Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Lactose- oder Milchzuckerintoleranz
Menschen mit Lactose- oder Milchzuckerintoleranz sind wegen eines angeborenen Enzymmangels in den Mikrovilli des Dünndarms nicht in der Lage eine größere Mengen von Milchzucker zu verdauen. Die verantwortlichen Gene sind geographisch unterschiedlich verteilt, mit deutlichem Nord-Süd- und West- Ost- Gefälle (siehe Tabelle). Neben der genetisch bedingten (kongenitale und primäre adulte Form) gibt es eine sekundäre Form durch einen Schaden der Dünndarm-Schleimhaut. Das Alter des Auftretens ist regional unterschiedlich, während bei europäischen Kindern meist erst ab dem 5.Lebensjahr ein ein Laktasemangel nachweisbar ist, kann das Syndrom bei Afrikanern oder Asiaten deutlich früher auftreten. Symptome treten meist er im jungen Erwachsenenalter auf. Symptome sind meist Bauchweh, Blähungen und Durchfälle nach Einnahme von laktosehaltiger Nahrung. Wässriger Stuhl nach Konsum von Milchprodukten kommt dadurch zustande, dass der nicht wie üblich zerlegbare Milchzucker osmotisch Flüssigkeit in den Darm anzieht. Bakterien im Dickdarm zerlegen dann zwar den Milchzucker, dort kann der so zerlegte Zucker aber nicht mehr absorbiert werden. Durch die Bakterien wird dort vermehrt Gas produziert, das für die Blähungen verantwortlich ist, der zerlegte Zucker zieht noch mehr Wasser an.

Lactose- oder Milchzuckerintoleranz ist zwar häufig, dennoch hat sie auch etwas den Charakter einer Modekrankheit angenommen. Viele Erwachsenen glauben an einer Lactoseintoleranz zu leiden, obwohl sie ganz normal Michzucker verdauen können.  Die Diagnose kann in der Regel durch genaue Beobachtung der Symptome in Verbindung mit der Nahrungsaufnahme gestellt werden. Alternativ ist auch ein Lactosetoleranztest oder eine Messung des Wasserstoffgehalts der Atemluft möglich (80-90% Zuverlässigkeit der Tests). Zu unterscheiden ist eine angeborene Lactose- oder Milchzuckerintoleranz von einer erworbenen sekundären bei oder nach einer Darmerkrankung. Letztere ist reversibel. Sekundäre Lactose- oder Milchzuckerintoleranz kommt beispielsweise bei Morbus Crohn und anderen entzündlichen Darmerkrankungen , Sprue, Morbus Whipple, nach fast jeder schwereren Gastroenteritis, Strahlentherapie, Chemotherapie, Parasitosen, bei schwerer Mangelernährung Kurzdarmsyndrom usw. vor. Nach Behandlung der Grunderkrankung verschwindet sie wieder bei langsamer Gewöhnung an den Milchzucker.

Symptomatisch kann das Enzym Lactase zur Nahrung hinzugegenben werden, dies gleicht allerdings den Mangel nicht ganz aus. Die meisten Menschen mit einer Lactose- oder Milchzuckerintoleranz können durchaus geringe oder mäßige Mengen an Milchprodukten verzehren ohne Symptome zu bekommen, da der Mangel selten absolut und meist nur partiell ist. Diese Menschen sollten auch regelmäßig Milchprodukte zu sich nehmen, da dadurch Mangelerscheinungen vorgebeugt werden kann. Die Toleranz von Milchzucker kann durch Adaptation gesteigert werden.  Die Menge an Milchprodukuten die jemand verträgt, ist individuell einfach per Versuch und Irrtum feststellbar. Für viele Betroffene ist die Menge an Lactose in Tabletten nicht ausreichend für Symptome, im Einzelfall kann dies aber so sein.  Fermentierte Milchprodukte (Käse außer Mozarella und Butter) haben einen geringen Laktosegehalt. Extrahartkäse (Sbrinz, Parmesan) und Hartkäse (Emmentaler, Greyerzer) enthalten in der Regel keine Lactose mehr. Unterschiedliche gekaufte Fertigprodukte vom Würstchen über Backwaren bis zur Suppe können unerwartet Lactose enthalten, hier muss auf die Produktbeschreibung geachtet werden. Wenn keine Milchprodukte verzehrt werden, muss auf ausreichende Kalziumzufuhr, Vitamins A und D, Riboflavin, und Phosphor geachtet werden. Eine Milchallergie ist sehr selten und hat nichts mit Lactose- oder Milchzuckerintoleranz zu tun. siehe auch Kuhmilchallergie -ein vielfältiges Krankheitsbild K.-M. Keller MID 2. Ausgabe 2003

Bevölkerungsgruppe Prävalenz des Lactosemangels(%)
Nordeuropäer 2 bis 15
Weiße Amerikaner 6 bis 22
Zentraleuropäer 9 bis 23
Inder 20 bis 70
Spanier 50 bis 80
Ashkenazi Juden 60 bis 80
Schwarze 60 bis 80
Asiaten 95 bis 100


Lafora-Krankheit
progressive Myoklonus-Epilepsie des Kindes und Jugendalters.  Die Krankheit wird autosomal rezessiv vererbt. Der Beginn der ist meist in der 2. Lebensdekade mit epileptischen Anfällen bei den Jugendlichen. Der Erkrankungsbeginn ist in den verschiedenen bekannten Familien zwischen 7 und 21 Jahren, dieser Unterschied im Erkrankungsalter scheint ebenfalls erblich zu sein. Es wird auch diskutiert ob es eine Erwachsenenform mit Beginn im 25. Lebensjahr gibt. Es folgen dem ersten epileptischen Anfall meist progressive Myoklonien, myoklonische, fokale okzipitale, und tonisch-klonische Anfälle epileptische visuelle Halluzinationen, und ein geistiger Abbau mit schweren motorischen Störungen und Koordinationsstörungen.  Die meisten betroffenen werden nicht älter als 25 Jahre. Die Krankheit nimmt von Anfang an einen ungünstigen Verlauf, die Symptome nehmen stetig zu und führen zur Demenz und nicht auf Behandlung ansprechenden Anfällen.  Die Lafora-Krankheit ist genetisch heterogen mit mindestens 3 veränderten Genloci die auslösend sein können, von denen 2 bekannt sind (EPM2A und EPM2B). EPM2A ist ein 4-Exongen das das Laforin kodiert, einer dual-spezifischen Phosphatase mit einen Kohlehydratbindenden Teil. EPM2B hat ein einzelnes großes Exon, das die Malin E3 Ubiquitin Ligase kodiert. Laforin und Malin wirken zusammen und scheinen das Gewebe vor der Akkumulation von Polyglukosan zu schützen in dem sie die Eiweiße, die im Glykogenstoffwechsel eine Rolle spielen steuern. Die pathologischen intrazellulären Einlagerung von Poliglukosanen (unlösliche Stärke- oder Glykogenähnliche Poliglukosanfibrillen, periodic acid–Schiff (PAS)–positiv) finden sich hautsächlich in den Dendriten der Neurone. Diese Ablagerungen in den Dendriten sind vermutlich für die Krankheitssymptome verantwortlich. Diese auch konzentrische Amyloidkörperchen oder auch Laforakörperchen genannten Einlagerungen finden sich nicht nur in Neuronen, sondern auch in der Leber, Haut, Knochen und Muskeln. Symptome enstehen ausschließlich durch die Einlagerung in den Dendriten der Neurone. Laforakrankheit kann durch Hautibiopsie diagnostiziert werden, wobei diese Diagnose unsicher ist mit falsch negativen und falsch positiven Ergebnissen. Biopsien aus anderen Organen werden ebenfalls eingesetzt. Neuerdings ist eine genetische Diagnose bei einem Teil der Erkrankten möglich.
  1. Guerrini Renzo: Epilepsy in children, Lancet, February 11, 2006, Vol. 367, 499–518.
  2. H. Lohi, PhD; J. Turnbull, BSc; X.C. Zhao, et al., Genetic diagnosis in Lafora disease, Genotype–phenotype correlations and diagnostic pitfalls, NEUROLOGY 2007;68:996–1001 Abstract] [Full Text]
  3. C. Gomez-Abad, P. Gomez-Garre, E. Gutierrez-Delicado, S. Saygi, R. Michelucci, C. A. Tassinari, S. Rodriguez de Cordoba, and J. M. Serratosa Lafora disease due to EPM2B mutations: A clinical and genetic study Neurology, March 22, 2005; 64(6): 982 - 986.  [Abstract]
  4. E. M. Chan, C. A. Ackerley, H. Lohi, L. Ianzano, M. A. Cortez, P. Shannon, S. W. Scherer, and B. A. Minassian Laforin preferentially binds the neurotoxic starch-like polyglucosans, which form in its absence in progressive myoclonus epilepsy Hum. Mol. Genet., June 1, 2004; 13(11): 1117 - 1129.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
  5. M. S. Gentry, C. A. Worby, and J. E. Dixon From The Cover: Insights into Lafora disease: Malin is an E3 ubiquitin ligase that ubiquitinates and promotes the degradation of laforin PNAS, June 14, 2005; 102(24): 8501 - 8506. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  6. E. M. Chan, S. Omer, M. Ahmed, L. R. Bridges, C. Bennett, S. W. Scherer, and B. A. Minassian Progressive myoclonus epilepsy with polyglucosans (Lafora disease): Evidence for a third locus Neurology, August 10, 2004; 63(3): 565 - 567.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
    A FERNANDEZ-BARREIRO, J S. GUILLEN, P C. VERA,  et al., A new case of late onset Lafora's disease without generalised seizures J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, January 1, 1999; 66(1):  114a - 116. [Full Text]

  7. M. E. Fernandez-Sanchez, O. Criado-Garcia, K. E. Heath, et al., Laforin, the dual-phosphatase responsible for Lafora disease, interacts with R5 (PTG), a regulatory subunit of protein phosphatase-1 that enhances glycogen accumulation Hum. Mol. Genet., December 1, 2003;  12(23): 3161 - 3171. [Abstract] [Full Text] [PDF]


Lagerungsschwindel
Bei dem gutartigen anfallsweise auftretenden Lagerungsschwindel handelt es sich um eine relativ häufige Schwindelursache. Er heißt gutartig deshalb, weil die Symptome zunächst zwar sehr unangenehm sind und meistens am Anfang als sehr bedrohlich empfunden werden, es sich aber um eine harmlose Erkrankung handelt, die man auch einfach behandeln kann. Die Beschwerden bilden sich meistens wieder vollständig zurück, können aber wieder kommen. Meistens beginnen die Symptome morgens beim Aufwachen. Ganz am Anfang kann ein mäßiggradiger Dauerschwindel da sein, sogar bei Ruhigstellung des Kopfes. Am häufigsten aber tritt von Anfang an nur bei bestimmten Kopfbewegungen ein Drehschwindel auf. Am Anfang kann beim Laufen auch ein Gefühl da sein als ob man auf einer Matratze läuft. Im weiteren Verlauf ist fast immer ausschließlich ein von Kopfbewegungen abhängiger Drehschwindel vorhanden. Es handelt sich dabei um Schwindelattacken von relativ kurzer Dauer, i. d. R. 10 bis 40 Sekunden, fast immer weniger als 1 Minute. Wenn man die Bewegung durch die der Schwindel auftritt wiederholt, nimmt der Schwindel i. d. R. rasch an Intensität ab, und läßt sich nach mehrfacher Wiederholung meistens nicht mehr provozieren.


Lagophthalmus
Auge kann nicht geschlossen werden, Ursachen: · Orbitatumoren, · endokrine Orbitopathie,· Fazialislähmung, Folgen:· Keratitis e lagophthalmo (bei Fazialisparese meist im unteren Hornautdrittel)


Lähmung
Siehe hier!; Siehe auch bei Parese!


Laienätiologie
LA erfaßt den Grad, zu dem Patienten ihre Beschwerden psychosozialen Ursachen wie etwa der eigenen Lebensführung oder beruflicher Belastung zuschreiben; hohe Skalenwerte kennzeichnen dabei eine starke Neigung zu psychosozialer Attribution.


Lakunare Hirninfarkte, Leukoaraiosen; und andere weiße Flecken im Kernspin
Die 3 diagnostischen Entitäten lakunare Infarkte, Leukoaraiose, und vaskuläre Demenz überlappen sich.  Die Sprachverwirrung ist auch unter Fachleuten groß. Die so häufig den Patienten genannten Durchblutungsstörungen des Gehirns sind bisher so unscharf definiert, dass auch Fachleute ihre Daten kaum mit einander vergleichen können. Für ältere Patienten resultiert aus der Befundmitteilung oft eine unnötige Verunsicherung. Vereinfacht könnte man sagen, moderne Technik liefert Bilder, die bisher nur unzureichend verstanden werden. Sehr oft wird unzureichend zwischen einem klinischen Zustand und einem Kernspinbefund unterschieden. Letztere Unterscheidung ist allerdings entscheidend. Griechisch Leuko meint weiß, Araiose meint Rarefizierung. Weitgehend synonym gebraucht werden folgende Begriffe:  Weiße Substanzhyperintensitäten,  deep white-matter hyperintensities" white-matter hyperintensities"  Leukoaraiosis, Leukoaraiose, WML, White Matter Lesions, Periventrikulär gelegene Hypodensitäten des Marklagers, "unknown white spots", Hyperintense lesions (HL), age-related white matter changes (ARWMCs), Subcortical White Matter Lesions. Weitgehend identisch dazu verwendet werden folgende Begriffe mit ursächlicher Zuordnung, bzw. symptomatischer Zuordnung: SAE – subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie,  M. Binswanger,  Präsenile Demenz,  Lower body Parkinson. Gemeint sind hier jeweils die subkortikal als unterhalb der Hirnrinde im sogenannten Marklager gelegenen weißen Flecken im T2 gewichteten Kernspintomogramm. Eine Leukoaraiose  ist also zunächst ein radiologischer Befund unklarer Ursache und unklarer Bedeutung. Man sieht dabei meist bilaterale fleckige diffus verteilte Hirngebiete mit so genannten Hyperintensitäten der weißen Hirnsubstanz (engl. white matter (WM)) im T2-gewichteten Kernspinbild. Studien sind mit dem Problem behaftet, dass es eine Vielzahl von verschiedenen Ratingskalen gibt die diese Leukoaraiosen messen sollen, die Übereinstimmung zwischen den Skalen und zwischen den Untersuchern ist teilweise sehr gering. Sicher scheint bei schweren Leukoaraiosen, dass eine verminderte Durchblutung der weißen Substanz, bei normaler Durchblutung der Hirnrinde vorliegt. Der Pathologe findet bei Leukoaraiosen nicht immer einen auffälligen Befund und wenn scheint dieser oft spärlich zu sein.  Eine Leukoaraiose findet sich in manchen Studien in 100% der alten Menschen die untersucht wurden.

Lakunen sind kleine Hirninfarkte meist im Stammganlienbereich, im Hirnstamm und  im Marklager. Sie werden als kleine, tiefe Infarkte mit einem maximalen Durchmesser von 2 cm definiert. Meist ereignen sie sich in den Versorgungsgebieten der Arteriae lenticulostriatae, welche im Versorgungsgebiet der Arteriae carotis liegen, und den Arteriae thalamoperforantes und paramediani, welche sich im Versorgungsbereich der Arteria basilaris befinden.  Multiple Lakunarinfarkte werden als zwei oder mehrere bilateral gelegene lakunare Hirninfarkte definiert. Sie entstehen durch die Kombination von arteriellem Hypertonus, massivem Alkoholmissbrauch (über den daraus resultierenden Bluthochdruck), Alter und charakteristischen, vaskulären Läsionen kleiner perforierender Marklagerarterien.((Stroke. 1999;30:2053-2058.)Herzinfarkte, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und eine Arteriosklerose der A. Carotis zeigen keine Korrelation mit lakunären Infarkten. Sie gelten vielfach als ein Synonym 'hypertensive Mikroangiopathie' oder allgemein zerebraler Durchblutungsstörungen, eine konsequente Behandlung des Hochdrucks kann sie vermutlich verhindern. Kleine Embolien oder eine Gefäßverkalkung bei Diabetes (strittig) können aber ebenso Ursache sein. Je nach Definition gibt es hier Unschärfen und Überlappungen.

Unterschiede zwischen Hirninfakten und Leukoaraiosen bzw. White Matter Lesions,

Infarkte Leukoaraiosen bzw. White Matter Lesions,

Hypointens im  T1- und protondichten Bild, Hyperintens im T2-gewichteten Bild. Gut abgrenzbar, Rand scharf begrenzt wenn periphere Läsion Oft einzeln oder wenige, oft Ausbreitung nach kortikal. Manchmal mit fokaler Erweiterung der Ventrikel und/oder Sulci

Hyperintens m  T2- und protondichten Bild, im T1-gewichteten Bild keine Veränderungen erkennbar. Von punktuell bis diffus konfluierend, oft multiple Ausbreitung, begrenzt auf die weiße Substanz (Mark), Rinde nicht betroffen, Ventrikel und/oder Sulci nicht verändert.

John O’Brien & Bob Barber, Neuroimaging in dementia and depression Advances in Psychiatric Treatment (2000), vol. 6, pp. 109–119

Da sich dei 3 diagnostischen Entitäten lakunare Infarkte, Leukoaraiose, und vaskuläre Demenz überlappen schlagen manche Autoren  vor ausgehend von der Klinik den Begriff der subkortikal vaskulären Demenz zusammenfassend für die "Binswanger' Demenz und den "Status lakunaris zu verwenden.  Möglicherweise spielt die abnorme Durchlässigkeit der Bluthirnschranke eine Rolle in der Entstehung. Eine entzündliche Reaktion mit Beeinträchtigung des axonalen Transports ausgelöst durch eine chronische Ischämie könnte eventuell in der Entstehung eine Rolle spielen. Stroke. 1997;28:1423-1429 Weiße Substanzhyperintensitäten (=Leukoaraiosis) korrelieren mit dem Alter (hauptsächlich) und cerebrovaskulären Risikofaktoren. Histopathologisch handelt es sich um eine Gliose, eine Demyelinisierung, und einen Verlust von Axonen. Man nimmt an, dass degenerative Veränderungen in den kleinen Gefäßen und daraus resultierende Mangeldurchblutung die zentrale Rolle in der Entstehung der in Kernspinbildern erkennbaren weißen Substanzhyperintensitäten spielt. Diese weißen Substanzhyperintensitäten im Marklager findet man häufiger bei lakunären Infarkten als bei Menschen mit kortikalen Infarkten. Es gibt also einen Übergangsbereich.  Klinisch werden ca. 20 lakunare Syndrome unterschieden; z.B.: die rein motorische Hemiparese, das rein sensible Hemisyndrom, die sensomotorische Hemiparese, die ataktische Hemiparese und das Dysarthrie und das ungeschickte Hand Syndrom. Diagnostische Kriterien für die klinischen Folgen lakunarer Infarkte gehen allerdings weit auseinander. Ebenso die Kriterien einer vaskulären Demenz, je nach Definition variiert die Häufigkeit der vaskulären Demenz um den Faktor 10. Einigkeit wäre dringlich erforderlich. Vor allem bei klinisch leichteren Syndromen und Zufallsbefunden im Kernspin ist die Kommunikation und Vergleichbarkeit von Studien kaum möglich. Die Verwirrung wird dadurch noch größer, dass die Unterscheidung zwischen vaskulärer Demenz und M. Alzheimer ebenfalls schwierig geworden ist, nach dem deutlich wird, dass vaskuläre Veränderungen auch beim M. Alzheimer eine wesentliche Rolle spielen. Es ist unklar, ob es sich bei vaskulären und Alzheimerdemenzen tatsächlich um verschiedene Erkrankungen handelt, oder ob nicht vaskuläre Veränderungen einfach bei Alzheimerkranken zusätzliche neurologische Symptome bedingen. Hinzu kommt, dass in moderneren Theorien des M. Alzheimer die Durchblutung ebenfalls wieder eine wichtige Rolle spielt. Ob und wie viel eine Leukoaraiosis  über die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen aussagt, ist weiter unklar. Es handelt sich um einen Kernspinbefund, dessen Bedeutung nur zum Teil verstanden wird und der nicht immer parallel zu Symptomen geht. Es gibt kaum einen Befund in der Neurologie der so kontrovers gesehen wird, wie eine Leukoaraiosis  (Stroke. 1995;26:1293-1301.) In einer neuen Studie war ein solcher Effekt nur bei schlechter Bildung nachweisbar, bei guter Bildung bestand keine Korrelation.  Interessant ist übrigens auch eine Studie, die die Häufigkeit solcher weißer Flecke bei Schwindelpatienten genauso häufig sind, wie bei Patienten ohne Schwindel. Die Durchblutungsstörungen sind also keine häufige Schwindelursache.  Bei über 70 jährigen findet man solche Veränderungen bei immerhin 49% der nicht dementen Freiwilligen. Im Vergleich zu Gesunden sind sie etwas verlangsamt, hatten Probleme mit der Aufmerksamkeit, und zeigen Schwierigkeiten bei den exekutiven Funktionen. Das episodische wie auch das Arbeitsgedächtnis waren in dieser Studie nicht beeinträchtigt. WMHs können sich in spezifischen neurologischen und neuropsychiatrischen Symptomen manifestieren, sie rufen allerdings selten eine allgemeine kognitive Beeinträchtigung hervor, letztere tritt eher bei allgemeiner Hirn- Atrophie auf.  (Stroke. 2000;31:2182-2188.)Schwere Leukoariaiosen sind im Alter generell häufig, bei schweren Depressionen im Alter sind Leukoariaiosen noch häufiger und sollen Hinweise auf eine schlechtere Prognose (hinsichtlich Chronifizierung und Rückfallhäufigkeit) geben. Leukoariaiosen begünstigen eventuell Depressionen im Alter, sie beeinflussen vermutlich nicht den Verlauf kognitiver Störungen beim M. Alzheimer.  Urininkontinenz und eine Gangstörung mit Fallneigung  scheint eine häufige Folge einer schwereren Leukaraiose und gehört auch zu den ersten Symptomen, die eine tatsächliche vaskuläre Demenz begleiten. Problem ist hier im Einzelfall, ab wann eine Leukoaraiose als schwer genug zu bezeichnen ist, um vorhandene Symptome zu erklären. Die Tatsache, dass Symptome vorhanden sind und dass gleichzeitig sichtbare Veränderungen im Kernspinbild vorhanden sind, bedeutet noch keine Kausalität. Dennoch eindeutig schwere bildmorphologische Veränderungen zeigen ein vorzeitiges Altern des Gehirns an und sind mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität für verschiedenste Erkrankungen vergesellschaftet. Am ehesten trifft dies allerdings zu, wenn Inkontinenz und Gangstörungen vorhanden sind. (NEUROLOGY 2000;54:90–94) Das Vorliegen einer Gangstörung im Alter ist dabei umgekehrt häufig ein Hinweise auf eine beginnende vaskuläre Demenz, auch wenn noch keine anderen Symptome vorhanden sind. Es handelt sich also um ein Frühsymptom. (New Engl.J.Med 347:1761-1768 November 28, 2002) Aktuell ist die Verwirrung in der medizinischen Literatur bezüglich des Umgangs mit den genannten Kernspinveränderungen noch groß, eine Vereinheitlichung von Diagnosekriterien steht noch aus. Relevante Autoren mahnen zur Vorsicht in der Interpretation der Kernspinveränderungen. "Sowohl periventrikuläre als auch " deep white-matter hyperintensities" korrelieren mit einem Rückgang der Intelligenz, aber bei gesunden 80 jährigen erklären die kumulativen Wirkungen dieser Veränderungen nur einen kleinen Teil der Unterschiede in den kognitiven Fähigkeiten bei den Menschen mit altersbedingten Unterschieden in den kognitiven Fähigkeiten. Die Interpretation des Vorhandenseins und der Schwere dieser radiologischen Veränderungen sollte im diagnostischen Kontext und vorsichtig erfolgen."  (Ellen Garde et al Lancet 2000; 356: 628–34). 356:Siehe auch unter Stumme Hirninfarkte und " Eine Leukoaraisose muss nicht zwingend mit der Diagnose einer vaskulären Demenz verknüpft sein. Vielmehr bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen kognitiven Ausfällen (eher leicht) und bildgebendem Befund (ausgeprägt). Deshalb muss die Aufklärung über die Leukoaraiose vorsichtig und ohne Verunsicherung des Patienten erfolgen. (Hamann und Liebtrau 2002, S 235) Die Unterscheidung zwischen bedeutungslosen Altersveränderungen und klinisch signifikanten Veränderungen ist im Kernspin nicht möglich. Leukoaraisosen können verschiedenste Ursachen haben. Neben einem M. Binswanger (SAE) kommen Kollagenosen wie ein Lupus Erythematodes, eine Pararteriitis nodosa, eine granulomatöse Angiitis CADASIL, infektiöse Ursachen wie HIV- Demenz, Syphilis, Progressive Multifocal Leukoencephalopathy (PML), post und parainfketiöse Leukoencephalopathien, Herpes Zoster und Herpes simplex,  Metachromatische Leukodystrophien, Adrenoleukodystrophien und strahleninduzierte Hirnsubstanzschäden in Betracht.  Rein bildmorphologisch ist auch die Unterscheidung zu MS-Herden kaum möglich. Problematisch ist die Bewertung der Leukoariaiose besonders dann, wenn sie ein Zufallsbefund einer Kernspintomographie in der Ausschlussdiagnostik ist. Alter ist der Hauptrisikofaktor für eine Leukoaraiose. (Stroke. 1995;26:1293-1301) Die Frage, wann im Alter eine Kernspintomographie zur Ausschlussdiagnostik sinnvoll ist, ist immer schwierig zu beantworten. Wenn das Bild und der Befund vorliegt, muss beides bewertet werden. Bei schweren klinischen Befunden mit schweren bildmorphologischen Veränderungen ist die Sachlage einfach, bei weniger gravierenden Befunden sollte auf eine Überinterpretation verzichtet werden, gleichzeitig sollten Risikofaktoren insbesondere ein Hypertonus ernst genommen werden.

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(Stroke. 1995;26:1293-1301.)


Lambert-Eaton-Syndrom
(Siehe auch unter Paraneoplastische Syndrome!)
= pseudo myasthenisches Syndrom, mit myasthenieartiger Muskelschwäche der Becken- Oberschenkel und oberen Armmuskulatur. Im Gegensatz zur Myasthenie ist die maximale Kraftentwicklung bei wiederholten Bewegungen verzögert, entsprechend findet man im EMG ein Inkrement und nicht wie bei der Myastehie ein Dekrement. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung.  Muskeleigenreflexe sind schwach auslösbar. Mundtrockenheit, Verstopfung, Blasenentleerungstörungen und Akkomodationsstörungen sollen vorkommen.  Durch Antikörper gegen Calziumkanäle und damit verminderten Calziumeinstrom ist an der Endplatte weniger Acetylcholin verfügbar, es handelt sich also um eine präsynaptische Störung.  Bei Diagnose eines Lambert-Eaton-Syndrom muss deshalb besonders nach einem Bronchialkarzinom (60% der Fälle, seltener auch bei Non-Hodgin-Lymphomen) gefahndet werden, umgekehrt auch bei Muskelschwäche im Rahmen eines Bronchialkarzinoms an ein Lambert-Eaton-Syndrom gedacht werden. Umgekehrt sollen 1–2% der Patienten mit einem kleinzelligen Bronchialkarzinom betroffen sein, wobei das Syndrom möglicherweise häufig nicht diagnostiziert wird. Das Syndrom kann auch auftreten, bevor (Jahre) der Tumor diagnostiziert werden kann, deshalb müssen Betroffene diesbezüglich nachuntersucht werden.  Männer sollen häufiger als Frauen betroffen sein. Es tritt aber auch im Zusammenhang mit anderen Autoimmunkrankheiten wie dem Diabetes Typ 1 auf. Neben einem typischen EMG-Befund finden sich im Labor bei 85% Antikörper gegen spannungsabhängige Kalzium-Kanäle (Anti-VGCC-AK [anti-voltage-gated calcium channel]) manchmal auch auch Anti-Hu-Antikörper, Acetylcholin-Rezeptor Autoantikörper sind im Gegensatz zur Myasthenie negativ. Die  Anti-VGCC-AK können auch bei anderen paraneoplastischen Erkrankungen oder der ALS positiv sein. Acetylcholinesterasehemmer wirken schlechter als bei der Myasthenie, der Kalium-Ionenkanalblocker 3,4-Diaminopyridin führt zu einer Steigerung der Acetylcholin-Ausschüttung aus den präsynaptischen Nervenendigungen und ist als sehr wirksam beschrieben aber noch nicht in Deutschland zugelassen. Immunsuppression mit Steroiden oder Azathioprin im Notfall wenn 3,4-Diaminopyridin nicht hilft auch Plasmapherese haben in Behandlungszentren ebenfalls einen Stellenwert.  
   (Sieb et al Deutsches Ärzteblatt 97 2000, A3496-ff) Deutsche Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen  Lambert-Eaton-Myasthenisches-Syndrom.- Selbsthilfegruppe T. Meyer-Heim, M. Stäubli Paraneoplasien, Schweiz Med Forum Nr. 48 27. November 2002 1139 Leitlinie Myasthenie der DGN DLD Diagnostika


Landau-Kleffner-Syndrom
Erstbeschreibung durch Landau u. Kleffner 1957 als Syndrom der erworbenen Aphasie mit Anfällen im Kindesalter.  Das Landau-Kleffner--Syndrom (LKS) ist eine seltene cerebrale Funktionsstörung der Kindheit mit folgenden Characteristika: Erworbene Aphasie und auditorische Agnosie nach bislang unauffälliger Entwicklung, paroxysmale bitemporal betonte EEG-Veränderungen (spikes, sharp waves und spike wave Komplexe), epileptische Anfälle, die i.d. Regel mit den üblichen Antikonvulsiva gut behandelbar sind, Verhaltensauffälligkeiten, selbst limitierender Verlauf und fehlende pathologische Hirnveränderungen. Ausschlußdiagnose, differentialdignostische Abgrenzung gegenüber anderen Ursachen einer erworbenen Aphasie im Kindesalter und autistisch-mutistischen Sörungen. Bislang etwa 200 Fälle in der Weltliteratur publiziert. Jungen (63%) häufiger als Mädchen (37%) betroffen. Beginn in der Regel im 3.-5. Lebensjahr mit sensorischer und motorischer Aphasie und auditorischer Agnosie (Unfähigkeit akustische angebotene Sprachsignale zu erkennen und decodieren) . Die Folge ist ein rezeptiver und expressiver Sprachzerfall unter dem Bild einer globalen Aphasie. Die Variabilität der Funktions-störungen und der Verläufe ist erheblich. Es entwickelt sich ein pathologisches Sprach- und Sozialverhalten (Kontaktstörungen, motorische Hyperaktivität (hyperkinetisches Syndrom), Aufmerksamkeitsdefizite, Affektstörungen), nur in sehr seltenen Fällen cognitive Einbußen oder dementielle Entwicklung. Über visuelle Reizangebote sind die Kinder in der Lage Lesen und Schreiben zu lernen. Im EEG werden paroxysmale epilepsiespezifische Potentiale von hoher Variabilität, zumeist temporal und linkshemisphärisch registriert. Die EEG-Diagnose wird durch ausgeprägte Veränderungen im Schlaf-EEG komplettiert, wo häufig generalisierte Slow-spike-wave-Komplexe, die dem ESES-Syndrom (Electrical Status epilepticus during Sleep) entsprechen, registriert werden. Nicht alle Kinder entwickeln Anfälle, etwa 20-30 % bleiben anfallsfrei oder es bleibt bei einem oder einzelnen epileptischen Anfällen. Zwischen dem 4. und 10.Lebensjahr kann die Anfallsfrequenz deutlich zunehmen, der Verlauf ist bis auf wenige Ausnahmen benigne. Nach dem 10.Lebensjahr finden sich nur noch bei ca. 1/5 der Patienten Anfälle, die regelmäßig in der Adolescens sistieren, das EEG normalisiert sich. Nach dem 15. Lebensjahr sind Anfälle aufgrund des LKS unwahrscheinlich, Spitzenpotentiale bei Verlaufsstudien nicht gefunden worden. Therapie: Multidisziplinäre Behandlung (neuropädiatrische, kinderpsychiatrische, klinisch-psychologische und logopädisch-heilpädagogische Aspekte). Medikamentös: Valproat, Clobazam, ACTH oder Prednison (Neubeginn), Sultiam (?). 
Prognose: Aphasisch-agnostische Störungen: ca 30 % mit anhaltend schweren Sprachstörungen, ca 37% mit leichten -mäßigen sprachlichen Dysfunktionen, insgesamt breites Spektrum der Verläufe, bei geringen Fallzahlen keine ausreichenden Statistiken möglich, noch nach vielen Jahren komplette oder partielle Rückbildungen möglich. Insgesamt wird aber davon ausgegangen, dass auch bei konsequenter medikamentöser Therapie ist die Prognose für den Rückerwerb der Sprache schlecht ist. Die erfolgreiche operative Therapie des Landau-Kleffner-Syndroms mit der multiplen subpialen Transektion scheint die Sprachentwicklung zu begünstigen.  Über die psycho-soziale Prognose ist wenig bekannt.
Elliger TJ, Trott G-E, Hoffmeyer O, Nissen G Das Landau-Kleffner-Syndrom. Fortschr. Neurol. Psychiat. 1990 (58): 125-136 Smith MC Landau-Kleffner Syndrome and Continuous Spikes and Waves During Slow Sleep. Chapter 226. In: Engel J, Pedley TA (eds) Epilepsy: A Comprehensive Textbook (1997). Lippincott-Raven Publishers, Philadelphia. Siehe auch Hypothalamic Hamartomas Commentary by William J. Marks, Jr., M.D.


Längsschnittstudie
Eine Kohorte wird zu verschiedenen Zeitpunkten getestet. Es sind individuelle Verläufe erfaßbar. Nachteile: selektive Stichprobenveränderung, Konfundierung von Alter u. Erhebungszeitpunkt, langes Warten.


Lasègue-Test
auch Lasègue´sches Zeichen, dabei wird das gestreckt Bein beim liegenden Patienten angehoben, angegeben wird der Winkel bei dem der Patient Schmerzen empfindet und gegenspannt. Das  Lasègue´sche Zeichen dient als Nervendehungszeichen zur Bestimmung des Ausmaßes oder Schweregrades einer Lumboischialgie. Die Auswertbarkeit ist von der Kooperation des Untersuchten abhängig. Pseudolasègue: Beim Durchführen des Lasègue-Manövers entwickelt sich ab 40 - 50° langsam ein dumpfer Schmerz an der Oberschenkelrückseite.
  Charles Lasègue, 1809–1883 war einer der bekanntesten Psychiater Frankreichs im 19. Jahrhundert, er unterrichtete Literaturwissenschaft und Philosophie am Lycée Louis le Grand in Paris, versuchte in Kritik der damaligen psychologischen Theorien eine objektive Psychologie auf der Basis exakter klinischer Beobachtungen zu entwickeln. Auch in der Medizin versuchte er eine experimentelle wissenschaftliche Methodik durchzusetzen. Er war dann zeitweise Professor für allgemeine Pathologie.  1852 schrieb er ein Abhandlung über den Verfolgungswahn und seine Entwicklung, 1873 über die "hysterische Anorexia, er legte damals schon einen Schwerpunkt auf die psychologischen Symptome und betonte die Wichtigkeit der Einbeziehung der Familie in die Behandlung.


Latenzzeit (6 J. bis Pubertätsbeginn)
Latenzzeit (6 J. bis Pubertätsbeginn) = Unterbrechung der psychosexuellen Entwicklung, beide Geschlechter hören mit der Selbstbefriedigung auf, das erotische Interesse am eigenen Körper erlischt, Spiel mit Gleichaltrigen und Leistungsmotivation stehen im Vordergrund.


Latenzzeit bei Leistungstests
Der zunehmende Einsatz von Computern, auch in der Intelligenzdiagnostik, ermöglicht neben der Erfassung der Lösungsgüte u.a. auch die Erfassung der Latenzzeit (als die Dauer von der Darbietung des einzelnen Items bis zur Antwort des Testanden). Somit stellt sich die Frage nach deren diagnostischer Relevanz, zumal aufgrund der Testleistung das Latenzzeitverhalten nicht erschöpfend vorhergesagt werden kann. Aktuellere Analysen von Latenzzeiten bei der Bearbeitung von Reasoningitems ergaben, daß zum einen Falsch-Antworten später gegeben werden als Richtig-Antworten und zum anderen, daß leistungsstärkere Testanden insgesamt längere Latenzzeiten produzieren (genereller Effekt). Darüber hinaus unterscheidet sich das Latenzzeit-Verhältnis von Falsch- zu Richtig-Antworten i.S. eines differentiellen Effektes systematisch in Abhängigkeit von der Leistungsfähigkeit der Testanden. Leistungsschwächere scheinen vornehmlich ihre Falsch-Antworten (vor allem bei höher komplexen Items) schneller zu geben, als Leistungsstarke. Für die Richtig-Antworten lassen sich jedoch keine derartigen Unterschiede feststellen. An einer Stichprobe von N = 115 Schülerinnen und Schülern 9. Klassen ist der Frage nachgegangen worden, inwieweit sich das Latenzzeitverhalten bei der Bearbeitung von Figurenfolgen unter Lerntestbedingungen (Feedback, Hilfen und adaptive Itemsequenz) vom Latenzzeitverhalten unter Statustestbedingungen (traditionelle Intelligenztests) unterscheidet und inwieweit sich das Latenzzeitverhalten mit außerintellektuellen Merkmalen erklären läßt. Die Ergebnisse zeigen, daß das zumindest partiell schnellere Antworten der leistungsschwachen Testanden nicht als Ausdruck des kognitiven Stils Impulsivität/Reflexivität (AHA, Kubinger & Ebenhöh, 1996), der Prüfungsängstlichkeit (AFS, Wierczerkowski et al., 1974), der Selbstwirksamkeitserwartung (sensu Schwarzer, 1994) oder der Frustrationstoleranz (AHA) interpretiert werden kann. Somit wird die Erwartung aufrecht erhalten, daß mit Latenzzeiten in Reasoningtests potentiell ein weiterer Indikator für kognitive Prozeßbesonderheiten zur Verfügung steht.
AFS, Wierczerkowski et al., 1974; AHA, Kubinger & Ebenhöh, 1996; sensu Schwarzer, 1994


Lateralisation
Entwicklung der Differenzierung der Funktionen der beiden Gehirnhemisphären (-hälften).  Die laterale Funktionsgliederung beginnt ab dem 20. Lebensmonat. Hier wird strukturiert, welche Teile des Gehirns welche Aufgaben übernehmen.  Die Lateralisation ist erst mit der Pubertät abgeschlossen.  In der Kindheit kann die rechte Hemisphäre bei aphasischer Schädigung, daß heißt bei Erkrankung des Sprechzentrum im Gehirn, der linken Hemisphäre die Sprachfunktion nahezu vollständig übernehmen. 


Lateralsklerose amyotrophische
Siehe hier!


Lateralsklerose primäre (chronisch progressive spinobulbäre Spastik)
Ursache unbekannt, Verserbung spielt möglicherweise eine Rolle. Erkrankungsbeginn meist um das 50. Lebensjahr; Beginn mit Spastik im Bein, Feinmotorikstörung der Hand, initial oft asymmetrisch. Im weiteren Verlauf spastische Paraparese, Dysarthrie Dysphagie.  Störungen der Augenfolgebewegungen und der Mimik. 'Später massive Dysarthrie und Dysphagie, Imperatives Lachen und Weinen als Zeichen geminderter frontaler Funktion. Verläufe bis zu 25 Jahren wurden dokumentiert, bevor die Betroffenen an interkurrenten Erkrankungen (Pneumonie) oder Altersleiden (Infarkt) versterben. Im Kernspin des Kopfes Marklageratrophie im motorischen und prämotorischen Kortex bei eventueller Hervorhebung der Pyramidenbahnen durch Signalanhebung. Die endgültige Diagnose kann erst der Pathologe stellen: einfache Degeneration der kortikobulbären und lateralen kortikospinalen Trakte; Abblassungen der absteigenden Fasern im Brückenfuß, im Fasciculus gracilis, cuneatus und im vestibulospinalen Trakt im Markscheidenpräparat; Verlust großer Pyramidenzellen der Rindenschichten V und VI präzentral mit reaktiver Astrogliose; fallweise auch Nervenzellverlust und Astrogliose in Thalamus und Putamen.


Lebensqualität
In der Medizin ist man zunehmend bemüht, die Auswirkungen von Erkrankungen auf die Lebensqualität oder den allgemein Alltag von Betroffenen zu untersuchen und in der Behandlung zu berücksichtigen. Lebensqualität als Zielkriterium für den Effektivitätsnachweis klinischer Interventionen ist ein mit den Methoden der Sozialpsychologie quantifizierbares, reproduzierbares Ergebnismaß. Lebensqualität wird in Studien meist im Fragebogentest in Scores gemessen. Am häufigsten wird das SF-36 Health Survey eingesetzt, das als Standardinstrument zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gilt. Der Fragebogen beinhaltet 36 Items, die wiederum acht Dimensionen der subjektiven Gesundheit zugeordnet werden können: Körperliche Funktionsfähigkeit, Körperliche Rollenfunktion, Körperliche Schmerzen, Allgemeine Gesundheitswahrnehmung, Vitalität, Soziale Funktionsfähigkeit, Emotionale Rollenfunktion und Psychisches Wohlbefinden. Lebensqualitätsscores sind in hohem Maß von der Stimmung des Betroffenen abhängig, andere Dimensionen kommen dabei möglicherweise zu kurz. An der Entwicklung von Scores, bei denen die Stimmung weniger eingeht, wird gearbeitet. Reliabilität, Validität und Sensitivität der verschiedenen Scores mag reproduzierbar hoch sein, ob sie aber wirklich messen was das Wort vorgibt ist nicht immer gesichert. Lebenszufriedenheit hängt langfristig meist nur wenig von der Schwere einer Erkrankung ab. Beispielweise unterschied sich die Lebenszufriedenheit von 135 Patienten 3,5 Jahre nach einer schwersten Hirnschädigungen bei Befragung mit Ausnahme der gesundheitsbezogenen Lebenszufriedenheit nicht von der bundesdeutschen Durchschnittsbevölkerung. Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Patienten trotz bestehender Defizite ihre Lebenssituation weitgehend positiv bewerten. Die Messung der Lebensqualität im Rahmen einer speziellen Erkrankung oder psychischen Störung ist sinnvoll, die Verbesserung der Messinstrumente und die Subjektivität der Ergebnisse muss aber jeweils diskutiert werden.
NEUROLOGY 2006;67:1–1, Sven Benson et al., Lebenszufriedenheit von Menschen nach schwersten Hirnschädigungen Eine explorative Follow-up Studie, Zeitschrift für Neuropsychologie, 17 (1), 2006, 15–23


Leberschädigung durch Medikamente
(bis hin zu tödlichem Ausgang möglich bei (Auswahl))
A
uch frei verkäufliche Medikamente können schwere Leberschäden auslösen. Besonders auch bei Schmerzmitteln sollte bei entsprechenden Symptomen daran gedacht werden. Die Symptome sind vielfältig, deshalb sollten lieber zu oft die Laborwerte kontrolliert werden. Möglich sind  Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Schmerzen im rechten Oberbauch, Arthralgien, Myalgien, Pruritus, Exanthem, Stuhlentfärbung sowie Urin-Dunkelfärbung. Das auffälligste Symptom ist jedoch häufig ein Gelbwerden der Augen oder gar der Haut- was zu dringlicher Diagnostik Anlass sein sollte. Da die von den Patienten angegebenen Beschwerden zahlreich sind, wird an die Diagnose einer arzneimittelbedingten Lebererkrankung oft sehr spät gedacht. Die Diagnose wird meist auch dadurch erschwert, dass von multimorbiden Patienten oft mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. Hilfreich für die Diagnose ist eine Besserung oder ein vollständiger Rückgang der angegebenen Symptomatik nach Absetzen der angeschuldigten Medikation. Auch neu zugelassene Arzneimittel können die Ursache einer fakultativen Leberschädigung sein. Leichte Leberwerterhöhungen unter der Einnahme von Medikamenten sind kontrollbedürftig und rechtfertigen nicht immer ein Absetzen der Medikamente. Medikamente können aber auch für schwere Leberschäden verantwortlich sein. Wie lange es ab Beginn der Einnahme eines Medikamentes dauern kann, bis eine Leberschädigung auftritt, ist je nach Medikament sehr unterschiedlich. Andere Lebererkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Es müssen immer auch alle pflanzlichen Präparate, die gleichzeitig eingenommen werden bekannt sein, auch diese können alleine oder in Kombination ursächlich sein. Hinweisend ist, wenn durch Absetzen eine Besserung der Leberwerte eintritt. Das Leberversagen kann in den ersten Tagen oder Wochen zunehmen, ab einen bestimmten Punkt können auch fallende Leberwerte eine Verschlechterung der Leberfunktion ankündigen. Immunologisch bedingte Leberschäden durch ein Medikament können bei erneuter Verabreichung auch sehr schnell zu einer Verschlechterung führen, in anderen Fällen kann sich eine Toleranz herausgebildet haben, die dazu führt, dass das Medikament bei der 2. Verabreichung gut vertragen wird. Schwindel, Appetitmangel, allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Beschwerden im rechten Oberbauch können hinweisend auf eine Leberschädigung sein.  Juckreiz und Gelbsucht sind bereits deutlichere Hinweise, bei Gelbwerden der Augen oder der Haut ist sofortige gastroenterologische Diagnostik angesagt. Im Zweifel sollte selbstverständlich sofort und wenn möglich in Absprache mit dem Arzt das Medikament abgesetzt werden. Paracetamol in Überdosis ist der wichtigste Verursacher von schweren akuten Leberschäden. Bei allen neuen Medikamenten muss berücksichtigt werden, dass die Häufigkeit von Leberschäden oft erst lange nach der Zulassung der Medikamente bekannt wird. Alkohol kann die Schäden durch die Medikamente verschlimmern oder mit auslösen. Die Wahrscheinlichkeit eines Leberschadens, durch ein Medikament hängt auch von genetischen Veranlagungen und dem Ernährungszustand ab. Man nimmt an, dass schwerere Leberschäden mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10 000 bis 1:100 000 bei den meisten Medikamenten auftritt, bei denen solche Schäden bekannt sind, in Einzelfällen aber auch deutlich häufiger, die Zahlen erklären, warum diese Nebenwirkung bei Zulassung meist nicht bekannt ist. Nach einer guten französischen Statistik waren es 14 pro 100 000 Einwohner pro Jahr, von denen 12% ins Krankenhaus aufgenommen werden mussten und von diesen wiederum 6% am Leberschaden starben.  Es folgt eine Liste der Medikamente bei denen solche Leberschäden bekannt sind, auch um deutlich zu machen, dass jeweils alle Medikamente, die eingenommen werden, dem Arzt benannt werden müssen.   Hepatozelluläre Schädigungen mit erhöhter GPT können durch Acarbose (Diabetesmedikament), Acetaminophen (Paracetamol), Allopurinol (Gichtmedikament), Amiodaron (gegen Herzrhythmusstörungen), Baclofen (gegen Spastik), Buproprion (zur Raucherentwöhnung), Fluoxetin Paroxetin, Sertralin, Trazodon (Antidepressiva), Kavakava (pflanzliches Beruhigungsmittel), Isoniazid Rifampin(INH Tuberkulosemittel), Tetracycline (Antibiotika),Ketoconazol (Pilzmittel), Lisinopril, Losartan (Bluthochdruckmittel), Methotrexat (Immuntherapeutikum), Omeprazol (Magensäurehemmer), Risperidon (Neuroleptikum), Statine (Cholesterinsenker), Valproinsäure (Antiepileptikum) auftreten. Gallenstau- Cholestatische Leberschäden mit erhöhter alkalischer Phosphatase und erhöhtem Bilirubin können nach Amoxicillin–Clavulansäure, Erythromycin (Antibiotikum), anabolen Steroiden (Missbrauch bei Bodybuildern), Chlorpromazin, Phenothiazine (Neuroleptika), Clopidogrel (Blutverdünner), Mirtazapin, Trizyklika (Antidepressiva),  Hormonpräparaten wie der Pille, Terbinafin (Antimykotikum) auftreten. Gemischte Hepatozelluläre Schädigungen mit Cholestatischen Leberschäden bei Amitriptylin, Trazodon (Antidepressiva), Azathioprin (Immuntherapeutikum), Captopril, Enalapril,  (Bluthochdruckmittel), Carbamazepin Phenobarbital, Phenytoin (Antiepileptika), Clindamycin, Nitrofurantoin, Sulfonamide, Trimethoprim–Sulfamethoxazol (Antibiotika), Cyproheptadin (Antihistaminikum), Flutamid (Mittel bei Prostatakrebs),  Verapamil ( Mittel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Clusterkopfschmerz) auftreten.  Leberschäden sind auch bekannt durch Amphotericin B, Aurothiopropanol/-malat, Benoxaprofen, Carbromal, Carbimazol, Clozapin, Cyproteron, Dacarbazin, Dactinomycin, Dantrolen, Desipramin, Dihydralazin, Disulfiram, Enfluran, Erythromycin, Flutamid, Halothan, Imipramin, Iproclozid, Indometacin, Iproniazid, Isocarboxazid, Isoniazid, Mercaptopurin, Alpha-Methyldopa, Minocyclin, Natriumperchlorat, Nimesulid, Nortriptylin, Ofloxacin,  Phenylbutazon, Phenytoin, Probenecid, Propylthiouracil, Pyrazinamid, Pyrimethamin, Sulfasalazin,  Tiabendazol, Tolbutamid, Troglitazon, Absetzen der Medikamente führt meist zu einer raschen Besserung der klinischen Symptomatik und der erhöhten Leberwerte, sofern das Bild einer fakultativen toxischen Hepatitis vorliegt. Langwieriger ist der Verlauf  bei den arzneimittelbedingten Lebererkrankungen mit Gallenstauung. Problematisch ist das Auftreten eines akuten Leberversagens, außerdem die Entwicklung von chronischen Lebererkrankungen und Lebertumoren. Die Prognose ist dann abhängig von der jeweiligen Art der Lebererkrankung. Eine schlechte Prognose haben Patienten, die das angeschuldigte Arzneimittel auch noch nach Auftreten der klinischen Symptomatik einer arzneimittelbedingen Lebererkrankung weiter einnehmen.
R. Teschke in Dt Ärztebl 2001; 98: A2584–2589[Heft 40] Victor J. Navarro, M.D., and John R. Senior, M.D. Drug-Related Hepatotoxicity N Engl J Med 2006;354:731-9.


Leber`sche hereditäre Optikus-Neuropathie (LHON)
Mütterliche Vererbung Beginn im frühen Erwachsenenalter mit einer progressiven, schmerzlosen und initial die zentralen Gesichtsfelder betreffenden Visusminderung. Nach initial unilateraler Symptomatik manifestiert sich meist innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten auch eine entsprechende  Visus- und Farbsehstörung auf dem anderen Auge. In der Mehrzahl der Fälle resultiert die Erkrankung in einer permanenten und ausgeprägten Visusminderung; in einigen Fällen (4-40%) kommt es im späteren Krankheitsverlauf zu einer spontanen Besserung der Sehleistung. Selten finden sich bei Patienten mit LHON weitere neurologische Auffälligkeiten, insbesondere Bewegungsstörungen (z.B.  Tremor, Dystonie). Überleitungsstörungen, selten mit anderen neurologischen Symptomen wie Spastik (bei Müttern selten MS-ähnliche Bilder). Bei den teilweise MS- artigen Krankheitsbildern kommen entzündliche MS- ähnliche Verläufe und Krankheitsbilder mit subakuter metabolischer Axonopathie mit einem Leigh-ähnlichen Syndrom vor. Männer sind von der Erkrankung häufiger betroffen als Frauen. Neben Erkrankungsfällen mit maternalem Erbmodus finden sich häufig auch sporadische Erkrankungsfälle. Drei Punktmutationen der mitochondrialen DNA, die alle in Komplex I Genen liegen und die Mitochondriale Atmungskette betreffen, verursachen 90 % aller LHON Erkrankungen (mtDNA, m.11778G-> A, m.3460G->A, oder m.14484T

In einer großen Multicenterstudie mit 196 Erkrankten und 206 bisher nicht erkrankten Genträgern wurde per Fragebogen die Vorgeschichte hinsichtlich Rauchen, Alkoholkonsum und anderen möglichen schädlichen Umwelteinflüssen erhoben. Rauchen erwies sich dabei als sehr starker Auslöser der Erkrankung bei entsprechender Veranlagung. 93% der Männer, die rauchten und die Veranlagung hatten waren symptomatisch. Alkohol wirkte sich hingegen nur in höheren Dosen schädlich aus.

Assymptomatische Genträger sollten daher auf keinen Fall rauchen und ihren Alkholkonsum mäßigen um eine Erkrankung zu verhindern.  Brain 2009 132(9):2317-2326; doi:10.1093/brain/awp158

Leitlinie DGN zu Mitochondrialen Erkrankungen  Swantje Beyer, Peter Krebsa, Roland Spiegel, Walter Waespe; Parieto-temporaler Insult? Schweiz Med Forum 2004;4:85–88, E. Jaros, D.J. Mahad, G. Hudson, et al.,PRIMARY SPINAL CORD NEURODEGENERATION IN LEBER HEREDITARY OPTIC NEUROPATHY Neurology 69 214-215 July 10, 2007


Lee Silverman Stimm Therapie
3/4 der Parkinsonpatienten haben ein Problem mit ihrer Stimme, sie sprechen leise, wenig moduliert. Nicht selten führt dies zu einer erheblichen Beeinträchtigung in der Teilnahme am sozialen Leben. Übung kann bei Parkinsonpatienten die Hypophonie (leise wenig modulierte Stimme) erheblich verbessern, die Veränderungen der Stimme zeigen sich dann auch als Normalisierung der entsprechenden Aktivierungen im Gehirn.

Lee Silverman Stimm Therapie bei Parkinsonpatienten

  1. Allgemeine Verminderung der neuronalen Steuerung für die an der Stimmbildung beteiligten Muskeln, führt zu einer weichen monotonen Stimme, letztlich über eine Bradykinese.
  2. Eine verminderte sensorische Wahrnehmung der eigenen Sprechenergie die für die Stimmbildung eingesetzt wird, führt zu verminderten eigenen Wahrnehmung des Gesprochenen. - "Ich spreche nicht zu leise, meine Frau braucht ein Hörgerät"
  3. Schwierigkeiten die notwendige und angemessene Energie für eine adäquate Vokalisation bereit zu stellen. "ich kann nicht so laut sprechen, ich habe den Eindruck, dass ich schon schreie"
     

Die 5 wichtigen Bausteine der Lee Silverman Stimm Therapie:

  1. Die Amplitude des Stimmoutput vergrößern (Seien Sie laut).
  2. Verbesserung der sensorische Wahrnehmung der eigenen Sprechens (Denken Sie laut)
  3. Hoher Energieeinsatz,  (Nacheichung, des eigenen Sprechaktes).
  4. Wiederholen sie die Übungen häufig (4x wöchentlich, für 16 Sitzungen in einem Monat)
  5. Messen Sie ihre Lautstärke (Schallmessgerät - Phonometer).
  1. Ramig LO, Sapir S, Countryman S, et al. Intensive voice treatment (LSVT) for patients with Parkinson’s disease: a 2 year follow-up. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2001;71:493– 498
  2. Edwin Maas Principles of Motor Learning in Treatment of Motor Speech Disorders American Journal of Speech-Language Pathology Vol.17 277-298 August 2008. doi:10.1044/1058-0360(2008/025)
  3. Liotti, M., Ramig, L. O., Vogel, D., New, P., Cook, C. I., Ingham, R. J., et al. (2003). Hypophonia in Parkinson's disease: Neural correlates of voice treatment revealed by PET. Neurology, 60, 432–440
  4. Spielman, L. O. Ramig, L. Mahler, A. Halpern, and W. J. Gavin Effects of an Extended Version of the Lee Silverman Voice Treatment on Voice and Speech in Parkinson's Disease Am J Speech Lang Pathol, May 1, 2007; 16(2): 95 - 107. [Abstract]
  5. S. Pinto, S. Thobois, N. Costes, D. Le Bars, A.-L. Benabid, E. Broussolle, P. Pollak, and M. Gentil Subthalamic nucleus stimulation and dysarthria in Parkinson's disease: a PET study Brain, March 1, 2004; 127(3): 602 - 615. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  6. S. Sapir, J. L. Spielman, L. O. Ramig, B. H. Story, C. Fox Effects of Intensive Voice Treatment (the Lee Silverman Voice Treatment [LSVT]) on Vowel Articulation in Dysarthric Individuals With Idiopathic Parkinson Disease: Acoustic and Perceptual Findings JSLHR 2007;50:899-912
  7. A. T. Neel Effects of Loud and Amplified Speech on Sentence and Word Intelligibility in Parkinson Disease J Speech Lang Hear Res, August 1, 2009; 52(4): 1021 - 1033.  [Abstract]
  8. M. Liotti, L. Ramig, B. J. M. de Swart, S. C. Willemse, M. W. I. M. Horstink, and B. A. M. Maassen
    Improvement of voicing in patients with Parkinson's disease by speech therapy Neurology, November 11, 2003; 61(9): 1316 - 1317. [Full Text] [PDF]
     


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Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. 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