Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

MALT (Münchner-Alkoholismus-Test)
Formularbestellung: 1978 BeltzTest Gesellschaft mbH, Weinheim. - Best.-Nr. 94382

Der Fremdbeurteilungsteil ist vom Arzt anhand seiner Untersuchungsergebnisse und Anamneseerhebung auszufüllen. Der Selbstbeurteilungsteil ist entsprechend der dort gegebenen Anleitung vom Patienten selbständig auszufüllen. Bei der Testauswertung ist darauf zu achten, dass alle Aussagen des Selbstbeurteilungsteiles vom Patienten entweder als zutreffend oder als nicht zutreffend angekreuzt worden sind.
Testauswertung:
Zur Testwertbestimmung wird aus beiden Testteilen (MALT-F und MALT-S) ein gemeinsamer Summenwert gebildet. Dabei erhalten die vom Arzt als zutreffend bezeichneten Punkte des MALT-F eine vierfache, die vom Patienten als zutreffend angekreuzten Aussagen des MALT-S eine einfache Gewichtung.
Summenwertberechnung für den Gesamttest:
Summenwert der Fremdbeurteilung (MALT-F): n x 4=
Summenwert der Selbstbeurteilung (MALT-S): =
Gesamt-Testwert: El
Diagnosestellung:
Testwert von 6 bis 10 Punkten: Verdacht auf Alkoholismus
Testwert von 11 und mehr Punkten: Alkoholismus
 
Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse
MALT-S
 
Name:
Vorname: Geb.-Dat.:
Nachfolgend finden Sie eine Reihe von Aussagen über Beschwerden und Probleme, die in Zusammenhang mit Alkoholtrinken auftreten können. Bitte machen Sie für jede dieser einzelnen Feststellungen entweder in der Spalte ,,trifft zu" oder ,,trifft nicht zu" ein Kreuz. Vielleicht werden Sie manchmal den Eindruck haben, dass eine Feststellung nicht richtig passt. Kreuzen Sie aber trotzdem immer eine der beiden Antworten an und zwar die, welche am ehesten auf Sie zutrifft.
1. In der letzten Zeit leide ich häufiger an Zittern der Hände
2. Ich hatte zeitweilig, besonders morgens, ein Würgegefühl oder Brechreiz
3. Ich habe schon einmal versucht, Zittern oder morgendlichen Brechreiz mit A l k o h o l  zu  kurieren
4. Zur Zeit fühle ich mich verbittert wegen meiner Probleme und Schwierigkeiten
5. Es kommt nicht selten vor, dass ich vor dem Mittagessen bzw. zweiten Frühstück Alkohol trinke
6. Nach den ersten Gläsern Alkohol habe ich ein unwiderstehliches Verlangen , weiter zu  trinken.
7. Ich denke häufig an Alkohol
2 1.7 Die fortgeschrittene Alkoholkrankheit
8. Ich habe manchmal auch dann Alkohol getrunken, wenn es mir vom Arzt verboten wurde
9. In Zeiten erhöhten Alkoholkonsums habe ich weniger gegessen.
10. An der Arbeitsstelle hat man mir schon einmal Vorhaltungen wegen meines Alkoholtrinkens gemacht
11. Ich trinke Alkohol lieber, wenn ich allein bin
12. Seitdem ich mehr Alkohol trinke, bin ich weniger tüchtig
13. Ich habe nach dem Trinken von Alkohol schon öfters Gewissensbisse (Schuldgefühle) gehabt.
14. Ich habe ein Trinksystem versucht (z. B. nicht vor bestimmten Zeiten zu trinken).
15. Ich glaube, ich sollte mein Trinken einschränken
18. Ohne Alkohol hätte ich nicht so viele Probleme
17. Wenn ich aufgeregt bin, trinke ich Alkohol, um mich zu beruhigen.
18. Ich glaube, der Alkohol zerstört mein Leben
19. Einmal möchte ich aufhören mit dem Trinken, dann wieder nicht
20. Andere Leute können nicht verstehen, warum ich trinke
21. Wenn ich nicht trinken würde, käme ich mit meinem Partner besser zurecht
22. Ich habe schon versucht, zeitweilig ohne Alkohol zu leben
23. Wenn ich nicht trinken würde, wäre ich mit mir zufrieden
24. Man hat mich schon wiederholt auf meine ,,Alkoholfahne" angesprochen
Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse
 
MALT-F
Name:
D a t u m :
Vorname: Geb.-Dat.:
1. Lebererkrankung
(Mindest. ein klin. Symptom: z. B. vermehrte Konsistenz, Vergrößerung, zu Druckdolenz o. a. und mindest. ein pathologischer Laborwert: z. 8. GOT, GPT oder Gamma -GT sind notwendig .)
2. Polyneuropathie
(Trifft nur zu, wenn keine anderen Ursachen bekannt sind, z. B. Diabetes
mellitus oder eindeutige chron. Vergiftungen.)
3. Delirium tremens (jetzt oder in der Vorgeschichte)
4. Alkoholkonsum von mehr als 150 ml (bei Frauen 120 ml) reinem Alkohol pro T a g  mindestens über einige Monate
5. Alkoholkonsum von mehr als 300 ml (bei Frauen 240 ml) reinem Alkohol ein- oder mehrmals im Monat
6. Foetor alcoholicus (z. Zt. der ärztlichen Untersuchung)
7. Familienangehörige oder engere Bezugspersonen haben schon einmal Rat gesucht wegen Alkoholproblemen des Patienten. (z. B. beim Arzt, der Familienfürsorge oder anderen entsprechenden Einrichtungen.)
Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse




Kindesmissbrauch
Sexueller Missbrauch Definition: Sexuelle Handlungen mit Körperkontakt (insbesondere Brust- und Genitalbereich; sog. hands-on-Taten) sowie das Vorzeigen von pornographischem Material bzw. das Herstellen von pornographischen Fotos, Filmen etc. und der Exhibitionismus (hands-off-Taten) durch eine wesentlich ältere jugendliche oder erwachsene Person. Besonders zu berücksichtigen sind Handlungen unter Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen. Ausgenommen sind gleichrangige Liebesbeziehungen unter Jugendlichen und Heranwachsenden. Für jede Art von Vernachlässigung und Missbrauch gilt: Taten durch Bezugspersonen zeitigen in der Regel schwerere psychische Folgen als solche durch Fremdtäter, selbst wenn ausgeprägte Gewalt ausgeübt wurde. Die größte Gefahr für Gewalt und Misshandlung bei Kindern geht von ihren Eltern und direkten Bezugspersonen aus, nur vergleichsweise selten sind Fremde die Täter.

Sexueller Missbrauch gehört zu den schrecklichsten Verbrechen überhaupt. Schätzungsweise 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen unter 18 Jahren werden nach Unicef sexuell missbraucht oder zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Zwischen 133 und 275 Millionen Kinder und Jugendliche sind weltweit jedes Jahr in ihren Familien Zeugen von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die WHO hat Kindesmissbrauch inzwischen zu einem wichtigen Gesundheitsproblem weltweit erklärt. Die Folgen für das weitere Leben der Kinder sind oft katastrophal. Nach einer neuen Untersuchung werden 11% der Opfer sexuellen Missbrauchs später zu Tätern. Frühere Untersucher hatten teilweise wesentlich höhere Zahlen vermutet. Ein Phänomen das nicht überrascht. Auch für allgemeine körperliche Misshandlungen ist bekannt, wer als Kind geschlagen wird, hat ein höheres Risiko später seine Kinder zu misshandeln. Der Schrecken wird so von Generation zu Generation weitergegeben. In der Studie hatten 26 von 224 früheren Opfern im Verlauf von 7-19 Jahren selbst Kinder missbraucht, meist nicht innerhalb der eigenen Familie. Als Risikofaktoren wurde massive Verwahrlosung in der Kindheit, Mangel an Aufsicht, und Missbrauch durch eine Frau identifiziert. Die Opfer, die später zu Tätern wurden, waren auch in einem höheren Prozentsatz Zeuge massiver Gewalt in der Familie geworden, waren häufiger von ihren Eltern emotional abgewiesen worden, manche von ihnen hatten auch als Kinder schon Tiere gequält. Gewalt in der Familie gilt allgemein als ein wesentlicher Faktor für spätere Gewalttätigkeit und auch sexuellen Missbrauch. Auch ohne Missbrauch schadet eine Sexualisierung dem Selbstbild junger Frauen zu. Wenn Medien und Werbung eine Wertvorstellung implizieren, bei der sexuelle Attraktivität von jungen Frauen vor deren anderen Eigenschaften rangiert, führt dies zu einem negativen Einfluss auf die intellektuelle Entwicklung, körperliche und seelische Gesundheit und die gesunde sexuelle Entwicklung. Diese Sexualisierung unterminiert das Selbstbewusstsein und das Wohlgefühl im eigenen Körper, führt zu Selbstwertproblemen, Scham und Angst. So werden Essstörungen, Ängste und Depressionen besonders bei den heranwachsenden jungen Frauen gefördert. Stellungnahme der American Psychological Association zur Sexualisierung von Mädchen und jungen Frauen

Es gibt deutliche Unterschiede in den bleibenden Folgen für Opfer sexueller Straftaten je nach Art und Ablauf des Übergriffs. Dass sexueller Missbrauch von Kindern das Risiko psychischer Störungen massiv erhöht, ist unzweifelhaft. Eine große prospektive Untersuchung, die 1612 Kinder davon 1327 Mädchen mit nachgewiesenem sexuellem Missbrauch (ein hoher Prozentsatz mit nachgewiesener Penetration) als junge Erwachsene nachuntersuchte fand eindeutige Hinweise auf psychische Störungen als Folge des Missbrauchs bei den jungen Erwachsenen. 12.4% der sexuell missbrauchten Kinder waren als junge Erwachsene in psychiatrischer Betreuung im Vergleich zu nur 3.6% der Kontrollpersonen, bei den männlichen Opfern waren die Folgen in dieser Studie sogar gravierender hier waren 22.8% als junge Erwachsene in psychiatrischer Betreuung im Vergleich zu nur 10.2% der Kontrollpersonen. Verhaltensstörungen und Persönlichkeitsstörungen waren die häufigsten Folgen. Angst, Depression und posttraumatische Belastungsstörungen sind ebenfalls häufige Folgen. The British Journal of Psychiatry (2004) 184: 416-421 In einer Metaanalyse zeigten Menschen die insbesondere mehrfach mit Penetration sexuell missbraucht worden waren, eine deutlich erhöhte Häufigkeit von Kopfschmerzen, gastrointestinale und gynäkologischen Beschwerden und Angstsymptomen. Psychosomatic Medicine 67:906–915 (2005)

Nach Mullen 1997 ,soll bei nichtgewaltsamen sexuellen Übergriffen die große Mehrheit der Kinder keine Dauerschäden erleiden. Therapeutische Hilfen benötigen eher Kinder mit starken sexuellen Gewalterlebnissen, die ein hohes Maß an Angst und Ohnmacht haben. Aber auch hier ist genau abzuwägen, wie viel Hilfe zur Selbsthilfe das Kind benötigt und wünscht. Spezielle schützende Lebensfaktoren ließen sich in dieser Studie nicht finden. Interessant in der Forschung ist weiterhin, warum bestimmte Kinder (bis zu 44%) nach sexuellem Missbrauch keine gesundheitlichen oder psychischen Probleme entwickeln. Neben der Wiederholung des selbst erlittenen an den eigenen Kindern oder ausgelieferten Schutzbefohlenen scheint auch Erblichkeit eine Rolle zu spielen. In einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich die Erbanlagen von solchen Jugendlichen, die später selbst Täter werden von denen unterscheiden, die diesen Weg nicht wählten. Ein Gen, dass ein Enzym verschlüsselt, das den Neurotransmitter Monoaminooxidase A (MAOA) kodiert scheint dabei eine Schlüsselrolle zu spielen. Die Monoaminooxidase spielt eine Rolle im Abbau der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Wie erfolgreich Behandlungsprogramme dahingehend sind, zu verhindern, dass aus Opfern Täter werden ist weiter umstritten. Vorbeugender Opferschutz, Kinder zu mehr Selbstbewusstsein zu erziehen und ihnen beizubringen gefährliche und gefährdende Situationen zu erkennen, scheint bisher in der Verhütung effektiver zu sein. Krug EG, Dahlberg LL, Mercy JA, Zwi AB, Lozano R, eds. World report on violence and health. Geneva: WHO, 2002: http://www5. who.int/violence_injury_prevention, Caspi A, McClay J, Moffitt TE, et al. Role of genotype in the cycle of violence in maltreated children. Science 2002; 297: 851-54. [PubMed], David Skuse et al, Development of sexually abusive behaviour in sexually victimised males: a longitudinal study Lancet 2003; 361: 471-76 [Full Text] [PDF

Risikofaktoren für Kindesmisshandlung
Fürsorgepersonen, Eltern Vorgeschichte mit Kriminalität oder Dissozialer Persönlichkeit, unrealistische Erwartungen an das Kind, falsche Vorstellungen über Kindererziehung oder allgemein von der Kindesentwicklung, Substanzmissbrauch,
Kind Verhaltensstörungen, schwächliches krankes Kind, nicht biologischer Abkömmling der Eltern, Frühreife, spezielle Bedürftigkeiten
Familie und Umwelt hohe Arbeitslosigkeit in der Wohngegend, Gewalt in der Partnerschaft der Eltern, Armut, soziale Isolation, mangelnde soziale Unterstützung

Körperliche Kindesmisshandlung ist nach den Leitlinien definiert als direkte Gewalteinwirkung auf das Kind durch Schlagen, Verbrennen, Verätzen, Schütteln, aber auch die Schädigung durch Intoxikation eines Kindes. Jugendämter geben bei Gericht nach einer Untersuchung (Münder, J., Mutke, B., Schone, R. 2000) wenn es um das Sorgerecht geht als zentrales Gefährdungsmerkmal seelische Misshandlung in 12,6%, körperliche Misshandlung in 6,6 %, sexuellen Missbrauch in 7,9%, Eltern-Konflikte in 4,1% an. Den Verdacht auf schwere körperliche Kindesmisshandlung wecken oft die Verteilung der Läsionen, bzw. ein typisches Muster, wie erkennbare Bisse oder Prellungen mit eindeutigem Muster einer Erwachsenenhand, bei Verbrennungen klar abgrenzbare Ränder und mehrere Verbrennungen mit der selben Tiefe, Handschuh oder Sockenförmige Verteilung von Verbrühungen, allgemein Verletzungen in verschiedenen Heilungsstadien, multiple ältere Knochenbrüche, der Bericht über einen unwahrscheinlichen Unfallmechanismus, der nicht zur Verletzung oder deren Ausmaß passt. Gedacht werden muss auch an das Münchhausen by proxi Syndrom. Bei Verdacht auf Verbrennungen, Verbrühungen oder Folgen von Schlägen bei Kindern müssen Hautkrankheiten, Gerinnungsstörungen, bestimmte genetische Ursachen wie Ehlers-Danlos Syndrom, Purpura Schönlein-Henoch, Mongolen Flecken, Unfälle, bestimmte kulturelle Praktiken, eine Dermatitis, Hautinfekte, ein Stevens-Johnson Syndrom als Ursache von Hautveränderungen ausgeschlossen werden. Bei Knochenbrüchen muss auch erwogen werden, dass tatsächliche Unfälle ursächlich sein können, daneben können alte Knochenbrüche von Geburtstraumen herrühren. Eine angeborene Syphilis kann Knochenbrüche begünstigen, Daneben kommen Leukämien, Osteogenesis imperfecta, Osteomyelitis, Vitamin D- Mangel mit Rachitis, etc. in Betracht.

Am schwierigsten nachzuweisen ist ein emotionaler Missbrauch von Kindern. Emotionale Vernachlässigung (Deprivation) ist nach den Leitlinien definiert als ein nicht hinreichendes oder ständig wechselndes und dadurch nicht ausreichendes emotionales Beziehungsangebot. Emotionaler Missbrauch selbst ist nicht exakt definiert. Verhaltensauffälligkeiten der Kinder oder beobachtete Auffälligkeiten im Verhalten der Eltern zu den Kindern können Hinweise sein. Bei sozialem Rückzug, Aggressivität der Kinder, Essstörungen, Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen, Ängsten und Depressionen der Kinder sollte daran gedacht werden. Besonders daran zu denken ist bei Weglaufen der Kinder. In jüngerer Zeit werden in den Medien immer wieder Fälle von allgemeiner Vernachlässigung mit Todesfolge berichtet. Kinder die verhungern und verdursten, deren Mütter sie einfach alleine lassen. Oft aber bei weitem nicht immer hat hier zuvor per Definition eine körperliche Kindesmisshandlung in der Vorgeschichte vorgelegen.

Werden Kinder nach (meist wiederholtem und längeren) Misshandlungen, Missbrauch, Vernachlässigung in eine Pflegefamilie gegeben und dann nach 1-2 Jahren wieder zu den leiblichen Eltern zurück gebracht, kommt es in 25-40% der Fälle trotz entsprechender Unterstützung zu erneuter Misshandlung bzw. Vernachlässigung nach einer Rückführung von Kindern, die zuvor aufgrund einer Kindeswohlgefährdung in der Herkunftsfamilie in einer Pflegefamilie
untergebracht waren. Solche Familien bedürfen damit der länger dauernden Unterstützung und Überwachung. Je schwerer die Misshandlung und Traumatisierung des Kindes umso weniger sinnvoll ist es in solchen Fällen, die Kinder überhaupt zu den Eltern wieder in Obhut zu geben. Frühzeitige eindeutige Entscheidungen über den dauerhaften Verbleib des Kindes können in schweren Fällen von Misshandlung und Traumatisierung des Kindes und/oder dissozialer Persönlichkeit der Eltern für alle Beteiligten nur hilfreich sein. (Kindler, Praxis der Rechtspsychologie 14 (2), 2004)

Die Diskussion um dieses Thema ist weiter sehr kontrovers. Unzweifelhaft ist, dass Kindesmissbrauch nicht selten ist. Ebenso unzweifelhaft ist, dass er schlimme Folgen haben kann. Leider ebenso wahr ist, dass es auch einen Missbrauch des Missbrauchs in Scheidungsverfahren, Arbeitsgerichtsprozessen wie zur Erlangung anderer Vorteile gibt. Die Folgen falscher (manchmal sogar massenhafter) Verdächtigungen können für die Betroffenen ebenso gravierend sein, wie die Missbrauchsfolgen für tatsächliche Opfer. Es handelt sich also um ein sehr schwieriges Thema, das zwar öffentlicher Diskussion bedarf, eine Veröffentlichung von verdächtigen Tätern vor Beweise vorliegen, macht allerdings die Betroffenheit unglaubwürdig, und Sensationshunger oder andere Motive wie Rache wahrscheinlicher. Erwachsene und Kinder, die einen traumatischen Vorfall erleben, können später eine psychiatrische Krankheit bekommen, die posttraumatische Belastungsstörung oder PTBS. Eine der hervorstechendsten Merkmale einer PTBS besteht, dass die Betreffenden immer wieder von den qualvollen Erinnerungen an das schreckliche Ereignis überfallen werden: Es ist noch nie beobachtet worden, dass PTBS-Patienten entscheidende Aspekte des Traumas aus dem Bewusstsein verbannt hätten. Dies gilt für Vietnam-Veteranen wie für Menschen, die in Konzentrationslagern gewesen sind. Auch Kinder, die Zeugen der Vergewaltigung ihrer Mutter oder des Mordes an einem Elternteil wurden, haben die traumatische Erinnerung nicht abgewehrt. Die verfügbaren Feldstudien über die Art, wie Menschen mit schlimmen Traumen umgehen, deuten nicht auf Verdrängung hin. Wenn die Idee des sexuellen Missbrauchs erst im Verlauf einer Psychotherapie entsteht, bleibt die Frage offen, ob es sich um tatsächliche Erinnerungen oder um vom Therapeuten induzierte Phantasien handelt. Bei sog. dissoziativen Störungen wird ein Verdrängungsmechanismus als Ursache der Störung diskutiert. Wesentlich bei dissoziativen Störungen ist die Abspaltung bestimmter Erinnerungs-Vorstellungen vom Bewusstsein, entweder durch Amnesie, oder durch eine Veränderung des Bewusstseins selbst (Tagträume, Absencen, Trance, in Extremfällen Fugue-Zustände), um damit Erlebnisinhalte zu vermeiden zu verdrängen. Diese Zusammenhänge, die eine Verdrängung voraussetzen sind allerdings deutlich schlechter belegbar. Nach manchen Studien scheint aber mit relativ großen Zahlen ein nachvollziehbarer Beweis möglich zu sein. Andrews et al., 1999:Br. J. Psychiat. 175:141

Bei dissoziativen Störungen bestehen amnestische Lücken für selektive Erlebnisse oder Handlungen, situativ ausgelöste Abwesenheits- oder Trancezustände, extreme Tagträume mit imaginativen Erlebnisweisen, gestörtes Identitätserleben, intermittierende Depersonalisations- und Derealisationsgefühle, in einigen Fällen auch passagere pseudo-neurologische Symptome (Lähmungen, Aphonien oder Dyskinesien ohne organischen Befund). Gegenstand der Amnesie müssen dabei nicht - bzw. nicht ausschließlich - jene traumatischen Erlebnisse sein, von denen her die Störung ihren Ausgang nahm. Von Amnesie betroffen sein können vielmehr auch aktuelle Situationen im Alltag der Betroffenen, nicht selten Handlungen, welche die Patienten selbst begehen. Zur objektiven Erfassung und zur Gewichtung der Ausprägungsschwere der dissoziativen Störung wurden spezifische Inventare, wie die Dissoziative Experience Scale oder die Child Dissociative Checklist, entwickelt. Die Diskussion ist hier in vieler Hinsicht noch offen. Nebenwirkungen auch falscher Vermutungen in Therapien müssen ebenso bedacht werden, wie die Tatsache, dass das Vertrauen in den Therapeuten nur möglich ist, wenn dieser dem Patienten glaubt. Crombag, Hans F. M./Harald L. G. Merckelbach, 1999:Mißbrauch vergisst man nicht. Verlag Gesundheit, Berlin

Einige Untersuchungen dafür, dass Misshandlungen einen erheblichen Beitrag zur Entstehung späterer chronischer Schmerzerkrankungen leisten. Dass ein - der bewussten Kontrolle entzogenes - Schmerzgedächtnis in späteren Belastungssituationen zum Ausgangspunkt chronischer Schmerzen werden kann, sollte bei der Behandlung von Schmerzpatienten bedacht werden. Da die Exploration von Traumen außerhalb einer psychotherapeutischen Situation eine Re-Traumatisierung zur Folge haben kann, sollte eine gezielte Exploration von Nicht-Psychotherapeuten nur mit äußerster Vorsicht vorgenommen oder unterlassen werden. Der organisch behandelnde Arzt sollte seinem Schmerzpatienten mitteilen, dass schmerzhafte Vorerfahrungen einen Beitrag zu Schmerzerkrankungen leisten können. Aufgrund einer quantitativ zwar noch unzureichenden, qualitativ jedoch positiven Datenlage zur Wirksamkeit einer psychotherapeutischer Behandlung bei chronischen Schmerzen.

Ein besonderes Problem, stellen Kinder psychisch kranker Eltern dar. In der Bundesrepublik wachsen etwa 2 Millionen Kinder bei einem Elternteil mit irgendeiner schwerwiegenden psychischen Störung auf, etwa 100.000 Kinder wachsen bei einem Elternteil mit einer Schizophrenie auf. Etwa 600.000 Kinder wachsen bei einem Elternteil mit einer schwerer wiegenden Depression auf. Alleine auf Grund der Erblichkeit haben diese Kinder ein erhöhtes Risiko selbst die Erkrankung ihrer Eltern oder damit verwandte psychische Störungen zu bekommen. 33 % der Kinder, die sich in stationärer kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung befinden, haben einen psychisch kranken Elternteil. Viele psychische Störungen schränken die Emotionalität und Kontaktfähigkeit ein, was sich negativ auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirkt. Psychisch kranke Eltern sind häufiger überfordert, die Erziehung ist häufiger inkonsequent, Vorurteile in der Gesellschaft können die Familien von psychisch Kranken isolieren. Psychisch kranke Eltern werden häufiger arbeitslos, geschieden oder sind primär häufiger alleinerziehend. Auch ohne Misshandlung haben es also Kinder psychisch kranker Eltern deutlich schwerer als andere Kinder. Überforderung der Eltern, Einschränkungen der Beziehungsfähigkeit bei psychisch kranken Eltern kann auch Misshandlungen fördern. Kinder psychisch kranker Eltern haben eine zwei bis fünffach erhöhte Wahrscheinlichkeit für Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellen Missbrauch (Walsh et al. The relationship between parental psychiatric disorder and child physical and sexual abuse:Child Abuse & Neglect Volume 26, Issue 1, January 2002, Pages 11-22) Dieser Risikogruppe wird bisher zuwenig primär Unterstützung und Anleitung gegeben. Fast jeder Fall eines erweiterten Suizids geht derzeit durch die Medien. Hierdurch wird ein falscher Eindruck der Häufigkeit und ein nicht fundierter Eindruck einer Zunahme dieses Problems gegeben. Unter einem erweiterten Suizid- oder auch Mitnahmesuizid- , versteht man, das Menschen nicht nur sich selbst, sondern auch ihnen Nahestehende (meistens ihr Kind) mit in den Tod nehmen. Naturgemäß handelt es sich im Einzelfall um furchtbare Tragödien. Erweiterte Suizide kommen besonders bei Schizophrenie und im Rahmen von Wochenbettdepressionen und manisch-depressive Erkrankungen vor. Diese Menschen sehen aus einer krankheitsbedingt verzerrten Wahrnehmung heraus keine Hoffnung mehr für sich und ihr Kinder, und wollen sie diese nicht hilflos zurücklassen und vor einer unglücklichen Zukunft bewahren. In den meisten Fällen sind die Mütter diese erweiterten Suizidhandlungen begehen unbehandelt, die psychische Störung besteht oft noch nicht lange, für die Umgebung waren die Betroffenen oft zuvor wenig auffällig. Suizidäußerungen, Hinweise auf psychotische Symptomatik, und Zeichen der massiven Überforderung sollten aber bei Müttern immer ein Alarmzeichen sein, und zu einer psychiatrischen Diagnostik führen. In Relation zur hohen Zahl psychisch kranker Eltern handelt es sich um ein sehr seltenes Ereignis. Verlässliche Zahlen dazu gibt es nicht. Tötungsdelikte an Kindern sind aber auch insgesamt rückläufig. Die deutsche Kriminalstatistik weist einen Rückgang von Kindern als Opfer von Tötungsdelikten aus (siehe Tabelle unten). Ein nicht untypischer Fall ist der einer 37 jährigen Mutter aus Bayern, die zu Weihnachten 2007 ihre beiden Kinder tötete. Sie soll ohne, dass der Ehemann und die im Haus lebenden Schwiegereltern davon wussten, schon einige Wochen überlegt haben, sich und ihre 2 und 3 Jahre alten Söhne durch eine Geisterfahrt auf der Autobahn zu töten. Sie habe Angst gehabt, in eine Nervenklinik eingewiesen zu werden und so ihre Kinder zu verlieren. Sie sei der Meinung gewesen, es sei nicht gut, sollten die Söhne allein beim Ehemann und ihren Schwiegereltern bleiben müssen. Wie häufig in solchen Fällen meinte, "ihren Kindern etwas Gutes zu tun“. Sie wollte ihren Kindern nicht nur das Schicksaal beim Ehemann aufzuwachsen, sondern auch das Schicksaal die selbe psychische Störung zu bekommen ersparen. Ähnlich war wohl der Fall der 31 jährigen Mutter, die ihre 5 Kinder zwischen 3 und 9 Jahren in dem kleinen Ort Darry umbrachte. Hier war kurz vorher der religiöse Wahn der Frau dem Jugendamt bekannt geworden, die Frau war von einem Psychiater untersucht worden. Ausreichende Gefährdungsmomente für eine zwangsweise Unterbringung- insbesondere akute Suizidalität war aber nicht aufgefallen. Wenn Männer ihre Kinder in den erweiterten Suizid mitnehmen, ist der Grund für die Tat häufig der Streit um das Sorgerecht mit der früheren Partnerin. Es handelt sich dann oft um Männer mit Persönlichkeitsstörungen. Auch hier gehen oft längere Planungen bei nicht verkrafteter Kränkung voraus. Die meisten Eltern, die einen erweiterten Suizid begehen, lieben ihre Kinder, sie haben sie in den meisten Fällen zuvor nicht misshandelt. Bei der Behandlung psychischer Störungen müssen die Angehörigen immer mit bedacht werden, manchmal auch in die Behandlung direkt einbezogen werden. Auch dann wird man nicht alle Fälle von erweiterten Suiziden verhindern können.

Kinder unter 14 Jahren

als Opfer von

Tötungsdelikten laut BKA

1999 276
2000 293
2001 275
2002 236
2003 223
2004 236
2005 208
2006 202

Darunter jeweils ca 100 Fälle

von Mord oder Totschlag

Diese erweiterten Suizide werden von den wesentlich häufigeren "Neonatiziden" unterschieden, bei denen eine meist unreife jungen (und gleichwohl in der Regel in fester Partnerschaft lebenden) Mutter die Schwangerschaft verheimlicht hat und das Kind dann nach der Geburt (innerhalb der ersten 24 Std.) getötet hat. Bei den "Neonatiziden" liegt nicht immer eine schwere psychische Störung der Mutter vor. Die Mütter haben meist die Schwangerschaft von Beginn an nicht gewollt. Selten sind es ältere Frauen, die Angst haben, den Partner durch die Schwangerschaft zu verlieren. (Santé mentale au Québec, 2003, XXVIII, 2, 183-194) Nicht gemeint sind hier Morde an Kindern, bei denen auch zu etwa 60% die Eltern die Täter sind. Ein Teil des Mord- und Totschlags an Kindern passiert als direkte Folge der körperlichen Misshandlungen. Bei diesem letzten Fall sind allermeistens langdauernde Misshandlungen vorausgegangen. (A. Rohde 1998) Manchmal werden die Begriffe Infantizid für die Tötung eines Kindes im Alter von einem Tag bis zu einem Jahr und Filizid für die Tötung von Kindern, die älter als ein Jahr sind verwendet. Nach einer Erhebung spielte bei 27 % der Kinder, für die ein Sorgerechtrechtsverfahren wegen Kindeswohlgefährdung eingeleitet wurde, eine erhebliche bis gravierende Belastungen der Eltern durch psychische Krankheit eine Rolle.

§ 179 STGB Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen (1) Wer eine andere Person, die 1. wegen einer geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung einschließlich einer Suchtkrankheit oder wegen einer tiefergreifenden Bewusstseinsstörung oder 2. körperlich -zum Widerstand unfähig ist, dadurch missbraucht, dass er unter Ausnutzung der Widerstandunfähigkeit sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. (2) Ebenso wird bestraft, wer eine widerstandsunfähige Person (Absatz 1) dadurch missbraucht, dass er sie unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen. (3) Der Versuch ist strafbar.(4) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn 1.der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an ihm vornimmt oder an sich von ihm vornehmen lässt, die mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind, 2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird oder 3. der Täter das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt. (5) In minder schweren Fällen der Absätze 1, 2 und 4 ist auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen. (6) § 176a Abs. 4 und § 176b gelten entsprechend.

Dynamik der Situation Auswirkungen auf die Gefühlsebene Verhaltensebene
Stigmatisierung

Dem Opfer wird die Schuld zugewiesen;

Scham;

Geheimhaltungszwang;

andere reagieren schockiert;

Opfer wird wie beschädigte Ware behandelt

Scham – und Schuldgefühle, geschwächtes Selbstbewußtsein,

Gefühl anders zu sein, als die anderen Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Drogenkonsum, Kriminalität, Selbstzerstörerisches Verhalten, Selbstmordversuche,

Isolation Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Hilf - und Machtlosigkeit

Missachtung kindlicher Grenzen und Bedürfnisse;

Kind fühlt sich nicht fähig, sich selber zu schützen und ist nicht in der Lage, anderen das Geschehene glaubhaft zu machen

Selbsteinschätzung als Opfer;

Ohnmacht und Angst;

Kontrollbedürfnis;

Identifizierung mit dem Angreifer

Alpträume, Angstzustände, Phobien, Konzentrationsstörungen, psychosomatisch Krankheiten, Eß - und Schlafstörungen, Depression, Dissoziation, Weglaufen, Schulprobleme Reviktimisierung,

selber zum Missbraucher werden,

Aggressivität, Delinquenz

Vertrauensbruch

Ausnutzen von Vertrauen durch nahe stehende, eigentlich schutzgebende Personen;

Das Wohlergehen des Kindes wird nicht beachtet;

Mangelnde Unterstützung und Schutz durch die Eltern

Kummer, Depression,

Misstrauen, Hass, Verlust, Trauer, extreme Abhängigkeit, Feindseligkeit

Vulnerabilität für weiteren Missbrauch und Ausbeutung, Misstrauen, Ängste vor Menschen / Männern, Rückzug in sich selbst, Aggressivität, soziale Isolation, Kontaktlosigkeit, Eheprobleme Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse
Traumatische Sexualisierung

Erwachsenensexualität als Antwort auf kindliche Zuwendungsbedürfnisse; Täter vermittelt falsche Moralvorstellungen und falsche Auffassungen von Sexualität;

Konditionierung von sexueller Aktivität mit negativen Emotionen und Erinnerungen

Zuwendung ist an Sexualität gekoppelt

Ekel, Abscheu, Angst beschädigt zu sein, Verwirrung durch körperliche Erregung, Verwirrung der sexuellen Identität und sexueller Normen, Aversion gegen Sex oder Intimität

Sexuelle Probleme, sexualisiertes Verhalten, Abscheu vor dem eigenen Körper, sexuelle Aggressivität bei Jungen, Reviktimisierung, Abspalten von Gefühlen, Angst vor körperlicher Nähe

(Prostitution, Promiskuität)

(Finkelhor, David et al. : A Sourcebook on Child Sexual Abuse 9. Auflage, Newbury Park, London, New Delhi, 1990)
  1. Zu den Konsequenzen und Folgen von Missbrauch und Misshandlung siehe auch unter Posttraumatische Belastungsstörung
  2. siehe auch unter Pädophilie
  3. Mullen PE, Martin JL, Anderson JC, Romans SE, Herbison GP: Childhood sexual abuse and mental health in adult life. Br J Psychiatry 1993; 163:721–732
  4. Avshalom Caspi, et al., Influence of Life Stress on Depression: Moderation by a Polymorphism in the 5-HTT Gene Science 2003: 301/5631, pp. 386 - 389 DOI: 10.1126/science.1083968
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www.kinderschutz-zentren.org Zentrale Zugangsseite der Kinderschutz-Zentren www.youngavenue.de Kinderschutz-Zentren Seite für Kinder Informationen, Kommunikationsräume und Hilfen, www.zartbitter.de Kölner Informations- und Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, www.zissg.de Zentrale Informationsstelle zu sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt, www.jugendschutz.net Gemeinsame Seite der Jugendministerinnen und Jugendminister der Länder, www.frauen-maedchen-beratung.de www.bmfsfj.de Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, www.dggkv.de Deutsche Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung www.dji.de/ikk Deutsches Jugendinstitut e.V. München, www.bundesverein.de Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen e.V. Bundesvernetzungsstelle autonomer Frauennotrufe Pro Familia Meldestellen Kinderpornografie: Baden-Württemberg: flz@lka.polizei-bw.de Bayern: blka@polizei.bayern.de mailto:ppmuc@polizei.bayern.de , Berlin: lka@polizei.berlin.de Hamburg: lka-hinweise-rechts@hamburg.de Mecklenburg-Vorpommern: www.isinet-mv.de/pages/ Nordrhein-Westfalen: www.lka.nrw.de/formular/kontakt2.asp Rheinland-Pfalz: landeskriminalamt.fahndung@polizei.rlp.de Saarland: lka211@slpol.de Sachsen: www.lka.sachsen.de/FrFeedback.htm Sachsen-Anhalt: Anzeigen.Hinweise@lka.pol.lsa-net.de Thüringen: cybercop-tlka@knuut.de Tennyson Center for Children Child Abuse Evaluation & Treatment for Medical Providers MedlinePlus: Child Sexual Abuse Child Welfare Information Gateway State statutes Child Welfare Information Gateway



Macht
der deutsche Begriff „Macht" leitet sich vom althochdeutschen „mugan" ab, welches seine indogermanische Wurzel in „magh" findet, was soviel bedeutet wie „können, vermögen". Die Brockhaus-Enzyklopädie definiert Macht als „das Vermögen einer Person oder Gruppe, ihre eigenen Ziele gegen Widerstände durchzusetzen. Diese Widerstände können in äußeren Umständen, im Willen Dritter oder sogar in der eigenen Person liegen". M. ist eine Bezeichnung für die Mittel der Durchsetzung der Interessen einzelner Menschen oder von Gruppen auf Kosten Anderer. Macht bedeutet auch dass die soziale Beziehung in der sie auftritt asymmetrisch ist, die Verteilung von zugeschriebener Sozialkompetenz, Kontrolle und Entscheidungsgewalt ist einseitig verteilt. Macht existiert nicht als statischer Zustand. Machtverhältnisse setzen entsprechende soziale Beziehungen voraus. Man hat nicht nur Macht (über jemanden oder etwas), sondern es wird einem auch Macht von jemandem gegeben oder zugestanden. Eine Überordnung bedingt eine Unterordnung, Nehmen fordert ein „sich Nehmen lassen". Macht setzt damit die, die sich ihr unterwerfen, genauso voraus, wie die, die sie ausüben. Dabei gibt es einen so genannten Komplementaritätseffekt, oder in Beziehungen eine Kollusion.   Dominante Interaktionspartner provozieren bei anderen eher submissives (unterwürfiges) Verhalten, und umgekehrt provozieren submissive Interaktionspartner Dominanzgebaren. Wenn dies gut zusammenpasst, können sich beide auch wohlfühlen. Macht beinhaltet das Erlebnis von Kontrolle und den entsprechenden Affektkonsequenzen über die Situation und/oder Andere. Hoch machtmotivierte Menschen sind nicht selten auch sehr leistungsbereit um ihre Machtposition zu erreichen und zu halten. Die kann gepaart sein mit dem Prahlen mit den Insignien der Macht und manchmal auch einem ausschweifenden Leben.  Macht bekommen Menschen auch oft darüber, dass sie gegen einen anderen Mächtigen "ungehorsam" werden. Ungehorsam kann Auswüchse von Macht verhindern. Grundlage von Macht können unterschiedliche Ressourcen wie Charisma, Autorität, Ausstrahlung, genetische Faktoren, erworbene materielle Güter, Zugehörigkeit zu einem Stand oder einer Klasse, Inhaberschaft eines Amts oder einer Funktion u.v.m. sein.  Experimentell belegt ist dass eine stark angeregte Machtmotivation im Sinne einer Stressreaktion zur Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin sowie Testosteron führt.


MADRS
Montgomery-Asberg Depression Scale (Depressionsskala von Montgomery-Asberg).
Montgomery, S.A. u. Asberg, M.: Brit. J. Psychiat.134, 382 (1979).


Magengeschwür
Das Magengeschwür war früher eines der Paradepferde der Psychosomatik im Sinne einer der klassischen psychosomatischen Krankheiten. Das Magengeschwür wird nach heutigem Verständnis meist von vor dem 10. Lebensjahr (am häufigsten zwischen 4 und 5 Jahren) erworbenen Infektionen durch Helicobacter pylori ausgelöst und entsprechend als Infektionskrankheit behandelt. Die Entdeckung dieses Erregers war einer der Meilensteine der Medizin in den letzten Jahrzehnten. Helicobacter pylori ist überall auf der Welt seit Jahrtausenden präsent, die genetischen Varianten werden inzwischen sogar dazu genutzt, Wanderbewegungen der Bevölkerung in den letzten 100000 Jahren nachzuweisen. In Entwicklungsländern ist fast jeder Erwachsene mit dem Erreger infiziert, die Prävalenz der Infektion in den Industrieländern ist viel niedriger. Bereits vor Entdeckung des Erregers hat die Prävalenz der Infektionen in den Industrieländern in den letzten 60 Jahren von Generation zu Generation nachgelassen. Die Infektion tritt entsprechend häufiger in sozialen Randgruppen wie türkischen Kindern oder Aussiedlerkindern auf. Auch aus anderen Ländern sind solche ethnischen und ökonomischen Unterschiede berichtet, je enger die Wohnverhältnisse umso häufiger der Infekt. Stillen verringert das Risiko. Mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung soll mit Helicobacter pylori infiziert sein. Die Erreger bleiben meist klinisch stumm, sie verursachen am Magen aber nicht selten auch eine asymptomatische Gastritis  bis hin zum peptischen Geschwür oder Magenkrebs sowie MALT Lymphome. Nur 15% bis 20% der infizierten erkrankt irgendwann am Magengeschwür, eine symptomlose Entzündung ist aber die Regel. H pylori wird auch für andere Krankheiten außerhalb des Verdauungstraktes angeschuldigt: therapierefraktäre Eisenmangelanämien, und chronische Autoimmunthrombozytopenische Purpura soll ebenfalls durch H pylori  bedingt sein könne. Unterschiedliche Varianten des Erregers und die Veranlagung des Patienten entscheiden ob und wie sehr man durch H pylori krank wird. Ein Test und eine Behandlung wird derzeit nur empfohlen, wenn der Erreger Symptome verursacht. Helicobacter pylori schützt bis zu einem gewissen Grad vor dem Reflux vom Magen in die Speiseröhre und dem Barrettösophagus sowie dem Adenokarzinom der Speiseröhre. Man vermutet, dass dieser Schutz vor dem gastroösophagealen Reflux auch verantwortlich dafür ist, dass Kinder die mit Helicobacter pylori infiziert sind bis ins Erwachsenenalter seltener Allergien und Asthma entwickeln. Statistisch nachgewiesen ist dies zumindest für cagA+ Stämme des Erregers. (Arch Intern Med. 2007;167:821-827) Es wird sogar vermutet, dass der Rückgang der Helicobacter pylori Infektionen in den Industrieländern eine der Ursachen für die Zunahme an Allergien und Asthma ist. Die Eradikation von Helicobacter pylori Bakterien aus dem Magendarmtrakt der Bewohner von Industrieländern, mit der Folge einer gravierenden Veränderung der Mikroökologie des Magendarmtraktes, könnte also neben der erwünschten Wirkung einer Verminderung der Magengeschwüre und der Adenokarzinome des Magens zum vermehrten Auftreten anderer Krankheiten wie dem Barrettösophagus sowie dem Adenokarzinom der Speiseröhre und von Allergien und Asthma führen. .

Risikoprofil für Magenblutungen (Wann besonderer Magenschutz bei Älteren)  
Aspirin oder nichtsteroidalen Antirheumatika sind für über 80 Prozent aller Ulkusblutungen des älteren Menschen verantwortlich.  
Andere Risikofaktoren  
orale Antikoagulantien 7,8
Ulkusanamnese 3,8
Herzinsuffizienz 5,9
orale Corticosteroide 2,7
Diabetes mellitus 3,l
Raucheranamnese 1,6
Weil 5, Langmann MJS, Wainwright P et al.: Peptic ulcer bleeding: accessory risk, factors and interactions with non-steroid atiinflammatory drugs. Gut 2000; 46:  


Yu Chen; Martin J. Blaser; Inverse Associations of Helicobacter pylori With Asthma and Allergy;
Arch Intern Med. 2007;167:821-827. ABSTRACT  FULL TEXT  PDF

  Malaty HM, Graham DY. Importance of childhood socioeconomic status on the current prevalence of Helicobacter pylori infection.  Gut 1994; 35: 742-45. [PubMed]Malaty HM, Graham DY, Wittingty WA, Srinivasan SR, Osato M, Berenson GS. Helicobacter pylori acquisition in childhood: a 12-year follow-up cohort study in a bi-racial community.  Clin Infect Dis 1999; 28: 279-82. [PubMed]Malaty HM, Graham DY, Logan ND, Ramchatesingh JE. Helicobacter pylori infection in preschool and school age minority children attending day care centers: effect of socioeconomic indicators and breast feeding practice.  Clin Infect Dis 2001; 32: 1387-92. [PubMed] Hoda M Malaty, Abdalla El-Kasabany, David Y Graham, Charles C Miller, Sidd G Reddy, Sathanur R Srinivasan, Yoshio Yamaoka, Gerald S Berenson  Age at acquisition of Helicobacter pylori infection: a follow-up study from infancy to adulthood Volume 359, Number 9310 16 March 2002 931-35 Full Text] [PDF]. Seiichi Kato, MD, PhD; Philip M. Sherman, MD, FRCPC, What Is New Related to Helicobacter pylori Infection in Children and Teenagers? Arch Pediatr Adolesc Med. 2005;159:415-421.
 



Magisches Denken
Der irrtümliche Glaube einer Person, dass ihre Gedanken, Worte oder Handlungen ein bestimmtes Ereignis hervorrufen oder verhindern können, wobei allgemeingültige Regeln von Ursache und Wirkung verletzt werden. Überhöhter Glaube an die Wirkmächtigkeit von Gedanken, Worte oder Handlungen. Magisches Denken kann eine Durchgangsphase in der normalen Kindheitsentwicklung sein. Spielt bei Zwangskrankheiten und Aberglauben eine wesentliche Rolle. Kann (wenn in großem Ausmaß vorhanden) bei Erwachsenen eine Vorbote von wahnhaften Störungen sein.


Magnete in der Schmerzbehandlung
Magnete in der Schmerzbehandlung sind ein häufig angewendetes Placebo. In der Summe der bisher vorhandenen Studien zeigt sich keine über den Plazeboeffekt hinausgehende Wirkung. Abgesehen von den meist vergleichsweise geringen Kosten hat dieses Plazebo allerdings auch meist keine Nachteile, so dass man Patienten nicht unbedingt davon abraten muss, zuraten sollte man allerdings auch nicht. Wie bei allen Placebobehandlungen besteht in jedem Fall das Risiko, dass notwendige medizinische Diagnostik unterbleibt und eine behandelbare Krankheit übersehen wird. Die meisten Studien zu Magnettherapien sind suboptimal angelegt. Vergleichbare Reproduktionen von Ergebnissen scheitern oft schon daran, dass nicht einmal die Feldstärken angegeben werden, bzw. jede Studie andere Feldstärken verwendet.
  1. Static magnets for reducing pain: systematic review and meta-analysis of randomized trials
    Pittler et al. CMAJ 2007;177:736-742.ABSTRACT | FULL TEXT
  2. Mark H. Winemiller, Robert G. Billow, Edward R. Laskowski, and W. Scott Harmsen Effect of Magnetic vs Sham-Magnetic Insoles on Plantar Heel Pain: A Randomized Controlled Trial  JAMA. 2003;290:1474-1478. ABSTRACT | FULL TEXT  
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  4. Harlow T, Greaves C, White A, et al. Magnetic bracelets for relieving pain in lower-limb osteoarthritis: a randomised controlled trial. BMJ 2004;329:1450-4 ABSTRACT/ FULL TEXT  
  5. Colbert, A. P., Wahbeh, H., Harling, N., Connelly, E., Schiffke, H. C., Forsten, C., Gregory, W. L., Markov, M. S., Souder, J. J., Elmer, P., King, V. (2007). Static Magnetic Field Therapy: A Critical Review of Treatment Parameters. Evid Based Complement Alternat Med 0: nem131v1-nem131[Abstract] [Full text]  
  6. Hinman Comparative effect of positive and negative static magnetic fields on heart rate and blood pressure in healthy adults Clin Rehabil 2002;16:669-674.ABSTRACT  
  7. Edward A. Collacott, John T. Zimmerman, Donald W. White, Joseph P. Rindone,   Bipolar Permanent Magnets for the Treatment of Chronic Low Back Pain A Pilot Study JAMA. 2000;283:1322-1325. ABSTRACT  






     


Makula
gelber Fleck der Netzhaut, etwa 2,5 mm Durchmesser, enthält die Fovea centralis, die Stelle des stärksten Sehens. Wenn die Makula degeneriert, tritt im Zentrum des Gesichtsfeldes, an der Stelle des schärfsten Sehens Blindheit ein. Das periphere Sehen bleibt erhalten, Lesen wird dadurch aber unmöglich. Leichte Formen beeinträchtigen wenig, bei den selteneren schweren Formen bilden sich unter der Netzhaut neue Blutgefäße, diese wachsen schnell und sondern eine Flüssigkeit ab, die die Zapfen zerstört. Bei manchen Patienten scheint die Laserkoagulation diese schwere Form einzudämmen.


Malformationen, arteriovenöse (intracranielle = innerhalb des Hirnschädels)
Arteriovenöse Malformationen des Gehirns sind angeborene Gefäßerkrankungen die etwa 0,01-0,50% der Bevölkerung betreffen, die Zahlen in der Literatur sind allerdings sehr unterschiedlich, möglicherweise wird die Häufigkeit überschätzt. Meist fallen sie zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, 12% to 18% der Fälle betreffen aber Kinder bei denen sie 30% bis 50% der hemorrhagischen Schlaganfälle auslösen, wobei die Prognose bei Kindern ohne Ruptur oder Blutung entgegen älteren Studien eher besser ist. (Stroke. 2005;36:2099.) Bei Erwachsenen verursachen sie 2% aller haemorrhagischen Schlaganfälle. Bei 50% der Patienten werden sie anlässlich einer solchen Blutung diagnostiziert, bei den anderen entweder wegen fokalen neurologischen Defiziten, Anfällen oder zufällig bei Durchführung einer Kernspintomographie aus anderen Gründen. Sichere Zahlen sind nicht bekannt. Wegen häufigerer und immer genauerer Kerspintomographien werden immer mehr Fälle zufällig entdeckt. Computertomographien ohne Kontrastmittel zeigen oft keine Auffälligkeiten. Autopsiedaten gehen sogar davon aus, dass AVMs bei 4.3% der Bevölkerung vorkommen. In einer anderen Serie von Autopsiebefunden wurden 1,4% der Fälle entdeckt, 12,2% der Fälle hatten Symptome verursacht. Symptomatische Fälle treten bei etwa 1,2 pro 100 000 Person/Jahr auf. Spontane Rückbildungen sind selten Lee SK, Vilela P, Willinsky R, TerBrugge KG.

Man versteht darunter Gefäßfehlbildungen, die mit einem arteriovenösen Kurzschluss (shunt) bei fehlendem Kapillarbett einhergehen. Diese Gefäßfehlbildungen wurden früher als Gefäßtumoren (Angiome) bezeichnet, weisen jedoch ansonsten keine Tumorcharakteristika auf. Cerebrale AVM können oberflächlich (sulcal) oder auch tief im Parenchym liegen, häufig liegen gemischte Formen vor. Sie bestehen aus zuführenden Gefäßen (Feeder), die einerseits in der Malformation enden können (Terminalfeeder) oder als en passage feeder auf dem Niveau der Malformation an deren Versorgung beteiligt sind, jedoch peripher zusätzlich hirnnutritive Funktion tragen. Daneben kommen sogenannte perforierende Feederarterien vor, die für die endovaskuläre und operative Behandlung von großer Bedeutung sind. Spinale arteriovenöse Malformationen können sowohl im Rückenmark als auch perimedullär, lokalisiert sein. Sie sind zu unterscheiden von der spinalen arteriovenösen Durafistel, die hinsichtlich der Erkrankungsfolgen, des Erkrankungsalters, der Pathogenese und Therapie ein hiervon differentes Vorgehen erfordert. Hauptsymptom der spinalen AV-Malformation ist analog zur cerebralen AVM die Blutung, es können jedoch auch venös-kongestive (Stauungs-)ödeme des Rückenmarkes eine entsprechende neurologische Funktionsbeeinträchtigung bis hin zur vollständigen Querschnittslähmung hervorrufen. http://www.bvmed.de/publ/fallstudie5.pdf

Symptome treten meist zwischen dem 20. und 40 Lebensjahr auf. Meist treten Blutungen (50%), epileptische Anfälle (20-25%), zunehmende neurologische Ausfallserscheinungen (5%), oder Kopfschmerzen (z.B.:immer einseitig die selbe Seite bei "Migräne") (15%) auf selten auch nur pulsierende Ohrgeräusche. Verlaufsbeobachtungen ohne Behandlung zeigen eine jährliche Rate von Blutungen bei 1-4% der Betroffenen. Sie sind Ursache für etwa 11% aller intracerebralen Blutungen. Die Häufigkeit von 2. oder 3. Blutungen nimmt im Laufe der Jahre zu und soll nach einer ersten Blutung 6,0-6,9% im ersten Jahr betragen und dann wieder auf das Ausgangsrisiko zurückgehen. Das niedrigste Blutungsrisiko (Risiko von 1.0% pro Jahr) haben die, die bisher keine Blutung hatten, und >1 drainierende Verne in einem kompakten Nidus habe, das höchste Risiko (8.9% pro Jahr) haben die, die bereits eine Blutung hatten, eine einzige drainierende Verne haben und einen diffusen Nidus haben .Während zufällig entdeckte Malformationen ein geringes Blutungsrisiko von unter 1%/Jahr haben, steigt dieses bei Patienten, die bereits einmal aus der Malformation geblutet haben deutlich an, dies trifft besonders zu, bei hohem Alter, Lokalisation tief im Gehirn und ausschließlicher Drainage in eine tiefe Hirnvene auf bis zu 34% an. (Neurology, May 9, 2006; 66(9): 1350 - 1355.[Abstract])

Behandlung: Wann man chirurgisch behandeln sollte, ist im Einzelfall weiter schwierig zu entscheiden. Eine Studie, die alle in Schottland 1999–2003 (n=114) diagnostizierten nicht rupturierten Erwaschenen Patienten 3 Jahre nachuntersuchte, sah in den 3 Jahren ein schlechteres funktionelles Ergebnis für die Patienten, die einer interventioellen Behandlung unterzogen wurden. Die Prognose war zudem von der Größe der AVM abhängig. Ob langfristig doch ein Profit des Eingriffs bei Patienten ohne Blutung besteht, konnten die Untersucher noch nicht beurteilen. (Lancet Neurol 2008; 7: 223–30 Summary) Fortschritte der endovaskulären Embolisationstechniken (Es gibt feste und flüssige Embolisationsmittel, mit permanentem und temporärem Effekt), Stereotaktischen Radiochirurgie, und Mikrochirurgie ermöglichen es immer mehr Patienten zu behandeln und die Risiken zu senken. Das Prinzip der endovaskulären Behandlung von AV-Malformationen des Gehirns besteht darin, dass speziell gebaute Mikrokatheter in einem koaxialen Kathetersystem unter speziellen Durchleuchtungstechniken (Roadmapping) von der Arteria femoralis aus in die gehirnversorgenden und angiomversorgenden Arterien eingebracht und bis in den Angiomnidus vorgeschoben werden. Über den Mikrokatheter werden rasch aushärtende Kunststoffe (meist Acrylate) in den Angiomnidus injiziert. Mit einer radiochirurgischen Behandlung von großen AV-Malformationen im Gehirn wird eine Okklusionsrate von 20–40 % erreicht. Die großen Bestrahlungsvolumina und die damit verbundenen Gefahren einer radiochirurgischen Schädigung des umgebenden Hirngewebes erlauben es nicht, die für den Verschluss der AVM erforderliche Dosis zu applizieren, so dass dieses Verfahren selten alleine eingesetzt wird. Neurochirurgen, Neuroradiologen und Neurologen müssen hier bei der Therapieentscheidung zusammenarbeiten. Fast immer ist ein multimodales Vorgehen mit Kombination von endovaskulärer Therapie, Strahlentherapie und Neurochirurgie notwendig. (Morimoto M, Mori K (1998). How to treat dural arteriovenous malformations or fistulas.Cri Rev Neurosurg; 8: 248-255) Oft ist eine Kombination der Methoden erforderlich, zB. zunächst Embolisation und dann Operation. Flussabhängige Aneurysmen scheinen ein höheres Blutungsrisiko zu bedingen. Entscheidend für das Verständnis der Pathophysiologie und für die Planung der Therapie sind die angiographischen Befunde. Drei "venöse Faktoren" sind die entscheidenden Prädiktoren für das Blutungsrisiko oder für fortschreitende neurologische Symptome: piale Drainage, Ausbildung venöser Aneurysmen und Drainage ins galenische System. Generell scheint es so zu sein, dass Fisteln am Sinus transversus bzw. sigmoideus und am Sinus cavernosus eher einen gutartigen Verlauf zeigen. Diese Fisteln sind in der Regel weniger aggressiv, manchmal kommt es gar zu Spontanheilungen. Fisteln am Sinus petrosus oder am Sinus rectus führen fast immer zu neurologischen Defiziten und gleichzeitig zur Ausbildung von venösen Aneurysmen. Eine Spontanheilung ist besonders bei den tentoriellen Durafisteln nicht zu erwarten. Entgegen früheren Annahmen scheint es sich um eine proliferative Kapillaropathie als Folge einer Mutation zu handeln. Ob und wie sie wachsen ist aber weiter offen und möglicherweise ganz unterschiedlich (abhängig von der Größe?). Für 16% der Patienten die eine Blutung erleiden ist davon auszugehen, dass eine mäßige bis schwere Behinderung zurückbleibt, die Sterblichkeit wird sehr unterschiedlich meist bei 10-30% angegeben. Die Komplikationsrate bei Ops ist geringer. In über 80% tritt nach Op Anfallsfreiheit ein, 6% die zuvor anfallsfrei waren, bekommen nach Op Anfälle. Auch bei anderen Behandlungsmethoden beträgt die Anfallsfreiheit 55-94%. Eine Studie an 500 Patienten zeigt, dass auch die Behandlung mit dem Gamma- Knife (Radiochirurgie) das Blutungsrisiko signifikant (bis zu 88%) senkt und zwar auch bereits vor die Malformation sich schließt. Venöse Angiome sind im Gegensatz zu Arteriovenösen Malformationen vergleichsweise harmlos. Sie sollten in der Regel nicht operativ behandelt werden.  

Op- Ergebnisse nach der Literatur aus Circulation. 2001;103:2644 nach der Spetzler-Martin AVM Grading Scale

  • Grad I (92% bis 100%) gutes Ergebnis
  • Grad II (95%) gutes Ergebnis
  • Grad III (68,2%) gutes Ergebnis im späteren Verlauf 88,6% gutes Ergebnis
  • Grad IV (73%) gutes Ergebnis
  • Grad V (57,1%) gutes Ergebnis, 14,3% schlechtes Ergebnis, Mortalität 4,8%

Einteilung der Cerebralen und spinalen Arteriovenösen Malformationen NACH Fallstudie 5 Gefäßkurzschluss: Arteriovenöse Embolisation

Typus

Beschreibung

Cerebrales AV-Angiom

Klassifikation nach Spetzler/Martin Grad I-V nach Größe, Lage und Drainage. Zusätzlich Vorhandensein von AV- Fisteln, Aneurysmen, Venektasien u. venösen Stenosen, perforierenden Hirnarterien mit AVM-Versorgung als ungünstige Prognose beeinflussende Faktoren

Spinales AV-Angiom Intramedulläre AVM isoliert,

perimedulläre AVM mit/ohne intramedullärem Anteil, selten im Rahmen eines Cobb-Syndrom (metamere Angiomatose)

Craniale Durale AV-Malformation

Die arteriovenöse Kurzschlussverbindung liegt in der harten Hirnhaut. Durale AV-Fistel mit vorzugsweiser Lokalisation laterooccipital (Tinnitus) und Sinus cavernosus (red shunt eye). Epizerebrale Venendrainage mit hohem Blutungsrisiko möglich.

Spinale Durale AV-Malformation (Übersichtsartikel Thron, A; Mull, M; Gilsbach, J; Der arteriovenöse Kurzschluss in der Dura mater des Spinalkanals: Eine behandelbare, wenig bekannte Ursache einer Querschnittlähmung des älteren PatientenDeutsches Ärzteblatt 100, Ausgabe 17 vom 25.04.2003, Seite A-1132

AV-Fistelverbindung zwischen Hirnhautarterien und perimedullären Venen, rückenmarksdrainiernden Venen mit Symptomen durch kongestives Rückenmarksödem, äußerst selten symptomatisch durch Blutung.

Traumatische AV Fisteln

am häufigsten im Rahmen einer mesobasalen Schädelfraktur mit Beteiligung des Os sphenoidale, führt zur Carotis-Sinus cavernosus Fistel

Spinale u. craniale AV Fisteln

Perimedulläre Fistel, zerebrale AV-Fistel (kongenital)

Spetzler-Martin AVM Grading Scale
Größe
0–3 cm 1
3.1–6.0 cm 2
>6 cm 3
Lokalisation
außerhalb der Sprachregion 0
Sprachregion 1
Tiefe Venendrainage
Vorhanden 0
Nicht vorhanden 1

Serie Autor Beschreibung der Studie Fallzahl Follow-Up, Jahr Blutungen Anzahl Jährliche Erst- Blutungsrate roh Jährliche Erst- Blutungsrate korrigiert
Brown et al Retrospektiv, Zuweisungsserie 168 8.2 31 2.3 (nach15 Jahren) 2.2
Graf et al Retrospektiv, Zuweisungsserie 71 4.8 14 4.1 ...
Crawford et al Retrospektiv, Zuweisungsserie 217 10.4 77 3.4 3
Ondra et al Retrospektiv, Zuweisungsserie und "populationbased" 160 23.7 64 1.7 ...
Mast et al Prospektiv, konsekutive, Zuweisungsserie 139 1.0 3 2.2 2.2
Ogilvy CS, Stieg PE, Awad I, et al. Recommendations for the management of intracranial arteriovenous malformations: a statement for healthcare professionals from a special writing group of the Stroke Council, American Stroke Association. Circulation 2001; 103: 2644-57.

Faktoren die das Vorgehend bestimmen
Größe Nicht kritische Lokalisation kritische Lokalisation
Klein (<3·0 cm) 1. Mikrochirurgische Resektion 1. Stereotaktische Radiochirurgie
2. Stereotaktische Radiochirurgie bei schlechtem Op- Risiko 2. manchmal Mikrochirurgische Resektion
3. manchmal Embolisation mit dem Ziel einer kompletten Thrombose Embolisation nach mehr als einer Blutung
Groß (>3·0 cm) 1. Embolisation gefolgt von Mikrochirurgischer Resektion 1. Embolisation gefolgt von Stereotaktischer Radiochirurgie
2. Embolisation gefolgt von Stereotaktischer Radiochirurgie, bei schlechtem Op- Risiko 2.Stereotaktische Radiochirurgie alleine bei schlechtem Embolisations-
Ian G Fleetwood, Gary K Steinberg Arteriovenous malformations Lancet 2002; 359: 863-73 Kandidaten (Protonenstrahl Röntgentherapie für arteriovenöse Malformationen >3·5 cm)

Resultate mikrochirurgischer Resektion arterio- venöser Malformationen an speziellen anatomischen Lokalisationen
Autor, Jahr anatomischen Lokalisationen Patienten komplette Obliteration Bleibende Komplikationen Todesfälle
Zimmerman, 2000 Sylvische Fissur 8 8 (100%) 0 0
Malik, 1996 Temporallappen 24 Na 3 (13%) 1 (4%)
Nagata, 1991 Seitenventrikel 9 9 (100%) 0 0
Yamada, 1990 Funktionale Regionen* 56 56 (100%) 2 (4%) 0
Solomon, 1986 Hirnstamm 9 8 (89%) 2 (22%) 0
Na=Nicht angegeben. *Einschließlich sensomotorischer Cortex, Sprachregion, Visueller Cortex, Hirnstamm und Basalganglien. Ian G Fleetwood, Gary K Steinberg Arteriovenous malformations Lancet 2002; 359: 863-73
  1. Ian G Fleetwood, Gary K Steinberg Arteriovenous malformations Lancet 2002; 359: 863-73
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  3. Ogilvy CS, Stieg PE, Awad I, et al. Recommendations for the management of intracranial arteriovenous malformations: a statement for healthcare professionals from a special writing group of the Stroke Council, American Stroke Association. Circulation 2001; 103: 2644-57. Reprint (PDF) Version of this Article
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Malignes Neuroleptika induziertes Syndrom
Soll bei etwa 0,2% der mit Neuroleptika behandelten Patienten auftreten, am häufigsten unter Haloperidol, prinzipiell aber bei allen Neuroleptika - auch den Atypika möglich. Einzelne familiäre Fälle sind bekannt, so dass auch eine genetische Komponente in der Entstehung wahrscheinlich ist. Es bestehen gewisse Ähnlichkeiten zum Serotoninsyndrom. Die Kombination von Haloperidol mit Lithium scheint am häufigsten auslösend zu sein. Neben einer Neuroleptikabehandlung kann auch der Entzug von Parkinsonmedikamenten bei Parkinsonkranken auslösend sein. Einzelne Antidepressiva mit Wirkung auf das dopaminerge System können ebenfalls auslösend sein (Dothiepin, Amoxapin, Trimipramin). Nortryptilin und SSRIs und Lithium können vor allem bei Patienten die zuvor oder gleichzeitig Neuroleptika erhalten haben auslösend sein. Eine Vielzahl andere Medikamente wie Diphenhydramin, Methylphenidat, Droperidol und Metoclopramid können ebenfalls auslösend sein. Körperliche Erschöpfung. Flüssigkeitsmangel, Hyponatriämie, begünstigt das Syndrom. Junge Männer mit biplaren Störungen scheinen häufiger betroffen als ältere und Frauen oder an Schizophrenie erkrankte.  Hirnschädigungen und Schilddrüsenerkrankungen können das Risiko ebenfalls erhöhen.

Symptome: Unerwartete Änderungen des psychischen Befundes, Katatonie ähnliche Zustände, Herzrasen, schneller Atem, hoher Blutdruck, Sprech- und Schluckstörungen, Speichelfluss, Schweißausbrüche, Inkontinenz, Anstieg der Köpertemperatur, Rigor und CPK Anstieg im Labor können Hinweise auf den Beginn eines malignen Neuroleptika induzierten Syndroms sein. Die wichtigsten Zeichen sind Fieber, autonome Instabilität und Rigor seltener Tremor. Meist beginnt das maligne Neuroleptika induzierte Syndrom weniger als 10 Tage (selten bis zu 2 Monate) nachdem die Behandlung mit dem auslösenden Medikament begonnen wurde, innerhalb von 2 Tagen, sehr selten innerhalb weniger Stunden) entwickelt es sich meist zum Vollbild.

Diagnose: Fieber messen, Blutdruck kontrollieren (kann hoch oder nieder sein, ist oft labil), CPK Anstieg (als Zeichen der Rhabdomyolyse) auf 10 000–40 000 U/l in den meisten Fällen (kann aber auch nur leicht sein), erhöhte LDH, Leukozytose mit oder ohne Linksverschiebung, Proteinurie und Myoglobinurie, Hyponatriämie und Hypernatriämie, niedriges Serumeisen, Serumkalzium und Magnesium, metabolische Azidose und Hypoxie, im EEG diffuse Verlangsamung, leichte Eiweißerhöhung im Liquor. Die Differenzialdiagnose zur Katatonie kann schwierig sein (siehe auch Journal of Psychopharmacology, 23,2; 223-226 2009) oder The British Journal of Psychiatry 165: 548-550 1994 Manche Autoren halten es daher für sinnvoller von Hyperthermie Syndromen in der Psychiatrie zu sprechen (unter Einschluss des Serotoninsyndroms) Advances in Psychiatric Treatment (2009) 15: 181-191.

Die Behandlung des Vollbildes muss auf der Intensivstation erfolgen. Das Neuroleptikum oder Antipsychotikum wird abgesetzt, Flüssigkeitsverlust und Elektrolytverlust werden ausgeglichen, das Fieber so schnell wie möglich gesenkt. Manchmal ist eine zeitweise Dialyse notwendig. Muskelrelaxantien, und Dopaminagonisten scheinen wirksam. Die meisten Daten gibt es zu einer Behandlung mit Dantrolen i.v. und Bromocriptin oral. Einzelfälle beschreiben auch ein Wirksamkeit von subcutanem Apomorphin (Am J Psychiatry 163:1450-1451)  Wenn ein Antipsychotikum erforderlich ist, wird auf eine andere Substanzklasse gewechselt und niedrig beginnend eindosiert. Der Entzug von Parkinsonmedikamenten bei Parkinsonkranken in Sinne von Drug- Holidays wird ohnehin auch deshalb nicht mehr empfohlen, in jedem Fall sollten bei Parkinsonkranken die Medikamente (L-dopa und Dopaminagonisten) möglichst schnell wieder eindosiert werden. Bei rechtzeitiger Diagnose und Intensivbehandlung ist die Prognose meistens gut. (siehe auch J Neurol Neurosurg Psychiatry. 1995  58(3): 271–273.)

Patienten mit malignem neuroleptischem Syndrom haben ein erhöhtes Narkoserisiko, und sollte das durchgemachte Syndrom dem Narkosearzt mitteilen. Es sind zudem Rezidive möglich.
 

 

Diagnostische Kriterien nach dem DSM IV

A) Die Entwicklung einen schweren Rigors und erhöhter Temperatur in Verbindung mit neuroleptischer Medikation.

B) Zwei (oder mehr) der folgenden Kriterien (Symptome):

  • starkes Schwitzen
  • Dysphagie
  • Tremor
  • Inkontinenz
  • Bewusstseinsveränderungen von Verwirrtheit bis Koma
  • Mutismus
  • Tachykardie
  • erhöhter oder schwankender Blutdruck
  • Leukozytose
  • Laborhinweise für Muskelschädigung .

    Ausschluss: Die Symptome unter A und B sind nicht auf andere Substanzen oder einen neurologischen oder anderen medizinischen Krankheitsfaktor zurückzuführen.
    Die Symptome unter A und B können durch eine psychische Störung nicht besser erklärt werden.


Ananth J, Aduri K, Parameswaran S, Gunatilake S. Neuroleptic malignant syndrome: risk factors, pathophysiology, and treatment. Acta Neuropsychiatrica 2004: 16:219–228.Mane A, Baeza I, Morer A, Lazaro ML, Bernardo M. Neuroleptic malignant syndrome associated with risperidone in a male with early-onset schizophrenia. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2005 Dec;15(6):844- Borovicka MC, Bond LC, Gaughan KM.Ziprasidone- and Lithium-Induced Neuroleptic Malignant Syndrome (January). Ann Pharmacother. 2005 Dec 13, Tsai JH, Yang P, Yen JY, Chen CC, Yang MJ. Zotepine-induced catatonia as a precursor in the progression to neuroleptic malignant syndrome. Pharmacotherapy. 2005 Aug;25(8):1156-9Mendhekar DN, Jiloha RC.Neuroleptic malignant syndrome precipitated by haloperidol following clozapine discontinuation. Aust N Z J Psychiatry. 2005 Oct;39(10):947-8Nielsen J, Bruhn AM.Atypical neuroleptic malignant syndrome caused by olanzapine. Acta Psychiatr Scand. 2005 Sep;112(3):238-40;


Man-in-the-barrel-Syndrom
wörtlich "Mann einem Fass steckend" gemeint ist eine Lähmung beider Arme, besonders der Oberarme, als ob man in einem Fass feststecken würde, bei erhaltener Beweglichkeit des Gesichtes und der Beine.  Ursprünglich nur für beidseitige Fronallappenläsionen verwendeter Begriff. Meist sind beidseitige Grenzzoneninfarkte zwischen dem Stromgebiet der A. cerebri media und A. cerebri anterior, ursächlich,  die zu Infarkten im Marklager beider Hirnhälften führen. Da ausschließlich die Pyramidenbahnen geschädigt sind, kommt es zu keinen begleitenden Sensibilitätsstörung.  Diffuse Hirnschädigungen nach einem Schockzustand, nach Eingriffen am offenen Herzen, oder Herztamponade, diffus infiltrierende Hirntumore, Zustände nach Hirntrauma, verursachen selten ein ähnliches klinisches Bild. Markschädigungen auf der Höhe der Pyramidenbahnkreuzung oder dem oberen Halsmark z.B. bei Spinalis anterior Syndrom  , zervikaler Myelopathie Halsmarktraumen oder Raumforderungen können ähnlich klinische Zustände hervorrufen, die oft mit dem selben Syndrombegriff belegt werden.
  1. Sage JI, Van Clitert RL. Man-in-the-barrel syndrome. Neurology 1986; 36: 1102-3
  2. Georgiadis D.; Schulte-Mattler W.J.  Cruciate paralysis or man-in-the-barrel syndrome? Report of a case of Brachial Diplegia Acta Neurologica Scandinavica,  105, (4), 2002: 337-340(4)
  3. Peter P. Urban, Joachim Gawehn, Kurt Ringel, Man-in-the-barrel“-Syndrom, Klin Neuroradiol 15; 190- 94 2005
  4. Bhatoe HS. Multicentric glioma presenting as man-in-the-barrel syndrome. Neurol India [serial online] 2005 [cited 2008 May 20];53:371-2. Available from: http://www.neurologyindia.com/text.asp?2005/53/3/371/16954
  5. Berg, D.; Mullges, W.; Koltzenburg, M.; Bendszus, M.; Reiners, K. Man-in-the-barrel syndrome caused by cervical spinal cord infarction. Acta Neurologica Scandinavica.1998. 97(6):417-419,
  6. Yerdelen, Deniz; Karatas, Mehmet; Pourbagher, Aysin "Man-in-the-Barrel Syndrome" Owing to Cervical Spinal Cord Metastases: Case Report and Review. Neurosurgery Quarterly. 18(1):74-76, March 2008.


Manie
Bei einer Manie kann die Stimmung situationsinadäquat gehoben oder auch gereizt sein, sie kann zwischen sorgloser Heiterkeit und fast unkontrollierbarer Erregung auch Reizbarkeit, und Aggressivität schwanken. Die gehobene Stimmung ist mit gesteigertem Antrieb kombiniert. Überaktivität, Rededrang und vermindertem Schlafbedürfnis sind die Folge. Die Aufmerksamkeit ist durch vermehrte Ablenkbarkeit reduziert. Größenideen und/oder übertriebener Optimismus führen zu überhöhter Selbsteinschätzung. Der Verlust normaler sozialer Hemmungen kann zu einem leichtsinnigen, rücksichtslosen oder in Bezug auf die Umstände unpassenden und persönlichkeitsfremdem Verhalten führen. Manie kann alleine als eigenständiges Krankheitsbild oder im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen wie bipolaren Störungen oder schizoaffektiven Störungen aber auch organischen Persönlichkeitsveränderungen auftreten.


Manieriert-bizarr
Alltägliche Bewegungen und Handlungen (auch Gestik, Mimik und Sprache) werden verstiegen, verschroben, possenhaft und verschnörkelt, manchmal mit einer ausgesprochen spielerischen Note, ausgeführt.  Veränderung des Ausdrucksverhaltens mit sonderbaren, verschrobenen Gewohnheiten, die meist in bizarren Entstellungen von sinnvollen Handlungen bestehen. Manieriert meint auch unnatürlich, schwülstig, aufgeblasen im Sinne von hochtrabend und wichtigtuerisch, geziert, affektiert und gekünstelt, verkrampft, stilisiert, floskelhaft. Hier ist auch noch einzutragen bizarres Verhalten: Ein Patient benimmt sich besonders auffällig (im Kontrast zum landes- und gruppen-üblichen) im Sprechen, Sich-Bewegen, in der Kleidung.


Manipulation
verdeckte Beeinflussung des Menschen zum Zwecke einer zielgerichteten Lenkung des Bewusstseins, der Denkgewohnheiten oder der Gefühlslage, bzw. die Steuerung des Erlebens und Verhalten von Einzelnen und Gruppen.


manuelle Medizin
= Chirotherapie, in den USA auch Osteopathie. Die manuelle Medizin nutzt für Diagnostik und Therapie von Funktionsstörungen am Bewegungsapparat definierte Handgriffe und differenzierte manuelle Techniken (Weichteiltechniken, Mobilisationen). Angriffspunkte sind funktionelle, reversible Störungen im Regelkreis Gelenkspiel -nozizeptive Afferenz - motorische Efferenz - Schmerzempfindung. Durch die Wiederherstellung eines regelrechten Gelenkspieles bessern sich nicht nur Schmerzen, Voraussetzung zur manuellen Therapie sind sorgfältige klinische Untersuchungen unter Einschluss bildgebender Verfahren, eine manuell-medizinische Untersuchung sowie die korrekte Lagerung und Fixierung. Bei nachweisbaren Gelenkblockierungen ergeben sich als Indikation für eine manuelle Therapie in der Rheumatologie: Wegen der Gefahr von induzierten Gefügestörungen müssen Kontraindikationen der manuellen Therapie in der Behandlung beachtet werden: akute Arthritis oder Spondylitis, Knochenerkrankungen (hochgradige Osteoporose, schwere Osteomalazie, M. Paget), Neoplasien (Primäre Knochentumore, Knochenmetastasen), Radikuläre, medulläre Kompression, akuter Bandscheibenprolaps, Hypermobilität der Wirbelsäule oder der peripheren Gelenke, Gefügelockerungen von Bewegungssegmenten der Wirbelsäule (Cervikalarthritis) oder peripherer Gelenke, frische Frakturen, schwere arterielle Durchblutungsstörungen (Halswirbelsäule). Vorsicht bei hohem Lebensalter! Die manuelle Therapie darf nur von einem entsprechend weitergebildeten Arzt/Physiotherapeuten unter Kenntnis von Indikationen und Kontraindikationen durchgeführt werden. Auch bei Behandlung durch den Fachmann sind bei Manipulationen an der Halswirbelsäule Schlaganfälle beschrieben, wie hoch das Risiko ist, ist strittig, es wird von Verfechtern der Methode als sehr gering angesehen, Neurologen schätzen es teilweise wesentlich höher ein. Ob die Statistiken zuverlässig sind, ist Gegenstand der Diskussion. Von Neurologen immer wieder beschrieben und in ihrer Inzidenz unbekannt sind die Komplikationen mit Dissektion der A. vertebralis und Schlaganfall bei jungen bis dahin gesunden Menschen. Hier die Ergebnisse einer in der Zeitschrift Manuelle Medizin veröffentlichten Metaananalyse der Literatur. Die niedrige Inzidenz, die die Studie vermuten lässt, beruhigt. Allein vieles bleibt weiter offen. Dies ist umso bedeutsamer, als der therapeutische Nutzen als umstritten gilt.  Schätzungsweise sind nur 1,3 von 1000 Schlaganfällen auf eine Dissektion im vertebrobasilären Stromgebiet zurückzuführen. In einem großen medizinischen Zentrum können maximal 0,5 bis 3 Fälle pro Jahr erwartet werden. Nach einer Metaanalyse der Literatur traten 160 Fälle spontan auf, 115 Fälle nach einer Manipulation (Chiropraxis), 58 Fälle nach einem Bagatelltrauma und 37 Fälle nach einem massiven Trauma. Die subjektiven Beschreibungen der Manipulationen reichen von gewaltsam bis sanft. Beteiligt ist nahezu jede Art der Manipulation. Inzidenzschätzung der Veröffentlichung zwischen 1 von 1,3 Millionen Behandlungssitzungen und 1 von 400.000 Behandlungssitzungen. Es ist allerdings anzunehmen, dass bei weitem nicht alle Fälle veröffentlicht werden, die Dunkelziffer bleibt unklar. Als mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen der Wirbelsäulenmanipulation und einer Dissektion im vertebrobasilären Stromgebiet wird diskutiert, dass die zervikale Manipulation in vielen Fällen bei Patienten eingesetzt wird, die bereits an einer fortschreitenden Dissektion leiden. Diese Theorie stützt sich auf die Beobachtung, dass viele Patienten mit einer spontanen Dissektion akute Nacken- und Kopfschmerzen als initiale Symptome angeben, was sich mit fortschreitender Zeit zu einem Hirninfarkt entwickelt. Da die meisten zervikalen Manipulationen zur Therapie von Nacken- und Kopfschmerzen durchgeführt werden, erscheint es wahrscheinlich, dass Patienten mit einer fortschreitenden Dissektion, die von einem Therapeuten gesehen werden, einer Manipulationsbehandlung zugeführt werden. Diese kann wiederum eine Gefäßokklusion induzieren oder zur Dislokation eines Embolus führen. Die Durchsicht der Artikel ermöglichte keine Beurteilung über die Anzahl der Fälle, die dieser Kategorie zugeordnet werden könnten.
S. Haldeman 1 · F. J. Kohlbeck 2 · M. McGregor 3, Manuelle Medizin, 2000  38: 3-16 DGMM Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin -  kritisches bei Quackwatch"ausgerenkt": das schwer fassbare Zauberwort der Chiropraktoren Verdeckte Ermittlungen Wenn Chiropraktoren sich zu gut verkaufen Mein Besuch bei einem "orthodoxen" Chiropraktor Innenansichten aus der Chiropraxis Office Kontakt Reflex Analyse Was kann ein vernünftiger Chiropraktiker für Sie tun? Tips wie man einen Chiropraktiker auswählt Hilfskommittee für Chiropraxie-Opfer Gruppen-Klage  (Class Action Suit) gegen Life University möglich


MAO
meint in der Medizin nicht einen ehemaligen chinesischen Parteivorsitzenden, Despoten und Massenmörder, sondern das Enzym Monoaminooxidase (MAO). Die Gene, die die MAO kodieren, spielen in der Forschung nach den Ursachen psychischer Störungen eine Rolle. MAO-A Gene sind auf dem X Chromosom lokalisiert, sie helfen Amine wie das Serotonin im Darm abzubauen und spielen eine Rolle bei der Verstoffwechselung von biogenen Aminen wie Dopamin, Noradrenalin, und Serotonin. Eine verkürzte Version des Gens soll die eine niedrige MAO- Aktivität produziert soll beispielsweise bei der Entstehung der antisozialen Persönlichkeit oder kriminellem Verhalten spielen.  In der Depressionsbehandlung werden MAO-A Hemmer wie der selektive reversible MAO-A Hemmer ( RIMA) Moclobemid) und der nichtselektive MAO Hemmer Tranylcypromin eingesetzt, sie blockieren den Abbau von Noradrenalin, und Serotonin und erhöhen damit beispielsweise die Serotoninkonzentration in der Synapse. In der Parkinsonbehandlung finden MAO-B-Hemmer wie Selegelin oder Rasagilin Anwendung, sie blockieren den Dopaminabbau und erhöhen damit die Dopaminkonzentration in der Synapse. Die MAO- Hemmer sind nur teilselektiv, sie dürfen mit bestimmten anderen Medikamenten nicht kombiniert werden. Bei manchen MAO- Hemmern muss bei der Nahrungsaufnahme auf den verminderten Konsum biogener Amine geachtet werden um schwere Nebenwirkungen zu verhindern. Fragen Sie Ihren Arzt.  


Marchiafava-Bignami-Syndrom
über die Pathologie definierte Erkrankung mit Entmarkung des Balkens, möglicherweise eine Variante der zentralen pontinen Myelinolyse, Ätiologie: unbekannt; sehr häufig (aber nicht immer) mit Alkoholismus (v.a. Wein) assoziiert, daher wird auch ein nutritiver Faktor oder ein Zusammenhang mit Elektrolytstörungen diskutiert.: Entmarkung des Balkens; ähnliche symmetrische Läsionen in den zentralen Anteilen der vorderen und hinteren Kommissur und im Brachium pontis möglich, seltener in den Hintersträngen, oberen Kleinhirnschenkeln und im Centrum semiovale; Aussparung der Capsula interna, der Corona radiata und des Cerebellum. Klinisches Bild: sehr variabel: Frontalhirnsyndrom, progredienter dementieller Abbau, Dysarthrie und andere fokale Ausfälle, epileptische Anfälle, Inkontinenz, symptomatische Psychosen, terminal Koma NMR: Entmarkung des Balkens (v.a. vorderes Drittel) Thiamin ist unwirksam, sehr variabler Verlauf: akute und chronische Verläufe; Remissionen möglich.


Massenhysterie - Wenn Angst ansteckend ist
Siehe hier!


Masseterreflex
Die Untersuchung des Masseterreflex ist hilfreich, um periphere Läsionen des Nervus trigeminus, pontine und mesenzephale Läsionen zu erfassen. Der Reflexbogen des Masseterreflexes beginnt im Kaumuskel. Die Afferenzen ziehen dann vermutlich mit dem sensiblen Anteil des N. trigeminus zum mesenzephalen Teil des sensiblen trigeminalen Kerngebietes und projizieren von dort zum motorischen Kern in der Brücke. Seine Efferenzen sind die motorischen Fasern des N. trigeminus zum M. masseter.
SABINE FITZEK, OTTO W. WITTE, Der Masseterreflex, Das Neurophysiologie-Labor 3/02.


McGurk- Effekt
Versuchspersonen wurde ein Videoband gezeigt, auf dem eine Sprecherin ga ga sagte, dabei wurde auf der Tonspur das g durch ein b ersetzt, so dass die Person real ba ba sagte. Die Versuchspersonen hörten da da. Die Versuchspersonen haben beim Hören die Lippenbewegungen mitberücksichtigt. Man schloss daraus, dass bei der Sprachverarbeitung jedes verfügbare Signal auch aus anderen Sinnesmodalitäten für das Verständnis genutzt wird. Für die Sprachwahrnehmung scheint auch das unbewusste Wissen über die Entstehungsorte des Laute bedeutsam.


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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

 

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Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage und das Vorwort. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. 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