durch Schlaganfälle (aber auch andere Ursachen) sind verantwortlich. Auch ein-/oder beidseitige Schädigungen des Putamen und/oder N. caudatus können ursächlich sein. Die Ursache der Basalganglienschädigung kann aber vielfältig sein Berichtet wird über Tumore, Gefäßmissbildungen, Tuberöse Sklerose, systemischen Lupus erythematosus (meist mit Antiphospholipidsyndrom), andere Vaskulitiden, nach Schädeltrauma, Influenza A Infektion, neurochirurgischen Eingriffen am Kopf, Hypokalzämie, Schilddrüsenunterfunktion. Bei der AIDS- Behandlung ist ein Fall durch Hypoglykämie bei Pentamidinbehandlung berichtet, der nach Absetzen reversibel war. Eine Auslösung durch Antiepileptika oder Neuroleptika ist 1ebenfalls möglich. Ein Auftreten im Rahmen von Miller Fisher und Guillain-Barré Syndromen wird berichtet. Toxische Ursachen wie z.B. Quecksilber, Mangan, Zyanid, CO, Methanol sind möglich. Auch allgemein beim Diabetes mellitus mit Hyperglykämie wird ein vermehrtes Vorkommen berichtet. Hyperviskosität wird dabei als Ursache diskutiert. Infekte können ebenfalls ursächlich sein (meist im Rahmen einer Meningitis). Ein Auftreten unter der Pille oder in der Schwangerschaft ist ebenfalls berichtet. Es wird teilweise diskutiert, ob Ballismus nicht eine Sonderform der Chorea ist. Dies gründet auch auf der Beobachtung, dass bei Besserung des Ballismus oft eine Chorea übrig bleibt. Die Patienten sind in der Regel schwer beeinträchtigt, sie verletzen sich oft im Rahmen ihrer Bewegungsstörung, es resultiert eine massive Erschöpfung, Lungenentzündungen sind bei den Patienten häufig, auch ein Herzversagen kann die Folge sein. Die Bewegungsstörung ist durch Behandlung oft zu bessern, dadurch treten dann auch weniger Komplikationen auf. Wenn die Grunderkrankung behandelbar ist, sollte diese zuerst behandelt werden. Es gibt keine speziell dafür zugelassene Medikamente, so dass Behandlungen "off label." als Heilversuch stattfinden müssen. Clonazepam und bestimmte Neuroleptika sollen wirksam sein. In sehr schweren Fällen kommen operative Eingriffe (z.B. Thalamotomie) in Betracht,

Videos bei Google HEMIBALLISMUS

B.-C. Lee, S.-H. Hwang, and G. Y. Chang, Hemiballismus-hemichorea in older diabetic women: A clinical syndrome with MRI correlation Neurology, February 1, 1999; 52(3): 646 - 646. [Abstract] [Full Text] M Odaka, N Yuki, and K Hirata Bilateral ballism in a patient with overlapping Fisher's and Guillain-Barre syndromes J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, August 1, 1999; 67(2): 206 - 208. [Abstract] [Full Text] J. L Janavs and M. J Aminoff Dystonia and chorea in acquired systemic disorders J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, October 1, 1998; 65(4): 436 - 445. [Full Text] K. Chu, D.-W. Kang, D.-E. Kim, S.-H. Park, and J.-K. Roh Diffusion-Weighted and Gradient Echo Magnetic Resonance Findings of Hemichorea-Hemiballismus Associated With Diabetic Hyperglycemia: A Hyperviscosity Syndrome? Arch Neurol, March 1, 2002; 59(3): 448 - 452. [Abstract] [Full Text] [PDF] J. L Janavs and M. J Aminoff Dystonia and chorea in acquired systemic disorders J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, October 1, 1998; 65(4): 436 - 445. [Full Text] Pascal Grosse, Antiepileptikainduzierte Störungen des motorischen Systems Akt Neurol 2002; 29: 8-11


Bandscheibenvorfall
Bandscheiben-Protrusion: Vorwölbung des Gallertkerns in den intakten Faserring <-> Bandscheiben-Prolaps oder Vorfall: Vorwölbung des Gallertkerns in den nicht mehr intakten bzw. durchbohrten Faserring Bandscheiben-Sequester: abgerissene Anteile des Gallertkerns im Wirbelkanal Dorso-lateraler (hinterer seitlicher) Prolaps führt zum Druck auf eine Nervenwurzel und zu Ausfallserscheinungen in dem von dieser Nervenwurzel versorgten Hautgebiet oder Muskel medio-lateraler (mittig- seitlicher) Prolaps führt manchmal „nur“ zu Rückenschmerzen kann aber auch wie oben zu den selben Ausfallserscheinungen führen. Dies hängt von der Weite des zur Verfügung stehenden Platzes im Wirbelkanal ab. medialer (mittlerer) Prolaps: je nach Größe des Vorfalls „nur“ Rückenschmerzen oder Ausfälle wie oben, oder wenn eine starke Einengung erfolgt auch schlimme Ausfälle mit Blasen und Darmentleerungsstörungen, was glücklicherweise sehr selten ist, dann aber ein medizinischer Notfall ist. Ein Bandscheibenvorfall ist nur mit einer Kernspin- oder Computertomographie nachzuweisen. Auf Nativ-Röntgenaufnahmen ist lediglich eventuell eine Verschmälerung des Bandscheibenraumes zu erkennen. Eine Computertomographie ist erst dann indiziert, wenn auch entsprechende Nervenausfallserscheinungen oder Muskellähmungen vorliegen und/oder eine Operation geplant ist. (OLG Schleswig, Urt.v. 25.11.1992, 4U56/90) Genaueres siehe unter Bandscheibenvorfall


Baranyscher Zeigeversuch
Den Zeigefinger des hochgehobenen und gestreckten Armes soll der Patient nach vorausgegangenen Zielübungen unter Augenkontrolle, dann nach Augenschluß langsam von oben her senkrecht auf ein Ziel hin senken. Bei peripheren Vestibularisstörungen wird dabei ein Vorbeizeigen nach der kranken Seite als Auswirkung einer gestörten Koordination gesehen. Pathologisch auch bei Kleinhirnerkrankung.


Barkhof MRI (Kernspin) Kriterien der MS
Kriterien, die anhand des Kernspinbildes beim ersten Schub die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer MS nachweisen, wenn mindestens 3 von 4 erfüllt sind. (a) mindestens eine Gadoliniumaufnehmende Läsion oder mindestens 9 Läsionen in T2-gewichteten Bildern, (b) mindestens 3 periventrikuäre Läsionen, (c) mindestens eine juxtacorticale Läsion, und (d) mindestens eine infratentoriale Läsion
Barkhof F, Filippi M, Miller DH, et al. Comparison of MRI criteria at first presentation to predict conversion to clinically definite multiple sclerosis. Brain. 1997;120:2059-2069  D. Kidd, F. Barkhof, R. McConnell, P. R. Algra, I. V. Allen, and T. Revesz Cortical lesions in multiple sclerosis Brain, January 1, 1999; 122(1): 17 - 26. [Abstract] [Full Text] J. Sastre-Garriga, M. Tintore, A. Rovira, C. Nos, J. Rio, A. J. Thompson, and X. Montalban Specificity of Barkhof Criteria in Predicting Conversion to Multiple Sclerosis When Applied to Clinically Isolated Brainstem Syndromes Arch Neurol, February 1, 2004; 61(2): 222 - 224. [Abstract] [Full Text] [PDF] A. Minneboo, F. Barkhof, C. H. Polman, B. M. J. Uitdehaag, D. L. Knol, and J. A. Castelijns, Infratentorial Lesions Predict Long-term Disability in Patients With Initial Findings Suggestive of Multiple Sclerosis, Arch Neurol, February 1, 2004; 61(2): 217 - 221.[Abstract] [Full Text] [PDF] C M Fox, S Bensa, I Bray, and J P Zajicek The epidemiology of multiple sclerosis in Devon: a comparison of the new and old classification criteria J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, January 1, 2004; 75(1): 56 - 60.  [Abstract] [Full Text] [PDF] D. L. Arnold and P.M. Matthews MRI in the diagnosis and management of multiple sclerosis Neurology, April 23, 2002; 58(90084): S23 - 31. [Abstract] [Full Text] J. C. J. Bot, F. Barkhof, G. L. a Nijeholt, D. van Schaardenburg, A. E. Voskuyl, H.  J. Ader, J. A. L. Pijnenburg, C. H. Polman, B. M. J. Uitdehaag, E. G. J. Vermeulen, and J. A. Castelijns Differentiation of Multiple Sclerosis from Other Inflammatory Disorders and Cerebrovascular Disease: Value of Spinal MR Imaging Radiology, April 1, 2002; 223(1): 46 - 56. [Abstract] [Full Text] [PDF] P. A. Brex, O. Ciccarelli, J. I. O'Riordan, M. Sailer, A. J. Thompson, and D. H. Miller A Longitudinal Study of Abnormalities on MRI and Disability from Multiple Sclerosis N. Engl. J. Med., January 17, 2002; 346(3): 158 - 164.  [Abstract] [Full Text] [PDF] P A Brex, K A Miszkiel, J I O'Riordan, G T Plant, I F Moseley, A J Thompson, and D H Miller Assessing the risk of early multiple sclerosis in patients with clinically isolated syndromes: the role of a follow up MRI J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, March 1, 2001; 70(3): 390  - 393. [Abstract] [Full Text]



Barorezeptorenreflex
Der Barorezeptorenreflex (Baro = Druck) hat entscheidenden Anteil an der Konstanthaltung der Herz-Kreislauf-Regulation besonders bei akuter orthostatischer Belastung. Der arterielle Baroreflex fungiert als negatives Feedback-System der Blutdruck- und Herzfrequenzregulation. Die Stimulation der Barorezeptoren vor allem im Karotissinus und Aortenbogen durch Blutdruckanstieg bzw. das abrupte Aussetzen dieser Stimulation bei Blutdruckabfall werden über die Nervi glossopharyngeus und vagus an den Nucleus tractus solitarii vermittelt und über weitere zentrale Schaltstellen wie den Nucleus ambiguus, die rostrale ventrale Medulla oblongata, den dorsalen Vaguskern, parabrachiale und paraventrikuläre Kerne efferent parasympathisch zum Herzen und sympathisch zum Herzen und den peripheren Gefäßen geleitet. Der Regelkreis beantwortet Blutdruckanstieg mit Minderung des peripheren Sympathikotonus und Zunahme kardiovagaler Aktivität. Blutdruckabfall hat die umgekehrte Wirkung. Die Barorezeptoren zeigen ein proportional-differentielles Feuerungsverhalten mit Adaptation und Resetting sowie Hysteresisverhalten, d. h. stärkerer Feuerungsrate bei raschem Blutdruckanstieg als bei seiner Rückkehr zum Ausgangswert. Die Rezeptoren interagieren u. a. mit der Atmung, den Chemorezeptoren, physischer Belastung und untereinander. Das Zusammenwirken mit Chemorezeptoren ist z. B. bei chronischer Herzinsuffizienz, bei Schlafapnoe-Syndromen oder dem Sudden Infant Death Syndrom gestört und kann letale Komplikationen wie ungezügelte Bradykardien verursachen. Die exakte Beurteilung der Barorezeptoren gewinnt daher zunehmende Bedeutung für die Diagnose und das Verständnis pathophysiologischer Zusammenhänge bei zahlreichen neurologischen und kardiologischen Erkrankungen wie der diabetisch autonomen Neuropathie, dem Guillain-Barré-Syndrom, arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz und vermutlich bei allen „Stroke”-Patienten.. 
M.J. Hilz, B. Stemper, B. Neundörfer Physiologie und Untersuchungsmethoden des Baroreflexes, Fortschr Neurol Psychiatr 2000; 68: 37-47


Barratt- Impulsiveness-Scale

Typische Kriterien aus der Barratt- Impulsiveness-Scale

Motorische Impulsivität

Ich handele oft aus dem Augenblick heraus.

Ich gehe und bewege mich hastig.

Ich tue die meisten Dinge ohne groß nachzudenken.

Kognitive Impulsivität

Ich entscheide mich schnell.

Ich denke sorgfältig über die Dinge nach.

Ich kann mich zur selben Zeit nur einem Problem widmen.

Nichtplanende Impulsivität

Ich interessiere mich mehr für die Gegenwart als für die Zukunft.

Ich plane meine Vorhaben sorgfältig.

Ich nehme alles auf die leichte Schulter.



Basalganglien
Die Basalganglien sind dazu da, willentliche Bewegungen zu erleichtern, indem sie störende andere Bewegungen hemmen. Dysfunktionen dieser Regelkreise können zu Bewegungsstörungen führen, dabei können die Willkürbewegungen gestört sein oder unwillkürliche Bewegungen auftreten oder beides gleichzeitig. Modelle der Regulation der Bewegung über die Basalganglien spielen eine wesentliche Rolle im modernen Verständnis von Bewegungsstörungen. Warum bestimmte Schäden in den Basalganglien eine Chorea, andere eine Dystonie und andere Tics auslösen wird aber noch nicht verstanden. Struktur und Funktion der Basalganglien sind komplex und werden von der Hirnforschung insgesamt noch nicht völlig verstanden. Unter Basalganglien versteht man im allgemeinen jene grauen Kernmassen innerhalb der weißen Substanz des Telenzephalons, die aus dem Ganglienhügel des Keimlings hervorgegangen sind und funktionell zusammengehören. Es sind dies der Nucleus caudatus (Schweifkern), das Putamen (Schalenkern), ferner das Claustrum sowie das Corpus amygdaloideum. Nicht alle Forscher stimmen überein, welche Kerngebiete den Basalganglien zuzuordnen sind. Überwiegend wird aber der N. subthalamikus und die Substantia nigra ebenfalls den Basalganglien zugeordnet. Manche ordnen auch den Nukleus ruber den Basalganglien zu. Der Nucleus caudatus sowie das Putamen, die zusammen auch als Neostriatum bezeichnet werden, sind ein wichtiger Bestandteil des extrapyramidalen Systems. Dazu zählt auch der Globus pallidus, der sich aus einem inneren und einem äußeren Glied zusammensetzt. Da er phylogenetisch ein älteres Kerngebiet darstellt, wird er auch als Paläostriatum bezeichnet, das zumindest teilweise dem Dienzephalon zugehört. Putamen und Globus pallidus werden zusammen auch als Nucleus lentiformis (Linsenkern) bezeichnet. Zum extrapyramidalen System werden auch Kerne des Mesenzephalon, nämlich die Substantia nigra sowie der Nucleus ruber, ferner der Nucleus subthalamicus des Dienzephalon hinzugezählt. Der Globus pallidus grenzt kaudal an den rostralen Anteil der Substantia nigra. Das Pallidum wie auch die Substantia nigra und der Nucleus ruber sind stark eisenhaltig. Die dunkle Färbung der Substantia nigra wird durch den Gehalt an Melanin hervorgerufen. Zu den eigentlichen Basalganglien, die eine Funktion innerhalb des extrapyramidalen Systems innehaben, werden nach manchen Autoren nur der Nucleus caudatus, das Putamen sowie der Globus pallidus gerechnet. Da der Nucleus caudatus sowie das Putamen durch zahlreiche streifenförmige Zellbrücken miteinander in Verbindung stehen, haben sie den Namen Corpus striatum (Streifenkörper) erhalten Der Nucleus caudatus folgt in seinem Verlauf dem Seitenventrikel. Der Kopf bildet die mediale Wand des Seitenventrikels. Das sich verjüngende Schweifende befindet sich schließlich am Dach des Unterhorns im Schläfenlappen und reicht rostral bis an das Corpus amygdaloideum heran. Auf manchen Frontalschnitten erscheint der Nucleus caudatus daher zweimal, und zwar dorsal am äußeren Rand des Seitenventrikels und basal oberhalb des Unterhorns im Schläfenlappen. In ihren rostralen Anteilen gehen Nucleus caudatus und Putamen ineinander über. Das Putamen umgibt schalenförmig den blassen Globus pallidus, den er rostral und kaudal überragt. Nach lateral ist das Putamen durch die Capsula externa vom Claustrum getrennt. Medial wird das Putamen durch eine dünne Faserschicht, der Lamina medullaris medialis, vom Pallidum abgegrenzt. Die Faserzüge der Capsula interna werden medial vom Nucleus caudatus und Thalamus, lateral vom Putamen und Pallidum begrenzt. Zwischen Claustrum und Inseirinde findet sich die Capsula extrema. Sie enthält u.a. Assoziationsfasern, die die Hörregion im Temporallappen mit der primär motorischen und prämotorischen Rinde verbinden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei Bewegungsstörungen wie dem Tremor, Schiefhals, Dystonien.. vermutlich aber auch in der Psychiatrie wie bei Zwangskrankheiten. (nach Duus neurologisch topische Diagnostik, Thiemeverlag). Neuere Methoden der Darstellung des menschlichen Gehirnstoffwechsels mit funktionellen Kernspintomographien, PET und SPECT ermöglichen die Darstellung der Hirnfunktion am lebenden kranken wie gesunden Menschen. Die meisten Informationen über die Funktion von Hirngebieten und von Verbindungen zwischen Hirngebieten kommt aber immer noch aus der Beobachtung von Hirnschädigungen bei Menschen. Die Parkinsonsche Erkrankung ist ein Beispiel für eine Schädigung der Basalganglien. Geschädigt sind hier die Nervenzellverbindungen die die Substantia nigra und das Putamen verbinden. Am auffallendsten ist bei der Erkrankung die Verarmung der Bewegungen (Bradykinese, Akinese, Hypomimie, fehlendes Mitschwingen der Arme). Auffallend ist auch die Starthemmung, die Patienten haben Schwierigkeiten die ersten Schritte zu machen, einmal in Gang gekommen oder mit der Unterstützung von Marschmusik oder eines Laserstrahl am Boden ist manchmal dann ein normales Gangbild möglich. Ein Parkinsontremor ist nur in Ruhe vorhanden und verschwindet im Gegensatz zum Tremor bei Kleinhirnschädigungen bei Bewegung sofort. Ähnlich scheinen auch die emotionalen Symptome eher mit einer Verlangsamung zusammenzuhängen. Depression, Verlangsamung, ein manchmal zäher Perfektionismus und Antriebsmangel sind die häufigsten emotionalen Begleiter der Erkrankung. Andere Erkrankungen der Basalganglien führen zu eher gegenteiligen Symptomen. Dystonien, Ballismus, Athetose und Chorea sind ebenfalls Folge einer Schädigung der Basalganglien und eines Ungleichgewichtes im Dopaminsystem. Bei diesen Erkrankungen kommt es zu einem Zuviel an Bewegung. Die Basalganglienerkrankungen verursachen Bewegungsstörungen die mit der Initiierung und strategischen Planungen von Bewegungen (oder deren Verlust) zusammenhängen, oder Bewegungsstörungen die unbeabsichtigte überschießende Bewegungen beinhalten. Dies gilt besonders für geplante Bewegungen, also nicht unbedingt für automatisierte auf einen externen Stimulus ablaufende Bewegungen. Die Planung der Bewegungen ist hierbei gestört. Hierarchisch handelt es sich dabei also um eine höhere Ebene der Bewegungskontrolle. Im Gegensatz dazu führen Schädigungen des Kleinhirns zu Störungen in der Ausführung von Bewegungen bei ungestörter Initiation der Bewegung. Das Kleinhirn übersetzt diese Bewegungen automatisch in geglättete Handlungssequenzen unter Berücksichtigung der Rückkoppelung aus der Peripherie. Schädigungen der Hirnrinde führen hierarchisch zu noch niedrigeren Störungen mit einfachen Schwächen oder Lähmungen. Die motorische Hirnrinde gibt in der Hierarchie dann die Kommandos für die detailliertere Ausgestaltung der Bewegung, hier erfolgen die Kommandos für die Abstimmung der notwendigen Kraft. Die Basalganglien spielen im Belohnungssystem des Gehirns (Ich- fühl- mich gut System) eine entscheidende Rolle. Hier besonders der Nucleus accumbens. Dopaminerge Neurone spielen damit beim Glücksgefühl eine entscheidende Rolle. Mitbeteiligt ist hier der präfrontale Cortex, der Hippokampus, die Amygdala, das anteriore Cingulum und die Inselregion. Der Hirnstamm spielt eine wesentliche Rolle in der Kontrolle des körpereigenen Opioidsystems. Mit beteiligt ist hierbei auch dass anteriore Cingulum. Eine Aktivierung dieser Hirnregionen ist bei Gabe von Opiaten genauso nachweisbar wie bei eintretender Plazebowirkung. Am deutlichsten ist diese Plazebowirkung für jeden in der alltäglichen Erfahrung sichtbar bei Kindern, die sich verletzt haben. Obwohl eine oft blutende Wunde zurückbleibt, die offensichtlich weh tun müsste, lässt der Schmerz oft schnell nach einem Trost der Mutter nach. Dabei hat die Mutter nicht nur das Kind beruhigt und ihm die Sicherheit gegeben, dass nichts schlimmes passiert ist, sie hat auch für das Kind die Bedeutung des Schmerzes relativiert. Wir Erwachsenen müssen uns meist selbst beruhigen und die Bedeutung des Schmerzes selbst einordnen. Dabei kann es auch ohne Hilfe von außen gelingen, den Schmerz zu relativieren. Nicht nur psychologische Beobachtungen auch funktionelle Kernspinbilder beweisen, dass alleine die Aufmerksamkeit auf ein anderes Geschehen zu lenken (Ablenkung) den Schmerz reduziert. Tutorial on Basal Ganglia Erkrankungen der Basalganglien auch bei www.wemove.com



Basedow-Krankheit
Schilddrüsenfunktionsstörung, die zu einer Überproduktion des Hormons Thyroxin führt. Die beschleunigten Stoffwechselprozesse können zu Ruhelosigkeit, Reizbarkeit und Angst führen


Basilaristhrombose
Ein akuter Verschluss der A. basilaris (BA) kann durch eine Embolie oder durch thrombotische Auflagerungen bei vorbestehender Arteriosklerose entstehen. Unbehandelt ist die Basilaristhrombose mit einer Letalität von 80–90 % behaftet. Kann durch eine thrombolytische Therapie eine Rekanalisation des Verschlusses erreicht werden, sinkt die Mortalität auf etwa 50 %. Ob eine thrombolytische Therapie systemisch oder lokal (intraarteriell) erfolgen sollte, kann derzeit noch nicht entschieden werden.


Bauchhautreflexe
löst man aus durch leichtes Bestreichen der vier abdominalen Quadranten mit einer Nadel. Diese Reflexe sind bei zentralen Schädigungen meistens abgeschwächt; ebenso aber auch bei Dickleibigkeit oder schlaffen Bauchmuskeln, z.B. nach einer Schwangerschaft


Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn
Der Kranke erlebt ich selbst als Ziel von Feindseligkeiten und fühlt sich meist bedroht. Er glaubt, dass er gekränkt, beleidigt, verspottet, verhöhnt, wird, man ihn bestohlen hat und überwacht, ihn vergiften will oder umbringen will. Der Querulantenwahn ist eine besondere Form des Beeinträchtigungswahnes, wobei meistens eine Kränkung und der daran anschließende Kampf ums Recht beherrschend sind. (Michael Kohlhaas Syndrom nach Heinrich von Kleists Novelle)


Beers Kriterien
1991 von Beers et al. veröffentlichte und inzwischen mehrfach verbesserte Kriterien, die Medikamente für die Verschreibung im Altenheim und Pflegeheim für inadäquat erklären. Ursprünglich nur für Heimbewohner gedacht, werden diese Kriterien inzwischen auch allgemein für Verschreibungen im Alter angewendet. Sie enthalten 28 Medikamente oder Medikamentenklassen, die bei alten Menschen nicht verordnet werden sollten. Die Nebenwirkungen von 14 der 28 Medikamente werden als potentiell schwer eingestuft. Sie enthalten weitere 35 Medikamente oder Medikamentenklassen, die bei alten Menschen unter bestimmten Bedingungen (Begleiterkrankungen etc.) nicht verordnet werden sollten. Bei einer Analyse von Verordnungsdaten erhielten 80.3% der Betroffenen ein Medikament, das auf der Liste stand, bei 15.7% waren es zwei bei 4.0% drei. Bei einer Untersuchung der Verordnungen von 765 423 Patienten erhielt jeder 5. Medikamente, die man im Alter vermeiden sollte, jeder 20. erhielt gleich 2 solcher Medikamente in einem Jahr. Kostengesichtspunkte dürften dabei ein wesentliches Element sein. Mit am häufigsten finden sich Verordnungen von Trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin oder Doxepin (31 598 (19.5%)) Antidepressiva waren alleine für fast ein Viertel der unnötig gefährlichen Verordnungen verantwortlich. Die Alternativen wie SSRI oder andere moderne besser verträgliche Antidepressiva sind teuerer aber sie beinhalten wesentlich weniger Gefahren. Auch andere Psychopharmaka für die es deutlich besser verträgliche aber etwas teurere Alternativen gibt wie Chlordiazepoxid, Diazepam, Flurazepam etc. finden sich unter den Rennern der unnötig gefährlichen Verordnungen für alte Menschen.

Eine neue Studie kommt allerdings zum Schluss, dass die ín den Beerskriterien genannten Medikamente bei Menschen über 65 Jahren nur selten (3.6%) für einen Intensivstationsaufenthalt verantwortlich sind. Als besondere Gefährung für Ältere erwiesen sich hingegen Markumar, Insulin, und Digoxin. Obwohl diese 3 Medikamentenklassen nur 9.4% der ambulanten Verordnungen ausmachen, sind sie für über die Hälfte der Medikamentennebenwirkungen, die zu Intensivstationsaufenthalten bei Älteren führen, verantwortlich. - Je geringer der Abstand zwischen toxischer Dosis und therapeutischer Dosis, je mehr Überwachung ein Medikament erfordert, umso ungünstiger ist es im Alter. Daniel S. Budnitz et al., Medication Use Leading to Emergency Department Visits for Adverse Drug Events in Older Adults Ann of Int. Med 2007 147/11, 755-765
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Auch eine Expertenstudie, die die Medikation von 256 Patienten über 65 Jahren, die mit 3678 Medikamenten behandelt wurden, überprüfte, kam zu dem Ergebnis, dass nur bedingte Übereinstimmung zwischen den Beers- Kriterien oder den verwandten Zhan- Kriterien  und der Expertenauffassung im Einzelfall bestand. Das Expertenteam aus Ärzten und Pharmakologen stufte  563 oder 15% der Medikamente als problematisch ein, während 214 oder 6% der Medikamente nach den Beers- Kriterien und 91 (2,5%) nach den  Zhan- Kriterien als potenziell problematisch eingestuft wurden.  Statistisch zeigte sich im übrigen nur eine geringe Übereinstimung zwischen der Expertenmeinung und den entsprechenden Kriterien. 61% der Medikamente, die nach den Beers- Kriterien als ungeeignet eingestuft wurden und 49% der nach den Zhan- Kriterien als ungeeignet eingestuften Medikamente wurden von den Experten im konkreten Einzelfall als unproblematisch angesehen. Arch Intern Med 2009;169:1326-1332. ABSTRACT

Die Beers- Kriterien oder die Zhan- Kriterien sind nützliche Instrumente bei der primären Auswahl von Medikamenten bei einem speziellen Gesundheitsproblem. Als einziges Kriterium für die Verordnung im Einzelfall sind sie ungeeignet.

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