Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

    home-brt.gif (1287 Byte)

Dies ist noch eine Testversion der Umgestaltung des Glossars um eine bessere Benutzerfreundlichkeit zu erzeugen, bitte haben Sie Verständnis, dass noch nicht alles perfekt ist

Neue Seite 1

 

Wichtiger Hinweis: Sämtliche Äußerungen auf diesen Seiten erfolgen unter Ausschluss jeglicher Haftung für möglicherweise unzutreffende Angaben tatsächlicher oder rechtlicher Art. Ansprüche irgendwelcher Art können aus eventuell unzutreffenden Angaben nicht hergeleitet werden. Selbstverständlich erheben die Aussagen keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit, es wird daneben eine Vielzahl vollkommen anderer Erfahrungen und Auffassungen geben. Für die Abmahnwütigen noch ein Hinweis zu den Links auf diesen Webseiten: Ich distanziere mich ausdrücklich von den Inhalten der Webseiten und Internetressourcen, auf die ich mit meinen Links verweise. Die Haftung für Inhalte der verlinkten Seiten wird ausdrücklich ausgeschlossen.  Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage, dieser beinhaltet das Impressum, weiteres auch im Vorwort.

Navigation: Unten nach dem letzten Stichwort einer Seite finden sie einen Link, um auf die nächste Seite des betreffenden Buchstabens weiter zu klicken. Um zum nächsten Buchstaben zu kommen, nutzen Sie bitte die Links aus der Buchstabenreihe, die sich jeweils oben und unten auf der Seite befindet. Alternativ können Sie die Suchbox verwenden, diese durchsucht das Glossar, das jeweils auch einen Link zu den ausführlichen Themenseiten enthält. Das Glossar wurde unter Verwendung neuester Literatur erstellt. Insbesondere dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der letzten 10Jahre. Nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate sind kenntlich gemacht. Verständlicherweise konnte durch Verwendung verschiedener Quellen eine Mischung aus den unterschiedlichen Zitaten nicht immer vermieden werden.  Soweit möglich wird dies angezeigt. Nicht alles ist auf Anhieb laienverständlich, da ich die Zusammenstellung auch für mich selbst nutze, musste hier ein Kompromiss zwischen Verständlichkeit und medizinischer und psychologischer Exaktheit gefunden werden. Falls sich jemand falsch oder in zu großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail schicken. KM 19.4.2000 Siehe auch die ergänzenden Hinweise unten auf dieser Seite.    

PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

p450 Cytochrom
Siehe unter p450


Pädagogik
Erziehungswissenschaft, sie umfasst dabei die Erforschung des erzieherischen Handelns und die Theorie der Erziehung. Erziehung wird dabei als zumindest teilweise bewusster, planbarer und veränderbarer Vorgang betrachtet. Gerade diese aktive Formung ist immer wieder unter unterschiedlichen Vorzeichen Gegenstand der Kritik geworden. Der Erzieher geht von bestimmten Normvorstellungen und Erziehungszielen aus, diese bestimmen das Vorgehen, die Auswahl der Institutionen, Inhalte, Methoden, die Medien und auch die Erfolgsmaßstäbe. Sonderpädagogik beschäftigt sich mit der Erziehung und Bildung von Behinderten. Ein Pädagoge ist ein Erzieher oder Lehrer. Verschiedene Herangehensweise: hermeneutische Position, Position des Kritischen Rationalismus, Position der Kritischen Theorie u.v.a.m.


Pädophilie
Der Begriff wurde von Krafft-Ebing als pedophilia erotica geprägt. Oft wird inzwischen auch pädosexuell synonym zu pädophil verwendet. Es handelt sich um eine psychische Störung. Nicht jeder sexuelle Beziehung zu Minderjährigen ist pädophil motiviert, manchmal bilden Kinder einen "Ersatz für sonst fehlende Sexualpartner, dann liegt nicht unbedingt eine Pädophilie vor. Sexuelle Präferenz für Kinder, Jungen oder Mädchen oder Kinder beiderlei Geschlechts, die sich meist in der Vorpubertät oder in einem frühen Stadium der Pubertät befinden. Nach dem DSM IV spricht man davon nur, wenn dies über mindestens 6 Monate mit wiederkehrenden intensiven sexuell erregenden Fantasien, sexuellem Drang oder Verhalten das sexuelle Aktivität mit Kindern unter 13 Jahre oder Jünger der Fall ist. Die Person nach diesem sexuellen Drang oder diesen Fantasien gehandelt hat, oder die Fantasien erhebliche Bedrängnis oder zwischenmenschliche Schwierigkeiten verursacht haben. Die Person muss mindestens 16 Jahre alt sein und mindestens 5 Jahre älter als das oder die Kinder. Ein 17 jähriger der eine sexuelle Beziehung zu einer 12 oder 13 jährigen unterhält würde nicht unter diese Definition fallen. Dennoch beginnt padophiles Verhalten oft in der späten Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter.
Pädophilie liegt nach DSM-IV 302.2 vor wenn :
A. Über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell
erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die
sexuelle Handlungen mit einem präpubertären Kind oder Kindern (in der Regel 13
Jahre oder jünger) beinhalten.
B. Die Phantasien, sexuell dranghaften Bedürfnisse oder Verhaltensweisen verursachen in
klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen
oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
C. Die Person ist mindestens 16 Jahre alt und mindestens 5 Jahre älter als das Kind oder
die Kinder nach Kriterium A.
Des weiteren soll das Opfergeschlecht bestimmt werden, ferner ob der Betreffende
ausschließlich auf Kinder orientiert ist (Ausschließlicher Typus oder Nicht Ausschließlicher
Typus) und ob eine Beschränkung auf Inzest vorliegt.
Auch 25% der heterosexuellen Männer soll präpubertäre Mädchen sexuell erregend empfinden ohne überwiegend pädophile Fantasien zu haben oder überwiegend pädophil ausgerichtet zu sein. Pädophile werden meist durch Kinder zwischen 4 und 14 Jahren sexuell erregt, dabei soll es 2 Gruppen mit einem Gipfel 5-6 jährigen und einem Gipfel bei den 11-12 jährigen geben. Pädophile bleiben dabei meist auf einen Alterabschnitt fixiert. Das Interesse erlischt oft mit der Pubertät der Kinder. Für viele Pädophile ist das Berühren des Kindes allein als erregend, ohne dass diese Berührungen im Genitalbereich stattfinden müssen. Bestraft werden nur eindeutig sexuelle Handlungen. Pädophilie ist nicht gleichbedeutend mit Kindesmissbrauch. Nicht jeder pädophile Mensch missbraucht Kinder, auch wenn er subjektiv unter seinen Fantasien leidet sind die diagnostischen Kriterien erfüllt.

Einzelfälle der späten Entwicklung einer Pädophilie als Folge eines Hirntumors der auf das Frontalhirn drückt sind bekannt. Archives of Neurology (2003; 60: 437-440) In einer Studie mit funktionellen Kernspintomografien blieb bei Pädophilen die normalerweise durch das Betrachten erotischer Bilder ausgelösten Reaktionen im Hypothalamus, in der periaquäduktalen grauen Substanz und im dorsolateralen präfrontalen Kortex aus oder war nur gering ausgeprägt. Das Ausbleiben einer Reaktion dieser für die Steuerung der vegetativen Komponenten der sexuellen Erregung wichtigen Zentren deuten die Forscher als fehlende normale sexuelle Reaktion auf Erwachsene. Pädoohilie ließe sich damit langfristig auch auf organischer Ebene darstellen, was forensisch von Bedeutung werden könnte. Biological Psychiatry (2007: 62: 698-701, doi:10.1016/j.biopsych.2006.10.018). Andere Forscher sahen strukturelle Defekte in den Gehirnen von Pädophilen in den rechten Amygdala, die möglicherweise in den kritischen Perioden der Prägung der sexuellen Präferenz die Störung begünstigen können. Arch Gen Psychiatry. (2007;64:737-746.) Eine Behandlung mit Medikamenten, die die sexuelle Lust vermindern (SSRI, Antiandrogene, bestimmte Neuroleptika..)kann in Einzelfällen hilfreich sein.

Die Diskussion ob es sinnvoll ist Pädophilie als eine psychische Störung anzusehen ist weiter aktuell. Man schätzt, dass es in der Bundesrepublik Deutschland 50.000 bis 200.000 pädophile Menschen gibt. 80% der Pädophilen scheinen auf Jungen fixiert zu sein. 1999 in Deutschland insgesamt 19.436 Kinder als Opfer sexuellen Missbrauchs erfasst.2001 wurden 1.432 Erwachsene und 222 Jugendliche wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern mit Körperkontakt verurteilt. Weitere 458 Erwachsene und 41 „Unter- 21-Jährige“ wurden wegen sexuellen Missbrauchs ohne Körperkontakt verurteilt. Nur 30 der insgesamt 2.152 Verurteilten waren Frauen. 12% aller Männer geben sexuelle Berührungen durch Erwachsenen im Kindesalter an, 5,3 % der befragten Männer berichteten, dass sie als Kind unfreiwillige Sexualkontakte mit einem Mann gehabt hätten, der beträchtlich älter war als sie. 7,7 % sprachen von freiwilligen Kontakten zu den Männern, bei den Frauen sind es 17%. 29% missbrauchter Kinder werden nach amerikanischen Daten von den Eltern missbraucht, 25% von anderen Eltern, andere Bezugspersonen (Erzieher, Verwandte..) machen 46% der Täter aus. 5% der Täter sind Fremde, Bekannte und Verwandte stellte 53% und Familienmitglieder stellen 42% der Täter. 89% der Kinder wurden von Männern missbraucht 12% von Frauen. Sexueller Missbrauch geht nur zu einem geringen Teil auf das Konto pädophiler Täter, sie sollen nur für 2-10% des sexuellen Missbrauchs verantwortlich sein. Wegen der Häufigkeit und da missbrauchte Kinder häufig Verhaltensstörungen, Drogenmissbrauch, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen und Suizidgedanken entwickeln ist Pädophilie in diesem Bereich dennoch ein gravierendes Problem. Die Verjährung von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ruht bis das Opfer 18 Jahre alt ist und beträgt dann 10 Jahre bei Vergewaltigung 20 Jahre. Das bedeutet, dass junge Frauen und Männer eine Tat, die ihnen in der Kindheit oder Jugend passiert ist, auch noch mit 18 Jahren zur Anzeige bringen können (§ 78b StGB). Auch Straftaten im Ausland werden inzwischen verfolgt. Die von der Norm abweichende pädosexuelle Orientierung ist das Hauptunterscheidungsmerkmal pädoseueller oder pädophiler Menschen. Sie sind nicht triebhafter als andere Menschen und haben auch nicht mehr unbeherrschbaren sexuellen Handlungsdruck als homosexuelle oder normal an Gleichaltrigen interessierte heterosexuelle Menschen. Wie bei allen anderen Menschen können sie ihre sexuellen Begierden normalerweise unter Kontrolle behalten. Da Sexualität mit Kindern generell verboten ist, wird ihnen ein größere aber leistbarer Verzicht abverlangt. Seit den über 20 Jahren ist es in der Forschung eindeutig, dass Pädophilie nicht an sich heilbar ist. Die Betroffenen fühlen sich in der Regel lebenslang zu Kindern sexuell hingezogen. Behandlungsziel ist, dass die Betroffenen den Missbrauch einstellen und ihr Verhalten kontrollieren lernen. Verhaltenstherapeutische Gruppenbehandlungen in Kombination mit den Testosteronspiegel senkenden Medikamenten halbieren in etwa die Rückfallrate der Täter. Pädophile sollen besonders häufig in pädagogischen Berufen (Jugenderzieher, Lehrer, Priester,...) anzutreffen sein. Dass sexueller Missbrauch von Kindern das Risiko psychischer Störungen massiv erhöht, ist unzweifelhaft. Eine große prospektive Untersuchung, die 1612 Kinder davon 1327 Mädchen mit nachgewiesenem sexuellem Missbrauch (ein hoher Prozentsatz mit nachgewiesener Pentration) als junge Erwachsene nachuntersuchte fand eindeutige Hinweise auf psychische Störungen als Folge des Missbrauchs bei den jungen Erwachsenen. 12.4% der sexuell missbrauchten Kinder waren als junge Erwachsene in psychiatrischer Betreuung im Vergleich zu nur 3.6% der Kontrollpersonen, bei den männlichen Opfern waren die Folgen in dieser Studie sogar gravierender hier waren 22.8% als junge Erwachsene in psychiatrischer Betreuung im Vergleich zu nur 10.2% der Kontrollpersonen. Verhaltensstörungen und Persönlichkeitsstörungen waren die häufigsten Folgen. siehe auch unter Paraphilie und unter Kindesmissbrauch
siehe unter Paraphilie The British Journal of Psychiatry (2004) 184: 416-421  Finkelhor D,et al 1990. Finkelhor D 1994. Gorey KM, Leslie DR1997. Margolin L. Cappelleri JC, etal 1993 P. J. Fagan, et al, Pedophilia JAMA,288(19): 2458 - 2465. [Abstract] [Full Text] [PDF]  Swanston et al PEDIATRICS Vol. 100 No. 4 October 1997, pp. 600-608      Jugendschutzgesetz (JuSchG) (.pdf, 881 kB), JuSchG - Stand 01.04.04 - (.pdf, 1.145 kB), www.kinderschutz-zentren.org Zentrale Zugangsseite der Kinderschutz-Zentren www.youngavenue.de Kinderschutz-Zentren Seite für Kinder Informationen, Kommunikationsräume und Hilfen, www.zartbitter.de Kölner Informations- und Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, www.zissg.de Zentrale Informationsstelle zu sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt, www.jugendschutz.net Gemeinsame Seite der Jugendministerinnen und Jugendminister der Länder, www.frauen-maedchen-beratung.de  www.bmfsfj.de Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, www.dggkv.de Deutsche Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung www.dji.de/ikk  Deutsches Jugendinstitut e.V. München, www.bundesverein.de Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen e.V.  Meldestellen Kinderpornografie: Baden-Württemberg: flz@lka.polizei-bw.de Bayern: blka@polizei.bayern.de mailto:ppmuc@polizei.bayern.de , Berlin: lka@polizei.berlin.de Hamburg: lka-hinweise-rechts@hamburg.de Mecklenburg-Vorpommern: www.isinet-mv.de/pages/ Nordrhein-Westfalen: www.lka.nrw.de/formular/kontakt2.asp Rheinland-Pfalz: landeskriminalamt.fahndung@polizei.rlp.de Saarland: lka211@slpol.de Sachsen: www.lka.sachsen.de/FrFeedback.htm Sachsen-Anhalt: Anzeigen.Hinweise@lka.pol.lsa-net.de Thüringen: cybercop-tlka@knuut.de



Palinopsie
( von griechisch palin wiederholt, und opsis, Sehen) ist eine Sehstörung, bei der kürzlich Gesehenes in Form von Nachbildern „perseveriert“ oder erneut wieder auftaucht. Diskrete stationäre Bilder ziehen wie ein geisterhafter Streifen sekundenlang hinter dem sich bewegenden Original her, bleiben noch für Minuten im peripheren Gesichtsfeld erhalten oder werden zum Teil in der Komplementärfarbe des Originals wahrgenommen. Die Symptome können leicht mit einem Verwirrtheitszustand verwechselt werden. Es handelt sich allerdings um ein hirnlokales neuropsychologsiches Symptom. Im Lancet findet sich eine minutiöse Fallbeschreibung ein Patient sieht zunächst als Beifahrer eines Autos nach passieren einer Ampel eine schräge Reihe von Ampeln in seinem zentralen Gesichtfeld, die nach ein paar Minuten wieder verschwinden, Darauf hin folgte ein linksseitiger Gesichtsfeldverlust. Er ging daraufhin in eine Ambulanz, dort sah er eine Röntgenbild eines Knies, wo immer er danach hinsah, sah er Gesichter, Lichtsschalter, Möbel.. mit den Formen und Farben eines Knieröntgenbildes Das dauerte wiederum einige Minuten. Eine Krankenschwester die vorbeiging sah er dann im linken Gesichtsfeld immer wieder vorbeilaufen. Später sah er einen Patienten ein Eis essen, daraufhin sah er auch beim Anblick anderer Patienten und des Personals der Ambulanz, dass diese am Eisessen waren. Es schien nicht emotional betroffen, war außer diesen Halluzinationen nicht verwirrt. .Die Wahrnehmungsstörung kommt nach schwerer Schädigung der hinteren Hirnbereiche (Okzipitalregion) meist der nicht dominanten Hirnhälfte vor, zuweilen bei Migränepatienten, nach plötzlichem Visusverlust, nach Schlaganfall, sowie in Verbindung mit den Psychodrogen Mescalin, LSD und Ecstasy. Funktional Kernspintomographien lassen vermuten, dass der Ursprung in parietalen cortikalen Projektionsbahnen zur Okzipitalen Rinde liegt. Es handelt sich möglicherweise um ein Phänomen das auf epileptische Entladungen im Sinne eines visuellen Anfalls zurückgeht. Auch verschiedene Arzneimittel werden verdächtigt, Palinopsie auszulösen: Antidepressiva wie Maprotilin (LUDIOMILu.a.), Nefazodon (NEFADAR) und Trazodon (THOMBRAN) das Neuroleptikum Risperidon (RISPERDAL) und das Antikrebsmittel Interleukin 2 (PROLEUKIN). Auftreten nach Dosissteigerung bzw. Verschwinden nach Absetzen sprechen für einen Zusammenhang mit der Medikation. Zum Teil bestanden Risikofaktoren wie Hirninfarkt im hinteren Hirnbereich oder es wurden gleichzeitig Trazodon und Risperidon eingenommen.
arznei - telegramm 2001; Jg. 32, Nr. 1. Eine Behandlung mit Antiepileptika bringt das Phänomen manchmal zum Verschwinden. Meadows JC, Munro SSF. Palinopsia.  J Neurol Neurosurg Psychiatr 1977; 40: 5-8. Norton JW, Corbett JJ. Visual perceptual abnormalities: hallucinations and illusions.  Semin Neurol 2000; 20: 111-21. ]Hayashi R, Shimizu S, Watanabe R, Katsumata Y, Mimura M. Palinopsia and perilesional hyperperfusion following subcortical hemorrhage.  Acta Neurol Scand 2002; 105: 228-31. Cummings JL, Syndulko K, Goldberg Z, Treiman DM. Palinopsia reconsidered.  Neurology 1982; 32: 444-47.Philip E M Smith, Pushkar Shah, Jan Sharpe, Anna Todd, Andrew P Goringe Palinopsia Lancet 2003; 361: 1098


Palpitationen
Herzklopfen. Neben den Arrhythmien sind Angsterkrankungen die häufigste Ursache von Palpitationen. Eine entsprechende psychiatrische Untersuchung klärt meist die Diagnose, eine organische Ausschlussdiagnostik ist aber immer erforderlich. Besonders, wenn gleichzeitig Schwindel, Beinahe- Ohnmachten, Ohnmachten oder ein sehr schneller Puls beteiligt sind, ist eine rasche organische Abklärung anzuraten. Neben Herzerkrankungen wie (gutartigen oder bedrohlichen) Arrhythmien oder anderen organischen Erkrankungen wie Anämien, Elektrolytstörungen, Fieber, Hyperthyroidismus, Hypoglykämie, Hypovolämie, Phäochromozytome, Lungenerkrankungen, kommen auch psychische Störungen als Ursache in Betracht. Insbesondere bei Angststörungen, Panikattacken, Drogen-, Kaffee-, Nikotin-, oder Alkoholeinwirkung oder Entzug kann Herzklopfen das vorrangige Symptom sein. Oft sind auch Medikamente verantwortlich, z.B. Digitalis, Phenothiazine, Theophyllin, Betaagonisten (bei der Asthmabehandlung).


Panarteriitis nodosa
(wörtlich Entzündung aller Gefäße mit Knotenbildung). Entzündung der kleinen und mittelgroßen Gefäße, die dann Aussackungen der Gefäße (=Aneurysmen) bilden, die als Knötchen auch in der Haut tastbar sein können.  Betrifft überwiegend Männer, ab 40, Prävalenz 6,3/100 000 Einwohner, besonders häufig nach Hepatitisinfektion. Führt zu  starkem Krankheitsgefühl, Muskelschmerzen, Hodenschmerzen, als Folge der  Durchblutungsstörungen der Organd kommt es zu Darmkloliken, Erbrechen, Durchfall, Darmblutungen, Gelenkentzündungen, Herzinfarkten, Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen, Kardiomyopathie, Gewichtsverlust, Livedo reticularis (Hautveränderung),  Muskelschmerzen, Erhöhung des diastolischen Blutdrucks, Niereninsuffizienz. Neurologisch: Synkopen, Schlaganfällen, und einer Mononeuritis multiplex seltener auch zu distal symmetischen Polyneuropathie.

Diagnosesicherung über Angiographie, Biopsie der betroffenen Gefäße,  EMG, im Labor Entzündungszeichen mit CRP und BKS- Erhöhung, Leukozytose, Eosinophilie, pos. Rheumafaktoren,  zirkulierenden Immunkomplexen,  Kryoglobulinen, pos. Hepatitisserologie, c-ANCA selten, Komplementverbrauch.

Therapie: Prednisolon, unterstützt durch Cyclophosphamid oder  Azathioprin, manchmal Plasmapherese.



Panellstudie
Dieselbe Personengruppe wird zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht. Vorher- Nachher. Erhebungsverfahren zur Einstellungsmessung und Meinungsforschung. Die Befragung wird an der gleichen Stichprobe (Zielgruppe), dem «panel», mehrmals durchgeführt und gestattet so eine Verlaufsanalyse von Meinungen und Einstellungen. Die Paneltechnik dient damit der Feststellung von Einstellungs-, Entscheidungs- und Verhaltensänderungen unter veränderten Umweltbedingungen oder neuen Außeneinflüssen und eignet sich von daher besonders für die empirische Analyse des sozialen Wandels.


Panenzephalitis subakute sklerosierende (SSPE)
tödlich verlaufende Komplikation der Maserninfektion. Jahre nach der Maserninfektion kann bei 1–5/ 1000 000 durch Verbleib eines veränderten Masernvirus im Zentralnervensystem diese schwere Erkrankung auftreten. Beginn schleichend mit kognitiven und motorischen Störungen häufig letal.


Panikattacken
Umschriebene Perioden mit plötzlich einsetzender intensiver Besorgnis, Angst oder Schrecken, häufig verbunden mit dem Gefühl dro en h den Unheils. Während dieser Attacken bestehen Symptome wie Kurzatmigkeit oder Erstickungsgefühle, Palpitationen, Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag, Brustschmerzen oder -beschwerden, Beklemmungen und Angst, den Verstand oder die Beherrschung zu verlieren. Panikattacken können unerwartet sein (ohne Hinweisreiz), wobei das Einsetzen der Attacken nicht mit einem situativen Auslöser verbunden ist, sondern ,,aus heiterem Himmel" auftritt. Oder die Panikattacken können situationsgebunden sein, wobei sie fast ausnahmslos sofort bei der Konfrontation mit oder der Erwartung von einem situativen Auslöser (Hinweisreiz) auftreten. Oder es besteht eine situative Prädisposition, wobei die Panikattacken bei der Konfrontation mit einem situativen Auslöser mit größerer Wahrscheinlichkeit auftreten, aber nicht unveränderlich daran gebunden sind.
siehe unter Angststörungen


Pannexin
Gap junctions sind Ansammlungen interzellularer Kanäle die von Connexinen gebildet werden, eine multigene Familie mit 20 verschiedenen Varianten bei Menschen. Gap junctions zwischen Neuronen bilden das anatomische Substrat der elektrischen Synapsen. Pannexine haben Gemeinsamkeiten mit den Gap junction bildenden Proteinen. Nach einer neuen Untersuchung werden die Gene Pannexin 1 (Px1) und Px2 im Gehirn sehr stark und weit verbreitet exprimiert. ,In vielen neuronalen Zellverbänden, einschließlich Hippocampus, Bulbus olfactorius, Rinde und Kleinhirn gibt eis eine Coexpression beider Pannexine, in anderen Hirngebieten, besonders in der weißen Substanz, fanden sich nur Px1-positive Zellen. Obwohl elektrische Synapsen im Gegensatz zu chemischen Synapsen im Gehirn weniger verbreitet sind, haben Studien gezeigt, dass insbesondere Interneurone im Hippocampus und Neocortex mittels elektrischer Synapsen kommunizieren. Die jetzt nachgewiesene weitere Verbreitung könnte auf eine größere Bedeutung dieser Synapsen hinweisen.
Roberto Bruzzone, Sheriar G. Hormuzdi, Michael T. Barbe, Anne Herb, and Hannah Monyer  Pannexins, a family of gap junction proteins expressed in brain PNAS 2003 100: 13644-13649; published online before print November 3 2003, 10.1073/pnas.2233464100 [Abstract] [Full Text] [PDF] [Supporting Figures]


Paradigma
Regelsystem, Muster, Modell


Paradoxie
Die Paradoxie heißt „richtig=falsch." Zur Bedingung der tragischen Wirksamkeit von Paradoxien gehört, dass eine solche Gleichung nicht als „Un-Sinn" abgetan werden kann. In menschlichen Tragödien geht es nicht logisch zu. Einfache Paradoxien von der Art „Alle Kreter lügen – sagt ein Kreter" kommen ohne das tragische Moment aus. Aus der Formulierung folgt nur: wenn der Kreter Recht hat (dass alle Kreter lügen), dann lügt er. Wenn er aber lügt, sagt er gerade die Wahrheit. Hier entsteht die Paradoxie nicht durch das Tragische, sondern durch die Selbstrückbezüglichkeit der Aussage. Paradoxien überschreiten die Logik und weisen auf andere Dimensionen hin. Sie zu „entparadoxieren" ist vermutlich das, was im allgemeinen als „Lösung" eines Konflikts bezeichnet wird. Pragmatische Paradoxien entstehen, wenn dieselben Ereignisse innerhalb verschiedener Kontexte unvereinbare Bedeutungen erhalten, wenn diese Bedeutungen zugleich als relevant erkannt, für Handeln verpflichtend und als verbindlich angesehen werden müssen; und wenn aus den unterschiedlichen Bewertungen und Bedeutungen gegenteilige Handlungsmaximen folgen. Ödipus wird geweissagt, dass er seinen Vater umbringen und seine Mutter heiraten wird – im Kontext dieser Weissagung ist seine Reaktion richtig: er verlässt seine Pflegeeltern, um sein Ziel zu erreichen, die Vorhersage nicht eintreten zu lassen. Im anderen Kontext des griechischen Mythos ist seine Reaktion gerade falsch: sie führt zur Erfüllung der Vorhersage. Ins Zentrum der Tragödie ist eine Paradoxie eingerückt. Wenn Ödipus „richtig" handelt, handelt er „falsch" – und umgekehrt. Nicht immer zu entdecken und aufzuklären sind Irrtümer aufgrund unterschiedlicher Definitionen. So scheinen Peru und andere südamerikanische Länder eine überraschend geringe Säuglingssterblichkeit zu haben. Doch unterscheiden sich die Definitionen von „Säuglingssterblichkeit“ von Land zu Land: „Lebendgeboren“ sind Kinder in Deutschland mit dem ersten Herzschlag oder dem Einsetzen der Atmung, in Peru jedoch erst mit dem Zeitpunkt der Taufe – alle Kinder, die nach dem ersten Herzschlag, aber vor der Taufe sterben, tauchen daher in Peru nicht in der Säuglingssterblichkeitsstatistik auf, sondern gelten als Totgeburten. Eine weitere Klasse von Irrtümern sind logische Trugschlüsse. Katholische Bischöfe haben unter allen Berufen eine der höchsten Lebenserwartungen – leben sie also gesünder als Angehörige anderer Berufe? Nicht unbedingt, denn es handelt sich um eine extrem verzerrte Stichprobe: Da man erst im fortgeschrittenen Alter Bischof wird, sind alle Personen, die jung sterben, automatisch aus der Statistik ausgeschlossen.
siehe http://www.gwup.org/skeptiker/archiv/2000/3/muenchen.htm


Parakinesen
Unregelmäßig, schlecht koordinierte, in ihrer Harmonie gestörte Bewegungen, z.B. bei Katatonie


Parallelisieren
In einer Studie wird jedem Probanden in Gruppe A ein "Merkmalszwilling" in Gruppe B zugeordnet.


Parallelisierung (matched sampling)
Die Zusammenstellung von zwei oder mehr Parallelstichproben in der Weise, dass die Angehörigen der Stichproben hinsichtlich des Ausprägungsgrades eines Kontrollmerkmals paarweise einander zugeordnet werden können. Ziel der Parallelisierung ist die Ausschaltung von zufälligen Unterschieden hinsichtlich des Kontrollmerkmals zwischen den Angehörigen der Stichproben.


Paramnesien
Wahnerinnerung: Umänderung der Erinnerung im Sinne eines Wahns oder auch scheinbare Erinnerungen, Zu den Paramnesien gehört auch das sogenannte falsche Wiedererkennen (schon einmal gesehen, gehört, erlebt) und auch ihr Gegenteil (noch nie gesehen), vermeintliche Vertrautheit deja-vu) oder Fremdheit (jamais vu).


Paraneoplastische Syndrome
Paraneoplastische Syndrome die das Nervensystem betreffen sind neurologische Symptome oder Syndrome die ausgelöst bzw. im Zusammenhang mit Krebserkrankungen auftreten. Viele dieser Syndrome können auch unabhängig von Krebserkrankungen auftreten.

Das Zentrale Nervensystem betreffend sind zu nennen: Limbische Enzephalitis, Encephalomyelitis als Differenzialdiagnose zur MS,  Kleinhirndegenerationen, Opsoklonus-Myokclonus Syndrome, Optikusneuropathien/Retinopathien, Hirnstammenzephalitis, das Stiff-man Syndrom, Motoneuron Erkrankungen, Necrotisierende Myelopathien
Das Periphere Nervensystem betreffend Polyneuronopathien,  Neuromyotonien, das Lambert-Eaton Syndrom, entzündliche Myopathien zu nennen.

Bei Vorliegen einer solchen Erkrankung muss die Differenzialdiagnose einer Krebserkrankung bedacht werden. Dabei können die neurologischen Paraneoplastischen Syndrome den anderen Symptomen der Krebserkrankung vorauszugehen.



paranormal belief
Unter ´paranormal belief´ werden Einstellungen zu einem breiten Spektrum von Inhalten zusammengefasst: paranormale Erfahrungen, nicht anerkannte Deutepraktiken, okkulte Praktiken, sowie spezielle Glaubensinhalte. Entsprechende Einstellungen sind, wie viele Umfrageergebnisse belegen, in der Bevölkerung weit verbreitet. Eine Assoziation mit Persönlichkeitsstörungen ist auf diesem Hintergrund nicht sehr nahe liegend. In der Beschreibung der schizotypischen Persönlichkeit (DSM III, DSM IV) tauchen jedoch genau solche Einstellungen als ein Störungsmerkmal auf. In entsprechenden Fragebögen findet man dann auch typische ´paranormal belief´ Fragen vermischt mit weiteren Fragen, die auf ein gestörtes Erleben verweisen. Eine Studie, an der knapp 400 gesunde Erwachsene teilnahmen, hatte das Ziel, einen Fragebogen zur Erfassung von ´paranormal belief´ zu entwickeln und den Zusammenhang dieser Skala mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen und einigen Schizotypiemerkmalen aufzuklären. Drei Skalen zu Erfassung ausgewählter Schizotypiemerkmale (schizotypal personality, magical ideation, perceptual aberration), für die ein Zusammenhang mit ´paranormal belief´ erwartet werden konnte, korrelierten hoch untereinander (zwischen r = .60 und r = .73). Dennoch bildeten sie in einer über alle Skalen berechnete Hauptkomponentenanalyse keinen eigenen Faktor. Vielmehr luden alle drei Skalen mit unterschiedlichen Gewichtungen auf einem Neurotizismusfaktor und einem ´paranormal belief´-Faktor, wobei sie auch noch substantielle Eigenanteile aufwiesen. Zwei weitere Studien bestätigten die relative Eigenständigkeit des Einstellungskonstrukts ´paranormal belief´. Bei ´paranormal belief´ handelt es sich um ein sehr homogenes Konstrukt, das deutlich weniger eng an die schizotypische Persönlichkeitsstörung gebunden ist, als es die Definition des Störungsbildes erwarten lässt. Die weite Verbreitung dieses Einstellungsmusters unterstreicht die Notwendigkeit, spezifischere und stärker am Erleben zentrierte Indikatoren für die schizotypische Persönlichkeitsstörung herauszuarbeiten.


Paraphilie

sexuelle Deviation oder Perversion nach älterer Nomenklatur. Andere Bezeichnungen sind sexuelle Variationen oder Deviationen. Die sexuelle Vorliebe oder der Drang nach sexueller Befriedigung mit Objekten die außerhalb des "Normalen" (z.B.: Koprophilie, Koprophagie, Urolagnie) angesehen werden, oder eine oder eine Art der sexueller Stimulierung die als außerhalb des Normbereiches angesehen wird. Perversion wird von lat. perversus = verkehrt, abgeleitet. Während der Inquisition wurde der Begriff eingeführt und war gleichbedeutend mit Häresie (Ketzerei). Später wurde er angewandt auf Sexualpraktiken u. -vorstellungen, die von der Gesellschaft geächtet oder zumindest als anrüchig betrachtet wurden ( Roche Lexikon Medizin (4. Aufl.) - Perversion) Allgemein wird aber Feindseeligkeit in der Kombination mit Sexualität als wesentlich für die Definition der Paraphilie angesehen.

Wichtig ist also dabei vor allem die Art des Umgangs mit dem Sexualobjekt oft im Sinne von Instrumentalisierung und Entpersönlichung, in Verbindung mit Gewalt, Macht... Häufig sollen Paraphilien Persönlichkeitsstörungen zu Grunde liegen. Bei der Definition spielen die manchmal zu Grunde liegenden Selbstwertprobleme und Ängste, die nach aggressiver Selbstbestätigung suchen lassen, keine Rolle. Komorbidität mit verschiedenen Paraphilien ist ebenso häufig, wie die Komorbidität mit anderen schweren psychischen Störungen. Misshandlung und eigener sexueller Missbrauch in der Kindheit sind häufig in der Vorgeschichte.

DSM-IV Kriterium A: wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuelle dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sich im allgemeinen auf 1. nichtmenschliche Objekte, 2. das Leiden oder die Demütigung von sich selbst oder seines Partners, 3. Kinder oder andere nicht einwilligende oder nicht einwilligungsfähige Personen beziehen----und die über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten auftreten. Kriterium B: Das Verhalten, die sexuell dranghaften Bedürfnisse oder Phantasien führen in klinisch bedeutsamer Weise zu Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Exhibitionismus DSM-IV 302.4 ICD10 F65.2; Fetischismus DSM-IV 302.81 ICD10 F65.0 ; Frotteurismus DSM-IV 302.89 ICD10 F65.8, Pädophilie DSM-IV 302.2 ICD10 F65.4 Voyeurismus DSM-IV 302.82 ICD10 F65.3, NNB Paraphilie DSM-IV 302.9 ICD10 F65.9

Strittig ist ab wann man bereits alleinige gelegentliche Phantasien zu den Paraphilien rechnen sollte. Die Grenze, was als Normal angesehen wird ist auch Zeit- und Kulturabhängig. Homosexualität gilt in der westlichen Welt nur noch in Sekten als Paraphilie. Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung gelten generell als deviant, entsprechen aber nicht immer der Definition einer Paraphilie. z.B.: ganz erhebliche Altersdifferenzen (Gerontophilie, Pädophilie), Vorliebe oder Wunschvorstellung von behinderten Partnern.. Oder Acrotomophilie als Wunsch nach einem Beinamputierten Partner oder Apotemnophilie", als Wunsch selbst amputiert zu werden. Oft bestehen mehrere Paraphilien, gleichzeitig wie z.B. ein gleichzeitiges Auftreten von Exhibitionismus, mit anderen Störungen wie Fetischismus, Pädophilie,  Transvestitismus, Voyeurismus, Frotteurismus, Kleptomanie, Sadomasochismus, Zoophilie, Erotophonie (multiple Störungen) weiteres Kriterium ist ein Leidensdruck und Entsetzen über paraphile Phantasien; und ein häufigeres Auftreten in Zeiten von Stress oder Konfliktsituationen.

Paraphilien treten bei Männern wesentlich häufiger als bei Frauen auf. Psychische Störungen sind ätiologisch, bezüglich der Therapieprognose und therapeutisch oft wichtiger als die eigentliche Symptomatik. Dies gilt insbesondere in der Therapie und Begutachtung der bei der Sexualdelinquenz. Delinquenz resultiert hauptsächlich wenn auch noch eine Störung der Impulskontrolle vorliegt. In einigen Untersuchungen hatten Sexualstraftätern sehr häufig affektiven Störungen, Angststörungen und substanzbezogenen Störungen. Unter den Angststörungen kam die Sozialphobie am häufigsten vor. Erhöhte soziale Angst bei Sexualstraftätern wird als eine Entstehungsbedingung für Sexualdelinquenz diskutiert. In verschiedenen Arbeiten wird davon ausgegangen, dass Defizite der sozialen Kompetenz und Minderbegabung die Entstehung der Sozialphobie bei Sexualdelinquenten mitbedingen können. Viele Sexualstraftäter waren selbst Opfer sexuellen oder physischen Missbrauchs. Schätzungen variieren hier zwischen 25-58% Wissenschaftliche Arbeiten ermittelten bei Sexualstraftätern auch einen häufigen Missbrauch bzw. eine Abhängigkeit von Alkohol und / oder Drogen. Fast die Hälft aller Sexualdelikte mit Gewaltanwendung soll unter dem Einfluss von Alkohol begangen werden.

Der Ursprung paraphiler Neigungen ist nicht bekannt, sie beginnen meist in der Pubertät zunächst mit Masturbations-Fantasien. Da sie durch den Orgasmus ständig belohnt werden, besteht die Gefahr, dass sie sich einschleifen, ausweiten und zur Verwirklichung drängen. In der Diskussion ist in wie weit bestimmte anatomische Läsionen zu Paraphilien führen können. Einzelfallbeschreibungen weisen auf solche Aspekte hin. Eine erworbene Paraphilie bei einem MS- Kranken wurde mit einer entzündlichen Demyelinisation in den hypothalamischen und septalen Regionen des basalen Prosenzephalon in Zusammenhang gebracht. Unter Stimulation mit entsprechenden Bildern lässt sich mit fMRI- Bildern die Erregung zeigen, was möglicherweise in der Beurteilung des Therapieerfolges bei Straftätern Bedeutung erlangen könnte. Darstellen lässt sich damit auch das Craving bei Süchtigen, damit lässt sich eine relativ zuverlässige Prognose hinsichtlich der Anfälligkeit gegen Rückfälle stellen. Die entsprechenden Bilder zeigen eine Korrelation zu PET- Bildern die eine Rolle des N. Accumbens eines Teils der Basalganglien im Belohnungssystem belegen. Bei Pädophilen lässt sich die selbe Hirnregion bei Ansicht eines entsprechenden Bildes belegen. Dabei lässt sich auch hier eine Aussage bezüglich der Rückfallgefährdung machen. Die Rückfallgefährdung ist bei allen Paraphilien hoch, die Wirksamkeit von psychotherapeutischen wie medikamentösen Behandlungen ist noch schlecht untersucht. SSRIs werden positive Wirkungen auf viele paraphile Symptome zugeschrieben, die unabhängig sein sollen, von der die sexuelle Lust dämpfenden Nebenwirkung.  Antiandrogene, Phasenprophylaktika und Neuroleptika sind andere Medikamente, die eingesetzt werden. siehe auch unter Transsexualität, Zoophilie und unter sexuelle Funktionsstörungen

Siehe auch unter Frotteurismus, Fetischismus, Gerontophilie, Pädophilie, Transsexualismus
 


Parasomnien
sind ungewöhnliche Ereignisse, die entweder während der Schlafes oder an der Schwelle zwischen Wachsein und Schlaf auftreten. Dazu gehören Schlafwandeln (Somnambulismus), nächtliches Aufschrecken (Pavor nocturnus), Angstträume, nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna), nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) usw. Sie werden vor allem im Kindesalter beobachtet, können aber auch bei Erwachsenen auftreten und pflegen - unerkannt und damit unbehandelt - belastende Konsequenzen (z. B. Verunsicherung mit Isolationsneigung) nach sich zu ziehen.
genaueres siehe unter Schlafstörungen


[vorherige]  Seite 1 von 8 für Buchstabe p  [nächste]

Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y
Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

 

Bitte beachten Sie, diese Webseite ersetzt keine medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen Forschung auch für interessierte Laien  zu geben, dies ist nicht immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf dem aktuellsten Stand der medizinischen Forschung in allen Bereichen seines Faches ist.  Es ist immer möglich, dass die medizinische Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte Behandlungsmaßnahmen inzwischen als gefährlich oder unwirksam erwiesen hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren behandelnden Arzt. Medikamentöse Behandlungen auch mit freiverkäuflichen Medikamenten bedürfen ärztlicher Aufsicht und Anleitung. Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen Informationen können nicht immer für jeden verständlich sein. Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. Dort finden Sie einen Link zu den zuständigen Ärztekammern. Bitte lesen sie auch den Beipackzettel der Homepage und das Vorwort. Jeder Nutzer ist für die Verwendung der hier gewonnenen Informationen selbst verantwortlich, es handelt sich definitiv um keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Es wird keinerlei Haftung weder für die hier angebotenen Informationen noch für die in den Links angebotenen Informationen übernommen. Sollten Sie Links finden, die nicht (oder nicht mehr) seriös sind, teilen Sie mir dies bitte mit, damit ich diese löschen kann. Der Autor übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen den Autor, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens des Autors kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt. Alle Angebote sind freibleibend und unverbindlich. Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, Teile der Seiten oder das gesamte Angebot ohne gesonderte Ankündigung zu verändern, zu ergänzen, zu löschen oder die Veröffentlichung zeitweise oder endgültig einzustellen. Veränderungen erfolgen dabei ständig in Anpassung an neue Literatur oder weil sich meine Auffassung zu einem Thema aus anderen Gründen geändert hat.  Dieser Haftungsausschluss ist als Teil des Internetangebotes zu betrachten, von dem aus auf diese Seite verwiesen wurde. Sofern Teile oder einzelne Formulierungen dieses Textes der geltenden Rechtslage nicht, nicht mehr oder nicht vollständig entsprechen sollten, bleiben die übrigen Teile des Dokumentes in ihrem Inhalt und ihrer Gültigkeit davon unberührt.  Sollte sich jemand durch die Homepage in irgendeiner Form beleidigt, benachteiligt oder in sonst einer Form geschädigt fühlen, bitte ich um eine persönliche Kontaktaufnahme per E-Mail  oder telefonisch bzw. per Post. Bitte nennen Sie bei Mitteilungen Ihren vollständigen Namen und Ihre Adresse. Bei Mitteilungen von Kollegen bitte auch Tatsache, dass sie Kollege sind, sowie die Fachbezeichnung. Anonyme Mitteilungen sind in der Regel nicht willkommen. Karl C. Mayer
 

Zur Startseite

Anschrift des Verfassers: (Praxisadresse)

Feedback:

Karl C. Mayer

Gästebuch

Bergheimer Straße 56a

E-Mail

69115 Heidelberg

Wir befolgen die HONcode Prinzipien der Health On the Net Foundation Wir befolgen die HONcode Prinzipien. verify here.