Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Wachkoma
oder Coma vigile, apallische Syndrom, engl meist vegetative state. Bei fehlender Besserung nach 3-6 Monaten spricht man engl. von einem „persistent vegetativ state“: Folge einer schweren Hirnschädigung oder eines Schädel-Hirn-Traumas, Bewusstseinsstörung bei schweren zerebralen Funktionsstörungen mit aufgehobener Wahrnehmungsfähigkeit bei erhaltener Wachheit, Zustand bei dem das Großhirn vom Hirnstamm abgekoppelt ist. Erste Rückbildungszeichen im Sinne einer vegetativen Erholung. Meist bestehen schwere Schädigungen der Hirnrinde, diffuse Marklagerschädigungen und/oder beidseitige Thalamusschädigungen. Bei intakten vegetativen Regulationszentren des unteren Hirnstammes und zerstörtem (Hirnmantel = Pallium) resultiert ein apallisches Syndrom. Es ist hauptsächlich durch die Unmöglichkeit jeglicher Kontaktaufnahme mit der Umwelt /z.B. auch fehlende Sprachfähigkeit, bewusste Wahrnehmungsfähigkeit, mimisch adäquate Reaktion auf gesehenes). Es besteht eine Bewusstseinsstörung bei Wachheit aber erloschener Wahrnehmungsfähigkeit. Es ist vom Erlöschen aller höheren Hirnfunktionen, bei erhaltenen vegetativen (Temperatur-, Kreislauf- und Atemregulation intakt, Harn- und Stuhlinkontinenz, kein Blickkontakt, fixieren nicht ) und damit Vitalfunktionen, gekennzeichnet. Die Patienten zeigen jedoch primitive Orientierungsreflexe auf Geräusche und Gesehenes, mit Kopf- und Augenwendung zur jeweiligen Reizquelle. Beispiele: Augen wieder geöffnet, jedoch ohne erkennbare Kontaktaufnahme mit der Umgebung. Wieder normaler Schlaf-Wach-Rhythmus; jedoch weiterhin ausgeprägte Gehirn-Störungen (z. B. Temperaturregulation, erhöhte Muskelspannung aller vier Gliedmaßen usw.). Möglich als Zwischenstadium nach schwersten Hirnverletzungen. Kann Jahre dauern. Lebensgefahr durch zusätzliche Erkrankungen (z. B. Infektionen) bei erheblich geschwächtem Organismus. Prinzipiell handelt es sich beim apallischen Syndrom um einen Funktionsausfall des menschlichen Großhirns und nicht um einen Struktur‑Schaden der Großhirnrinde und deren Schaltzentren. Den Begriff apallisch hat Kretschmer vom lateinischen Wort "Pallium" für den griechischen Übermantel abgeleitet. Damit sind die Funktionen der Großhirnrinde zu verstehen, die alle anderen Hirnzentren wie die des Hirnstamms und des Rückenmarks steuern. Es wird unter apallisch somit ein Funktionsausfall des Großhirns und nicht eine Zerstörung der Großhirnrinde und deren Schaltzentren verstanden. Im Vollbild des apallischen Syndroms werden keinerlei äußere Reize wie akustische, visuelle und Berührungsreize vom Patienten wahrgenommen. Auf Schmerzreize von Außen und vom Körperinneren kommt es zu einer reflektorischen Antwort in Form von Massenbewegungen des Körpers und der Extremitäten und zu primitiven Emotionen. Es besteht eine typische Körperhaltung mit Beugestellung der Arme und Beuge-Streckstellung der Beine verbunden mit einer Steigerung des Muskeltonus, gesteigerten Sehnenreflexen und mit Pyramidenbahnzeichen. Die Augen befinden sich in Divergenzstellung und führen beim Drehen des Kopfes eine Gegenbewegung durch (Puppenkopf-Phänomen). Bei manchen Patienten besteht eine permanente Seitwärtshaltung des Kopfes verbunden mit einer Stellung der Augen in die Gegenrichtung und einer asymmetrischen Haltung von Armen und Beinen. Die Pupillen sind meist übermittelweit und reagieren prompt auf Licht und auf Schmerzreize. Motorische Primitivschablonen treten in Form von Kau-Saug-Automatismen auf. Orale Schablonen mit Mundöffnen können durch Berührung der Lippen oder Vorhalten von Gegenständen ausgelöst werden. In den Mund gebrachte Gegenstände werden mit den Zähnen festgehalten (Bulldoggreflex). Greifschablonen treten auf, wenn ein Gegenstand in die Hand gegeben wird. Primitivreflexe, wie Palmomental- oder Greifreflex, können ebenfalls auslösbar sein. Durch Auslösen der Haltungs- und Stellreflexe (Kopfdrehen zur Seite und vor- und rückwärts) können die Extremitäten bewegt werden. Klinisch bilden sich typische schwere Kontrakturen der Extremitäten mit charakteristischer „Pfötchenstellung“ der Hände und ausgeprägter Inaktivitätsatrophie der Skelettmuskulatur heraus. Es kann dabei sogar zu dystrophischer Verkalkung der Skelettmuskeln kommen. Die vegetativen Systeme sind enthemmt und reagieren auf äußere und Körperinner-Reize vor allem auf Schmerz oder auch nur bei der Körperpflege mit Tendenz zur Tachycardie, Blutdrucksteigerung, beschleunigter Atmung und vermehrtem Schwitzen. Die Noradrenalin-Konzentration im Blut ist stark erhöht wodurch ein vermehrter Kalorienbedarf besteht . Prinzipiell ist zwischen einem apallischen Syndrom als Folge einer schweren Akutschädigung des Großhirns (Hirnverletzung, Sauerstoffmangel durch Herz-Kreislaufstillstand und Narkose, Hirnentzündung, akute Massenblutung im Gehirn, Hirnvolumensteigerung durch diffuses Hirnödem etc.) und einem apallischen Syndrom nach einem fortschreitendem Hirnabbauprozeß wie Alzheimer'sche Erkrankung, Jacob Creutzfeldt'sche Erkrankung zu unterscheiden. Bei jedem Patienten mit einem apallischen Syndrom nach einem Akutschaden des Großhirns und/oder des oberen Hirnstammes kann eine Rückbildung der apallischen Symptomatik erwartet werden. Eine Rückbildung kann nach kurzer Zeit aber auch erst nach monatelangem Bestehen des Vollbildes einsetzen. Beim apallischen Syndrom durch einen diffusen oder multilokulären, fortschreitenden Hirnabbauprozeß entwickelt sich die apallische Symptomatik schrittweise und bleibt als Endzustand bis zum Tode des Patienten unverändert bestehen. Im Rückbildungsverlauf sind nach der Innsbrucker Remissionsskala 8 Phasen abzugrenzen. Die erste Rückbildungsphase wird durch optisches Fixieren, Differenzierung der emotionellen Reaktionen, beginnende Abwehrbewegungen auf Schmerzreize und Umstellung des Schlaf-Wach-Rhythmus zur tageszeitlichen Steuerung eingeleitet. In der zweiten Remissionsphase zeigt der Patient optisches Folgen und eine beginnende Differenzierung der Bewegungen und der motorischen Primitivschablonen, wie auch der emotionellen Reaktionen, bei Umstellung des Schlaf-Wach-Rhythmus zur Tageszeit. Im Einzelfall ist immer schwer festzustellen, ob ein Patient im Wachkoma Außenreize wahrnehmen kann und was er für ein Innenleben hat. Die Ursachen, Schicksale und Prognose sind sehr individuell. Einen Interessanten Fall veröffentlicht die Zeitschrift Science (2006; 313: 1402) eine 23 jährige Patientin, die nach einem schweren Schädeltrauma bereits 5 Monate im Wachkoma war wurde mittels funktioneller Kernspintomographie untersucht. Der Patientin wurden Aufforderungen gegeben, wie sie solle sich vorstellen, sie spiele Tennis oder sie gehe durch ihr Haus. Sprachspezifische Hirn-Zentren (mittlere und obere Temporalwindung) wurden bei der Patientin beim Hören genauso aktiviert wie bei gesunden Kontrollpersonen. Auf die Aufforderung. "Stellen Sie sich vor, Sie spielen Tennis", wurden die supplementärmotorischen Rindenareale aktiviert, als die Hirngebiete, die Bewegungen planen. Auf die Aufforderung: "Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch ihr Haus und stellen Sie sich die einzelnen Räume vor", wurde der parahippocampale Gyrus, die hintere Parietalrinde, und die laterale praemotorische Hirnrinde aktiviert, Gebiete die auch beim Gesunden bei der Erinnerung komplexer Räume und der Planung von Bewegungen aktiviert werden. Man kann daher annehmen, dass diese spezielle Patientin, nicht nur die Aufforderungen gehört und verstanden hat sondern auch in ihrer Vorstellung Tennis gespielt hat, oder durch ihr Haus gewandert ist. Sie hat also im Wachkoma eine lebhafte Phantasie entwickeln können und ihre Umgebung wahrnehmen können. Auch die Autoren der Untersuchung warnen allerdings vor einer Generalisierung solcher Befunde auf alle Wachkomapatienten.
Nacimiento, Wilhelm, Das apallische Syndrom: Diagnose, Prognose und ethische Probleme Dt Ärztebl 1997; 94: A-661-666 Zur Abgrenzung siehe auch unter Locked-in-Syndrom



Wada-Test 
wird hauptsächlich zur Bestimmung der sprachdominanten Hemisphäre vor operativen Eingriffen (z.B. operative Behandlung eines Hirntumors) angewandt. Allgemein führt hierbei eine Injektion des Narkosemittels Natrium-Amytal in die rechte oder linke Halsschlagader (A. Carotis) zu einer wenige Minuten andauernden Funktionsblockierung der durch diese Arterie versorgten Funktionen der gegenseitigen Körperhälfte. Die Leistungsfähigkeit der nichtnarkotisierten bzw. die Leistungsausfälle der narkotisierten Hirnhälfte können während dieses Zeitraums beim wachen Patienten isoliert untersucht werden. Möglicherweise wird der Wada- Test zukünftig durch schonendere und nebenwirkungsfreie fMRI - Untersuchungen überflüssig werden. Allerdings ist auch das fMRI bisher nur begrenzt zuverlässig.
F. G. Woermann, H. Jokeit, R. Luerding, H. Freitag, R. Schulz, S. Guertler, M. Okujava, P. Wolf, I. Tuxhorn, and A. Ebner, Language lateralization by Wada test and fMRI in 100 patients with epilepsy, Neurology 2003 61: 699-701.. [Abstract]A Schulze-Bonhage, A Quiske, T Loddenkemper, D S Dinner, and E Wyllie Validity of language lateralisation by unilateral intracarotid Wada test J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, September 1, 2004; 75(9): 1367 - 1368. [Full Text] [PDF] F. Liegeois, A. Connelly, J. H. Cross, S. G. Boyd, D. G. Gadian, F. Vargha-Khadem, and T. Baldeweg Language reorganization in children with early-onset lesions of the left hemisphere: an fMRI study Brain, June 1, 2004; 127(6): 1229 - 1236.  [Abstract] [Full Text] [PDF] T Loddenkemper, D S Dinner, C Kubu, R Prayson, W Bingaman, A Dagirmanjian, and E Wyllie Aphasia after hemispherectomy in an adult with early onset epilepsy and hemiplegia J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry, January 1, 2004; 75(1): 149 - 151.  [Abstract] [Full Text] [PDF] L. S. Medina, E. Aguirre, B. Bernal, and N. R. Altman Functional MR Imaging versus Wada Test for Evaluation of Language Lateralization: Cost Analysis Radiology, January 1, 2004; 230(1): 49 - 54.  [Abstract] [Full Text] [PDF] L. M. Balsamo, B. Xu, C. B. Grandin, J. R. Petrella, S. H. Braniecki, T. K. Elliott, and W. D. Gaillard A Functional Magnetic Resonance Imaging Study of Left Hemisphere Language Dominance in Children Arch Neurol, July 1, 2002; 59(7): 1168 - 1174.  [Abstract] [Full Text] [PDF] S. Lehericy, A. Biondi, N. Sourour, M. Vlaicu, S. T. du Montcel, L. Cohen, E. Vivas, L. Capelle, T. Faillot, A. Casasco, D. Le Bihan, and C. Marsault Arteriovenous Brain Malformations: Is Functional MR Imaging Reliable for Studying Language Reorganization in Patients? Initial Observations Radiology, June 1, 2002; 223(3): 672 - 682.  [Abstract] [Full Text] [PDF] L. Hertz-Pannier, C. Chiron, I. Jambaque, V. Renaux-Kieffer, P.-F. V. d. Moortele, O. Delalande, M. Fohlen, F. Brunelle, and D. L. Bihan Late plasticity for language in a child's non-dominant hemisphere: A pre- and post-surgery fMRI study Brain, February 1, 2002; 125(2): 361 - 372.  [Abstract] [Full Text] [PDF] R. L. Billingsley, M. P. McAndrews, A. P. Crawley, and D. J. Mikulis Functional MRI of phonological and semantic processing in temporal lobe epilepsy Brain, June 1, 2001; 124(6): 1218 - 1227.  [Abstract] [Full Text] S. Knecht, B. Dräger, M. Deppe, L. Bobe, H. Lohmann, A. Flöel, E.-B. Ringelstein, and H. Henningsen Handedness and hemispheric language dominance in healthy humans Brain, December 1, 2000; 123(12): 2512 - 2518.  [Abstract] [Full Text]


Wadenkrämpfe
Wadenkrämpfe


Wahn
Eine falsche Gewissheit, die mit Überzeugung aufrechterhalten wird, auch wenn sie im Widerspruch zur Realität steht. Man kann Wahn definieren als krankhaft entstandene Fehlbeurteilungen der Realität, die mit apriorischer Evidenz (erfahrungsunabhängiger Gewissheit) auftreten und an denen mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird, auch wenn sie im Widerspruch zur Wirklichkeit und zur Erfahrung der gesunden Mitmenschen sowie zu ihrem kollektiven Meinen und Glauben stehen. Wahn wird von überwertigen Ideen dadurch unterschieden dass letztere im Gespräch oder bei Überprüfung durch den Betroffenen korrigierbar sind. Gemeinsam ist dem Wahn und der überwertigen Idee, dass beide verhaltensrelevant sind, und lange Zeit emotionale Spannung erzeugen. Wahnthemen sind meist emotionsbezogen, je länger ein Wahn besteht, umso weniger ist er aber oft von Emotionen begleitet. Die Entstehung aus einer Emotionalen Not heraus rührt daher, dass die die Fähigkeit einschränkt ist, im Affekt logisch zu denken.  Die ganze Aufmerksamkeit und das Denken des Kranken ist dann meist auf das Wahnobjekt fixiert,  dem Wahn widersprechende Hinweise werden nicht beachtet. Innere Vorgänge werden auf Veränderungen in der Umwelt bezogen. Unerklärliches wird mit ungewöhnliche Erklärungen scheinbar schlüssig erklärt und häufig als von Außen gesteuert wahrgenommen (Erklärungswahn). Ein bestehender Wahn bringt für die Kranken oft auch eine subjektive Erleichterung, jetzt alles erklären zu können.   Wahn gibt es bei verschiedenen Psychosen, er ist nicht spezifisch für die Schizophrenie, beispielsweise begünstigen auch Persönlichkeitsstörungen die Wahnentwicklung.  Auch Diskriminierungen und andere sehr schwere Traumen können wahnhafte Entwicklungen auslösen. Soziale Isolierung und Einsamkeit fördert Wahn, durch den Verlust sozialer Beziehungen und damit auch von Korrekturanregungen während der Entstehung.  Für die Entwicklung von Schizophrenien gelten Diskriminierungen und andere sehr schwere Traumen aber nur als Auslöser oder Auslöser für einen Rückfall, nicht als ursächliches Agens. Wahn führt häufig zur sozialen Isolierung, die dann wiederum die Aufrechterhaltung des Wahns begünstigt.

Nicht jede Verschwörungstheorie oder abweichende Überzeugung ist ein Wahn. Alle Menschen aus geistig Gesunde besitzen ein Kausalitätsbedürfnis, das uns hilft nach Zusammenhängen zu suchen und in Ansätzen die Welt um uns herum, und auch andere Menschen und deren Kommunikation mit uns zu verstehen. Dieses Kausalitätsbedürfnis zwingt uns geradezu, über ursächliche Zusammenhänge nachzudenken, besonders wenn wir wahrnehmen, dass etwas real oder scheinbar gegen uns vor sich geht. Je bedrohlicher und die Situation erlebt wird, umso verständlicher sind Überreaktionen in der ursächlichen Deutung. Auch Verschwörungstheorien können sich noch im Bereich des Gesunden abspielen, und manchmal sogar von einer ganzen Gesellschaft oder einzelnen gesellschaftlichen Gruppen geteilt werden. Dabei können in Extremsituationen für Außenstehende unverständliche Reaktionen auftreten, die per se nach Kenntnis der Auslöser und der Situation und Herkunft des Betroffenen nicht abnorm, wahnhaft oder allgemein krankhaft oder psychotisch bedingt sind und dann auch nicht als wahnhaft klassifiziert werden dürfen. Auch haben sehr viele Menschen irreale Ängste (siehe Graphik). Der Übergang von häufigen irrrationalen Ängsten und dysfunktionalen persönlichen Überzeugungen, oder Ideologien zur überwertigen Idee und dann zum Wahn ist fließend. Die Häufigkeit von Wahnphänomenen in der Allgemeinbevölkerung ist wesentlich größer, als die psychiatrische Diagnose einer Wahnhaften oder psychotischen Störung.

Wahn kann ansteckend sein, sowohl in der engen Familienbande als auch in größeren isolierten Gemeinschaften. In den beiden letzten Fällen sind in der Regel keine Halluzinationen vorhanden. Betroffene haben im allgemeinen nicht das Bedürfnis nach einer Begründung seiner wahnhaften Meinung, ihre Richtigkeit ist ihm unmittelbar evident. Ein Wahn ist allgemein eine objektiv falsche Überzeugung, die aus einer krankhaften Ursache heraus entsteht und trotz vernünftiger Gegengründe aufrecht erhalten wird. Beispielsweise haben manche Patienten das Gefühl, bestimmte Vorgänge in ihrer Umgebung hätten speziell etwas mit ihnen zu tun, auch wenn dies objektiv nicht der Fall ist. So können sie z. B. annehmen, dass andere Menschen über sie reden, dass sich Radio- oder Fernsehsendungen oder Zeitungsberichte auf sie beziehen oder dass Gegenstände oder Ereignisse in ihrer Umgebung ihnen bestimmte Zeichen geben. Andere Betroffene fühlen sich verfolgt und beeinflusst durch andere Menschen oder außerirdische Mächte, oder sie befürchten, daß bestimmte Strahlen oder Gifte auf ihren Körper einwirken. Der Wahn kann sich in zahlreichen Formen zeigen und verschiedene Bereiche betreffen. So unterscheidet man z. B. Beziehungswahn, Beeinträchtigungswahn, Verfolgungswahn, Vernichtungswahn, religiösen Wahn, Eifersuchtswahn, Liebeswahn, Größenwahn und Kleinheitswahn. Während der akuten Krankheitsepisode halten die Patienten diese Gedanken oder Erlebnisse für völlig realistisch und können nicht verstehen, dass z. B. die Angehörigen oder der Arzt anderer Meinung sind. Nach Beendigung der akuten Krankheitsepisode können die meisten Betroffenen aber erkennen, dass es sich nur um krankheitsbedingte "Einbildungen" gehandelt hatte. Systematisierter Wahn: Liegt vor, wenn ein Wahn in der sogenannten Wahnarbeit durch Verknüpfungen, Beziehungssetzungen, ,,Begründungen" und ,,Beweise", Bestätigungen, Ableitungen und dergleichen zusammenhängend ausgestaltet wird. Zu diesem Ausbau können neue Wahnwahrnehmungen und Wahneinfälle, reale Wahrnehmungen und Erfahrungen sowie auch sekundäre Wahnerscheinungen (z. B. der Erklärungswahn) herangezogen werden. Es gibt aber auch Wahnsysteme, bei denen offenbar nur die allererste Voraussetzung eindeutig wahnhaft ist. Die Wahnformung vollzieht sich am häufigsten erst im längeren Verlauf der Psychose und ist weitgehend von der Gesamtverfassung des Kranken abhängig. Es gibt chronische Psychosen mit sehr gut erhaltener Persönlichkeit, bei denen ein systematisierter Wahn das einzige offenkundige Symptom zu sein scheint. Bei der Paranoia ist immer ein Wahnsystem entwickelt.

Wahndynamik

Die affektive Anteilnahme am Wahn; die Kraft des Antriebes und die Stärke der Affekte, die im Wahn wirken. Für den Untersucher ist die Wahndynamik zu erschließen aus der Art, wie der Wahn vorgetragen wird. Zwischen lebhafter Wahndynamik mit antriebsstarker Produktivität, lebhaftem Vordrängen des Wahnes und einem eintönig starren Festhalten an einem (dann oft alten) Wahn, oft auch ohne affektive Bewegtheit mit Herunterleiern des Wahns, so daß die psychotische Wahnproduktivität ausgebrannt erscheint, gibt es alle Ubergänge. Vollziehen sich z. B. Wahneinfalle vor dem Hintergrund lebhaften oder stürmischen affektiven (wenn auch gelegentlich parathymen) Mitschwingeris, bewegter Psychomotorik oder gesteigerten Antriebs, sind die Wahngedanken fließend, wechelnd und durch intensives Reagieren des Kranken ausgezeichnet, so besteht eine stark ausgeprägte Wahndynamik. Werden dagegen vom Kranken z. B. Wahneinfalle ohne nennenswertes emotionales Reagieren, ohne erkennbare Tendenz zur produktiven Ausweitung vorgebracht, so liegt nur eine geringe Wahndynamik vor. Bei alten Schizophrenen scheint es oft ein affektleeres, eingeschliffenes Herunterleiern, ohne daß hier noch ein echtes Erleben des Wahnes spürbar wäre (Residual-Wahn).

Wahnhafte Störung Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

Eine Störung charakterisiert durch die Entwicklung eines einzelnen Wahns oder mehrerer aufeinander bezogener Wahninhalte, die im allgemeinen lange, manchmal lebenslang, andauern. Der Inhalt des Wahns oder des Wahnsystems ist sehr unterschiedlich. Eindeutige und anhaltende akustische Halluzinationen (Stimmen), schizophrene Symptome wie Kontrollwahn oder Affektverflachung und eine eindeutige Gehirnerkrankung sind nicht mit der Diagnose vereinbar. Gelegentliche oder vorübergehende akustische Halluzinationen schließen besonders bei älteren Patienten die Diagnose jedoch nicht aus, solange diese Symptome nicht typisch schizophren erscheinen und nur einen kleinen Teil des klinischen Bildes ausmachen.

Wahnstimmung

Ist die erlebte Atmosphäre des Betroffenseins, des bedeutungsvollen Angemutetwerdens in einer verändert erlebten Welt oder auch durch ein verändert erlebtes Ich, wobei der Kranke nicht unbedingt einen konkreten Inhalt angeben muß. Diese Stimmung besteht in einem unmotivierten, d. h. dem Gesunden nicht zwingend nachvollziehbaren Bedeutungszumessen und Inbeziehungsetzen, Meinen, Vermuten und Erwarten. Bei der (subjektiven) Überzeugung von der Richtigkeit des wahnhaft Erlebten (Wahngewißheit, apriorisches ,,Wissen") gibt es die verschiedensten Grundtönungen der Stimmung, am häufigsten die Stimmung der Unheimlichkeit, des Verändertseins (des Kranken selbst oder seiner Umgebung), des Erschüttert- und Erschrecktseins, der Bedrohung, der Angst, des Argwohns, der Ratlosigkeit, manchmal auch der Gehobenheit und Zuversicht. (Beispiele: es liegt etwa in der Luft, es kommt etwas heran, alltägliche Dinge der Umgebung erhalten eine besondere Bedeutung etc.).

Wahnwahrnehmung

Richtige Sinneswahrnehmungen erhalten eine abnorme Bedeutung (meist im Sinne der Eigenbeziehung), die ihnen objektiv nicht zukommt. Die Wahnwahrnehmung ist also eine wahnhafte FehlInterpretation einer wirklichen Wahrnehmung. Beispiel: Dieser Streifen am Himmel (ein Kondensstreifen von einem Flugzeug) ist ein Fingerzeig Gottes. - Daß der Arzt mit dem Kopf nickte, als er mir zum Abschied die Hand gab, bedeutet, daß ich doch Krebs habe. Nicht zu verwechseln mit illusionärer Verkennung. Wahneinfall nennt man das plötzliche Ankommen (,,Einfallen") von wahnhaften Meinungen.

Wahngedanken
Gedanken, die eine Person äußert, und die für sie eine hohe Bedeutung haben, die aber falsch sind und mit den Überzeugungen in der Kultur der Umwelt nicht vereinbar sind. Eine emotionaler Beteiligung ist gegenwärtig oder in der Vergangenheit vorhanden.
Der Inhalt der Gedanken ist für den Betroffenen unmittelbar evident ohne notwendigen Bezug auf die Erfahrung, und bedarf keiner weiteren Überprüfung oder Erklärung. Die Überzeugung ist im Gespräch unkorrigierbar, ein möglicher Zufall wird vom Betroffenen als Erklärung abgelehnt.

Schizophrenie Links zu Studien zur Häufigkeit wahnhafter oder psychotischer Phänomen in der Allgemeinbevölkerung: Arch Gen Psychiatry. 2001;58:663-668, The British Journal of Psychiatry (2004) 185: 298-305 British Journal of Psychiatry, 180, 174 -178 The British Journal of Psychiatry, June 1, 2006; 188(6): 519 - 526.    Am J Psychiatry 159:1412-1419, August 2002   The British Journal of Psychiatry, April 1, 2008; 192(4): 258 - 263.    Am J Psychiatry, May 1, 2004; 161(5): 864 - 871.  Arch Gen Psychiatry 1996; 53:880-886


Wahrnehmung
Wahrnehmung ist Vorgang und Ergebnis der Reizverarbeitung. Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess, der durch die Verschaltungsprinzipien des Gehirns wesentlich mitbestimmt wird. Unter Wahrnehmung versteht man das gegenwärtige Erfassen der eigentlichen Sinneseindrücke, z.B. was wir im Augenblick sehen, der Klang einer Stimme. Wahrnehmung geschieht auch ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Als Apperzeption bezeichnet man die Wahrnehmung von Elementen von Objekten auf die beispielsweise in Reaktionszeitexperimenten reagiert werden kann, noch bevor das ganze Objekt bewusst wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang bezeichnet man als Perzeption (syn. für Wahrnehmung)die bewusste Wahrnehmung. Menschliche Wahrnehmung ist nicht nur selektiv, sondern auch ergänzend - das Ergebnis meiner Wahrnehmung ist ein Produkt aus den Reizen, die aus der Umgebung kommen und deren Interpretation durch den Wahrnehmenden unter Nutzung der Gedächtnisinhalte und vorgegebener Wahrnehmungsmuster. Wahrprägung  ist die Bewertung des gerade Wahrgenommenen aufgrund unserer Erfahrungen.  Wir benutzen dabei ein Erfahrungssystem, das auf unseren früheren Wahrnehmungen beruht, und ein Erfassungssystem für die augenblicklichen Reize. Während das Erfahrungssystem nur im Wachzustand aktiv ist (im Schlaf nehmen wir keine bewusste Bewertung vor), arbeitet das Erfassungssystem ständig. Dies ist auch der Grund, warum man durch ein lautes Geräusch aufwacht oder trotz Lageänderungen im Schlaf nicht aus dem Bett fällt. Das Ergebnis der Wahrnehmung ist ein Abbild objektiv- realer Umwelt und der eigenen Personeninnenwelt.  Beim Sehvorgang fällt ein visueller Reiz auf die Netzhaut, dauert es etwa eine Viertelsekunde, bis er als bewusste Wahrnehmung erscheint. Vor diesem Moment an wird jeder einzelne Bestandteil dieses Bildes – etwa Farbe, Form, Lage im Raum und Bewegung – einzeln von verschiedenen, spezialisierten Regionen im Gehirn verarbeitet. Diese einzelnen Eindrücke müssen dann „erst zu einem Muster vereinigt werden, das wiederum mit Arealen verschaltet wird, die es mit Bedeutung verbinden, nur das Ergebnis wird bewusst wahrgenommen. Wahrnehmung ist der aktuelle und anschauliche Teil des Erkenntnisprozesses und der Erkenntnis und schließt darin Vorstellungen, Vergegenwärtigtes und Nachbilder mit ein. Prozesse und Ergebnisse sowie Modelle und Theorien sind Gegenstände der Wahrnehmungspsychologie. Im Laufe der Leben-/Lerngeschichte werden Wahrnehmungskategorien ausgebildet, in die ein Großteil des Inputs abgebildet wird, diese sind größtenteils multimodal - somit muss ein wahrnehmender Organismus z.B. wissen, wann ein Geräusch zu einem Bild gehört und wann nicht. Dies ist nicht im Reiz, sondern in der Erfahrung mit ähnlichen Reizen in der Vergangenheit enthalten. Neben den bekannten fünf Sinnen wie Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten sind die Sinne Schmerzwahrnehmung, Kälte- und Wärmeempfinden, der Gleichgewichtsinn (meist nicht bewusst erlebt), die Wahrnehmung der Stellung des Kopfes und Körpers im Raum, die Wahrnehmung der Eigenbewegung durch Muskelspindeln und spezielle Wahrnehmungsorgane in den Gelenken bedeutsam. Man müsste also sinnvoller von 10 Sinnen sprechen. Wahrnehmung beginnt mit einem Umgebungsreiz, den man im physiologischen Versuch Signal nennt. Welche Umgebungs- Reize und inneren Reize wir wahrnehmen können hängt zunächst von unseren Sinnesorganen ab. Verschiedene Tierarten können ganz andere Reize wahrnehmen, die menschlichen Sinnesorganen verschlossen sind. Vögeln dient die Wahrnehmung des Magnetfeldes als zusätzliche Orientierungsmöglichkeit, manche Schlangen haben Rezeptoren für Wärme, mit denen sie auch bei absoluter Dunkelheit ihre Beute „sehen“ können. Andere Tiere können elektrische Felder oder besonders hochfrequente Schwingungen wahrnehmen. Es ist davon auszugehen, dass diese Tiere alleine durch ihre andersgearteten Sinnesorgane auch eine ganz andere Wahrnehmung unserer Welt haben. Auch bei Menschen gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung, da Wahrnehmung individuell ist, lässt sich die Wahrnehmungswelt auch anderer Menschen nur begrenzt erschließen. Der Umgebungsreiz wird an den Rezeptoren unserer Sinnesorgane in einen neurophysiologischen Impuls umgewandelt, bis dieser im Gehirn als eigentliche Reizinformation wahrgenommen wird, sind weitere komplizierte Wege und Vorgänge erforderlich. Wahrnehmung bildet die Grundlage unserer Handlungen und Entscheidungen, sie ist Voraussetzung für unsere Bewegungen. Wahrnehmungen brauche wir um unsere Umwelt aber auch um uns selbst wahrzunehmen. Wir brauchen für die Wahrnehmung, wie für das Gedächtnis eine Ordnung. Begriffe, Formen, Zusammenhänge der Nützlichkeit eines wahrgenommenen Reizes etc. stellen solche Ordnungen dar. So können wir Gerüche für die wir einen Namen haben uns schneller merken, sie aber auch eher erkennen. Wenn uns Teilinformationen fehlen, werden diese vom Gehirn oft ergänzt, als ob sie vorhanden wären. Ein Beispiel ist, dass wir den blinden Fleck man aus einer Tonspur beispielsweise bestimmte Buchstaben heraus, hören die meisten Menschen diese mit, obwohl sie nicht vorhanden sind. Allerdings kann wenn zusätzliche Informationen vorhanden sind (z.B. Lippenbewegungen im Film die nicht zur Tonspur passen auch der ausgelassene Buchstabe verändert werden, so dass er eher zur Lippenbewegung passt). Welche Informationen ein Reiz vermittelt hängt auch davon ab ob er statisch ist, oder sich bewegt. Bewegung wird dabei immer auch in Relation zur Eigenbewegung des Wahrnehmenden wahrgenommen. Wahrnehmung geschieht immer in einem Kontext. Der Kontext verändert dabei die Bedeutung der Wahrnehmung erheblich, dies gilt für alle Sinnesmodalitäten, für einfache wie für komplexe Wahrnehmungen. Der Kontext verändert damit auch was wir wahrnehmen. Wir ordnen dabei die Reizangebote unserer Umwelt nach unseren inneren Bedürfnissen (wie Hunger, Durst, sexuellem Verlangen..), wie auch nach den sozialen oder kulturellen Bedeutungen eines Reizes. Ob wir einen Reiz überhaupt wahrnehmen hängt von unserer aktuellen Motivation ab. Die Prioritäten sind dabei in jeder Situation unterschiedlich, damit unterscheidet sich auch bei identischer äußerer Situation je nach Motivationslage die Priorität dessen, was wir wahrnehmen. Wahrnehmung ist also immer auch ein aktiver und subjektiver Prozess, der im Reiz der Umgebung und den Sinnesorganen nur bedingt seinen Anfang findet. Der Komplexe Fertigkeiten im Beruf wie in der Freizeit, setzen komplexe Wahrnehmungsfähigkeiten voraus. Wahrnehmungsfähigkeiten und –präferenzen sind zumindest teilweise erlernt, teilweise sind sie auch bei uns Menschen instinktiv oder angeboren. Wir adaptieren unsere Sinnesorgane an Wahrnehmung, was zu einer Wahrnehmungsverzerrung durch die Adaptation führt. Ein einfaches Beispiel ist der Weber´sche-drei-Schalen-Versuch: In  Schalen befindet sich Wasser unterschiedlicher Temperatur. Eine Hand in eine Schale mit heißem, die andere Hand in eine Schale mit sehr kaltem Wasser gehalten. Nach 2 Minuten werden beide Hände in die andere Schale mit zimmerwarmem Wasser gehalten. Die Temperatur des zimmerwarmen Wassers wird nun von jeder der beiden Hände anders empfunden. Je nach Anpassungsniveau erscheint das zimmerwarme Wasser entweder kalt oder warm.  Signal: Unter einem Signal versteht man in der Wahrnehmungsforschung einen Reiz, der einem Probanden dargeboten wird (meist wird nur eine Sinnesmodalität angesprochen: Duftstoff, Geschmackstoff, Ton, Lichtreiz, Farbe, Schmerzreiz,...), unter Rauschen versteht man die anderen Reize der Umgebung, da bei Experimenten der Reiz in der Regel sehr schwach ist, kann die Versuchsperson bei wenig intensiven Reizen Signal und Rauschen leicht verwechseln, es kommt dann zum falschen Alarm. Die Schwelle für die Signalentdeckung ist dabei je nach Situation variabel. Sie wird auch durch Beobachter beeinflusst. Die Unterschiedsschwelle bezeichnet den gerade merklichen Reizunterschied, den eine Versuchsperson wahrnehmen kann. In vielen Bereichen gilt dabei für unsere Sinne das Webersche Gesetz. Delta S/S=K. K ist dabei eine als Weberscher- Quotient bezeichnete Konstante. Delta S ist der kleinste spürbare Unterschied. Er ist über ein breites Spektrum an Reizintensitäten konstant. Nachgewiesen hat dies Weber mit Gewichten, proportional zum Gewicht steigt der eben spürbare Unterschied zwischen Gewichten an. Wenn wir ein kleines Gewicht in den Händen halten, spüren wir auch kleine Unterschiede, ...Das Antwortkriterium definiert in psychologischen Experimenten die Stärke oder Größe des Signals das erforderlich ist, damit der Proband ein Singal als wahrnehmbar bezeichnet. Es ist erheblich abhängig von der Persönlichkeit des Probanden (z.B.: vorsichtig/genau  wagemutig/impulsiv). Es ist auch abhängig von der Situation und den aus der Wahrnehmung möglichen positiven oder negativen Konsequenzen. In Angstsituationen nehmen wir äußere wie innere Reize wesentlich schneller wahr und intensiver wahr, unsere Wahrnehmungsschwelle sinkt, das heißt viel kleinere Reize werden wahrgenommen, dies allerdings mit der Folge, dass wir auch viel häufiger Teile des Rauschen als Signal wahrnehmen. Dies kann auch beim Gesunden bis zu illusionären Verkennungen gehen (z.B. Reiter über den Bodensee, Goethes Erlkönig). Unser Antwortkriterium ist auch durch andere manipulierbar und hängt erheblich von der Erwartung an die Situation ab.  Alle Sinnessysteme besitzen die Fähigkeit bei Teilwahrnehmungen nach dem Gedächtnis Ergänzungen vorzunehmen am einfachsten wird diese Fähigkeit beim visuellen System nachgewiesen, unvollständige Objektgrenzen, die häufig in visuellen Szenen auftreten, werden zu vollständigen Szenen oder Objekten ergänzt. Wahrnehmungskonstanz bedeutet, dass Merkmale von Objekten, die wir wahrnehmen konstant bleiben obwohl sich die Wahrnehmungsbedingungen ändern. Unabhängig davon, aus welchem Blickwinkel und bei welcher Beleuchtung wir eine Kiste ansehen, sie behält eine rechteckige Form für unsere Wahrnehmung und auch ihre braune Farbe. Wir nehmen also die reale Gestalt, nicht die meist trapezförmige Abbildung auf der Netzhaut war. Im Falle von Formen bezeichnet man das Formkonstanz, im Falle von Farbe als Farbkonstanz, wenn es um die Helligkeit der Farben eines Objektes geht als Helligkeitskonstanz. Letztere gehen auf das Verhältnisprinzip zurück. Auf diese Weise können wir Objekte als gleichbleibend wahrnehmen.  Wahrnehmen, (obwohl zunächst ein Prozess, der sich nur im Jetzt abspielt), ist ohne Gedächtnis nur eingeschränkt möglich. Das Gedächtnis ist in diesem Zusammenhang die aktive Ordnungsstruktur des Wissen und der Wahrnehmung zugleich. Wir sehen wonach wir suchen können, zumindest sehen wir bekanntes wesentlich schneller und besser, wir können es erkennen. Bereits bekanntes strukturiert daher unsere Wahrnehmung vor (Priming). Neue Wahrnehmungen verändern die bereits im Gedächtnis vorhandenen Schemata und Informationen. Dadurch verändern und erweitern neue Wahrnehmungen auch unsere Fähigkeit wahrzunehmen, gleichzeitig schränken unsere vorgefertigten Gedächtnisinhalte auch das Spektrum dessen ein, was wir wahrnehmen. Für jede Wahrnehmung sind bereits vorgefertigte Schemen zur Informationsverarbeitung erforderlich, die sich mit der Wahrnehmung aber auch laufend ändern. Die Möglichkeiten der Veränderung sind dabei für unterschiedliche Wahrnehmungssystem unterschiedlich. Vieles bleibt lebenslang flexibel und veränderbar. Wenn wir uns auf etwas konzentrieren und unsere Aufmerksamkeit darauf richten, werden zum einen die Wahrnehmungsprozesse, die sich mit diesem speziellen Objekt befassen verstärkt, andere werden aktiv in den Hintergrund gedrängt. Findet dieser Aufmerksamkeitsprozess für ein Objekt häufiger statt, stellt sich unser Gehirn darauf ein, sowohl die Hemmung der störenden Umgebungsreize, als auch die Aufmerksamkeit für den spezifischen Reiz werden zunehmend erleichtert und automatisiert, sie sind deshalb auch mit größerer Sicherheit und Geschwindigkeit möglich (. Es ist davon auszugehen, dass diesem Prozess neu gebildete Synapsen zu Grunde) liegen. Wahrnehmung führt an dieser Stelle also zu lernen und einer Veränderung in der Hirnsubstanz. Wahrnehmung ist auch bei allen Handlungsprozessen begleitend eine unbedingte Voraussetzung. Für jede geführte Bewegung ist die Rückmeldung der Bewegungsrezeptoren in den Muskelspindeln, Gelenkrezeptoren, dem Sehen wie dem Gleichgewichtsorgan Bedingung. Schon der Ausfall eines dieser Systeme beeinträchtigt die Zielgenauigkeit der Bewegung. Auch bei einfachen Erkenntnisvorgängen werden meistens mehrere Wahrnehmungssysteme gleichzeitig benutzt. Manche Wahrnehmungsprozesse können in kritischen Entwicklungsperioden irreversibel gestört werden. Viele dieser Wahrnehmungsprozesse werden früh in erheblichem Maße vorgeprägt und sind später nicht mehr elementar zu ändern. Wenn beispielsweise bei Säuglingen eine zeitlang nach einer Operation ein Auge verschlossen wird, besteht ein hohes Risiko, dass dieses Auge schwachsichtig wird. Wenn Kinder länger unbehandelt schielen, bilden sich in der Sehrinde weniger von beiden Augen versorgte Neurone, die Kommunikation zwischen den Wahrnehmungen der beiden Augen in der Hirnrinde ist dann oft auf Dauer gestört. Beidäugiges Sehen wird zwischen dem 2 und 4.-8. Lebensjahr ausgebildet, später ist dies nur noch in geringerem Ausmaß möglich . Der Wahrnehmungsprozess geschieht überwiegend unbewusst und ist bisher nur teilweise erforscht. Wahrnehmung ist dennoch immer ein aktiver Prozess. Vermutlich sind an jeder einzelnen Wahrnehmung eine Vielzahl von Mechanismen beteiligt, die bisher nur teilweise aufgeklärt sind. Verschiedene Forschungsrichtungen sehen historisch wie aktuell unterschiedliche Mechanismen im Vordergrund. Ein Großteil der Untersuchungen konzentriert sich dabei bisher auf die Wahrnehmungen durch ein Sinnessystem, vermutlich wirken aber bei unserer Wahrnehmung in den meisten Fällen Informationen aus mehreren Sinnen zusammen. Wahrnehmung wird im Gehirn nach Mustern organisiert, aus Teilen werden größere Einheiten (Wahrnehmungsorganisation) Grundsätzlich unterschieden wird bei den verschiedenen Wahrnehmungstheorien zwischen Top- down- und Bottom- up- Verarbeitung. Bei der Top-down- Verarbeitung geht die Informationsaufnahme vom Vorwissen, und damit von höheren Zentren im Gehirn aus. Es bestehen also in diesem Fall kognitive Einflüsse auf die Wahrnehmung. Einfacher zu untersuchen ist die Bottom- up- Verarbeitung, dabei bildet zunächst der Sinnesreiz die Grundlage, erst in der späteren Verarbeitung werden die höheren Zentren mit ins Spiel gebracht.  Wahrnehmungspsychologie: Die W. ist ein Teilbereich der Allgemeinen Psychologie. Hier werden die Ergebnisse der Reizverarbeitung im Organismus erforscht. Thematischer Schwerpunkt der W. sind Wahrnehmungstäuschungen (neuerdings nicht nur beim Sehen und Hören: auch beim Figur,- Farb,- Bewegungs,- Zeitwahrnehmen   Wir nehmen nur wahr, was unser Gehirn für realistisch hält, scheinbar unrealistisches sortieren wir ohne es zu wissen aus .Emotionen spielen dabei eine genauso wichtige Rolle wie gelernte Fakten. Jede aktuelle Erfahrung wird mit ähnlichen Reizen in der Vergangenheit in unserm Hirn in Bezug gesetzt. Besonders unter dem Einfluss starker Emotionen neigen generell auch gesunde Menschen zu Sinnestäuschungen, die altbewährten Methoden der Informationsverarbeitung in unserem Gehirn können dann versagen. Da unsere Wahrnehmung gewohnt ist mehr zu sehen als tatsächlich vorhanden ist, sehen die meisten Menschen beispielsweise die beiden roten Linien unterschiedlich lang, die obere wird üblicherweise als länger wahrgenommen. Ohne dass diese vorhanden wären sehen wir in der Abbildung unten 2 große Dreiecke ein großes blaues und ein großes weißes Dreieck. Real sind 3 kleine Dreiecke vorhanden. Voreingenommenheit ist auch beim besten Willen nicht zu vermeiden, sie macht die Sortierung unserer Wahrnehmung einfacher. Wir sollten nur wissen, dass eine solche Voreingenommenheit immer vorhanden ist. Sie bei komplexeren Wahrnehmungen immer größer als bei den einfachen bebilderten Beispielen hier. Unterschiede in Zeugenaussagen vor Gericht, oder die unterschiedliche Wahrnehmung im Rahmen einer Ehescheidung sind typische Beispiele. Falsche Zeugenaussagen von Augenzeugen gelten als der Hauptgrund für falsche Verurteilungen vor Gericht. Samuel R. Gross (2004) Wir tun also gut daran, unseren Sinnen nicht unkritisch zu trauen. "Unsere vermeintlich zuverlässigen Wahrnehmungen sind lediglich Hypothesen über die Welt, die unser Gehirn unbewußt-rational konstruiert, und falsche Hypothesen führen zu Wahrnehmungstäuschungen.  Der uns angeborene "Gestaltungsdruck" lässt uns in Zufallsereignisse Gesetzmäßigkeiten hineininterpretieren, die wir dann selektiv wahrnehmen und uns gut merken. Haben wir einmal eine bestimmte Überzeugung gewonnen, neigen wir dazu, selbst an fiktiven Zusammenhängen unbeirrbar festzuhalten - auch dann, wenn diese Zusammenhänge experimentell widerlegt worden sind. Diese "Credomanie" (Glaubsüchtigkeit) erweist sich als eine tierische Erblast und ist eine unerschöpfliche Quelle menschlicher Fehlvorstellungen." Wahrnehmungstäuschungen bei GWUP  Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Ob man an paranormale Phänomene glaubt oder nicht hängt eventuell auch von der Hirnchemie ab. Der Neruotransmitter Dopamin wird nach einer in der Zeitschrift New Scientist veröffentlichten Studie für die Anfälligkeit an Paranormales zu glauben verantwortlich gemacht. New Scientist Print Edition siehe auch  Dr. Martina Belz-Merk  Beratung für Menschen mit ungewöhnlichen Erfahrungen Ambulanz des Psychologischen Instituts an der  Universität Freiburg   The Skeptic's Dictionary - Deutsche Abteilung Vorstellungskraft entspricht aus der Sicht eines Neurologen am ehesten der sensorischen Antizipation. Ein mentales Bild entsteht dabei in Vorbereitung auf was wir sehen, fühlen, riechen, schmecken oder hören, solange das wirkliche Wahrnehmungsobjekt noch nicht oder nicht präsent ist. Gedächtnisinhalte werden benutzt um den Wahrnehmungsapparat des Gehirn in einen Zustand einer hohen Erwartung zu versetzen. Eine Erwartung die so lebendig ist, dass man sie als eine Surrogaterfahrung bezeichnen könnte. Der Cortex besitzt eine hierarchische Organisation Rückprojektionen ( heavy back-projections) zwischen jedem Verarbeitungsschritt können in beide Richtungen geschehen. Die selben neuronalen Schaltkreise können für bottom-up druch die Wahrnehmung oder für top-down durch Vorstellungen benutzt werden.  Es gibt große Unterschiede in der individuellen Lebendigkeit und Stabilität von Vorstellungskraft, bzw. sensorischer Antizipation. Bei der Müller-Lyer‘sche Täuschung (typisches Beispiel einer optischen Täuschung) entsteht bei kürzer erscheinenden Strecke entsteht der Eindruck einer vorspringenden, in unmittelbarer Nähe des Betrachters befindlichen Kante, bei der anderen Figur scheint die Ecke dagegen in weiterer Entfernung zu liegen. Die subjektive näherliegende Kante erscheint kürzer (Prinzip der Größenkonstanz). Eine andere Erklärung ist, dass die Elemente an den Enden jeweils in die subjektive Einschätzung der Streckenlängen mit einbezogen werden, so verlängern die nach außen gerichteten Pfeilspitzen die zwischen ihnen liegende Strecke. Bei der längeren Strecke sind zur Abtastung mehr Augenbewegungen nötig. 
 

 

 

 

 

Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen

Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen Besonders das schizophrene Krankheitsbild geht oft auch mit Wahrnehmungsstörungen einher, die alle Sinne betreffen können. Die Patienten hören, fühlen, sehen, riechen oder schmecken Dinge, die andere nicht wahrnehmen. Man nennt dies auch Sinnestäuschungen oder Halluzinationen. So hören die Betroffenen z. B. Stimmen von tatsächlich nicht anwesenden Personen, die sich über sie unterhalten, ihnen Befehle geben oder ihr Tun mit Bemerkungen kommentieren oder die drohen, schimpfen, rufen oder flüstern. Es kommen auch reine Geräuschhalluzinationen vor, wobei die Patienten Töne und Geräusche hören, wie z. B. ein Klopfen, Donnern, Summen oder Pfeifen. Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen können sich z. B. darin äußern, daß die Patienten meinen, sie würden unangenehme Düfte riechen oder alles, was sie essen, würde z. B. nach Seife oder Essig schmecken. Oft gehen diese Halluzinationen mit der Angst einher, vergiftet zu werden. Die Halluzinationen können für Patienten absolut realistisch sein, und sie fühlen sich sogar mißverstanden, wenn Ärztin/Arzt oder Angehörige darauf hinweisen, daß das, was sie erleben, nicht in Wirklichkeit vorhanden ist. Dies ist ganz typisch für die Krankheit, und wenn es den Kranken wieder besser geht, können sie erkennen, daß sich diese Erlebnisse nur "in ihnen selbst" abgespielt haben. Bei akustischen Halluzinationen werden die selben zusammenarbeitenden Hirngebiete aktiviert wie bei der normalen Sprachproduktion und Verarbeitung von gehörter Sprache oder auch stummen Selbstgesprächen. Eine Spekulation ist, dass den Halluzinationen eine verminderte Wahrnehmung dafür zu Grunde liegt, dass ein inneres Selbstgespräch geführt wurde. Halluzinationen könnten also Folge einer abnorm verminderten Funktion der Überwachung für selbst erzeugte innere Vorgänge (self- monitoring) sein. Andere gehen sogar von einem epileptischen Herd in der Hörrinde aus, der willentlich nicht kontrolliert werden kann. Der nicht der Kontrolle unterliegende Vorgang erzeugt so oder so den Eindruck einer äußeren Realität an Stelle der real vorhandenen inneren Realität. Möglicherweise spielen ähnliche Phänomene bei Träumen eine Rolle. Jedenfalls scheinen Verbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen während der Halluzinationen hier in ihrer Funktion beeinträchtigt zu sein. Siehe auch: Shergill SS, Arch. Gen Psychiatry; 57;2000; 1033 ff



Walker-Warburg-Syndrom
(WWS), Angeborene erbliche Missbildung mit schlechter Prognose, Typ-2-Lissenzephalie, („Kopfsteinpflaster-Dysplasie“) mit Hydrozephalus und Fehlbildungen des Kleinhirns einschließlich einer Wurmhypoplasie. Alle Patienten leiden an einer angeborenen Muskeldystrophie, gleichzeitig sind Augensymptomen vorhanden (Retinadysplasie, Mikrophthalmie, Kolobome Katarakt, Hornhauttrübung, Glaukom). Zusätzlich Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, Mikropenis, Kryptorchismus und kongenitale Kontrakturen. Makrozephalie infolge eines Hydrozephalus.. Die Schwangerschaften sind durch eine Polyhydramnie kompliziert, und die Neugeborenen bedürfen häufig einer intensivmedizinischen Betreuung. Die mittlere Überlebensrate beträgt circa neun Monate, die länger überlebenden Patienten sind schwer retardiert. Das WWS wird autosomal rezessiv vererbt. Mindestens drei Genorte
  1. A. E. Walker: Lissencephaly. Archives of Neurology and Psychiatry, Chicago, 1942, 48: 13-29.
  2. M. Warburg: The heterogeneity of microphthalmia in the mentally retarded. Birth Defects Original Article Series, New York, 1971, 7 (3): 136-154.
  3. Morris-Rosendahl, Deborah; Wolff, Gerhard Klinik, Genetik und Pathogenese der Lissenzephalien Dtsch Arztebl 2003; 100: A 1269–1282 [Heft 19]
  4. Jens M. Rohrbach et al., Walker-Warburg-Syndrom im Erwachsenenalter? Klin Monatsbl Augenheilkd 2000; 216: 235-239 DOI: 10.1055/s-2000-10551
  5. William B. Dobyns, et al., Diagnostic criteria for Walker-Warburg syndrome American Journal of Medical Genetics Volume 32, Issue 2 , Pages 195 - 210 DOI 10.1002/ajmg.1320320213


Wallenberg-Syndrom
(dorsolateraler Medulla oblongata-Infarkt)Ischämische Nekrosen im dorso-lateralen Abschnitt der Medulla oblongata sind klinisch durch das „Wallenberg-Syndrom“ bzw. die „dissoziierte Empfindungslähmung“ gekennzeichnet. Sie besteht in der Hauptsache in einer Sensibilitätsstörung der (der Nerkrose) gleichseitigen Gesichts- und der gegenseitigen Körperhälfte, kombiniert mit einem gleichseitigen Horner-schen Symptomenkomplex (Miosis, Ptosis, Enpohthalmus), Hemiataxie u. Gaumensegelparese.


Wallenberg-Syndrom
bei einseitigem Infarkt im Bereich der dorso-lateralen Medulla oblongata (seitliches und hinteres verlängertes Mark) bei Durchblutungsstörung im Bereich der Arteria cerebelli posterior inferior. Es kommt zu Drehschwindel und Fallneigung zur Seite der Schädigung, Hemiataxie auf der Seite der Schädigung, einer dissoziierten Empfindungsstörung mit Minderung des Schmerz- und Temperaturempfindens auf der Gegenseite und einer Minderung der Oberflächensensibilität auf der Seite der Schädigung. Hinzukommen, Nystagmus, Schluckstörung, heiserer Stimme, Horner-Syndrom( Miosis, Ptosis und Enpohthalmus) auf der Seite der Schädigung. Vegetative Symptome wie schneller Puls, Atemschwierigkeiten oder schwer kontrollierbarer lange anhaltender Schluckauf können dazu kommen. Das Wallenberg-Syndrom ist das häufigste aller klassischen Hirnstammsyndrome. Der Ausprägungsgrad ist variabel, nicht alle Symptome sind immer vorhanden.


Websterskala
Schweregrade des Parkinson-Syndroms. Websterskala [Nach: Webster DD (1968) Critical analysis of the disability in Parkinson’s disease Med Treatm 5: 257-282)

1. Bradykinesie der Hände

0 = normal
1 = angedeutete Verlangsamung
2 = maßig, Mikrographie
3 = schwer, deutliche Funktionsbeeinträchtigung
2. Rigor
0 = keiner
1 = angedeutet
2 = mäßig
3 = schwer (besteht auch unter Medikamenten)
 
3. Haltung
0 = normal
1 = Kopf bis 12,5 cm nach vorne
2 = Kopf bis 15 cm nach vorne, Armbeugung
3 = Kopf mehr als 15 cm nach vorne, Armbeugung über die Hüfte
 
4. Mitschwingen der Arme
0 = normal
1 = ein Arm vermindert
2 = ein Arm schwingt nicht
3 = beide Arme schwingen nicht
 
5. Gangbild
0 = normal
1 = Schrittverkürzung auf 30-45 cm
2 = Schrittverkürzung auf 15-30 cm
3 = Schrittverkürzung auf unter 10 cm, Stotterschritte
 
6. Tremor
0 = keiner
1 = Amplitude < 2,5 cm
2 = Amplitude < 10 cm
3 = Amplitude > 10 cm, Schreiben und Essen sind unmoglich
 
7. Gesicht
0 = normal
1 = ausgedehnte Hypomimie
2 = mäßige Hypomimie, Mund zeitweise offen
3 = eingefrorenes Gesicht, Speichelfluß
 
8. Seborrhö
0 = keine
1 = vermehrt
2 = ölige Haut, dunner Film
3 = dicker Film gesamter Kopf
 
9. Sprechen
0 = normal
1 = heiser, schlecht moduliert
2 = heiser, monoton, undeutlich
3 = Palilalie
 
10. Selbständigkeit
0 = normal
1 = beeintrachtigt, aber erhalten
2 = teilweise auf Hilfe angewesen, braucht viel Zeit zu allem
3 = vollständig abhängig
 
Maximale Punktzahl (schwerste Ausprägung des Parkinson-Syndroms): 30
Minimale Punktzahl (kein Parkinson-Syndrom): 0
1-10 Punkte leichtes 11-20 Punkte mittelschweres, 20-30 Punkte schweres Parkinsonsyndrom


Wechseljahrsbeschwerden
die Wechseljahre bezeichnet man medizinisch aus als Klimakterium, gemeint ist die Zeit der hormonellen Umstellung vor und nach der Menopause (Ende der Monatsblutungen). Die Wechseljahre sind damit zunächst ein normaler Lebensabschnitt und für sich genommen auch mit den üblichen Beschwerden weder eine Krankheit noch behandlungsbedürftig. Neuerdings wird die Bezeichnung Wechseljahre auch für Männer angewandt, wobei strittig ist, in wie weit dies gerechtfertigt ist. Der Beginn liegt meist irgendwo zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr, der definitive Eintritt in die Wechseljahre ist meist Anfang der 50er Jahre. Je später die Wechseljahre umso größer die statistische Lebenserwartung, obwohl bei späterer Menopause das Krebsrisiko (Gebährmutter, Eierstöcke) erhöht ist, wird dies durch die reduzierte Mortalität (Sterblichkeit) an kardiovaskulären Erkrankungen mehr als ausgeglichen.

Unregelmäßigkeiten des Menstruationszyklus mit stärkeren oder schwächeren Blutungen leiten das Ende der Fruchtbarkeit der Frau ein. Der Östrogenspiegel sinkt massiv ab. Hitzewallungen, Schweißausbrüche und eine trockene Scheide sind eindeutig Symptome die, durch die Wechseljahre ausgelöst werden. Eine Hitzewallung ist eine Wahrnehmung einer plötzlichen und intensiven Wärme die im Gesicht oder in der Brustregion beginnt und sich auf den Körper ausbreitet, meist in Kombination mit Schweißausbrüchen und Herzrasen die Dauer ist meist   2-30 Minuten. Nachts wachen die Betroffenen oft von den Hitzewallungen auf. Am stärksten treten die Hitzewallungen um die Zeit der letzten Periode herum am stärksten auf und nehmen dann an Häufigkeit und Intensität ab. In der Regel enden sie spontan ohne Behandlung nach einer gewissen Zeitperiode vollständig. Nur etwa 10% aller Frauen haben nach 7- 10 Jahren noch lästige Symptome. Nicht jede Hitzewallung ist ein Symptom der Wechseljahre. Stress, Panikattacken, Alkoholentzug, viele Medikamente wie Tmoxifen, Raloxifen, Schilddrüsenerkrankungen, Infekte, Krebserkrankungen, das Karzinoidsyndrom, Phaeochromozytome, systemische Mastozytose.. können ganz ähnliche Symptome auslösen. Bei atypischem Verlauf oder anderen Hinweisen auf eine der genannten Erkrankungen muss also weiter gesucht werden. 

 

Inkontinenz, häufigere Blasenentzündung sind ebenfalls mögliche Symptome des Östrogenabfalls in den Wechseljahren. Bei weiteren Beschwerden wie subjektive Gedächtnisstörungen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen depressive Verstimmungen, Schwindel, Schlafstörungen, Müdigkeit, Verstopfung, Durchfall, trockene Haut, Gewichtszunahme, Gelenk- und Muskelschmerzen muss immer an die Differenzialdiagnose einer Depression gedacht werden. Der Hormonabfall kann möglicherweise Depressionen auslösen, nach aktuellen Studien verdoppelt sich in der Zeit des Eintritts der Wechseljahre die Wahrscheinlichkeit einer Depression im Vergleich zu Frauen gleichen Alters, die noch nicht in den Wechseljahren sind. Ob dies allerdings eine kausale Beziehung in eine Richtung ist, ist offen. Auch umgekehrt ist anzunehmen, dass eine Depression einen Hormonabfall bewirkt und den Eintritt der Wechseljahre beschleunigt.  Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche, und eine trockene Scheide sind typische Wechseljahrssymptome ausgelöst durch den Hormonabfall. Depression, Angst und Reizbarkeit, Schmerzen, Müdigkeit, Inkontinenz, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrasen, Sexuelle Funktionsstörungen etc. gehen oft auf andere Probleme zurück und sind nicht unbedingt Folge des Östrogenmangels. Neben dem Hormonabfall spielen in der Zeit der Wechseljahre auch andere gravierende Umwälzungsprozesse im Leben eine Rolle. Häufig ist es die Zeit in der die Eltern pflegebedürftig und krank werden, die Kinder gehen aus dem Haus, der Höhepunkt der Karriere ist oft überschritten, der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist oft schwierig und nur unter Qualifikation möglich, die Ehemänner fangen an ernsthafte Erkrankungen zu bekommen, nicht zuletzt wird auch die Tatsache des eigenen Älterwerdens bewusster. All diese Faktoren können das Entstehen psychischer Störungen begünstigen und können die Frau vorübergehend überfordern. Bei gleichzeitig vorhandener Depression sind Hormonbehandlungen alleine meist ineffektiv. Eine Entfernung der Eierstöcke bei jüngeren Frauen, Chemotherapie oder Bestrahlungen lösen häufig heftigere Symptome aus, als dies bei den Frauen der Fall ist, die auf natürliche Weise langsam in die Wechseljahre kommen. Seit einigen Jahren sind Hormonbehandlungen allgemein wegen ihres gravierenden Nebenwirkungsrisikos ins Gerede gekommen. (siehe unter prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) Das Risiko einer Hormonbehandlung für gravierende kardiovaskuläre oder thrombotische Nebenwirkungen ist für die individuelle Frau verdoppelt,  je nach Risikoprofil kann man dieses Risiko als schwer oder leicht ansehen. Raucher haben bei einer Hormonbehandlung ein zusätzlich höheres Risiko, dies gilt auch für bereits bestehenden Bluthochdruck oder Diabetes.   Das Einstellen des Rauchens und die Reduktion des Alkoholkonsums, kalte Getränke, gekühlte Räume können Hitzewallungen bessern. Sport bessert das Körpergefühl,

Stehen die depressiven Symptome im Vordergrund sollte auch die Depression behandelt werden. Für bestimmte Antidepressiva ist eine eindeutige Wirksamkeit auch für Wechseljahrsbeschwerden gesichert. Neue Trends zeigen, dass in dem Maße wie die Behandlung der Wechseljahrsbeschwerden durch Hormone abnimmt, der Einsatz von modernen Antidepressiva bei diesen Frauen ansteigt. Nicht jede Verordnung von Antidepressiva in den Wechseljahren hat also die Indikation der Depressionsbehandlung. Wechseljahrsbeschwerden auch ohne Depression lassen sich mit diesen Medikamenten ebenso behandeln. In wie weit dies immer auch zu Lasten der GKV gerechtfertigt ist, (Problem der Off-Label-Verordnung ) ist eine andere Frage. Langzeitstudien fehlen auch hier. Auch Antidepressiva können zumindest das Risiko von kardiovaskulären  Nebenwirkungen erhöhen.  Eine Meta-Analyse von 70 Studien zur Wirkung alternativer Heilmethoden auf die Wechseljahrsbeschwerden (Vitamin- und Proteingaben und anderen diätetischen Maßnahmen. Neun Studien untersuchten die Effekte von Meditationsübungen, Entspannungstechniken, Traditionellen Chinesischen Medizin TCM) kommt zu dem Ergebnis, dass in den Studien entweder keinen Wirkungsnachweis gibt oder dieser auf dem Placeboniveau liegt.

(Arch Intern Med. 2006;166:1453-1465) Stearns V, Beebe KL, Iyengar M, Dube E. Paroxetine controlled release in the treatment of menopausal hot flashes: a randomized controlled trial. JAMA 2003; 289(21):2827-34, Stoppe G, Doren M. Critical appraisal of effects of estrogen replacement therapy on symptoms of depressed mood. Arch Women Ment Health 2002; 5 (2): 39-47Pinkerton JV, Santen R. Use of alternatives to estrogen for treatment of menopause. Minerva Endocrinol 2002;27(1):21-41, Roger S. McIntyre et al., Hormone replacement therapy and antidepressant prescription patterns: a reciprocal relationship CMAJ • January 4, 2005; 172 (1). doi:10.1503/cmaj.1040517. Dewey C. Scheid, Mario T. Coleman, and Robert M. Hamm, Do Perceptions of Risk and Quality of Life Affect Use of Hormone Replacement Therapy by Postmenopausal Women? J Am Board Fam Pract 2003 16: 270-277. Abstract] [Full Text] [PDF]  Ellen Løkkegaard; Zorana Jovanovic; Berit L. Heitmann; Niels Keiding; Bent Ottesen; Yrsa Andersen Hundrup; Erik B. Obel; Annette Tønnes Pedersen, Increased Risk of Stroke in Hypertensive Women Using Hormone Therapy: Analyses Based on the Danish Nurse Study Arch Neurol. 2003;60:1379-1384. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF | CME COURSE Julie L. Mitchell; Karen J. Cruickshanks; Barbara E. K. Klein; Mari Palta; David M. Nondahl Postmenopausal Hormone Therapy and Its Association With Cognitive Impairment Arch Intern Med. 2003;163:2485-2490. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF Zylka-Menhorn, Vera Hormontherapie: Nachschlag Deutsches Ärzteblatt 100, Ausgabe 46 vom 14.11.2003, Seite A-2992 Ellen W. Freeman; Mary D. Sammel; Li Liu; Clarisa R. Gracia; Deborah B. Nelson; Lori Hollander, Hormones and Menopausal Status as Predictors of Depression in Women in Transition to Menopause, Arch Gen Psychiatry. 2004;61:62-70. ABSTRACT FULL TEXT  PDF  NIH CONFERENCE, National Institutes of Health State-of-the-Science Conference Statement: Management of Menopause-Related Symptoms Annals of Internal Med. 21 June 2005 142,12 early online Ossewaarde, Marlies E. et al.,  Age at Menopause, Cause-Specific Mortality and Total Life Expectancy. Epidemiology. 16(4):556-562, July 2005. Abstract HTML PDF (487 K) ArticlePlus Lee S. Cohen; Risk for New Onset of Depression During the Menopausal Transition: The Harvard Study of Moods and Cycles Arch Gen Psychiatry. 2006;63:385-390, ABSTRACT FULL TEXT PDF Ellen W. Freeman; et al., Associations of Hormones and Menopausal Status With Depressed Mood in Women With No History of Depression, Arch Gen Psychiatry. 2006;63:375-382 ABSTRACT FULL TEXT PDF Anne Nedrow; Jill Miller; Miranda Walker; Peggy Nygren; Laurie Hoyt Huffman; Heidi D. Nelson, Complementary and Alternative Therapies for the Management of Menopause-Related Symptoms: A Systematic Evidence Review, Arch Intern Med. 2006;166:1453-1465.ABSTRACT  FULL TEXT PDF



Wechselwirkungen der Medikamente
Wechselwirkungen der Medikamente


Wegefähigkeit
Die Fähigkeit eine Arbeitsstelle aufzusuchen. Nach dem Bundessozialgericht muss man dazu in der Lage sein 4x täglich eine Wegstrecke von mehr als 500 m einschließlich kurzer Pausen jeweils in der Zeit von bis zu 20 Minuten (15-18min) zu Fuß zurückzulegen. Darüber hinaus muss die Fähigkeit vorhanden sein 2x täglich öffentliche oder private Verkehrsmittel auch während der Hauptverkehrszeit zu benutzen. Mangels eines entsprechend nahen Arbeitsplatzes oder eines Kfz, um einen weiter entfernten Arbeitsplatz zu erreichen, führt Wegeunfähigkeit im Rentenrecht nach der einschlägigen Rechtsprechung zur Verschlossenheit des Arbeitsmarkts und somit zur vollen Erwerbsminderung. Abgesehen von einer Besserung des Gesundheitszustandes könnte Wegeunfähigkeit als überwunden gelten, wenn Betroffene einen zu Fuß erreichbaren Arbeitsplatz tatsächlich inne haben oder wenn ihnen ein Kfz zur Verfügung stünde, das sie selbst führen oder mit dem sie gefahren werden könnten. Hat der Versicherte keinen Arbeitsplatz und wird ihm ein solcher auch nicht konkret angeboten, bemessen sich die Wegstrecken, deren Zurücklegung ihm - auch in Anbetracht der Zumutbarkeit eines Umzugs - möglich sein muss, nach einem generalisierenden Maßstab, der zugleich den Bedürfnissen einer Massenverwaltung Rechnung trägt. Dabei wird angenommen, dass ein Versicherter für den Weg zur Arbeitsstelle öffentliche Verkehrsmittel benutzen und von seiner Wohnung zum Verkehrsmittel und vom Verkehrsmittel zur Arbeitsstelle und zurück Fußwege zurücklegen muss. Erwerbsfähigkeit setzt danach grundsätzlich die Fähigkeit des Versicherten voraus, vier Mal am Tag Wegstrecken von mehr als 500 m mit zumutbarem Zeitaufwand zu Fuß bewältigen und zwei Mal täglich während der Hauptverkehrszeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren zu können. Bei der Beurteilung der Mobilität des Versicherten sind alle ihm tatsächlich zur Verfügung stehenden Hilfsmittel (zB Gehstützen) und Beförderungsmöglichkeiten zu berücksichtigen (vgl BSG Urteil vom 17. Dezember 1991 - 13/5 RJ 73/90 - SozR 3-2200 § 1247 Nr 10, S 30 f; Senatsurteile vom 19. November 1997 - 5 RJ 16/97 - SozR 3-2600 § 44 Nr 10 und vom 30. Januar 2002 - B 5 RJ 36/01 R - veröffentlicht in JURIS). Dazu gehört auch die zumutbare Benutzung eines vorhandenen, ggf im Rahmen der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (§ 16 SGB VI, § 33 Abs 3 Nr 1, Abs 8 Nr 1 SGB IX) subventionierten Kraftfahrzeugs (vgl Senatsurteile vom 19. November 1997 - 5 RJ 16/97 - SozR 3-2600 § 44 Nr 10 und vom 30. Januar 2002 - B 5 RJ 36/01 R - veröffentlicht in JURIS; BSG Urteil vom 14. März 2002 - B 13 RJ 25/01 R - veröffentlicht in JURIS).


Werkstätten für Behinderte (WfB)  
Werkstätten für Behinderte haben den Auftrag, Arbeitstraining und Beschäftigung für den Personenkreis zu realisieren, der behinderungsbedingt nicht mehr auf dem all- gemeinen Arbeitsmarkt tätig sein kann. Mittlerweile finden sich in vielen Werkstätten für Behinderte auch Arbeits- und Produktionsbereiche, die ausschließlich für psy- chisch Behinderte eingerichtet sind. Werkstätten für Behinderung sind dann als ein Instrument der beruflichen Rehabilita- tion anzusehen, wenn der Rehabilitand im Arbeitstrainingsbereich voraussichtlich auf die Rückkehr auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet werden kann. Statistisch gesehen gelingt eine Reintegration nur bei maximal 15%, so dass dieser “geschützte“ Rehabilitationsbaustein nur in wenigen Einzelfällen in Betracht zu ziehen ist. In der Regel stützen sich die medizinischen Kriterien der Beurteilung für die Aufnahme in den Eingangs- und Arbeitstrainingsbereich einer WfB auf das Schwerbehindertengesetz. Das Ziel der Maßnahme ist die Erlangung eines Mindestmaßes an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung. Kann dies voraussichtlich erreicht werden, ist eine Förderung durch den Rentenversicherungsträger möglich. Im Eingangsver- fahren (vier bis zwölf Wochen, von denen vier Wochen zu Lasten des Rentenversicherungsträgers gehen) wird die Eignung für die WfB festgestellt. Diese liegt vor bei einem Mindestmaß an sozialer Kontakt- und Beziehungsfähigkeit, hinreichender Unabhängigkeit von Pflege am Arbeitsplatz und der Erwartung, dass ein Minimum an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erreicht werden kann. Im Arbeitstrainings- bereich (12 bis 24 Monate) soll die Leistungsfähigkeit erhöht werden, damit die Betreuten in die Lage versetzt werden, danach im Produktionsbereich der Werkstatt zu arbeiten. Die Förderung der Behinderten im anschließenden Produktionsbereich ist Aufgabe des Trägers der Sozialhilfe. (DRV 2001)


Wernickeencephalopathie
(Polioencephalopathie Wernicke) von Carl Wernicke 1881 beschriebene Polioencephalitis haemorrhagica superior beruht auf meistens bilateralen Läsionen von Dienzephalon und mediotemporalen Hirnarealen es treten hämorrhagische Läsionen und darauf folgende Nekrosen, der Corpora mamillaria, des Thalamus, Hypothalamus, der 4-Hügel-Platte, des periaquäduktales Höhlengrau, des Hirnstamms und Kleinhirns auf. in mehr als 80% der Fälle folgt ein Korsakoff-Syndrom Es findet sich in 1,7–2,8% der Autopsien wird aber nur bei jedem 5. diagnostiziert. Das lebensbedrohliche Krankheitsbild tritt meist akut auf, ursächlich ist ein Mangel an Thiamin (Vitamin B1). Alkoholismus ist die wichtigste Ursache, fehlerhafte parentale Ernährung, mangelhafte Säuglingsernährung, Anorexia nervosa, Tumoren, Hyperemesis gravidarum, AIDS oder Hämodialyse können ebenfalls ursächlich sein. Wodurch Thiaminmangel die Hirnzellen so nachhaltig schädigt ist nicht bekannt. Sehstörungen sind manchmal das erste Symptom und sollten beispielsweise beim Schwangerschaftserbrechen oder einer Anorexia nervosa den Verdacht auf eine beginnende Wernickeenzephalopathie lenken. Wenn bei Schwangerschaftserbrechen oder einer Anorexia nervosa Infusionen gegeben werden sollte Thiamin grundsätzlich dazu gegeben werden. Leitsymptome: Bewußtseinstrübung, Ataxie, Augenmuskellähmung, Gedächtnisstörungen, Kombination mit Delirium tremens, autonome Dysregulationen wie Hypothermie oder Hypotonie auch andere Symptome treten auf wie Amaurose, Bewusstseinsstörung, spastische Tetraparese... Die Kernspintomographie zeigt frühzeitig typische Auffälligkeiten. Wichtig: Das Auftreten einer Wernicke-Enzephalopathie zwingt zur sofortigen hochdosierten parenteralen Vitamin-B1l-Therapie (bereits vor der in jedem Fall notwendigen Klinikeinweisung!).Man gibt Thiamin 50 mg i. v. und 50 mg i. m., dann bis zur Normalisierung der Ernährung täglich 50 mg i. m. Mit möglicherweise gefährlichen aber sehr seltenen allergischen Reaktionen auf das Thiamin muß gerechnet werden!
Siehe auch unter Alkoholismus- körperliche Folgen
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Werther- Effekt
Nach der Veröffentlichung von Goethes Liebesdrama gab es eine Welle von Suizidversuchen und auch Suiziden. Ähnliches ist immer wieder nach Suiziden in der personellen Umgebung wie auch nach Suiziden berühmter Stars zu beobachten. Den selben Effekt hat auch die hohe publizistische Ausschlachtung besonders von Jugendgewalt – ob nun die Gewalttaten in Littleton oder Steinewerfer auf den Autobahnbrücken. Pubertierende sind besonders leicht beeinflußbar, besonders labil und emotional unausgeglichen entsprechend sind solche Effekte ebenso wie die Beeinflußbarkeit durch die Massenmedien dort am größten.
Siehe unter  Suizidalität


Wesensveränderung, alkoholtoxische
Sie läßt einzelne vorgegebene Persönlichkeitseigenheiten stärker in Erscheinung treten; sie impliziert aber auch eine Veränderung der Reaktionsmuster des Betroffenen auf alltägliche Belastungen und chronische Konflikte. Stimmungsschwankungen, Antriebsstörungen, vermindertes Durchhaltevermögen, mangeihafte Konzentration, Beeinträchtigung zielgerichteten Handelns, Interessenverarmung und Einbußen an verläßlicher Kontinuität eigenen Handelns lassen den Alkoholkranken wesensmäßig unharmonisch-entdifferenziert erscheinen. Die Wesensveränderung mischt sich mit und wird damit Teil der Depravation des Suchtkranken. Sie kann sich in Kritik- und Urteilsschwäche, Unehrlichkeit, Verwahrlosung, Dissozialität und Kriminalität manifestieren und ist immer Ausdruck der im Zentrum getroffenen und veränderten (,,entkernten") Persönlichkeit, der das Vermögen verloren gegangen ist den eigenen Seinsentwurf zu leben. Zur Wesensveränderung gehören auch die Dissimulations-, Bagatellisierungs- und Verleugnungstendenzen bezüglich der eigenen Trinkgewohnheiten, welche man mit mangelnder Krankheitseinsicht nur unvollkommen zu umschreiben versucht. Je deutlicher die Zeichen eines organischen Psychosyndroms, um so uniformer zeigt sich die alkoholtoxische Wesensänderung und verwischen sich die individuellen Besonderheiten. So wichtig im Einzelfall die aktuelle psychopathologische Struktur der Wesensänderung auch sein mag (zumal sie therapeutisch und prognostisch von hoher Wertigkeit ist), so liegt ihre folgenreichste Auswirkung im Bereich der zwischenmenschlichen und sozialen Bezüge und Wechselwirkungen. Deshalb ist die alkoholtoxische Wesensveränderung die schwerwiegendste Alkoholismus-Folge überhaupt,


Westnilvirus oder West- Nil- Virus
Siehe unter Flaviviren


Whipple Morbus Whipple`sche Erkrankung
Die Erkrankung wurde bereits 1907 von Whipple beschrieben, aber erst im Jahr 2000 wurde das verursachende Bakterium Tropheryma whipplei, nachgewiesen. Über das Vorkommen des Erregers in der allgemeinen Umwelt gibt es noch wenige Daten. Eine Ausbreitung über Stuhl ist wahrscheinlich. Betroffen sind überwiegend Menschen aus ländlichen Regionen mit Berufen in der Landwirtschaft, Tierhaltung/schlachtung, im Baugewerbe etc.
Bisher sind erst etwa 1000 Fälle beschrieben worden, nach postmortem Studien soll die Prävalenz weniger als 0.1% sein. Die Erkrankung tritt überall auf der Welt auf, und befällt überwiegend weiße Männer im mittleren Alter. Da HLA-B27- positiive Menschen 2-3x häufiger erkranken, nimmt man an, dass viele Menschen mit dem Erreger in Kontakt kommen, aber nur die genetisch empfindlichen oder immunsupprimierten erkranken.

Im frühen oder Prodromalstadium, das meist etwa 6 Jahre dauert, leiden die Betroffenen meist unter Gelenkschmerzen und Arthritis. Bei immunosuppressiver Behandlung, wie beispielsweise Behandlung mit Kortikosteroiden oder Tumornekrosisfaktor ist der Verlauf beschleunigt. Durchfall kann dann bereits nach Beginn der Kortisonbehandlung auftreten. Danach kommt es zu Gewichtsverlust Durchfall, und manchmal auch anderen Organmanifestationen. Die Trias Diarrhoe, Malabsorption und Gewichtsverlust galt als typisch, kann aber auch fehlen. Wegen der vielfältigen Symptome und den technischen Schwierigkeiten bei der Diagnostik (die eine Endoskopie voraussetzt), wird die Diagnose häufig erst spät im Verlauf gestellt.
Die Differenzialdiagnosen, von der der M. Whipple abgegrenzt werden muss, schließen ein großes Spektrum von Erkrankungen wie entzündliche rheumatische Erkrankungen, Malabsorptionsyndrome wie Zöliakie, Sarkoidose und Lymphome), Morbus Addison, Bindegewebserkrankungen und eine große Anzahl neurologischer Erkrankungen ein.
In der Reihenfolge nach der Häufigkeit tritt folgende Symptomatik auf: Arthralgie oder Arthritis, Diarrhoe, Gewichtsverlust, Fieber, Lymphknotenvergrößerung, Melanodermie, immerhin bei einem Drittel neurologische Symptome, Augensymptome, Pleuraerguss. An neurologischen Symptomen sind kognitive Störungen (bis hin zur Demenz), supranukleäre Ophthalmoplegien, Bewusstseinsstörungen, psychische Störungen, Spastik, Zeichen einer hypothalamischen Schädigung, Hirnnervenstörungen, Myoklonus, epileptische Anfälle, Myorhythmien, Ataxien, und Sensibilitätsstörungen beschrieben worden. Neurologische Manifestationen der Erkrankung kommen als Beteiligung im Rahmen des klassischen M. Whipple vor, als neurologischer Rückfall nach zuvor durchgeführter antibiotischer Behandlung des M. Whipple und auch als isolierte neurologische Symptomatik.
In wie weit es asymptomatische Infektionen in der Allgemeinbevölkerung gibt ist strittig. In einer Serie wurde bei einem von 174 Blutspendern der Erreger nachgewiesen. In 2 anderen Studien wurde T. whipplei DNA im Speichel bei 19 und 35% gesunder Probanden nachgewiesen. Bei Menschen mit anderen Duodenal oder Magenerkrankungen wurde mittels PCR DNA von T. whipplei in 5% der Biopsien und 12% im Magensekret und Stuhlgang nachgewiesen. Diese Ergebnisse werden aber von anderen bezweifelt.
Anämie, Leukozytose, Thrombozytose oder -penie, Laborhinweise auf Malabsorption können allgmeine Hinweise sein. Bei zerebraler Beteiligung sind kernspintomographisch bilaterale, Signalanhebungen sowohl periventrikulär in der Weißen Substanz als auch subkortikal beschrieben. Solche Veränderungen sind aber insbesondere bei schon etwas älteren Menschen unspezifisch. Sie können auch ähnlich wie bei einer MS oder einer Vaskulitis aussehen. Klassischerweise wird die Diagnose mittels Dünndarmbiopsie oder Biopsie aus einem anderen befallenen Organ und lichtmikroskopischer Untersuchung nach PAS- Färbung gestellt. Verschiedene PCR- Assays sind entwickelt worden. Mit der Polymerasekettenreaktion (PCR) lassen sich kleinste Genommengen aus Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten spezifisch nachzuweisen. Dies entspricht aber keinem sicheren Nachweis einer Erkrankung. Als Differentialdiagnose käme hier selbstverständlich auch eine asymptomatische Infektion bei einem Gesunden in Betracht. Der Erregernachweis mittels PCR im Liquor kann aber bei entsprechend passender zentral nervöser Symptomatik und Bildmorphologie als ausreichender Beweis der Erkrankung dienen. Behandlung: Vor die Erkrankung genauer bekannt war, verlief sie meist tödlich. Trimethoprim–Sulfamethoxazol scheint das wirksamste Antibiotikum zu sein, aber auch hier kommen Rezidive vor. Meist wird empfohlen 160 mg Trimethoprim und 800 mg Sulfamethoxazol 2x/Tag für 1-2 Jahre, üblicherweise nachdem zuvor parenteral mit Streptomycin (1 g/Tag) und Penicillin G (1,2 Millionen U/Tag) oder Ceftriaxon (2 g/Tag) für 2 Wochen anbehandelt worden ist. Rezidive sind immer möglich, wenn diese eine neurologische Symptomatik beinhalten, ist die Prognose schlecht. Interferonbehandlungen werden diesbezüglich experimentell eingesetzt. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind im Laufe der Behandlung notwendig.

  1. J. Jones A Stain in Time N Engl J Med 2007;356:68-74 U. Lange and J. Teichmann, Whipple arthritis: diagnosis by molecular analysis of synovial fluid—current status of diagnosis and therapy, Rheumatology 2003; 42: 473-480
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Whipple’sche Trias
Hypoglykämie


Whitely Index als Diagnosehilfe für die Diagnose Hypochondrie
Whitely Index als Diagnosehilfe für die Diagnose Hypochondrie überhaupt nicht  =1 ein wenig =2 mäßig =3 ziemlich =4 sehr =5
Machen Sie sich oft Sorgen, möglicherweise eine ernsthafte Krankheit zu haben?          
Werden Sie durch eine Vielzahl von Schmerzen geplagt?          
Sind Sie sich oftmals der verschiedenen Vorgänge bewusst, die in Ihrem Körper ablaufen?          
Machen Sie sich viel Sorgen um Ihre Gesundheit?          
Haben Sie manchmal die Symptome einer sehr ernsthaften Krankheit?          
Wenn Sie von einer Krankheit hören, machen Sie sich Sorgen, dass Sie die Krankheit bekommen?          
Sie fühlen sich krank und jemand sagt, dass Sie bereits wieder besser aussehen - ärgert Sie das?          
Finden Sie, dass Sie von einer Vielzahl unterschiedlicher Symptome geplagt werden?          
Ist es schwer für Sie, einmal nicht an sich zu denken, sondern an alle möglichen anderen Dinge?          
Können Sie dem Arzt nur schwer glauben, wenn er sagt, dass kein Grund zur Besorgnis besteht?          
Bekommen Sie das Gefühl, dass die Leute Ihre Krankheit nicht ernst nehmen?          
Denken Sie, dass Sie sich mehr Sorgen über Ihre Gesundheit machen als die meisten anderen?          
Denken Sie, dass mit Ihrem Körper ernsthaft etwas nicht in Ordnung ist?          
Haben Sie Angst, krank zu werden?          
Gesamtpunkte:          
Der Whitely- Index wird durch die Summe der Punkte für jede Antwort gebildet- Je  höher der Score umso wahrscheinlicher neigen Sie zur Hypochondrie. Es gibt keinen Cutoffscore, der die Diagnose beweist, aber gesunde Menschen ohne Gesundheitsängste haben normalerweise einen Score von 21 +/- 7 (14- 28). Patienten mit Hypochondrie haben meist einen Score von 44 +/- 11 (32 -55). Diese Zahlen sind nur ein Hinweis für Sie um herauszufinden ob Sie unter einer Hypochondrie leiden. Bei hohem Antwortscore sollten Sie mit Ihrem Hausarzt oder einem Facharzt für Psychiatrie sprechen.  Wenn Sie depressiv sind oder an einer generalisierten Angststörung leiden, kann es sein, dass Sie alleine wegen der Depression oder der generalisierten Angststörung hypochondrische Befürchtungen haben und die Diagnose einer Hypochondrie nicht auf Sie zutrifft. Auch im Rahmen einer körperlichen schweren Erkrankung kann es sein, dass Sie einen hohen Testscore erreichen. Ein einfacher Fragebogentest erlaubt keine medizinische Diagnose, kann aber unterstützend bei der Diagnostik sein. In jedem Fall sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Der Whitely- Index wurde bezüglich seiner Zuverlässigkeit mehrfach kritisiert, möglicherweise ist eine Reduktion auf einen nur aus 7 Fragen, die mit ja oder nein beantwortet werden können zuverlässiger. Conradt M, ., et al., Dimensionality of the Whiteley Index: Assessment of hypochondriasis in an  Australian sample of primary care patients, Journal of Psychosomatic Research 60 (2006) 137– 143 Hiller W, et al., Differentiating hypochondriasis from panic disorder.J Anxiety Disord. 2005;19(1):29-49.


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Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. 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