Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Glossar Psychiatrie/Psychosomatik/ Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie

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PS selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig aktualisiert werden.

 

Xanthomatose
zerebrotendinöse (CTX) ist eine seltene, autosomal rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung, die klinisch (bereits vor Geburt) diagnostiziert und spezifisch behandelt werden kann. Sie zählt zu den Leukodystrophien, es entsteht eine Anhäufung von Cholestanol durch einen Enzymdefekt der 26-Hydroxylase. CTX ist die Folge eines Defektes der hepatischen mitochondrialeb Steroid- 26-hydroxylase. Das Syndrom ist seit 1937 bekannt, seit 1968 ist die Pathogenese bekannt (Menkes et al). Die Krankheit manifestiert sich in der Regel im ersten Lebensjahrzehnts. Die Krankheit ist langsam progredient und beeinträchtigt die Lebenserwartung nur selten. Eine langsam progressive spinocerebelläre Ataxie, Pyramidenbahnzeichen und eine geistige Behinderung sind häufige Symptome. Im Kernspinbild zeigt sich typischerweise (90% der Fälle) ein bilateraler und symmetrischer Befall der Nuklei dentati, der inferioren Oliven, des Hirnstamm und der cerebellären Hemisphären. Eine Katarakt bei Kindern und Jugendlichen findet man in 76% der Fälle, oft bereits im Alter von 5-6 Jahren, epileptische Anflälle bei 40-50% der Betrofffenen, eine sensomotorische Polyneuropathie ist ebenfalls häufig. Xanthome treten meist erst bei Erwachsenen auf, am häufigsten findet man sie an den Achillessehnen. Cholestanol und Cholesterin reichern sich bevorzugt im Gehirn, Rückenmark, peripheren Nerven, Lungen, Leber, Nieren und den Sehnen sowie der Galle an. Ein juveniler Katarakt, geistige Behinderung, und ein Anschwellen der Sehnen sowie eine cerebelläre Ataxie sind die häufigsten Symptome. Durch den Mangel an biliär ausgeschiedenen Gallensäuren entsteht eine Cholestase. Die Erkrankung ist durch vermehrte Urin-Ausscheidung von Galle-Alkoholen bei gleichzeitigem Mangel an physiologischen Gallensäuren in der Galle charakterisiert. Xanthome treten disseminiert auch bei anderen Cholesterinstoffwechselstörungen auf, sie können klein- u. großknotig aggregiert in Haut (hier einschl. Xanthelasmen), Schleimhäuten u. Sehnenscheiden auftreten. Häufig sind sie auch bei Hypercholesterin- u. Hyperlipidämie. Bei den Xanthomatose-Syndromen tritt symptomatisch häufig eine Gangataxie, eine spastische Paraparese, eine Polyneuropathie, bilaterale Katarakte im Jugendalter, Achillessehnenxanthome, chronische Durchfälle und kognitive Defizite auf. Infolge einer gestörten Gallensäuresynthese akkumulieren bei der CTX Cholestanol und Cholesterol in verschiedenen Geweben. Der Nachweis einer erhöhten Cholestanolkonzentrationen im Serum erlaubt die Diagnose, die zusätzlich durch den molekulardiagnostischen Mutationsnachweis gesichert werden kann. Eine frühzeitige Diagnose ist essentiell. Durch Gabe von Chenodeoxycholsäure (750 mg/Tag) lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. Durch diese Behandlung kommt es zu einem deutlichen Abfall der Serumspiegel von Cholestanol. Die weitere Progression der neurologischen Symptome kann so verhindert werden. Katarakt und xanthomatöse Sehnenschwellungen werden durch diese Behandlung nicht gebessert. Die Behandlung sollte durch Zugabe eines Statins, z.B. Simvastatin, Pravastatin oder Lovastatin, ergänzt werden.
R. Heller, A.J. Grau, W.R. Schäbitz, M. Schwaninger, Der Nervenarzt 12/2002, J. P. Sperhake und J. Matschke, Zerebrotendinöse Xanthomatose—eine behandelbare Stoffwechselerkrankung Leserbrief zum Beitrag von R. Heller et al. Nervenarzt Online publiziert: 19. Juli 2003, S. B. Gaikwad, A. Garg, N. K Mishra, V. Gupta, A. Srivastava, C. Sarkar, Cerebrotendinous xanthomatosis: Neuroimaging findings in two siblings from an Indian family, Neurology India 3 2003, www.neurologyindia.com


Xerosalgie
Schmerzverstärkung bei trockener Haut


Xerostomie
Mundtrockenheit kann zu Geschmacksveränderungen führen. Unter anderem kann die Mundtrockenheit zu Kaubeschwerden, Schluckbeschwerden, Sprechstörungen, schmerzhafte Stellen im Mund und Taubheitsgefühl, Zungenbrennen oder Mundbrennen Mundgeruch, Zahnfleisch- oder Zungenbluten, Prothesenunverträglichkeit mit fehlender Haftfähigkeit und Druckstellen führen. Ursache der Xerostomie ist in erster Linie das Alter sowie eine Vielzahl von Medikamenten. Alleine wenn die Kaumuskulatur wenig betätigt wird kann es zu Mundtrockenheit kommen. Besonders geriatrische Patienten leiden unter einer auf anatomische Veränderungen rückführbaren, alterstypischen Haut- und Schleimhauttrockenheit, die zusätzlich durch veränderte Trinkgewohnheiten (Dehydratation), Medikamente (Psychopharmaka, Atropin, H2-Blocker, Antihistaminika, Anticholinergika, Kodein, falsch dosierte Diuretika, Antiparkinsonmittel, Antihypertonika, Benzodiazepine, Sedativa und Hypnotika, Zytostatika) oder hinzutretende Erkrankungen (Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz) verschärft wird. Weitere Ursachen sind Östrogenmangel (Klimakterium), Anämie, selten rheumatische Erkrankungen, radiogene Sialadenosen, Sjögren-Syndrom. Mundtrockenheit erhöht die Prothesenempfindlichkeit und führt zu einer erhöhten Kariesaktivität. Wenn also durch Medikamente eine Mundtrockenheit besteht, muss auf Zahnpflege besonderer Wert gelegt werden. Strahlentherapie im Kiefer-Gesichtsbereich kann zu einer dauerhaften Xerostomie durch Zerstörung von nicht-regenerationsfähigem Drüsenparenchym führen.

Was man tun kann: Angst kann eine Ursache davon sein, dass einem die Spuke wegbleibt. Angststörungen sind gut behandelbar. Wenn Medikamenten auslösend sind, sollte erwogen werden, ob auf ein anderes Medikament umgestellt werden kann oder das Medikament überhaupt notwendig ist. Zuckerfreier Kaugummi bessert oft die Mundtrockenheit. Lutschen von Wassereis oder gefrorenem Fruchtnektar kann lindern, Zitrone ist ungünstig, da Zitrone die Speicheldrüsen austrockent. Künstlicher Speichel und Gele für die Nacht sind zunächst gewöhnungsbedürftig aber hilfreich, wenn man noch eigene Zähne hat, sind solche mit Fluorzusatz zu bevorzugen.  Koffein kann die Mundtrockenheit fördern, im Zweifel versuchen ob weniger Koffein eine Besserung bringt. Pilzinfektionen im Mund sind meist eine Folge der Mundtrockenheit, können aber die subjektive Beeinträchtigung erheblich verstärken und  sollten auch deshalb behandelt werden. Bei Menschen die nachts durch den Mund atmen sollte für kurze Zeit (wenige Tage) ein abschwellendes Nasenspray versucht werden.  Pilocarpin zur Förderung der Speichelproduktion hat erhebliche Nebenwirkungen, kann aber manchmal bei Mundtrockenheit nach Strahlentherapie oder Sjögren- Syndrom sinnvoll sein. Mundtrockenheit fördert Karies, deshalb ist ein Zahnarztbesuch sinnvoll.

 Mark A. Criswell, MD, MAJ, USA; Christopher K. Sinha, MD, LTC, USAR Hyperthermic, Supersaturated Humidification in the Treatment of Xerostomia,The Laryngoscope 2001;111:992-996 Abstract zm-online - Zahnmedizin: Mundtrockenheit - 1. Teil zm-online - Medizin: Mundtrockenheit - 2. Teil Mark Taubert, Eleanor M R Davies and Ian Back, Dry mouth BMJ 2007;334;534


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