Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Dakryoadenitis
akute Entzündung der Tränendrüse Ursache: · Masern,· Mumps,· Grippe,· Streptokokkeninfektion,· Staphylokokkeninfektion,· Pneumokokken,· Resistenzminderung, Folge:· lokale Druckschmerz unterhalb des äußeren oberen Orbitarandes,· sogenannte Paragraphenform des Oberlides, Therapie:· feuchte Umschläge,· Antobiotikabehandlung· kein Eis und kein operativer Eingriff Dakryozystitis :Ursache:· meist Dakryostenose (meist kongenitale Atresie des Tränennasenganges) Folge:· mäßiger konjunktivaler Reizzustand· eitriges Sekret im Bindehautsack· reizfreie oder auch hochrote und schmerzhafte Schwellung unterhalb des unteren Lidbändchens Komplikation: · Tränensackphlegmone mit: - hochschmerzhafte Schwellung des nasalen Lidwinkels und des Unterlides - massive Eitersekretion Therapie: · Rekonstruktion des unteren Tränenkanals · der obere Tränenkanal gewährleistet keinen ausreichenden Abfluss · bei akut eitriger Dakryzystis keinesfalls Sondierung des Tränennasenganges wegen der Gefahr der Keimverschleppung · bei chronischer Dakryozystitis als Ursache rechtzeitige Dakryozystorhinostomie.


Dakrystisch
Ausbrüche von Weinen, z.B. bei einer Epilepsie.


Danon-Syndrom
lysosomale Speicherkrankheit, erbliche Stoffwechselstörung, auf dem X-Chromosom ist das Gen für LAMP-2, einem Protein der Lysosomen- Membran, beschädigt. Bei männlichen Kindern führt die Erkrankung oft bereits im Jugendalter und bei Frauen im vierten Lebensjahrzehnt zum Tode. Verzögerung der geistigen Entwicklung, Herzmuskelschwäche mit vergrößertem Herzen, schwache Rumpf-Muskulatur


Deduktion
Methodisches Schlussfolgern, bei dem aus allgemeinen Gesetzmäßigkeiten spezifische Sachverhalte abgeleitet werden. Deduktion ist das Gewinnen von Einzelerkenntnissen aus allgemeinen Theorien.


Defensive Medizin oder Defensivmedizin
Die Ausübung seines Berufes bringt für den Arzt nicht nur medizinische Gefahren, wie die Ansteckung mit einer gefährlichen Erkrankung, bedrohlicher sind für die meisten Ärzte die juristischen Gefahren des Berufes. Gemeint ist mit Defensivmedizin die Selbstverteidigung des Arztes vor tatsächlicher oder befürchteter Strafrechtshaftung und Schadensersatzforderungen seitens der Patienten, der Kostenträger, Selbstverwaltungsorgane .... Auch in Deutschland soll es jährlich mehr als 10.000 (nach manchen Angaben sogar über 30000) Schadensersatz- und Schmerzensgeldklagen geben. Jede auch noch so sorgfältige leitliniengerechte medizinische Behandlung ist ohne Zweifel mit erheblichen Risiken für die Patienten verbunden. Die Folgen ärztlicher Behandlung sind zwar in erster Linie Verbesserungen des Gesundheitszustandes des Patienten und die Verlängerung seines Lebens, dennoch zählen die Nebenwirkungen ärztlicher Behandlung zu den häufigen Ursachen für Beschwerden und sogar zu den häufigen Todesursachen. Die Folgen von Unterlassungen ärztlicher Behandlungen sind in der überwiegenden Zahl der Fälle sicherlich für die Patienten gravierender. 25 000 Todesfälle durch medizinische Fehlbehandlungen ("Kunstfehler") bei insgesamt 100 000 Medizinschäden pro Jahr in der Bundesrepublik vermutet der Allgemeine Patienten-Verband. Die Kontrolle der Ärzte wie die Klagebereitschaft von Kontrollorganen wie Patienten nimmt in verschiedensten Bereichen rapide zu. Budgetierung der Medikamente führt zur privaten Haftung des Arztes für die Ausgaben für die von ihm verschriebenen Medikamente. Angst vor dem Regress und vor Kunstfehlerprozessen und unrealistische Erwartungen der Patienten nach Massenmedienberichten prägen zunehmend die Medizin. Qualitätsmanagement, Weiterbildungsvorschriften, Budgetierung, Leitlinien, Kostendruck führen zu einer zunehmenden Regulierung und rechtlichen Festlegung ärztlichen Handelns. Es ist wahrscheinlich, dass manche Aspekte dieser defensiven Medizin bei uns ähnlich wie in den USA eine immer größere Bedeutung erlangen werden. Mehrer hunderttausend Dollar Haftpflichtprämie sind für manche Fachärzte in den USA bittere Realität. Bei einer Befragung von 824 amerikanischen Ärzten gaben fast alle (93%) an, dass sie defensive Medizin praktizieren. Sie überweisen Patienten unnötigerweise zu Zusatzuntersuchungen, die sie eigentlich für überflüssig halten (92%). 43% gaben an, deshalb an sich unnötige bildgebende Untersuchungen (wie Röntgenbilder) anfertigen zu lassen. Weit verbreitet ist auch die Behandlungsverweigerung dort wo ein besonders hohes Risiko für Versicherungsschäden gesehen wird. 42% der in Pennsylvania (Bundesstaat mit hohen Versicherungsprämien) befragten Ärzte gab an, in den letzten 3 Jahren ihre Praxis reduziert zu haben um insbesondere komplikationsträchtige Behandlungen aus ihrem Repertoire zu streichen. Patienten mit komplexen medizinischen Problem oder Patienten, die klagebereit erscheinen werden gemieden. Überdiagnostik im Rahmen der Defensivmedizin kann die Kosten in die Höhe treiben und selbst Komplikationen hervorrufen, Patienten mit schweren oder multiplen teuren Krankheiten werden bereits in Einzelfällen von Kliniken oder Ärzten wegen ausgeschöpftem Budget abgewiesen. Wenn Ärzte alles unterlassen würden, womit sie sich selbst einer juristischen Gefahr aussetzen, würden viele Patienten nicht oder nur sehr schlecht behandelt werden können. Viele Behandlungsmethoden sind umstritten, unterschiedliche Auffassungen zu einer bestimmten Behandlungsmethode können jeweils gut begründet sein, und die individuelle Situation des Patienten kann nicht auf alle Leitlinien zu seiner Diagnose passen. Neue Behandlungsmethoden würden bei defensivem Vorgehen keine Chance mehr haben ihren Nutzen zu beweisen. Dort wo durch Defensivmedizin die Sorgfalt bei der ärztlichen Behandlung steigt, ist sie dem Patienten wie dem Arzt gleichermaßen nützlich, dort wo sie zu übervorsichtiger Diagnostik und zur Ablehnung der Behandlung "teurer und riskanter" Patienten führt, ist sie für Patienten gefährlich. Die partnerschaftliche Einbeziehung des informierten Patienten in Behandlungsentscheidungen einschließlich ausführlicher Information über Behandlungsrisiken und das tatsächlich durch Behandlung Erreichbare sowie Fehlervermeidungskontrollen sind die sinnvollsten Alternativen zur Defensivmedizin.
JAMA. 2005;293:2609-2617. ABSTRACT
 


Degeneration
Entartung oder Untergang zellulärer Strukturen oder Funktionen infolge Schädigung der Zelle.


Déjà-entendu-Erlebnis
Erinnerungstäuschung im Bereich des Hörens (Paramnesie)


Déjà-vecu-Erlebnis
Erinnerungstäuschung im Bereich des Erlebens- schon einmal erlebt. (Paramnesie).


Déjà-vu-Erlebnis
Erinnerungstäuschung im Bereich des Sehens (Paramnesie). Es entsteht der fälschliche Eindruck, dass man ein Erlebnis bereits einmal identisch erlebt hätte. Das Phänomen ist manchmal in der Parapsychologie Anlass zu Spekulationen. Dèjá vu Erlebnisse treten häufig bei Temporallappenanfällen auf, und wurden auch durch die Stimulation der medialen Temporallappen bei gesunden Menschen ausgelöst. Sowohl eine Stimulation oder Schädigung des Hippocampus und der Amygdala wie auch eine Stimulation des entorhinalen und perirhinalen Cortex kann Dèjá vu Erlebnisse auslösen. Ursache ist möglicherweise eine verzögerte Weitergabe der Informationen der rechten (für räumliche Wahrnehmung zuständigen) Hirnhälfte an die linke Hirnhälfte (sprachlich dominante Hirnhälfte). Die fehlerhafte Abstimmung zwischen den Hirnhälften ist also die Ursache. Am häufigsten treten solche Phänomen krankhaft im Zusammenhang mit Epilepsien auf, meist liegt dann die Schädigung im Temporallappen. Déjà-vu-Erlebnisse, Déjà-vecu-Erlebnisse und Déjà-entendu-Erlebnisse können aber auch in Stresssituationen auftreten, ohne dass ein krankhafter Prozess im Gehirn vorliegt. Auch bei Patienten mit einer Schizophrenie finden sich häufig Schädigungen im entorhinalen Cortex, diese könnten für ein irrtümliches Gefühl der Vertrautheit bei Wahrnehmungen verantwortlich sein, neutrale Erlebnisse könnten so eine Bedeutung erlangen und Wahnvorstellungen begünstigen.


Dejerine-Spiller-Syndrom
mediale Medulla-oblongata-Läsion mit Ausfall des Nucleus N. hypoglossi (ipsilaterale Zungenlähmung), welche mit einer Läsion des ebenso medial lokalisierten Lemniscus medialis (kontralaterale Hemihypästhesie) und der basaler liegenden Pyramidenbahn (kontralaterale Hemiparese) kombiniert ist.


Delinquenz
=Straffälligkeit


Delirium oder Delir
Ein Delirium ist ein ätiologisch unspezifisches Syndrom, das charakterisiert ist durch gleichzeitig bestehende Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, der Psychomotorik, der Emotionalität und des Schlaf Wach Rhythmus. Es handelt sich damit um ein akutes organisches Psychosyndrom oder eine rückbildungsfähige (symptomatische) Psychose vom akuten exogenen Reaktionstyp.  Umgangssprachlich wird oft von einem Verwirrtheitszustand, akuter Verwirrtheit  oder Durchgangssyndrom gesprochen.

Ein Delirium ist eine akute zeitweise und in der Regel reversible psychische Störung (im Gegensatz zu einer Demenz, die sich schleichend und progredient entwickelt) mit signifikanter Verschlechterung verschiedener psychischer Funktionen. Stark vereinfacht könnte man ein Delirium auch einen akuten Verwirrtheitszustand nennen. Symptome sind Bewusstseinsstörungen, Veränderung kognitiver Funktionen, mit akutem Beginn und Fluktuieren der Symptomatik. Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus gehören in 90 % zu den auffallendsten Symptomen. Reversibel sind die Symptome wenn die zentrale Funktionsstörung nicht auch zu strukturellen Läsionen im ZNS geführt hat. Wichtig ist die akute sofortige Unterscheidung von einer Demenz. Letztere Unterscheidung ist insofern oft nicht einfach, als 22% bis 89% der stationär aufgenommenen Dementen zusätzlich ein Delirium haben. Fick DM, Agostini JV, Inouye SK. Bei Aufnahme ins Krankenhaus haben 14 bis 24% der über 65 jährigen ein Delir, die Zahlenangaben zum während des Krankenhausaufenthaltes erworbenen Delirium bei Älteren schwanken zwischen 6-56%. In 15-53% der Älteren tritt ein solcher Verwirrtheitszustand nach einer Operation auf, bei 70-87% der älteren Intensivstationspatienten ist ein Delirium vorhanden. Bis zu 83% aller Menschen müssen einen solchen Zustand im Sterben erleben. Ein Delirium wird mit den nachlassenden geistigen Fähigkeiten im Alter wahrscheinlicher. Umgekehrt wird ein Delirium aber besonders häufig bei jüngeren Menschen übersehen, dies geschieht besonders dann, wenn die Krankenhauseinweisung nicht von den ambulant behandelnden Ärzten erfolgt oder bei den Betroffenen eine psychische Störung vorbekannt ist. ( Swigart et al. Psychosomatics 2008 49:104-108).Ein Delirium vergrößert die Sterblichkeit bei und nach Krankenhausaufenthalten nach verschiedenen Studien erheblich. Zeitige Diagnose und Behandlung verbessern die Prognose deutlich. Arch Intern Med. 2005;165:1657-1662., The British Journal of Psychiatry 1982 140: 149-153 JAMA, April 14, 2004; 291(14): 1753 - 1762. The Annals of Pharmacotherapy: 2006. 40,/11, 1966-1973 Arch Intern Med. 2007;167(15):1629-1634.  JAMA. 2008;300(24):2898-2910

Nach den amerikanischen Leitilinien (APA) sollte unterschieden werden zwischen:

  • einem Delirium bei einer allgemeinen körperlichen Erkrankung
  • einem Substanz induzierten Delirium
  • einem Delirium mit multifaktoriellen Ursachen
  • und einem Delirium bei den die Ursache nicht angegeben oder bekannt ist.

Delire zeigen oft lebensbedrohliche Situationen an. In den USA geht man davon aus, dass Delire für die Hälfte aller Krankenhaustage bei älteren Patienten verantwortlich sind. Ein Delirium tritt als Komplikation jedes 5. Krankenhausaufenthaltes bei über 65 jährigen auf, in den USA geht man von Kosten von $2,500 pro Patient und ungefähr $6.9 Milliarden Dollar Kosten pro Jahr für die Versicherung Medicare alleine für die Kosten im Krankenhaus aus. Hinzukommen daraus folgende Heimkosten, Rehakosten und die anschließende Versorgung zu hause. (N Engl J Med 2006;354:1157-65). Delirien können bei Personen ohne vorbestehende intellektuelle Einbußen auftreten, häufiger liegt jedoch bereits eine Erkrankung oder Vorschädigung des Gehirns vor. Ein Delirium ist gewöhnlich ein akutes, nicht ein unmerklich beginnendes Syndrom. Ein Delirium ist eine Störung der Erkennung und initialen Verarbeitung von Information, die Demenz ist gekennzeichnet durch Beeinträchtigung von Erinnerung und Erkennung. Delire sind häufig die ersten und nicht ganz selten auch die einzigen Zeichen einer schweren körperlichen Erkrankung. Bei hochgefährdeten Patienten kann eine Delirium durch eine Kleinigkeit, wie eine einzige Schlaftablette ausgelöst werden. Bei weniger gefährdeten Patienten entwickelt sich ein Delirium meist nur als Komplikation verschiedener gleichzeitig auftretender Stressfaktoren wie beispielsweise Narkose, großer operativer Eingriff und zusätzliche Psychopharmakagabe. Entsprechend muss in der Regel nach verschiedenen Ursachen gesucht werden. (s.u.) Insbesondere anticholinerge Medikamenten können Delirien auslösen, bei Menschen mit einem Delirium ist die anticholinerge Aktivität im Serum erhöht, Cholinesterasehemmer scheinen auch bei Delirien, die nicht durch Medikamente verursacht wurden eine gewisse Besserung zu bewirken. Aus diesen Gründen nimmt man an, dass ein cholinerges Defizit an den Neuronen im Gehirn bei der Entstehung von Delirien eine Rolle spielt. Auch ein Dopaminüberschuss kann auslösend sein- was erklärt warum Neuroleptika wirksam in der Behandlung sind.

Diagnostische Kriterien des Delirs nach ICD−10 (F05)

A. Bewusstseinsstörung
verminderte Klarheit in der Umgebungswahrnehmung
Wahrnehmungsstörungen
reduzierte Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu fokussieren, aufrechtzuerhalten und umzustellen

B. Störung der Kognition, manifestiert durch zwei Merkmale
Beeinträchtigung des Immediatgedächtnisses und des Kurzzeitgedächtnisses bei relativ intaktem Langzeitgedächtnis
Desorientiertheit zu Zeit, Ort und Person

C. Psychomotorische Störungen (mind. ein Merkmal)
rascher, nicht vorhersagbarer Wechsel zwischen Hypo− und Hyperaktivität
verlängerte Reaktionszeit
vermehrter oder verminderter Redefluss
verstärkte Schreckreaktion

D. Störung des Schlaf−Wach−Rhythmus (mind. ein Merkmal)
Schlafstörung, in schweren Fällen völlige Schlaflosigkeit, mit oder ohne Schläfrigkeit am Tage oder Umkehr des Schlaf−Wach−Rhythmus
nächtliche Verschlimmerung der Symptome
unangenehme Träume oder Alpträume, die nach Erwachen als Halluzinationen oder Illusionen weiter bestehen können

E. Plötzlicher Beginn und Tagesschwankungen des Symptomverlaufes

F. Objektiver Nachweis aufgrund Anamnese, körperlichen, neurologische und laborchemischen Untersuchung einer zugrunde liegenden zerebralen oder systemischen Krankheit, die für die klinischen Symptome unter A.- D. verantwortlich gemacht werden kann. Kommentar: Affektive Störungen wie Depression, Angst oder Furcht, Reizbarkeit, Euphorie, Apathie oder staunende Ratlosigkeit, Wahrnehmungsstörungen (Illusionen, Halluzinationen, meist optische) und flüchtige Wahnideen sind typisch, aber diagnostisch nicht spezifisch

Diagnostische Kriterien des Delirs nach DSM-IV

A. Bewusstseinsstörung (d. h. reduzierte Klarheit der Umgebungswahrnehmung) mit eingeschränkter Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu richten, aufrecht zu erhalten oder zu verlagern
B. Veränderung kognitiver Funktionen (Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung und Sprache) oder Entwicklung einer Wahrnehmungsstörung, die nicht besser durch eine bereits bestehende oder sich entwickelnde Demenz erklärt werden kann.
C. Entwicklung des Störungsbildes innerhalb einer kurzen Zeitspanne (Stunden oder Tage) und Fluktuation der Symptomatik im Tagesverlauf.
D. Verursachung des Störungsbildes durch einen medizinischen Krankheitsfaktor.
 

Meist wird zwischen der hyperaktiven und hypoaktiven Form des Deliriums unterschieden,  Mischformen oder der Übergang von einer Form in die andere ist aber häufig. Die Patienten mit einem hyperaktiven Delirium haben meistens eine Hyperarousal und können sehr empfindlich auf ihre unmittelbare Umgebung reagieren. Sie können in diesem Rahmen schnell verbal und körperlich bedrohend und aggressiv werden. Sie sind oft unruhig, zupfen häufig an der Kleidung und zeigen eine Weglauftendenz.  Die Patienten die an einer hypoaktiven (oder stillen) Form des Deliriums leiden sind vorzugsweise passiv und zeigen ansonsten alle o.g. Symptome des Deliriums. Die hypoaktive Form ist die häufigste Form des Delirs, was der Grund ist, warum ein Delirium häufig übersehen wird. Die Betroffenen berichten ihre Halluzinationen nicht, da sie oft still dasitzen oder liegen fällt die Desorientierung erst durch Befragen auf. Beim Hypoaktiven Delir finden sich auch wenig vegetative Zeichen Die Diagnose wird durch eine Erhebung des Psychischen Befundes ergänzt durch eine Fremdanamnese gestellt. Insbesondere wird dabei Bewusstsein, Orientierung, Auffassung, Konzentration, Gedächtnis und Merkfähigkeit   untersucht, es wird aktiv nach Wahrnehmungsstörungen (beispielsweise Wahn, Ich-Störungen, Halluzinationen) gesucht, die Aufmerksamkeit geprüft. Der psychische Befund erlaubt dann die Differenzierung zwischen Demenz, Depression oder Delirium, die erhebliche Konsequenzen hat. Da fast jeder 3. alte Mensch, der ins Krankenhaus kommt ein Delirium entwickelt sollte die psychiatrische Untersuchung zu den Eingangsuntersuchungen dazugehören, wie das Routinelabor.

Das Delirium ist von körperlicher Erregung begleitet, die bei einer Demenz meist nicht vorhanden ist. Delirpatienten befinden sich länger in stationärer Behandlung, die sich zudem komplikationsreicher gestaltet, und müssen häufiger danach in ein Seniorenheim umsiedeln.

Die Erhebung des psychischen Befundes ist entscheidend zur Diagnose eines Deliriums. Je früher diagnostiziert wird, umso besser die Prognose.

Oft sind an der Entstehung mehrere Ursachen beteiligt.  Demenz ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung eines Delirs, 25% - 75% der Patienten mit einem Delirium haben eine Demenz, Durch eine Demenz verfünfacht sich das Risiko ein Delirium zu bekommen. Besonders hohe Risiken für ein Delirium bestehen bei allen schweren körperlichen Erkrankungen, psychischen Störungen in der Vorgeschichte, Männer mehr als Frauen, abnormale Serumnatriumspiegel, Schwerhörigkeit, Sehstörungen.  Umweltfaktoren die ein Delirium begünstigen sind Umzug, Reisen, fehlen einer Uhr im Zimmern, Fehlen der Lesebrille. Krankheiten die häufig einem Delirium vorausgehen: Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Schädelhirntraumen, epileptische Anfälle, postiktale Dämmerzustände, Hypertensive Enzephalopathie, Gefäßerkrankungen, degenerative Erkrankungen. Stoffwechselstörungen: Leber- oder Nierenversagen, Anaemie, Hypoglycämie, niedriger Vitamin B1 oder B12 Spiegel, Lerner V, Kanevsky M. Hormonstörungen, Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen, Störungen des Säure/Basenhaushalts, Harnwegsinfekt oder Harnverhaltung. Herzlungenerkrankungen. Schock, Verschiedene Vergiftungen, Entzug, Infektionen (z.B. Akute Meningitis, Enzephalitis, Pneumonien, Sepsis, Fieber, Toxine) Tumore, Polytrauma, Lawlor PG, Bruera ED. schwere Traumen, hohes Fieber, postoperativ nach großen Operationen. Drogen die ein Delirium auslösen können sind z.B.: Alkohol, Amphetamine, Kokain, Halluzinogene, Inhalantien, Opioide, Phenzyklidin (PCP), Sedativa, Hypnotika,.. Bei der Differentialdiagnose eines Delirs müssen u. a. auch Medikamentennebenwirkungen bedacht werden Besonders bei mehr als 6 Medikamenten besteht ein hohes Risiko eines Delirs. Bei 40% aller Delire spielen Medikamente eine ursächliche Rolle. Fast jede Medikametengruppe kann Delirien auslösen, am häufigsten ist dies bei Medikamenten mit anticholinergen Nebenwirkungen,  Beruhigungsmitten und Narkosemitteln. Berichtet sind Delire insbesondere unter: .  Anaesthetika, Analgetika, Antiasthmatika, Antibiotika (z.B Penicilline,Cephalosporine, Sulfonamide, Isoniazid, Gyrase−Hemmer..), Antidiabetika, Antiepileptika, Antihistaminika, Benzodiazepine, Blutdruckmittel, Herzmedikamente (z.B. Digitalis−Präparate, Diuretika), Lungenmedikamente (wie Oxitropiumbromid, Ipratropiumbromid ) Parkinsonmedikamente, Corticosteroide, Koh YI, Choi IS, Shin IS, Hong SN, Kim YK, Sim MK. Magendarmmittel, Muskelrelaxantien, Immunsuppressiva, Lithium, Virustatika, alle Medikamente die anticholinerge Nebenwirkungen haben (für den Laien erkennbar z.B. an Mundtrockenheit wie z.B. Atropin, Scopolamin, Ipratropium, anticholinerge Parkinsonmedikamente (wie Biperiden, bzw. Akineton-retard ®, Artane ®, Parkopan ®, Sormodren ®, Tremarit ®) trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, Urologika ( wie Oxybutinin, Propiverin, Tolterodin, Trospiumchlorid), Gifte die ein Delirium auslösen können: Cholinesterasehemmer, Organophosphate, Insektizide, CO, CO2, Lösungsmittel, Kleber, Benzindämpfe... Besonders häufig sind Delirien bei Menschen, die vor einer stationären Aufnahme mit Benzodiazepinen behandelt wurden. Neben der Korrektur von Stoffwechselentgleisungen ist daher die Anamnese hinsichtlich des Benzodiazepingebrauchs eine wichtiger Frühindikator. Arch Intern Med. 2007;167(15):1629-1634. Nach operativen Eingriffen kommt es bei 5 bis 15% der Patienten zu einem Delir, welches eine ernste und potentiell tödliche Komplikation darstellt. Das Zusammenwirken verschiedener anticholinerger Medikamente scheint besonders bedeutsam zu sein. Benoit H. Mulsant, MD et al.2003; Bei zusätzlich bestehenden Risikofaktoren wie hohem Alter, medikamentöser Mehrfachtherapie, somatischen und psychiatrischen Störungen findet sich eine noch wesentlich höhere Inzidenz. Bei Operationen am offenen Herzen und orthopädischen Eingriffen sind über die Hälfte der Patienten betroffen. Strittig aber nicht unwahrscheinlich ist, dass eine fremde Umgebung bei Demenzkranken und insbesondere ein Intensivstationsaufenthalt generell ein Delirium zumindest begünstigen kann.

Das Delirium beeinträchtigt die postoperative Mobilisierung und Rekonvaleszenz der Patienten und führt zur Verlängerung des stationären Aufenthalts. Die Gefahr einer dementiellen Entwicklung als Spätfolge des Delirium bei älteren Patienten wird in der Literatur diskutiert. Zu den Maßnahmen der Prophylaxe zählen die Behandlung von metabolischen Entgleisungen, Ausgleich von Elektrolytstörungen und Therapie von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Verhaltensmaßnahmen, die die Orientierung des Patienten nach der Operation erleichtern, haben eine günstige Wirkung. (Galinat,Eriksson M, Samuelsson E, Gustafson Y, Aberg T, Engstrom KG. Besonders gefährdet sind ältere Menschen über 65 m>f, Menschen mit prämorbiden kognitiven Störungen, Demenz, Depression, immobile Menschen, Menschen die in ihrem Seh- und Hörvermögen beeinträchtigt sind, Flüssigkeitsmangel, Mangelernährung, Behandlung mit vielen Psychopharmaka, schwerer körperlicher Krankheit, Stoffwechselstörungen, Schlaganfällen, Hypoxie, Schock, Fiber oder Unterkühlung, Suchtkranke aber auch allgemein Menschen nach großen Operationen oder Traumen oder beispielsweise mit HIV- Infektion aber auch andere schwere Infektionen. Cochrane Database Syst Rev. 2001;1:CD000395.

Die Dauer ist meist Stunden bis 10 oder 12 Tage, selten auch 2 Monate. Bei älteren Menschen ist die Dauer meist länger. Man unterscheidet je nach Stadium ein Prä- oder Volldelir. Das Delirium ist eine komplexe Störung, die bei älteren Menschen mit einer hohen Morbidität und Mortalität einhergeht. Frühere retrospektive Studien haben gezeigt, dass das Delirium bei älteren Menschen auf dem Notfall häufig nicht erkannt wird. Vorboten sind manchmal Schlaflosigkeit, Zittern und Angst. Die Symptome wechseln häufig stark, sogar innerhalb von Minuten und verschlechtern sich gegen Abend. Innerhalb kurzer Zeit kann ein Patient völlig gegensätzliche Emotionen zeigen. Das Denken wird ungeordnet, die Sprache ist verwaschen und schnell, geht mit Neologismen, aphasischen Symptomen oder chaotischem Sprachmuster einher. Schlafmuster und Essgewohnheiten sind meist komplett gestört. Die Aufmerksamkeit ist schwer beeinträchtigt Manche Patienten werden ruhig oder apathisch, andere agitiert und hyperaktiv. Es geht meist mit einer Störung des Bewusstseins, des Kurzzeitgedächtnisses, Desorientiertheit, und Sprach- oder Sprechstörungen einher. Wahrnehmungsstörungen, sind häufig insbesondere illusionäre Verkennungen und Halluzinationen, dabei insbesondere visuelle Halluzinationen, (im Volksmund deshalb weiße Mäuse sehen), akustische, sensible (»haptische«) u. andere Halluzinationen kommen ebenfalls vor, wahnhafte Verkennung der Umgebung, Fehlinterpretationen von Handlungen oder der Umgebung sind häufig. Ein Delirium beinhaltet häufig eine stark erhöhte Suggestibilität, manchmal treten unruhige Nestelbewegungen auf. Schlafstörungen und emotionale Störungen sind die Regel, hyperaktive (agitierte) und hypoaktive (lethargische) Zustände kommen häufig vor. Angst Depression, Reizbarkeit, Wut, Euphorie und Apathie kommen auch im Wechsel oder isoliert vor.

Jeder Patient mit einem Delirium sollte psychiatrisch, neurologisch und internistisch untersucht werden.

Ein Delirium bedarf immer einer Behandlung, kann im Zweifel immer lebensgefährlich sein, neben psychiatrischer Behandlung ist eine sorgfältige organische Diagnostik und Überwachung erforderlich. Labor, Überprüfung der bisher eingenommenen Medikamente, EEG und Röntgenuntersuchungen sind oft notwendig, nicht selten ist auch eine Intensivstation erforderlich. Manchmal ist eine spezielle Behandlung nach der Ursache möglich, z.B. Physostigmin bei anticholinergem Delir. Überwachung der Vitalfunktionen, Flüssigkeits- und Elektrolytenzufuhr sind neben der symptomatischen Therapie notwendig. Oft besteht im Anschluss eine Erinnerungslücke für ein Delir, ältere Menschen erholen sich nicht immer vollständig. Ein delirantes Zustandsbild kann eine Demenz überlagern oder sich zu einer Demenz weiterentwickeln. Das EEG zeigt meist eine diffuse Verlangsamung mit Auftreten von Delta und Thetaaktivität, die zum Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigung parallel geht. 

Für eine endgültige Diagnose müssen leichte oder schwere Symptome in jedem der folgenden Bereiche vorliegen:

  1. Störung des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit (auf einem Kontinuum zwischen leichter Bewusstseinsminderung und Koma; reduzierte Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auszurichten, zu fokussieren, aufrechtzuerhalten und umzustellen).

  2. Globale Störungen der Kognition, Wahrnehmungsstörungen, wie Verzerrungen der Wahrnehmung, Illusionen und meist optische Halluzinationen; Beeinträchtigung des abstrakten Denkens und der Auffassung, mit oder ohne flüchtige Wahnideen, aber typischerweise mit einem gewissen Grad an Inkohärenz; Beeinträchtigung des Immediat- und des Kurzzeitgedächtnisses, aber mit relativ intaktem Langzeitgedächtnis; zeitliche Desorientiertheit, in schweren Fällen auch Desorientierung zu Ort und Person.

  3. Psychomotorische Störungen (Hypo- oder Hyperaktivität und nicht vorhersehbarer Wechsel zwischen beiden; verlängerte Reaktionszeit; vermehrter oder verminderter Redefluss; verstärkte Schreckreaktion).

  4. Störung des Schlaf Wach Rhythmus (Schlafstörungen, in schweren Fällen völlige Schlaflosigkeit oder Umkehr des Schlaf Wach Rhythmus; Schläfrigkeit am Tage; nächtliche Verschlimmerung der Symptomatik; unangenehme Träume oder Alpträume, die nach dem Erwachen als Halluzinationen weiter bestehen können).

  5. Affektive Störungen wie Depression, Angst oder Furcht, Reizbarkeit, Euphorie, Apathie oder staunende Ratlosigkeit.Der Beginn ist gewöhnlich akut, im Tagesverlauf wechselnd, die Gesamtdauer der Störung beträgt weniger als sechs Monate.

Fremdbeurteilung von Delirien nach der Confusion Assessment Method (Inouye SK., Desai MM, Bogardus ST Jr, Williams CS, Vitagliano G, Inouye SK. Ely EW, Margolin R, Francis J, May L, Truman B, Dittus R, Speroff T, Gautam S, Bernard GR, Inouye SK.)

  1. akuter Beginn und fluktuierender Verlauf a)- gibt es Hinweise auf eine akute psychische Veränderung, b)- schwankt das (abnorme) Verhalten im Tagesverlauf,

  2. Aufmerksamkeitsstörung a)- hat der Patient Schwierigkeiten, seine Aufmerksamkeit auszurichten, b)- ist er zum Beispiel leicht ablenkbar, c)- hat er Probleme, einem Gespräch zu folgen

  3. Inkohärenz a)- war das Denken des Patienten ungeordnet und inkohärent, b)- etwa im Gespräch weitschweifig, und am Thema vorbei c)- mit einem unklaren und unlogischen Gedankengang, d)- oder mit einem unvermittelten Springen von Thema zu Thema,

  4. veränderte Bewusstseinslage a)- wach, b)- hypervigilant , überreizt, c)- lethargisch (müde, leicht weckbar), d)- stuporös (schwer weckbar), e)- komatös (nicht weckbar)

Ein Delirium kann sich plötzlich, bzw. im Verlauf von Stunden entwickeln. Oft gibt es aber besonders bei den alten Patienten tage- oder wochenlange Vorboten.

Differenzialdiagnose: Besonders leicht werden die hypoaktiven oder lethargischen Delire übersehen. Je älter die Patienten sind und umso mehr sie schwer körperlich krank sind um so mehr stehen die hypoaktiven Delire im Vordergrund. Verwechslungen mit schweren Depressionen sind besonders bei diesen hypoaktiven Formen möglich. Bis zu 40% der Delirien sollen nach Literaturangaben mit Depressionen verwechselt werden. Kognitive Defizite sind bei depressiven Patienten in der Regel nur leicht. Eine Störung des Bewusstseins der gröbere kognitive Defizite gehören nicht zu den Symptomen einer Depression. Menschen mit Depressionen sind manchmal auch wahnhaft, dann handelt es sich meist um einen Schuld- oder Versündigungs-, Verarmungswahn. Bei deliranten Patienten tauchen eher schnell wechselnde unspezifische Wahninhalte und Verfolgungsideen auf. Der Affekt wechselt im Delirium häufig.Menschen mit Depressionen haben häufig eine entsprechende Vorgeschichte, die depressiven Gefühle sind anhalternder als bei dem Delir. Manien kann man mit einem hyperaktiven Delirium verwechseln auch hier besteht eine Verminderte Aufmerksamkeit, Agitation, rasche Fluktuationen und psychotische Symptome. Es gibt aber bei Manien fast immer eine entsprechende Vorgeschichte, die auf eine bipolare Störung hinweist, das EEG ist bei Manien normal. Auch delirante Patienten können suizidal werden. Ein Delirium ist von einer Demenz zu unterscheiden. In der Regel hilft bereits die Anamnese. Es gibt keine akute Demenz, diese entwickelt sich immer über Monate und Jahre. Bewusstseinsstörungen gehören nicht zu einer Demenz. Schwierig wird eine Unterscheidung dadurch, dass Demenz oder leichte kognitive Störungen ein Risikofaktor für die Entwicklung eines deliranten Zustandes sind, ein delirantes Zustandsbild kann eine Demenz überlagern . Umgekehrt kann sich ein Delirium zu einer Demenz weiterentwickeln. Ein EEG hilft insbesondere ein Delirium von einer Demenz,  einem non-convulsiven Status epilepticus zu diagnostizieren oder eine focale intracranielle Läsion als Ursache der Verwirrtheit auszuschließen. Kernspintomograhien sind bei deliranten Patienten kooperationsbedingt kaum möglich und nur sehr selten indiziert. Ein CCT sollte fokalen neurologischen Symptomen, Verwirrtheit nach einem Schädeltrauma oder Sturz, oder bei Hirndrucksymptomen durchgeführt werden. Lumbalpunktionen sind nur bei V.a. Meningitis sinnvoll.

Vorbeugend sollten Patienten frühzeitig mobilisiert werden, nicht pharmakologische Maßnahmen sollten nach Möglichkeit die Notwendigkeit und Dosis von Psychopharmaka vermindern.  Schlafmangel sollte bei kranken alten Menschen vermieden werden, Kommunikationshindernisse müssen zeitig beseitigt werden (Brille, Hörgerät,..) Flüssigkeitsmangel muss frühzeitig ausgeglichen werden. Nach Ops sollte mit Sauerstoffgabe nicht gespart werden, zeitig die Elektrolytbalance hergestellt werden, Schmerzen ausreichend behandelt werden, zeitige Ernährung, und in Gang bringen der Magendarm und Blasenfunktion gelten ebenfalls als wichtig. Menschliche Zuwendung und Familienbesuche helfen ebenfalls Delire abzuwenden und zu bessern. In der Behandlung steht die Suche nach der Ursache mit an erster Stelle. Medikamentös: im Zweifel wird Thiamin zur Vorbeugung der Wernickeenzephalopathie verabreicht. Haloperidol ist am besten untersucht The Annals of Pharmacotherapy: 2006. 40,/11, 1966-1973. Pipamperon ist bei älteren Patienten eine Alternative, Benzodiazepine werden nur beim Entzugs- Delirium eingesetzt. Clomethiazol setzt eine gute Überwachung von Kreislauf und Lungefunktion voraus.

Nichtpharmakologische Interventionen beim Delir:

  1. Möglichst wenig immobilisierende Katheter, Infusionen etc. verwenden, möglichst wenig festschnallen,

  2. Bettlägerigkeit vermeiden, möglichst früh mobilisieren.

  3. Auf Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr achten.

  4. Brille, Hörgerät verfügbar halten und anbieten

  5. Flüssigkeitsmangel korrigieren und Trinkmenge überwachen, Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz überwachen

  6. Schmerzen behandeln

  7. Stuhl- und Harn- Entleerungen überwachen

  8. Medikamente auf Notwendigkeit überprüfen

  9. Unterstützende und die Orientierung fördernde Kommunikation mit dem Patienten

  10. Uhr, Kalender, Familienfotos, und bekannte Gegenstände ins Zimmer oder auf den Nachttisch, ausreichend Licht. 

  11. Wenn möglich kognitiv stimulierende Aktivitäten wie Kreuzworträtsel, Zeitung lesen, Unterhaltung mit dem Bettnachbarn etc. fördern

  12. Schlafwachrhythmus fördern, z.B. mit Entspannender Musik., Hand halten, vorsichtige Massage, warme Getränke,..

  13. Möglichst wenig Aufregung vor der Patient schlafen soll. Nachtmedikation etwas zeitiger geben, laute Geräusche zur Bettgehzeit vermeiden, etc

  14. Als Alternative zu Fixierungen versuchen Angehörige zur Überwachung bzw. zum "Sitting" zu gewinnen. Die Patienten benötigen in der Regel eine 1:1 Betreuung.

  15. Vor Entlassung aus dem Krankenhaus Sicherstellung der häuslichen Versorgung, ggf. Kontrolltermin beim zuständigen Facharzt für Neurologie und/oder Psychiatrie.

Medikamentöse Behandlung

  1. Behandlung und Einstellung der Grunderkrankung, z.B. Sauerstoffgabe bei entsprechendem Mangel, Behandlung vorhandener Infektionen, oder einer Dehydration, adäquater E-lytausgleich (cave bei Hyponatriämie Gefahr der pontinen Myelinolyse) etc.
  2. Eventuell auslösende Medikamente absetzen, insbesondere psychotrope Substanzen, Narkotika, und Anticholinergika
  3. Im Zweifel Thiamin zur Vorbeugung der Wernickeenzephalopathie
  4. Sicher nachgewiesene Unterschiede in der Wirksamkeit gibt es zwischen den einzelnen Antipsychotika nicht. Die Auswahl richtet sich nach den Symptomen und den Nebenwirkungen.
  5. Haloperidol ist nach wie vor die Substanz der Wahl. Je nach Zustand, Alter und Art der Symptome 0.5-2 mg alle
    2-12 h, ggf bei starker Agitation ergänzt durch bedarfsweise Lorazepam, QTc Interval überwachen, Nicht indiziert bei Patienten mit M. Parkinson oder Lewy body Demenz. Haloperidol sediert wenig, ist kaum anticholinerg, und hat wenig hypotensive bzw. orthostatische Synkopen auslösende Risiken. Pipamperon ist bei älteren Patienten eine Alternative.
  6. Für Haloperidol, wie für alle im folgenden genanten Antipsychotika gilt, nur soviel wie nötig und nur solange wie nötig. => Absetzen nicht vergessen.
  7. Es sollte bei allen Antipsychotika mindestens 20 min  vor der nächsten Dosis des Antipsychotikums gewartet werden, es braucht einfach mindestens 20 min um zu wirken.
  8. Alternativ Olanzapin 2.5-5 mg 1-2x/d, stärker sedierend. Sehr alte Patienten und primär hypoaktive Patienten sprechen kaum an.
  9. Quetiapin  12.5-100 mg ähnlich wie Olanzapin sedierend. häufig orthostatische Hypotension (cave Sturzgefahr und Synkopengefahr bei zu schneller Eindosierung). Am ehesten indiziert bei Patienten mit M. Parkinson oder Lewy body Demenz
  10. Risperidon 0.25-1 mg 1-2x/d, bessere Wirkung bei primär hypoaktiven Patienten
  11. Aripiprazol 5-30 mg 1x/d, bessere Wirkung bei primär hypoaktiven Patienten
  12. Clomethiazol (Distraneurin®) unter enger Überwachung des Kreislaufs und bei Patienten ohne pulmonale Erkrankungen nur bei Entzugsdelirien. Clomethiazol setzt eine gute Überwachung von Kreislauf und Lungefunktion voraus.  Benzodiazepine sind hier eine weniger riskante Alternative. Benzodiazepine sollten aber ebenfalls als Hauptmedikation nur bei Entzugsdelirien eingesetzt werden, sie verschlechtern sonst eher den Zustand, bzw. das Delir. Ergänzend und niedrig dosiert zum Neuroleptikum sind sie auch bei agitierten Delirien sonst indiziert.
  13. Experimentell sind bisher Behandlungen mit Donepezil oder anderen Acetylcholinesterasehemmern, Benzodiazepinantagonisten, und Mianserin, eine gesicherte Indikation besteht nicht.

Prognose

Ein Delirium verschlechtert die Prognose der Grunderkrankung, besonders schlecht ist die Prognose, wenn ein Delirium lange anhält.. Häufige Folgen sind Längere Dauer des Krankenhausaufenthaltes,  erhöhte Mortalität auch nach der Akutsymptomatik,  Einweisungen ins Pflegeheim. Nicht selten bestehen subsydromale Symptome noch längere Zeit weiter, ein Übergang in eine Demenz ist möglich.

Die Mehrheit der Patienten mit einem akuten Verwirrtheitszustand oder Delir leidet an an einer systemischen Ursache wie Austrocknung, Sepsis oder Medikamentennebenwirkungen. Eine zerebrale Computertomographie oder Kernspintomographie zeigt bei diesen Patienten nur selten Auffälligkeiten. Diese sind am ehesten zu erwarten, wenn sich bei der klinischen Untersuchung neurologische Herd- oder Seitenzeichen finden. Fehlen solche Hinweise und ist der Patient fiebernd, oder ausgetrocknet und hat eine vorbestehende Demenz, kann mit der Bildgebung auch zugewartet werden, oder diese kann mit sehr geringem Risiko unterlassen werden. (Acta Neurol Scand 2008: 118: 245–250).

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  64. CAM-ICU Delirium Test auf Youtube


Delirium tremens
Diese charakteristische exogene Psychose kann durch verschiedene Ereignisse provoziert werden oder spontan auftreten. Das spontane Delir galt als Exzeß-Delir, aber auch ihm geht eine wenigstens relative Alkoholabstinenz immer voraus. Dagegen ist das provozierte Delir Ausdruck besonders schweren Alkoholentzugs-Syndroms. Der besondere Schweregrad des ,,Exzess"-Delirs zeigt sich in erhöhter Letalität und häufigerem Auftreten von grands maux und von Polyneuropathie.

Leitsymptome:

  • Tachykardie
  • Hyperhidrosis (profuses Schwitzen)
  • Fieber
  • grober Finger- und Händetremor
  • Agitiertheit, psychomotorische Unruhe
  • Angst (u.U. ,,Galgenhumor")
  • Wahnhaftes Erleben (,,Belagerungs"-Syndrom)
  • überwiegend optische (szenische) Halluzinationen
  • Suggestibilität
  • Bewusstseinsveränderungen
  • Desorientiertheit
  • Amnestisches Syndrom


Demenz
Siehe im entsprechenden ausfühlichen Kapitel Demenz

 



Demozid
nach den meisten Definitionen jeder Mord im Auftrag oder mit expliziter Zustimmung einer Regierung oder von Teilen des Regierungsapparates, hoher Beamter oder eines Regimes. Die Unterscheidung zum Genozid ist nicht einheitlich, die Übergänge sind fließend. Genozid meint nach internationalem Recht Völkermorde oder Handlungen mit dem Ziel im Ganze oder in Teilen eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe zu zerstören durch: Tötung von Mitgliedern der Gruppe, Verursachung von schweren körperlichen oder seelischen Schäden für die Mitglieder der Gruppe (z.B. auch durch Hunger, Folter, etc.), die Gruppe bewusst in eine Situation bringen in der eine schwere physischer Schaden oder der Tod in Kauf genommen wird, Maßnahmen die verhindern sollen, dass die gesellschaftliche Gruppe sich fortpflanzt, gewaltsames Wegnehmen der Kinder aus der Gruppe. Der Umgang mit psychisch Kranken in der Nazizeit wäre demnach ein Genozid nach Internationalem Recht gewesen. Totalitäre und autoritäre Regime haben es im vergangenen Jahrhundert durch Massenmord zu traurigen Rekorden gebracht. Schlechte wirtschaftliche Bedingungen, Umbruchsituationen können auch weiterhin politische und religiöse Ideologien attraktiv machen und die Menschen nach scheinbar einfachen Lösungen suchen lassen. Die Suche nach Sündenböcken gepaart mit einem "Gerechte- Welt- Glauben" lässt Menschen sich als Opfer fühlen oder führt zu Identifikationen mit "Opfern, die scheinbar rechtfertigen moralisch menschliche Schranken zu ignorieren. Einmal in der Ideologie und Teil der Gewaltmaschinerie rechtfertigt sich die Gewalt quasi von selbst. Das Ende der Gewalt würde bedeuten, dass sie von Anfang an falsch war. Zur Vorbeugung kann nur helfen, wenn jeder versteht, dass er auch selbst gegenüber solchen Ideologien anfällig sein kann. Das Risiko Opfer solcher totalitärer Gewalt zu werden ist im übrigen für die Anhänger der Ideologie durch Machtkämpfe im eigenen Lager größer als für die Unbeteiligten und für besonnene Kritiker. Auch im heutigen Deutschland ist die Überzeugung, dass Demokratie die beste Staatsform ist, nicht selbstverständlich. Nach einer Umfrage des Wissenschaftszentrums Berlin halten 41% der Ostdeutschen und 22% der Westdeutschen die Demokratie nicht für die beste Staatsform. Die Basis für Radikale ist weiter vorhanden. Damit besteht auch bei uns weiter das Risiko in schwierigen Zeiten Opfer eines totalitären Regimes und damit auch von Massenmord durch die Regierung zu werden. Die Zeiten der Demozide waren mit dem Ende der Naziherrschaft in Deutschland nicht vorbei. Jugoslawien, der Sudan sind nur Beispiele der allerjüngsten Vergangenheit. Stalin, Mao und Pol Pot hatten in der liberalen 68er Generation viele Verehrer, die ähnlich wie die Menschen in der Nazizeit bezüglich der Massenmorde blind waren und glaubten die Ideologie rechtfertige die Opfer, die ohnehin nicht so schlimm seien wie dargestellt. Mehr als 80 Millionen Tote, gehen nach dem Schwarzbuch des Kommunismus auf das Konto von Unterdrückung, Verbrechen und Terror gegen die Untertanen in den ehemaligen Kommunistischen Ländern. Die ideologische Vision der klassenlosen Gesellschaft kostete mehr Todesopfer als der deutsche Nationalsozialismus- was letzteren nicht relativieren soll. Die diesbezügliche Vergangenheitsbewältigung hat in den betroffenen Ländern kaum oder gar nicht stattgefunden. Auch die selbstkritische Auseinandersetzung deutscher Sympathisanten mit dieser Bewegung in der ehemaligen 68er Generation steht bestenfalls in den Anfängen. Unsere Bundesgesundheitsministerin U. Schmidt war laut Focus 39/2006 ebenso Mitglied des maoistischen KBW wie Krista Sager oder R. Bütikofer. Die politische Vergangenheit in einer linksradikalen Organisation schließt eine demokratische Gesinnung nicht aus, man darf allerdings eine wirkliche Distanzierung erwarten und kritisch beobachten. Die wirkliche Vergangenheitsbewältigung der DDR Ideologie, die ja auch den kommunistischen Massenmord rechtfertigte- wenn auch nicht selbst auf deutschem Boden durchführte- steht ebenfalls aus, was auch manche diesbezügliche Position der SED Nachfolgepartei erklärt. Vielleicht war die deutsche Teilnahme an internationalen Bemühungen in Jugoslawien zur Beendigung des dortigen Völkermordes unter einem grünen Außenminister mit 68er Vergangenheit der bisher wichtigste Schritt zu einem klaren Bruch mit diesen Wirrungen der 68er Zeit. Da auch Ärzte und insbesondere auch Psychiater in der Nazizeit zu den Tätern in den Genozidprogrammen gehörten, ist die Auseinadersetzung mit diesem Thema auch für die Zukunft der Psychiatrie in Deutschland weiter wichtig. Wenn eine Ideologie oder eine fundamentalistische Religion die Möglichkeit erhält diktatorisch staatliche Gewalt auszuüben, sind die Einwohner des betroffenen Landes in großer Gefahr für ihr Leben, die Schwächsten der Gesellschaft, die psychisch Kranken trifft es dabei meist noch mehr als die Anpassungsfähigeren. Der ständig einzufordernde Schutz jedes Individuums vor der Willkür des Staates muss Teil jeder menschlichen Ordnung sein. Überall dort, wo Gewalt gegen einzelne von Staatswegen durch eine bessere Zukunft gerechtfertigt wird, darf man darauf vertrauen, dass es sich eine sehr gefährliche Entwicklung zu einem totalitären Regime handelt, mit der Gefahr von Demozid oder Genozid.
Democide, and War


Denervierung
Partieller oder kompletter Funktionsausfall eines Organs bzw. Organsystems infolge (Degeneration der nervalen Verbindungen). Auch im EMG sichtbare Denervierungspotentiale


Denken und Sprache
Der Brockhaus definiert Denken so: „Denken ist die Fähigkeit des Menschen, die Umwelt nicht nur unmittelbar wahrzunehmen, sondern sie, einschließlich vergangener und zukünftiger Änderungen, innerseelisch zu repräsentieren. Dies geschieht durch Vorstellungen, Zeichen (Wörter, Schriftzeichen, Gesten...), Begriffe, Urteile, logische Schlüsse, auch Akte des Meines. Im weitesten Sinne bezeichnet Denken eine seelische Tätigkeit, deren Objekte durch innerseelische Repräsentationen gegeben sind. In diesem Sinne gehört auch Erinnern, Phantasie und Traum zum Denken. Jeder Denkprozess ist eingebettet in die Assoziationen und Bezugssysteme des Denkenden, die teils befruchtend als neue Gesichtspunkte, teils störend als Abschweifungen auftreten können. Denken gründet sich im Allgemeinen auf Erfahrung, die durch Denkprozesse verarbeitet wird. Daher ist Denken die Grundlage des gezielten Handelns, der Planung, der wissenschaftlichen Arbeit, überhaupt der Zivilisation und der Technik.“ Denken und Sprache sind Vehikel zur Aneignung von Welt und zur Teilhabe an Welt. Denken ist untrennbar mit Sprache verbunden: Was ich nicht denke, kann ich nicht sprachlich ausdrücken, und was ich nicht sprachlich ausdrücken kann, kann ich kaum denken. Mit Hilfe des Denkens kann der Mensch zeitliche Erlebnisse endzeitlichen, sich damit über die Aktualität und Flüchtigkeit erheben und somit Welt ordnen. Über die Sprache vollzieht sich dabei die Fixierung von Welt im Wahrnehmen und Erleben; außerdem gelingt über die Sprache die Distanzierung zur Welt, die wiederum Voraussetzung für das Verfügen über Welt ist. Sprache ist zudem Vehikel für die Entfaltung der Innerlichkeit des Erlebens. Und Sprache ist das wichtigste Werkzeug des Menschen, um Kultur zu schaffen. Denken ist ein Prozess, der eine enorme Koordination der Aktivitäten verschiedener Hirngebiete entspricht. Denken beinhaltet eine Verifizierung der mentalen Modellvorstellungen der Realität und der erlebten Realität. Denken verändert den Denker. Unter schlussfolgerndem Denken versteht man den Prozess, mit dem Menschen logische Argumente bewerten und entwickeln. Bei diesem deduktiven Schließen werden aus den Prämissen eines Arguments mit Gewissheit auf Konklusionen geschlossen, wobei sog. Schlussregeln vorschreiben, wann eine Konklusion aus einer Reihe von Prämissen folgt.


Denkstörungen, formale
Gehemmt: Der Patient empfindet, dass das gesamte Denken wie gebremst, unregelmäßig oder stockend, wie gegen Widerstände, vonstatten geht. Die Erschwerung des Denkablaufes  hinsichtlich Tempo, Inhalt und Zielsetzung kann nicht behoben werden, auch wenn sich der Patient offensichtlich darum bemüht. Denkhemmung muss im Gegensatz zu Denkverlangsamung subjektiv empfunden werden.

Verlangsamt Das Denken ist verlangsamt und schleppend. Es führt zu einem zähflüssigen Gesprächsverlauf. Damit ist das Schleppende, Mühsame des Gedankenganges, die meist kontinuierliche Verzögerung des Denkablaufes gemeint. Sie ist in erster Linie an der Viskosität und Torpidität des Sprechens und Reagierens des Kranken zu erkennen. Das verlangsamte Denken wird vom Patienten oft auch als gehemmt empfunden.

Umständlich:  Beim Denken wird Nebensächliches nicht vom Wesentlichen getrennt. Der inhaltliche Zusammenhang bleibt aber gewahrt. Als umständlich bezeichnet man ein Denken, das das Nebensächliche nicht vom Wesentlichen (bezogen auf die Interviewthematik!) sondert, sich in unwichtigen Einzelheiten verliert und an ihnen hängen bleibt, ohne vom Ziel gänzlich abzukommen (weitschweifig). Umständlichkeit kann die Folge mangelnder Abstraktionsgabe sein oder Folge eines Unvermögens, Nebensächliches wegzulassen auch dann, wenn es intellektuell möglich wäre, pedantische Kleinkrämerei").Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Eingeengt: Einschränkung des inhaltlichen Denkumfangs, Verhaftetsein an ein Thema, Fixierung auf wenige Zielvorstellungen. Der Patient hat Mühe, auf ein anderes Thema überzugehen, kommt immer wieder auf das ursprüngliche Thema zurück, auch wenn der Untersucher versucht, andere Themenbereiche anzubieten. Einschränkung des inhaltlichen Denkumfanges, Verhaftetsein an ein Thema oder an wenige Themen, Fixierung auf wenige Zielvorstellungen oder Denkinhalte. Im Interview hat der Kranke trotz Angebot Mühe, von einem Thema auf ein anderes überzugehen oder er kommt immer wieder darauf zurück.

Eine inhaltliche Perseveration  ist ein starker Grad von Einengung, das Haftenbleiben an bestimmten Denkinhalten, das ist das Haftenbleiben an Worten oder Angaben (z. B. Daten), die vorher gebraucht, nun aber nicht mehr sinnvoll sind. Das zeigt sich vor allem im sinnlosen Wiederholen von Worten (Verbigeration). .

Grübeln (nicht zwanghaft): Unablässiges Beschäftigtsein mit (nicht nur, aber meist) unangenehmen Gedankengängen, die vom Patienten nicht als fremd erlebt werden und meist mit der aktuellen Lebenssituation in Zusammenhang stehen.

Gedankendrängen: Patient fühlt sich unter dem übermäßigen Druck vieler Einfälle oder auch ständig wiederkehrender Gedanken, teils sinnvoll, teils sinnlos, die sich auch überstürzen und oft wie automatisch ablaufen können.Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Ideenflüchtig: Vermehrung von Einfällen. Dabei wird das Denken nicht mehr von einer Zielvorstellung straff geführt, wechselt beständig das Ziel aufgrund von dazwischenkommenden Assoziationen und verliert so das Ziel. So gerät der Ideenflüchtige vom Hundertsten ins Tausendste, er denkt (und spricht den Satz) oft nicht zu Ende, weil sein Denken dauernd von dazwischenkommenden Einfällen abgelenkt wird, die oft rein äußerlicher (z. B. klanglicher) Art sind und nicht die wesentlichen Zusammenhänge berücksichtigen. Der Untersucher kann aber den flüchtigen Ideen noch folgen (Gegensatz: zerfahrenes, inkohärentes Denken). Subjektiv kann beschleunigtes als auch ideenflüchtiges Denken als Gedankendrängen, als Gedankenflucht u. ä. empfunden werden. Der Ideenflüchtige muss nicht beschleunigt sein. Beschleunigung ohne Ideenflucht z.B antriebsgesteigert" und ,,. logorrhoisch".

Vorbeireden: Der Patient geht nicht auf die Frage ein, bringt etwas inhaltlich anderes vor, obwohl aus Antwort und/ oder Situation ersichtlich ist, dass er die Frage verstanden hat. Kein absichtliches Nichteingehen auf eine Frage.

Gesperrt/Gedankenabreißen: Plötzlicher Abbruch eines sonst flüssigen Gedankenganges ohne erkennbaren Grund. Der Kranke stockt mitten im Satz, schweigt, greift dann das Gespräch unter Umständen mit einem anderen Thema wieder auf. Sperrungen spielen sich bei klarem Bewusstsein ab und dürfen nicht mit der Unterbrechung des Gedankenflusses durch eine Absence verwechselt werden. Das Gedankenabreißen ist eine vom Patienten selbst empfundene, ohne erkennbare Motivation plötzlich einsetzende Unterbrechung des Gedankenganges.

Inkohärent/zerfahren: Das Denken (und damit auch das Sprechen) des Patienten hat keinen verständlichen Zusammenhang mehr, ist zerrissen bis in einzelne, scheinbar zufällig durcheinander gewürfelte Sätze, Satzgruppen, Gedankenbruchstücke (dissoziiertes Denken, Sprachzerfall). Daher wird inkohärent/zerfahrenes Denken unverständlich und nicht nachvollziehbar. Die Gedanken springen unvermittelt von einem Thema zum anderen über (divide: Ideenflucht). Inkohärenz/Zerfahrenheit des Denkens kann mit jeder Denkgeschwindigkeit verbunden sein. Bei leichten Formen (Paralogik) kann der Satzbau noch intakt sein, bei schweren Formen ist er zerstört (Paragrammatismus) bis zu unverständlichem, sinnleerem Wort- und Silbengemisch (Schizophasie). Weitere Merkmale formaler Denkstörungen, die häufig bei der Zerfahrenheit vorkommen, sind:

Die Kontamination (Verschmelzung heterogener Sachverhalte), die Verdichtung (Zusammenziehen von mehreren, nicht unbedingt widersprüchlichen Ideen in eine),

Substitution (Ersatz von geläufigen Begriffen durch irgendwelche andere),

Entgleisung des Denkens (Abgleiten von der Hauptgedankenreihe auf Nebengedanken, die sich ungeordnet in die Hauptreihe hineindrängen), lückenhaftes und sprunghaftes Denken.

Neologismen: Wortneubildungen, die der sprachlichen Konvention nicht entsprechen und oft nicht unmittelbar verständlich sind. Manchmal kann vom Patienten auch eine künstliche Sprache gebildet und gebraucht werden. Auch Paralogismen sind hier einzutragen: semantisch ungewöhnlicher Gebrauch von Worten.



Denny-Brown-Syndrom
Paraneoplastisches Syndrom bei kleinzelligem Bronchuskarzinom mit distal betonten Parästhesien, Schmerzen, eingeschränkter Tiefensensibilität und frühzeitigen autonomen Dysfunktionen. Ursächlich ist eine Ganglionitis mit sekundärer axonaler Degeneration. Serologisch können Anti-Hu-Antikörper nachgewiesen werden. Das Syndrom nimmt einen über Wochen und Monate progredienten Verlauf.
Kaiser R. Paraneoplastische neurologische Syndrome. Diagnostische und pathogenetische Bedeutung von Autoantikörpern. Nervenarzt 1999;70:688–701.


Depersonalisationserleben
Depersonalisationserleben liegt vor, wenn Betroffene das Gefühl haben: "Ich bin nicht mehr ich selbst". Hierbei kann es vorkommen, dass die Kranken ihren Körper oder ihre Bewegungen so erleben, als ob sie sich von außen selbst zusehen würden. Außerdem können sie das Gefühl haben, als seien ihr Körper oder Teile ihres Körpers vergrößert oder verkleinert, verformt, schwerer oder leichter geworden. Es handelt sich um eine Störung des Einheitserlebens der Person im Augenblick oder der Identität in der Zeit des Lebenslaufes. Der Kranke kann sich selbst unwirklich, verändert, fremd und/oder uneinheitlich vorkommen. Diese Störung kann flüchtig sein oder auch über lange Zeit bestehen -Eine Störung der Identität des Ich im Zeitverlauf liegt vor, wenn der Kranke wähnt, jetzt ein anderer zu sein als früher. Er ist sich nicht mehr gewiss: ,,Bin ich selbst der, der das erlebt, oder ist es em anderer?" z. B.: ,,Man macht mich zum Professor der Veterinärmedizin und Direktor der Anstalt und ich bin hier, um die Hebephrenie zu machen." Oder: Ein männlicher Kranker spürt, er werde eine Frau (wahnhafte Geschlechtstransformation). Hierher gehört auch der Verwandlungswahn (z. B. ein Tier zu sein). Die erwähnte Störung des Ich-Erlebnisses beim psychotisch Kranken ist zu unterscheiden von dem so genannten Doppelgängererlebnis oder der Heautoskopie, dem Phänomen, dass man seine eigene Gestalt wahrnimmt. Denn hierbei bleibt das Ich als der das Phänomen registrierende Kern erhalten. Durch Selbständigwerden gewisser Teilstrebungen der Persönlichkeit kann es zu Spaltungs- und Verdopplungsgefühlen kommen. Diese Störung des Einheitserlebens der Person ist zu unterscheiden von der so genannten alternierenden Persönlichkeit. Darunter versteht man das seltene Phänomen, dass ein Kranker sich für eine gewisse Zeit als eine andere Persönlichkeit erlebt und angibt, er habe keine Erinnerung an die frühere Zeit. Hier handelt es sich um eine Aufeinanderfolge verschiedener Persönlichkeiten, wobei aber die jeweilige Persönlichkeit durchaus Ich-Bewusstsein hat, während bei der Störung des Einheitserlebnisses eher beobachtet wird, dass verschiedene Persönlichkeiten nebeneinander gleichzeitig erleben oder agieren. Outside - Depersonalisation http://www.moira.de/outside/ Information und Kommunikation zum Thema Karl C


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Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. 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