| |
Glossar:
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
|
Glossar
Psychiatrie/Psychosomatik/
Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie |
|

Dies ist noch eine
Testversion der Umgestaltung des Glossars um eine bessere Benutzerfreundlichkeit
zu erzeugen, bitte haben Sie Verständnis, dass noch nicht alles perfekt ist
Neue Seite 1
|
Wichtiger
Hinweis: Sämtliche
Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss
jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende
Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche
irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden
Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben
die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es
wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und
Auffassungen geben. Für die Abmahnwütigen noch ein
Hinweis zu den Links auf diesen Webseiten: Ich distanziere mich
ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und
Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die
Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich
ausgeschlossen. Bitte lesen sie auch
den Beipackzettel
der Homepage, dieser beinhaltet das
Impressum, weiteres auch im
Vorwort.
Navigation: Unten nach dem letzten Stichwort einer Seite finden sie einen Link, um auf die nächste Seite des betreffenden Buchstabens weiter zu klicken. Um zum nächsten Buchstaben zu kommen, nutzen Sie bitte die Links aus der Buchstabenreihe, die sich jeweils oben und unten auf der Seite befindet. Alternativ können Sie die Suchbox verwenden, diese durchsucht das Glossar, das jeweils auch einen Link zu den ausführlichen Themenseiten enthält. Das Glossar
wurde unter Verwendung neuester Literatur erstellt. Insbesondere
dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der
Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der
analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie
dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und
Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem
einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der
letzten 10Jahre. Nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate sind kenntlich
gemacht. Verständlicherweise konnte durch Verwendung
verschiedener Quellen eine Mischung aus den unterschiedlichen
Zitaten nicht immer vermieden werden. Soweit möglich
wird dies angezeigt. Nicht alles ist auf Anhieb
laienverständlich, da ich die Zusammenstellung auch für
mich selbst nutze, musste hier ein Kompromiss zwischen
Verständlichkeit und medizinischer und psychologischer
Exaktheit gefunden werden. Falls sich jemand falsch oder in zu
großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail
schicken. KM 19.4.2000 Siehe auch die ergänzenden Hinweise
unten auf dieser Seite.
PS
selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig
aktualisiert werden.
|
| GABA
|
| engl. Abk. für "gamma-amino-butyric-acid" (g-Aminobuttersäure; Piperidinsäure; H2NCH2CH2COOH; Mr: 103,12); nichtproteinogene Aminosäure, aus L-Glutaminsäure biosynthetisiert (Decarboxylierung). 1950 durch Eugene Roberts im ZNS nachgewiesen. GABA-Rezeptoren: Subtypen GABA-A, GABA-B. Das GABA-System ist das wichtigste Hemmsystem des ZNS. Siehe unter Synapse |
|
|
| Gähnen
|
| Gähnen kommt bei Wechseln des Schlaf/Wachzustands oder bei Hunger oder Lampenfieber und Langeweile auch bei den meisten Säugetieren vor, und ist nur bedingt willentlich steuerbar. Der eigentlich Ablauf ist reflexhaft. Gähnen ist also kein Hinweis auf Müdigkeit, sondern eher auf eine Änderung des Arousals oder des körperlichen Aktivierungszustandes. Gähnen wird, wie auch andere Gesten, häufig imitiert. Manche Forscher vermuten, dass die Neigung das Gähnen zu imitieren eine synchronisierend Funktion in Gruppen hat. Über die physiologischen Grundlagen des Gähnens ist wenig bekannt. Exzessives Gähnen, kann ein Krankheitszeichen sein, es kommt bei Infekten, Vergiftungen und Stoffwechselstörungen vor. Auch bei hirnorganischen Erkrankungen, wie bei
Epilepsie
Multiple
Sklerose,
Migräne, Schädigungen des
Kleinhirns, der Medulla oblongata und des Hirnstamms ist exzessives Gähnen beschrieben. Gähnen kann als Opiat-Entzugssyndrom auftreten, oder auch als Nebenwirkung der Einnahme von verschiedenen Psychopharmaka. Bekannt ist dies beispielsweise bei Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), Clomipramin, Desipramin und dual wirkenden Antidepressiva (Venlafaxin, Duloxetin). Meist tritt bei der Einnahme von Antidepressiva ein Gähnen erst nach mehreren Wochen Einnahme auf und verschwindet auch bei weiterer Einnahme nach einigen Wochen wieder. Der Mechanismus, über den Medikamente zu Gähnen führen, ist nicht bekannt, ebenso wenig gibt es sicher wirksame Gegenmittel. |
|
|
| Galalactorrhoe |
| siehe Hyperprolaktinaemie |
|
|
| Gamma Knife
|
| Das Gamma Knife wurde in Schweden von Lars Leksell entwickelt und kam 1968 erstmals beim Menschen bei einer Thalamotomie wegen unstillbarer Schmerzen zum Einsatz. Radiochirurgie ist eine moderne Behandlungsform, bei der eine stereotaktisch-lokalisierte und scharf gebündelte Hochdosisbestrahlung eingesetzt wird, um kleine intrakranielle Prozesse schonend auszuschalten. Mit Gamma-Knife-Radiochirurgie (GKRC) können entweder mit hoher Dosis von 110–150 Gy kleinvolumige Radionekrosen (RN) im gesunden Gehirn gesetzt werden oder mit einer nichtnekrotisierenden Dosis (NND) von 10–25 Gy unterschiedlich große und verschieden konfigurierte Volumina radiochirurgisch behandelt werden. Besonders in der Therapie benigner und maligner Hirntumoren, zerebralen Metastasen, vereinzelt aber auch in der Epilepsiechirurgie und bei AV-Missbildungen hat sich die Radiochirurgie als wertvoll erwiesen und wird zunehmend als wirksame Alternative zur offenen Operation eingesetzt. Mit dem Gamma-Knife (GK) können mit stereotaktischer MR-Planung aber auch nichtinvasiv präzise Läsionen in schmerzverarbeitenden und -leitenden Hirnarealen im Sinne einer ablativen Schmerzchirurgie bei verzweifelten Fällen (beidseitigen anterioren Capsulotomien) gesetzt werden. Die Gamma Knife- Radiochirurgie ist in manchen Fällen eine sichere, effektive und Kosten sparende Alternative zur herkömmlichen Neurochirurgie.
|
|
K.Kitz, Das Gamma Knife – eine Übersicht, J
Neurol Neurochir Psychiatr 2002; 3 (3): 21–24. |
| Gamma-GT
|
| (= γGT, GGT) Abk. für Gamma-Glutamyl- Transpeptidase. Die γGT wird, fast ausschließlich für die Erkennung von Leber-, insbesondere von Gallengangserkrankungen eingesetzt. Die γGT reagiert zwar recht frühzeitig bei alkoholbedingten Lebererkrankungen, ist jedoch nicht spezifisch oder gar beweisend für Alkohol als Ursache einer Lebererkrankung. |
|
|
| Gammopathie (n) Monoklonale
|
Klonale Erkrankungen von immunglobulinsynthetisierenden Zellen werden entsprechend der REAL-Klassifikation zu den Lymphomen gezählt. 2-3 Neuerkrankungen pro 100.000 /Jahr. Wenn immunkompetente B-Zelle entarten, entstehen s.g. atypischen Plasmazelle (neoplastische Entartung einer einzigen Plasmazelle) im Knochenmark, diese verdrängen andere Zellen. Die entarteten kranken Plasmazellklone produzieren nun völlig identische (monoklonale) Immunglobuline, Schwerketten oder Leichtketten, die alle im peripheren Blut nachweisbar sind. Letztere werden über den Urin ausgeschieden, aber auch in verschiedenen Organen, insbesondere der Niere und der Leber (Amyloid), abgelagert. Es werden Plasmozytome (Myelome) vom Typ IgG, IgA, IgD und IgE unterschieden, daneben die Makroglobulinämie Waldenström (Typ IgM) sowie die benignen essentiellen Gammopathien vom IgG-, IgA- oder IgM-Typ. Etwa 10% der Patienten mit monoklonalen Gammopathien zeigen Amyloidablagerungen, die von den sezernierten monoklonalen Immunglobulinen ihren Ausgang nehmen. Daher ist die Amyloidose bei monoklonalen Gammopathien eine schwerwiegende Komplikation. Bei relativ gutartigem Verlauf der monoklonalen Plasmazellproliferation kann die Zweitkrankheit Amyloidose das Leben der Patienten frühzeitig bedrohen, d.h. eine therapeutische Intervention kann auch bei niedrig aktiver neoplastischer Malignität erforderlich sein, wenn das Sekretionsprodukt über die Bildung von Amyloidablagerungen pathogen wird. Bei einer ganzen Reihe von Fällen ist eine generalisierte Amyloidose das Erstsymptom einer monoklonalen Gammopathie. Die Amyloidablagerungen betreffen vor allem Herz, Nieren, Gastrointestinaltrakt, Haut, Gelenke und Bindegewebe, sowie Nerven. Meist haben die Betroffenen Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Schwäche, Knochenschmerzen und häufige Infekte, Laborchemisch entstehen Einschränkungen der Nierenfunktion, es kann zu Durchblutungsstörungen kommen. Zusätzlich kann von den Plasmazellen ein noch nicht weiter identifizierter osteolytischer Faktor freigesetzt werden, dieser kann zu lokalen Herden des Knochenabbaus (Schrotschußschädel) führen. In Abhängigkeit der Progredienz der Erkrankung unterscheidet man zwischen malignen und benigen monoklonalen Gammopathien. Beide Formen treten gehäuft mit fortschreitendem Lebensalter auf. Zu den klassischen Paraproteinämien zählen das multiple Myelom und der Morbus Waldenström und die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz.. Nicht selten verursachen sie auch
Polyneuorpathien
|
Stadieneinteilung des Multiplen Myeloms nach Durie und Salmon |
|
Stadium
I |
Alle folgenden
Kriterien sind erfüllt:
– Hämoglobin >10
g/dl
– Serumkalzium normal
– röntgenologisch untersucht normale Knochenstruktur oder nur ein
solitärer Herd
– niedrige Myelomproteinkonzentration IgG <50 g/l bzw. IgA <30 g/l bzw
Bence Jones Proteinurie <4 g/24 Stunden |
|
Stadium
II |
– Patienten, die nach
den Kriterienweder zum Stadium I noch zum Stadium III gehören |
|
Stadium III |
Mindestens eines der
folgenden Kriterien ist erfüllt:
Hämoglobin < 8,5 g/dl
Serumkalzium erhöht
fortgeschrittene Knochenläsionen
hohe Myelomproteinkonzentration IgG > 70 g/l bzw. IgA > 50 g/l bzw. Bence
Jones Proteinurie > 12 g/24 Stunden |
|
Zusatz: A ist normale
Nierenfunktion, B ist eingeschränkte Nierenfunktion |
|
|
http://www.krebsinfo.de/ki/empfehlung/mm/S321.HTM
http://www.neuroscript.com/monoklon.htm
http://www.labor-duesseldorf.de/SCH86.htm
http://www.ahc-consilium.at/daten/paraproteinaemien.htm
http://www.ikch.ch/leichtke.htm
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~aklebert/klin-chem/klin-chem.html |
| Gangstörung |
Gangstörungen nehmen mit dem Lebensalter zu.
10–15% aller Menschen, die älter als 60 Jahre 25–30% der 80 jährigen leiden an
einer Gangstörung, aber immerhin 20% der Hundertjährigen haben noch einen
normalen Gang. Gangstörungen bedeuten ein Verletzungsrisiko und führen zu
Unselbstständigkeit und sozialem Rückzug. Die korrekte Diagnose verbessert die
Behandlungsaussichten erheblich. Neben der ärztlichen Diagnostik von
Krankheitsursachen ist besonders im Alter auch an eine ärztliche Verursachung
der Gangstörung durch Medikamente zu denken: Medikamente die
Gangstörungen auslösen können (nach Lancet Neurol 2007; 6: 63–74):
Sämtliche
Antipsychotika (auch Fluspirilenspritzen, Melperon etc..), Antidepressiva,
Antiepiletpika (sämtliche
auch Lamotrigin), Anti Parkinson- Medikamente, .druch
die Dyskinesien und die orthostatische Hypotension), Benzodiazepine und andere
Schlafmittel, sämtliche Schmerzmittel, Blutdruckmittel, Diuretika, Betablocker,
ACE- Hemmer, Nitrate, etc., Anticholinergika, Antidiabetika, Antiarrhythmika,
Chininpräparate (Limptar etc.).. Im Zweifel sollte mit dem behandelnden Arzt
geklärt werden, ob die Medikamente vorübergehend gewechselt oder abgesetzt
werden können.
|
Differenzialdiagnose der Gangstörungen |
| Gangbild,
Ursache |
Symptome
|
andere
neurologischer Befunde |
| Arterielle
Durchblutungsstörung, Schaufensterkrankheit, Stehenbleiben müssen
wegen Schmerzen nach bestimmter Gehstrecke- die im Verlauf abnimmt. |
die
Schmerzlinderung bereits beim aufrechten Stehen bleiben ein, .
|
meist
typische Risikofaktoren (Rauchen, Hypertonus, Diabetes,
Fettstoffwechselstörung, Veranlagung, es finden sich fehlende Fußpulse
(können aber auch da sein bei diabetischer AVK), fehlende Besserung auf
Entlastung der LWS. Im Gegensatz zum Rückenschmerz bei einem akuten
Bandscheibenvorfall ist der Finger-Boden-Abstand (Bild)
nicht verlängert. Neurologische Ausfallserscheinungen mit Lähmungen,
Blasenstörung etc. finden sich erst in fortgeschrittenen Fällen durch
die Durchblutungsstörung der Nerven. |
| spinale
claudicatio intermittens, oder
Claudicatio
spinalis
Durch Einengung des lumbalen Spinalkanals (Syndrom des engen
Spinalkanals) ausgelöste intermittierende Gehschwierigkeit nach
bestimmter Gehstrecke . |
in
aufrechter Haltung mit Schmerzen, flüchtigen sensomotorischen Defiziten,
reversibel durch Kyphosierung der LWS (Hinsetzen, Vorbeugen, Liegen mit
gebeugten Beinen) |
In späteren Stadien
persistierende sensible
Defizite, Reflexausfälle und intermittierende Paresen, im Stadium 3 -
persistierende, progrediente Paresen bei teilweise zurückgehenden
Schmerzen.
Radfahren über längere
Strecken eher ist möglich als Gehen. Typisch sind Schmerzen beim
Bergabgehen, Besserung beim Bergaufgehen (im Gegensatz zur Claudicatio
bei AVK = arterieller
Verschlusskrankheit); Treppensteigen
ist meistens gut möglich beim Treppenabwärtsgehen treten dann aber
Beschwerden auf.
Spondylolisthesis, |
| Schmerzbedingte
Gangstörung |
verminderte Standzeit auf
dem betroffenen Bein, Schonhinken, schmerzbedingte Einschränkung der
Gehstrecke. |
Je nach Lokalisation und Art
der Schmerzen neurologische, orthopädische oder radiologische
Diagnostik. Bessert sich bei adäquater Schmerzbehandlung. |
| M.
Parkinson oder Parkinsonoid durch
Medikamente (Akinetisch-rigide Gangstörung). Bei Lewy-Body Demenz
ähnliche Gangstörung. |
Startschwierigkeiten,
kleinschrittig,Trippelschritte, schlurfend, vornüber gebeugt, Probleme
bei Schwellen fehlendes Mitschwingen eines oder beider Arme. Verbessert
sich bei Stimuli wie Marschsingen, zählen, etc. Nimmt zu wenn
gleichzeitig andere Aufgaben zu bewältigen sind. |
Gutes Ansprechend auf L-Dopa,
typische Parkinsonsymptome wie Ruhetremor, Rigor, Bradykinesie, Störung
der Feinmotorik, Verlangsamung, Aphonie. DD auch
Multi-System-Atrophie, Striatonigrale Degeneration, Shy-Drager Syndrom,
Olivopontocerebelläre Atrophie, Progressive supranukleäre Blicklähmung,
Cortikobasale Degeneration bei den letztgenannten aber meist kein oder
geringes Ansprechen auf L-dopa, häufig auch andere assozierte Symptome
wie zerebelläre Ataxie, Autonome Störungen, Pyramidenbahnzeichen,
Blickparese.. |
| M.
Binswanger, SAE
– subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie,
Multiinfarktsyndrom |
Kleinschrittig, breitbasig,
schlurfend, Rumpf aufrecht, meist normales Mitschwingen oder Arme |
Blasenstörung,
Verlangsamung, Dysarthrie, fokale neurologische Defizite, evtl
Spastizität mit gesteigerten Reflexen, kein oder geringes
Ansprechen auf Parkinsonmedikamente |
| Bei Demenz allgemein.
Auch bei Demenz ohne fokales neurologisches Defizit wird der Gang diffus
langsamer und unsicherer. Übung erhält auch hier länger die
Selbstständigkeit. |
Abnahme der
Gehgeschwindigkeit parallel zum geistigen Abbau der Patienten
|
Um Gehen zu können müssen
verschiedenste Anteile des Nervenssystems und der Muskeln gut
zusammenarbeiten. Wir müssen kontinuierlich auf die Umwelt -
Hindernisse- reagieren, die Wegstrecke planen, unsere Fähigkeiten
abschätzen können, die Muskeln auf einander koordinieren, ...
Depression und Angst (vor dem Hinfallen) können gerade bei
nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit das Gehen weiter erschweren.
|
| Zentrale
Halbseitenlähmung |
Einseitiges Einknicken,
Zirkumduktion während der Schwungphase ( Wernicke-Mann-Gangbild) |
Halbseitenlähmung,
Spastizität mit gesteigerten Reflexen, fokale neurologische
Defizite auf der Seite der Lähmung |
|
Normaldruckhydrozephalus |
Apraktischer Gang, Füsse
haften am Boden, Kleinschrittig, breitbasig, schlurfend, kann der
Gangstörung bei arteriosklerotischer Enzephalopathie sehr ähnlich sein.
|
Inkontinenz, Demenz, kein
Ruhetremor, kein oder geringes Ansprechen auf Parkinsonmedikamente
|
Chorea
Huntington |
bizarr bis tänzelnd
unregelmäßiger, schwankender Gang zur Kompensation der choreatischen
Bewegungsstürme mit unwillkürlich Bewegungen. Meist langsam und
breitbasig |
unerwartete
abrupte Bewegungen zunächst distal betont und dann generalisiert
auftretend. Es folgen dystone Symptome, eine Bradykinesie; Gedächtnis-
und Merkfähigkeitsstörungen; eine progressive Störung von Antrieb,
Auffassung, Affekt und Denken. Meist bestehen deutliche Einbußen der
exekutiven Funktionen (Konzeptbildung, Ordnung und Planung). Genetischer
Nachweis. DD auch Dystonien, bei denen auch aufgabenspezifische
Gangstörungen vorkommen. |
| Vestibuläre-
Ataxie (vom Gleichgewichtsnerv ausgehend)meist akut bei
Neuronitis
vestibularis kann mit Hirnstamminfarkt verwechselt werden. Chronisch
bei langbestehendem
Morbus Menière,
durch vestibulotoxische Medikamente |
Drehschwindel,
Abweichung zur Seite, Standunsicherheit, Verschlechterung im Dunkeln
oder mit geschlossenen Augen, |
im Romberg-Test
gerichtete Fallneigung, , Drehen im
Unterberger-Tretversuch, Nystagmus, |
| Sehstörung
|
unsicher, vorsichtiger Gang |
Nachweis der Sehstörung
peripher (augenärztlich) oder zentral (neurologisch), zB. auch
okulomotorische Störungen bei Mittelhirnläsionen oder Mononeuritiden,
Hemianopsien bei Okzipitalinfarkt, ... |
| Kleinhirn- Ataxie
Erbliche Ataxien, Idiopathische zerebelläre Ataxien, toxische Genese
(meistens Alkohol oder durch sedierende Medikamente) akut in der
Intoxikation aber auch bleibend als Folge der Schädigung des
Kleinhirnwurms durch Alkohol. Hypothyreose,
Malabsorptionssyndrom |
Unsicherheit bei
Lagewechsel, breitbasiger Gang, keine Verschlechterung im Dunkeln oder
mit geschlossenen Augen,
|
dysmetrische Zeigeversuche
(Knie-Hacken- und Finger- Nase- Versuch), pathologisches
Rebound-Phänomen, Dys oder Adiadochokinese, Durchführung eines
Seiltänzerganges gestört |
| Sensorische Ataxie
bei Polyneuropathie oder Schädigung der Hinterstränge des Rückenmarks
durch Tumor, B12 Mangel etc. |
Breitbasiger Gang,
Verschlechterung im Dunkeln oder mit geschlossenen Augen, |
Verminderte Reflexe und
verminderte Tiefensensibilität bei PNP, evtl. latente Spastik bei
Hinterstrangläsion. Ungerichtete Fallneigung
im Romberg-Test, Durchführung eines Seiltänzerganges gestört |
| Steppergang bei
Fussheberparese als isolierte Lähmung des N.
peroneus oder
bei Polyneuropathie, L5- Läsion, Plexus
lumbalis-Läsion, N. ischiadikus-Läsion, Motoneuron-Erkrankung |
Hängenbleiben des
Vorderfusses an Schwellen, Bordsteinen,
und Treppenstufen |
Verminderte Reflexe und
verminderte Tiefensensibilität bei PNP, Differenzierung durch Messung
der Nervenleitgeschwindigkeiten, SSEP. |
|
Watschelgang, bei Muskedystrohpie vom
Beckengürteltyp, proximaler Myopathie, z.B. Kortisoninduzierte
Myopathien allgemein, Polymyositiden bei Frauen, Myasthenien,
|
Schwäche beim Aufstehen vom
Sitzen, Gang mit Hüft- und Schulterrotation, |
Schwäche der
Hüftgürtelmuskulatur und der proximalen Beinmuskeln mit entsprechender
Instabilität des Beckens beim Gehen. Leicht gebeugte Hüften als
Ausdruck, der Hüftstreckerschwäche,verstärkte lumbale Lordose . Bei
jedem Schritt wird das Becken rotiert. Trendelenburg-Zeichen, bei
Muskedystrohpie entsprechende Atrophien, Familienanamense positiv, DD
angeborene beidseitige Hüftluxation |
|
Paraparese überwiegend bei Rückenmarksläsionen
oberhalb L2. Z.b. spinale Tumore, großer Vorfall,
epiduraler
Abszess,
zervikale Myelopathie,
Syringomyelie, hereditäre spastische Spinalparalyse, seltene primäre
Lateralsklerose. vaskuläre Myelopathien, z.B.
Spinalis
anterior Syndrom
Multiple
Sklerose,
Myelitis. Mantelkantenprozess, Paraspastik bei frühkindlicher
Hirnschädigung
|
Gang mit in der Hüfte leicht
gebeugten, adduzierten,
im Knie gestreckten und plantarflektierten Beinen führt zu einem
langsamen, mühevollen
Gangbild. Beide Beine müssen zirkumduziert werden, die spastische
Tonuserhöhung in der Adduktorenmuskulatur führt zum typischen Bild des
Scherengang (Überkreuzen der Beine während des Gehens) |
Paraparese, Spastizität,
Überkreuzen der Beine. DD besonders bei jungen Patienten bilaterale
Dystonien z.B. DOPA-responsive Dystonie, |
| psychogene Gangstörungen
bei konversionsneurotischen Störungen, anderen psychiatrischen
Störungen, sekundärer Krankheitsgewinn und Simulation |
bizarre Präsentation;
variables, inkonsistentes Muster, Nicht-physiologisches Muster; fällt
selten/selten Verletzungen; |
Nicht typisch für bekannte
Gangstörungen, abrupter Beginn; extreme Langsamkeit; ungewöhnliche und
unökonomische Haltungen; übertriebene Anstrengung, plötzliches
"Einknicken" der Knie; |
|
Krankheiten die zu Gangstörungen führen |
| ambulante Patienten |
stationäre Patienten |
- sensorisches Defizit (18%),
- zervikale Myelopathie (16%),
- multiple lakunäre Infarkte (15%),
- Parkinson-Syndrom (11%),
- zerebelläre Degeneration (11%),
- Hydrozephalus (7%),
- psychogene Gangstörung (3%)
- toxischer oder metabolischer Einfluss (3%).
|
- Parkinson-Syndrom (93%)
- subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (85%),
- Motoneuronerkrankungen (83%),
- spinale Erkrankungen,
- psychogene Störungen (59%),
- Multiple Sklerose (51%),
- intrazerebrale Blutung (41%),
- Schlaganfall (40%)
- Schmerzsyndrome (32%).
|
| Henning Stolze et al.,
Prevalence of gait disorders in hospitalized neurological patients,
Movement Disorders
Volume 20, Issue 1 , Pages 89 - 94, Lewis Sudarsky,Psychogenic Gait
Disorders
Semin Neurol 2006; 26: 351-356 DOI: 10.1055/s-2006-945523, Deema
Fattal Balance and gait disorders
MedLink Anke H Snijders, Bart P van de Warrenburg, Nir Giladi,
Bastiaan R Bloem; Neurological gait disorders in elderly people:
clinical approach and classification; Lancet Neurol 2007; 6: 63–74. H.
Stolze P. Vieregge G. Deuschl, Gangstörungen in der Neurologie,
Nervenarzt 2008 · 79:485–499 DOI 10.1007/s00115-007-2406-x |
|
|
|
| Ganser-Syndrom
|
| Vortäuschen einer psychischen Störung
|
|
|
| Gasperini-Syndrom |
| oder Syndrom der kaudalen Brückenhaube, meist kleine Schädigung im Bereich
der mediolateralen unteren Brückenhaube meist durch eine
Durchblutungsstörung im Bereich eines Astes der A. cerebelli inferior
anterior, AICA. Abduzens-, Fazialis- u. Trigeminusparese auf der
Seite der Läsion, kontralaterale dissoziierte Empfindungsstörung (außer Kopf)
oft mit Nystagmus zur gleichen Seite, keine Pyramidenbahnschädigung. DD
auch zur peripheren Fazialisparese.
Intern
Med. 2007;46(3):129-33. Epub 2007 |
|
|
| Gate-Control-Theorie
|
| Diese umfasst zwei Modellteile, wobei ein Teil die peripheren Mechanismen der Schmerzentstehung und -weiterleitung beschreibt und der andere den Aufbau und das Zusammenwirken verschiedener Schmerzkomponenten auf zentraler Ebene Nach diesem Modell kommt es schon im Rückenmark zu komplizierten Bahnungs- und Hemmungsmustern, die darüber entscheiden, ob schmerzhafte Impulse (Schmerzreize) an zentrale Verarbeitungsinstanzen weitergeleitet werden oder nicht. Neuronale Mechanismen im Hinterhorn des Rückenmarks haben die Funktion eines Tores (Gate), welches die Projektion des peripheren Reizeinstroms (Input) zum ZNS steuert.
Obwohl die Gate-Control-Theorie von verschiedenen Seiten kritisiert worden ist und teilweise auch als widerlegt gelten kann, kommt ihr doch der Verdienst zu, entscheidend zu einem Paradigmenwechsel in der Schmerzforschung beigetragen und zahlreiche empirische Arbeiten angeregt zu haben, die sich um eine Integration physiologischer und psychologischer Aspekte des Schmerzgeschehens bemüht haben. Ausführlicher unter Gate-Control-Theorie |
|
|
| Gaucher, Morbus |
| Der M. Gaucher ist eine relativ häufige Lipidspeicherkrankheit, die durch den genetischen Defekt des Enzyms Glucocerebrosidase hervorgerufen wird. Durch den Enzymdefekt akkumuliert Glucocerebrosid (ein Glykolipid) in den verschiedenen Geweben. Morphologisches Korrelat sind die histiozytären Speicherzellen (Gaucher-Zellen), die sich in Leber, Milz und anderen Organen nachweisen lassen. Führendes klinisches Symptom bei der viszeralen Form (Typ 1) ist eine mäßige bis extreme Vergrößerung von Leber und Milz. Der Hypersplenismus führt zu Anämie und Thrombopenie. Auch am Skelettsystem manifestiert sich der Krankheitsprozess in Form von krisenhaften Gelenkschmerzen (besonders Hüften) und auch osteolytischen Herden. Die akut neuropathische Form (Typ 2) des M. Gaucher ist durch einen raschen zerebralen Abbauprozess gekennzeichnet, der zum Tode der Kinder innerhalb der ersten drei Lebensjahre führt. Der Typ 3 stellt eine intermediäre Verlaufsform dar, wobei neben der Organvergrößerung und hämatologischen Veränderungen auch neurologische Symptome wie Krampfanfälle und eine mentale Retardierung auftreten.
Der Typ I tritt bei den Ashkenazi Juden bei einer von 800 Lebendgeburten auf,
alle Varianten insgesamt treten global etwa bei einer von 40 000 -50 000
Lebendgeburten auf.
Ein großer Durchbruch in der Behandlung lysosomaler Speicherkrankheiten gelang mit der Einführung der Enzymersatztherapie des M. Gaucher: Rekombinante ß-Glucocerebrosidase wird durch enzymatische Abspaltung von verschiedenen Zuckern so modifiziert, dass das Enzym über endständige Mannosereste mit hoher Affinität an Makrophagen, die Speicherzellen des M. Gaucher, gebunden wird. Durch die Enzymsubstitution
mit regelmäßiger Infusions von Mannose-terminierter Glucocerebrosidase kommt es zu einer Rückbildung der Hepatosplenomegalie und zu einer Normalisierung von Hämoglobin und Thrombozyten. Verlaufsbeobachtungen der letzten Jahren haben gezeigt, dass die Enzymersatztherapie zu einer Verbesserung nicht nur der viszeralen Symptomatik, sondern auch der Skelettmanifestation beiträgt. Durch die Behandlung wurde auch eine Stabilisierung und teilweise auch Rückbildung der neurologischen Symptomatik bei Patienten mit M. Gaucher Typ 3 beobachtet.
Entsprechend der Seltenheit der Erkrankung ist die Behandlung sehr teuer.
|
klinische Typen |
| Symptome |
Typ 1 |
Typ 2 |
Typ 3 |
| Alter bei Beginn |
Kindheit/ Erwachsen |
Kleinkind |
Kindheit oder Jugend |
| Splenomegalie |
+ -> +++ |
++ |
+ -> +++ |
| Hepatomegalie |
+ -> +++ |
++ |
+ -> +++ |
Skelettmanifestation/
Knochenkrisen |
- -> +++ |
-- |
++ -> +++ |
| Primäre ZNS Erkrankung |
Fehlt |
+++ |
+ -> +++
(1ste bis 5te Dekade) |
| Lebenserwartung |
6 bis 80+ Jahre |
~2 Jahre,
Median 9 Monate |
2 bis 60 Jahre, meist im
jungen Erwaschenenalter |
| Ethnische Gruppe |
Panethnisch
Ashkenazi Juden |
Panethnisch |
Panethnisch oder bestimmte
Schwedische Volksgruppen |
| Häufigkeit |
~1/60,000 bis
1/200,000
~1/500 bis 1/1,000 (AJ) |
< 1/100,000 |
< 1/50,000 |
|
|
Gregory A Grabowski, Phenotype, diagnosis, and treatment of Gaucher’s disease
Lancet 2008; 372: 1263–71
Lakshmanane Premkumar, X-RAY STRUCTURE OF HUMAN ACID-β-GLUCOSIDASE
COVALENTLY-BOUND
TO CONDURITOL-B-EPOXIDE: IMPLICATIONS FOR GAUCHER DISEASE
JBC
Papers in Press. Published on April 6, 2005 as Manuscript M502799200
|
| Gaumensegelmyoklonus |
| auch Gaumensegel-“Nystagmus“, Hirnnervenmyorhythmie, „palatal
tremor“. Rhythmische einseitige Kontraktion der Gaumenmuskeln mit ipsiversivem
Zucken des Zäpfchens. Die myoklonische Kontraktion kann sich auf die gleichseitige Schlund- und Atemmuskulatur und die äußeren Augenmuskeln ausbreiten. Die rhythmische Öffnung der Eustachischen Röhre verursacht ein klickendes Ohrgeräusch, welches Patient und Untersucher (mit dem Stethoskop) hören können. Nach neueren Untersuchungen nimmt man hauptsächlich 4 Ursachen an. Einmal einen zentralen Generator (wie bei einem Hirnstamminfarkt oder Thalamusinfarkt), periphere/mechanische Ursachen, willentlich/bei spezieller Begabung, und psychogen. Es wird deshalb eine Einteilung in ‘isolierten palatalen Tremor’, mit primären und sekundären Subtypen vorgeschlagen. Ein Syndrom mit progressiver Ataxie und Gaumensegelmyoklonus (PAPT) ist mit familiärem und sporadischem Vorkommen ebenfalls publiziert. Beim sporadischen PAPT ist die zunehmende Kleinhirndegeneration das auffälligste Zeichen. Beobachtet wurde zudem eine vertikaler Nystagmus und internukleäre Ophthalmoplegien. Im Kernspin sind hier Signalanhebungen in den unteren Oliven berichtet worden. In manchen Fällen soll eine Hirnstamm- oder Ponsatrophie, Parkinsonismus, autonome Dysfunktionen und Pyramidenbahnschädigungen vorhanden gewesen sein. Möglicherweise handelte es sich um Fälle einer Multisystemaatrophie. Bei den familiären Fällen soll es zu deutlicher Hirnstamm- und Halsmarkatrophie kommen. |
- C. Zadikoff, A. E. Lang, and C. Klein The 'essentials' of essential palatal tremor: a reappraisal of the nosology Brain, April 1, 2006; 129(4): 832 - 840. [Abstract] [Full Text] [PDF]
- S. Haller, D.T. Winkler, C. Gobbi, P. Lyrer, S.G. Wetzel, and A.J. Steck Prominent Activation of the Putamen during Essential Palatal Tremor: A Functional MR Imaging Case Study AJNR Am. J. Neuroradiol., June 1, 2006; 27(6): 1272 - 1274. [Abstract] [Full Text] [PDF]
- P. Cerrato, M. Grasso, C. Azzaro, C. Baima, A. Lentini, M. Giraudo, E. Montalenti, and B. Bergamasco Palatal myoclonus in a patient with a lateral thalamic infarction Neurology, March 8, 2005; 64(5): 924 - 925. [Full Text]
- M. Samuel, N. Torun, P. J. Tuite, J. A. Sharpe, and A. E. Lang Progressive ataxia and palatal tremor (PAPT): Clinical and MRI assessment with review of palatal tremors Brain, June 1, 2004; 127(6): 1252 - 1268. [Abstract] [Full Text] [PDF]
- Deuschl G, Toro C, Valls-Sole J et al. (1994) Symptomatic and essential palatal tremor. 1. Clinical, physiological and MRI analysis. Brain 117: 775–788 [Abstract] [PDF]
- H.-M. Meinck, Myoklonien Der Nervenarzt 2007, 78, 209-223
|
| Gebärdensprache
|
| Das Fachgebärdenlexikon Psychologie enthält 1200 Gebärden für 902 Begriffe, Die vorliegende HTML-Version des Lexikons enthält
die Transkriptionen sämtlicher Gebärden nach dem Hamburger Notationssystem für
Gebärdensprachen (HamNoSys) (Hanke u. a.) und erlaubt damit die Suche nach
Gebärden unabhängig von den lautsprachlichen Begriffen. Es kann nach den
Parametern Handform, Handstellung, Ausführungsstelle und Bewegung oder einer
Kombination dieser Parameter gesucht werden
http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/Projekte/PsychLex.html Allgemein zur
Gebärdensprache: INSTITUT FÜR DEUTSCHE GEBÄRDENSPRACHE UND KOMMUNIKATION
GEHÖRLOSER
http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/ |
|
|
| Gedächtnis |
ist die
mentale
Fähigkeit
Informationen
zu
speichern
(enkodieren)
und wieder
abzurufen.
Expliziter
Gedächtnisgebrauch
ist dabei
die
bewusste
Anstrengung
zur
Widergewinnung
von
Information
durch
Gedächtnisprozesse
im
Gegensatz
zum
impliziten
Gedächtnisgebrauch
bei
dem es um
die
Verfügbarkeit
von
Informationen
und
Gedächtnisfunktionen
geht ohne
dass eine
bewusste
Anstrengung
erforderlich
ist diese
Informationen
zu
enkodieren
oder
wiederherzustellen.
Enkodieren
meint
dabei den
Prozess
der eine
mentale
Repräsentation
(der
externen
Welt) im
Gedächtnis
aufbaut.
Man geht
davon aus,
dass ein
menschliches
Gehirn
etwa 100
Billionen
Informationsbausteine
speichern
kann.
Speicherung
meint das
Behalten
von
enkodierter
Information
über eine
Zeitspanne
hinweg,
Gehirnstrukturen
werden
dabei
kurzfristig
wie
langfristig
verändert.
Abruf
meint
die
Wiedergewinnung
gespeicherter
Information
aus dem
Gedächtnis.
Der Abruf
enkodierter
Information
gelingt
leichter,
wenn der
Kontext
des
Hinweisreizes
mit dem
Kontext
bei der
ursprünglichen
Erinnerung
übereinstimmt.
Z.B.
können
markante
Gerüche
entsprechende
Hinweisreize
sein. Beim
erinnern
von Serien
werden die
Items der
ersten (primacy-
Effekt)
und
letzten (recency-
Effekt)
Position
am besten
erinnert
(Serieller
Positionseffekt). Erinnerung, Merkfähigkeit und
Gedächtnis sind fundamentale geistige Vorgänge, ohne Gedächtnis wären wir nur zu
einfachen Reflexen und schematischem einfachstem Verhalten in der Lage. Lernen
setzt Gedächtnis voraus. Ein Nachlassen des Gedächtnisses ist eines der
wichtigsten Symptome einer Demenz. Störungen des Gedächtnisses führen
deshalb zu elementaren Einschränkungen und sind deshalb auch von großem
Interesse.
Subjektive
Einschränkungen
des
Gedächtnisses
und der
Merkfähigkeit
entsprechen
allerdings
nicht
unbedingt
tatsächlichen
Einschränkungen,
so werden
Defizite
besonders
von
dementen
Patienten
oft nicht
bemerkt,
während
depressive
Menschen
mit gutem
Gedächtnis
oft
leichte
Einschränkungen
überbewerten. Merkfähigkeit und Gedächtnis sind synonym für Veränderungen des
Verhaltens durch Erfahrung, Lernen ist wesentlich ein Prozess bei dem
Erinnerungen erworben werden.
Man
unterscheidet verschiedene
Arten des Gedächtnisses. Einige Teile des Gedächtnisses speichern
Ereignisse und Fakten und sind direkt dem Bewusstsein zugänglich. Diesen Teil
nennt man das deklarative Gedächtnis. Einen anderen Teil des Gedächtnisses
nennt man das ‘‘prozedurale Gedächtnis,’’ dieser Teil ist nicht direkt dem
Bewusstsein zugänglich. Dieser Teil ist dafür zuständig erworbene Fertigkeiten
zu nutzen
"Gedächtnis,
wie Dinge
getan
werden",
"wissen
wie". Wir verbessern unsere Fertigkeiten durch Übung
und führen
sie damit
dem
prozeduralen
Gedächtnis
zu. Durch
Wissenszusammenfügung
wird es
möglich
Handlungszusammenhänge
auszuführen,
ohne dass
das
Bewusstsein
eingreift,
sie zu
Automatisieren. Durch Training
verbessern sich
so unsere Fähigkeiten Auto zu fahren oder zu Schwimmen. Fertigkeiten, die ohne Nachdenken ausgeführt
werden können (Anziehen, Zubinden der Schuhe, Anlegen der Krawatte).
Ohne
prozedurales
Gedächtnis
wäre das
Leben
extrem
anstrengend. Das deklarative Gedächtnis. und das prozedurale Gedächtnis sind unabhängig von
einander. Es gibt Menschen bei denen nur das deklarative Gedächtnis oder nur das
prozedurale Gedächtnis beeinträchtigt ist. Aus letzterer Tatsache folgern
Neurowissenschaftler, dass es für beide Arten des Gedächtnisses unterschiedliche
biologische Grundlagen geben muss und dass beide Arten in unterschiedlichen
Hirngebieten lokalisiert sein müssen. Das Großhirn und der Hippocampus sind für
das deklarative Gedächtnis verantwortlich, das Kleinhirn für das prozedurale
Gedächtnis.
Das
Striatum
hat eine
wichtige
Funktion
in der
Gewohnheitsbildung,
Störungen
dort
können
auch zu
Zwängen
führen.
Die
Großhirnrinde
ist
verantwortlich
für das
sensorische
Gedächtnis
und für
Assoziationen
zwischen
Sinneseindrücken. Man geht davon aus, dass die Informationsspeicher des Gehirns
überwiegend an den Synapse sitzen, dort wo
Nervenzellen kommunizieren. Veränderungen an den Synapsen (synaptische
Plastizität) werden als biologische Grundlage des Gedächtnisses angesehen. Der
zugrunde liegende Mechanismus ist bisher nur zum Teil bekannt.
Sensorisches
Gedächtnis:
momentane
Aufrechterhaltung
sensorischer
Reize im
Gedächtnis,
inkonisches
Gedächtnis
Sensorisches
Gedächtnis
für den
visuellen
Bereich,
speichert
große
Informationsmengen
für kurze
Zeit.
Echoisches
Gedächtnis
Sensorisches
Gedächtnis
für den
auditiven
Bereich,
speichert
gehörte
Information
für kurze
Zeit.
Kurzzeitgedächtnis
speichert
nur für
kurze
Zeiträume
kürzliche
Erfahrungen
und mit
begrenzter
Kapazität.
Speicherung
von
Information
über 30 –
60
Sekunden.
Testung
mittels
sog.
Spannenmaße:
Einzelinformationen
oder kurze
Geschichten
werden im
Sekundentakt
vorgesprochen
oder
gezeigt,
unmittelbar
im Anschluss
daran
Wiedergabe
durch den
Patienten.
Nur durch
Wiederholung
oder
Beimessung
einer
besonderen
Bedeutung
gelangen
diese
Informationen
ins
Langzeitgedächtnis.
Das
Arbeitsgedächtnis
ist eine
Gedächtnisressource
für
Aufgaben
wie
Schlussfolgern
oder
Spracherkennung
und
Sprachverständnis
bestehend
aus
phonologischer
Schleife,
dem
visuell
räumlichen
Notizblock
und der
zentralen
Exekutive. Gleichzeitiges Behalten und
Anwenden von Informationen. Testung mittels sog. „Satzspannen": Der Patient
liest mehrere Sätze und soll das letzte Wort jedes Satzes wiedergeben (Bei
Störung „Verlieren des roten Fadens"). – Langzeitgedächtnis:
Speicherung
von
Information
über
Minuten–
Jahre.
Testung:
Vorlesen
einer
Geschichte
oder
Demonstration
von
Bildern;
nach 24 –
48 Stunden
Reproduktion
des
Gehörten
bzw.
Gesehenen. Lernen: Fähigkeit zur Aneignung
neuer Informationen. – Prospektives Gedächtnis:
Fähigkeit,
sich an
Dinge zu
erinnern,
die sich
auf die
Zukunft
beziehen
(„Erinnern
Sie mich
morgen an
dieses
Thema!")
Das
Episodische
Gedächtnis
ist
das
Langzeitgedächtnis
für
autobiographische
Ereignisse
und den
Kontext in
dem sie
auftraten,
Behalten
von
Dingen,
die zur
eigenen
Person in
Beziehung
stehen
(„Was gab
es heute
zum
Frühstück?"
„Was haben
wir
gestern
gemacht?").
Das
semantische
Gedächtnis
speichert
generische
kategoriale
Gedächtnisinhalte,
wie die
Bedeutung
von
Wörtern,
Formeln
oder
Konzepten
ohne dass
der
spezifische
Kontext
erinnert
werden
muss.
Universelles
Wissen
ohne
unbedingten
Bezug zur
eigenen
Person.
Ein
Chunk
ist eine
bedeutungsvolle
Informationseinheit
(wie
Buchstabe,
Wort oder
Zahl).
Chunking
ist der
Prozess um
einzelne
Items von
Informationen
auf der
Basis von
Ähnlichkeiten
oder einem
anderen
Organisationsprinzip
zu
rekodieren.
Werden
Gedächtnisinhalte
in Chunks
unterteilt,
können
dadurch
größere
Informationsmengen
ökonomisch
erinnert
werden.
Interferenz
ist ein
Gedächtnisphänomen,
das
auftritt,
wenn
Hinweisreize
auf mehr
als einen
Gedächtnisinhalt
verweisen.
Informationen
werden
umso
wahrscheinlicher
im
Gedächtnis
behalten
um so
tiefer sie
verarbeitet
werden.
Als
Engramm
bezeichnet
man die
physikalische
Gedächtnisspur
einer
Information
im Gehirn.
Unser
Gedächtnis
verändert
Informationen
mit der
Zeit. Neue
Informationen
ändern die
abgespeicherten
Erinnerungen
an.
Spätere
hinzugekommene
Informationen
verzerren
also
unsere
Gedächtnisinhalte.
Wenn kein
genauer
Gedächtnisinhalt
abgerufen
werden
kann,
rekonstruiert
unser
Gedächtnis
oft
Inhalte,
die durch
erworbene
Schemata
beeinflusst
werden
(siehe E.
Loftus).
Das phonologische
Arbeitsgedächtnis gilt als eine der zentralen Determinanten des
Schriftspracherwerbs. Theorien zum Erwerb der Lesefertigkeit in der
Muttersprache gehen davon aus, dass am Anfang der Grundschulzeit (ggf. nach einer
Phase logographischen Lesens) das sequentielle (synthetische) Lesen dominiert.
Dabei werden Grapheme in Phoneme übersetzt und die Phoneme aneinandergereiht,
was hohe Anforderungen an das Arbeitsgedächtnis stellt. Am Ende der
Grundschulzeit steht das orthographische Lesen im Vordergrund, das auf dem
direkten schnellen Erkennen von Buchstabenkombinationen oder ganzer Wörter
beruht. Es lässt sich die Hypothese ableiten, dass das phonologische
Arbeitsgedächtnis am Anfang der Grundschulzeit die Lesegeschwindigkeit deutlich
beeinflussen sollte. Dieser Einfluss sollte mit wachsender Übung und
Automatisierung verschwinden. Die Annahme wurde mithilfe verschiedener Aufgaben
zum phonologischen Arbeitsgedächtnis geprüft: der verbalen Gedächtnisspanne und
des Vergleichs zweier unmittelbar aufeinander folgend dargebotener Rhythmen im
Sekundenbereich. Das Behaltensmaterial wurde jeweils entweder akustisch oder
visuell (bildlich) dargeboten. Entsprechend den Vorhersagen zeigten sich für
Erstklässler, nicht jedoch für Viertklässler signifikante Korrelationen der
erhobenen Arbeitsgedächtnismaße zur Lesegeschwindigkeit (Würzburger Leise Lese
Probe). Im Laufe des normalen Schriftspracherwerbs scheint sich die
Lesegeschwindigkeit in den Grundschuljahren von der Arbeitsgedächtniskapazität
unabhängig zu machen. Beim Abruf von gespeicherten Informationen aus dem
Gedächtnis besteht die Tendenz, solche Informationen vorrangig zu erschließen,
die mit der übergeordneten Kategorie kongruent sind. Andererseits sind bei
bloßen Wiedererkennungsaufgaben nicht-kongruente Informationen den
erwartungskongruenten Informationen überlegen, da sie eine tiefergehende
Verarbeitung erfahren haben. Wissen wird zudem in den Kontexten reproduziert, in
denen es erworben wurde. Der Erinnerungsprozess wird gestützt, wenn die
Erinnerungsaufgabe die gleichen (z.B. emotionale) Bedingungen aufweist, die beim
Lernen oder Aufnehmen bestanden. So kann es beispielsweise geschehen, dass
man sich
an einige
positive
Eigenschaften
einer
Person so
lange
nicht
erinnert,
bis man
diese
Person in
einer
ähnlichen
Situation
beobachtet,
wie beim
der ersten
Wahrnehmung
dieser
positiven
Eigenschaften.
Gefühle
beeinflussen
unser
Erinnerungsvermögen,
depressive
Menschen
erinnern
negative
Ereignisse
besser als
positive
bei
Optimisten
ist dies
umgekehrt.
Bestimmte
Gefühle
machen
ebenso,
wie z.B.
bestimmte
Gerüche
die dazu
gehörigen
Erinnerungen
wahrscheinlicher.
Unser
Gehirn
entscheidet
bei
Erinnerungen
bereits
sehr früh
ob diese
der
Realität
oder der
Phantasie
entspringen.
Bereits
dann, wenn
wir etwas
erkennen,
hat unser
Gehirn
entschieden,
ob es sich
(nach
seiner
Einschätzung)
um eine
reale
Erinnerung
handelt. siehe auch
unter Amnesie,
|
Subjektive
Gedächtnisprobleme
bei
65-85-
jährigen
Nicht
Dementen |
|
allgemeine
Gedächtnisprobleme |
40% |
|
verlegen
Dinge |
40% |
|
Wortfindungsstörungen |
39% |
|
schreiben
Zettel |
38% |
|
denken
langsamer |
23% |
|
schätzen
sich
als
vergesslich
ein |
14% |
|
vergessen
Namen
von
Verwandten
und
Freunden |
13% |
|
Konzentrationsprobleme |
8% |
|
verlaufen
sich
in
der
Nachbarschaft |
4% |
|
Nach
Schmand
B,
1996
N=4028 |
|
|
|
Siehe auch
unter
Amnesie,
Fugue,
Gedächtnisstörungen,
Konfabulationen,
Korsakoff-Syndrom,
Demenz R. D. Seidler, A. Purushotham, S.-G. Kim, K. Ugurbil,
D. Willingham, and J. Ashe, Cerebellum
Activation Associated with Performance Change but Not Motor Learning, Science
296: 2043-2046.[Abstract]
[Full text]
[PDF] Zimbardo
Psychologie
16.
Auflage
2004. |
| Gedächtnisstörungen |
| Synonym: Hypomnesien und Amnesien,
Störungen
der Erinnerungsfähigkeit: Herabsetzung oder Aufhebung der Fähigkeit,
länger als ca. 10 min zurückliegende Eindrücke, Kenntnisse usw. im Gedächtnis zu
behalten (daher auch wiederzugeben). Amnesien sind inhaltliche oder zeitlich
begrenzte Gedächtnislücken.
Arten von Amnesie sind: Man unterscheidet
hinsichtlich eines bestimmten Zeitraumes:-
anterograd: Erinnerungsverlust für Ereignisse, die nach dem Beginn der
ursächlichen Erkrankung oder des ursächlichen Einflugfaktors auftreten.-
retrograd: Erinnerungsverlust für Ereignisse, die vor dem Beginn der
ursächlichen Erkrankung oder des ursächlichen Einflussfaktors auftraten.
Vom Ausmaß her totale und lakunäre Amnesien.
Als Sonderform der A. gilt die hypnotische A. als spontane oder
suggerierte Unfähigkeit, Inhalte der Hypnose oder die Herkunft bestimmter
Suggestionen aus der Hypnose zu erinnern -
Organisches amnestisches Syndrom,
Ein Syndrom mit deutlichen Beeinträchtigungen des Kurz- und
Langzeitgedächtnisses, bei erhaltenem Immediatgedächtnis. Es finden sich
eine eingeschränkte Fähigkeit, neues Material zu erlernen und zeitliche
Desorientierung. Konfabulation kann ein deutliches Merkmal sein, aber
Wahrnehmung und andere kognitive Funktionen, einschließlich Intelligenz, sind
gewöhnlich intakt. Die Prognose ist abhängig vom Verlauf der zugrunde liegenden
Läsion. Korsakow-Psychose oder -Syndrom,
Schlaf
fördert in besonderer Weise die Konsolidierung von Inhalten im
Langzeitgedächtnis. Die psychologischen und neurophysiologischen Mechanismen
dieses Prozesses sind weitgehend unbekannt. Weit verbreitet ist die Annahme,
dass
Gedächtnisbildung im Schlaf hauptsächlich im REM-Schlaf (REM - ´rapid eye
movement´) stattfindet. Neuere Daten zeigen, dass diese Hypothese zugunsten einer
differenzierteren Sichtweise verworfen werden muss, nach der der
Konsolidierungsprozess im Schlaf einerseits von der Art der Gedächtnisleistung (deklarativ
versus prozedural) und andererseits von der Schlafphase und damit assozierten
neurohumoralen Veränderungen abhängt. In Untersuchungen wurde der Abruf von
zuvor gelerntem Material nach Phasen frühen und späten Schlafs verglichen. Der
frühe Schlaf wird durch Tiefschlaf (SWS), der späte durch REM-Schlaf dominiert.
Im Vergleich zu Kontrollbedingungen, in denen der Proband zwischen Akquisition
und Abruftestung wach gehalten wurde, war sowohl nach frühem als auch nach spätem
Schlaf die Gedächtnisleistung generell verbessert. Die Konsolidierung
deklarativer Gedächtnisinhalte profitierte aber besonders deutlich vom
SWS-reichen frühen Schlaf. Prozedurales Gedächtnis wurde dagegen stärker durch
den späten Schlaf gefördert, in dem REM-Schlaf dominiert. Allerdings wird für
die deklarative Gedächtnisbildung der REM-Schlaf-reiche späte Schlaf dann
relevant, wenn stark emotionales Stimulusmaterial verwendet wird. Umgekehrt
scheint die verstärkte Konsolidierung prozeduraler Inhalte im späten Schlaf
zumindest für bestimmte Leistungen die Präsenz SWS-reichen frühen Schlafs
vorauszusetzen. Psychopharmakologische Studien unter Verwendung von
Corticosteroidrezeptoragonisten und -antagonisten zeigten, dass eine notwendige
Voraussetzung für die deklarative Gedächtniskonsolidierung im SWS-reichen frühen
Schlaf die zu dieser Zeit bestehende Unterdrückung der körpereigenen
Cortisolfreisetzung ist. (Erklärung für die Defizite bei Depressionen?) Weitere
Studien unter Verwendung von Ketamin ergaben keine Hinweise dafür, dass der
Konsolidierungsprozess im frühen Schlaf NMDA-Rezeptor vermittelte
Langzeitpotenzierungsprozesse involviert. Gedächtnisstörungen sind eine
häufiges subjektives seltener auch objektives Symptom auch bei depressiven
Störungen und Schmerzstörungen. Deren Bewertung bei gutachtlichen Untersuchungen
ist schwierig, da sie auch zu den häufigsten aggravierten und manchmal sogar
simulierten Symptomen zählen. In einer anderen Untersuchung wurde untersucht wie
häufig von Fibromyalgie- (FM) Patienten Gedächtnisstörungen simuliert werden. Es
wurden Tests angewendet, die selbst von schwer hirngeschädigten Patienten mit
eindeutigen Gedächtnisdefiziten gut gelöst werden können. Dabei wurden die
Ergebnisse von Fibromyalgiepatienten mit denen von Rheumapatienten verglichen,
die Ergebnisse von Fibromyalgiepatienten, die eine Berentung angestrebten oder
bereits berentet waren, wurden mit denen von Fibromyalgiepatienten verglichen,
die vor hatten weiter zu arbeiten. Erstaunliche 44% der Rentenanwärter zeigten
in diesen Tests deutliche Simulationshinweise. Eine Tatsache, die übliche Tests
zur Erfassung neuropsychologischer Defizite oder Beschwerdebogen bei der
gutachtlichen Untersuchung von Fibromyalgiepatienten praktisch nutzlos macht.
Auch die Autoren der besagten Studie folgern zurecht, dass ähnliche Ergebnisse
bei ähnlich motiviertem Klientel bei anderen Krankheitsbildern zu erwarten sind.
siehe auch unter dissoziative, transiente globale und epileptische Amnesie
|
|
Übersicht über Gedächtnisstörungen:
M. D. Kopelman
Disorders of memory, Brain, October 1, 2002;
125(10): 2152 - 2190.
[Abstract]
[Full Text]
[PDF] Armin
Schnider, Nathalie Valenza, Stephanie Morand, and Christoph M. Michel
Early Cortical Distinction between Memories that Pertain to Ongoing Reality and
Memories that Don't Cereb Cortex 2002 12: 54-61.Abstract]
[Full Text]
Jason M. Chein and Julie A. Fiez Dissociation of Verbal Working Memory System
Components Using a Delayed Serial Recall Task Cereb Cortex 2001 11: 1003-1014.Abstract]
[Full Text]
|
| Gedankenausbreitung |
| Der Wahn, dass die eigenen Gedanken sich laut ausbreiten, so dass sie von anderen aufgenommen werden können. - Gedankeneingebung. Der Wahn, dass bestimmte Gedanken nicht von einem selbst stammen, sondern vielmehr dem eigenen Denken eingegeben werden. Der Kranke klagt darüber, dass seine Gedanken nicht mehr ihm allein gehören, dass andere daran Anteil hätten und wüssten, was er denke (Gedankenlesen). Beispiel: ,,Die Leute merken, was ich denke. Alle wissen, was in meinem Kopf vorgeht." Gedankenlautwerden ist ein Modus der Ausbreitung. (Des Patienten Gedanken werden von anderen Menschen gehört.) (siehe auch
Schizophrenie)
|
|
|
| Gedankeneingebung .
|
| Kommt bei 20% der an Schizophrenie erkrankten vor. Kann aber auch bei anderen psychotischen Erkrankungen vorkommen. Der Kranke empfindet seine Gedanken, Vorstellungen und dergleichen als von außen her beeinflusst, gemacht, gelenkt, gesteuert, auch eingegeben, aufgedrängt. Der Gedanke ist dann nicht der eigene, jemand anderer hat es gedacht und mir den Gedanken auf irgendeine Art ins Bewusstsein gebracht. Oft auch mit dem Eindruck der Fremdbeeinflussung, oder des Gefühls hypnotisiert worden zu sein. Beispiel: ,,Sie hypnotisieren mir Gedanken in den Kopf, die gar nicht meine sind" Bei den Betroffenen wird das Bewusstsein subjektiv durchlässig für andere und Einflüsse von außen. Die Ichgrenze verlieren ihre normale Unverletzlichkeit. Subjektiv geschieht dieser Prozess meist in beide Richtungen, nach innen wie nach außen
(siehe auch
Schizophrenie) |
|
SIMON MULLINS and SEAN A. SPENCE Re-examining thought
insertion: Semi-structured literature review and conceptual analysis, Br J
Psychiatry 2003 182: 293-298.
Abstract]
[Full Text] |
| Gedankenentzug |
| auch Gedankenenteignung, Die Kranken haben das Gefühl, es würden ihnen die Gedanken weggenommen, abgezogen. Dies ist zu unterscheiden von dem Symptom Gedankenabreißen.
(siehe auch
Schizophrenie) |
|
|
| Gedankenstopp
|
| sich aufdrängende, unerwünschte Gedanken, Emotionen und Handlungen werden durch autosuggestives „Stopp, hier nicht weiter“ abgebrochen. Kann therapeutisch beispielsweise bei Zwangsstörungen im Rahmen einer Verhaltenstherapie genutzt werden.
|
|
|
| Gefälligkeitsgutachten |
| Lässt sich dadurch definieren, dass: a) die Verpflichtung des Sachverständigen zur Unabhängigkeit nicht korrekt wahrgenommen wurde und b) eben diese gutachterliche Neutralität aufgegeben wurde, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Auch kann alleine die fachfremde Beurteilung problematisch sein. In der Regel entsteht hierdurch auch ein Schaden für den Auftraggeber. Insbesondere Privatgutachten müssen in der Regel ja vom Betroffenen bezahlt werden, offensichtliche Gefälligkeitsgutachten sind dann meist für die Versicherung, das Gericht oder unabhängige Gutachter leicht erkennbar.
Auftraggeber sind die Fragesteller und Adressaten eines Gutachtens, ein Gutachten darf aber nicht so erstellt werden, dass der Inhalt des Gutachtens entgegen den Feststellungen den Erwartungen des Auftraggebers entspricht. All dies gilt unabhängig davon ob zu Gunsten eines Antragstellers, Kranken oder Klienten oder etwa auch zu Gunsten eines Verwaltungsorgans oder einer Versicherung fahrlässig oder bewusst die Neutralität aufgegeben wurde. Gutachten müssen Aussage über einen tatsächlichen Zustand beinhalten, mit hinreichender Prüfung des Für und Wider ohne Ausrichtung an den Wünschen von Auftraggebern, Auffassungen müssen nach bestem Wissen und Gewissen der ärztlichen Überzeugung vertreten werden. Gutachten dürfen auch nicht zur Patientenwerbung für die eigene Praxis verwendet werden. Gutachten sollten bei möglicher Befangenheit nicht erstellt werden. Dies gilt bei verwandtschaftlichen Beziehungen, beruflichen Verbindungen, Freundschaften, Feindschaften, wirtschaftlicher und/oder wissenschaftlicher Konkurrenz, Erklärungen gegenüber Dritten über den vermutlichen Verfahrensausgang, Sympathie-/Antipathie- Äußerungen hinsichtlich einer Partei, oder wenn der Gutachter ist zur Zeit selbst in einen ähnlichen Streit verstrickt ist. Ortsferne des Gutachters ist in der Regel für dessen Unabhängigkeit günstig. (Jessnitzer/Frieling, Der gerichtliche Sachverständige, S. 113 ff). Der Sachverständige muss bei der Gutachtenerstattung persönlich und beruflich unabhängig sein. Er muss seine Gutachten in eigener Verantwortung erstatten können und darf nicht der Gefahr einseitiger Beeinflussung oder fachlicher Weisung bei der Erstattung seiner Gutachten beziehungsweise der Erbringung seiner Sachverständigenleistungen ausgesetzt sein.
Neben dem finanziellen Schaden leidet die Glaubwürdigkeit des Gutachters wie des Patienten bei Gefälligkeitsgutachten und es können Haftungsansprüche entstehen. § 839a BGB Haftung des gerichtlichen Sachverständigen: (1) Erstattet ein vom Gericht ernannter Sachverständiger vorsätzlich oder grob fahrlässig ein unrichtiges Gutachten, so ist er zum Ersatz des Schadens verpflichtet, der einem Verfahrensbeteiligten durch eine gerichtliche Entscheidung entsteht, die auf diesem Gutachten beruht. (3) Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Verletzte vorsätzlich oder fahrlässig unterlassen hat, den Schaden durch Gebrauch eines Rechtsmittels abzuwenden. Nach Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz (Az.
9 U 719/01), können von Versicherungsunternehmen beauftragte Gutachter nicht nur
diesen gegenüber, sondern auch gegenüber den Versicherungsnehmern und
Geschädigten schadensersatzpflichtig sein.
Probleme können sich auch durch
Verletzung der
Berufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte (Stand 2004) ergeben:
§ 25 Ärztliche Gutachten und Zeugnisse: Bei der Ausstellung ärztlicher Gutachten
und Zeugnisse haben Ärztinnen und Ärzte mit der notwendigen Sorgfalt zu
verfahren und nach bestem Wissen ihre ärztliche Überzeugung auszusprechen.
Gutachten und Zeugnisse, zu deren Ausstellung Ärztinnen und Ärzte verpflichtet
sind oder die auszustellen sie übernommen haben, sind innerhalb einer
angemessenen Frist abzugeben.
Probleme kann es darüber hinaus mit dem Strafrecht
geben. § 278 StGB Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse: Ärzte und andere
approbierte Medizinalpersonen, welche ein unrichtiges Zeugnis über den
Gesundheitszustand eines Menschen zum Gebrauch bei einer Behörde oder
Versicherungsgesellschaft wider besseres Wissen ausstellen, werden mit
Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. § 279 StGB:
Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse: Wer, um eine Behörde oder eine
Versicherungsgesellschaft über seinen oder eines anderen Gesundheitszustand zu
täuschen, von einem Zeugnis der in den §§ 277 und 278 bezeichneten Art Gebrauch
macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
Die genannten Regelungen gelten auch für ärztliche Atteste und beispielsweise
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bzw. Krankschreibungen. Atteste und
Bescheinigungen bedürfen in aller Regel einer persönlichen Untersuchung. Werden
diese auf telefonische Bestellung ausgefertigt, liegt bereits der Verdacht auf
ein Gefälligkeitsattest nahe. Problematisch sind auch rückdatierte
Krankschreibungen, spätestens nach 2 Tagen kommt ihnen kein Beweiswert mehr zu.
(Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 30.05.2008,
Aktenzeichen: 3 Sa 195/07), siehe auch Landesarbeitsgericht Rostock in einem
Urteil vom 30. Mai 2008 (AZ: 3 Sa 195/07) In letzterem Urteil zur Bestätigung
der Kündigung einer Lehrerin heißt es: Eine nachträgliche Krankschreibung ist
ausnahmsweise nur bis maximal 2 Tage zulässig. Nach Vernehmung des Arztes habe
das Gericht von einem „Gefälligkeitsattest“ ausgehen können. Sich ein
Gefälligkeitsattest ausstellen zu lassen, stelle eine schwerwiegende
Pflichtverletzung dar, die eine vorherige Abmahnung (vor Kündigung) entbehrlich
mache.
Gefälligkeitsatteste oder Gefälligkeitsgutachten können zu zivilrechtlichen
Schadensersatzansprüchen gegen den Arzt führen. Auch der Patient riskiert
beispielsweise bei einer nicht stichhaltigen und womöglich rückdatierte
Krankschreibung nicht nur wie der Arzt eine Anklage wegen Betruges sondern auch
eine Kündigung wegen unentschuldigten Fehlens.
Gefälligkeitsatteste oder Gefälligkeitsgutachten halten sehr oft einer
genaueren Prüfung nicht stand. Häufig sind schon attestierte Erkrankungen und
die gewählte Behandlung nicht mit einander in Einklang zu bringen.
Beispielsweise, wenn in einem Attest eine schwere Depression mit Suizidalität
attestiert wird und der Patient sich nach einem Quartal wieder vorstellen soll,
keine Medikamente verordnet werden, keine nach dem Attest notwendige stationäre
Behandlung eingeleitet wird etc.. Erstaunlich ist oft, dass bereits bei einem
erstmaligen Behandlungskontakt eine weitreichend und sehr langfristig ungünstige
Prognose gestellt wird. Ärztliche Gutachten oder Atteste werden in der Regel
zur Erlangung eines Nachteilsausgleichs, eines sonst nicht zustehenden
finanziellen Ausgleichs, einer Ausnahme in einem Vertrag oder des Kündigung etc.
erstellt. Jedenfalls habe fast alle ärztlichen Gutachten oder Atteste
Auswirkungen auf Benachteiligte. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung führt zu
Leistungen der Krankenkassen oder Lohnfortzahlungen der Arbeitgeber etc.. Es
gibt damit immer auch eine Partei, der durch das Ärztliche Gutachten oder Attest
ein Nachteil entsteht, oder entstehen kann. Besonders in gerichtlichen Verfahren
gilt, dass falls die Beurteilung des Gutachters für eine Partei ungünstig
ausfällt, dies oft dazu führt, dass an der Objektivität
des Sachverständigen gezweifelt wird, was dann zu einem Befangenheitsantrag
führen kann. (MedR (2009) 27: 413−415 DOI: 10.1007/s00350-009-2443-5) In
gerichtlichen Verfahren reicht es für einen begründeten
Befangenheitsantrag schon aus, dass Tatsachen vorliegen, die ein auch nur
subjektives Misstrauen der Unparteilichkeit seitens einer Partei begründen
können. |
- Gerd Sandvoß, Gefälligkeitsgutachten:
Identifizierung und Abwehr, ArztRecht 11/2004, 392-396, JUNG, H.: Zur
Strafbarkeit des Arztes wegen des Ausstellens eines unrichtigen
Gesundheitszeugnisses (§ 278 StGB).
- Rieser, Sabine Terroranschläge: Gefälligkeitsatteste wegen Flugangst?
Dtsch Arztebl 2002; 99(17): A-1174 / B-976 / C-830
- Aktuelle Probleme und Perspektiven des
Arztrechts. Enke, Stuttgart 1989, S. 76 - 85.
- Cave: Gefälligkeitsatteste
Hessisches Ärzteblatt 11/2005 763
- Uwe Lenhart, Folgen eines
Ermittlungsverfahrens wegen Verdachts des Ausstellens unrichtiger
Gesundheitszeugnisse
Hessisches Ärzteblatt 12/2004 716-717
-
Gefälligkeitsgutachten Markus Schär Die Weltwoche, Zürich
- Fenger, Hermann; Gesenhues, Stefan Ärztliche Gesundheitszeugnisse:
Vorsicht ist geboten
Dtsch Arztebl 2009; 106(30): A 1506–8
- Flintrop, Jens Jagd auf „Blaumacher“: Ärzte an den Pranger gestellt
Dtsch Arztebl 2003; 100(15): A-959 / B-807 / C-753
|
[vorherige]
Seite 1 von 5 für Buchstabe g [nächste]
|