Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Fabry, Morbus
Der M. Fabry stellt eine X-chromosomal erbliche Speicherkrankheit dar, die viszerale Organe, das Nervensystem und die Blutgefäße befällt. Die Diagnose wird meist 5 - 15 Jahren nach Auftreten der ersten Symptome erst im Erwachsenenalter gestellt. Schmerzen der Hände und Füße, Hitze-
und Kälteintoleranz, Fieberschübe,vermindertes Schwitzen, Hornhauttrübung,blaurote Hautläsionen (Angiokeratome), Hornhauttrübung, Schlaganfall, linksventrikuläre Hypertrophie, Herzrhythmusstörungen, Depressionen Niereninsuffizienz sind die Symptome.  Der Stoffwechseldefekt liegt im Katabolismus von Ceramiden (Glykosphingolipiden), die Komponenten verschiedener Organe darstellen. Durch die fehlende Aktivität der a-Galaktosidase kommt es bei Patienten mit M. Fabry zur Akkumulation eines bestimmten Glykosphingolipids, des Ceramid-Trihexosids, im Endothel von Gefäßen, Epithelien vieler Organe (besonders der Nieren) und Zellen der glatten Muskulatur. Das ubiquitäre Vorkommen der Speichersubstanzen erklärt die Manifestation der Erkrankung in vielen Organsystemen. Die Krankheit verläuft chronisch, erste Symptome sind Schmerzen und Parästhesien in den Extremitäten oft im Sinne von Minuten bis zu Tagen anhaltenden und qualvoll brennende Schmerzkrisen durch eine small-fibre-Neuropathie die auf durch Sphingolipid-Ablagerungen in den Vasa nervorum zurückgeführt wird, oft besteht eine Hypohidrosis. Pathognomonisch sind Angiokeratome (kleine, rötliche bis blauschwarze Gefäßektasien), woraus sich der Krankheitsname Angiokeratoma corporis diffusum ableitet. Im Erwachsenenalter manifestiert sich der M. Fabry am Herzen und den Nieren: Es können Herzrhythmusstörungen auftreten, häufig entwickelt sich eine Kardiomyopathie. Aufgrund einer Niereninsuffizienz werden die Patienten häufig dialysepflichtig. Auch zerebrovaskuläre Symptome insbesondere Schlaganfälle auch in jüngeren Jahren sowie begleitende kognitive Störungen werden beobachtet, Hörstörungen und Tinnitus, Abgeschlagenheit und Erschöpfung bei körperlicher Anstrengung, Depressionen, Schwindel und Kopfschmerzen kommen ebenfalls häufiger vor. Seit 2001 sind 2 i.v. Enzymersatztherapien mit α-GAL (Agalsidase α) in Europa zugelassen, das Ausmaße des Behandlungserfolgs ist noch nicht endgültig beurteilbar, ein Rückgang von Sphingolipid-Ablagerungen in den Organen ist aber belegt. Es ist davon auszugehen, das die Enzymersatztherapien nicht nur die Symptome bessern, sondern auch die Lebenserwartung verlängern.
  1. Mehta, A, Clarke, J T R, Giugliani, R, Elliott, P, Linhart, A, Beck, M, Sunder-Plassmann, G, on behalf of the FOS Investigators, (2009). Natural course of Fabry disease: changing pattern of causes of death in FOS - Fabry Outcome Survey. J. Med. Genet. 46: 548-552 [Abstract] [Full Text]
  2. Schiffmann, R., Warnock, D. G., Banikazemi, M., Bultas, J., Linthorst, G. E., Packman, S., Sorensen, S. A., Wilcox, W. R., Desnick, R. J. (2009). Fabry disease: progression of nephropathy, and prevalence of cardiac and cerebrovascular events before enzyme replacement therapy. Nephrol Dial Transplant 24: 2102-2111 [Abstract] [Full Text]
  3. Oqvist, B., Brenner, B. M., Oliveira, J. P., Ortiz, A., Schaefer, R., Svarstad, E., Wanner, C., Zhang, K., Warnock, D. G. (2009). Nephropathy in Fabry disease: the importance of early diagnosis and testing in high-risk populations. Nephrol Dial Transplant 24: 1736-1743 [Full Text]
  4. Schoenmakere, G. D., Poppe, B., Wuyts, B., Claes, K., Cassiman, D., Maes, B., Verbeelen, D., Vanholder, R., Kuypers, D. R., Lameire, N., De Paepe, A., Terryn, W. (2008). Two-tier approach for the detection of alpha-galactosidase A deficiency in kidney transplant recipients. Nephrol Dial Transplant 23: 4044-4048 [Abstract] [Full Text]
  5. Buechner, S, Moretti, M, Burlina, A P, Cei, G, Manara, R, Ricci, R, Mignani, R, Parini, R, Di Vito, R, Giordano, G P, Simonelli, P, Siciliano, G, Borsini, W (2008). Central nervous system involvement in Anderson-Fabry disease: a clinical and MRI retrospective study. J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry 79: 1249-1254 [Abstract] [Full Text]
  6. Invernizzi, P, Bonometti, M., Turri, E, Benedetti, M., Salviati, A (2008). A case of Fabry disease with central nervous system (CNS) demyelinating lesions: a double trouble?. Mult Scler 14: 1003-1006 [Abstract]
  7. Ortiz, A., Oliveira, J. P., Waldek, S., Warnock, D. G., Cianciaruso, B., Wanner, C., on behalf of the Fabry Registry, (2008). Nephropathy in males and females with Fabry disease: cross-sectional description of patients before treatment with enzyme replacement therapy. Nephrol Dial Transplant 23: 1600-1607 [Abstract] [Full Text]
  8. Schiffmann, R., Warnock, D. G., Banikazemi, M., Bultas, J., Linthorst, G. E., Packman, S., Sorensen, S. A., Wilcox, W. R., Desnick, R. J. (2009). Fabry disease: progression of nephropathy, and prevalence of cardiac and cerebrovascular events before enzyme replacement therapy. Nephrol Dial Transplant 24: 2102-2111 [Abstract] [Full Text]
  9. Imbriaco, M, Pisani, A, Spinelli, L, Cuocolo, A, Messalli, G, Capuano, E, Marmo, M, Liuzzi, R, Visciano, B, Cianciaruso, B, Salvatore, M (2009). Effects of enzyme-replacement therapy in patients with Anderson-Fabry disease: a prospective long-term cardiac magnetic resonance imaging study. Heart 95: 1103-1107 [Abstract] [Full Text]
  10. Oqvist, B., Brenner, B. M., Oliveira, J. P., Ortiz, A., Schaefer, R., Svarstad, E., Wanner, C., Zhang, K., Warnock, D. G. (2009). Nephropathy in Fabry disease: the importance of early diagnosis and testing in high-risk populations. Nephrol Dial Transplant 24: 1736-1743 [Full Text]
  11. West, M., Nicholls, K., Mehta, A., Clarke, J. T.R., Steiner, R., Beck, M., Barshop, B. A., Rhead, W., Mensah, R., Ries, M., Schiffmann, R. (2009). Agalsidase Alfa and Kidney Dysfunction in Fabry Disease. J. Am. Soc. Nephrol. 20: 1132-1139 [Abstract] [Full Text]  
  12. Ishii, S., Chang, H.-H., Yoshioka, H., Shimada, T., Mannen, K., Higuchi, Y., Taguchi, A., Fan, J.-Q. (2009). Preclinical Efficacy and Safety of 1-Deoxygalactonojirimycin in Mice for Fabry Disease. J. Pharmacol. Exp. Ther. 328: 723-731 [Abstract] [Full Text]
  13. Sims, K., Politei, J., Banikazemi, M., Lee, P. (2009). Stroke in Fabry Disease Frequently Occurs Before Diagnosis and in the Absence of Other Clinical Events: Natural History Data From the Fabry Registry. Stroke 40: 788-794 [Abstract] [Full Text]
  14. Weidemann, F., Niemann, M., Breunig, F., Herrmann, S., Beer, M., Stork, S., Voelker, W., Ertl, G., Wanner, C., Strotmann, J. (2009). Long-Term Effects of Enzyme Replacement Therapy on Fabry Cardiomyopathy: Evidence for a Better Outcome With Early Treatment. Circulation 119: 524-529 [Abstract] [Full Text]
  15. Choi, S., Seo, H., Park, M., Kim, J., Hwang, S., Kwon, K., Her, K., Won, Y. (2009). Fabry disease with aortic regurgitation.. Ann. Thorac. Surg. 87: 625-628 [Abstract] [Full Text]
  16. Schoenmakere, G. D., Poppe, B., Wuyts, B., Claes, K., Cassiman, D., Maes, B., Verbeelen, D., Vanholder, R., Kuypers, D. R., Lameire, N., De Paepe, A., Terryn, W. (2008). Two-tier approach for the detection of alpha-galactosidase A deficiency in kidney transplant recipients. Nephrol Dial Transplant 23: 4044-4048 [Abstract] [Full Text]
  17. Buechner, S, Moretti, M, Burlina, A P, Cei, G, Manara, R, Ricci, R, Mignani, R, Parini, R, Di Vito, R, Giordano, G P, Simonelli, P, Siciliano, G, Borsini, W (2008). Central nervous system involvement in Anderson-Fabry disease: a clinical and MRI retrospective study. J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry 79: 1249-1254 [Abstract] [Full Text]
  18. Chimenti, C., Morgante, E., Tanzilli, G., Mangieri, E., Critelli, G., Gaudio, C., Russo, M. A., Frustaci, A. (2008). Angina in Fabry Disease Reflects Coronary Small Vessel Disease. Circ Heart Fail 1: 161-169 [Abstract] [Full Text]
  19. Joshi, S. B., Ahmar, W., Lee, G., Aggarwal, A. (2008). Fabry's disease presenting as ventricular tachycardia and Left Ventricular 'Hypertrophy'. Eur J Echocardiogr 9: 697-699 [Abstract] [Full Text]
  20. Roach, E. S., Golomb, M. R., Adams, R., Biller, J., Daniels, S., deVeber, G., Ferriero, D., Jones, B. V., Kirkham, F. J., Scott, R. M., Smith, E. R. (2008). Management of Stroke in Infants and Children: A Scientific Statement From a Special Writing Group of the American Heart Association Stroke Council and the Council on Cardiovascular Disease in the Young. Stroke 39: 2644-2691 [Abstract] [Full Text]
  21. Invernizzi, P, Bonometti, M., Turri, E, Benedetti, M., Salviati, A (2008). A case of Fabry disease with central nervous system (CNS) demyelinating lesions: a double trouble?. Mult Scler 14: 1003-1006 [Abstract]
  22. Lavigne, M. D., Yates, L., Coxhead, P., Gorecki, D. C. (2008). Nuclear-targeted chimeric vector enhancing nonviral gene transfer into skeletal muscle of Fabry mice in vivo. FASEB J. 22: 2097-2107 [Abstract] [Full Text]  
  23. Linthorst, G. E., Poorthuis, B. J.H.M., Hollak, C. E.M. (2008). Enzyme Activity for Determination of Presence of Fabry Disease in Women Results in 40% False-Negative Results. J Am Coll Cardiol 51: 2082-2082 [Full Text]
  24. Ortiz, A., Oliveira, J. P., Waldek, S., Warnock, D. G., Cianciaruso, B., Wanner, C., on behalf of the Fabry Registry, (2008). Nephropathy in males and females with Fabry disease: cross-sectional description of patients before treatment with enzyme replacement therapy. Nephrol Dial Transplant 23: 1600-1607 [Abstract] [Full Text]
  25. Aerts, J. M., Groener, J. E., Kuiper, S., Donker-Koopman, W. E., Strijland, A., Ottenhoff, R., van Roomen, C., Mirzaian, M., Wijburg, F. A., Linthorst, G. E., Vedder, A. C., Rombach, S. M., Cox-Brinkman, J., Somerharju, P., Boot, R. G., Hollak, C. E., Brady, R. O., Poorthuis, B. J. (2008). Elevated globotriaosylsphingosine is a hallmark of Fabry disease. Proc. Natl. Acad. Sci. USA 105: 2812-2817 [Abstract] [Full Text]  
  26. Linhart, A. (2008). Treatment of Anderson Fabry disease. Heart 94: 138-139 [Full Text]
  27. Barbey, F., Lidove, O., Schwarting, A. (2008). Fabry nephropathy: 5 years of enzyme replacement therapy--a short review. NDT Plus 1: 11-19 [Full Text]
  28. Hughes, D A, Elliott, P M, Shah, J, Zuckerman, J, Coghlan, G, Brookes, J, Mehta, A B (2008). Effects of enzyme replacement therapy on the cardiomyopathy of Anderson Fabry disease: a randomised, double-blind, placebo-controlled clinical trial of agalsidase alfa. Heart 94: 153-158 [Abstract] [Full Text]  
  29. Terryn, W., Poppe, B., Wuyts, B., Claes, K., Maes, B., Verbeelen, D., Vanholder, R., De Boeck, K., Lameire, N., De Paepe, A., De Schoenmakere, G. (2008). Two-tier approach for the detection of alpha-galactosidase A deficiency in a predominantly female haemodialysis population. Nephrol Dial Transplant 23: 294-300 [Abstract] [Full Text]
  30. Andrade, J., Waters, P. J., Singh, R. S., Levin, A., Toh, B.-C., Vallance, H. D., Sirrs, S. (2008). Screening for Fabry Disease in Patients with Chronic Kidney Disease: Limitations of Plasma {alpha}-Galactosidase Assay as a Screening Test. CJASN 3: 139-145 [Abstract] [Full Text]
  31. Ackerman, M. J., Landstrom, A. P. (2007). Detection of Subclinical Fabry Disease in Patients Presenting With Hypertrophic Cardiomyopathy. J Am Coll Cardiol 50: 2404-2405 [Full Text]
  32. Ries, M., Clarke, J. T., Whybra, C., Mehta, A., Loveday, K. S., Brady, R. O., Beck, M., Schiffmann, R. (2007). Enzyme Replacement in Fabry Disease: Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Agalsidase Alfa in Children and Adolescents. J Clin Pharmacol 47: 1222-1230 [Abstract] [Full Text]
  33. Tahir, H., Jackson, L. L., Warnock, D. G. (2007). Antiproteinuric Therapy and Fabry Nephropathy: Sustained Reduction of Proteinuria in Patients Receiving Enzyme Replacement Therapy with Agalsidase-beta. J. Am. Soc. Nephrol. 18: 2609-2617 [Full Text]  
  34. Wanner, C., Breunig, F. (2007). Fabry Nephropathy and the Case for Adjunctive Renal Therapy. J. Am. Soc. Nephrol. 18: 2426-2428 [Full Text]  
  35. Pastores, G. M., Boyd, E., Crandall, K., Whelan, A., Piersall, L., Barnett, N. (2007). Safety and pharmacokinetics of agalsidase alfa in patients with Fabry disease and end-stage renal disease. Nephrol Dial Transplant 22: 1920-1925 [Abstract] [Full Text]  
  36. Aerts, J. M., Groener, J. E., Kuiper, S., Donker-Koopman, W. E., Strijland, A., Ottenhoff, R., van Roomen, C., Mirzaian, M., Wijburg, F. A., Linthorst, G. E., Vedder, A. C., Rombach, S. M., Cox-Brinkman, J., Somerharju, P., Boot, R. G., Hollak, C. E., Brady, R. O., Poorthuis, B. J. (2008). Elevated globotriaosylsphingosine is a hallmark of Fabry disease. Proc. Natl. Acad. Sci. USA 105: 2812-2817 [Abstract] [Full Text]
  37. Terryn, W., Poppe, B., Wuyts, B., Claes, K., Maes, B., Verbeelen, D., Vanholder, R., De Boeck, K., Lameire, N., De Paepe, A., De Schoenmakere, G. (2008). Two-tier approach for the detection of alpha-galactosidase A deficiency in a predominantly female haemodialysis population. Nephrol Dial Transplant 23: 294-300 [Abstract] [Full Text]
  38. Andrade, J., Waters, P. J., Singh, R. S., Levin, A., Toh, B.-C., Vallance, H. D., Sirrs, S. (2008). Screening for Fabry Disease in Patients with Chronic Kidney Disease: Limitations of Plasma {alpha}-Galactosidase Assay as a Screening Test. CJASN 3: 139-145 [Abstract] [Full Text]
  39. Pastores, G. M., Boyd, E., Crandall, K., Whelan, A., Piersall, L., Barnett, N. (2007). Safety and pharmacokinetics of agalsidase alfa in patients with Fabry disease and end-stage renal disease. Nephrol Dial Transplant 22: 1920-1925 [Abstract] [Full Text]
  40. Germain, D. P., Waldek, S., Banikazemi, M., Bushinsky, D. A., Charrow, J., Desnick, R. J., Lee, P., Loew, T., Vedder, A. C., Abichandani, R., Wilcox, W. R., Guffon, N. (2007). Sustained, Long-Term Renal Stabilization After 54 Months of Agalsidase beta Therapy in Patients with Fabry Disease. J. Am. Soc. Nephrol. 18: 1547-1557 [Abstract] [Full Text]
  41. Clarke, J. T.R. (2007). Narrative Review: Fabry Disease. ANN INTERN MED 146: 425-433 [Abstract] [Full Text]


Facettensyndrom
Als  Facettengelenke bezeichnet man die kleinen an den Querfortsätzen die Wirbel liegenden Gelenke zwischen den Wirbeln (Intervertebralgelenke).  Nach manualtherapeutische Definition entsteht hier ein pseudoradikuläres (ohne Beeinträchtigung der Nervenwurzeln) Schmerzsyndrom durch Reizung der gut innervierten Gelenkkapseln, ausgehend von den Gelenkfacetten der Interpedunkulargelenke. Ursächlich soll eine vermehrte Belastung der Facettengelenke durch Lockerung der Bänder bei verminderter Bandscheibendicke (Altersdegeneration, Vorfall) und eine hierdurch bedingte Instabilität der Wirbelsäule sein, die zu einer Abnutzung der kleinen Wirbelkörper führt. Neuroanatomische Studien haben freie und eingekapselte Nervenendigungen in den Facettengelenke nachweisen können, die  Substance P und Calcitonin- Gen-related peptide enthalten. Sehr sensible Mechanorezeptoren und mechanisch empfindliche Nozizeptoren wurden dort ebenfalls nachgewiesen.  Auch nach plötzlichen Überdehnungen wie bei Unfällen (z.B. Schleudertraumen), kann es zu einem Facettensyndrom kommen (The Journal of Bone and Joint Surgery (American). 2006;88:63-67) Das Syndrom ist als eigenständiges Schmerzsyndrom umstritten, manche Autoren sprechen von einem dorsalen Kompartmentsyndrom des Bewegungssegments. Die Internationale Gesellschaft zum Studium des Schmerzes geht davon aus, dass  Facettengelenkssyndrome bei 15% - 45% der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, bei 54% - 60% der Patienten mit chronischen Nackenschmerzen und bei 42% - 48% der Patienten mit thorakalen Rückenschmerzen eine Rolle spielen. Gefolgert wird dies aus dem Erfolg der  Lokalanästhetika in der Behandlung dieser Schmerzen. Wobei da diese Lokalanästhetika nicht wirklich mit einem Plazebo vergleichbar sind (Patient spürt immer die Wirkung), der Beweis aus dieser Annahme nicht zwingend nachvollziehbar ist.  Hinweisend soll eine Schmerzlinderung bei Entlordorsierung der LWS sein.  Über freie Nervenendigungen von Gelenkkapsel, Synovia und Periost der Interpedunkulargelenke vermittelte nozizeptive Schmerzen bei oft durch arthrotische Veränderungen begünstigten Gelenkdistorsionen. Beschwerden: diffus-flächiger, tief empfundener, häufig stechend-brennender Schmerz, im Bereich der LWS meist durch Hyperlordosierung provozierbar; einschießender Charakter bei Fehlbewegungen. Neben Bewegung und Physiotherapie werden Infiltrationstherapien mit Kortikoiden empfohlen. Ob letztere einen Vorteil gegenüber einer oralen Einnahme haben, ist zumindest umstritten. Eventuell sinnvoller ist eine Infiltration der versorgenden Nerven mit Lokalanästhetika, allerdings ist diese ebenfalls nur kurz wirksam. Angewendet wird auch eine Denervierung mit verschiedenen Techniken( z.B. Radiofrequenzneurolyse, Kryochirurgie).
Boswell MV, Colson JD, Spillane WF. Therapeutic facet joint interventions in chronic spinal pain: a systematic review of effectiveness and complications. Pain Physician. 2005 Jan;8(1):101-14. Niemistö L, Kalso E, Malmivaara A, Seitsalo S, et al. Radiofrequency denervation for neck and back pain. A systematic review within the framework of the Cochraine Collaboration Back Review Group. Spine 2003;28:1877–88.


Fahr`sche Erkrankung, Morbus Fahr, Fahr’sches Syndrom
1931 von Thomas Fahr beschrieben, als symmetrische Stammganglienverkalkung mit neurologischen und/oder psychiatrischen Symptomen. Die Verkalkungen sind im CCT gut erkennbar. Am häufigsten sind sporadische idiopathische Formen, autosomal dominant erbliche Formen kommen aber vor. Betroffen sind meist die Basalganglien, der Nucleus dentatus und das Centrum semiovale aber auch das Kleinhirn kann betroffen sein. Man nimmt an, dass corticobasale Verbindungen und daraus resultierend auch interhemisphärische Verbindungen gestört sind. Nicht jede Stammganglienverkalkung führt zu Symptomen und auch nicht jede Stammganglienverkalkung muss behandelt werden. In fast der Hälfte der Fälle handelt es sich um einen Zufallsbefund. Von einem Fahr’schen Syndrom spricht man erst, wenn Symptome vorhanden sind. Symptomatisch stehen je nach Lokalisation der Verkalkungen epileptische Anfälle, Rigor, Spastizität. Hyper- bzw. Hypokinesie, Parkinson- Syndrome im Vordergrund. 55% der Patienten sollen irgend eine Art von Bewegungsstörung haben, davon 57% Parkinsonismus, 19% choreatiforme Bewegungsstörungen, 8% Tremor oder Dystonie, 5% Athetose, Gangunsicherheit und andere Kleinhirnsymptome, Hirnnervenausfälle, spastische Symptome, hirnorganische psychische Störungen mit Demenz (entsprechend einer subcortikalen Demenz wie bei M. Binswanger), depressiven und psychotischen Symptomen... Ursächlich sind Störungen des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels meist mit laborchemischer einer Hypokalzämie und Hyperphosphatämie bei Hypoparathyreoidismus mit verminderter oder fehlender Parathormonproduktion oder Pseudohypoparathyreoidismus mit fehlender Wirkung des Parathormons, die Ursachen können aber sehr unterschiedlich sein. Da eine Behebung der Störung im Phosphat und Kalziumstoffwechsel zu dramatischen Besserungen führen kann, muss aber immer nach einer solchen Ursache gesucht werden. Eine genaue Abklärung ist erforderlich. Andere Ursachen der Verkalkungen wie Lupus, Tumor,... müssen ausgeschlossen werden. Intrazerebrale Verkalkungen können prinzipiell nach verschiedensten Schädigungen des Gehirns auftreten. Infektionen wie Syphilis oder Schlaganfälle und Traumen sind Beispiele. Die Verkalkungen entwickeln sich dann meist Monate oder Jahre nach der Schädigung. Manche bezeichnen die größeren auch als "Hirnsteine" es kommen aber auch kleinste periventrikuläre Mikroverkalkungen vor. Im CCT sieht man sie immer besser als im Kernpin. Sie sind allgemein im Bereich der Basalganglien wie beim M. Fahr am häufigsten, sie können aber in jedem Hirngebiet vorkommen, auch in der Rinde, Kleinhirnkerne oder innerhalb von Tumoren. Verletzungen des Gehirns können zur Ablagerung von Kalziumphosphat führen, die nicht immer symptomfrei bleibt. Epileptische Anfälle, Kopfschmerzen, kognitive Störungen, Bewegungsstörungen kommen bei größeren Verkalkungen häufiger vor als sonst. Patienten mit Neurozystizerkose haben beispielsweise häufiger epileptische Anfälle, wenn sie solche Verkalkungen habe als wenn diese nicht vorhanden sind. Eine Behandlung mit Dinatriumetidronat kann möglicherweise bei allen Arten von symptomatischen cerebralen Verkalkungen hilfreich sein. Ausreichende Studien fehlen allerdings.
Cartier L, Passig C, Gormaz A, Lopez J.  Swiatek R, Soldatow E, lata S, Kolasa M, Czekierda W.  Luostarinen L, Dastidar P, Collin P, Peraaho M, Maki M, Erila T, Pirttila T. Brown DL, Johnston KC. Raymond AA, Zariah AA, Samad SA, Chin CN, Kong NC. Fujita D, Terada S, Ishizu H, Yokota O, Nakashima H, Ishihara T, Kuroda S. Warren JD, Mummery CJ, Al-Din AS, Brown P, Wood NW. el Maghraoui A, Birouk N, Zaim A, Slassi I, Yahyaoui M, Chkili T. Lopez-Villegas D, Kulisevsky J, Deus J, Junque C, Pujol J, Guardia E, Grau JM.Bobek J, Nowak M. Vega MG, de Sousa AA, de Lucca Junior F, Purich S, Tenassi ML. Kowdley KV, Coull BM, Orwoll ES. Trautner RJ, Cummings JL, Read SL, Benson DF. . Rosenberg DR, Neylan TC, el-Alwar M, Peters J, Van Kammen DP. Jeffrey A. Loeb, Sayyed A. Sohrab, Mabubul Huq, Darren R. Fuerst, Brain calcifications induce neurological dysfunction that can be reversed by a bone drug Journal of the Neurological Sciences 243 (2006) 77 – 81 Abstract  Full Text + Links  PDF (542 K)

Jeffrey A. Loeb Functional improvement in a patient with cerebral calcinosis using a bisphosphonate Movement Disorders Volume 13, Issue 2 , Pages 345 - 349


False memory
Graduell und von unterschiedlichen Autoren unterschiedlich gewichtet ist die Unterscheidung zwischen falschen Überzeugungen und falschen Erinnerungen. Die Begriffe werden manchmal nur unscharf unterschieden. 'Falsche autobiographische Erinnerungen sind definiert als Pseudo-Erinnerungen, oder Erinnerungen an Ereignisse, die nie stattgefunden haben, oder die völlig anders erinnert werden als sie stattgefunden haben. Wegen des negativen Tenors des Wortes wäre eventuell der Begriff Pseudoerinnerung sinnvoller. Dies auch, da den Betroffenen -jedenfalls meistens- nicht bewusst ist, dass ihre falsche Erinnerung falsch ist. Bei falschen Überzeugungen ist den Betroffenen in der Regel im Gegensatz zur falschen Erinnerung bewusst, dass sie keine Erinnerung an das Ereignis haben, aber dennoch der Überzeugung sind, dass das Ereignis stattgefunden hat- Die Konsequenzen können identisch sein.

Falsche Erinnerungen sind sind auch eine Normalität, die jeden von uns betrifft. Unser Gedächtnis ist kein Archiv unverfälschter Dokumente. Erinnerungen werden rückwirkend oft verzerrt durch zwischenzeitliche Informationen und unser aktuelles Wissen. Was, als wir es erlebt haben, wenig Bedeutung hatte und nur ungenau wahrgenommen oder beobachtet wurde, kann sich später als Wichtig herausstellen, dann haben wir ein Bedürfnis unsere Wahrnehmungen zu ergänzen. Im Gespräch in der Familie oder unter Gleichgesinnten passen wir unsere Erinnerungen an einander an. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele aus wissenschaftlichen Untersuchungen. Je weiter zurück eine Erinnerung liegt, umso mehr ist sie von anderen Informationen und Anpassungen an die Erinnerungen anderer mit geprägt. Bei jeder Wiedererinnerung wird die erneut abgespeicherte Erinnerung verändert. Das gemeinsam Ansehen eines Fotoalbums in der Familie ändert also in der Regel die Erinnerungen an die eigene Biographie. Dies muss nicht nachteilhaft sein und kann den Zusammenhalt in der Familie sogar fördern. Die meisten unserer Erinnerungen sind an sich nützliche Zusammenfassungen von tatsächlich erlebtem, aus den Medien entnommenem, und im Gespräch mit anderen Menschen veränderten Wahrnehmungen. Menschen mit hoher Suggestibilität verändern ihre Erinnerungen vermutlich deutlich schneller unter dem Einfluss wichtiger Bezugspersonen. Die Herkunft einer Erinnerung wird selten abgespeichert. Im Informations- und Medienzeitalter fällt es Zeitzeugen besonders oft schwer zwischen den gesehenen Fernsehbildern und dem selbst real erlebten zu unterscheiden. Hierzu gibt es Untersuchungen zu vielen Katastrophen und auch politischen Ereignissen wie den Leipziger Montagsdemonstrationen. Man nennt dieses häufige Phänomen Quellenverwechslungen. Wenn wir uns Situationen intensiv vorstellen, werden sie Teil unserer Erinnerungen, dies gilt oft auch für nicht erlebte sondern nur gehörte oder gelesene Situationen. Voreingenommenheiten und Vorurteile prägen was und wem wir glauben und steuern bereits die Auswahl im Wahrnehmungsprozess. Die meisten Menschen suchen beim Wahrnehmen wie beim Erinnern nach der Bestätigung ihrer Einstellung. Suggestivfragen sind nicht immer als solche zu erkennen und fließen als scheinbare Tatsachen in unser Gedächtnis mit ein. Falsche Nachinformation nach einer durchlebten Situation verändern die abgespeicherten Gedächtnisinhalte im Experiment. Viele Mechanismen führen also zu einer Überlagerung und Veränderung von bereits gespeicherten Informationen, anscheinend Unwesentliches wird unterdrückt. Diese Veränderungen sind meist ökonomisch und eine Arbeitserleichterung für unser Gehirn, sie machen uns weder per se nicht unglaubwürdig und verbessern unsere Funktionsfähigkeit in den meisten Fällen. Die hier genannte Mechanismen versucht nicht nur die Werbung oder so mancher Wahlkämpfer zu nutzen, auch Sekten, Ideologien und Diktaturen verwenden oft große Anstrengung an die Anpassung des Gedächtnisses ihrer Mitglieder an die Ziele der Gruppierung. (siehe auch M.C. Steffens)

Es gibt allgemein eine breiten Konsens unter Psychologen, dass unser episodisches Gedächtnis eine gewisser Kreativität hat, die auch zu Verfälschungen von Erinnerungen führen kann. Experimentell lassen sich falsche Erinnerungen beispielsweise durch von Außen später hinzu gegebene falsche oder nicht zutreffende Informationen erzeugen. Es gibt beispielsweise ein Experiment, bei dem man Menschen einen Film von einem Sturz gezeigt hat, bei dem kein Blut und keine Verletzung zu sehen war. Anschließend wurde von den Untersuchern beiläufig über die blutenden Verletzungen berichtet. Sehr viele Versuchspersonen berichteten darauf hin bei der Nacherzählung detailliert im Film verschiedene blutende Verletzungen selbst gesehen zu haben. Crombag et al. interviewten Holländer 10 Monate nach der Amsterdamer El Al Boeing 747 Flugzeugkatastrophe der 43 Personen zum Opfer fielen. Eine der Fragen war: Haben Sie den Fernsehbericht gesehen, in dem das Flugzeug in das Wohngebäude stürzte? - Es gab keinen solchen Bericht. Die Kameras kamen erst später, dennoch glaubten 60% der befragten Holländer den Bericht gesehen zu haben. In einer anderen Studie (James Ost et al.) waren 45% der Teilnehmer sicher einen nicht existierenden Film, in dem der tödliche Unfall von Prinzessin Diana in Paris direkt zu sehen sei, gesehen zu haben. Falsche Erinnerungen können vollständig bei lebhafter Phantasie erfunden sein, häufiger bestehen sie aus einer Teilrealität, hinzugefügten Phantasien sowie phantasmischen Umformungen. Sie erfüllen immer eine Funktion beim Betroffenen, auch dann wenn sie von außen induziert wurden. Oft dienen sie der Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts, dem Schutz vor eigenen Schuldgefühlen, dem Schutz wichtiger Beziehungen (auch zu Therapeuten), dem Erhalt des Selbstwertgefühls. Die Forschung lehrt, dass nur weil eine Erinnerung lebhaft erscheint, und nur weil eine Person selbst daran glaubt, und nur weil viele Emotionen ausgedrückt werden während die Erinnerung berichtet wird, bedeutet nicht dass was berichtet wurde wirklich passiert ist. (Can J Psychiatry 2005;50:823–828 PDF)

Am häufigsten wird der Begriff im Zusammenhang mit "Erinnerungen" an eine vermutlich nichtstattgefundene Inzestsituation genannt. Das häufigere Problem nach schweren Traumen ist, dass diese nicht vergessen werden, und die Opfer ständig daran denken müssen. Es gibt aber auch die Fälle, in denen reale Erinnerungen verschüttet werden und erst später wieder auftauchen. Nicht jede aufgetauchte Erinnerung ist allerdings eine tatsächliche Erinnerung. Wenn der Ergeiz des Therapeuten die Mutter der Erinnerung ist, kann es sich um einen der (nach Meinung mancher Autoren häufigsten) psychotherapeutischen Kunstfehler handeln. Das Syndrom ist nicht selten die Ursache des False memory Syndroms - der falschen Erinnerungen - oder Trugerinnerungen- . Viele Familien sind dadurch zerstört worden. (In der Behandlung von Kindern wie Erwachsenen) Besonders hoch ist das Risiko der Produktion falscher Erinnerungen unter Einfluss eines Therapeuten bei Traumdeutungen, Hypnotherapien und anderen suggestiven Verfahren. "Hypnotherapie ist keine Methode, mit der verdrängte Kindheitstraumata aufgeklärt werden könnten, da hier die Gefahr von Fehlerinnerungen und induzierten Verzerrungen besteht."(PP 5, Ausgabe Juni 2006, Seite 285) Bevorzugt gemeint sind mit dem Begriff nicht zutreffende und vom Therapeuten (oder Erzieherinnen, Lehrer etc.) induzierte Erinnerungen an eine sexuellen Missbrauch. Missbrauch des "Missbrauchs" Sehr häufig werden nicht gerechtfertigte Missbrauchsvorwürfe in Scheidungsprozessen vorgebracht, nach manchen Veröffentlichungen sollen dies bis zu der Hälfte der entsprechenden Vorwürfe sein - die Zahlen gehen aber weit auseinander. Erinnerungen sind selektiv und vor allem durch therapeutische Suggestion sehr beeinflussbar. Hauptsächlich relevant ist dies beim Thema sexueller Missbrauch und "multiple Persönlichkeiten". allerdings kann man "falsche Erinnerungen" auch experimentell recht erfolgreich erzeugen. Mit einem gefälschten Foto gelang es in einem Experiment bei 50% der Betroffenen eine Erinnerung an eine Ballonfahrt als Kind zu induzieren. (Loftus, 2003) Manche falsche Erinnerung passt einfach zu aktuellen Titelgeschichten bei einer suggestiblen Persönlichkeit. Siehe auch False Memory Syndrome Foundation False Allegations - Child Abuse Eine wirklich sichere Unterscheidung zwischen tatsächlichen Erinnerungen und "false memory" ist nicht möglich. Auch Betroffene wissen in der Regel zum Zeitpunkt ihres Berichtes nicht, dass es sich nicht um eine Tatsächliche Erinnerung sondern um eine Verfälschte oder "nur in der Vorstellung existierende" Erinnerung handelt. Zahlreiche Menschen, die Jahre im Gefängnis verbrachten, bis sie über DNA Spuren als unschuldig bewiesen werden konnten, bezeugen, dass es auch für Gerichte durch viele Instanzen schwierig sein kann, falsche Erinnerungen von tatsächlichen zu unterschieden. Die Entstehung falscher Erinnerungen ist oft von Interessen geleitet. Psychotherapeuten suchen ehrgeizig eine Bestätigung ihrer Hypothesen und Theorien, Erzieherinnen sind nach oberflächlicher Fortbildung "einer heißen Sache" auf der Spur, Medien profitieren von Skandalen, Konfliktparteien in Scheidungsprozessen nutzen öffentliche Kampagnen.... Kriterien zur Unterscheidung von Erinnerung und Pseudoerinnerung nach H. Stoffels, 1.)Art und Weise der Wiedererinnerung : Skepsis, wenn Erwartungsdruck und entsprechende Suche vorausgehen 2. Qualität der Wiedererinnerung : Skepsis, wenn diffuse Gefühle, Traumbilder und „Körpererinnerungen“ vorherrschen mit nachfolgendem visuellem Detailreichtum 3. Plausibilität des Vergessens: Skepsis, wenn Missbrauch in der späten Kindheit und Adoleszenz angeblich vergessen (verdrängt) wurde 4.1 Plausibilität des Erinnerns: Skepsis, wenn Erinnerungen an die Zeit vor dem 3. Lebensjahr angegeben werden. Falsche Erinnerungen schaden nicht nur vielen Unschuldigen, die als Täter beschuldigt werden und auch vielen Patienten, denen simplifizierte Erklärungen eingeredet werden aber keine wirkliche Hilfe angeboten wird, Falsche Erinnerungen schützen letztlich auch tatsächliche Täter da sie die Beurteilung der Glaubwürdigkeit auch von wirklichen Opfern erschweren. Im Gegensatz zur volkstümlichen Meinung sind Erinnerungen unter Hypnose nicht mehr, sondern weniger zuverlässig als übliche Erinnerungen. Diese Methode, taugt also keineswegs als Abkürzung zur Wahrheitsfindung. Auch tatsächliche Erinnerungen werden verfälscht, auch diese Kriterium taugt also zur Unterscheidung nicht. Williams LM.

Auch schwere Traumen wie sexueller Missbrauch können aber besonders, wenn sie jüngere Kinder betrafen aus der Erinnerung verschwinden, (und eventuell später wieder auftauchen). In einer Untersuchungsstichprobe hatte ein Viertel der Kinder, die im Alter von 7 bis 12 Jahren wegen Missbrauchs ärztlich behandelt worden war, diesen 20 Jahre später di anscheinend vergessen. Williams, LM. Journal of Consulting and Clinical Psychology, (1994) 62, 1167-1176.Insgesamt also ein schwieriges Gebiet und eine hohe Verantwortung bei der Wahrheitsfindung, nicht nur für Strafrechtsgutachter. Das Ausmaß der Beschuldigungen, die sich in jahrelangen Verfahren wie dem Wormser Kinderschänderprozess (24 Menschen wurden angeklagt, 15 Kinder missbraucht zu haben) in Luft auflösen erinnert an Hexenprozesse. Im Spiegel heißt es damals. "Einer "Wahnidee" will man nicht gefolgt sein. In Kommentaren zum Urteil war viel davon die Rede, was den Kindern von den Freigesprochenen angetan worden ist. Was man den Kindern im Namen des Kinderschutzes angetan hat, wenn man Beschuldigungen in sie hineingefragt haben sollte, danach fragte niemand. "DER SPIEGEL 02/1997, Trotz Freispruch, nach dem Wormser Missbrauchsprozess bekommen die Eltern ihre Kinder nicht zurück. " Ärztliche und psychologische Gutachter haben vorschnell sexuellen Missbrauch bestätigt, trotz Freispruch sind die Existenzen der Eltern und deren Gesundheit ruiniert. Der Schaden an den betroffenen Kindern dürfte nie wieder gut zu machen zu sein. Sie wurden nicht nur von übereifrigen Erziehern, Wildwasser und der Presse für deren Sensationslust missbraucht sondern möglicherweise direkt in die Hände eines tatsächlichen Kinderschänders getrieben. Zwischenzeitlich steht der damalige Hauptbelastungszeuge selbst unter dem Verdacht des Kindesmisbrauchs. Er hatte soweit bekannt, die Kinder auch gegenüber deren Vormund und Gutachtern abgeschirmt und möglicherweise darin bestärkt den Kontakt zu ihren Eltern auch nach dem Freispruch abzulehen (Panorama 14.2.2008). Dieser Kinderpflger hat bis heute 6 Kinder der damals freigesprochenen Eltern in seinem Spatzennest betreut. "S. habe während einer Ferienfreizeit im österreichischen Königswiesen im Juli und August 2007 in 17 Fällen an insgesamt sieben Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren "Handlungen vorgenommen, die erheblich in die körperliche Integrität der Opfer eingriffen und nach unseren Recherchen ausschließlich sexuell motiviert waren." S. habe Mädchen im Genitalbereich gewaschen und eingecremt, teilweise auch gegen deren erklärten Willen. Mit einer Tube habe er bei einer Elfjährigen einen Darmeinlauf vorgenommen. S. stelle seine Handlungen als medizinische und hygienische Fürsorge dar und vertrete die Auffassung, dazu sei er als ausgebildeter Krankenpfleger befugt. Diese Sicht hält die Staatsanwaltschaft für "indiskutabel". Wormser-Zeitung Missbrauch-in-worms Rheinpfalz.de FDP Worms Ob es sinnvoll ist, den Zeugen der Anklage bei Kindesmissbrauch in jedem Fall die Kinder zu überlassen, darf nach diesem Fall bezweifelt werden. Die Frage wie groß der Schaden durch den falschen Verdacht für die Kinder und Eltern war wird vermutlich nie endgültig beantwortet werden. Die Vergleichbarkeit mit Hexenprozessen des Mittelalters kann aber als gesichert gelten. Auf Konsequenzen im Jugendamt Worms darf man weiter warten. Zumindest derzeit besteht der Verdacht, dass in diesem peinlichen deutschen Justizskandal durch vorschnelle falsche Verdächtigungen die Kinder unschuldiger Eltern in die Hände eines tatsächlichen Kinderschänders getrieben wurden. Schier unbegreiflich erscheint uns heute, dass auch Kinder der Hexerei angeklagt wurden. Aber die Quellen lassen daran keinen Zweifel: seit dem Ende des 15. Jahrhunderts nahm die Zahl von Kindern, die als Mitglieder der Teufelssekte eingekerkert, verhört, gefoltert und hingerichtet wurden, ständig zu. Dahinter stand die Vorstellung der Hexenjäger, dass Hexeneltern ihre Kinder schon in jungen Jahren zum Hexensabbat mitnehmen, um sie dort dem Satan zu überantworten. Auf Kinder richtete sich die Aufmerksamkeit der Hexenjäger aber auch deshalb, weil sie unbedacht drauflos plauderten. So denunzierte ein 12jähriger Junge, der im Jahre 1665 im süddeutschen Reutlingen verhaftet worden war, im Laufe der Zeit 170 Menschen als Teufelsanbeter!" Aus Die Geschichte der Hexenverbrennung. "Dieser Aktionismus ist leider typisch. Zuerst wird sicherheitshalber die Familie zerstört, weil jemand unqualifiziert eine Behauptung aufstellt. Die Schwere des behaupteten Vergehens ersetzt die Notwendigkeit des Beweises.

Wissenschaftliche Erkenntnisse schrecken wahre Memoryrecoverer unter den Psychotherapeuten nicht. Die Tatsache, dass es wissenschaftlich eindeutig ist, dass es keine eigenen Erinnerungen an das erste Lebensjahr gibt wird selbst dann, wenn dann noch alle objektiven Informationen gegen die Erinnerung sprechen, von manchen Therapeuten mit "Leichtigkeit" bei Seite geschoben. Zitat aus einer Schrift eines Primärtherapeuten (unten auf der Seite): "Ein Primal, von dem mir ein Freund berichtete, beinhaltete, dass er vorzeitig von der Brust seiner Mutter genommen wurde, ehe er genug Milch gehabt hatte. Auf der Suche nach mehr Information kontaktierte er eine Tante, die ihn informierte, dass er immer ein mit der Flasche gefüttertes Baby gewesen war und aufgrund der Brusterkrankung seiner Mutter niemals gestillt worden war. Jedoch ist es vorstellbar und nicht unwahrscheinlich, dass seine Mutter wenigstens einen Versuch unternahm zu stillen. Also wäre dieses Beispiel nicht unbedingt eine falsche Erinnerung."

Der Fall Wilkomirski - falsche Erinnerungen als Autobiographie, ein Lehrstück aus dem sich viel lernen lässt.

In den meisten Fällen falscher Erinnerungen ist eine öffentliche Diskussion für die Betroffenen und ihre Familien nicht zumutbar. Der entstandene Schaden würde sich für alle Betroffenen - vermeintliches Opfer, wie vermeintliche Täter- dadurch nur erheblich vergrößern. Wie oft bei falschen Anschuldigungen bleibt zumindest der Verdacht im Umfeld bestehen, dass doch etwas dran gewesen sein könnte. Für manchen ungerecht Beschuldigten ist der Schaden sogar geringer, wenn die vermeintliche Missetat zugegeben wird. Im Fall Wilkomirski besteht allerdings ein unzweifelhaftes öffentliches Interesse, das durch die Veröffentlichung der angeblichen Autobiographie und dann vor allem dem Umgang des Gedächtnisfälschers mit den Zweifeln und Zweiflern an seiner Tat gerechtfertigt ist. Trotz seiner Öffentlichkeit und der Besonderheit der angeblichen Traumatisierung, überwiegen andererseits die Ähnlichkeiten mit anderen Fällen. Dies macht den Fall Wilkomirski zu einem fast idealen Beispielfall. Dies gilt auch wenn B.D sehr spät dann sagte: “Es stand den Lesern meines Buches offen, es als Literatur zu lesen.” Auch in diesem außergewöhnlich öffentlichen Fall soll eine psychoanalytische Therapie eine Kindheit umgedichtet haben. Es handelte sich bei dem literarischen Werk um "eine Koproduktion des Autors mit seinem Analytiker, die für ihn wohl mit einem hohen Evidenzerleben einherging" Psychiat Prax 2007; 34: 203-208 . Neben Psychologen sollen Freunde eine Ähnlichkeit zwischen ihm und einer polnischen Pianistin mit dem Namen „Wilkomirski" festgestellt, er selbst war ja Instrumentenbauer (Atelier für Klarinettenbau) geworden, da passte das gut. Ermuntert durch Freunde und Psychotherapeuten soll sich dann die Wiederentdeckung verschütteter traumatischer Erinnerung gestaltet haben, bis er begann, sein Buch zu schreiben und an die angeblichen Stätten seiner Kindheit reisen. Die Geschichte wurde immer konkreter, er saugte die Holocaust-Literatur auf wie ein Schwamm. Fritz Bauer Institut 2000 Der Fall ist besonders interessant, weil er in vielen Details von Anfang an öffentlich war und bis heute Gegenstand von Veröffentlichungen zu diesem Thema ist. Falsche Erinnerungen lassen sich selten so detailiert nachlesen, die Täuschung eines Verlages, vieler Rezensenten, Fernsehdokumentateuren und die Identifikation tatsächlicher Opfer mit dem Fälscher machen die Schwierigkeiten echte von falschen Erinnerungen zu unterscheiden am Beispiel besonders deutlich. Dabei hätte die Detailiertheit an sich misstrauisch machen sollen. So gibt es eine Untersuchunge zu einer Stichprobe von ehemaligen KZ-Insassen, die unmittelbar nach ihrer Befreiung und dann noch einmal 40 Jahre später befragt wurden. Während sich alle an den KZ-Aufenthalt erinnerten, hatten sie bestimmte Misshandlungen und damit wichtige Einzelerlebnisse häufig komplett vergessen. (Zitat nach M.C. Steffens)

Der Umgang mit der Entlarvung in einer Strategie der Vorwärtsverteidigung ist ebenfalls beispielhaft- und für manches familiäre Opfer von angeblichen Opfern sicher auch erschreckend. Interessant ist nicht nur die Besprechung eine Buches am 12.1.1997 durch J. Salamon in der New York Times Zitat: Obwohl dieses Buch ein Kampf um Erinnerung ist, handelt es auch von der Verleugnung von Erinnerung. Nach dem Krieg wurde Benjamin von seinen Adoptiveltern und den Lehrern in der Schweiz befohlen, seine Erinnerungen zu vergessen, als ob das möglich wäre. Wir wissen nicht warum, was ihre Absichten waren, weil B. es nicht wusste. Er konnte nicht einmal begreifen, dass der Krieg vorbei war, dass er wirklich sicher war, bis er auf dem Gymnasium über den Holocaust unterrichtet wurde. Während seiner gesamten Kindheit blieb er immer wachsam bezüglich der Repressalien von Erwachsenen, und deren nicht vertrauenswürdigen Lebensgeschichten. Er erzählte niemanden über das zuhören, wie Erwachsene die Schädel von Babys zerschlugen, darüber, dass er Angst hatte nachts auf die Latrine zu gehen, weil die Kinder, die dort versehentlich Schmutz hinterließen am nächsten Tag verschwanden. ..... Als ihm in der Schule ein Bild des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell gezeigt wurde und der Lehrer in bat das Bild zu beschreiben, und er sagte: "ich sehe einen SS Mann . . . und der schießt auf Kinder.'' Als dem Lehrer das erklären will, verbietet dieser ihm den Mund und sagt ihm: ''Beende dein Gefasel.'' Die Schwere des behaupteten Vergehens, erlaubt hier ein negatives Pauschalurteil über den Rest der Gesellschaft, die selbstverständlich verlogen ist. Beweis ist alleine die behauptete Schwere der erlittenen Pein. Jede Kritik und jeder Zweifel ist zunächst ungeheuerlich, im Angesicht der erlittenen Qualen. Man sollte sich bewusst sein, dass solche Mechanismen nicht nur in diesem Einzelfall greifen und zunächst auch erfolgreich sind.

Erklärungen eines Autors, wie er zu seinen (nicht existenten) Holocaust- Erinnerungen gekommen sei: "Ich hoffte Antworten zu finden auf die Bilder, mit denen mich mein unvollständiges Kindergedächtnis manche Nächte nicht schlafen ließ oder mir schreckliche Alpträume bereitete. Ich wollte wissen, was andere Menschen damals erlebt hatten. Ich wollte vergleichen mit meinen eigenen frühesten Erinnerungen, die ich in mir trug. Ich wollte sie begreifen können mit meinem Verstand und sie einordnen in einen Zusammenhang, der Sinn ergab." Wenn diese Sätze zutreffend sind, dann bieten sie doch eine Erklärung. Die Suche nach dem Sinn, und der Ursache von gegenwärtigen oder vergangenen Symptomen stößt im durch subjektive Wahrnehmungen und Einordnungen geprägten menschlichen Gedächtnis an physische Grenzen und auf eine natürliche Voreingenommenheit. Letztere ist meist durch gegenwärtige Ziele geprägt. Wilkomirski oder Bruno Dössekker, bzw. Grosjean wehrte sich dann auch nicht untypisch gegen die Unterstützung dabei seine wahre Identität durch einen Vaterschaftstest zu klären: Es ist die gleiche Taktik, die in den fünfziger und sechziger Jahren von früheren Nazirichtern bei den Prozessen gegen die NS-Kriegsverbrechen gegenüber jüdischen Zeugen und Opfern angewendet wurde, indem man sie in endlose Diskussionen verstrickte, ob die Uniform eines Angeklagten grau-grün oder grün-grau war – nur, um den Zeugen in seiner Erinnerung zu verunsichern und zu demonstrieren, daß er nicht glaubwürdig sei! Das ist eine wirklich FASCHISTISCHE TECHNIK DER ARGUMENTATION. Ich kann sogar den Lärm von Goebbels Freudentänzen und Jubelschreien aus der Hölle hören!" Zu seinem Buch schreibt B. W. im Juni 1995 Seite 142/3 (Erstausgabe) “Ich bin aufgewachsen und groß geworden in einer Zeit und in einer Gesellschaft, die nicht zuhören wollte oder konnte. » Kinder haben kein Gedächtnis, Kinder vergessen schnell, du mußt alles vergessen, alles war nur ein böser Traum« - so die stets wiederholten Worte, mit denen man mir meine Erinnerungen löschen, mich seit meiner Schulzeit zum Schweigen bringen wollte. So habe er dann jahrzehntelang geschwiegen, aber sein Gedächtnis sei nicht zu löschen gewesen. Nur selten habe er versucht zaghaft, wenigstens einen Bruchteil seiner Erinnerungen mit jemandem zu teilen, was aber stets mißlungen sei. Ein tippen­der Finger an die Stirn oder aggressive Gegenfragen hätten ihn rasch verstummen lassen und das Offenbarte wieder zurücknehmen lassen. “Wie einfach ist es doch, ein Kindergedächtnis zu verunsichern, ein Kind zum Schweigen zu bringen. Ich wollte meine Sicherheit wieder, und ich wollte nicht mehr schweigen. So begann ich zu schreiben”. ..............."Jahrelange Forschungsarbeit, viele Reisen zurück an die vermuteten Orte des Geschehens und unzählige Gespräche mit Spezialisten und Historikern haben mir geholfen, manche unerklärlichen Erinnerungsfetzen zu deuten, Orte und Menschen zu identifizieren, wiederzufinden und einen möglichen historischen Kontext wie auch eine mögliche, einigermaßen logische Chronologie herzustellen". In Le Monde In der französischen Tageszeitung Le Monde äußerte sich Wilkomirski per Fax-Interview. Dort unterstellt er seinem Hauptankläger, dem Journalisten Daniel Ganzfried, persönliche Gründe für eine Abrechnung. Ganzfried, selber Kind eines Holocaust-Opfers, suche in ihm "eine Art Ersatzvater, den er zerstören und für seine eigene Not verantwortlich machen kann". Quelle die Zeit 45 98 Auch hier hat er offensichtlich und vermutlich ganz bewusst versucht, seine aus Psychotherapien stammenden "Fertigkeiten" dafür einzusetzen, andere unglaubwürdig zu machen.

Ob er wirklich eingebildete Erinnerungen und eine Sehnsucht, Opfer zu sein hatte, oder ganz materielle Interessen und die Sehnsucht groß herauszukommen, wer zu sein, die Hauptrolle spielten, wird offen bleiben. Am wahrscheinlichsten ist, dass aus einer bewusst erlebten Identitätsproblematik zunächst auch eine bewusste Suche nach einer "glorreichen Scheinidentität" erfolgte. Es ist möglich, dass Herr D. in diesem Prozess irgendwann selbst anfing zu glauben er sei W. Unwahrscheinlich ist aber, dass er dabei nicht regelmäßig und bewusst das Wissen um die tatsächliche eigenen Identität unterdrücken musste. Ähnlich, wie manchmal beim sexuellen Missbrauch hat aber ein Trittbrettfahrer unter Ausnutzung der Einfältigkeit der Medienaufmerksamkeit den wirklichen Opfern großen Schaden zugefügt. Genützt hat er den verbliebenen Unverbesserlichen, in dem er den Leugnern des Holocaust Material geliefert hat, das die Nationalzeitung etc. gerne aufgegriffen hat. Er hat sich dabei sehr differenziert darum bemüht, seine eigene Glaubwürdigkeit, durch die Erschütterung der Glaubwürdigkeit der Zweifler zu untermauern. Die Vorgehensweise macht die Unterscheidung zwischen Opfern, Tätern und Trittbrettfahrern schwierig.

Ob Bruno Dössekker, weil er unehelich geboren wurde und zur Adoption freigegeben wurde, eine traumatische Kindheit hatte muss offen bleiben. Die Adoptionsfreigabe durch eine Frau die an den Folgen eines schweren Unfalls litt, in der damaligen Zeit kann auch der beste Schutz vor einer Traumatisierung eines ungewollten unehelichen Kindes zur damaligen Zeit gewesen sein. Er ist offensichtlich in wirtschaftlich gesicherten und relativ wohlhabenden Verhältnissen groß geworden. Ob es ungewöhnliche Traumatisierungen in seiner Kindheit gab, ist allermindestens offen. Die Intensität der im Buch dargestellten Emotionen gibt keine Auskunft darüber, ob der Autor wirklich traumatisiert wurde. Auch wenn man davon ausgehen würde, dass die Geschichte bewusst erfunden wurde, so würde die Identifikation mit der erfundenen Rolle beim Inhalt der Darstellungen im Buch alleine heftige Emotionen bei den meisten Menschen wecken. Wenn wir uns nun vorstellen, dass auch sein Analytiker angesichts des interessanten Falles mit jedem Detail freudig neugieriger geworden ist, und dass dieser vermutlich in der Zeit zumindest eine der wichtigsten Bezugspersonen war, so fällt die Vorstellung von einer Geschichte, die eine Eigendynamik entwickelt hat nicht mehr so schwer. 3-5 Stunden Psychoanalyse in der Woche, mit gedanklich ausschließlicher Beschäftigung mit der eigenen Person prägen auch den Rest der Woche. Dass B. D. vorgegeben hat ein Jude zu sein, im Ghetto und im Konzentrationslager gewesen zu sein und als "Überlebender" damit traumatisiert worden zu sein, dass er in der Schweizer Gegenwart wegen der ungesühnten Mittäterschaft der Autoritätspersonen seine "wahren Erinnerungen" verleugnen musste, hat ja nicht zu einer strafrechtlichen Verurteilung geführt. Nach soviel öffentlichen Lügengeschichten, würde man sich für die Opfer tatsächlicher Traumatisierungen nicht nur eine Entschuldigung wünschen. Wünschen würde man sich eine gemeinsame öffentliche Aufarbeitung mit seinem quasi in Koproduktion mitarbeitenden Psychoanalytiker, in der die Entstehung dieser "falschen autobiographischen Erinnerungen" offen dargestellt wird. Glauben würde man dieser Aufarbeitung sicherlich nur dann, wenn auch ein unabhängiger Dritter mit kritischer Distanz die Fakten dazu recherchiert hätte und darstellen würde. Dies würde insbesondere den Opfern solcher falschen autobiographischen Erinnerungen und vor allem auch deren Opfern, die ja auch B. D. zu schaffen bereit war, helfen zu verstehen. Vielleicht wäre es sogar eine Mithilfe bei der Verhinderung ähnlicher Fälle, die ja viel Leid anrichten können. B.D. und sein Analytiker könnten dann ja auch ein tatsächlich wertvolles autobiographisches Buch schreiben. Hierzu müssten beide aber die Opferrolle verlassen und zu ihrer eigenen Verantwortung stehen. Beide - sein Psychiater Bernstein und B.D. sollen ja im Zusammenhang mit dem Buch sich weltweit auf Fachkongressen präsentiert haben und eine "neue Methode der Erinnerungs- und Trauerarbeit" als Variante der "Recovered Memory Therapy" propagiert haben. Die Zusammenarbeit von Historikern und Psychologen sollte dabei die Glasglocke frühkindlicher Traumata zu lüften. Die Idee, das nicht den Psychotherapeuten zu überlassen sondern "Historiker" vielleicht auch Kriminalisten dazu zu nehmen wäre ja nicht schlecht, würde man sie wirklich ernst nehmen und wäre da nicht der im Einzelfall nicht machbare Aufwand. siehe Schreibkraft.adm.at Die nachträgliche Deutung, dass B.D. doch eine traumatische Kindheit gehabt haben muss, damit er zu einer solchen Darstellung in der Lage war, stellt sich jedenfalls auf den ersten Blick auch als ein Selbstschutz der psychotherapeutischen Zunft dar. Dies kann nur den Sinn haben der eigenen psychotherapeutischen Vergangenheitsbewältigung auszuweichen. Falsche Erinnerungen schaffen fast immer Opfer, deren Traumatisierungen oft denen von Opfern schwerer Verbrechen sehr ähnlich sein können.

Das Buch war in mindestens 12 Sprachen übersetzt worden, auf den Salzburger Festspielen vorgetragen worden, erhielt hohe jüdische Literaturpreise, der Autor war mehrfach für andere Preise vorgeschlagen worden, es soll sich um das erfolgreichste Schweizer Buch seit Heidi gehandelt haben. Zumindest zeitweise war es das am meisten verkaufte Schweizer Buch. 1998 hielt Wilkomirski/Dössekker einen dann auch publizierten Vortrag im psychoanalytischen Seminar in Zürich. Als „therapeutische Grundhaltung“ empfiehlt er: "... der Therapeut (soll) die vom Klienten vorgetragenen Erinnerungen als Hinweis auf seine vergangene ,äußere Realität’ akzeptieren und ihn in seiner weiteren Erinnerungsarbeit unterstützen... Dabei muss der Therapeut dem Klienten zur Ermutigung immer wieder bestätigen, dass seine Erinnerungen als Bestandteile einer historischen Realität angehört und aufgenommen werden“ Werkblatt Der Vertrieb des Buches „Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948“.wurde nach den Enthüllungen von Daniel Ganzfried und Stefan Mächler eingestellt. Die Vortragsreisen des Autors, und seine TV- Präsenz endeten. Dort hatte der Autor zu immer "detailierteren" Erinnerungen gefunden. Wilkomirski behauptete zunächst, die offiziellen Schweizer Dokumente, die seine Autobiographischen Erinnerungen als gefälscht entlarvten, seien gefälscht. Nach seiner Verschwörungstheorie sollten bereits verstorbene Übeltäter dafür verantwortlich sein. An seine Verleger schrieb er es handle sich um eine vergiftete Atmosphäre von "totalitären Beurteilungen und Kritik". Er kritisierte Holocausthistoriker die sein Werk angriffen, und bezweifelte deren Sachverstand in der Forschung über Kinder, die das KZ überlebten. (Quelle Holocaust Historiograhy Project) Das Buch ist bei Ebay und Amazon immer wieder zu haben. Meist ohne den Hinweis, dass es sich um eine der bekanntesten gefälschten Erinnerungen handelte. In den Amazon Bewertungen, wird auch der kritsche Hinweis eines Kunden auf die Fälschung schlechter bewertet als die Bewertungen, die von einer Authenzität ausgehen. Zumindest dort, scheint sich der Wille B.D. alias Wilkomirski zu glauben, wider die kritische Vernunft die Oberhand zu behalten.

Auch kühl und nüchtern analysierende, unvoreingenommene, normal begabte und um nichts als die Wahrheit bemühte Personen neigen dazu, den ausgesprochenen Missbrauchsverdacht fälschlicherweise zu bestätigen. Für die Opfer solcher Beschuldigungen führt dies im gesamten Umfeld zu einem„Schuldig bei Verdacht" (S.Schulz-Hardt, E. Höfer & G Köhnken). Im Experiment in dem Versuchspersonen Videoaufnahmen von normalem Sportunterricht mit Vorschulkindern gezeigt wurde, glaubten 53% (!) der Probanden bei entspechender Vorinformation Verdächtiges gesehen zu haben, ohne die manipulative Vorinformation waren es immerhin auch schon 7%, das selbe Experiment mit einer harmlosen normalen Zaubervorstellung brachte 57% der Probanden dazu einen sexuellen Mißbrauch zu sehen. (S.Schulz-Hardt, E. Höfer & G Köhnken). Man muss sich dies übertragen auf einen unschuldigen Sportlehrer vorstellen, über den im Elternkreis so berichtet wird. Das Gerücht zeigt dann schnell Auswüchse. Dass im alltäglichen Smalltalk gerne übertrieben wird, kennen die meisten Menschen aus eigener Anschauung. Nach einer Emnid- Umfrage 9/2005 geben immerhin 19% zu, dass sie Geschichten gerne frisieren um sie interessanter zu machen, 45% bemerken ein solches Verhalten häufig im Freundeskreis. Man kann sich jedenfalls gut vorstellen, warum manche von solchen Gerüchten unschuldig betroffenen Menschen fluchtartig das Dorf verlassen haben. Auch wenn man davon ausgeht, dass tatsächlicher Kindesmissbrauch wesentlich häufiger ist, als psychotherapeutisch induzierte oder verstärkte falsche Erinnerungen daran, gibt es keinen Grund das Thema zu bagatellisieren oder zu verschweigen. Durch fehlgeleitete Erzieherinnen, Sozialarbeiter, Psychologen und Psychotherapeuten erzeugte Falsche Erinnerungen sind keine Seltenheit. Die Folgen von psychotherapeutisch induzierten oder verstärkten falsche Erinnerungen können ähnlich traumatisch sein, wie bei einem tatsächlichen Kindesmissbrauch. Dies gilt nicht nur für die oft sehr gravierenden Folgen bei den falsch Beschuldigten, sondern oft genug auch für die Folgen bei den Menschen, die selbst an ihre falschen Erinnerungen glauben. Die in diesem Fall oft vorhandene "psychotherapeutische Mittäterschaft" bedarf daher der Diskussion und der Wachsamkeit. Die Möglichkeit falsche Erinnerungen psychotherapeutisch zu induzieren, ist nicht als leichter Kollateralschaden bei einer wichtigen Aufgabe anzusehen, sondern als eine Möglichkeit andere Menschen auf Dauer schwerst zu schädigen. Hier müssen Psychotherapeuten zu ihrer Mitverantwortung stehen. Dass auch das False memory Syndrom zur Relativierung von Aussagen tatsächlicher Opfern benutzt werden kann, bedeutet nicht, dass der Devise zu folgen wäre, dass je gravierender der Vorwurf umso mehr muss dem Opfer geglaubt werden. "Der Fall Wilkomirski belegt, dass die Mystifizierung des eigenen Ich durch eine Opferidentifikation nicht nur in einer psychotherapeutischen Behandlung provoziert wurde, sondern sich auch großer öffentlicher Aufmerksamkeit und Unterstützung gewiss sein kann. Auch dort, wo es um die therapeutische Bearbeitung realer seelischer Traumatisierungen geht (deren pathogene Bedeutung mit langfristigen Folgen früher unterschätzt wurde) spielen suggestive und autosuggestive Prozesse eine große Rolle. Sowohl die moderne Traumaforschung als auch die Psychotherapie stehen vor besonderen Herausforderungen." Der Nervenarzt 73, Number 2002 "Die Mystifizierung des eigenen Ich eine durch Opferidentifikation steht im Dienst verschiedenster, bewusster, vor- und unbewusster Interessen. Häufig geht es um narzisstische Bedürfnisse, die Abwehr von Schuld und Schuldgefühlen, und um die Weigerung, Verantwortung für das eigene Leben und seine Gestaltung zu übernehmen. Dies sind Themen, die in vielen Psychotherapien von Bedeutung sind" Wilkomirsiki ist nicht alleine, nur eine Ausnahmeerscheinung in der Publizität. Der Sozialpsychologe H. Welzer befragte in einer Zufallsstichprobe Deutsche nach dem Verhalten ihrer Eltern und Großeltern in der Nazizeit. Er geriet an 2/3, die berichteten, die eigene Verwandtschaft sei entweder Opfer des Nazi-Regimes gewesen seien oder sogar Widerstandskämpfer gewesen. Glaubt man solchen Umfragen, war das Naziregime oder die DDR jeweils eine reine Opfergesellschaft.

Erinnerungen, die erst in Psychotherapien auftreten, entsprechen manchmal eher den Vorstellungen und Wünschen des Therapeuten als den tatsächlichen Erinnerungen einer Person. Dies trifft besonders dann zu, wenn Hypnose oder Techniken der Recovered-Memory-Therapie eingesetzt werden. Ein wirklicher Profit für die Patienten stellt sich in solchen Fällen fast nie ein. Statt dessen verlieren die Patienten nicht selten, den bis dahin oft einzig tragfähigen Rückhalt in der Familie. Der Zweck heiligt dabei keineswegs die Mittel. Es wird nicht nur kein erstrebenswertes Ziel erreicht, der "Kollateralschaden" kann gravierender sein, als der auch nur denkbare Gewinn. Unabhängig vom Schaden für die Patienten ist auch der Schaden für "Beschuldigte" oft gravierend. Eine wirkliche Rehabilitation ist bei solchen Beschuldigungen oft nicht mehr möglich, das persönliche Leben zerstört. Der Schaden ist dann genauso groß, wie bei tatsächlichen Missbrauchsopfern. Neben Psychotherapeuten sind auch die Medien zu einem nicht geringen Teil in der Verantwortung, der Montessori-Prozeß oder der Wormser Kinderschänderprozess wären vermutlich ohne das entsprechende Medienumfeld nie entstanden. Quellenamnesie nennt man den Vorgang bei dem eigene Erinnerungen mit Berichten aus Medien oder erzähltem gemischt werden. Zu Beginn ist dieses Aufpeppen der eigenen Geschichte meist bewusst, mit jedem Erzählen unterscheiden Menschen auch für sich weniger zwischen gehörtem und erlebtem, zwischen Erlebnissen vor dem Fernseher und in der Realität. Einmal von den Medien oder angestoßen durch tatsächliche Erlebnisse auf ein Thema fixiert, füllen sich manchmal die "autobiographischen" Erinnerungsspeicher mit fremdem Material. Soziales Hypothesentesten verläuft unter bestimmten situativen Bedingungen konfirmatorisch, einmal im Verdacht suchen selbst kritische Menschen nach der Bestätigung der Hypothese, auch wenn sie nur erfunden ist. S.Schulz-Hardt, E. Höfer & G Köhnken. haben in ihren Experimenten eindrücklich gezeigt, dass solche Bedingungen beim Verdacht des sexuellen Kindesmißbrauchs vorliegen. Zitat: „Schuldig bei Verdacht" – diese fatale Kopplung ist, im Kontext des potentiellen sexuellen Kindesmißbrauchs leider alles andere als ein Ausnahmefall". Das Argument, dass alleine die Diskussion um falsche Erinnerungen pädophile Täter vor Gericht schütze ist absurd. Bei der Überführung von Tätern nach tatsächlichem Kindesmissbrauch dürften Polizei wie Gerichte selten auf Erinnerungen aus einer Psychotherapie angewiesen sein. Pädophilie ist nicht heilbar. Die meisten Täter, sind keine Einmaltäter. Bis ein erwachsener Patient bei seinem Therapeuten "seine Kindheitserinnerungen" wiedergefunden hat, hat im Regelfall ein solcher Täter mehrere andere aktuelle nachweisbare ähnliche Straftaten begangen. Die Hälfte der Täter, die dieses Verhalten einstellt, war in der Regel bereits entdeckt und bestraft worden oder hat andere gravierende Sanktionen als Therapiemotivation erlebt. Wer die Berichterstattung über Strafverfahren studiert, wird zudem schnell herausfinden, dass Täter ihre Taten mit einer gewissen Regelmäßigkeit mit Traumatisierungen in ihrer Kindheit entschuldigen. Dies ist sicherlich auch sehr oft zutreffend. Vermutlich ist es aber auch in manchen Fällen in denen solche Berichte starfmildernd berücksichtigt werden eben nicht zutreffend. Überprüft wird es jedenfalls selten. Falsche Erinnerungen ließen sich auch im weiteren Verlauf der "Therapie" während der Haft durchaus gewinnbringend nutzen.

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  48. GISELA BLAU Autor Daniel Ganzfried bezweifelt öffentlich die Identität von Binjamin Wilkomirski Mehr als nur eine Wahrheit?
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  55. Wolfgang Heuer Das Wilkomirski-Syndrom: Gefälschte Geschichte Ein Essay über das Erinnern, die Kultur der Selbstviktimisierung und gefälschte Holocaustbiografien pdf
  56. False Memory and Eyewitness Testimony
  57. Verschwörungstheorie verfilmt, wie der CIA das False Memory Syndrome hergestellt haben soll
  58. Vater und Tochter und der Therapeut
  59. Schulterschluss bei Sektenbetroffenheit e. V.  Der Verein bietet Hilfe nicht nur bei Betroffenheit oder Abhängigkeit von Sekten, Kulten, esoterischen Gruppen bzw. - Aktivitäten sondern auch bei familiären Problemen aufgrund induzierter Missbrauchserinnerungen und einen „Arbeitskreis Induzierte Erinnerungen“ in Essen, zusammen mit betroffenen Familien und jungen Frauen, denen in der Therapie falsche Missbrauchserinnerungen induziert worden waren.


Falsifikation
In der Wissenschaftstheorie von Popper (kritischer Rationalismus), werden Theorien durch den Versuch sie an Beispielen zu widerlegen überprüft. Misslingt der Versuch eine Theorie oder daraus abgeleitete Folgerungen zu widerlegen, hat sich die Theorie in soweit bewährt als deren Wahrheit (vorläufig) gestützt wird, bzw. wahrscheinlicher gemacht wird. Erwiesene Wahrheit einer Theorie gibt es damit nicht. Alles gilt damit solange, bis man bewiesen hat, dass es falsch ist. Neue Erfahrungen oder Studienergebnisse können damit eine bisher auch allgemein anerkannte Theorie widerlegen. Empirische Theorien setzen damit voraus, dass sie auch Beobachtungssätze enthalten, die empirisch überprüfbar sind und damit auch falsifizierbar- oder widerlegbar- durch neue Prüfungen oder Beobachtungen sind. Eine Theorie, ein System oder eine Aussage bewährt sich, wenn sie kritischen Untersuchungen standhält. In der Wissenschaft gibt es keine absolute Wahrheit, alle Theorien, Hypothesen und Sätze müssen ständig und für alle Zukunft kritisch behandelt werden. Die Möglichkeit der Falsifikation ist nach dieser Theorie das wesentliche Kriterium der Wissenschaftlichkeit einer Theorie. Wissenschaftliche Hypothesen sind nach dieser Theorie zwar endgültig falsifizierbar, aber nie endgültig verifizierbar, sie können nur vorläufig bestätigt werden. Das Erkennen von Fehlern wird damit zu der wissenschaftlichen Methode. Wissenschaftlichen Fortschritt setzt voraus, dass ständig schrittweise Fehler eliminiert werden. Der Versuch der Verifizierung gilt damit als unwissenschaftlich. Dies geschieht in Abgrenzung zu geschlossenen Systemen, Totalitarismus wie Ideologien oder Religionen die "Glauben" fordern oder bestimmte Grundbedingungen als nicht diskutabel und nicht falsifizierbar definieren und damit einer wissenschaftlichen Überprüfung entziehen. Psychoanalyse ist nach der Theorie von Popper ebenso eine Pseudowissenschaft, wie viele sich auf ausgearbeitete Theorien stützende alternativen Heilmethoden.
Karl Popper Die offene Gesellschaft und ihre Feinde München: Francke, 1980. 6.Aufl. Karl Popper Logik der Forschung .(1934). Wien: Springer . 2. Aufl. Tübingen: Mohr 1966. Karl Popper Das Elend des Historizismus . Tübingen: Mohr 1965.


Faszikulationen
sind die häufigsten abnormen Bewegungen, es sind unter der Haut sichtbare, und im EMG gut darstellbare, kurze, feine, unregelmäßige Zuckungen wechselnder Muskelfasergruppen als Ausdruck überhöhter Erregbarkeit. Faszikulationen weisen gewöhnlich auf eine Erkrankung des peripheren motorischen Neurons hin, sie können aber auch bei Gesunden bei Ermüdung und Kälte vorkommen, besonders in den Wadenmuskeln älterer Menschen. Myoklonien sind Zuckungen, die zu einer Bewegung der Extremität führen, Faszikulationen sind zwar sichtbare Zuckungen, führen aber nicht zu einer Bewegung der Extremität


Fatalität
die Fatalitätsrate (engl. fatality rate, case fatality) errechnet sich aus der Anzahl der (in einem Zeitraum) Gestorbenen geteilt durch die Anzahl der (in dem Zeitraum) Erkrankten oder (bei Längsschnittbetrachtungen) aus der Anzahl der (in einem Zeitraum) Gestorbenen geteilt durch den Anfangsbestand (zu Beginn dieses Zeitraums) von Erkrankten. Die Fatalität wird oft mit der Letalität verwechselt.


Faustlos
die deutsche Version des in den USA für Kindergärten und Schulen entwickelten Konzepts "Second Step". Das Programm hat das Ziel, impulsives und aggressives Verhalten von drei- bis zehnjährigen Kindern zu vermindern und ihr soziales Verhalten zu verstärken. Kinder sind von Natur aus nicht gewalttätig, sie können aggressives Verhalten erlernen, aber auch wieder verlernen. FAUSTLOS richtet sich dabei an alle Kinder einer Klasse, an mögliche Täter und mögliche Opfer. Die Lerneinheiten bauen systematisch aufeinander auf. So sollen die Kinder durch FAUSTLOS erkennen, was ein anderer Mensch fühlt. Sie sollen sich in andere hineindenken und hineinfühlen lernen, um so gefühlsmäßig auf einen anderen Menschen eingehen zu können. Sie lernen weiterhin, ihre Impulse zu kontrollieren und Probleme auf eine positive Art zu lösen. Ein Ziel ist, dass die Kinder Anzeichen von Wut und Ärger bei sich selbst und anderen erkennen. Aggressives Verhalten kann dadurch verringert bzw. verhindert werden, dass den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, über den Vorfall nachzudenken, der den Ärger ausgelöst hat. Leiter ist Prof. Dr. med. Manfred Cierpka, seit 1998 Direktor der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie der Universität Heidelberg.


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Fehler und Beinahefehler bei ärztlichen Behandlungen
Die AOK definiert auf ihrer Webseite: "Wenn Patienten aber aufgrund ärztlicher Sorgfaltpflichtverletzungen Schäden erleiden, spricht man von Behandlungsfehlern."  Die TK definiert: "Behandlungsfehler sind Eingriffe von Ärzten und Zahnärzten, die nicht nach den aktuellen Grundsätzen und Regeln der Medizin erfolgt sind und zu gesundheitlichen Schäden geführt haben". 

Kunstfehler oder Behandlungsfehler definiert das Institute of Medicine mit: "Das Scheitern einen geplanten Eingriff/ Behandlung so zu Ende zu bringen, wie beabsichtigt oder der falsche Plan ein (Behandlungs-) Ziel zu erreichen.  Der Schwerpunkt liegt dabei auf 2 wichtigen Prinzipien: ein schlechtes Behandlungsergebnis bedeutet nicht, dass dem ein Behandlungsfehler zugrunde liegt, und Kunstfehler sind unabsichtlich und allgemein vermeidbar.   Abgegrenzt wird dabei der Kunstfehler von einer Nebenwirkung. Eine Nebenwirkung ist ein nachteiliger Behandlungsausgang mit einem Schaden, der das Ergebnis eines Behandlungprozesses und nicht der zugrundeliegenden Erkrankung des Patienten ist. Kunstfehler oder Behandlungsfehler bezieht sich also überwiegend auf den Behandlungsprozess, Nebenwirkungen beziehen sich überwiegend auf das Ergebnis. Die Überlappung zwischen Kunstfehler oder Behandlungsfehler und Nebenwirkungen ist klein, die meisten Behandlungsfehler führen nicht zu einem Schaden, und die meisten Nebenwirkungen gehen nicht auf Behandlungsfehler zurück. Im Zweifel kann der Patient aber gleichzeitig Opfer von beidem werden.  Fehler bei Medikamentenverordnungen werden nach großen Studien in amerikanischen Krankenhäusern mit etwa 3,5% der Verordnungen angegeben. Die große Aufmerksamkeit findenden Operationen an der falschen (gesunden) Köperhälfte sind nach einer Studie  mit 2 826 367 US- Operationen mit 25 Fälle sehr selten (1:112 994 Operationen), Nur in einem der Fälle führte dies zu einem Dauerschaden für den Betroffenen. 

Die Peinlichkeit für den Arzt, persönliche Ängste, Angst vor juristischen und finanziellen Folgen, sind die häufigsten Gründe nicht zu Behandlungsfehlern zu stehen.  Die Zeiten haben sich auch in der Medizin geändert. Im Informationszeitalter haben zumindest differenziertere Patienten ohnehin die Möglichkeit sich umfassend selbst über ihre Erkrankungen und die Behandlungsmöglichkeiten, wie deren Risiken zu informieren.  Die Zeiten der Geheimnisse eines Berufsstandes sind auch für Ärzte weitgehend Vergangenheit.   In der aktuellen Diskussion wird überwiegend favorisiert, Behandlungsfehler offen zuzugeben und Patienten auch über "Beinahme- Fehler" offen zu informieren. Vermutlich ist dies die sicherste Strategie um zu einer vertrauensvollen Arzt- Patient- Beziehung zu kommen. Niemand ist perfekt, auch Ärzte nicht.

Im Rahmen ärztlichen Qualitätsmanagements ist Fehlermanagement ein Bestandteil der Praxis geworden. Aus dem Erkennen von Fehlern lassen sich Fehlervermeidungsregeln und Präventivmaßnahmen ableiten. Fehlermeldesysteme auch im Internet machen es leichter auch aus den Fehlern anderer zu lernen. Behandlungsfehler sind ein beliebter Forschungsgegenstand geworden. Das Eingeständnis und die Beseitigung von Fehlern werden zunehmend als Entwicklungsmotor erkannt.

  1. Fehldiagnosen siehe hier
  2. Gutachterkommissions-Broschuere der Bundesaerztekammer-2009
  3. Adressen der Gutachterkommissionen der Bezirksärztekammern in Baden- Württ Gutachterstelle bei der Bayerischen Landesärztekammer  Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern
  4. eine Schweizer Webseite hilft aus den Fehlern anderer zu lernen. https://www.cirsmedical.ch/Deutschland/cirs/cirs.php Seiten die Helfen Fehler zu vermeiden, die andere schon gemacht haben: CIRSmedical  Deutschland CIRS an der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie CIRS Risikomanagement in der präklinischen Notfallmedizin  Jeder Fehler zählt! Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen  PaSIS Patienten-Sicherheits-Informations-System   PaSOS Patienten-Sicherheits-Optimierungs-System Schweiz CIRSmedical Schweiz  
  5. Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen ( Patientenbeauftragte),
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Feindseligkeit
"high hostility" im Personönlichkeitsprofil. Das "Typ-A" Verhalten gilt seit Jahrzehnten als eine Persönlichkeitsvariante die das Herzinfarktrisiko steigert. Nach der aktuellen Studienlage scheint dabei der Feindseligkeit eine große Rolle zuzukommen. Dabei scheinen die Risiken bereits im Jugendalter messbar. Eine Nachuntersuchung von Kollegestudenten mit 42 Jahren zeigte, dass Individuen mit eingangs hoher Feindseligkeit häufiger Koffein, Alkohol, und Tabak, konsumierten, ein höheres Gewicht hatten, einen höheren Cholesterinspiegel als ihre weniger feindseligen Altersgenossen. Sie wiesen auch einen deutlich höheren Adrenalinmorgenspiegel auf, der für die häufigen morgendlichen Herzinfarkte eine große Bedeutung hat. Insbesondere Zeitdruck, Ungeduld und Feindseeligkeit scheinen den Bluthochdruck langfristig zu begünstigen, sagt eine Verlaufsuntersuchung von 3308 Erwachsenen (CARDIA Studie).
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  • Williams RB et al. Type A behavior, hostility, and coronary atherosclerosis. Psychosom Med 1980, 42:539-49.
  • Lijing L. Yan; Kiang Liu; Karen A. Matthews; Martha L. Daviglus; T. Freeman Ferguson; Catarina I. Kiefe JAMA. 2003;290:2138-2148. Psychosocial Factors and Risk of Hypertension: The Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA) StudyABSTRACT | FULL TEXT | PDF


  • Feldenkrais Methode
    Durch bewusste neue Bewegungen soll der Patient seinen Körper neu wahrnehmen und seinen eigenen (gesunden) Rhythmus finden. Meist Wochenendkurse oder Seminare, bisher noch umstritten.


    Feldstudie
    Untersuchung, die nicht unter klinischen oder experimentellen Bedingungen, sondern an Personen in ihrer normalen, nicht vom Untersucher beeinflussten Umwelt durchgeführt wird


    femoralis, Nervus
    (aus den Nervenwurzeln L1-L4), stärkster Ast des Plexus lumbalis, zieht auf dem M. iliacus durch die Lacuna musculorum zum Oberschenkel. Er innerviert die Muskeln der Oberschenkelvorderseite: M. iliopsoas, M. quadriceps femoris, M. sartorius; den M. pectineus innerviert er zusammen mit dem N. obturatorius. Hautäste: Rami cutanei anteriores: zur Haut der Oberschenkelvorderseite, N. saphenus: folgt den Vasa femoralia in den Adduktorenkanal, durchbricht die Sehnenplatte zwischen dem M. vastus medialis und dem M. adductor magnus und läuft in der Nähe der V. saphena magna bis zum Medialrand des Fußes. Der N. saphenus innerviert mit seinem Ramus infrapatellaris die Haut der vorderen Kniegegend, mit den Rami cutanei cruris mediales innerviert er sensibel die Medialseite von Unterschenkel und Fuß. Lähmung der Hüftbeuger und Kniestrecker (Mm. iliopsoas et quadriceps femoris) führt zu Gangunsicherheit bzw. Gehen mit versteiftem Knie, was Sekundärschäden am Gelenk verursachen kann, und zu Schwierigkeiten beim Treppensteigen und Aufrichten aus dem Sitzen. Die Abgrenzung gegen eine Wurzelläsion L4 wird durch die Aussparung der Adduktorengruppe ermöglicht, eine Abgrenzung gegen die diabetische Amyotrophie ebenfalls durch deren weitergehende Ausfälle. Läsionen kommen nach abdominellen und Hüftoperationen vor, bei malignen Lymphomen und Psoashämatomen unter Antikoagulation. Auch chronischer perkutaner Druck kommt als Ursache in Betracht. Der N. saphenus als sensibler Endast für den medialen Unterschenkel kann durch Varizen- oder Knieoperation und körperliche Belastung (Druck im Hunter-Kanal am distalen Oberschenkel unter dem M. sartorius) geschädigt werden. Bei einer oberen Lähmung ist der M. iliopsoas (Hüftbeuger) betroffen, dieser fällt allerdings nicht vollständig aus, da der M. psoas major auch durch Äste direkt aus dem Plexus lumbalis (L2 u. L3) versorgt wird. Dennoch entsteht eine Beeinträchtigung beim Gehen und Steigen. Bei einer Lähmung nach Abgang der Äste zum M. iliopsoas kommt es zu einer Lähmung des vorderen Oberschenkelmuskels (M. quadrizeps femoris), dem wichtigsten Kniestrecker, entsprechend fällt damit auch der Patellarsehenenreflex aus. Gehen bleibt dabei etwas mühsamer möglich, beim bergauf gehen kann man mit dem betroffenen Bein nicht vorausgehen, beim bergab gehen muss das betroffene Bein immer als erstes nach vorne genommen werden. Weniger bedeutsam ist die Lähmung des M.sartorius (Beuger und Außenrotator im Hüftgelenk) und des M. pectineus der an der Hüftadduktion beteiligt ist. Ursachen seiner Schädigung können in einer durchgebrochenen Blinddarmentzündung oder einer Blinddarmoperation einer solchen liegen, kommen auch nach TEP der Hüften, selten auch nach Leistenbruchoperationen vor. Ganz selten auch nach Arteriographien, nach einsetzen eines Aortofemoralen Bypass, nach Gebährmutterentfernungen. Spontane Lähmungen kommen auch nach plötzlicher Überstreckung der Hüfte bei einem Unfall oder beim Sport vor, sehr selten nach intraglutäalen Injektionen, wenn mit einer langen Nadel über den Beckenkamm hinaus gestochen wird. Bei Blutgerinnungsstörungen durch große Hämatome (Psoashämatom, sowohl unter Markumar als auch sehr selten unter Ass. Nicht ganz selten kommt eine Femoralislähmung als Mononeuritis beim Diabetes m. vor. Möglicherweise ist diese auf Druchblutungsstörugen zurückzuführen, sie bildet sich meistens gut zurück. Berichtet wird sie auch als Folge einer schweren Spondylose bei älteren Patienten, dann öfters mit Läsionen anderer Teile des Plexus lumbalis gemeinsam. Der sensible Ast des N. Femoralis der N saphenus wird manchmal bei der Entfernung des mittleren Meniskus verletzt, auch bei der Operation von Krampfadern (Herausziehen längerer Abschnitte der Vena saphena magna kann der N. saphenus verletzt werden. Meist entstehen (in etwa zur Hälfte reversible) sensible Ausfälle, manchmal bildet sich ein schmerzhaftes Neurom, das operativ entfernt werden muss. Die Saphenusneuropathie ist ein Enpasssyndrom durch mechanische Kompression des Nerven im Hunterschen Kanal oder bei Reizung durch eine Venenentzündung der daneben liegenden Vena saphena interna. Sie äußert sich mit Schmerzen und einem Schweregefühl am Oberschenkel oberhalb des Knies, und am Unterschenkel, nimmt beim Gehen zu, im weiteren Verlauf können auch Sensibilitätsstörungen an der Innenseite des Unterschenkels auftreten. Der N. saphenus ist dann im unteren Drittel des Oberschenkels auch druckempfindlich, der Schmerz wird beim umgekehrten Lasègue verstärkt. Lokalanästhesie und Kortisoninjektionen helfen manchmal, wenn nicht hilft oft nur die Spaltung des Hunterschen Kanals. Hauptsächliche Verwechslungsmöglichkeit der Femoralisparesen sind Wurzelkompressionen L3 und L4 mit daraus folgender Lähmung der Kniestrecker und PSR – Ausfall.


    Fertilität
    bevölkerungsbezogene Betrachtung der natürlichen Reproduktion, wobei die Anzahl der (Lebend)geborenen in Bezug zur weiblichen Bevölkerung im gebärfähigen Alter (hier 15 - <45 Jahre) gesetzt wird. Die Quantifizierung erfolgt über Fertilitätsmaße, welche sowohl die Demographie als auch die Epidemiologie interessieren. Fruchtbarkeit, geschlechtliche Vermehrungsfähigkeit


    Festination
    unbewusste nicht willentlich gesteuerte Tendenz beim Gehen kleine Schritte zu nehmen, die beim Gehen immer schneller und hastiger werden. Es handelt sich um eine subcorticale hypokinetische Gangstörung. Teilweise werden die Wörter Propulsion und Antepulsion synonym verwendet. Parkinsonkranke haben oft Schwierigkeiten beim Gehen in Gang zu kommen, wenn sie dann losgelaufen sind, kommt oft auch mitbedingt durch den nach vorne neigenden Oberkörper ein eiliges unsicheres Vorpreschen zustande. Wenn sie dann anhalten wollen, gelingt dies schlecht, weil die Festination weitergeht. Das Symptom kommt aber auch bei Hirndrucksteigerungen, wie beispielsweise bei idiopathischen Aquäduktstenosen vor.
    M Zeidler, et al.,Parkinsonism associated with obstructive hydrocephalus due to idiopathic aqueductal stenosis J Neurol Neurosurg Psychiatry 1998;64:657-659 O Leheta, J Boschert, J K Krauss, and I R Whittle Festination as the leading symptom of late onset idiopathic aqueductal stenosis J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, November 1, 2002;  73(5): 599 - 600. [Full Text]


    Fetischismus
    Gebrauch toter Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und Befriedigung. Viele Fetische stellen eine Erweiterung des menschlichen Körpers dar, z.B. Kleidungsstücke oder Schuhwerk. Andere gebräuchliche Beispiele sind Gegenstände aus Gummi, Plastik oder Leder. Die Fetischobjekte haben individuell wechselnde Bedeutung. In einigen Fällen dienen sie lediglich der Verstärkung der auf üblichem Wege erreichten sexuellen Erregung (z.B. wenn der Partner ein bestimmtes Kleidungsstück tragen soll). Spezialisiertes, unter Umständen abweichendes Sexualverhalten, bei dem ausschließlich oder überwiegend bestimmte Objekte, d.h. Körperpartien außerhalb der Genitalsphäre (z.B. Fuß, Haar), Gegenstände (z.B. Kleidungsstücke) oder Materialien (z.B. Leder, Gummi), die mit dem Liebesobjekt zusammenhängen bzw. dieses ersetzen, zur geschlechtlichen Erregung führen

    Fetischistischer Transvestitismus  Zur Erreichung sexueller Erregung wird Kleidung des anderen Geschlechts getragen; damit wird der Anschein erweckt, dass es sich um eine Person des anderen Geschlechts handelt. Fetischistischer Transvestismus unterscheidet sich vom transsexuellem Transvestitismus durch die deutliche Kopplung an sexuelle Erregung und das starke Verlangen, die Kleidung nach dem eingetretenen Orgasmus und dem Nachlassen der sexuellen Erregung abzulegen. Er kann als eine frühere Phase in der Entwicklung eines Transsexualismus auftreten. siehe auch unter Paraphilie



    Fibromyalgie
    Kardinalsyndrom der sog. "Fibromyalgie" ist das vermehrte subjektive Schmerzerleben am Muskel-Sehnenapparat, wie es auch isoliert an jeder beliebigen Muskelgruppe des Haltungs- und Bewegungsapparates beobachtet werden kann, sofern sie - aus welchen Gründen auch immer - einem erhöhten Tonus (Anspannung) unterliegt. Der Muskeltonus ist immer auch Spiegelbild der psychischen Anspannung, also ein "psychisches Erfolgsorgan" . Solche muskuläre Mehrtonisierungen bewirken Fehlhaltungen und Fehlfunktionen z. B. der Wirbelgelenke, die ihrerseits zusätzlich organisch bedingte Beschwerden bereiten können. "Typische" Druckpunkte bevorzugt in den Insertionsgebieten der Muskulatur, z. B. am Hinterhaupt, dem Schulterblatt und Becken. Ausführliches im entsprechenden Kapitel Fibromyalgie
    Siehe auch:    

    1. Rückenschmerz
    2. unter somatoforme Störungen
    3. Screening nach Risikofaktoren für eine Chronifizierung
    4. Schmerzmedikamente
    5. Fibromyalgie
    6. Gymnastik zur Vorbeugung
    7. Rückenschule
    8. Die zervikale Myelopathie- wenn der Wirbelsäulenschaden sich aufs Rückenmark auswirkt
    9. die neuralgische Schulteramyotrophie - eine Differenzialdiagnose zum Bandscheibenvorfall im HWS- Bereich
    10. Wann Röntgenbilder und Kernpintomographien indiziert sind
    11. Wichtige ,,Säulen“ der Therapie des degenerativ verursachten Lumbalsyndroms 
    12. Was wird dann untersucht
    13. Wann operiert wird
    14. wichtige mechanische Definitionen 
    15. Risikofaktoren für eine Chronifizierung
    16. Was und wie wird beim Arzt zunächst je nach Beschwerden untersucht 
    17.  Ärztliche Maßnahmen die Rückenschmerzen chronifizieren
    18.  Links zu Rückenschmerzen


    Fieberkrämpfe
    Fieberkrämpfe sieht man vorwiegend bei 3-5 Jahre alten Kindern in Verbindung mit Fieber ohne Zeichen einer intrakraniellen Infektion oder einer anderen nachweisbaren Ursache. Bis zu 4% aller Kinder sind betroffen, wobei eine genetische Disposition besteht. 'Benigne' oder 'einfache' Fieberkrämpfe sind flüchtig, vereinzelt und generalisiert; 'komplizierte' Attacken sind entweder vom fokalen Typ, dauern länger als 15 min oder wiederholen sich mindestens zweimal in < 24 h. Insgesamt ist das Auftreten von Fieberkrämpfen mit einer leicht erhöhten Inzidenz von späteren afebrilen Krämpfen verbunden (2% entwickeln eine Epilepsie). Die Wahrscheinlichkeit einer späteren Epilepsie und das Risiko rezidivierender Fieberkrämpfe ist wesentlich größer bei Kindern mit 'komplizierten' Fieberkrämpfen, abnormem neurologischen Vorab-Befund, Beginn innerhalb des ersten Lebensjahres oder einer Epilepsie in der Familienanamnese.


    Filizid, Infantizid, Neonatizid
    Unter Infantizid oder Filizid versteht man das Töten des eigenen Kindes, bzw. Kindsmord als Sonderform des Mordes. Filizid ist allgemein das Töten des eigenen Kindes. Von Infantizid spricht man in der Regel, wenn das Kind unter einem Jahr alt ist, von Neonatizid wenn das Kind weniger als 24 Stunden alt ist, also ein Neugeborenes ist.  Filizid ist eher selten, findet aber viel Aufmerksamkeit. Die Rate wird mit 0,6 bis 2,5 / 100,000 Kinder angegeben, wobei es sicherlich eine Dunkelziffer nicht diagnostizierter Morde durch die eigenen Eltern gibt.  Kindstötungen gibt es nicht nur bei Menschen sondern auch im Tierreich und hier auch bei unseren Verwandten den Affen, aber auch bei bei Raubtieren, Vögeln und Hühnern, Nagetieren etc. Manchmal wird von Tieren kranker Nachwuchs aufgefressen, manchmal ist Futterknappheit, Übervölkerung oder eine andere Belastung die Ursache.

    In einer finnischen Studie wurden alle Menschen, die ihre Kinder zwischen 1995–2004 getötet hatten psychiatrisch untersucht und mit einer altersgleichen Gruppe von Mördern verglichen. Die untersuchten Filizidtäter waren 13 Frauen und 7 Männer, das mittlere Alter der ermordeten Kinder lag bei 4 Jahren. Die Filizidtäter litten nicht häufiger unter Psychosen als die Kontrollgruppe, aber sie hatten signifikant häufiger Suizidversuche verübt. Seltener als die anderen Mörder hatten sie eine Substanzabhängigkeit, oder eine antisoziale Persönlichkeit. Sie zeigten deutlich seltener psychopathische Züge als die genannte Kontrollgruppe.  Die Filizidtäter hatten aber häufiger eine Unfähigkeit Trauer oder Schuldgefühle zu empfinden, hatten eine verminderte Empathiefähigkeit und eine schlechtere Verhaltenskontrolle als die altersgleiche Gruppe von Mördern und konnten schlecht Verantwortung akzeptieren.  Filizidtäter sind nicht psychisch gestörter als gewöhnliche Mörder. Nicht jeder Mord am eigenen Kind ist mit einer psychischen Störung entschuldbar.  Die gesetzlichen Bestimmungen zur Bewertung des Kindsmordes sind in den Industrieländern unterschiedlich, unterschiedlich ist auch die Berücksichtigung psychischer Störungen bei der Strafzumessung.

    Bei Frauen mit postpartalen Depressionen, also einer Depression nach der Geburt, sollte bei Hinweisen auf Suizidalität oder dem Äußern von Suizidgedanken, direkt nach Gedanken dem Kind etwas anzutun gefragt werden. In dieser speziellen Gruppe- die nicht den größten Teil der Filizidtäter stellt ist oft ein rechtzeitiges Erkennen und Behandeln für Mutter und Kind lebensrettend und in dieser speziellen Gruppe spielen tatsächlich psychische Störungen eine große Rolle. Dies kann alle Fälle von Infantizid. also die Kindstötungen insbesondere durch Mütter im ersten Lebensjahr betreffen. Insbesondere bei jungen Müttern spielt aber beim Neonatizid häufig eine Rolle, dass sie finanzielle und soziale Probleme sowie Partnerschaftsprobleme haben, oder die Schwangerschaft verheimlicht wurde, bzw. eine Schwangerschaftsverleugnung vorlag oder ganz einfach die Schwangerschaft unerwünscht war. Diese jungen Frauen sind häufig emotional unreif.

    Eine klassische Enteilung gibt es von Resnick (Am. J. of Psychiatry, 126 (1970); 1414 – 142 [Abstract] [PDF] ) teilte die Kindsmörderinnen in fünf Kategorien ein: (1) Den altruistische Filizid: die Mutter sieht keinen anderen Ausweg ihrer hoffnungslosen Situation, will ihr  Kind vor realem oder vorgestelltem Leid bewahren (2) Der Akut psychotische Filizid,  unter dem direkten Einfluss einer von Epilepsie, eines Delirium oder Halluzinationen.  (3) Tötung eines unerwünschten Kindes.(4) Versehentlicher Filizid, z.B. tödlich misshandelte Kinder mit fehlendem Tötungsvorsatz (5) Filizid als Rache am Ehegegatten mit Tötung des gemeinsamen Kindes als Rache, normalerweise weil die Mutter ihren Ehegefährten für untreu hält oder umgekehrt, bzw. nach Trennung.

    1. Hanna Putkonen et al, Differences between homicide and filicide offenders; results of a nationwide register-based case-control study BMC Psychiatry 2009, 9:27 doi:10.1186/1471-244X-9-27
    2. J. A. Barr and C. T. Beck Infanticide secrets: Qualitative study on postpartum depression Can Fam Physician, December 1, 2008; 54(12): 1716 - 1717.e5. [Abstract] [Full Text] [PDF]
    3. Resnick PJ: Murder of the newborn: a psychiatric review of neonaticide. Am J Psychiatry 1970; 126:1414–1420
    4. M. Craig Perinatal risk factors for neonaticide and infant homicide: can we identify those at risk? J R Soc Med, February 1, 2004; 97(2): 57 - 61.  [Full Text] [PDF]
    5. Spinelli MG. A systematic investigation of 16 cases of neonaticide. Am J Psychiatry 2001;158(5):811–3.
    6. M. E. Herman-Giddens, J. B. Smith, M. Mittal, M. Carlson, and J. D. Butts Newborns Killed or Left to Die by a Parent: A Population-Based Study JAMA, March 19, 2003; 289(11): 1425 - 1429. [Abstract] [Full Text] [PDF]
    7. K. Beyer, S. McAuliffe Mack, and J. L. Shelton Investigative Analysis of Neonaticide: An Exploratory Study Criminal Justice and Behavior, April 1, 2008; 35(4): 522 - 535.  [Abstract] [PDF]
    8. M. Adinkrah When Parents Kill: An Analysis of Filicides in Fiji Int J Offender Ther Comp Criminol, April 1, 2001; 45(2): 144 - 158. [Abstract]
    9. C Jenny and R Isaac The relation between child death and child maltreatment. Arch. Dis. Child., March 1, 2006; 91(3): 265 - 269. [Abstract]
    10. S. A. Myers Maternal Filicide Arch Pediatr Adolesc Med, December 1, 1970; 120(6): 534 - 536. [Abstract] [PDF]
    11. D. J. Papapietro and E. Barbo Commentary: Toward a Psychodynamic Understanding of Filicide--Beyond Psychosis and Into the Heart of Darkness J Am Acad Psychiatry Law, December 1, 2005; 33(4): 505 - 508. [Abstract]
    12. S. H. Friedman, S. M. Horwitz, and P. J. Resnick Child Murder by Mothers: A Critical Analysis of the Current State of Knowledge and a Research Agenda Am J Psychiatry, September 1, 2005; 162(9): 1578 - 1587. [Abstract] [Full Text] [PDF]
    13. M. G. Spinelli Maternal Infanticide Associated With Mental Illness: Prevention and the Promise of Saved Lives Am J Psychiatry, September 1, 2004; 161(9): 1548 - 1557.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
    14. M. V. MENDLOWICZ, M. H. RAPAPORT, L. FONTENELLE, G. JEAN-LOUIS, and T. M. DE MORAES Amnesia and Neonaticide Am J Psychiatry, March 1, 2002; 159(3): 498 - 498.  [Full Text] [PDF]
       


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