Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Eales-Krankheit
seltene Vaskulitis (Gefäßentzündung) mit retinaler Angiitis manchmal auch meningoenzephalitischer und/oder myelopathischer Beteiligung.


Eastchester Clapping Zeichen
Das Eastchester Clapping Zeichen ist eine Untersuchungsmethode zum Nachweis eines hemispatialen Neglects. Klatschen gehört zu den Bewegungen die Kinder im spätestens Kindergartenalter (im Median mit 11 Monaten) gut bewältigen können. Neurologen in Baltimore fiel auf, dass Patienten mit einem hemispatialen Neglect bei Aufforderung zum Klatschen nur die eine Hand benutzten und abrupt in der Mitte stoppten als ob ob sie an eine unsichtbare Wand schlagen. Im Gegensatz dazu schlagen Patienten mit einer Halbseitenlähmung über die Mittellinie auf auf ihre gelähmte Hand. Der Test ist einfach durchzuführen und soll sehr zuverlässig Patienten mit einem hemispatialen Neglect bei rechtsparietalen Läsionen erkennen können.  Wie der Neglect meist ein vorübergehendes Phänomen ist, so ist auch das Eastchester Clapping Zeichen nur zeitweise vorhanden. Da rechthemisphärische Hirninfarkt mit Neglect häufig nicht erkannt werden, ist die Methode dennoch eine einfache sinnvolle Screeningmethode, die vielleicht im Einzelfall einen Verdacht auf einen sonst nicht diagnostizierten Schlaganfall weckt.  Immerhin scheint die Häufigkeit von Lysebehandlungen bei rechtshirnigen Infarkten etwa 45% geringer zu sein als bei linkshirnigen Infarkten, bei denen der Patient sich seiner Symptome bewusst ist.
Lyle W. Ostrow, Rafael H. Llina´s, Eastchester Clapping Sign: A Novel Test of Parietal Neglect; Ann Neurol 2009;66:114–117


Ebbinghaus-Konfiguration
Kleinere Kontextkreise lassen den Testkreis größer erscheinen als einen identischen Vergleichskreis, während ein Testkreis, der von größeren Kontextkreisen umgeben ist, kleiner erscheint. In einer Anzahl psychophysischer Untersuchungen wurde gezeigt, dass das Ausmaß dieser Fehlschätzung des Testkreises mit steigender Größendifferenz zwischen Test- und Kontextkreisen sowie mit steigender Anzahl der Kontextkreise, mit verringerter Distanz und verringertem Helligkeitskontrast zwischen Test- und Kontextkreisen zunimmt.
Siehe unter Wahrnehmung


Echinacea purpura - Echinazin- Sonnenhut- Präparate
Verschiedenen Indianerstämme nutzten unterschiedliche Zubereitungen von Sonnenhut- Präparaten gegen verschiedenste Leiden. Von Bläschen im Mund, bis zur Behandlung von Zahnschmerzen, Magendarmbeschwerden, Schlangenbissen oder der Angst vor Wasser. Sonnenhut wurde als Tee, Umschlag, oder Rauch angewendet. im 17.- 19. Jahrhundert tauchten dann in verschiedenen Sprachen berichte über diese Anwendungen auf, die von Händlern oder Übersetzer von den indianischen Heilern berichtet wurden. Die damaligen indianischen Heiler hatten keine mit heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen vergleichbaren Theorien über Krankheiten, sie konnten den Spontanverlauf von Krankheiten nicht von der Wirkung einer Behandlungsmethode unterscheiden. Sonnenhut- Präparate werden bei der Vorbeugung und Behandlung von Infekten der oberen Luftwege häufig eingesetzt. Echinazin sei ein Antioxidanz und schadet mit Sicherheit nicht und hat auf das Abwehrsystem des Körpers eine positive Wirkung wird behauptet. Echinazin stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte, dies wurde in medizinischen Studien bewiesen, es ist ein ausgezeichnetes Immunstimulans behaupten viele, die Nebenwirkungen beweisen diese Behauptungen. Real haben Studien keine eindeutige vorbeugende Wirkung nachweisen können. Eine Doppelblindstudie an Kindern (2-11 Jahre, 707 Infekte der oberen Luftwege bei 707 Kindern, davon 337 behandelte mit Echinacea und 370 mit Placebo.) bestätigt die Wirkungslosigkeit von Echinacea purpura Extrakten zur Infektbehandlung. Die Eltern (die nicht wussten ob das Kind Wirkstoff oder Plazebo erhielt), berichteten über die Dauer, den Schweregrad der Symptome und Nebenwirkungen. Untersucht wurde auch der Schweregrad der Symptome, die Anzahl der Tage mit den schwereren Symptomen, die Anzahl der Tage mit Fieber, und die allgemeine Einschätzung der Schwere der Erkrankung der Kinder. Bei Wirkungslosigkeit traten allerdings Nebenwirkungen auf, Hautauschläge wurden bei 7,1% der Kinder die mit Echinacea behandelt wurden beobachtet, bei Behandlung mit Placebo waren es nur 2,7%, der Unterschied in den Nebenwirkungen war statistisch signifikant.( p=0,08). Eine 2005 veröffentlichte placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 437 Freiwilligen die mit 3 verschiedenen Echinazinpräparationen vorbeugend behandelt wurden und einem Schnupfenvirus ausgesetzt wurden, sah keine Wirkung auf Symptome oder Immunantwort durch die Echinazinpräparationen. Vor allergischen Reaktionen auf Echinacea wird seit Jahren gewarnt. Eine Sensibilisierung soll besonders bei Allergikern weit verbreitet sein, in einer Studie reagierten 20 von 100 atopischen Patienten, von denen 97 niemals Echinacea verwendet haben positiv auf einen Hautpricktest mit dem Extrakt. Kreuzreaktivität mit anderen Pflanzenprodukten aus Beifuss, Sonnenblumen und Chrysanthemen scheinen hier eine Rolle zu spielen. Besonders aufrüttelnd ist eine Bericht über eine akute disseminierte Encephalomyelitis (ADEM, ein MS ähnliches Krankheitsbild) nach Impfung mit Echinaceahaltigen Produkten. Wobei ähnliches auch von anderen parenteral applizierten Pflanzenextrakten berichtet ist. Insgesamt sind damit bei Anwendung erhebliche Nebenwirkungen gesichert, eine Wirkung in der Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten ist nicht gesichert. Besonders Menschen, die zu Allergien neigen sollten auf die Anwendung verzichten. Auch für alle anderen gilt, dass sie das Geld besser anders verwenden sollten. Auch andere pflanzliche Produkte gegen Erkältungen sind nicht immer ungefährlich. Jedenfalls scheint die Rate bekannter Nebenwirkungen hauptsächlich von der Dauer für die das Präparat auf dem Markt ist und der Verordnungshäufigkeit abzuhängen. Das Arzneitelegram berichtet zu Umckaloabo einem Extrakt aus den Wurzeln einer südafrikanischen Geranienart (Pelargonium sidoides) über den Verdacht auf Leberschädlichkeit. Bekannt sind auch Magen-Darm-Störungen wie Sodbrennen, Übelkeit und Durchfall, Zahnfleisch- und Nasenbluten, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Urtikaria und Pruritus sowie Gesichtsödem, Dyspnoe und Blutdruckabfall.
  1. Charrois et al. Echinacea. Pediatr. Rev. 2006;27:385-387.FULL TEXT  
  2. Barrett et al. Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial ANN INTERN MED 2002;137:939-946. ABSTRACT | FULL TEXT  
  3. Koenig and Roehr Does treatment with Echinacea purpurea effectively shorten the course of upper respiratory tract infections in children? Arch. Dis. Child. 2006;91:535-537. FULL TEXT  
  4. Schwarz et al. Acute disseminated encephalomyelitis after parenteral therapy with herbal extracts: a report of two cases J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry 2000;69:516-518. ABSTRACT | FULL TEXT  
  5. Cohen, H. A., Varsano, I., Kahan, E., Sarrell, E. M., Uziel, Y. (2004). Effectiveness of an Herbal Preparation Containing Echinacea, Propolis, and Vitamin C in Preventing Respiratory Tract Infections in Children: A Randomized, Double-blind, Placebo-Controlled, Multicenter Study. Arch Pediatr Adolesc Med 158: 217-221
  6. James A. Taylor; Wendy Weber; Leanna Standish; Hal Quinn; Jenna Goesling; Mary McGann; Carlo Calabrese, Efficacy and Safety of Echinacea in Treating Upper Respiratory Tract Infections in Children: A Randomized Controlled Trial, JAMA. 2003;290:2824-2830.ABSTRACT | FULL TEXT | PDF ,
  7. Dieter Melchart; Ellen Walther; Klaus Linde; Roland Brandmaier; Christian Lersch Echinacea Root Extracts for the Prevention of Upper Respiratory Tract Infections: A Double-blind, Placebo-Controlled Randomized Trial Arch Fam Med. 1998;7:541-545. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF 
  8. Predy et al. Efficacy of an extract of North American ginseng containing poly-furanosyl-pyranosyl-saccharides for preventing upper respiratory tract infections: a randomized controlled trial CMAJ 2005;173:1043-1048. ABSTRACT | FULL TEXT  
  9. arznei - telegramm 2002; Jg. 33, Nr. 11
  10. Yale and Liu  Echinacea purpurea Therapy for the Treatment of the Common Cold: A Randomized, Double-blind, Placebo-Controlled Clinical Trial Arch Intern Med 2004;164:1237-1241. ABSTRACT | FULL TEXT  
  11. Barrett et al. Treatment of the Common Cold with Unrefined Echinacea: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial Ann Intern Med 2002;137:939-946. ABSTRACT | FULL TEXT
  12. Schwarz et al.  Acute disseminated encephalomyelitis after parenteral therapy with herbal extracts: a report of two cases J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry 2000;69:516-518. ABSTRACT | FULL TEXT
  13. Turner et al.   Ineffectiveness of Echinacea for Prevention of Experimental Rhinovirus Colds Antimicrob. Agents Chemother. 2000;44:1708-1709.ABSTRACT | FULL TEXT
  14. R. B. Turner et al., An Evaluation of Echinacea angustifolia in Experimental Rhinovirus Infections N Engl J Med 2005;353:341-8. Abstract  Full Text  PDF  
  15. Leitlinie der DGN zur ADEM
  16. ALLERGISCHE REAKTIONEN UNTER PELARGONIUM-EXTRAKT (UMCKALOABO) arznei-telegramm 2007; 38: 118, Pelargonium (UMCKALOABO) hepatotoxisch a-t 2006; 37: 41-2,
  17. UMCKALOABO, DIE LEBER UND SPITZNER a-t 2006; 37: 58-9,
  18. WAS IST DRAN AN UMCKALOABO? a-t 2003; 34: 28-9
  19. C. M. Filley and B.K. Kleinschmidt-DeMasters Toxic Leukoencephalopathy N. Engl. J. Med., August 9, 2001; 345(6): 425 - 432.  [Full Text]


Echinococcus multilocularis
siehe unter  Fuchsbandwurm


Echolalie
Krankhaftes, papageienhaftes und anscheinend sinnloses Wiederholen (wie ein Echo) von Worten oder Satzteilen, die unmittelbar vorher von einer anderen Person ausgesprochen wurden. Dabei werden Worte oder Satzteile oft leicht umgestellt oder die Pronomina oder Verben angepasst. Beispiel: Frage: Wo wohnen Sie? Antwort: Wo wohne ich... Echopraxie Wiederholung der Bewegung einer anderen Person durch Imitation. Die Bewegung ist nicht gewollt oder beabsichtigt und hat eine halbautomatisierte, nicht kontrollierbare Qualität. Echolalie und Echopraxie treten, laut Rothenberger, in 11 bis 44 % aller Fälle von Tourette Störung auf . Die Betroffenen haben bei einer Echolalie die Neigung das, was sie gerade gehört haben, unabhängig vom Inhalt, nachzuahmen. Dabei kann es sich auch um Inhalte oder Sprechweisen handeln, die sie als dumm, vulgär oder geschmacklos bewerten und daher eher ablehnen als bewundern. Echopraxie bedeutet das Imitieren von Handlungen und Gesten anderer Personen. Beobachtungen brennen sich in das Denken ein und der Impuls, diese Bewegungen oder Handlungen auch durchzuführen, wird immer stärker, bis es nicht mehr unterdrückt werden kann. Diese Bewegungen können sich dann auch als neuer Tic manifestieren. Ebenso kann dieses Phänomen bei der Palilalie vorkommen, welche bei 6 bis 15 % aller Tourette-Erkrankten beobachtet wird. Die Personen wiederholen eigene Äußerungen oder Worte.


Ecstasy
Die Droge hat verschiedene Namen wie MDMA, X, M, E, XTC, rolls, beans, Clarity, Adam, Cadillac,  Essence, Eve, Love, Pille, lover’s speed, hug drug. Daneben sind ähnlich wirkende Abwandlungen auf dem "Markt", MDA, MDEA, MBDB,   

Der Konsum der Modedroge Ecstasy nimmt bei Jugendlichen stark zu. Parallel dazu häufen sich Berichte über schwere neurologische, psychiatrische und internistische Komplikationen nach Gebrauch von Ecstasy. Reines MDMA ist eine weiße kristalline Masse und sieht normalerweise wie weißes Pulver aus. Die Substanz, die sehr lange haltbar ist, zersetzt sich weder an der Luft noch im Licht. Charakteristisch ist ein prägnanter starker und bitterer Geschmack. MDMA ist die Abkürzung für die chemische Formel 3,4-Methylendioxy-N-Methylamphetamin. Es gehört zur Gruppe der Phenetylamine, wozu auch Amphetamine und diverse Halluzinogene (z.B. Meskalin) gehören. Erstmals synthetisiert wurde MDMA in den Forschungslabors der Darmstädter Firma Merck als es bei Versuchen zur Herstellung eines gefäßzusammenziehenden und blutstillendes Mittels als Abfallprodukt anfiel, (MDMA wurde hergestellt in dem man bromiertes Safrol (Safrylamin) mit einer Methylaminlösung reagieren ließ). Am 24.12.1912 wurde  von  der Firma Merck das Patent auf eine Gruppe von Stoffen anmeldet, zu denen auch MDMA gehörte. Aber erst zwei Jahre später, am 16.05.1914 vergab das kaiserliche Patentamt das Patent an die Firma, um eine konkrete Verwendung oder pharmakologische Prüfung ging es damals nicht, die Patentierung erfolgte um ein Patent auf Zwischenprodukte zur Herstellung therapeutisch wirksamer Verbindungen zu haben. 1927 hoffte Merck auf eine dem Ephedrin oder Adrenalin ähnliche Wirkung und prüfte auch pharmakologisch.

Im Laufe des Jahres 1985 trat Ecstasy ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, als eine kleine Gruppe von Leuten die amerikanische Drug Enforcement Agency DEA (zuständig für die Beschaffung von Informationen über den internationalen Drogenhandel) verklagt hatte, weil die DEA Ecstasy verbieten wollte. Durch diese Kontroverse und die damit verbundene Präsenz in der Presse verbreitete sich Ecstasy in ganz Amerika. Verwendung hauptsächlich in der Technoszene, Clubs und in speziellen Szenen.  So hat laut einer Befragung von 1997 von 1.674 Partybesuchern im Berliner Raum etwa jeder zweite Besucher schon zumindest einmal Ecstasy konsumiert.  E. wird deshalb im englischen Sprachraum auch als Clubdroge bezeichnet. Innerhalb des engen Zeitfensters von 6 Stunden vor oder nach dem Ecstasy-Konsum werden laut Dr. Tossmann zusätzlich konsumiert: Cannabis (71 %), Alkohol (66 %), Amphetamine (30 %), Kokain (25 %). D. h. nicht nur die allgemeine Affinität zum Drogenkonsum ist groß, es gibt auch eine relativ hohe Prävalenz des Mischkonsums. Nur bei 11 Prozent aller Ecstasy-Konsumenten ist kein Mischkonsum feststellbar. Ecstasy ist also in aller Regel in ein Muster des Mischkonsums eingebettet, weshalb die derzeit vorliegenden Ergebnisse der medizinischen Ecstasy- Forschung unbefriedigend bleiben.

Ecstasy kann 3-4 Tage nach dem Konsum im Urin nachgewiesen werden. Mit Haaranalysen ist es zu 90 Tage nach der letzten Einnahme nachweisbar. Fast immer auftretende Nebenwirkungen sind ein trockener Mund sowie Appetitverlust. Sehr oft wird von verschiedenen Muskelreaktionen berichtet. Dazu gehören ein verkrampfter Kiefer, Augenzittern, Muskelzuckungen, Übelkeit und Krämpfe. In der Regel gehen diese ca. eine Stunde nach der Einnahme vorüber, sind allerdings bei häufigem Gebrauch und höherer Dosierung ausgeprägter. Eine Langzeitnebenwirkung ist Gewichtsverlust. Dies ist auf die Abnahme des Hungergefühls und die körperliche Bewegung während eines Raves oder einer Party zurückzuführen. Die meisten Leute sind nach der Einnahme von Ecstasy sehr erschöpft. Ecstasykonsumenten zeigen bei neuropsychologischen Studien in mehreren untersuchten Bereichen (Daueraufmerksamkeit, Kurz- und Langzeitgedächtnis) deutliche Beeinträchtigungen im Vergleich zu Probanden mit reinem Cannabiskonsum.  Komplikationen nach Ecstasyeinnahme: Tachykardie, Panikstörung, Konvulsionen, Elektrolytstörungen, Hypertension, paranoide Psychose, zerebrovaskulärer Infarkt, Störung der Thermoregulation mit (Hyperpyrexie, Rhabdomyolyse, DIG), Hitze-und Kältewallung, atypische Psychose, Subarachnoidalblutung Nierenversagen, Nausea, depressives Syndrom, zerebrale Sinusvenenthrombose, nicht-infektiöse Hepatitis, Vomitus, Depersonalisationssyndrom, Lagophthalmus, Kreislaufdysregulation, Mydriasis, Verhaltensauffälligkeit, Arrythmien Nystagmus, Flashbacks, Kammerflimmern, Mundtrockenheit, Hyperreflexie, Gangunsicherheit, Trismus, Bruxismus, Tremor, Harndrang, Zerebrale Krampfanfälle gehören zu den in der Literatur am häufigsten geschilderten Krankheitsbildern des ZNS nach Ecstasyeinnahme.

Stimulierende sogenannte Designerdrogen aus der Ecstasygruppe werden zunehmend häufig, insbesondere von Jugendlichen konsumiert. Aus einer Untersuchung des Max-Planck-Institutes geht hervor, dass 4% der Männer und 2% der Frauen im Alter zwischen 14 - 25 Jahren "Ecstasy" konsumiert haben. (Wittchen et al 1996). Die vielschichtigen Wirkungsweisen von Ecstasy, die pharmakologisch einige Eigenschaften mit den Amphetaminen und den Halluzinogenen gemeinsam haben, determinieren verschiedene psychiatrische Störungen, wie z.B. Schlafstörungen, denen eine zunehmende klinische Bedeutung zukommt. Aufgrund der chemischen Verwandtschaft von Ecstasy und klassischen Amphetaminen sind amphetaminähnliche Wirkungen auf die Schlafarchitektur zu erwarten. Bei MDMA-Konsum kommt es auch langfristig zu einer Beeinträchtigung der Gedächtnisleistungen. Reneman, L. et al., Cortical Serotonin Transporter Density and Verbal Memory in Individuals Who Stopped Using 3,4-Methylenedioxymethamphetamine (MDMA or "Ecstasy"), Arch Gen Psychiatry 58 (2001) 901-906.

Die Abnahme der 5-HT-Transporter auf zerebralen Neuronen hingegen scheint reversibel zu sein und nicht ursächlich mit dem Verlust der kognitiven Fähigkeiten zusammenzuhängen. Dabei ist bekannt, dass eine Verminderung der  Serotoninrezeptordichte mit Depressionen einhergeht. In einer experimentellen placebokontrollierten Schlaf-EEG-Untersuchung mit 6 gesunden Probanden fanden sich unter Gabe von 140 mg MDE amphetaminähnliche Effekte mit Verminderung von Schlafzeit, Schlafeffizienz und REM-Schlaf sowie eine Vermehrung der intermittierenden Wachzeit (Gouzoulis et al 1992). Interessanterweise wurde bei einzelnen Probanden der Tiefschlaf und die zyklische Schlafarchitektur nicht unterdrückt. In klinischer Hinsicht sind Schlaflosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung nach dem Konsum von Ecstasy ein inzwischen weit verbreitetes Phänomen. Polysomnogramme von Ecstasy-Dauerkonsumenten zeigen signifikant weniger Schlaf als bei gesunden Kontrollen, insbesondere zeigte sich eine Reduzierung des Non-REM-Schlafes, wobei insbesondere Stadium II betroffen war (Allen et al 1993).In Einzelfällen ließen sich die Einschlaf- und Durchschlafstörungen dieser Konsumenten mit Trimipramin bessern. Da nicht wenige Ecstasy-Dauerkonsumenten auch komorbide Störungen wie Depressivität aufweisen, sind schlaffördernde trizyklische Antidepressiva vorzuziehen, da diese auch eine entspannende und angstdämpfende Wirkung aufweisen. Mehrere Untersuchungen scheinen darauf hinzuweisen, dass unter MDMA die Serotoninrezeptordichte abnimmt. Frauen scheinen dafür anfälliger zu sein. Dies könnte eine Erklärung für depressive Syndrome nach längerem exzessivem Gebrauch zu sein. Ähnliche Effekte sollen bei einer Vielzahl von Tieren bekannt sein. Der Effekt soll im Laufe eines Jahres reversibel zu sein.

    Drei Dosen von MDMA, hochgerechnet jeweils der Inhalt einer Ecstasy-Tablette, führten im Primatenexperiment zu einer 60-80%-igen Depletion von Dopamin im Striatum. Es gibt deshalb Befürchtungen, dass Ecstasy-Konsumenten ein erhöhtes Risiko haben, im späteren Leben an einem Morbus Parkinson zu erkranken. Science zu Dopamin und Ecstasy(Science 2002; 297: 2260–63). Ecstacy auf den Seiten des National Institute on Drug abuse. Mehr als ein Viertel der User, weisen nach einer Studie von R. Thomasius, innerhalb eines Jahres psychotische Störungen auf, insbesondere Halluzinationen, Personenverkennungen oder Wahnvorstellungen auf. Dabei sind Dauerkonsumenten mit fast 50 Prozent besonders stark betroffen. .Eine Befragung regelmäßiger User (mehr als 100x insgesamt im Leben) ergab eine erhebliche Summe von Symptomen mit großer Häufigkeit. Gedächtnisstörungen (73%), Konzentrationsstörungen (70%), Depressionen (65%), Angst (60%), Schlafstörungen(52%), Gewichtsverlust (48%), und Tremor (38%). Schon 14% von 109 Novizenusern (1–9x im Leben) berichten über Tremor. (möglicherweise eben ein Hinweis auf den drohenden M. Parkinson. (Hum Psychopharmacol Clin Exp 2002; 17: 309–12), Von Tierversuchen gibt es klare Hinweise auf neurotoxische Langzeitschäden durch Ecstasy- Konsum. Aufgrund des jetzigen Forschungsstandes sind solche langfristigen Veränderungen zumindest bei starken Konsummustern wahrscheinlich. Es geht in die Richtung, dass insbesondere Probleme mit dem Gedächtnis und in der Lernfähigkeit auch langfristig bestehen könnten, und das könnte zu Problemen im schulischen, beruflichen und im Ausbildungsbereich führen, aber letzten Endes könnte es auch die Fähigkeit beeinträchtigen, sich an schöne Dinge zu erinnern, die man erlebt hat. Kurz: Die selbstbestimmte Lebensführung kann beeinträchtigt werden.

Langzeitprobleme nach Aufgabe des MDMA -Missbrauchs: Zähneknirschen, Muskelschmerzen und Verspannungen, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen. Zu Beginn tritt ein hoher Blutdruck auf, längerfristig wird dieser erniedrigt, das vegetative Nervensystem gerät durcheinander. Ein Fall von M. Parkinson und längerfristige Abduzensparesen wurden berichtet und sollen auf eine Schädigung dopaminerger Neurone zurückgehen. Langdauernde Gedächtnisstörungen, Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen, größere Impulsivität. mangelnde Selbstkontrolle, Panikattacken, wiederkehrende Paranoia, Halluzinationen, Depersonalisationserlebnisse, Flashbacks und sogar psychotische Episoden lange nach Beendigung des Konsums. Schwere Depressionen, die manchmal nicht auf Behandlung ansprechen. (siehe CMAJ • October 2, 2001; 165 (7))

liquid Ecstasy ist mit Ecstasy (Methylendioxymethamphetamin oder MDMA) nicht verwandt. Es handelt sich bei liquid Ecstasy um  Gamma-Butyrolacton (GBL). GBL wird industriell z.B. zum Graffitientfernen, oder in acetonfreien Nagellackentfernern verwendet. Die industrielle Verwendung macht diese Droge leider sehr billig (bei trotzdem sehr hoher Gewinnspanne der Dealer). Gammahydroxybutyrate sind endogene Fettsäuren, die man in jeder Zelle des menschlichen Körpers findet. Auch im Gehirn sind sie weit verbreitet. Die höchsten Konzentrationen finden sich im Hypothalamus und den Basalganglien.  Nach Einnahme kommt es zu rascher Resorption, durch Hydrolyse dann zu schneller Umwandlung in Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB). Wird die Droge geschluckt gelangt sie schnell ins Gehirn und führt zu Verhaltensänderungen, die Substanz ist anxiolytisch, sedierend und hat auch eine euphorisierende Wirkung. Ein Teil der Wirkungen ist ähnlich der von Benzodiazepinen, Baclofen und Alkohol.  Die etwas salzig und seifenartig schmeckende Flüssigkeit ist geruchs- und farblos, ein Vertrieb als Tabletten oder Kapseln ist ebenfalls möglich. Synonym wird es häufig auch als Liquid X, Liquid XTC, Liqiud E, G-Juice, Fantasy, Somatomax, Firewater, G3, Gamma 10, Cherry Meth, Easy Lay,  Georgia Home Boy.. bezeichnet. GHB ist eine synthetische Variante des hemmenden Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA).

GHB oder liquid Ecstasy wurde zeitweise als intravenöses Narkosemittel verwendet, wegen zu geringer schmerzlindernder Wirkung und zu häufigem Auftreten von Krämpfen und Erbrechen wird es nicht mehr angewendet. Bei Sportlern und Bodybuildern wird es Stimulans und Dopingmittel eingesetzt. Abhängigkeiten werden bei Gelegenheitsnutzern kaum beobachtet, kommen aber Bei Bodybuildern und bei Menschen die GHB für die Selbstbehandlung ihrer Ängste und Schlafstörungen benutzen vor.

Häufige Nutzung führt dann zu einer Verschlimmerung der Ängste und Schlafstörungen, viele missbrauchen die Droge dann alle 2 bis 4 Stunden rund um die Uhr. Entzugssymptome treten dann 1bis 6 Stunden nach der letzten Einnahme auf, es kommt zu einem Tremor, Ängste und Schlafstörungen, autonomer Dysfunktion und Delirium. Die Entzugssymptome können bis zu 2 Wochen dauern und episodenweise wieder kommen. Eine medizinische Überwachung mit Kontrolle der Flüssigkeitsbilanz, des Blutzuckers und der Elektrolyte ist sinnvoll, körperliche Anstrengungen sollten im Entzug reduziert werden, oft ist eine vorübergehende Sedierung mit hochdosierten Benzodiazepinen erforderlich. Antipsychotika oder Antikonvulsiva sind nicht indiziert. NEJM 2005; 352(26): 2721 - 2732. GHB soll neuerdings in den USA wieder in der Behandlung von Narkolepsie eingesetzt werden. GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) fällt ab dem 1. März 2002 in Deutschland unter die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften.

Mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen sind verlangsamter Herzschlag, Erbrechen, Atemdepression, vorübergehende Bewusstlosigkeit und Koma. Todesfälle sind beschrieben, eine längerfristige Einnahme kann zu Abhängigkeit und einem Wernicke- Korsakoff-Syndrom führen. Panikattacken und damit auch der Beginn einer Angsterkrankung sind eine nicht seltene Folge des Rausches. Epilepsien, Herz und Nierenerkrankungen können sich unter dem Medikament verschlimmern, die Gefahr von plötzlichen Todesfällen ist hier besonders hoch. Bei einer Dosis von 10 mg/kg kommt es nach einer viertel bis halben Stunde zu einer anterograden Amnesie,  bei 20 bis 30 mg/kg zu Schläfrigkeit, Schwindel und Euphorie, bei 50 bis 70 mg/kg zu Verlangsamung von Herzschlag und Atmung, und schließlich zum glücklicherweise meist reversiblen Koma (mit dem Risiko des Erstickens an Erbrochenem).  Nach dem Koma kommt es zu schnellem Erwachen mit sofortiger voller Orientierung ohne Hangover. Von den Nutzern erwünschte und gefährliche Dosen liegen nahe bei einander.  Während 30 bis 120 µg/ml für eine Wirkung angestrebt werden ist die tödliche Plasmakonzentration bereits ab 260 µg/ml gegeben, eingenommen werden meist 0,5-3g die tödliche Dosis liegt in der Regel ab 5g. Das Risiko ist also bei Erwerb über den Schwarzmarkt mit unklarer Wirkstärke hoch. Noch schwieriger wird die Einschätzung der Betroffenen dadurch, dass sich eine Toleranz entwickelt, besonders nach einer Pause kann es dann zu einer gefährlichen Überschätzung der Verträglichkeit kommen, da sich die Toleranz wieder zurückgebildet hat.  Ein Labor-Nachweis von GBL/GHB ist in Serum (6 Stunden) und Urin (12 Stunden) möglich. Ein Missbrauch der Substanz auch bei Sexualdelikten und eine aggressionsfördernde Wirkung ist beschrieben, spielt aber vermutlich keine große Rolle. Dennoch sind Fälle berichtet, in denen die geruchslose Diskodroge verwendet wurde um junge Männer oder Frauen gefügig zu machen unter Ausnutzung des Filmrisses für das Ereignis. Ein Nachweis ist nur bei rascher Blutabnahme oder Urinkontrolle möglich. Alkohol und Benzodiazepine werden allerdings weiter für solche Zwecke häufiger benutzt. 

Alkoholfolgen Alkohol im Straßenverkehr, Drogenmißbrauch Cannabis, Heroin Kokain Raucher, Synapse

  1. XT-Think.de =Präventionsinitiative zu Ecstasy -Baden-Württemberg
  2. ECSTASY Bedeutung aktueller Forschungsergebnisse für Prävention und Risikobewertung Bundes Drogenbeauftragter 
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  4. 1999 National Household Survey on Drug Abuse: summary findings. Rockville, Md.: Substance Abuse and Mental Health Services Administration, 2000.  
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EEG- Elektroenzephalogramm
Siehe unter EEG


Effektstärke
Effektstärke ist das wichtigste Maß zur Bestimmung/Berechnung der Wirkung einer Behandlung, manchmal wird auch von  Effektgröße gesprochen. Effektstärke normiert dabei die Unterschiede zwischen den experimentellen Gruppen auf die Streuung der Testwerte, versucht also Unterschiede zwischen den Behandlungen die durch Streuung entstehen auszuschließen.  Die Effektstärke in klinischen Studien beschreibt das Ausmaß der Wirkung einer Verumbehandlung gegenüber dem einer Plazebobehandlung. Bei einer Effektstärke von 0,2 wird nach Cohen und nach Bortz und Döring von einen kleinen Effekt, 0,5 einen mittleren und 0,8 einen starken Effekt ausgegangen. Werden Vorzeichen verwendet, bestätigt eine positive Effektstärke die experimentell erwartete Hypothese, negative Vorzeichen widerlegen die Hypothese. Die Effektstärke alleine dokumentiert zwar eine Wirksamkeit, damit aber nicht unbedingt für sich alleine einen praktischen Wert oder klinischen Nutzen einer Behandlung.  Entscheidend ist vielmehr wie sich die Effektstärke von anderen bekannten Behandlungsverfahren unterscheidet, was tatsächlich gemessen wurde, und dass die gemessenen Wirkung tatsächlich für eine Bedeutung für die Patienten hat. Bei kleinen Stichproben in Studien kann die Effektstärke ein stark zum positiven oder negativen verfälschtes Ergebnis anzeigen. In der Regel ist zusätzlich die Angabe der Signifikanz sinnvoll.
  1. Einige Berechnungsmöglichkeiten von Effektstärken
  2. Measuring Effect Size
  3. Cohen, Jacob (1988): Statistical Power Analysis for the Behavioral Sciences, 2. Aufl., Hillsdale: Lawrence Erlbaum Associates, 1988
  4. Cohen (1992) A power primer. Psychol Bull 112: 155–159


Egoismus
Bewertender Begriff. Einstellungen und Verhaltensweisen, bei denen das eigene Ich gegenüber den Interessen anderer Menschen bevorzugt wird. Negativ übersteigerte Selbstbezogenheit und Eigennützigkeit gepaart mit Rücksichtslosigkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber andern. Eigener Erfolg, Bequemlichkeit, Vorteil, Macht, sexuelle Bedürfnisse werden auf Kosten anderer durchgesetzt, soziale Spielregeln und die Wünsche anderer werden nicht beachtet. Die negative Form (oder auch übertriebener) des Egoismus wird oft sinnvoller als Egozentrismus (Selbst im Mittelpunkt stehend) bezeichnet. Das Gegenteil von übertriebenem Egoismus wird oft im Altruismus gesehen. Man unterscheidet dabei neben einem natürlichen und gesunden Egoismus den krankhaften oder übertriebenen Egoismus. Menschen mit gesundem Egoismus sind selbstbewusst und zielgerichtet in Bezug auf ihren eigenen Vorteil ohne andere zu schädigen oder zu benachteiligen. Menschen, die für sich selbst sorgen, fallen anderen nicht zur Last.


Eifersucht
Fast alle in Beziehungen lebenden Menschen sind eifersüchtig, das Ausmaß richtet sich nach der empfundenen Position in der Beziehung, Absolutheit und Ausschließlichkeit des Beziehungsanspruchs und der Bedeutung des Machtmotivs in der Beziehung, eigener Selbstsicherheit, Ängstlichkeit (insbesondere Angst vor dem Verlust der Zugehörigkeit) und Persönlichkeit, aktuellen Lebensumständen und vielen anderen Faktoren, die teilweise über das Leben hinweg konstant, teilweise von der Umgebung und Kultur abhängig sind. Übersteigerte Eifersucht kann Beziehungen zerstören. Krankhaft eifersüchtige Männer verbieten ihren Frauen die Berufstätigkeit. Oft werden krankhaft eifersüchtige Partner bei jedem angenehmen Gesprächskontakt des Partners zum anderen Geschlecht schon gereizt und machen "Szenen". Eifersucht scheint für Betroffene immer im Verhalten des Partners begründet, die Realitätskontrolle kann dabei leicht verloren gehen. Das Paar isoliert sich, die Empfindlichkeit steigt. Je einschränkender der Partner umso größer wird der Freiheitsdrang des anderen Partners, der mehr und mehr "heimlich" befriedigt werden muss. Ständige kontrollierende Fragen können immer weniger wahrheitsgemäß beantwortet werden. Die Beziehung stirbt an Langeweile und Streit.

Die mit Eifersucht verbundenen Gefühle können bekanntlich sehr qualvoll sein und sogar Gewalt auslösen. Bei etwa jedem vierten Mord oder Totschlag ist Eifersucht das Tatmotiv. Sie ist einer der häufigsten Gründe für Gewalt (durch Männer) in der Ehe und erklärt einen großen Teil der Gewalttätigkeiten unter Alkoholeinfluss in der Ehe. Eifersucht geht vor allem mit der Angst einher, den Partner zu verlieren. Zudem wird befürchtet, bei einer Untreue des Partners die Intimität und Aufmerksamkeit zu verlieren, gedemütigt zu werden und ins finanziell Ungewisse zu stürzen. Weitere mögliche Gefühle sind Schmerz, Zorn, gereizten Erregungszuständen, Traurigkeit, Unruhe, Scham, Erniedrigung, Hoffnungslosigkeit und Unruhe, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Auch körperliche Symptome wie Ein- und Durchschlafstörungen, Herzklopfen, Gewichtsabnahme, Schweißausbrüche kommen vor. Die Betroffenen beschäftigen sich oft ständig mit den aufdrängenden Gedanken an die Untreue des Partners. Die Eifersucht ist also ein Komplex aus verschiedenen peinigenden Gefühlen, die individuell unterschiedlich ausgeprägt sind.

Diese Gefühle führen zu bestimmten Verhaltensweisen. Am häufigsten wird in Untersuchungen das Befragen und Kontrollieren des Partners genannt. Wer eifersüchtig ist, durchsucht die Taschen des anderen, kontrolliert den Partner durch Anrufe und öffnet dessen Post, kontrolliert das Handy.  Ausgelöst wird dies alles naturgemäß dann, wenn der Partner ein verstärktes Interesse an einer anderen Person zeigt. Dafür reicht bei krankhafter Eifersucht oft ein normaler Gesprächskontakt, zu einem gegengeschlechtlichen Menschen. Bei normaler Eifersucht wird meist ein tatsächliches Flirten wahrgenommen. Der stärkste Auslöser ist eine Affäre mit einer den beiden Partnern bekannten Person. Weitere Auslöser sind die Unsicherheit über den momentanen Aufenthalt des Partners, Stress und bei Frauen die prämenstruelle Phase.

Wenn man Frauen und Männer mit hypothetischen Szenarien sexueller versus emotionaler Untreue ihres Partners bzw. ihrer Partnerin konfrontiert und bittet anzugeben, welche Art von Untreue sie mehr aufregt, wählen Männer relativ häufiger als Frauen sexuelle Untreue. Dieser Befund wird aus evolutionsbiologischer Sicht mit geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Kosten beider Arten von Untreue erklärt. Da Männer sich ihrer Vaterschaft nicht sicher sein können, zieht sexuelle Untreue der Partnerin potentiell Investitionen des Mannes in die Aufzucht von Kindern nach sich, die mit ihm nicht genetisch verwandt sind. Für Frauen hingegen ist vor allem die emotionale Hinwendung des Partners zu einer anderen Frau bedrohlich, da dies den Verlust der Kooperation des Mannes bei der Aufzucht ihrer eigenen Nachkommen bedeuten kann. Aus dieser Sicht müsste sexuelle Untreue der Frau für einen Mann weniger bedrohlich sein, wenn es sich bei dem Rivalen um seinen Bruder handelt, als wenn der Rivale ein Fremder ist, da potentielle Nachkommen im ersteren Falle genetisch stärker mit dem Mann übereinstimmen als im letzteren. Bei weiblichen Befragten lassen sich für den Vergleich ´Schwester-Fremde´ weniger klare Vorhersagen ableiten. In einem Experiment mit 198 britischen Studierenden zeigte sich eine Replikation des klassischen Geschlechtseffekts bei Reaktionen auf sexuelle versus emotionale Untreue.

Im Widerspruch zur evolutionären Sicht gaben jedoch 89% der Männer und 94% der Frauen an, dass sexuelle Untreue der Partnerin bzw. des Partners mit ihrem Bruder bzw. ihrer Schwester für sie schlimmer wäre als mit Fremden. Bei der Analyse von rund 1500 Testamenten in Kalifornien ergab sich ein spezifisches Muster bei Familien mit Kindern: Männer gaben im Mittel 80% des Erbes an die überlebende Gattin und nur 17% an die Kinder. Frauen wiesen den Witwern nur einen Anteil von 40% zu, dagegen ihren Kindern einen von 48%. Die Ergebnisse werden im Rahmen des Gesamtfitness-Ansatzes interpretiert: Da Frauen eine kürzere reproduktive Phase haben als Männer, ist es bei letzteren wahrscheinlicher, dass sie erneut heiraten und Kinder kriegen. Frauen können daher weniger als Männer darauf vertrauen, dass der oder die Überlebende das Vermögen an die gemeinsamen Kinder weitergeben. Die Unterschiede in den Zuweisungen sollten also nur auftreten, wenn sich die Frau bereits jenseits ihrer reproduktiven Phase befindet, der Mann aber noch in ihr. Sind dagegen beide noch in Lage, weitere Kinder zu kriegen, sollten die Anteile von Witwern und Witwen annähernd gleich sein. Diese Annahme wurde in zwei Experimenten geprüft. In beiden Studien wurden die Vpn gebeten, sich in eine Person zu versetzen, die ihr Testament macht und ihr Vermögen zwischen dem gleichaltrigen Lebenspartner und zwei Kindern aufteilt. Alter (36 Jahre vs. 51 Jahre) und Geschlecht des Erblassers wurden unabhängig variiert. Im ersten Experiment nahmen die Vpn die Zuweisung der Ressourcen selbst vor, im zweiten bewerteten sie drei vorgegebene Aufteilungen (Gleichaufteilung, Bevorzugung des Partners, Bevorzugung der Kinder). Die Ergebnisse entsprechen im wesentlichen den theoretischen Vorhersagen und sind weitgehend unabhängig von Alter, Geschlecht und erbschaftsbezogenen Zielvorstellungen der Vpn. Männer und Frauen erleben und bewerten ihre Partnerschaft zum Teil unterschiedlich. Anhand einer Längsschnittuntersuchung an über 600 Paaren verschiedener Altersbereiche werden diese Wahrnehmungsunterschiede in verschiedenen Bereichen aufgezeigt. Die Befunde bestätigen gängige stereotype Vorstellungen über die Geschlechtsspezifität dyadischer Wahrnehmungsprozesse nur zum Teil. So etwa findet die Annahme, dass Frauen eine engere Bindung an die Partnerschaft zeigen als Männer, in den Daten keine Bestätigung. Im Gegenteil scheinen Separationstendenzen (z.B. Trennungsgedanken) bei weiblichen Teilnehmern akuter und stärker als bei den männlichen Teilnehmern. Letzteres deckt sich auch mit der Tatsache, dass Frauen häufiger die Scheidung einreichen als Männer.  Auch einstellungsmäßige Vorbehalte gegen die Auflösung der Ehe zeigen sich bei weiblichen Teilnehmern schwächer ausgeprägt. Weitere Geschlechtsunterschiede finden sich in den Vorstellungen gelingender Partnerschaft, der subjektiven Fairness in der Beziehung sowie dem partnerschaftsspezifischen Kontrollerleben.

Nach einer evolutionspsychologischen Hypothese reagieren Frauen (aus Gründen von Versorgungsinteressen, resource interests) in imaginierten Forced-Choice-Szenarien von Beziehungsuntreue mehrheitlich mit emotionaler Eifersucht bzw. finden emotionale Untreue des Partners belastender, während Männer (aus Gründen der Vaterschaftssicherung, paternity confidence) in solchen Szenarien tendenziell mit sexueller Eifersucht reagieren bzw. sexuelle Untreue der Partnerin belastender finden. Etliche in den letzten Jahren dazu durchgeführte fragebogenbasierte Studien erbrachten Evidenz im Sinne dieses Geschlechtsunterschied. Zugleich wurde aber auch dessen vorgebliche kulturelle Invarianz in Frage gestellt: in ostasiatischen und US-amerikanischen Stichproben fiel der Geschlechtsunterschied signifikant größer aus als in mittel- und westeuropäischen Stichproben (Voracek, 1999).

Quälende Eifersuchtsgrübeleien, die häufig auch Beziehungen gefährden und nicht die Kriterien einer wahnhaften Störung erfüllen, sprechen oft gut und dauerhaft auf Fluoxetin oder andere SSRI an. Meist liegt eine erhebliche Selbstwertproblematik zugrunde, die bei dem eifersüchtigen Partner auch einer Psychotherapie bedarf. Das Thema der Eifersucht zeigt oft sehr direkt die Minderwertigkeitsgefühle des Eifersüchtigen. Beweise sind zum Funktionieren und Gedeihen einer Partnerschaft selten nützlich, wer immer nach Beweisen sucht, sollte sich fragen warum er Probleme mit dem Vertrauen hat, das die gesunde Basis einer Partnerschaft stellen muss. Übertrieben eifersüchtige lieben nicht mehr als andere, sie wollen nur mehr kontrollieren als andere. Sie schränken damit ihre Partner in deren persönlichen Freiheiten ein. Es gibt kein Recht Partner zu kontrollieren. Der übertrieben oder krankhaft Eifersüchtige muss erkennen, dass er das Problem in der Beziehung ist, und dass sich dieses Problem in jeder anderen Beziehung wiederholen würde. Das Erlernen der Selbstkontrolle ist also gefragt.



Eifersuchtswahn
Wahnhafte Überzeugung, vom Partner betrogen und hintergangen zu werden. Die meisten Betroffenen sind über 40 Jahre alt, der Eifersuchtswahn beginnt meist abrupt ohne das andere Wahnsymptome vorausgegangen sind. Männer sind von diesem Wahn häufiger betroffen als Frauen. Eifersuchtswahn kann aber auch ein Symptom einer Psychose wie der paranoiden Schizophrenie, einer wahnhaften Depression oder einer neurologischen Erkrankung sein. Unter stationären psychiatrischen Patienten sollen etwa 0,2% an einem Eifersuchtswahn leiden, unter den älteren Patienten ist die Häufigkeit größer. Eifersuchtswahn tritt am häufigsten bei senilen Demenzen im Zusammenhang mit allgemeinen wahnhaften Störungen, Alkoholpsychosen und schizophrenen Störungen auf. Demenzkranke mit diesem Syndrom befinden sich oft erst im Stadium der leichten Demenz oder einer leichten kognitiven Störung und sind dann meist noch lange in der Lage alleine zu leben und zielgerichtet zu handeln. In diesen Fällen ist der Eifersuchtswahn nicht selten das erste Frühsymptom der Demenz, so dass bei älteren Patienten danach gesucht werden sollte. Beschrieben ist der Eifersuchtswahn auch bei chronischem Alkoholismus, Kleinhirnschädigungen, Schlaganfällen mit Frontalhirnschädigungen, Multipler Sklerose, Enzephalitis, Hirntumoren, Epilepsie, und neurodegenerativen Erkrankungen wie M. Alzheimer, Chorea Huntington oder dem Normaldruckhydrozephalus. Die Frontalhirnschädigung ist möglicherweise die häufigste neurologische Grundlage des Syndroms, es gibt aber auch Beschreibungen nach thalamischen Schädigungen. Da neurologische Erkrankungen das Risiko erhöhen einen Eifersuchtswahn zu bekommen, sollte auch danach gesucht werden, bzw. eine neurologische Ausschlussdiagnostik erfolgen. Ist eine erfolgreiche Behandlung Grunderkrankung möglich, verschwindet der Wahn. Wahn“ ist dabei "eine private Wirklichkeit", von deren Richtigkeit der Betroffene absolut überzeugt ist. Das krankhafte am Wahn liegt also nicht im Inhalt, sondern vielmehr in der Unbeeinflussbarkeit durch Erfahrung und zwingende Schlüsse. Eine Diskussion über die Fehldeutungen oder Erklärungen, warum diese absurd sind, verändert in der Regel die Wahngewissheit nicht. Angehörigen die versuchen dem Wahnkranken den Wahn auszureden, werden als parteiisch für den Fremdgeher angesehen, in der Diskussion steigert sich die emotionale Betroffenheit und verschlimmert die Auswirkungen. Der Wahn bedarf für den Wahnkranken keines Beweises. Die Patienten fehlinterpretieren in der Regel harmlose Ereignisse als Bestätigung ihrer wahnhaften Überzeugung. Sie schaffen sich ihre Beweise sogar selbst, indem sie Vorgänge beobachten oder Geräusche hören, die objektiv auf einer falschen Wahrnehmung beruhen. Wahnhaft ist es, wenn ein Patient etwa sämtliche Nachbarn als Liebhaber seiner Frau ansieht. Oder er nimmt an, die Frau würde ständig mit Fremden Verhältnisse haben. Nach dem DSM IV — handelt es sich beim Eifersuchtswahn um einen Subtypus der Wahnhaften Störung (DSM-IV: 297.1). Dieser Subtypus gilt, wenn das zentrale Wahnthema einer Person darin besteht, dass ihr [Ehe-]Partner untreu ist. Dieser Glaube entsteht ohne ausreichenden Grund und basiert auf falschen Schlussfolgerungen sowie kleinsten „Beweisen“ (z.B. in Unordnung gebrachte Kleidung oder Flecken auf Bettlaken], die gesammelt werden, um den Wahn zu rechtfertigen. Die Person mit dem Wahn konfrontiert normalerweise den [Ehe-]Partner und versucht, der vermeintlichen Untreue entgegen zu wirken (z.B. die Unabhängigkeit des [Ehe-]Partners einschränken, den Partner heimlich verfolgen, den vermeintlichen Liebhaber beobachten, den [Ehe-]Partner angreifen). Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Beeinträchtigung des Patienten und den Risiken für den Ehepartner oder andere von wahnhaften Beziehungsideen betroffenen. Die subjektive Beeinträchtigung der Patienten kann sehr hoch sein und erfordern dann eine medikamentöse Behandlung. Manchmal sind die Beeinträchtigungen gering und die Patienten leben trotz des Eifersuchtswahns ruhig und friedfertig mit geringer emotionaler Betroffenheit, dann sind eher unterstützende Gespräche mit Patienten und Ehepartnern indiziert. Nach Shakespeare’s Tragöde wird der Eifersuchtswahn im englischen auf als Othello Syndrom bezeichnet. Die durch einen Intriganten geschürte Eifersucht eines farbigen Generals führt in dieser Tragödie dazu, dass er seine (unschuldige) Gemahlin umbringt und sich selbst suizidiert.
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  8. S. Ostling and I. Skoog Psychotic Symptoms and Paranoid Ideation in a Nondemented Population-Based Sample of the Very Old Arch Gen Psychiatry, January 1, 2002; 59(1): 53 - 59.  [Abstract]
  9. J. Webster and G. T. Grossberg Late-Life Onset of Psychotic Symptoms Am J Geriatr Psychiatry, August 1, 1998; 6(3): 196 - 202. [Abstract]   


Eigeninitiative
Eigeninitiative ist ein neueres Konzept von Arbeitsverhalten, bei dem Personen über die üblichen Anforderungen ihres Arbeitsplatzes hinausgehen. Eigeninitiative ist selbststartend - man tut etwas ohne expliziten oder impliziten Auftrag - , proaktiv - man antizipiert zukünftige Situationen und bereitet sich darauf vor oder löst Probleme, bevor sie tatsächlich entstehen - , und persistent - angesichts Barrieren im Vollzug einer eigeninitiativen Handlung gibt man nicht auf (Frese, Fay, Hilburger, Leng, & Tag, 1997). Vorangegangene Forschung hat sowohl Arbeitsplatzmerkmale (z.B. Handlungsspielraum) als auch Personenmerkmale (z.B. Kontrollkognitionen) als Prädiktoren von Eigeninitiative identifiziert. Bei objektiv gleichem Aufgaben- und Verantwortungsbereich gibt es interindividuelle Unterschiede hinsichtlich der subjektiven Interpretation dessen, was Personen als zu ihrer Arbeitsrolle dazugehörig empfinden (Ilgen & Hollenbeck, 1991). Eine neue Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedeutung die subjektive Interpretation der ´Arbeitsrolle´ für das Auftreten von Eigeninitiative hat. Es wird vermutet, dass Akte eigeninitiativen Handelns das Ausleben einer subjektiv breiten Arbeitsrolle darstellen könnte. Es wird ein positiver Zusammenhang zwischen (subjektiver) Breite der Arbeitsrolle und Eigeninitiative angenommen. Bei einer Stichprobe von n=75 KrankenhausmitarbeiterInnen (Pflegebereich) wurden subjektive Rollenbreite mittels Fragebogen und Eigeninitiative durch ein Interview (vergl. Frese, et al., 1997) erhoben. Entgegen der Hypothese ergab sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen Rollenbreite und Eigeninitiative. Damit scheint eigeninitiatives Handeln nicht darauf zu beruhen, dass Personen eine subjektiv breite Arbeitsrolle erfüllen


Einklemmungssyndrome

 

Dienzephales Syndrom

Mesenzephales Syndrom

Pontines Syndrom

Bulbäres Syndrom

Atmung

Cheyne-Stokes

Maschinenatmung

flach, ataktisch

Schnappatmung

Spontanmotorik

Beuge-Streck-Muster

Streck-Muster

fehlende Schmerz-Reaktion; schlaffer Tonus

schlaffer Tonus

Kornealreflex

erhalten

erhalten

erhalten

fehlt

Lichtreflex

prompt

träge/fehlt

mittelweit, licht-starr, entrundet

max. weit, licht-

starr, entrundet

Okulozephaler-Reflex (OZR) ("Puppenkopfphänomen"): Bei passiver Kopfdrehung Bewegung der Augen in entgegengesetzte Richtung

normal

dyskonjugiert

fehlt

fehlt

Vestibulo-okulärer Reflex (VOR): Tonische, konjugierte Blickwendung zur Seite des kaltgespülten Ohres

normal

normal/dyskonjugiert

fehlt

fehlt

Hustenreflex

erhalten

erhalten

erhalten

fehlt



Einsamkeit
spiegelt wider, wie ein Mensch seine soziale Situation empfindet - wie isoliert oder innerlich abgetrennt von der Welt er sich fühlt. Säuglinge drohen ohne enge Bindung an andere körperlich und seelisch zu verkümmern; einsame Erwachsene leiden unter Erschöpfung, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und Herzproblemen. Sie entwickeln Depressionen und sind besonders stark suizidgefährdet. Experten unterscheiden deshalb häufig zwischen "vorübergehender" und "chronischer" Einsamkeit oder einem "einsamen Wesenszug". Tatsächlich sehen auch chronisch Einsame die Ursache für ihr Leiden weniger in unbefriedigenden Beziehungen oder anderen äußeren Umständen - als in sich selbst. Einsame unterscheiden sich von Nichteinsamen weder in körperlicher Attraktivität, Gewicht, Größe, noch in Ausbildung oder Studienleistung. Sie haben gleich viele soziale Kontakte, aber ein Drittel weniger Freunde und sind vor allem ängstliche und anklammernde Bindungstypen. Sie denken oftmals schlecht von sich selbst und haben ein niedrigeres Selbstwertgefühl: Chronisch Einsame erwarten, dass andere Menschen sie ähnlich negativ einschätzen wie sie sich selber - was allerdings anfangs oft gar nicht der Fall ist. Weil sie innerlich schon mit Ablehnung rechnen, begegnen sie der Außenwelt mit mehr Misstrauen und haben weniger Interesse, neue Bekanntschaften noch einmal wieder zu sehen. Oft meiden extrem Einsame in Gesprächen persönliche Themen und bleiben auf Distanz - oder aber sie verfallen ins andere Extrem. Vergleicht man etwa Ledige mit Verheirateten, ist das Sterberisiko bei unverheirateten Frauen um 50, bei Männern gar um 250 Prozent erhöht. Besonders depressive Menschen profitieren gesundheitlich und bezüglich ihrer Lebenserwartung von der Paarbeziehung,- selbst dann wenn sie, wie bei depressiven Menschen häufig mit der Beziehung unzufrieden sind.
Einsamkeit GEO Magazin 10/02


Einschlafzuckungen
Die meisten Menschen kennen das plötzliche und blitzschnelle Zusammenzucken des ganzen Körpers kurz vor dem Einschlafen. Es gibt verschiedene Formen von Einschlafzuckungen, die harmlos sind, von den Betroffenen aber häufig schreckhaft erlebt werden. "Visuelle" Einschlafzuckungen werden z. B. von grellen Lichtblitzen begleitet, während bei "auditiven" Einschlafzuckungen Geräusche wahrgenommen werden.


Einschlußkörpermyositis
Meist im Erwachsenenalter einsetzende, langsam fortschreitende Muskelschwäche aufgrund einer entzündlichen Muskelerkrankung; die Diagnose wird elektronenmikroskopisch anhand von Einschlüssen in (Zellkernen und Zytoplasma der Muskelfasern gestellt).


Einwilligung
Einwilligung in die Behandlung: Die wirksame Einwilligung des Patienten in die Behandlung ist die Grundlage zur Beseitigung der Rechtswidrigkeit des ärztlichen Eingriffs. Die Wirksamkeit hängt in erster Linie von einer ordnungsgemäßen Aufklärung ab, diese sollte man dokumentieren. Des Weiteren ist sie an die Willensfähigkeit des Patienten gebunden; ist diese aufgehoben (Minderjährige, Geschäftsunfähige, etc.) so geht das Einwilligungsrecht auf den Sorgeberechtigten über. Bei Bewusstlosen ist der mutmaßliche Wille des Patienten maßgebend. Einwilligungsfähigkeit bei psychisch Kranken: Die Selbstbestimmung des Patienten hat in der Psychiatrie in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Aus dem medizinethischen Prinzip des Respekts vor der Autonomie des Kranken wird die Verpflichtung des Arztes zum Einholen der Einwilligung des Patienten nach individueller Aufklärung (Informed Consent) abgeleitet.1 Doch kann durch eine psychische Erkrankung die Einwilligungs- und Selbstbestimmungsfähigkeit aufgehoben sein, auf der anderen Seite kann aus der psychiatrischen Diagnose nicht die Einwilligungsunfähigkeit eines Patienten abgeleitet werden. Für den klinisch tätigen Psychiater folgt daraus, dass er im Einzelfall die Einwilligungsfähigkeit des Patienten individuell beurteilen muss. Schwere paranoide und depressive Syndrome können die Einwilligungsfähigkeit nachhaltig einschränken. Kognitive Defizite können zu Störungen des Informationsverständnisses führen. Der Informed Consent kann aber auch durch Einschränkung der freien Willensentscheidung infolge familiärer oder gesellschaftlicher Einflüsse beeinträchtigt sein. Hier steht der beratende Arzt im Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Autonomie der Testperson.


Eisenmangelanämie
Es handelt sich hier um ein hämatologisches Krankheitsbild. Zur Definition: Die Eisenmangelanämie ist die häufigste Anämieform und das häufigstes Mangelsyndrom überhaupt. Sie entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Eisenzufuhr und -bedarf. Häufigste Ursachen sind erhöhter Bedarf z.B. bei Schwangerschaft und chron. Blutverlust. Andere Ursachen: Menstruation, gastrointestinale Blutungen, erhöhter Eisenbedarf (Wachstum, Schwangerschaft, Laktation), Diäten und vegetarische Kost strenge Vegetarier können Eisenmangelanämien entwickeln, verminderte Eisenresorption ( z.B. bei Anazidität, Gastrektomie, Sprue, Lamblienbefall) aber auch schwerwiegende Erkrankungen wie Tumore. Bei 50 % aller menstruierenden Frauen besteht ein prälatenter oder latenter Eisenmangel. Bei Schwangeren im letzten Trimenon ohne Eisenprophylaxe ca. 90 % Eisenmangel; davon zeigen 30 % eine Eisenmangelanämie!

Normwerte

Erythro

zyten

Normwert: Frauen 3,5-5, Männer 4,3-5,9

Hämatokrit

Normwert: Frauen 33-43 %,  Männer 39-49 %

Hb

Normwert:  Frauen 12,0-15,0 g/dl; Männer  13,6-17,2 g/dl

Anämiesymptome können sein: Schwäche, Müdigkeit, Leistungsknick, Kopfschmerzen, Schwindel, Belastungsdyspnoe, Tachykardie, Herzklopfen. Die Behandlung besteht meist in einer oralen Substitution mit zweiwertigen Eisen-Sulfatverbindungen Bei Ther.-Erfolg zunächst Retikulozytenanstieg (nach 1–2 Wochen), erst später Hb-Anstieg um 0,1–0,2g/dl tägl. Zum Auffüllen der Eisenspeicher wird in der Regel noch mindestens 3 Mon. nach Normalisierung des Blutbildes weiterbehandelt und im Verlauf kontrolliert. Wie sich aus der Symptombeschreibung oben ergibt, kann eine Anämie (jeder Genese) durchaus Symptome machen, die einer depressiven Störung ähneln. Nicht immer gehen die sich langsam entwickelnden Eisenmangelanämien mit Symtomen einher. Der Körper gewöhnt sich auch bis zu einem gewissen Grad an den Mangel. Es handelt sich also oft auch um Zufallsbefunde- die im Zweifel aber der Abklärung und Behandlung bedürfen. Im Zweifelsfall ist hier nur eine Entscheidung bezüglich der Genese der Symptome nach Behandlung der Anämie möglich. Dies durch eine einfachste Behandlung mit einem 2 wertigen Eisenpräparat. Ein hoher Eisengehalt im Gehirn wurde bei einer Vielzahl neurologischer Systemerkrankungen nachgewiesen. Teilweise sind die Gene bekannt die dafür verantwortlich sind. Eisenstoffwechselstörungen spielen beim M Alzheimer, M. Parkinson, Chorea Huntington, und dem Hallervorden-Spatz Syndrom eine Rolle. Auch Restless legs Symptome können durch Eisenmangel begünstigt werden- und durch Behandlung des Eisenmangels manchmal behoben werden. Gestört sein kann dabei die Eisenaufnahme, die Freisetzung von Eisen, die Speicherung, der intrazelluläre Eisenstoffwechsel, und die allgemeine Regulation des Eisengehaltes.
Ya Ke, Zhong Ming Qian, Iron misregulation in the brain: a primary cause of neurodegenerative disorders The Lancet Neurology 2.4, 1.April 2003 Summary Full Text PDF C. ALGARIN, P. PEIRANO, M. GARRIDO, F. PIZARRO, and B. LOZOFF Iron Deficiency Anemia in Infancy: Long-Lasting Effects on Auditory and Visual System Functioning, Pediatr. Res., February 1, 2003; 53(2): 217 - 223. [Abstract] [Full Text] [PDF] F. T Wieringa, M. A Dijkhuizen, C. E West, D. I Thurnham, Muhilal, and J. W. Van der Meer Redistribution of vitamin A after iron supplementation in Indonesian infants Am. J. Clinical Nutrition, March 1, 2003; 77(3): 651 - 657. [Abstract] [Full Text] [PDF] Grantham-McGregor S, Ani C. A review of studies on the effect of iron deficiency on cognitive development in children. [Review]. J Nutr 2001; 131: 649S–666S Theodore I. Lidsky and Jay S. Schneider Lead neurotoxicity in children: basic mechanisms and clinical correlates Brain 2003 126: 5-19. [Abstract] [Full Text]  


Ejakulatio praecox auch Ejaculatio praecox geschrieben
vorzeitiger Samenerguss. Von einer Ejaculatio praecox spricht man, wenn es schon nach minimaler sexueller Stimulation (bevor die Person es wünscht), zum Samenerguss kommt, gemeint ist in der Regel: vor, bei oder kurz nach der Vereinigung.  Es handelt sich dabei also um eine subjektiven Bewertung, die abhängig von der gewünschten Dauer bis zum Samenerguss ist. Meist wird dies nur beim sexuellen Kontakt mit einer anderen Person ein Problem, da der Mann den Zeitpunkt des Samenergusses oder des Orgasmus bei der Masturbation in der Regel gut oder doch zu eigenen Zufriedenheit steuern kann.   Vor einer Ejaculatio praecox betroffen sind nach unterschiedlichen Untersuchungen 4-28% der Männer. Da das sympathische Nervensystem sowohl an Angst als auch an der Ejakulation beteiligt ist, vermuten die Sexualtherapeuten, dass die Versuche, die Ejakulation zurückzuhalten, Angst auslösen, die wiederum das Problem verschlimmert. Waldinger und seine Koautoren nehmen an, dass die Ejakulatio praecox ein neurobiologisches Phänomen ist, das durch eine verminderte zentrale serotonerge Neurotransmission, 5-HT2C Rezeptorhyposensitivität und//oder 5-HT1A Hypersensitivität bedingt ist. Im Gegensatz zu älteren Theorien gehen diese Autoren davon aus, dass es sich nicht um eine erworbene Störung oder ein erlerntes Verhalten handelt, sondern um eine Normvariante der normalen biologischen Variabilität der unterschiedlichen Zeitdauer bis es zu einem Samenerguss in der Scheide kommt. Sie vermuten auch erbliche Einflüsse. Seltener ist der verzögerte Erguss, Ejakulatio retardata. Von einer retrograden Ejakulation spricht man, wenn die Entleerung der Samenflüssigkeit in die Harnblase erfolgt, z.B: manchmal nach Prostataoperation oder bei allgemein mangelnden Verschluss des Blasenhalses, der Orgasmus ist dabei in der Regel nicht beeinträchtigt. Als Ejaculatio deficiens bezeichnet man das Ausbleiben eines sichtbaren Samenergusses z.B. bei der retrograden Ejakulation trotz Orgasmus.  Bei der Ejakulatio praecox gelten bestimmte Antidepressiva als Mittel der Wahl. Siehe auch die amerikanischen Leitlinien, daneben werden teilweise Lokalanästhetikasalben empfohlen. Letztere mindern allerdings auch das Empfinden an der Glans Penis. Da das sympathische Nervensystem sowohl an Angst als auch an der Ejakulation beteiligt ist, vermuten die Sexualtherapeuten, dass die Versuche, die Ejakulation zurückzuhalten, Angst auslösen, die wiederum das Problem verschlimmert. Die Kontrolle über den Zeitpunkt des Orgasmus und damit auch der Ejakulation ist bis zu einem gewissen Grad auch in Zusammenarbeit mit der Partnerin und ggf. mit Unterstützung eines Sexualtherapeuten auch erlernbar. Zunächst wird bei der Sexualtherapie immer versucht den Druck von beiden Partnern zu nehmen. Erfolgsdruck ist der Feind jeden gesunden Sexuallebens. In so genannten Senusitätsübungen sollen sich die Partner entspannt zunächst für Tage oder Wochen nur am ganzen Körper liebkosen. Erst später werden die Genitalien einbezogen. Am häufigsten angewendet wird dann die Squeeze Technik (kurz vor dem Orgasmus wird der Penis von der Partnerin mit 3 Fingern oberhalb und unterhalb der Kranzfurche gequetscht), dies wird in der Regel mehrfach angewendet. Diese Übung wird dann mit der Start/Stoptechnik ergänzt. Die Übungen werden in den Therapiesitzungen besprochen, der Therapeut bespricht mit den Paaren detailliert Hausaufgaben und bespricht in der nächsten Sitzung den Erfolg und die Schwierigkeiten bei den Hausaufgaben. Auch bei dieser mechanischen Methode werden gute Erfolge berichtet.
Ejakulatio praecox wie die Nebenwirkung einer Medikamentengruppe für andere Menschen nützlich sein kann.
Viele Antidepressiva können die sexuelle Lust vermindern und verzögern gleichzeitig die Ejakulation. Eine Metaanalyse von 79 Studien (3034 Männern) die zwischen  1943 und 2003 veröffentlicht wurden ging der Frage nach wie effektiv Antidepressiva in der Behandlung der Ejakulatio praecox  sind. Die Wirkung wurde mit der Stoppuhr im Vergleich zu Plazebo oder anderen Techniken gemessen. Gemessen wurde dabei die Zunahme der Zeit bis zur intravaginalen Ejakulation (=IELT oder Zeit bis zum Samenerguss in der Scheide).  Interessanterweise unterscheiden sich die verschiedenen Antidepressiva hinsichtlich ihrer Wirkung.  In der Regel war die täglich Einnahme der Antidepressiva einer bedarfsweisen Einnahme weit überlegen. Paroxetin war deutlich wirksamer als die anderen SSRIs. Insgesamt ist aber die Wirkung von Paroxetin, Clomipramin, Sertralin und Fluoxetin vergleichbar. Antidepressiva sollten immer vom Arzt verschrieben werden. Es sollte vorher immer eine individuelle Abschätzung der Risiken und eine individuelle Aufklärung über den Umgang damit erfolgen.
nach Waldinger  MD, Zwinderman AH, Schweitzer DH, Olivier B. Relevance of methodological design for the interpretation of efficacy of drug treatment of premature ejaculation: a systematic review and meta-analysis.Int J Impot Res. 2004 Aug;16(4):369-81. Review. PMID: 14961051 [PubMed - indexed for MEDLINE]
Leitlinie der American Urolgical Association:  Premature Ejaculation (2004), Amanda J Moreland and Eugene H Makela Selective Serotonin-Reuptake Inhibitors in the Treatment of Premature Ejaculation Ann Pharmacother 2005;39:1296-1301. DOI 10.1345/aph.1E069 Abstract] [Full Text] [PDF]


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