| |
Glossar:
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
|
Glossar
Psychiatrie/Psychosomatik/
Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie |
|

Dies ist noch eine
Testversion der Umgestaltung des Glossars um eine bessere Benutzerfreundlichkeit
zu erzeugen, bitte haben Sie Verständnis, dass noch nicht alles perfekt ist
Neue Seite 1
|
Wichtiger
Hinweis: Sämtliche
Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss
jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende
Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche
irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden
Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben
die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es
wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und
Auffassungen geben. Für die Abmahnwütigen noch ein
Hinweis zu den Links auf diesen Webseiten: Ich distanziere mich
ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und
Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die
Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich
ausgeschlossen. Bitte lesen sie auch
den Beipackzettel
der Homepage, dieser beinhaltet das
Impressum, weiteres auch im
Vorwort.
Navigation: Unten nach dem letzten Stichwort einer Seite finden sie einen Link, um auf die nächste Seite des betreffenden Buchstabens weiter zu klicken. Um zum nächsten Buchstaben zu kommen, nutzen Sie bitte die Links aus der Buchstabenreihe, die sich jeweils oben und unten auf der Seite befindet. Alternativ können Sie die Suchbox verwenden, diese durchsucht das Glossar, das jeweils auch einen Link zu den ausführlichen Themenseiten enthält. Das Glossar
wurde unter Verwendung neuester Literatur erstellt. Insbesondere
dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der
Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der
analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie
dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und
Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem
einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der
letzten 10Jahre. Nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate sind kenntlich
gemacht. Verständlicherweise konnte durch Verwendung
verschiedener Quellen eine Mischung aus den unterschiedlichen
Zitaten nicht immer vermieden werden. Soweit möglich
wird dies angezeigt. Nicht alles ist auf Anhieb
laienverständlich, da ich die Zusammenstellung auch für
mich selbst nutze, musste hier ein Kompromiss zwischen
Verständlichkeit und medizinischer und psychologischer
Exaktheit gefunden werden. Falls sich jemand falsch oder in zu
großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail
schicken. KM 19.4.2000 Siehe auch die ergänzenden Hinweise
unten auf dieser Seite.
PS
selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig
aktualisiert werden.
|
| Jackson, John Hughlings |
(1835--1911)
Neben Charcot Mitbegründer der modernen Neurologie (National Hospital for the
Paralysed and Epileptic). Mitbegründer 1871 der Fachzeitschrift "Brain, Journal
of Neurology". Nach ihm werden die epileptischen Phänomene wie Jackson-Anfall,
Jackson-Marsch, Jackson- Status sowie das Jackson-Syndrom benannt. |
|
|
| Jackson-Marsch |
| Traditionelle Bezeichnung für die einseitige Ausbreitung klonischer Bewegungen auf benachbarte Körperabschnitte. |
|
|
| Jackson-Syndrom
|
| Die medial lokalisierte Läsion der Medulla-oblongata mit Schädigung des Hypoglossuskerns und der Pyramidenbahn auf der geschädigten Seite. Ipsilaterale Zungenparese (periphere Hypoglossusparese) und kontralaterale Hemiparese. Extrem seltenes Syndrom „reduzierte” Variante eines wesentlich häufigeren medialen Medulla-oblongata-Syndroms, des Dejerine- oder Dejerine-Spiller-Syndroms. |
|
;Dejerine-Spiller-Syndrom
|
| Jakob-Creutzfeldt-Krankeit |
| Die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankeit
entspricht bezüglich der Symptome der natürlich vorkommenden Erkrankung
Creutzfeldt - Jakob - Erkrankung Allerdings sind im Gegensatz zur CJD von
dieser Krankheit bisher besonders jüngere Menschen betroffen. Der
Alterdurchschnitt liegt hier bei 29 Jahren. Insgesamt sind an dieser Krankheit
nachgewiesenermassen bisher 85 Personen in England und 4 in Frankreich
verstorben (Stand: November 2000). Diese Erkrankung ist durch Prionen (Eiweiße)übertragbar.
Hitze von 100° C, Chemikalien und vielen Desinfektionsmitteln wiederstehen sie.
Sogar im Boden können sie Jahre überdauern. Es handelt sich bei den Prionen (PrPSc)
um Eiweiße, die möglicherweise durch Genmutationen oder Infektion aus den
körpereigenen Eiweißen (PrPC) gebildet werden. Das Gen, welches die
Information für dieses Prion-Protein trägt, liegt auf dem Chromosom 20. Der
Zusatz "Sc" steht für Scrapie- spezifisch, der von "C" für cellulär, also für
körpereigen. Die Prionen (PrPSc) unterscheiden sich von den
natürlichen Eiweißen durch eine teilweise andere Abfolge von Aminosäuren.
Dadurch besitzen sie eine andere Faltung und damit eine abweichende räumliche
Struktur. Über die Funktion der Prionen und den Mechanismus ihrer Infektiosiät
ist bisher wenig bekannt. Es werden mehrere Theorien diskutiert. Die Erkrankung
beginnt mit uncharakteristischen Beschwerden, wie z.B. Schlafstörungen. Nach und
nach treten außerdem psychische Symptome auf, wie z.B. Wahnvorstellungen oder
Halluzinationen. Zusätzlich kommt es zu einem Gedächtnisverlust sowie zu
neuropsychologischen Symptomen, wie Aphasie, also die Unfähigkeit sprechen zu
können, oder Alexie, also die Unfähigkeit zu lesen. Die Erkrankung schreitet
dann schnell voran und führt zu vielfältigen Symptomen wie: Lähmungen, Tremor,
Chorea, Ataxie,Myoklonien,epileptische Anfälle und am Ende völlige Verblödung.
Die Inkubationszeit beträgt vermutlich mehrere Jahre. Insgesamt sind seit der
Erstbeschreibung 124 Menschen erkrankt, von denen 115 gestorben sind (Stand Juli
2002). der weitere Verlauf der Epidemie ist noch nicht beurteilbar. Das Risiko der Übertragung von BSE durch Bluttransfusionen ist hoch. Da von der Infektion bis zur Erkrankung ein halbes Jahrhundert an Zeit liegen kann, ist ein sicherer Ausschluss einer solchen Übertragung bisher nicht möglich. Eine Infektion über Rindfleisch benötigt länger bis zum Ausbruch der Erkrankung, als eine Infektion über chirurgische Instrumente oder Transfusionen bis zum Ausbruch der Erkrankung. Dies bedeutet, dass der durch medizinische Behandlung erkrankte Patient früher erkrankt als der Trägerpatient von dem er die Erkrankung bekommen hat (transmission barrier effect, Lancet 1999; 354:317–23.). Der Nachweis von BSE beim lebenden Menschen gelingt am zuverlässigsten durch ein Untersuchung der Probeentnahme aus den Gaumenmandeln. Erfolgreiche Therapeutika sind in Aussicht, so dass die Diagnose bei asymptomatischen Patienten in Zukunft sinnvoll sein kann. (Lancet 2006; 368: 2061–67) |
|
UK
National CJD Surveillance Unit
Homepage der europaweiten
Forschergruppen
Nationales Referenzzentrum für Prionenerkrankungen (NRPE) der Schweiz |
| Jaktation |
| Hin- und Herwälzen, Schaukeln des Kopfes oder des Körpers, als Bewegungsstereotypie, z.B. bei Hospitalismus, Fieber, Delirium, geistiger Behinderung und Vernachlässigung . |
|
|
| Jargonaphasie |
| Mit dem Begriff Jargon beschreibt
man eine Art der Sprachproduktion die sich aus einer großen Anzahl von
Paraphasien, Neologismen und Paragrammatismus
bei
normaler
Sprachmelodie zusammensetzt,
es handelt
sich
letztlich
um eine
logorrhoische
unverständliche
Sprache.
Die
Betroffenen
verstehen
meist
selbst
ebenfalls
keine
sprachlichen
Äußerungen. Jargonartige
Äußerungen sind für den Untersucher meist unverständlich. |
|
|
| Jellinek |
Einen einheitlichen Alkoholikertyp gibt es
nicht. Aus der Masse der Alkoholkranken heben sich statistisch einzelne
Prägnanztypen heraus, die auch durch unterschiedliches Trinkverhalten
charakterisiert sind. In der Praxis sind dagegen beim Einzelfall
Überschneidungen evident. Die gebräuchlichste Einteilung wurde von Jellinek
vorgeschlagen:
|
Alpha Typ |
Beta Typ |
Gamma Typ |
Delta Typ |
Epsilon Typ |
|
Problem- Erleichterungs-
Konflikt- Trinker |
Gelegenheits-Trinker |
Süchtiger-Trinker |
Rauscharmer, kontinuierlicher
-Trinker |
Episodischer-Trinker |
|
nur psychische Abhängigkeit |
keine Abhängigkeit |
zuerst psychische dann
körperliche Abhängigkeit |
psychische Abhängigkeit |
psychische Abhängigkeit |
|
Kein Kontrollverlußt aber
Phasen undisziplinierten Trinkens mit Fähigkeit zur Abstinenz |
Kein Kontrollverlußt |
Kontrollverlußt mit Phasen der
Abstinenz |
Kein Kontrollverlußt. keine
Abstinez |
Kontrollverlußt, jedoch
Fähigkeit zur Abstinenz |
|
|
|
| Jet Lag |
| Die häufigste zirkadiane Rhythmusstörung wird durch den sogenannten Jet Lag verursacht, der bei rascher Überschreitung verschiedener Zeitzonen entsteht. Flüge innerhalb einer Zeitzone verursachen Müdigkeit aber keinen Jet Lag. Die normale Reisemüdigkeit ist in der Regel nach einmal Ausschlafen nach Ankunft im Gegensatz zum Jet Lag verschwunden. Flüge zwischen Europa und Amerika verursachen z. B. Jet-Lag-Symptome, die eine Woche oder sogar länger andauern können.
Typische Symptome sind Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Tagesschläfrigkeit, Verdauungsstörungen, Gereiztheit und Konzentrationsstörungen. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ist meist während des Jet Lag vermindert. Manche Menschen benötigen eine ganze Woche, um sich den neuen Zeitgebern anzupassen, anderen gelingt dies erheblich schneller. Die Zeitspanne der Anpassung ist allerdings auch abhängig von der Anzahl überschrittener Zeitzonen. Die Überwindung des Jet Lags dauert in der Regel 2/3 der Anzahl der Tage/überschrittener Zeitzone. Bei einem Flug nach Osten entstehen in der Regel Einschlafstörungen bei Flug nach Westen Früherwachen der unruhige weniger erholsame Schlaf entsteht bei Flügen in beide Richtungen.
Einer milden Form eines Jet Lags sind viele Menschen zweimal im Jahr ausgesetzt, nämlich zu Beginn und Ende der Sommerzeit, wenn die Uhr eine Stunde zurück- bzw. vorgestellt wird. Jet lag entsteht durch eine Desynchronisation zwischen verschiedenen Körperrhythmen und den Umgebungs- oder Umweltrhythmen. Am meisten fällt dabei die Verschiebung des Schlaf-Wachrhythmus auf, die zu körperlichen und psychischen Störungen führt.
Alle Körperrhythmen werden durch eine Wechselwirkung zwischen internen und externen Faktoren bestimmt. Die innere Uhr bestimmt auch den Rhythmus der Köpertemperatur (niedrigste Köperkerntemperatur zwischen 3 und 7 Uhr), oder Plasmahormonkonzentrationen. Durch diese Körperrhythmen wird tagsüber die Aktivität und nachts die Erholung gefördert. Wie leicht es ist einzuschlafen hängt generell nicht nur davon ab, wie lange wir wach waren oder wie viel wir gearbeitet haben, sondern auch von äußeren Zeitgebern (z.B. Sonnenlicht) und unserem Körperrhythmus.
Die biologische Uhr kontrolliert die Melatoninausschüttung durch die Epiphyse, Licht schaltet diese Ausschüttung aus. Auch hierdurch passt sich der Körperrhythmus an die neue Zeit nach der Reise an. Man kann der Anpassung der biologischen Uhr etwa nachhelfen. Die Anpassung der häuslichen Lichtverhältnisse führt bereits zu einer gewissen Anpassung der inneren Uhr, dies gilt besonders für Menschen, die sich auch sonst eher in geschlossenen Räumen aufhalten und weniger im intensiven Sonnenlicht. An sich lässt sich also der Jet Lag durch vorausgehende langsamere Anpassung zu hause und übergangsweise in der neuen Umgebung etwas abmildern und verkürzen. Bei kurzen Aufenthalten kann es sinnvoll sein einfach den gewohnten Rhythmus von zu hause auch am Reiseziel aufrecht zu erhalten.
8 von 10 Studien kommen nach cochrane zu dem Schluss, dass die Einnahme von Melatonin den Jet Lag verkürzt. Etwa jeder 2. scheint von diesem Effekt zu profitieren, der Profit ist größer wenn eine gewisse Anpassung der Zeitgeber über Licht erfolgt ist. Empfohlen werden 2-5 mg Melatonin 2-3 Stunden vor oder beim Schlafengehen nach Ankunft. Ob Melatonin tatsächlich über die Anpassung der inneren Uhr wirkt ist allerdings weiter umstritten, vielleicht hat es auch nur einen leichten Schlafanstoßenden Effekt. Melatonin ist weiter schlecht untersucht und kann daher nicht zum Langzeitgebrauch empfohlen werden. Insbesondere jungen Menschen und Schwangeren wird von der Einnahme von Melatonin abgeraten. Koffein ist das sinnvollste Stimulans, das in diesem Zusammenhang eingesetzt wird. |
|
Jim Waterhouse, Thomas Reilly, Greg Atkinson, Ben Edwards. Jet lag: trends and coping strategies, Lancet 2007; 369: 1117–29. Herxheimer A, Petrie KJ. Melatonin for the
prevention and treatment of jet lag. Cochrane Library 2002; Andrew Herxheimer
and Jim Waterhouse, The prevention and treatment of jet lag,
BMJ 2003; 326: 296-297. [Full text] |
| Jo- Jo Effekt |
| beim Abnehmen von Gewicht oder Hungern reduziert
sich der Grundumsatz. Wer also nach Gewichtsabnahme
in seine alten Ernährungsgewohnheiten zurückfällt, gewinnt in der Regel schnell
Pfunde dazu. Je mehr Diäten umso größer am Ende das Körpergewicht. Der Köper hat
sich durch die Diät auf eine niedrigere Energiezufuhr eingestellt. Unser Körper ist noch auf
die Zeiten wiederkehrender Hungersnöte eingestellt, damals war die
Fettspeicherung für Notzeiten überlebensnotwendig. Der Körper reguliert über
eine vermehrte Ausschüttung des Hormon Ghrelin eine Anregung des Appetits und
eine erneute Zunahme des Körpergewichts. Es wird dann vermehrt
Wachstumshormons ausgeschüttet, ein Hungergefühl eine vermehrte
Nahrungsaufnahme, die Fettverbrennung und damit der Kalorienverbrauch nimmt ab,
die Körperzellen reagieren empfindlicher auf Insulin. Zur Verminderung des
Energieverbrauchs werden verschiedene Körperfunktionen gedrosselt Atmung,
Herztätigkeit, allgemeiner Stoffwechsel gehen um bis zu 40% zurück. Heute haben wir in den
Industrieländern Nahrungsmittel im Überfluss, nur unsere Gene wissen nichts
davon. Diäten enden deshalb nicht selten in einer am Ende unerwünschten
Gewichtszunahme, ohne wirkliche Ernährungsumstellung und größeren Verbrauch
durch mehr Bewegung lässt sich das Körpergewicht nicht dauerhaft reduzieren.
Eine sinnvolle Ernährungsumstellung beinhaltet meist eine Reduktion der
Fettaufnahme, letztere ist allerdings nur erfolgreich, wenn auch die
Kalorienaufnahme insgesamt reduziert wird. Der Körper braucht für diese
Umstellung Zeit. Eine Diät für wenige Wochen ist deshalb für eine dauerhafte
Gewichtabnahme nicht sinnvoll und kann auch nicht erfolgreich sein. Fasten,
Hungern, Heilfasten, angebliche Entschlackung und Darmreinigung münden
mittelfristig regelmäßig in einer Gewichtszunahme. (Angebliche "Schlacken" sind
ohnehin ein Märchen von Geschäftemacher, die an jedem Jo jo Effekt neu
verdienen). Als Faustregel gilt nach einer Gewichtsabnahme von 10% des
Körpergewichts benötigt der Körper 500 kcal weniger pro Tag und das dauerhaft.
Mit kalorienreduzierter Mischkost, konsequent dauerhaft mehr Bewegung lässt sich
der Jo- Jo Effekt vermeiden. Körperliche Betätigung erhöht den Verbrauch und
vermindert damit die Umschaltung des Körpers auf Sparflamme, sie stabilisiert
außerdem den Kreislauf, der bei reinem Fasten durch Mangelerscheinungen nicht
mehr richtig reguliert werden kann. |
|
|
| Jugendgewalt und psychische Krankheit |
| Eine Studie in Neuseeland
beobachtete 961 junge Erwachsene, die 94% einer Geburtenkohorte einer Stadt
darstellten (damit sehr repräsentativ waren) und von April 1972, bis April 1973
geboren wurden, im Alter von 5, 7, 9, 11, 13, 15, 18, und 21 Jahren. Alle
wurden psychiatrisch untersucht, bei allen wurde die Anzahl von kriminellen
Delikten sowohl nach eigenen Angaben, als auch nach offiziellen Urteils-
Aufzeichnungen registriert. Die 12 Monatsprävalenz psychischer Störungen betrug
in der Studie insgesamt 40% ähnliche den 37% anderer Studien der selben
Altergruppe. Depressive Störungen 17.9%, Angststörungen 17.7%, manische Episoden
2.0%; Eßstörungen 1.4%, Alkoholabhängigkeit 9.8%; Marijuanaabhängigkeit 9.5%;
und Schizophrenie-Spektrum Störungen 4.1%. 1.6% waren durchschnittlich 25 Tage
stationär in der Psychiatrie und 4.7% waren eine oder mehrere Nächte im
Gefängnis. Individuen die nach den DSM-III-R Interviews als
Alkoholabhängige, Marijuanaabhängige, und an Schizophrenie leidend eingestuft
wurden, waren 1.9 (95% confidence interval [CI], 1.0-3.5), 3.8 (95% CI,
2.2-6.8), und 2.5 (95% CI, 1.1-5.7) mal wahrscheinlicher wegen gewalttätiger
Auseinandersetzungen angeklagt bzw. dafür ursächlich, als Kontrollpersonen ohne
diese Leiden. Personen mit mindestens einer dieser drei Erkrankungen stellten
1/5 der Gesamtpopulation dar, aber die Hälfte aller "Gewaltverbrechen" ging von
ihnen aus. 10% von der Gruppe der an Schizophrenie leidenden, hier war am
häufigsten ein Bedrohungsgefühl und eine Vorgeschichte mit einer Störung des
Sozialverhaltens.auslösend (daneben bestand hier häufig eine Komorbidität zu den
anderen beiden Störungen). Bei den Alkoholabhängigen war die Ursache in der
Enthemmung durch die Alkoholwirkung gesehen worden, bei den
Marijuanaabhängigen bestand häufig bereits zuvor eine Vorgeschichte mit einer
Störung des Sozialverhaltens.
Die Autoren der Untersuchung
vermerken zurecht, dass solche Ergebnisse auch bei den Wissenschaftlern
unbeliebt sind, da sie Vorurteile gegen psychisch Kranke schüren können.
Allerdings kann durch die Erforschung solcher Zusammenhänge auch die Entwicklung
von Strategien gefördert werden, rechtzeitig der Gewalt im Zusammenhang mit
psychischen Störungen (und damit auch den Ängsten der Öffentlichkeit) entgegen
zu wirken. Die Daten sind, darauf sei explizit hingewiesen, an jungen
Erwachsenen erhoben worden, die meist nicht wegen ihrer Krankheit in Behandlung
waren und bei denen zuvor meist keine Diagnose gestellt worden war. Statistiken
bei behandelten älteren Schizophrenen ergeben niedrigere Zahlen. Schon andere
Autoren hatten darauf hingewiesen, dass beginnende schizophrene Störungen bei
Jugendlichen häufig als Störung des Sozialverhaltens fehldiagnostiziert werden,
da bei oberflächlicher Betrachtung deren Verhalten antisozialer Aktivität
ähnelt. Störung des Sozialverhalten auf Grundlage bizarrer Vorstellungen ist oft
eine Vorstufe schizophrener Erkrankungen. Gewalttätigkeit unter Jugendlichen
sollte als Ergebnis der Studie auch aus prophylaktischen Gründen Anlass für eine
psychiatrische Diagnostik sein.
Eine andere Fallkontroll- Studie kommt zum
Schluss, dass nach Herausrechnen anderer Risikofaktoren etwa 20,6% der
Verbrechen durch Frauen und 15,3% der Verbrechen durch Männer den Folgen von
psychischen Störungen in der Kindheit zuzuordnen sind. Zum Vergleich gehen etwa
11% der Herzinfarkte bei Erwachsenen auf eine Fettsucht (BMI >25) bei Kindern
zurück. Die Hälfte der jungen Erwachsenen mit Vorstrafenregister in der Studie
hatte eine Vorgeschichte mit einer psychischen Störung, verglichen mit
einem von 3 jungen Männern und einer von 4 jungen Frauen ohne
Vorstrafenregister. Am stärksten gefährdet waren diejenigen bei denen zu einer
Depression oder Angsterkrankung noch eine Suchterkrankung kamen. Am J
Psychiatry 2007 164: 1668-1675
[Abstract] |
|
Louise
Arseneault et al. Mental Disorders and Violence in a Total Birth Cohort: Results
From the Dunedin Study Arch Gen Psychiatry. Oktober 2000;57:979-986
|
| Jumping to Conclusions |
| Voreilige Schlussfolgerungen bei verzerrter Wahrnehmung, Verallgemeinerung von Beobachtungen, ausschließliche Suche nach Bestätigung von voreiligen falschen Hypothesen, Vorhersage eines (meist negativen) Zukunftsverlaufs ohne adäquate Grundlage. Schlussfolgerungen ohne adäquate Grundlage. Der Begriff wird auch von deutschen Verhaltenstherapeuten benutzt um die obigen Phänomene bei verschiedenen psychischen Störungen den Betroffenen zu erklären und damit ein Erklärungsmodell zu bieten, mit dem die Betroffenen ihre Symptome verstehen und relativieren können. Beispiel in der kognitiven Psychotherapie der Angststörungen oder psychotischer Symptome.
|
|
|
[vorherige]
Seite 1 von 1 für Buchstabe j [nächste]
|