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Glossar
Psychiatrie/Psychosomatik/
Psychotherapie/Neurologie/Neuropsychologie |
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wurde unter Verwendung neuester Literatur erstellt. Insbesondere
dem ICD 10, dem DSM IV, AMDP- Manual, Leitlinien der
Fachgesellschaften, Lehrbuch VT von J.Mragraf, Lehrbuch der
analytischen Therapie von Thomä und Kächele, Lexika wie
dem Pschyrembel, verschiedene Neurologie- und
Psychiatrielehrbücher, Literatur aus dem Web, außerdem
einer Vielzahl von Fachartikeln aktueller Zeitschriften der
letzten 10Jahre. Nicht alle (insbesondere kleinere) Zitate sind kenntlich
gemacht. Verständlicherweise konnte durch Verwendung
verschiedener Quellen eine Mischung aus den unterschiedlichen
Zitaten nicht immer vermieden werden. Soweit möglich
wird dies angezeigt. Nicht alles ist auf Anhieb
laienverständlich, da ich die Zusammenstellung auch für
mich selbst nutze, musste hier ein Kompromiss zwischen
Verständlichkeit und medizinischer und psychologischer
Exaktheit gefunden werden. Falls sich jemand falsch oder in zu
großem Umfang zitiert findet- bitte eine E-Mail
schicken. KM 19.4.2000 Siehe auch die ergänzenden Hinweise
unten auf dieser Seite.
PS
selbstverständlich wird das Glossar regelmäßig
aktualisiert werden.
|
| Kachexie |
Kachexie
tritt bei
einer
Reihe
schwerer
Erkrankungen
wie Krebs,
AIDS, oder
schwerer
Herzinsuffizienz
auf.
Es kommt
zu einem
Substanzverlust
des
Körpers,
der sowohl
das
Fettgewebe
wie auch
die
Muskulatur
betrifft.
Kachexie
ist in der
Regel
nicht
Folge
einer
Mangelernährung,
die
normalerweise
bevorzugt
das
Fettgewebe
betrifft,
sondern es
handelt
sich um
eine
komplexe
Störung in
verschiedenen
Organsystemen,
es kommt
dabei auch
zu einer
Anämie
(Blutarmut),
Insulinresistenz
(bis hin
zum
Diabetes
m.) zu
einer
Immunsuppression,
und einer
Aktivierung
einer
akute-
Phaseantwort.
Zytokine
und
Tumorfaktoren
beeinflussen
den
Substanzverlust
der
Muskulatur
durch
Suppression
(Unterdrückung
der
Funktion)
von
Muskelgenprodukten,
man
versteht
allerdings
bisher
nicht
genau,
welche
Muskelgenprodukte
durch
diese
Kachexiefaktoren
angegriffen
werden.
Wegen
deren
funktionaler
Wichtigkeit
für die
Muskelarchitektur
nimmt man
an, dass
es die
myofibrillären
Proteine
sind.
Neuere
Forschungen
scheinen
dies zu
bestätigen,
bestimmte
Tumorfaktoren
vermindern
gezielt
ein für
die
Muskelkontraktion
wichtiges
Eiweiß das
schwere
Ketten
Myosin. Im
Ergebnis
kommt es
dann zu
einer
zunehmenden
Schwächung,
die die
Patienten
auch
anfälliger
für die
Nebenwirkungen
der
Behandlung
der
Grunderkrankungen
durch
Chemotherapie,
Antibiotika
oder
Bestrahlung
macht.
Viele
Patienten
sterben an
den Folgen
der
Kachexie
und nicht
an ihrer
Grunderkrankung.
Kachexie
spielt bei
einem
Drittel
der
Krebstodesfälle
eine
wesentliche
Rolle. Zeichen: starke Abmagerung,
allgemeiner Kräfteverfall, Appetitlosigkeit, Apathie. Tritt auf bei
Krebserkrankungen, chronischen Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen (z.B,
Erstsymptom eines jugendlichen Diabetes), kardiale Kachexie bei Patienten mit
einem chronischen Cor pulmonale, als Alterserscheinung, als Vergiftungsfolge
(u.a. bei Blei-, Quecksilbervergiftung), bei Unter- u. Mangelernährung.
Die
Mechanismen
von Unter-
u.
Mangelernährung
bei
Demenzkranken
weichen
vermutlich
von denen
bei
Krebserkrankungen
und
anderen
schweren
Körperlichen
Erkrankungen
ab.
Insofern
ist auch
strittig
ob man
diese
Unter- u.
Mangelernährung
der
Kachexie
zuordnen
sollte. Die
jährliche Mortalität im Pflegeheim beträgt bei einem Albuminspiegel über 40g/l
11,1%, bei Werten unter 35g/l 50%! Trotzdem gehört die Mangelernährung zu den am
häufigsten übersehenen Diagnosen. Im Laufe des Lebens nimmt die Nahrungsaufnahme
ab. Man hat dies auch die physiologische Anorexie des Alters genannt. Dies hat
viele Gründe einschließlich Veränderungen im Sättigungsempfinden, verschiedene Neurotransmitter und erhöhte Leptinspiegel sowie bei Männern erniedrigte
Testosteronspiegel spielen eine Rolle. Nach dem 70. Lebensjahr nimmt die
Körpermasse ab. Dies betrifft sowohl das Fett als auch die Muskelmasse. Den
Verlust der Muskelmasse im Alter bezeichnet man als Sarkopenie.
Laut
Ernährungsbericht, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung,
wurden ein Viertel von 300 über 75-jährigen Menschen bei der Aufnahme in ein
Krankenhaus anhand des klinischen Eindrucks (beispielsweise abgemagertes
Aussehen, fehlendes Unterhautfettgewebe) als mangelernährt beurteilt.
Eine französische Untersuchung geht von einer Mangelernährung bei 5-10% der
zu hause lebenden und 30-60% der in Institutionen lebenden Alten aus. Der Körper
hat weniger Energie/ Eiweiß zur Verfügung, als er verbraucht; die Folge ist
Untergewicht. Zu unterscheiden ist zwischen Marasmus und Kwashiorkor. Beim
Marasmus
ist der Ernährungsstatus grenzwertig kompensiert: Albuminspiegel sind
mehr oder weniger normal, viszerale Proteine und Organfunktionen um den Preis
einer reduzierten Muskel- und Fettmasse erhalten. Zusätzlicher Stress wie
beispielsweise eine Infektion kann bei derartig verminderter Reserve schnell zu
Kwashiorkor führen mit erniedrigtem Albuminspiegel, dem ausgeprägten Bild der
Protein-Energie-Malnutrition mit ödematöser Komponente. Eine
unklare
Gewichtsabnahme
im Alter
kann ein
Hinweis
auf einen
Diabetes
oder eine
Krebserkrankung
sein. Oft
ist sie
aber auch
ein
Hinweis
auf eine
beginnende
Demenz.
Die
Gewichtsabnahme
bei
Demenzkranken
geht oft
der
Diagnose
einer
Demenz um
Jahre
voraus.
Demenzkranke
mit
deutlicher
Gewichtsabnahme
haben
einen
deutlich
schlechteren
Verlauf
ihrer
Demenz als
die
Demenzkranken,
die an
Gewicht
zunehmen
oder ihr
Gewicht
halten.
Arch
Neurol.
2005;62:20-22. Patienten, die
unter Schluckbeschwerden leiden, empfinden das Essen in der Gemeinschaft oft als
beschämend und unangenehm. Da ihnen auf Grund der Beschwerden, die Nahrung
während des Essens aus dem Mund laufen kann, meiden sie die Nahrungsaufnahme in
der Gruppe. Eine weitere Gruppe von Patienten hat eine leichte bis mäßige Demenz
mit mangelndem Antrieb zur Nahrungsaufnahme auch aufgrund einer verminderten
Geschmacksempfindung. Mangelnder Antrieb zur Nahrungsaufnahme und eine Apraxie
haben bei Demenzkranken häufig eine Gewichtsabnahme zur Folge. Diese ist im
Alter Folge einer abnehmenden Anzahl von Geschmacksknospen auf der Zunge in
Verbindung mit einer reduzierten Speicheldrüsenproduktion. Das Essen schmeckt
wie Pappe und wird gemieden. Häufig ist die Nahrungsaufnahme zusätzlich durch
die schlecht sitzende Zahnprothese behindert, evtl. auch mit Druckstellen.
Außerdem fehlt häufig bei eingeschränktem Visus der optische Anreiz zum Essen.
Bei funktioneller Einschränkung der Hände - z. B. bei langjähriger chronischer
Polyarthritis und einer akuten Zusatzerkrankung z. B. Fraktur des rechten
Armes - ist aus funktionellen Gründen die Nahrungsaufnahme behindert. Die
Fähigkeit zur Kompensation der Fraktur ist erschöpft. Schluckstörungen
(Dysphagie) führen bei vielen Menschen zu einer konstanten Unterversorgung mit
allen Nährstoffen, sowohl Energie liefernden wie Proteinen, Kohlenhydraten und
Fett, als auch Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen. Durch die
ständige Angst vor dem Verschlucken nehmen Betroffene häufig zu wenig Nahrung
auf. Der daraus resultierende Gewichtsverlust erhöht die Krankheitsanfälligkeit,
die körperliche Schwäche und verringert Lebensqualität und
Lebenserwartung, Betroffene sind auf eine Nahrung in einer entsprechenden
Konsistenz und intensive Betreuung beim Essen angewiesen, um ein Verschlucken zu
vermeiden und nicht in das Stadium einer gefährlichen Mangelernährung zu
gelangen. Die in Fachkreisen als Dysphagie bezeichnete Störung des
Schluckreflexes tritt besonders häufig nach einem Schlaganfall auf, der zur
Lähmung der Schluckmuskulatur führen kann. Auch bei einer Schüttellähmung
(Morbus Parkinson) oder durch mangelernährungsbedingte Abbauprozesse im Alter
treten Beschwerden beim Schlucken auf.
Häufige
Gründe für
den
Gewichtsverlust
bei
älteren
Menschen
(nach
einer
Literaturübersicht,
deshalb
Bereichsangabe)
:
Krebserkrankungen
(16%–36%),
Psychiatrische
Erkrankungen
(besonders
Depression)
(9%–42%),
Magen-
Darmerkrankungen
(6%–19%),
Endokrine
Erkrankungen
(besonders
Schilddrüsenüberfunktion)
(4%–11%),
Kardiovaskuläre
Erkrankungen
(2%–9%),
Ernährungsbedingte
Erkrankungen
oder
Alkoholismus
(4%–8%),
Lungenerkrankungen(~6%),
Neurologische
Erkrankungen
(2%–7%),
Chronische
Infektionen
(2%–5%),
Nierenerkrankungen(~4%),
Bindegewebserkrankungen
(2%–4%),
Medikamentennebenwirkungen
(Appetitmangel,
Mundtrockenheit,
Dysgeusie
oder
Dysosmie,
Dysphagie,
Übelkeit,
Erbrechen)(~2%),
Unbekannt
(10%–36%).Eine starke Gewichtsabnahme ist auch im Alter mit einem erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko verbunden. Körperlicher Schwäche und Müdigkeit, erhöhte Infektanfälligkeit, erhöhtes Dekubitusrisiko, Wundheilungsstörungen, vermehrte Sturzgefahr, damit auch Gebrechlichkeit, Hilfs- und Pflegebedürftigkeit können die Folge sein. Die Meinungen zur Sondenernährung im hohen Alter bei Gebrechlichkeit gehen erheblich auseinander.
BGH, Beschluß vom 8. Juni 2005 - XII ZR 177/03 zur künstlichen Ernährung
gegen den Willen des Betreuers: Verlangt der Betreuer in Übereinstimmung mit dem
behandelnden Arzt, daß die künstliche Ernährung des betreuten
einwilligungsunfähigen Patienten eingestellt wird, so kann das Pflegeheim diesem
Verlangen jedenfalls nicht den Heimvertrag entgegensetzen. Auch die
Gewissensfreiheit des Pflegepersonals rechtfertigt für sich genommen die
Fortsetzung der künstlichen Ernährung in einem solchen Fall nicht (im Anschluß
an BGHZ 154, 205). b) Hat sich der Rechtsstreit durch den Tod des Patienten
erledigt, rechtfertigt der Umstand, daß die strafrechtlichen Grenzen einer
Sterbehilfe im weiteren Sinn ("Hilfe zum Sterben") bislang nicht hinreichend
geklärt erscheinen, eine gegenseitige Kostenaufhebung nach § 91 a ZPO. „ Ist ein Patient einwilligungsunfähig und hat sein Grundleiden einen
irreversiblen tödlichen Verlauf angenommen, so müssen lebenserhaltende oder
-verlängernde Maßnahmen unterbleiben, wenn dies seinem zuvor - etwa in
Form einer sog. Patientenverfügung - geäußerten Willen entspricht. Dies folgt
aus der Würde des Menschen, die es gebietet, sein in einwilligungsfähigem
Zustand ausgeübtes Selbstbestimmungsrecht auch dann noch zu respektieren,
wenn er zu eigenverantwortlichem Entscheiden nicht mehr in der Lage ist. Nur
wenn ein solcher erklärter Wille des Patienten nicht festgestellt werden kann,
beurteilt sich die Zulässigkeit solcher Maßnahmen, nach dem mutmaßlichen
Willen des Patienten, der dann individuell - also aus dessen
Lebensentscheidungen, Wertvorstellungen und Überzeugungen - zu ermitteln
ist.
b) Ist für einen Patienten ein Betreuer bestellt, so hat dieser dem Patientenwillen gegenüber Arzt und Pflegepersonal in eigener rechtlicher Verantwortung und nach Maßgabe des § 1901 BGB Ausdruck und Geltung zu verschaffen. Seine Einwilligung in eine ärztlicherseits angebotene lebenserhaltende oder -verlängernde Behandlung kann der Betreuer jedoch nur mit Zustimmung des Vormundschaftsgerichts wirksam verweigern. Für eine Einwilligung des Betreuers und eine Zustimmung des Vormundschaftsgerichts ist kein Raum, wenn ärztlicherseits eine solche Behandlung oder Weiterbehandlung nicht angeboten wird - sei es dass sie von vornherein medizinisch nicht indiziert, nicht mehr sinnvoll oder aus sonstigen Gründen nicht möglich ist. Die Entscheidungszuständigkeit des Vormundschaftsgerichts ergibt sich nicht aus
einer analogen Anwendung des § 1904 BGB, sondern aus einem
unabweisbaren Bedürfnis des Betreuungsrechts.“
Die Entscheidung betrifft zwar den Fall eines „gesetzlichen Betreuers“, der vom
Vormundschaftsgericht für einen einwilligungsunfähigen Patienten bestellt worden war. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sie für die Handlungen von
Bevollmächtigten – und zukünftig von vertretungsberechtigten Angehörigen -
entsprechend anwendbar ist.
Um die PEG
Sonden oder
allgemein die
Sondenernährung
bei Menschen
mit schwerer
Demenzerkrankung
gibt es häufig
Diskussionen
zwischen
Pflegeheim,
Angehörigen und
Ärzten. Die
Datenlage ist
dabei nach
einem Artikel
des BMJ so,
dass es keine
wirklich
aussagekräftigen
Studien zu
diesem Thema
gibt. Die
häufigste
Expertenmeinung
ist, dass
Sondenernährung
bei schwer
dementen
Patienten weder
deren Leben
verlängert noch
deren
Lebensqualität
verbessert. Im
Gegenteil ist
die
Sondenernährung
lebensverkürzend,
schwer
Demenzkranke
verhungern
nicht, sie
haben im
Endstadium eine
verminderte
Stoffwechselaktivität
und brauchen
auch weniger
Nährstoffe,
dies ist die
Folge einer
verminderten
Muskelmasse und
der
Hirnschrumpfung,
sie sind
körperlich
inaktiv. Auch
bei Dementen
gilt, dass der
Köper bei
verminderter
Nahrungsaufnahme
die Nahrung
besser
verwertet, und
das Eiweiß
besser im
Körper hält.
Allerdings
lässt sich
durch
Sondenernährung
manchmal der
Albumingehalt
im Blut und das
Körpergewicht
steigern, ob
dies allerdings
immer im Sinne
der Kranken
ist, ist
umstritten.
Nicht jeder
demente Patient
oder
Pflegeheimbewohner
hungert, dies
ist entgegen
der Vermutungen
ihrer nicht
selten
übergewichtigen
Betreuer eher
selten. Auch
bei geringer
Nahrungsaufnahme
nehmen sie nur
selten an
Gewicht ab.
Patienten, die
eindeutig essen
wollen, aber
aus organischen
Gründen (z.B.massive
Schluckstörung)
nicht essen
können, sind
eindeutige
Kandidaten für
eine
Sondenernährung.
Für einen
Einsatz der
Sondenernährung
bei dementen
Patienten, die
nicht essen
wollen, gibt es
nach der
(selbstverständlich
nicht
unwidersprochenen)
Meinung vieler
Experten keine
medizinischen
oder ethischen
Gründe. |
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Neurology
66:
1618-1619
|
| Kamptokormia |
Vom griechischen « kamptein » beugen und « kormos
» den Rumpf oder die Kyphose, wurde der Begriff 1905 vom französischen
Neurologen Souques geprägt. Damals ging es um Soldaten, die der Front entgehen
wollten und so eine Bewegungsstörung entwickelten. Damals wurde auch vom nach
vorn gebeugten Rücken der Soldaten gesprochen. Bei jungen Patienten sollen auch heute noch psychogene Ursachen nicht selten sein. Je älter der Patient, um so eher ist aber von einer organischen Grunderkrankung auszugehen. Unter
Kamptokormia wird eine unwillkürliche Beugung des Rumpfes nach vorn, welche im
Sitzen und Stehen auftritt, verstanden, die Symptome nehmen bei Müdigkeit zu.
Auftreten meist nach dem 60 LJ, bei Frauen häufiger als bei Männern beschrieben. Die Krankheit ist seit über 180 Jahren bekannt, sie wurde bisher pathogenetisch unterschiedlich eingeordnet. In erster Linie wurde früher eine psychogene Erkrankung postuliert. Bei primären Formen handelt es sich wohl um eine segmentale Dystonie der Bauchwandmuskulatur. Unter den sekundären Formen ist neben anderen Erkrankungen (psychogene Störung, Neurose, fokale Dystonien, Tourette-Syndrom, ALS, Muskeldystrophie, Myositis, M. Parkinson, Multisystematrophie, thorakolumbale Kyphose, spinale Raumforderungen, Myelitiden, paraneoplastisches Syndrom, neuroleptikaindzuziert, metabolische Myopathien, fokale Myopathien der Rückenmuskulatur im Alter, Hypothyroidismus, Osteomalazie, Polymyositiden und Dermatomyositiden, mitochondriale Myopathien)
wegen der erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten die Kamptokormia im Rahmen
eines essenziellen Tremors und des M. Parkinson besonders zu bedenken. Auch Möglichkeit einer Kombinationen der Bauchwanddystonie mit einem essenziellen
Tremor ist also möglich. Eine
muskuläre Insuffizienz der Rumpfmuskulatur soll die K. auch begünstigen. Kamptocormia ist im Stehen und Gehen ausgeprägt und nimmt während des Tages und mit zunehmender Müdigkeit zu. Meist verschwindet sie im Liegen. Dies spricht dafür, dass es sich um eine axiale oder Aktionsdystonie handelt. In den meisten Fällen ist sie nicht mit Schmerzen verbunden.
Die Behandlung richtet sich vornehmlich nach der Grunderkrankung. Erfolgreiche
Behandlungen mit Tiefenstimulation sind berichtet, Botulinumtoxin Typ A
Injektionen in den Muskulus rectus abdominis sind bei manchen Patienten wirksam. Einzelfälle von dopaminresponsiven dystonen Formen sind beschrieben, ein Behandlungsversuch mit L-dopa ist deshalb gerechtfertigt. |
|
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| Kappazismus |
| Defizite bei der Aussprache von K-Lauten. |
|
|
| Karnofsky Index |
| Karnofsky Index (sowohl die Prozentbezeichnungen als auch die
numerischen Bezeichnungen sind gebräuchlich) (nach Karnofsky et. al.,
1948) |
| 100% |
(0) |
Patient ist beschwerdefrei, keine Krankheitszeichen |
| 90% |
(1) |
Patient ist fähig zur normalen Aktivität, nur geringe
Krankheitszeichen |
| 80% |
(2) |
Mit Anstrengung normale Aktivität, mäßige
Krankheitszeichen |
| 70% |
(3) |
Selbstversorgung ist möglich, Patient ist jedoch unfähig
zur Entfaltung einer normalen Aktivität oder aktiven Tätigkeit |
| 60% |
(4) |
Patient benötigt gelegentlich fremde Hilfe |
| 50% |
(5) |
Patient benötigt erhebliche Hilfeleistungen und häufig
medizinische Pflege |
| 40% |
(6) |
Patient ist behindert u. pflegebedürftig |
| 30% |
(7) |
Patient ist stark behindert. Krankenhausaufnahme ist
indiziert unterstützenden Therapie notwendig |
| 20% |
(8) |
Patient ist schwer krank. Krankenhausaufnahme ist zur
aktiven Unterstützung notwendig. |
| 10% |
(9) |
Patient ist moribund. Rasches Fortschreiten der
lebensbedrohlichen Erkrankung |
|
|
|
| Karnofsky-Aktivitäts-Skala (andere Darstellung) |
|
A |
Fähig zu normaler Aktivität
und Arbeit, keine besondere Pflege notwendig. |
100 % |
Normal, keine Beschwerden,
keine Krankheitszeichen sichtbar. |
| |
|
90 % |
Fähig zu normaler Aktivität,
keine Symptome oder Zeichen der Krankheit. |
| |
Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie,
Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse |
80 % |
Normale Aktivität unter
Anstrengung, einige Krankheitszeichen oder -symptome. |
|
B |
Arbeitsunfähig, fähig zu Hause
zu leben und für die meisten persönlichen Dinge zu sorgen, unterschiedlich
viel Hilfe ist notwendig. |
70 % |
Sorgt für sich selbst, unfähig
zu normaler Aktivität oder zu aktiver Arbeit. |
| |
|
60 % |
Braucht gelegentlich Hilfe,
ist aber fähig, für die meisten seiner Angelegenheiten selbst zu sorgen. |
| |
|
50 % |
Braucht beträchtliche Hilfe
und oft medizinische Pflege. |
|
C |
Unfähig für sich selbst zu
sorgen. Benötigt entweder Fürsorge oder Krankenhauspflege. Die Krankheit
kann schnell fortschreiten! |
40 % |
braucht besondere Pflege und
Hilfe.
Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie,
Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse |
| |
|
30 % |
Stark behindert!
Krankenhausaufnahme ist indiziert, noch keine Lebensgefahr! |
| |
|
20 % |
Krankenhausaufnahme notwendig,
sehr krank, aktive unterstützende Therapie notwendig. |
| |
|
10 % |
sterbend |
|
|
|
| Karotidynie |
| Die
Arteria
Karotis
(auch
Carotis
geschrieben=
Halsschlagader)
bezeichnet
ein meist
einseitiges
Schmerzsyndrom
in der
vorderen
Halsregion
mit
Druckempfindlichkeit
der
Karotisbifurkation
(Teilungsstelle
zwischen
dem Anteil
der das
Gesicht
und die
Kaumuskulatur
versorgt
(A.
carotis
externa)
und dem
Teil der
Halsschlagader,
der zum
Gehirn
geht
(Arteria
carotis
interna).
Die
internationale
Klassifikation
von
Kopfschmerzerkrankungen
der
International
Headache
Society (IHS)
hat das
Syndrom
aus der
Klassifikation
gestrichen,
nachdem
der
Begriff
zunehmend
ausgeweitet
worden war
und für
verschiedenste
Arten von
Kopfschmerzen
verwendet
worden
war. Nach
der
früheren
Klassifikation
der IHS
war
gefordert:
Wenigstens
ein
Symptom an
der A.
carotis:
a)
Druckempfindlichkeit,
b)
Schwellung,
c)
verstärkte
Pulsationen.
Weitere
Kriterien
waren:
Beim
Einsatz
geeigneter
Untersuchungen
kein
Nachweis
struktureller
Veränderungen,
Schmerz an
der
betroffenen
Halsseite;
mögliche
Ausstrahlung
zum Kopf
ipsilateral,
außerdem
Selbstlimitierendes
Syndrom
von
weniger
als 2
Wochen
Dauer. Die
Karotidynie
wird
möglicherweise
durch eine
unspezifische
Entzündung
verursacht,
im
Ultraschall,
sowie im
Kernspin
haben
manche
Autoren
neuerdings
doch
Hinweise
auf solche
Entzündungen
gefunden.
Das
Syndrom
heilt
innerhalb
weniger
Tage bis
Wochen von
selbst
aus.
Entzündungshemmer
sowie
Kortikosteroide
sind in
der
Behandlung
der
Karotidynie
wirksam.
|
Ch. Arning,
Die
Karotidynie
im
Ultraschallbild:
Mythos,
Syndrom
oder
Krankheitsbild?
Der
Nervenarzt
, Online
publiziert:
18. August
2004
|
| Katalepsie F44.2 |
| "Gliederstarre,
Gliederstarre, Erstarren von Körperteilen ". Ein tranceähnlicher
Bewusstseinszustand im Rahmen einer schweren psychischen Störung, einer Hypnose
oder Autosuggestion, der von der Aufrechterhaltung ungewöhnlicher und oft
unbequemen Körperpositionen begleitet wird, bei denen die Muskeln ohne ein
Gefühl des Unbehagens für lange Zeit starr bleiben.
Episoden plötzlichen bilateralen
Tonusverlustes der Haltemuskulatur, die zum Kollabieren des Patienten führen, oft in
Verbindung mit intensiven Gefühlen wie Lachen, Wut, Furcht oder Überraschung.
Kataplexien (Griechisch: „mit Furcht umstoßen“) haben die höchste Aussagekraft
für die Diagnostik der Narkolepsie. Gemeint ist ein
plötzlicher Spannungsverlust der Muskulatur z.B. Beim Lachen, Freude, Ärger aber
auch beim Husten, Niesen oder Nase- Schnäuzen ggf. mit Zusammensacken (meist
kontrolliert mit der Möglichkeit sich aufzufangen, aber auch als abrupter Sturz)
oder totaler Bewegungsunfähigkeit. Die Schwere der Kataplexien ist von der
Stärke der emotionalen Reize abhängig. Die meist Sekunden bis eine halbe Minute
dauernden kataleptische Zustände treten meist beidseitig auf, können aber
isoliert einzelne Muskeln wie die Augenmuskeln oder die Schlundmuskeln
betreffen, der Kopf kann einknicken, auch wenn die Beine betroffen sind, kommt
es nicht immer zu einem Hinfallen, es kann auch ein isoliertes leichtes
Einknicken in den Knien vorkommen. Sprechpausen und kurze Atemstillstände kommen
ebenfalls vor. Die mimische
Muskulatur ist immer einbezogen, glatte Muskulatur, respiratorische und
Zungen-Schlund-Muskulatur sind nach manchen Autoren nicht betroffen. Der
typische Verlauf ist Augenschluss, Verkrampfung der Gesichtszüge,
Heruntersacken des Kiefers, rhythmisches Erschlaffen des Haltetonus und
Verstärkung muskulärer Aktivität besonders an Nacken, Oberkörper, unteren
Extremitäten), atonische Phase mit kompletter Unbeweglichkeit.
Das Bewusstsein bleibt dabei immer erhalten.
Die Häufigkeit kann sehr unterschiedlich sein, von nur gelegentlich bis mehrfach
täglich. Die Frequenz der
Kataplexien variiert erheblich abhängig von den affektiven Stimuli. Die
Kataplexien sind meist kurz (zwischen 5 und 30 Sekunden), können aber auch bis
zu 30 Minuten und länger anhalten. Ein über Stunden bis Tage andauernder „Status Kataplektikus“ tritt vorwiegend nach
plötzlichem Absetzen von antikataplektisch wirkenden Medikamenten auf.
Kataplexien enden immer schlagartig bis schnell, sind teilweise durch äußere
Stimuli zu durchbrechen.
Nach einer Kataplexie fühlen sich die
Patienten wohl. Eine Bewusstseinstrübung schließt eine Kataplexie aus, es sei
denn, sie geht in eine Schlafattacke und/oder eine hypnagoge Halluzination über.
Am häufigsten werden Kataplexien ausgelöst durch Lachen, Stolz und Überraschung. Viele Patienten versuchen Situationen zu vermeiden, durch die Kataplexien
ausgelöst werden, zum Beispiel durch Muskelanspannung. Sind nur wenige
Muskelgruppen betroffen, können die Kataplexien von Außenstehenden kaum bemerkt
und unter Umständen auch von den Narkolepsiepatienten selbst nicht als
„krankhaft“ bewertet werden. Bei Entzug von trizyklischen Antidepressiva können noch
bis zu 14 Tagen nach Absetzen „Rebound-Kataplexien“ auftreten. Bei Stürzen
werden oft epileptische Anfälle oder bei älteren Patienten
Durchblutungsstörungen im vertebrobasilären Stromgebiet vermutet. Wegen ihrer
Auslösbarkeit durch affektive Stimuli werden Kataplexien gelegentlich als
dissoziatives Symptom klassifiziert und die Patienten in
psychologische/psychiatrische Behandlung geschickt. Kataplexien gehen mit einer
Hemmung des mono-synaptischen H-Reflexes und der polysynaptischen Sehnenreflexe
einher.
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|
G. Mayer Neurophysiologie der Kataplexie Nervenarzt 2005 76:1464–1469 Dyken ME, et al. Diagnosing narcolepsy through the simultaneous clinical and
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ABSTRACT
| FULL TEXT Moscovitch A, Partinen M, Guilleminault C. The positive diagnosis of
narcolepsy and narcolepsy's borderland.
Neurology. 1993;43:55-60 |
| Katarakt |
| Linsentrübung oder grauer Star. Selten angeboren bei· Rötelnerkrankung der Mutter im 1. Trimenon, bei
Galktosämie (kann sich durch adäquate Behandlung praktisch vollständig
zurückbilden) ,
Häufigste Risikofaktoren: Alter ist der bedeutsamste Risikofaktor. Frauen,
Arbeiter und Kurzsichtige sind gehäuft betroffen. Rauchen kann
Linsenkerntrübungen begünstigen, UV-B-Strahlung oder besonders häufige und
intensive Sonnenlichtexposition, Diabetes mellitus, Glukocorticoidtherapie,
begünstigen die hinteren schalenförmigen Trübungen. Auch Bluthochdruck,
Hypercholesterinämie begünstigt die Entwicklung des grauen Stars. Ionisierende
Strahlen z.B. bei Radiologieassistentinnnen können ebenfalls einen Katarakt
begünstigen. Durch die starken Überalterung der Gesellschaft ist mit einer
Zunahme an altersabhängigen Linsentrübungen zu rechnen. Katarakte gibt es
auch bei manchen Systemerkrankungen.
Die augenärztliche Behandlung durch den Ersatz mit einer künstlichen Linse
erfolgt mit im Rahmen einer ambulanten Operation, ist hocheffektiv und hat
vergleichsweise selten gravierende Nebenwirkungen. Die Implantation von
künstlichen Linsen ins Auge erfolgt bereits seit den 1940er Jahren.
Zwischenzeitlich lassen sich mit den implantierten Linsen auch Sehfehler
korrigieren, wobei multifokale Linsen noch ihre Probleme haben.
Einzelfälle von Katraktchirurgie sollen bereits in Vorchristlicher Zeit
berichtet worden sein.
J R Soc Med. 1995 April; 88(4): 208–211. |
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[Abstract]
|
| Katastrophisieren |
| Der Fachausdruck Katastrophisieren ist fester Bestandteil der kognitiven Verhaltenstherapie. Beim Katastrophisieren wird die Wahrscheinlichkeit des Eintreffen oder die Bedeutung von negativen Ereignissen stark überbewertet. Der Patient grübelt ständig über die Symptome und überschätzt deren bedrohliche Aspekte. Gleichzeitig unterschätzt er die eigenen Fähigkeiten zur Bewältigung der Beschwerden. Z.B. "Mir wird bestimmt etwas Schlimmes passieren!" oder "Ich werde in einer Panikattacke einen Herzinfarkt erleiden und sterben!" In der Kognitiven Therapie wird dann deutlich gemacht, dass der Klient katastrophisiert und dieser logische Denkfehler hinterfragt. Mit dem Klienten werden Beweise für und gegen die Befürchtung gesucht. Meist kann der Klient dann die Überzogenheit der Befürchtung erkennen und seine Bedenken korrigieren. Katastrophisieren gilt als ein wesentlicher Faktor in der Chronifizierung psychogener Störungen, das Erlernen des Umgangs mit solchen dysfunktionalen Denkweisen (Kognitionen) kann helfen einer solchen Chronifizierung entgegen zu wirken und die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten erheblich verbessern. |
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| katatone Schizophrenie |
(Siehe auch hier!)
Die katatone Schizophrenie ist
gekennzeichnet von den im Vordergrund stehenden psychomotorischen Störungen, die
zwischen Extremen wie Erregung und Stupor sowie Befehlsautomatismus und
Negativismus alternieren können. Zwangshaltungen und -stellungen können lange
Zeit beibehalten werden. Episodenhafte schwere Erregungszustände können ein
Charakteristikum dieses Krankheitsbildes sein. Die katatonen Phänomene können
mit einem traumähnlichen (oneiroiden) Zustand mit lebhaften szenischen
Halluzinationen verbunden sein. Katatones Verhalten :Ausgeprägte
motorische Anomalien. Dazu gehören: Motorische Unbeweglichkeit (d.h. Katalepsie
oder Stupor), verschiedene Formen von exzessiver motorischer Aktivität
(offensichtlich ziellose Agitiertheit, die nicht von äußeren Reizen beeinflusst
wird), extremer Negativismus (offensichtlich grundloser Widerstand gegen
Aufforderungen, sich zu bewegen oder Versuche, bewegt zu werden) und Mutismus,
Posieren oder stereotype Bewegungen sowie Echolalie und Echopraxie. Äußerlich
erscheinen katatone Patienten als unbeweglich, leblos, vergleichbar einem
Elfenbeinturm, während ihr Inneres einem emotionalen Vulkan keineswegs
versteinerter Gefühle vergleichbar ist. Katatone Patienten werden von intensiven
Ängsten überwältigt, die sie nicht kontrollieren können, und reagieren auf das
innere Chaos mit äußerer Bewegungslosigkeit. Diese Erkenntnis hat natürlich
erhebliche therapeutische Relevanz. Katatone Patienten müssen aktiv unterstützt
werden. Die kontinuierliche Begleitung durch konstante Bezugspersonen ist eine
wesentliche Voraussetzung für den Genesungsprozess. Katatone Patienten empfinden
von sich selbst, dass sie weniger soziale Kontakte als die ebenfalls
untersuchten körperlich Kranken und häufiger eine hohe Empfindlichkeit
aufweisen, während sie gerne ein hohes Selbstwertgefühl hätten (Idealselbst). |
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| Kaufsucht
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| unkontrollierter Drang einzukaufen, der zu signifikanten negativen Konsequenzen für die Person führt. Üblicherweise kaufen wir nützliche Dinge, die wir brauchen, für manche Menschen ist Einkaufen eine Freizeitbeschäftigung, oder ein Weg sich selbst auszudrücken und der Identitätsfindung. Kaufsüchtige kaufen wegen des kurzen Glücksgefühls beim Einkauf. Betroffene beschäftigen sich tatsächlich und in Gedanken häufig mit dem Einkaufen, sie haben aufdrängende Impulse denen sie schwer widerstehen können um sinnvolle oder sinnlose Gegenstände einzukaufen, sie kaufen oft Dingen die sie nicht brauchen und sich nicht leisten können. Sie gehen länger Einkaufen, als sie vorhatten, sie müssen negative Konsequenzen wie Überschuldung, mangelhafte berufliche oder soziale Anpassung in Kauf nehmen. In der Folge haben sie Schuldgefühle, müssen Insolvenz beantragen, bekommen erhebliche Konflikte in der Familie bis zur Scheidung, nicht selten kommt es zum Betrug, sekundären Depressionen und zu Suizidversuchen. Menschen mit Depressionen und Angststörungen scheinen umgekehrt vermehrt zu Kaufsucht zu neigen. Werbung und der einfache Zugang zu Kreditkarten können sie Kaufsucht fördern. Synonyme: unkontrolliertes Einkaufen, zwanghaftes Einkaufen, süchtiges Einkaufen. In einer amerikanischen Haushaltsbefragung von 2513 Erwachsenen 2004 gaben 6.0% der Frauen und 5.5% der Männer ein solches Verhalten an. Verglichen mit den anderen Teilnehmern der Umfrage waren sie jünger, hatten eher niedrigere Einkommen, und zeigten auch sonst ein schlecht an ihre Situation angepasstes Konsumentenverhalten. Sie kauften gehäuft mit Kreditkarte ein. Über die Einordnung in psychiatrische Syndrome besteht keine Einigkeit, am meisten Gemeinsamkeit besteht mit den Süchten und Störungen der Impulskontrolle. Üblicherweise besteht wie bei Süchten zunächst ein Wohlgefühl oder "high" beim Kauf selbst, das anschließend in Schulgefühle und Reue mündet, es gibt eine Art Entzugsyndrome, und auch eine Gewöhnung an immer größere Einkäufe trotz kleiner werdendem Vermögen. Neben psychiatrischen hat Kaufsucht auch moralische, juristische, ethische, oder religiöse Aspekte. Die Klassifikation als psychische Störung entbindet nicht von der Verantwortung für die anderen Bereiche. |
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Lorrin M. Koran, et al., Estimated Prevalence of Compulsive Buying Behavior in the United States Am J Psychiatry 2006; 163:1806–1812
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| Kausalgie |
Kausis =
brennen, Algos
= Schmerz). Es
handelt sich im
keinen exakten
Begriff, die
Verwendung
variiert und
meint
beschreibend
ein Syndrom mit
unterschiedlichen
(nicht immer
erforschten
oder
verstandenen)
Ursachen und
ähnlichen
Symptomen. Die Kausalgie ist
von
S.
Weir Mitchell
1872 nach dem
im Vordergrund
stehenden
brennenden
Schmerz als
Reaktion auf an
sich nicht
schmerzhafte
Berührungs-
oder
Temperaturreize
in einer
bestimmten
Körperregion
als
Verletzungsfolge
benannt worden.
Mitchell hatte
eine Vielzahl
von Schussverletzten
des
amerikanischen
Bürgerkrieges
mit solchen
Schmerzsyndromen
untersucht.
Die klassische
Kausalgie tritt
typischerweise
nach einer
Verletzung mit
teilweiser
Schädigung der Innervation (unvollständige Leitungsunterbrechung des peripheren Nerven)
einer Gliedmaße
auf, meist ist
ein großer
gemischter Nerv
betroffen. In
voller
Ausprägung
tritt das
Syndrom nur
selten bei
Verletzungen
kleinerer
Nerven auf. Der
Begriff wurde
später
ausgeweitet auf
verschiedenste
Schmerzsyndrome,
von denen man
annahm, dass
eine Verletzung
sympathischer
Nerven oder
sympathische
Fehlregulationen
eine Rolle
spielen. Neuralgien und Phantomschmerzen sind von der Kausalgie abzugrenzen und nicht damit gemeint. Es
handelte sich
dabei um
Verletzungen,
oder Syndrome,
bei denen nicht
unbedingt eine
eindeutige
Nervenverletzung
vorlag, sondern
nur eine
ähnliche
Symptomatik.
Hierbei ist
unklar ob es
eine gemeinsame
Ursache gibt,
wie bei der o.g.
klassischen
Kausalgie. Die
Verwendung des
Begriffs ist
nicht
einheitlich. Entsprechend gibt es auch keine zuverlässigen Daten zur Inzidenz, die in der Literatur auf 0,05% bis 5% geschätzt wird, häufiger soll sie bei Schlaganfällen mit Hemiplegie
(12–27%)und Herzinfarkten(10%) sein. Nach distalen Radiusfrakturen soll bis zu einem Viertel ein Syndrom er Algodystrophie entwickeln bei peripheren Nervenläsionen 2–4% der Betroffenen. Es
ist davon
auszugehen,
dass dem
Syndrom
unterschiedliche
körperliche
Ursachen und
oft alleine
oder in
Kombination
auch
unterschiedliche
psychische
Ursachen
zugrunde
liegt. (Schott
J Neurol
Neurosurg
Psychiatry
2001)
Wird auch als
komplexe
regionale
Schmerzsyndrom, früher
auch als Morbus
Sudeck (meint
streng genommen
den
radiologischen
Nachweis einer
regionalen
Osteoporose,
wird/wurde aber
meist
unspezifischer
verwendet) oder
als
sympathische
Reflexdystrophie
(SRD)
bezeichnet,
letzterer
Begriff wird
heute am
häufigsten
verwendet. Sudeck teilte 1902 die fleckförmige Osteoporose im Sinne einer „entzündlichen Atrophie“, ohne infektiöses Geschehen und als Verletzungsfolge in drei Stadien ein: Die akute Phase mit einer negativen Knochenbilanz, atonischem Muskelschwund und Hyperthermie der Haut, diee dystrophische Phase mit starkem Knochenabbau, Gelenkveränderungen, fortschreitendem
atonischen Muskelschwund und kalter Zyanose der Haut, die zur Ausbildung einer Glanzhaut führt und eine dritte Phase mit Atrophie der Knochen, der Muskulatur und der Haut.
Evans der 1946
den Begriff der
sympathische
Reflexdystrophie
einführte ging
von einem
langdauernden
"Beschuss" von
Schmerzimpulsen
aus, der einen
Teufelskreis im
Rückenmark in
Gang setze, der
wiederum zu
efferenter (zum
Schmerzort hin)
sympathischer
Aktivität aus
dem Rückenmark
führe, die zu
Spasmen der
Blutgefäße
führe. Letztere
wiederum führe
zu einer
Flüssigkeitsdiffusion
aus den
Kapillaren, die
zu den
dystrophen
Veränderungen
im Gewebe
führe. Die
Beteiligung des
sympathischen
Nervensystems
an der
Entstehung ist
allerdings sehr
umstritten. Es
gibt komplexe
regionale
Schmerzsyndrome
auch an
Gliedmaßen, die
sympathisch
denerviert
sind. Bei
Betroffenen ist
in der
Mikroneurographíe
der periphere
sympathische
Abfluss
physiologisch
normal, lokal
findet sich in
den Venen eine
verminderte
Noradrenalin
und
Dihydroxyphenylethyleneglycol
(DHPG)
Konzentration
die
möglicherweise
für die
Denervierungs
Hypersensitivität
verantwortlich
ist.
Sympathikusblockaden
sind zumindest
im
Gruppendurchschnitt
nach neueren
Untersuchungen
nicht
effektiver als
Plazebo.
Mehrere
Untersucher
konnte die
Überaktivität
der
sympathischen
Nerven nicht
nachweisen,
andere sehen
nach wie vor eindeutige
Hinweise dafür.
Die
Veränderungen
des Blutflusses
werden von
vielen Autoren
eher als durch
Neuropeptide
und andere Entzündungsmediatoren
(z.B..Substanz
P, Kalziumgen
zugehöriges
Peptid (CGRP),
ATP, Histamin,
5-HT,
Neurokinine,
etc)
verursachte
Symptome
angesehen, die
aus den
Nervenendigungen afferenter
Neven und aus
geschädigten
Gefäßen
freigesetzt
werden.
Letztere sollen
wiederum die
Nervenendigungen
reizen und zu
den
Schmerzsymptomen
und
Missempfindungen
führen. Die Ursache und Pathophysiologie ist letztlich nicht sicher bekannt oder bisher noch immer schlecht verstanden. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Schwere eines Traumas und der Wahrscheinlichkeit, CRPS oder eine Kausalgie zu entwickeln. Die Symptome sind im Einzelfall sehr unterschiedlich, spezifische Tests, die die Diagnose sichern gibt es nicht. Die Gesamtkonstellation verschiedener Symptome ist die Grundlage der Diagnose.
Heftiger
brennender
("wie kochendes
Öl auf der
Haut") schlecht
abgrenzbarer
Schmerz, der
bei
Krankheitsprozessen
bzw.
Verletzungen im
sensiblen
Nervensystem
spontan
auftritt.
Begleitend
treten
autonome,
sensomotorische
und im weiteren
Krankheitsverlauf
trophischen
Störungen auf.
Sie betrifft
überwiegend die
distalen
Extremitäten,
wird meist
durch geringe
Traumen oder
kleinere
Operationen
ausgelöst und
tritt selten
auch spontan
auf. Die
Ausprägung der
Symptome steht
nicht im
Verhältnis zur
Schwere der
schädigenden
Ursache. Der
sympathisch
unterhaltene
Schmerz ("sympathetically
maintained pain",
SMP) stellt
dabei ein
fakultatives
Merkmal dar,
ist aber nicht
als kausaler
Mechanismus zu
verstehen.
Eine neurogene
Entzündungsreaktion,
wie sie bereits
von Paul Sudeck
postuliert
wurde, wird
erneut
diskutiert.
Dies hat dazu
geführt, dass
die
"International
Association for
the Study of
Pain" (IASP)
1994 den
deskriptiven
Begriff des "complex
regional pain
syndrome" (CRPS ) einführte
und damit die
umstrittene
Beteiligung des
Sympathikus aus
der Definition
teilweise
wieder
herausnahm. Die
Definition ist
allerdings
hinsichtlich
ihres Nutzens
bis heute
weiter
umstritten,
verschiedene
Vorschläge
einer
Neudefinition
liegen vor.
Nach der
IASP
Klassifikation
wird das
komplexe
regionale
Schmerzsyndrom
in den TypI (sympathetische
Reflexdystrophie)
und den Typ II
(Kausalgie)
gegliedert.
Typ I (sympathetische
Reflexdystrophie)
Definition:
Ein Syndrom das
sich nach einem
initialen
schädigenden
Ereignis
entwickelt das
in der
Verteilung
nicht an das
Versorgungsgebiet
eines einzelnen
peripheren
Nerven gebunden
ist und
offensichtlich
mit seinen
Symptomen über
das von der
Verletzung her
erwartete Maß
hinaus geht. Im
Verlauf treten
irgendwann
Ödeme,
Veränderungen
im Blutfluss
der Haut,
abnorme
Schweißsekretion
in der
Schmerzregion,
oder Allodynie
oder
Hyperalgesie
auf. Die
diagnostischen
Kriterien (2-4)
müssen erfüllt
sein.
1. Vorausgehend
eine initiale
Schädigung oder
ein Grund für
Ruhigstellung
der Extremität.
2.
Kontinuierlicher
Schmerz,
Allodynie, oder
Hyperalgesie
wobei der
Schmerz
unverhältnismäßig
zum jeweiligen
Auslöser ist.
3. Im Verlauf
zu irgend einem
Zeitpunkt Ödem,
Veränderungen
des Blutflusses
in der Haut,
oder abnormale
Schweißsekretion
in dem
Schmerzgebiet
4. Es handelt
sich um eine
Ausschlussdiagnose,
wenn eine
andere
Erklärung für
die Schmerzen
oder Symptome
vorhanden ist
wird die
Diagnose nicht
gestellt.
Der Erfolg von Sympathikusblockaden (Schmerzreduktion, Reduktion anderer Symptome) ist nicht Voraussetzung für die Diagnose des Syndroms CRPS I. Mit „diagnostischen“ Sympathikusblockade" kann man Schmerzsyndrome allenfalls in Sympathisch unterhaltener Schmerz (sympathetically maintained pain, SMP) oder sympathisch unabhängiger (sympathetically independent pain, SIP) Schmerz einteilen. Die Symptomatik alleine gibt keinen Hinweis, ob ein Schmerz sympathisch unterhalten ist oder nicht, und auch nicht ob Sympathikusblockaden helfen.
IASP
Definition:
komplexes
regionales
Schmerzsyndrom
Typ II (Kausalgie)
Brennender
Schmerz,
Allodynie und
Hyperpathie
meist an der
Hand oder dem
Fuß nach
partieller
Verletzung
eines Nerven
bzw. eines
seiner großen
Äste (beachte
oben nicht
gefordert) a
usually in the
hand
Alle 3
folgenden
diagnostischen
Kriterien
müssen erfüllt
sein:
1. Das
Vorhandensein
eines
kontinuierlichen
Schmerzes,
Allodynie, oder
Hyperalgesie
nach einer
Nervenverletzung
nicht
notwendigerweise
begrenzt auf
das
Versorgungsgebiet
des verletzten
Nerven.
2. Im Verlauf
zu irgend einem
Zeitpunkt Ödem,
Veränderungen
des Blutflusses
in der Haut,
oder abnormale
Schweißsekretion
in dem
Schmerzgebiet
3.Es handelt sich
um eine
Ausschlussdiagnose,
wenn eine
andere
Erklärung für
die Schmerzen
oder Symptome
vorhanden ist
wird die
Diagnose nicht
gestellt.
Die Kausalgie
gehört zu den
schwerstwiegenden
Folgen
peripherer
Nervenläsionen.
Fast alle
Nerven- und
Plexusläsionen
können eine
Kausalgie in
Gang setzen,
aber nicht alle
Nerven sind
gleichermaßen
dazu
disponiert. Bei
weitem an der
Spitze steht
der N. medianus.
Es folgen der
Plexus
brachialis und
der N. tibialis.
Es überwiegen
also jene
Nerven, die
besonders reich
an vegetativen
Fasern sind.
Bei den
traumatischen
Armplexusläsionen
treten
kausalgische
Syndrome
besonders
häufig nach
Wurzelausrissen
auf, und zwar
vor allem nach
Ausriss der
Wurzeln C7, C 8
und Th 1. Unter
85 Patienten,
die
Wurzelausrisse
des Plexus
brachialis
aufwiesen,
fanden sich 34
mit sehr
intensiven
Schmerzsyndromen
und davon
wiesen 8 eine
typische
Kausalgie auf.
Selten entsteht
eine Kausalgie
bei endogenen
Läsionen.
Meistens liegt
eine direkte,
exogene
mechanische
Schädigung des
Nerven zugrunde
(Nervenschussschmerz),
und zwar in der
Regel eine
partielle,
allenfalls
subtotale
Unterbrechung
des Nerven. In
etwa der Hälfte
der Fälle
beginnt der
Brennschmerz
innerhalb der
ersten Stunden
nach der
Verletzung, in
weniger als 10%
erst nach mehr
als 4 Wochen.
Die häufigsten
Nervenläsionen,
die eine
Kausalgie
auslösen sind
traumatische
Armplexusläsionen
oder iatrogen
verursachten
Nervenverletzungen
wie operations-
oder
injektionsbedingte
Schädigungen
des Armplexus,
des N. radialis,
N. femoralis,
N. ischiadicus,
N. cutaneus
femoris
lateralis, N.
tibialis und
von Hautästen.
Symptome die
der Kausalgie
oder dem
komplexen
regionalen
Schmerzsyndrom
zugeordnet
werden: Den
Verdacht wecken
Schmerzen in
den ersten
Wochen nach
Verletzung, die
über das vom
Ausmaß der
Verletzung her
zu erwartete
Maß
hinausgehen.
Brennende
Schmerzen
vorwiegend in
den distalen
Extremitätenabschnitten,
die durch
äußere Reize
ausgelöst
werden, stehen
im Vordergrund.
Anfangs wirken
vorwiegend
taktile Reize,
später auch
akustische oder
emotionelle
Reize
schmerzauslösend.
Allodynie,
Hyperalgesie,
Hyperpathie,
Hyperästhesie,
Dysästhesien,
Hypoästhesien,
Rötung,
Bleichheit oder
Zyanose der
Haut,
vermehrtes oder
vermindertes
Schwitzen,
ungewöhnliche
Überwärmung
oder Kälte der
Haut,
Schwellung,
Atrophie, oder
Pigmentierung
der Haut,
Verlust der
Hautfalten oder
auch vermehrte
Falten,
vermehrte oder
verminderte
Behaarung,
Nagelveränderungen,
subcutane
Atrophie oder
Verdickung,
Dupuytren'sche
oder andere
Kontrakturen,
Gelenksteife,
akute oder
chronische
Arthritis,
Osteoporose
(fleckig,
lokalisiert
oder auch
ausgebreitet),
Muskelverlust,
und
Muskelschwäche,
unwillkührliche
Bewegungen,
Tremor,
Dystonie und
Spasmen. Posttraumatische Kausalgie-Dystonie-Syndrome können zu spastisch-dystonen Spitzfußfehlstellung des betroffenen Fußes mit Innenrotation und Supination und Krallenstellung der Zehen sowie sekundärer Ausbreitungstendenz innerhalb von wenigen Monaten bis hin zur fixierten Fehlstellung der Gelenke führen. Ausbreitungen auf den unbeteiligten Fuß sind beschrieben. An der
Blase Detrusor-
und
Sphinkterdysfunktion.
Wichtig ist,
dass die
trophischen
Störungen, die
für den primär
geschädigten
Nerven
eigentümlich
sind, bei einer
Kausalgie sich
stets auf die
ganze
Extremität
ausweiten, so
dass auf dem
Höhepunkt des
Syndroms die
diagnostische
Einordnung der
zugrunde
liegenden
Nervenschädigung
schwierig sein
kann. Eine
Sudecksche
Dystrophie mit
Schmerzen von
kausalgiformem
Charakter wird
auch durch
andere
Primärerkrankungen
verursacht.
Hierzu gehören
zum Beispiel
die
Sudeck-Syndrome
traumatischer
Ätiologie bei
Frakturen, aber auch leichteren Traumen ohne eindeutige sonstige erkennbare Verletzungsfolgen,
Luxationen oder
großen
Weichteilverletzungen,
Schlaganfälle,
MS, Herpes zoster,
Spinale
Traumen,
Sudeck-Syndrome
entzündlicher
Genese bei
bakteriellen
Arthritiden
oder
Osteomyelitiden,
bei
Phenobarbitalmedikation
oder bei
schweren
arteriellen
Durchblutungsstörungen.
Hierher gehört
aber auch das
sog.
Schulter-Hand-Syndrom
nach
Myokardinfarkt
oder bei
Zervikalsyndromen,
das
Stiff-hands-Syndrom
bei Diabetes
mellitus und
die
Sudeck-Syndrome
bei zerebralen
Halbseitensymptomen.
Therapie:
Hierbei ist zu
berücksichtigen,
dass die
Kausalgie in
unterschiedlicher
Stärke
auftreten kann
und dass ihr
früher oder
später eine
spontane
Heilungstendenz
eigen ist. Von
diesen nach
Monaten oder
Jahren
auftretenden
Spontanheilungen
muss die
Wirkung der
ärztlichen
Behandlung
abgegrenzt
werden. Komplexe regionale Schmerzsyndrome Typ I sind
selten, Studien geben eine Häufigkeit von 5,46 - 26,2/ 100,000 Personenjahre an,
74% der Patienten heilen auch spontan mit sehr gutem Ergebnis aus. Pain.
2003;103: 199–207.
|
Klinische Diagnose des
komplexen regionalen Schmerzsyndroms nach Harden |
| 1) Anhaltender Schmerz der über Ausmaß,
das von jeglichem auslösenden Ereignis her erklärbare hinausgeht.
|
2.) Angabe von mindestens einem Symptom
in mindestens 3 der 4 folgenden Kategorien
- sensorisch (Hyperaesthesie
oder Allodynie);
- vasomotorisch
(Temperatur oder Farbveränderungen oder Asymmetrie;
- sudomotorisch/Ödem
(auffällige Schweißsekretions- und/oder Schwellung)
- motorisch/trophisch
(verminderter Bewegungsumfang, und/oder motorische Dysfunktion
und/oder trophische Veränderungen;
|
| 3.) der Untersucher beobachtet
mindestens eines der oben genannten Symptome oder Zeichen in mindestens
2 oder mehr der oben genannten Kategorien. |
| 4.) Keine andere Diagnose erklärt die
Zeichen und Symptome besser. |
| nach: Harden RN, Bruehl S. Diagnostic
criteria: the statistical derivation of the four criterion factors. In:
Wilson PR, Stanton-Hicks M, Harden RN, eds. CRPS: Current Diagnosis and
Therapy. Seattle: IASP Press; 2005:45–58. |
Die Diagnose eines komplexen regionalen
Schmerzsyndroms ist meist keine objektive Diagnose und bedarf der Mitarbeit
eines motivierten Patienten. Eine Schmerzklinik berichtet über 41 in einer
2-Jahresperiode zugewiesene Patienten mit der Diagnose komplexes regionales
Schmerzsyndrom. Die
Diagnose
wurde von den Autoren bei 11/15 Männern und 15/26 Frauen bestätigt.
4 der 15 Frauen zeigten offensichtliche und nach der Darstellung schwerwiegende
aktiv selbst induzierte Zeichen und Symptome des Syndroms. (Insbesondere,
bewusstes Abschnüren einer Gliedmaße, selbst induzierte Ulzerationen, bizarre
wandernde Wunden, Einfärbung des Unterarmes), alle Symptome verschwanden mit
Anlage eines Verbandes, stirkter Beobachtung der Patientinnen, bzw. nach
Gespräch mit der Patientin. Immerhin entsprachen damit in dieser Serie von
komplexen regionalen Schmerzsyndromen 26.7% bei Frauen einer offensichtlichen
bewusste Manipulation und keiner eigenständigen Krankheit. Die Autoren der
Fallserie verweisen darauf, dass die Klinik in der Regel nur die schweren
chronifizierten Fälle zugewiesen bekommt und damit ein Selektionsbias bezüglich
der Häufigkeit vorliegen kann. Clin J Pain 2008;24:176–185
Abstract
Obwohl wenig in der Therapie wirklich gesichert ist, bedürfen die oft gravierend leidenden Patienten der Behandlung. Noch wichtiger ist soweit möglich die Vorbeugung. Ruhigstellung
scheint einer
der häufigsten
Auslöser zu
sein. Die
Vermeidung von
inadäquat
langen Gips-
und
Schienenbehandlungen
oder sonstiger
Immobilität
hilft
vorzubeugen. Das Vermeiden einer übertriebenen
Schonung nach Verletzungen könnte eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen sein. Eine zeitige ausreichende Schmerzbehandlung und Aktivierung scheint ebenfalls vorzubeugen. Schonende Operation und Reposition nach Knochenbrüchen sind ebenfalls vorbeugend. Aktive Bewegungstherapie ist meist frühzeitig und auch bei bereits vorliegendem Syndrom sinnvoll. Da
auch
vergleichsweise
harmlose
operative
Eingriffe
auslösend sein
können, ( Op
einer
Dupuytren’schen
Kontraktur,
Karpaltunnelopernationen,
Hallux valgus
Operationen oder nach leichten Traumen)
muss besonders
bedacht werden,
dass auch
kleinere
invasive
Eingriffe
verschlimmernd
sein können. In
leichteren
Fällen soll man
deshalb mit
konservativen
Maßnahmen
auszukommen
suchen. Eine Hyderginkur mit
5 x 1
Sublinguette
täglich soll
nach Mummenthaler
versucht
werden. Studien
zum
Wirkungsnachweis
fehlen. Auch
Insulinkuren
über mehrere
Wochen mit
kleinen Dosen, Guanethidininfusionen, und Calcitonininfusionen
wurden
empfohlen- der
Wirkungsnachweis
fehlt auch
hier. Auch eine
Vielzahl
anderer
Behandlungen
verspricht
Hilfe oder gar
Heilung, die
Versprechen
werden in
Kontrolluntersuchungen
selten
gehalten, nach
der initialen
Veröffentlichung
bleibt es of
still um solche
Versprechen.
(Schott,
Practical
Neurology
2007;7;145-157)
Apparative und
laborchemische
Methoden
haben keine
oder nur
geringe
Aussagekraft.
Physiotherapie,
physikalische
Therapie,
Ergotherapie,
medikamentöse
Therapie und
Psychotherapie
spielen in der
primären
Behandlung als nichtinvasive
Maßnahmen eine
wichtige Rolle.
(nach
Mummenthaler
und Schliack,
Läsionen
peripherer Nerven). Sympathektomie
oder
Sympathikusblockaden
wurden unter
Verwendung
verschiedenster
Techniken
häufig in der
Behandlung von
M. Sudeck,
Kausalgie oder
komplexen
regionalen
Schmerzsyndromen
angewendet.
Kontrollierte
ausreichend
aussagekräftige
Studien fehlen.
Einige
Übersichten und
Metaanalysen
von
Veröffentlichungen
sehen keinen
Profit
gegenüber von Plazebo, aber
ein nicht
unerhebliches
Risiko für
gravierende
Nebenwirkungen.
Diskutiert
wird, ob
Sympathikusblockaden
bei bestimmten
(bisher nicht
eindeutig
definierten)
Untergruppen
der Patienten
nützlich sein
können. (Versuch beispielsweise einer Klärung der Indikation mittels Phentolamintest).
Sympathikusblockaden
mögliche
Komplikationen:
Heiserkeit,
Hornersyndrom,
Schluckbeschwerden,
Hämatome,
epidurale oder
subdurale
Punktion mit
entsprechenden
Kompliaktionen,
Punktion der A.
Vertebralis,
Neuralgie der
Brustwand und
Oberarminnenseite,
Blockade der
motorischen
oder sensiblen
Nerven des
Plexus,
Phrenikusblockade
mit Luftnot,
Pneumothorax,
Ösophagusperforation
mit
Mediastinitis.
Rückenmarksstimulationen
und
intrathekale
Baclophengaben
waren in je
einer Studie
wirksam, auch
diese Eingriffe
können
allerdings
Komplikationen
auslösen.
Lokalanästhetika
über Katheter
werden vielfach
angewendet, wie
bei den anderen
invasiven
Methoden,
fehlen
schlüssige
Daten. Auch zum Posttraumatischen Kausalgie-Dystonie-Syndrom gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit intrathekalen Baclofenapplikation. Obwohl
es sich um
keine
Polyneuropathie
handelt, hat
sich praktisch
um den
Patienten nicht
zu schaden bei
den meisten
Autoren eine
symptomatische
Behandlung
ähnlich der der
Polyneuropathien
mit Gabapentin,
Pregabalin,
Amitriptylin
und
Nortryptliln
entabliert.
Ausreichend
durch Studien
evaluiert ist
auch diese
Behandlung bei
dem speziellen
Krankheitsbild
nicht. Auch
hier müssen
bezogen auf den
Patienten die
Nebenwirkungen
beachtet
werden.
|
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With the Diagnosis of Complex Regional Pain Syndrome Clin J Pain 2008;24:176–185
Abstract
|
| Kavernom |
| Zerebrale Kavernome, Synonyme: kavernöse Angiome,
kavernöse Hämangiome. Symptomatisch verursachen sie am häufigsten epileptische
Anfälle (36%) aber auch fokale Symptome (20%) , oft werden sie erst anlässlich
einer Blutung (25%) entdeckt. In 25 bis 30 Prozent der Fälle treten jedoch
nur unspezifische Symptome (Kopfschmerz(6-10%), Schwindel, Tinnitus (meist
pulsatil)) auf. Da diese Symptome allgemein häufig sind und bei der Abklärung
häufig ein Kernspin veranlasst wird, bleibt im Einzelfall immer die Frage ob die
Symptome überhaupt mit dem Kavernom zusammen hängen. Häufig ist die
Entdeckung nur zufällig nur jedes 4.-10.soll Symptome machen. Es können
natürlicherweise je nach Lokalisation auch sehr seltene Symptome vorkommen.
Beispiel Hemiparkinson durch Karvernom der Basalganglien. Kavernome sind
gutartige Gefäßfehlbildungen im Gehirn. Sie können nicht metastasieren.
Sie werden der Gruppe der vaskulären Hamartome zugerechnet. Kavernome sind durch
unregelmäßig geformte und unterschiedlich große, sinusoidal erweiterte, venöse
Gefäßräume charakterisiert, die direkt oder getrennt von kollagenem
beziehungsweise hyalinem Bindegewebe aneinandergrenzen. Zerebrale Kavernome sind
damit gutartige Gefäßmissbildungen, sie haben arterielle Zuflüsse und venöse
Abflüsse aus dem "cavernösen Gefäßknäuel". Sie treten einzeln oder multipel im
gesamten zentralen Nervensystem auf. Meist sind sie klein mit einem Durchmesser
von weniger als 1 cm, oft werden sie im MRT als gut abgrenzbare Läsionen
manchmal mit Kalkeinlagerungen und peripheren Hämosiderinablagerungen zufällig
diagnostiziert. In der T2-Wichtung zeigt sich außen ein signalarmer ringförmigen
Hämosiderinsaum sowie zentrale signalreichere Areale mit meistens inhomogener
mäßiger Anreicherung in T1-gewichteten Aufnahmen nach Kontrastmittelgabe.
Hämosiderindepots und Verkalkungen sind mittels T2- gewichteter
Gradientenecho-Sequenzen besonders gut nachweisbar, da diese im Vergleich zu
Spin-Echo-Sequenzen empfindlicher für Suszeptibilitätsunterschiede sind. Der
gleiche Vor der Einführung von Computer(CT)- und Magnetresonanztomographie (MRT)
war die Diagnose „zerebrales Kavernom“ eine Seltenheit. Ihre Prävalenz wird in
der Gesamtbevölkerung auf 0,4 bis 0,5 Prozent geschätzt. Sporadisches wie
auch familiär gehäuftes Auftreten kommt vor. Abgesehen von einem freien
peripheren Gliosesaum fehlt eine Kapsel und somit eine echte Abgrenzung der
Läsion vom umgebenden Hirnparenchym. Ihre Ursache ist unklar. Insbesondere die
Frage nach Risikofaktoren, die zu einem Blutungsereignis führen oder eine
klinische Verschlechterung bedingen, ist nicht sicher geklärt. Während die
meisten Kavernome als angeborene Fehlbildungen anzusehen sind, liegen über
die Ursachen der in der Literatur beschriebenen „de novo“- Entstehungen und über
ein Wachstumspotenzial der Kavernome wenig Informationen vor. Der natürliche
Verlauf bei Kavernomen ist aufgrund geringer Fallzahlen der zahlreichen
publizierten Einzelserien noch unsicher, zumal die Mehrzahl dieser Studien
retrospektiv durchgeführt wurde. Prospektive Studien zu diesem Thema fehlen,
sodass das Ergebnis verschiedener Therapieformen nicht verglichen werden kann.
Gleiches gilt für diejenigen Faktoren, die die Prognose bei Patienten mit
Kavernomen mit natürlichem Verlauf und Patienten mit behandelten Kavernomen
bedingen. Beides erschwert bislang die Indikation zur operativen Behandlung.
Manche Untersuchungen gehen von einer jährlichen Blutungsrate bis zu 10% aus,
andere schätzen das Risiko wesentlich geringer ein (um 0,5%). Wenn ein Kavernom
einmal geblutet hat ist das Risiko erhöhte, möglicherweise auch wenn es in
tiefen Hirnregionen liegt. Bei Epilepsien im Kindesalter sind die besseren
Behandlungsergebnisse bezüglich einer Epilepsie die Indikationen für eine frühe
chirurgische Therapie. Die Meinungen wann operiert werden soll, gehen
weiter auseinander. Eine prophylaktische Operation wird von den meisten Autoren
nicht empfohlen. Nach einer symptomatischen Blutung wird eher operiert, dies
besonders bei gut zugänglichen Läsionen. Am Hirnstamm wird eher abgewartet,
trotz des dort höheren Blutungsrisikos, auch wegen des höheren Operationsrisikos.
Strahlentherapie wird bisher als sehr kontrovers angesehen, es ist unsicher ob
die Vorteile die Nachteile überwiegen. Kavernome können nicht interventionell
radiologisch angegangen werden. Über den natürlichen Verlauf von Kavernomen ist
wenig bekannt, was die therapeutische Entscheidung erschwert. Es kommen
stereotaktische operative Verfahren in Betracht sowie intraoperatives
Neuromonitoring. Venöse Infarkte müssen vermieden werden. Die stereotaktische
Radiochirurgie (Gamma-Knife) ist in der Wirksamkeit durch Studien nicht
gesichert. Aufgrund der Heterogenität sind Studien auch schwer durchführbar . Es
ist bisher nicht bekannt ob irgend eine spezielle Aktivität die Blutungen
auslösen kann, eine generelle Empfehlung zur Schonung gibt es deshalb nicht.
Neueste molekulargenetische Studien geben einen Einblick in die Pathophysiologie
dieser Erkrankung und könnten zukünftig bei der Entwicklung von
Therapiestrategien hilfreich sein. Ein autosomal-dominanter Erbgang mit
unvollständiger Penetranz ist bekannt. Bei der familiären Form wurden bisher
drei Genorte (CCM1, CCM2, CCM3) auf den Chromosomenabschnitten 7q, 7p und 3q
identifiziert. Sie sehen maulbeerartig aus. Bei gut zugänglichen,
symptomatischen Kavernomen ist die mikrochirurgische Entfernung indiziert. Auch
bei schwieriger Lokalisation (Hirnstamm) ist eine Resektion mit
computergestützter Neuronavigation und minimalinvasiven Techniken (Laser,
Waterjet) möglich. Erstblutungen aus Kavernomen sind selten unmittelbar
lebensbedrohlich. Blutungsrisiko und Auftreten neurologischer Defizite scheinen
von einer Vielzahl von Faktoren abzuhängen (unter anderem Lokalisation der
Läsion, Alter, Geschlecht, Status der reproduktiven Phase und vorausgegangene
Blutung). Die Läsionen können sich sowohl aggressiv mit repetitiven Blutungen
und Verstärkung der neurologischen Defizite als auch über viele Jahre klinisch
ruhig verhalten. Angiographien sind häufig ( in etwa 2/3 der Fälle) normal. |
K.
Waltraud Kleist-Welch Guerra, Neurovaskuläre
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Lothar Mayfrank,Veit Rohde, Esther Berns, Helmut Bertalanffy
|
| Kawasaki Syndrom |
Das Kawasaki Syndrom ist eine mukocutane Lymphknotenerkrankung unbekannter
Ursache, das überwiegend Kinder und Säuglinge betrifft. Eine frühe
Behandlung mit Aspirin und intravenösem Gammaglobulin kann die Entwicklung
einer Erkrankung der Herzkranzgefäße eindämmen. Spezifische diagnostische
Tests gibt es nicht. EKG Veränderungen (Arrhythmien, abnormal Q Wellen,
verlängertes PR und/oder QT Intervall, manchmal Niedervoltage, oder ST-T
Wellenveränderungen); Rö- Thoraxabnormalitäten (Kardiomegalie);
Echokardiographische Veränderungen (perikardiale Effusion, koronare Aneurysmen,
oder verminderte Kontraktilität); Mitral und/oder Aortenklappeninsuffizienz; und
selten Aneurysmen der peripheren Arterien (bes.,Axillär), Angina pectoris, oder
Herzinfarkt. Erhöhte BKS, CRP. Diarrhoe, Erbrechen, Bauchweh, Hydrops der
Gallenblase, paralytischer Ileus, milde Gelbsucht, und leichter Anstieg der
Serumtransaminasen. Gelenkschmerzen, Im Liquor Mononukleäre Pleozytose,
Irritabilität, und selten Fazialisparese.
Diagnostic Guidelines for Kawasaki Disease
Guidelines for Long-term Management of Patients With Kawasaki Disease
Es handelt sich um eine klinische Diagnose.
Immunglobuline scheinen zumindest bei Kindern erfolgreich. Intravenous
immunoglobulin for the treatment of Kawasaki disease in children (Cochrane
ReviewIssue 4, 2003) Diagnose Kriterien:
Fieber über mindestens 5 Tage, und 4 der folgenden 5 Symptome:
- Veränderungen an den Extremitäten: Akute:
Erythem und Ödem an Händen und Füßen
- Im Besserungsstadium (Konvaleszenz):
Membranöse Hautabschuppungen an den Fingerspitzen
- Polymorphes Exanthem
- Beiderseits, schmerzlose Reizung der
Augenbindenhäute ohne Exsudat
- Veränderungen an den Lippen und im Mund:
Erythem und Aufbrechen der Lippen, Erdbeerzunge, diffuse Entzündung der Mund
und Rachenschleimhäute
Zervikale Lymphadenopathie ( > 1.5 cm im Durchmesser), meist einseitig
|
|
|
| Kayser-Fleischer Kornealring |
Bei Morbus *Wilson" =
Kupferspeicherkrankheit nicht manchmal auftretender an der äußeren Kornea
gelegene Kupferablagerung typischer olivgrüner bis bräunlicher Pigmentierung,
die bei erfolgreichem Kupferentzug rückbildungsfähig ist. Mit unbewaffnetem Auge
gelegentlich, sicher nur durch Spaltlampenuntersuchung zu diagnostizieren. Es
handelt sich dabei um eine typisches Symptom beim M. Wilson, das aber nicht
unbedingt auftreten muss, es soll bei überwiegend neuropsychiatrischer
Beteiligung häufiger sein.
http://www.morbus-wilson.de Kayser B: Über einen Fall von angeborener
grünlicher Verfärbung der Kornea. |
|
Klin Mbl Augenheilk 1902; 40: 22–25. Fleischer
B: Zwei weitere Fälle von grünlicher Verfärbung der Kornea. Klin Mbl Augenheilk
1903; 41: 489–491. |
| Kearns-Sayre-Syndrom |
Sporadische Mitochondriopathie zunächst mit Ptose,
dann symmetrischen Augenmotilitätsstörungen, oft ohne Doppelbilder, zu der
regelmäßig multiple weitere Krankheitsmanifestationen gehören. Für die
Diagnosestellung eines Kearns-Sayre Syndroms wird das Vorliegen einer externen
Ophthalmoplegie mit Ptosis, einer Pigmentdegeneration der Retina und ein Beginn
der Symptomatik vor dem 13. Lebensjahr, von anderen Autoren ein Beginn vor dem
20. Lebensjahr gefordert. Fakultativ liegt zusätzlich mindestens eines der
folgenden Symptome vor: kardiale Reizleitungsstörungen im Sinne von
Leitungsblocks, zerebelläre Ataxie und /oder Liquoreiweißerhöhung von mindestens
100 mg/dl. Typische Begleitsymptome sind darüber hinaus sensorineurale
Schwerhörigkeit, Kleinwuchs, dementielle Entwicklung, Spastik, endokrinologische
Störungen (Diabetes mellitus, Hypothyreose, Hypoparathyreoidismus), Dysphagie
auf der Basis einer cricopharyngealen Achalasie sowie Zeichen einer
Polyneuropathie. Das KSS manifestiert sich fast ausschließlich in sporadischen
Erkrankungsfällen und ist genetisch in erster Linie auf heteroplasmische,
singuläre
Deletionsmutationen (2 bis 8 kb) der mtDNA zurückzuführen, wobei relativ häufig
eine 4977 Basenpaar große Deletionsmutation nachzuweisen ist, die sog. “common
deletion”. |
|
Leitlinie
DGN zu Mitochondrialen Erkrankungen |
| Kennedy Disease oder spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy (SBMA) |
| Bulbäre und spinale Muskelatrophie, spinobulbäre Muskelatrophie Typ
Kennedy, bzw. Kennedy Krankheit, oder spinobulbäre X-chromosomale
Muskelatrophie. Die spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy wurde 1968
erstmals von Kennedy et al. beschrieben [Neurology
1968; 18: 671–680] deren zugrundeliegender genetischer Defekt wurde 1991 von LaSpada et al. beschrieben [Nature
1991; 352: 77–79 ]. Es handelt sich um eine X-chromosomal rezessive
Erkrankung. Entsprechend sind überwiegend Männer betroffen. Heterozygote Frauen
sind symptomfrei, homozygote Frauen haben meist milde Symptome ohne endokrine
Symptome und einen sehr gutartigen Verlauf. Die Prävalenz wird mit 1-9 / 100 000
angegeben, in Finnland tritt die Erkrankung häufiger auf. Diese spinobulbomuskuläre
Atrophie ist eine langsam progrediente erbliche neurodegenerative Erkrankung der
Motoneurone, bei der sich frühzeitig Faszikulationen zeigen. Ebenso wie
bei der ALS sind die Vorderhornzellen betroffen. Die
Faszikulationen (besonders der Gesichtsmuskeln) gehen typischerweise den anderen
Symptomen voraus und entstehen durch eine axonale Übererregbarkeit. Die
genetische Grundlage der Erkrankung bilden Triplet (>38 CAG) Wiederholungen am
Androgenrezeptorgen auf dem X Chromosom. Je länger die CAG-
Wiederholungen um so früher beginnt die Erkrankung, wobei der Verlauf wohl
weniger von der Anzahl der CAG- Wiederholungen abhängt. Es gibt auch
asymptomatische Träger der Mutation, und Berichte nach denen die CAG-
Wiederholungen nicht den Erkrankungbeginn anzeigen,
Symptome und Verlauf: Viele der Patienten entwickeln schon als
Teenager eine
Gynäkomastie (weiblich aussehende Brust bei Männern) die das
häufigste Frühsymptom ist. Erektionsprobleme und Hodenatrophie sowie verminderte
Fruchtbarkeit bzw. Zeugungsfähigkeit sind ebenfalls gehäuft. Auch ein
Diabetes soll gehäuft auftreten. Vermehrter
Speichelfluss und vermehrtes Schwitzen kommen vor. Muskelschmerzen
und Muskelkrämpfe und eine vorzeitige muskuläre Erschöpfung bei körperlicher
Anstrengung (manchmal auch bei geistiger Anstrengung) sind ebenfalls
Frühsymptome. Die Faszikulationen können über viele Jahre vorhanden sein, ohne
dass sich eine Schwäche ausbildet. Ein Haltetremor und manchmal auch ein
Aktionstremor der Hände ist oft noch ein Frühzeichen und tritt im
Durchschnitt mit 33 Jahren auf. Bei vielen Patienten ist auch das
Vibrationsempfinden vermindert und/oder es liegt eine distal symmetrische
Hypästhäsie der Beine vor. Die Muskelschwäche zeigt sich zuerst in den
Beinen meist etwa 10 Jahre später, im Verlauf der nächsten Jahre müssen viele
der Patienten sich dann beim Treppensteigen am Geländer hochziehen.
Durchschnittlich mit 50 Jahren treten Schluckstörungen (Dysphagie) und
Sprechstörungen (Dysarthrie) auf, mit durchschnittlich 59 Jahren benötigen die
Patienten einen Stock, mit 61 Jahren im Durchschnitt einen Rollstuhl. Insgesamt
ist die Lebenserwartung ist nur wenig beeinträchtigt, auch im Langzeitverlauf
sind die neurologischen Behinderungen mäßig. Trotz Fibrillationen,
Faszikulationen und Atrophie der Zunge ist Sprechen und Schlucken oft wenig
beeinträchtigt. Trotz bulbärer Symptome wird nur sehr selten eine Magensonde
oder Beatmung benötigt, viele der Patienten bleiben auch viele Jahre nach
Diagnosestellung gehfähig. Durch Training lassen sich die Muskelatrophien
leider nicht wesentlich bessern. Häufigste Todesursache sind
Lungenentzündungen.
Labor: Die Creatinkinase (CK) ist häufig erhöht, Testosteron oder
Progesteron sind erhöht, die Fertilität ist vermindert. Muskelbiopsien zeigen
eine überwiegend neurogene Atrophie. Sensible Nerven sind oft bei Messung der
Nervenleitgeschwindigkeiten nicht ableitbar, die Amplituden der Motorischen
Nervenantwortpotenziale sind oft vermindert. Im SSEP zeigen sich oft fehlende
kortikal ableitbare Latenzen oder verminderte Amplituden. Die
Muskeleigenreflexe sind abgeschwächt.
Differenzialdiagnose: Die klinischen Symptome überlappen sich mit
anderen Neuromuskulären Erkrankungen wie der ALS oder spinalen Muskelatrophien
und hereditären Neuronopathien. Besonders in den frühen Krankheitsstadien
ist nur mit genetischen Untersuchungen eine sichere Unterscheidung möglich. |
- N. Preisler, G. Andersen, F. Thogersen, C. Crone, T. D. Jeppesen, F. Wibrand,
and J. Vissing Effect of aerobic training in patients with spinal and bulbar
muscular atrophy (Kennedy disease) Neurology, January 27, 2009; 72(4): 317 -
323. [Abstract]
-
Wissenswertes über die Spinobulbäre Muskelatrophie auf der Seite der DGM
- N. Chahin, C. Klein, J. Mandrekar, and E. Sorenson Natural history of
spinal-bulbar muscular atrophy Neurology, May 20, 2008; 70(21): 1967 - 1971.
[Abstract]
- K. Suzuki, M. Katsuno, H. Banno, Y. Takeuchi, N. Atsuta, M. Ito, H. Watanabe,
F. Yamashita, N. Hori, T. Nakamura, et al. CAG repeat size correlates to
electrophysiological motor and sensory phenotypes in SBMA Brain, January 1, 2008;
131(1): 229 - 239.
[Abstract]
[Full Text]
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[Abstract]
|
| Kernspinangiographien |
| können überwiegend
konventionelle Angiographien ersetzen. Indikationen sind nicht rupturierte
intracraniale Aneurysmen, zerebrale Durchblutungstörungen, TIAs, intracraniale
und/oder extracraniale Dissektion der A. carotis und/oder vertebralis, zentrale
Venenthrombosen (Sinusthrombosen).

Das NMR ist durch immer größere magnetische
Feldstärken der Geräte und erheblich verbesserte Rechnerkapazitäten immer besser
in der Lage die Substanz von Geweben darzustellen. Während alte Geräte noch mit
0,5-1 Tesla Feldstärke arbeiteten, sind inzwischen 1,5 Tesla zum Standard
geworden und erste Geräte mit 3 Tesla sind bereits auf dem Markt. Während alte
Geräte noch mit 286er oder 386er Computern arbeiteten ist bei neuen Geräten wie
im PC- Bereich auch der Pentium Standard. Wasserstoffjonen in den Hirngebieten
können so wesentlich besser zum Schwingen im Magnetfeld angeregt werden, die
Berechnung der Befunde und bildhaften Darstellungen ist um ein Vielfaches
schneller und differenzierter geworden. Noch interessanter für die Forschung
sind die Möglichkeiten jetzt auch spezielle Stoffwechselaktivitäten und die
Durchblutung darzustellen. In der Schlaganfalldiagnostik ermöglichen so genannte
Flairaufnahmen eine schnelle Darstellung der lokalen Hirndurchblutung und
auch der Gefäße. Die Indikation für die Thrombolyse kann damit auf einer Stroke
Unit (Schlaganfallintensivstation) zügig gestellt werden und damit auch rasche
einem Substanzdefekt des Gehirns entgegen gewirkt werden.
Diffusionsgewichtete Kernspin- Aufnahmen sind damit zum wesentlichen Teil
der Akutdiagnostik des Schlaganfalls geworden. Die MR Spektroskopie
kann sowohl als Protonen-, Li-, Phosphor-,-C13-als auch als Flourspektroskopie
angewendet werden. Dabei können Verschiedenste Stoffwechselprodukte im Gehirn
wie Laktat, Glutamtat, Kreatin, Taurin, Glucose oder N- Acetylaspertat
dargestellt werden. Das Verfahren hat dabei bereits einen Stellenwert in der
präoperativen Diagnostik der Temporallappenepilepsie. So können diese
Informationen zur Graduierung hirneigener Tumore genutzt werden. Zusätzlich
können die Informationen als ein Indikator für die Prognose einer
Tumorerkrankung verwendet werden. Es ist möglich, akute Entzündungen und
Metastasen zu identifizieren. Des Weiteren findet die MR-Spektroskopie in der
Untersuchung von Epilepsien und neurodegenerativen Erkrankungen Anwendung.
Ein wesentlicher neuer Forschungsaspekt ist die funktionelle Bildgebung. Mit
Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET-)
und
der funktionellen Kernspintomographie ist es möglich, funktionelle
Abläufe im Gehirn sichtbar zu machen (The
fMRI Data Center ) . Physiologie und Pathophysiologie von Hirnfunktionen
werden damit darstellbar. Regeneration nach diffusen oder umschriebenen
Hirnläsionen wird auch in Bildern des Gehirns sichtbar, mit Auswirkungen auf die
Therapieplanung. Die Plastizitätsforschung stellt damit die Behandlung von
Schlaganfällen oder Schädelhirntraumen auf eine neue Grundlage. Möglich wird
durch das Verfahren auch eine bildliche Darstellung von Veränderungen bei
Schizophrenie, Depressionen und anderen affektiven Störungen, eine Früherkennung
von Demenzen lange vor sie ausbrechen. Möglich wird auch eine Voraussage ob z.B.
ein bestimmtes Medikament in der Depressionsbehandlung wirkt (z.B. Fluoxetin).
Darstellen lässt sich damit auch das Craving bei Süchtigen, damit lässt sich eine
relativ zuverlässige Prognose hinsichtlich der Anfälligkeit gegen Rückfälle
stellen. Die entsprechenden Bilder zeigen eine Korrelation zu
PET- Bildern die eine Rolle des N. Accumbens
eines Teils der Basalganglien im Belohnungssystem belegen. Bei Pädophilen lässt
sich die selbe Hirnregion bei Ansicht eines entsprechenden Bildes belegen. Dabei
lässt sich auch hier eine Aussage bezüglich der Rückfallgefährdung machen. Die
funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie kann die zerebrale Aktivierung
durch Messungen des funktionsabhängigen Sauerstoffverbrauchs lokalisieren. Mit
ihr lassen sich Funktionsstudien am visuellen, auditorischen, somatosensiblen
und motorischen System durchführen. Mi der funktionellen
Kernspintomographie und PET können Schmerzen
ebenso wie deren Linderung durch Medikamente aber auch durch Scheinmedikamente
sichtbar machen. U.a. sind somatosensorische Cortexareale, der Thalamus, das
Cingulum und das periaquäduktales Grau bei experimentellen Schmerzen beteiligt.
Aus Untersuchungen mit fMRT und Magnet-Enzephalographie (MEG) bei Amputierten
ist bekannt, dass es zu einer Reorganisation des deafferentierten Kortex kommt.
Im Gegensatz zur PET- Untersuchung gehend die
funktionellen Magnet-Resonanz-Tomographien mit keiner Strahlenbelastung einher
und benötigen keine Injektionen. Sie sind damit bei einzelnen Probanden auch
wiederholt einsetzbar und ermöglichen auch die Untersuchung größerer Gruppen von
Menschen. Das Verfahren misst die bei Zunahme der Gehinaktivität rasch folgende
stärkere Durchblutung. Die bebilderten Ergebnisse zeigen sowohl die Hirnsubstanz
dreidimensional als auch die Veränderung der Durchblutung und damit die
Stoffwechselaktivität im entsprechenden Bereich. Einzelbilder bilden dabei
Vorgänge im 100ms Bereich ab. Es handelt sich allerdings im Gegensatz zum
PET um eine nur indirekte Darstellungsmöglichkeit
der Gehirnaktivität. Diese neuen Verfahren machen nicht nur deutlich, dass
Empfindungen wie Depressionen oder Schmerzen zu nachweisbaren
Stoffwechselveränderungen im Gehirn führen, sie lassen auch folgern, dass diese
Veränderungen zu einer Umorganisation der Synapsen im
Gehirn führen. Längerdauernde Depressionen hinterlassen damit ebenso wie
längerdauernde Schmerzen Spuren im Gehirn. Glücklicherweise müssen diese Spuren
bei zeitiger therapeutischer Intervention nicht irreversibel sein. Auch
angenehme Erfahrungen und eine Änderung der in der Krankheit eingeschliffenen
Fehlverhaltensweisen, die in einem Teufelskreis oft die Symptome
aufrechterhalten, führen zu substanziellen Veränderungen im Gehirn die den
Schaden ganz oder teilweise rückgängig machen können. Dabei sind in der
Forschung bereits Verfahren eines Biofeedbacks im Kernspintomographen
erfolgreich getestet worden, die Patienten haben dabei die Schmerzen in ihrem
Hirn auf dem Bild gesehen und während der Untersuchung gelernt mit gedanklicher
Steuerung diese Bilder zu verändern und damit die Schmerzen zu reduzieren. Die
Basalganglien spielen im Belohnungssystem des Gehirns (Ich- fühl- mich gut
System) eine entscheidende Rolle. Hier besonders der Nucleus accumbens.
Dopaminerge Neurone spielen damit beim Glücksgefühl eine entscheidende Rolle;
mitbeteiligt ist hier der präfrontale Cortex, der Hippokampus, die Amygdala, das
anteriore Cingulum und die Inselregion. Der Hirnstamm spielt eine wesentliche
Rolle in der Kontrolle des körpereigenen Opiodsystems. Mit beteiligt ist hierbei
auch dass anteriore Cingulum. Eine Aktivierung dieser Hirnregionen ist bei Gabe
von Opiaten genauso nachweisbar wie bei eintretender Plazebowirkung. Am
deutlichsten ist diese Plazebowirkung für jeden in der alltäglichen Erfahrung
sichtbar bei Kindern, die sich verletzt haben. Obwohl eine oft blutende Wunde
zurückbleibt, die offensichtlich weh tun müsste, lässt der Schmerz oft schnell
nach einem Trost der Mutter nach. Dabei hat die Mutter nicht nur das Kind
beruhigt und ihm die Sicherheit gegeben, dass nichts schlimmes passiert ist, sie
hat auch für das Kind die Bedeutung des Schmerzes relativiert. Wir Erwachsenen
müssen uns meist selbst beruhigen und die Bedeutung des Schmerzes selbst
einordnen. Dabei kann es auch ohne Hilfe von außen gelingen, den Schmerz zu
relativieren. Nicht nur psychologische Beobachtungen auch funktionelle
Kernspinbilder beweisen, dass alleine die Aufmerksamkeit auf ein anderes
Geschehen zu lenken (Ablenkung) den Schmerz reduziert. In der modernen Forschung
gelingt es immer besser unsere Gedanken, Absichten und Gefühle bildlich
darzustellen. Die Aktivierung bestimmter Hirngebiete bei Einfühlungsvermögen und
Empathie wurde in einer Studie nun in funktionellen Kernspinaufnahmen
dargestellt. Funktionellen Kernspintomographien geben dabei Auskunft, wo im
Gehirn sich beim Empfinden von Empathie Stoffwechselveränderungen zeigen und
damit auch wo im Gehirn Empathie entsteht.
Wie
zu erwarten spielend dabei so genannte Limbische Hirngebiete eine Rolle.
Aktiviert wurden aber auch Hirngebiete, die in der Planung von Handlungen
wichtig sind (präfrontale Hirnrindengebiete). Die Aktivierung der selben
Hirngebiete bei der Imitation eines emotionalen Gesichtsausdrucks wie bei der
alleinigen Beobachtung eines solchen emotionalen Gesichtsausdrucks macht
deutlich, dass die Einfühlung in andere mit einer tatsächlichen Identifikation
einhergeht. Diese Identifikation geht so weit, dass quasi alle Elemente der
Emotion sich im Hirn den Einfühlenden auch dann so abspielen wie beim
Beobachteten, auch dann wenn dies nicht zu einer gleichsinnigen Veränderung des
Gesichtsausdrucks führt. Deutlich wird auch, dass die alleinige Imitation eines
emotionalen Ausdrucks die entsprechenden Emotionen auch weckt. Imitation führt
allerdings erfahrungsgemäß nicht notwendigerweise zum Einfühlen. Die Fähigkeit
zur Imitation ist eine Bedingung für das Einfühlen. Die Rollenspiele der Kinder
sind eine vor diesem Hintergrund sehr nachvollziehbare Form Einfühlung zu üben.
Erwachsene verlassen sich dabei mehr auf die höheren geistigen Fähigkeiten,
alleiniges gedankliches Probehandeln ermöglicht ihnen die selbe Einfühlung. Auch
hierbei scheinen allerdings besonders in der rechten Hirnhälfte für die
Steuerung von Bewegungen zuständige (motorische) und auch für die Wahrnehmung
zuständige (sensorische) Hirnrindengebiete zusätzlich zu den rein emotionalen
Rindengebieten erforderlich zu sein. Nicht jede Emotion geht mit Einfühlung
einher. Andere Untersuchungen hatten zeigen können, dass emotionale
Gesichtsausdrücke auch dann schon zur Aktivierung bestimmter Hirngebiete (Amydala)
führen, wenn diese Gesichter noch gar nicht bewusst wahrgenommen werden. Auch
die Aktivierung unterschiedlicher Hirngebiete beim Betrachten angenehmer und
unangenehmer Bilder ließ sich in Studien zeigen. Die Darstellung von Emotionen
in funktionellen Kernspinbilder macht die Funktionsweise des menschlichen
Gehirns verständlich.
Diese
Darstellung ermöglicht es auch, die Störungen in der Hirnfunktion zu verstehen,
die zu Krankheiten führen. Bei Menschen mit sozialen Phobien konnte so kürzlich
dargestellt werden, dass bei Menschen mit dieser Störung eine wesentlich
stärkere Aktivierung der Amydala nach Darbietung von Bildern mit Gesichtern mit
ablehnender, ärgerlicher oder verachtender Mimik erfolgt, als dies bei nicht
betroffenen Menschen der Fall ist. Die vermehrte Ängstlichkeit und Kränkbarkeit
war also im Experiment im Hirnstoffwechsel darstellbar. Noch interessanter ist,
dass auch die Besserungsaussichten unter Behandlung darstellbar sind. Patienten
mit einer sozialen Phobie die mit einem Medikament behandelt wurden, zeigten im
Hirnstoffwechsel in einer anderen Studie an den selben Stellen eine
Normalisierung wie dies bei Patienten der Fall war, bei denen sich die Symptome
mit Verhaltenstherapie besserten. Solche Experimente zeigen nicht nur, dass
Psychotherapie und Antidepressiva letztlich im Gehirn zu den selben
Veränderungen führen. Sie machen eventuell zukünftig Behandlungsmethoden besser
auf ihre Wirksamkeit prüfbar. Vielleicht sind sie sogar zukünftig ein
brauchbarer Bestandteil der Diagnostik psychischer Störungen. Dass der Genuss
guter Musik etwas mit dem Hirnbelohnungssystem zu tun hat, lässt sich bildlich
ebenso darstellen, wie die Wirkung von Suchtmitteln auf das Hirnbelohnungsystem.
Auch scheinbar banale Vorgänge im Gehirn lassen sich bildlich darstellen. Im
Experiment konnte gezeigt werden, dass bei Personen die sich an Schokolade
überfressen, in der ersten Phase so lange die Schokolade schmeckt andere
Hirngebiete aktiviert werden als später, als die Betroffenen schon satt waren.
Welche Hirngebiete durch das Essen von Schokolade aktiviert wurden hing also von
deren Bewertung ( und der Situation) ab. Solche Experimente könnten helfen
Essstörungen besser zu verstehen. Noch sind PET-Untersuchungen und funktionelle
Kernspintomographien für die Routinediagnostik zu teuer. Ihre Aussagekraft ist
für Störungen beim einzelnen Patienten auch noch nicht genügend erforscht. Es
ist allerdings zu erwarten, dass diese Untersuchungen nicht nur die Diagnostik
und Behandlung neurologischer und psychischer Störungen verändern werden. Diese
Untersuchungen werden auch unser Bild vom Menschen allgemein verändern und
wesentlichen Einfluss auf unsere Kultur nehmen. Eine neue Entwicklung sind
Ganzkörperbilder während einer einzigen Untersuchung in 12 Minuten. 76
Empfangsspulen in Kombination 32 Hochfrequenzkanälen ermöglichen diese neue
Technik. Die Geräte sind zudem deutlich leiser. Allerdings gibt es bisher nur 2
Prototypen in Tübingen und NY. Die Auswertung der Bilder dauert derzeit noch
Tage, je nach Fragestellung. Für die Entdeckung von Metastasen und die
Weiterentwicklung der funktionellen Kernspintomographien sind diese neuen
Möglichkeiten sehr interessant. Die absehbare weitere Verbreitung dürfte
neben der Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten neue Probleme bei der
Interpretation von Befunden schaffen.
Weiterer Erklärungen zum NMR unter
http://www.ukl.uni-freiburg.de/neurozen/nrad/dgneurad/v_wasist.html
(Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR))
Wellcome Department of
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The basics of MRI
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Erklärungen zur funktionellen Kernspintomographie
|
| Kernspintomographie |
| Mit Hilfe der
Kernspintomographie lässt sich auch das Gehirn und Rückenmark bildlich
darstellen Die Untersuchung im Kernspintomographen dauert eine halbe bis
eine Stunde. Abgesehen davon, dass in der engen Röhre bei dem lauten Geräusch
manche Patienten Platzangst bekommen, hat sie keine körperlichen Nebenwirkungen.
Die durch eine starkes, wechselndes Magnetfeld angeregten Atome im Körper senden
ein Signal ab, das gemessen wird, über einen Computer wird hieraus ein Bild
errechnet. Deshalb keine Röntgenstrahlenbelastung. Kernspintomographien sind dem
Computertomogramm in der Darstellung kleiner anatomischer Veränderungen
überlegen. Da im Knochen aber wenig Protonen sind, kann das CT den Knochen
besser darstellen. Auch akute Blutungen sind im CT besser sichtbar, ältere
Blutungen werden dann im Kernspin besser sichtbar. Da Knochen hier im Gegensatz
zur Computertomographie keine Artefakte machen, ist die Methode besonders bei
pathologischen Prozessen der Schädelbasis und des Spinalkanal vorteilhafter.
Besonders Entmarkungsherde bei MS können mit dieser Methode wesentlich besser
und früher dargestellt werden als in der Computertomographie mit Kontrastmittel.
Die Kernspinangiographie ist eine wenig invasive Screenigmethode, die
allerdings der konventionellen Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel
einschließlich DSA noch unterlegen ist, insbesondere wegen vermehrten
Artefakten, Die funktionelle Kernspintomographie wird bisher überwiegend
in der neuropsychologischen Forschung genutzt. Gemäß Konvention werden im CT und
MRT die Schichten so dargestellt, dass rechts immer die linke Seite des
Patienten und entsprechend links auf den Bildern die rechte Seite des Patienten
ist. Das verwendete Konstrastmittel Gadolinium kann allergische
Reaktionen verschiedener Schweregrade verursachen. Kontrastmittelallergien sind
seltener, als in der konventionellen Radiologie. Immerhin etwa 0,5% der
Patienten oder einer von 200 muss aber mit einer Nebenwirkung des
Kontrastmittels rechnen, bei 0,02% oder einem von 5000 ist mit einer schweren
Komplikation zu rechnen (Br J Radiology 2006;79:368–71
[Abstract] ) Vorausgegangene Probleme mit dem Kontrastmittel, Asthma und
Allergien sollten dem Radiologen mitgeteilt werden. Ob dieses Kontrastmittel
Kinder im Mutterleib schädigen kann, ist nicht bekannt. Ebensowenig ist bekannt,
ob es bei stillenden Müttern die Säuglinge schädigen kann. Soweit möglich wird
deshalb bei Schwangeren und Stillenden auf die Gabe des Kontrastmittels
verzichtet. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosierung des Gadolinium
vom Radiologen sehr vorsichtig gewählt werden, eine beeinträchtigte
Nierenfunktion muss dem Radiologen mitgeteilt werden. Um eine Nephrogene Systemische Fibrose (Verdickung, Verhärtung
und Hyperpigmentierung der Haut, manchmal auch innerer Organe wie Leber, Lunge und Herz)
zu vermeiden sollte vor Verwendung von Gadolinium bei Patienten älter als 65 Jahre
grundsätzlich die Nierenfunktion überprüft werden; bei Dialysepatienten wird
Hämodialyse nach Gd-Gabe empfohlen, bei einer schweren
Nierenfunktionseinschränkung (eGFR <30 mL/min/1,73 m2) muss eine eine
sorgfältige Überprüfung der Indikation und eine Kontrolle des Patienten
erfolgen.
Schweiz Med Forum 2008;8(7):116–123 Kreatinin- Clearance nach der
Cockcroft-Gault-Formel (GFR = [140 – Alter] x kg K.G. x 1,23 / Serum-
Kreatinin mmol/L; bei Frauen Resultat mit 0,85 multiplizieren) Insgesamt ist das
Kontrastmittel aber für die meisten Menschen sehr gut verträglich.
Kernspintomographien dürfen evtl. nicht durchgeführt werden, bei
mechanischen Herzklappen, Herzschrittmacher, manchen Aneurysmaclips,
Metallfremdkörper im Gewebe (Metallplatten und Schrauben nach chirurgischen
Eingriffen, Granatsplitter usw. ob es vielleicht doch geht hängt vom Lagebezug
zu empfindlichen Strukturen wie Augen, Hirn, und große Gefäße ab und muss
individuell mit dem Radiologen besprochen werden. Kein Problem stellen
Endoprothesen dar. Ob Schrittmacher Patienten in den Kernspin dürfen
ist weiter eine kontroverse Frage. Ob und wann das möglich ist sollte der
Kardiologe entscheiden, siehe den Link zum Ärzteblattartikel.
Nebenwirkungen resultieren hier hauptsächlich aus der häufigen
Überinterpretation der Bilder. Beispiel: Als
Stumme Hirninfarkte bezeichnet
man im Bild sichtbarer frische Schädigungen oder Narben, die bildmorphologisch
einem Schlaganfall entsprechen, aber zu keinen erkennbaren Symptomen geführt
haben.
Stumme Hirninfarkte sind 5x häufiger als offensichtliche Schlaganfälle.
Der Patient weiß also nicht, dass er einen "kleinen Schlaganfall" durchgemacht
hat. Stumm bleiben solche Infarkte meist, weil sie Hirnregionen betreffen, in
denen die Schädigung zu keinen offensichtlichen Symptomen führt. Stumme
Hirninfarkte findet man in Kernspintomographien des Kopfes häufig, sowohl nach
dem ersten Schlaganfall, als auch bei gesunden Menschen. Das Computertomogramm
zeigt diese wesentlich seltener, da es meist nur Läsionen größer als 5mm
abbildet. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Diese stummen Infarkte deuten
auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hin. Ob Menschen die Stumme Hirninfarkte
erlitten haben ein genauso großes Risiko für einen erneuten Schlaganfall haben,
wie Menschen nach einem offensichtlichen Schlaganfall ist bisher nicht
hinreichend bekannt. Rund ein Viertel der beschwerdefreien 1077 alten Menschen
zwischen 60 und 90 Jahren in der Rotterdam Scan Studie hatten mindestens einen
solchen stummen Hirninfarkt im Kernspinbild. Zwei andere Studien mit teilweise
jüngeren Menschen ergaben Häufigkeiten zwischen 11 und 28%. Die Häufigkeit
nahm mit dem Alter um 8% jährlich zu. Am häufigsten wurden diese Stummen
Hirninfarkte bei Frauen mit Bluthochdruck gesehen. Im Gegensatz zu tatsächlichen
Schlaganfällen sind stumme Infarkte bei Frauen um 30-40% häufiger als bei
Männern. Rauchen und Diabetes schien in diesem Fall kein Risikofaktor zu sein.
In einer neueren Auswertung der Rotterdamstudie mit gesunden Menschen ab 45
Jahren wurde bei 7,8% ein stummer Hirninfarkt gesehen. Schlaganfälle vergrößern
das Risiko einer Demenz generell, dies gilt sowohl für eine vaskuläre Demenz als
auch für den M. Alzheimer. Bei Nachuntersuchung verdoppelten diese stummen
Hirninfarkte das Risiko eine Demenz zu entwickeln. Wobei in der besagten Studie
30 von 1015 Personen insgesamt im Verlauf von 3 Jahren eine Demenz entwickelten.
Dies bedeutet allerdings auch, dass die meisten Patienten mit stummen
Hirninfarkten im Untersuchungszeitraum keine Demenz entwickelten. Thalamische
Infarkte wirkten sich in der Studie auf das Gedächtnis, andere auf die
psychomotorische Geschwindigkeit im Sinne einer Verlangsamung aus. Neu erworbene
stumme Infarkte korrelierten mit der Entwicklung einer Demenz. Die
Bedeutung stummer Hirninfarkte ist im Einzelfall weiter unklar, die Diagnose
alleine auf der Grundlage von Bildern führt oft zu einer unnötigen Beunruhigung
der Betroffenen.
Die
Diagnose eine vaskulären Demenz ist weiter klinisch und nicht alleine vom
Kernspinbild bestimmt. Typischerweise wird die Diagnose einer Demenz an der
Gedächtnisminderung mit begleitender Beeinträchtigung von mindestens zwei
kognitiven Bereichen (Orientierung, abstraktes Denken, Urteilsfähigkeit,
Persönlichkeit, Verhalten, Aphasien, Apraxien oder Agnosien) festgemacht. In den
Leitlinien heiß es zurecht: " Es handelt sich um ein klinisches Syndrom mit
erworbenen Beeinträchtigungen der intellektuellen Funktionen, die durch
Hirnschäden auf dem Boden zerebrovaskulärer Erkrankungen ausgelöst werden.
Vaskuläre Demenzen werden nach unterschiedlichen Diagnosesystemen bestimmt und
eingeteilt, wie ICD 10 (Internationale Klassifikation der Erkrankungen 10.
Version, 1992), DMS IV (Diagnostic and statistical manual of mental diseases, 4.
Version, 1994), NINDS-AIREN (National Institute of Neurological Disorders and
Stroke- Asscociation Internationale pour la Recherche et l´Enseignement en
Neurosciences, 1993) oder den ADDTC-Kriterien (State of California Alzheimer`s
Disease Diagnostic and Treatment Centers, 1992). Die früher gebräuchlichen so
genannten Ischämieskores (z.B. nach Hachinski, Loeb oder Rosen) (Amar & Wilcock
1996) haben nur noch historischen Charakter. Von einem kanadischen Konsortium
wurde der Versuch unternommen die wesentlichen Punkte der NINDS-AIREN und der
ADDTC zusammenzufassen und in eine neue Skala (C5R Vascular dementia checklist)
zu inkorporieren (Rockwood et al. 1994)." Bei einer akuten Symptomatik sind
T2-gewichtete Kernspinbilder und FLAIR Aufnahmen nicht in der Lage, den akuten
Infarkt von den zuvor bereits vorhandenen stummen Infarkten zu unterscheiden.
Dies gelingt nur in den Diffusions-gewichteten Kernspinaufnahmen.
Menschen ohne
Zeichen der Schädigung der weißen Substanz (White-Matter- Läsionen, Leukariosen,
White spots...) in der Rotterdamstudie: 5.4% bei den 45-59-Jahre alten
beschwerdefreien Menschen, 2.0% bei Menschen über 7 Jahre. Mit dem Älterwerden
nimmt nicht nur die Häufigkeit sondern vor allem die Intensität und das Volumen
dieser Schädigungen der weißen Substanz zu. (N Engl J Med 2007;357:1821-8Abstract)).
Das Volumen wird aber bei Kernspinbefunden selten angegeben,
nachvollziehbare Einteilungen der Schädigungen der weißen Substanz werden bei
der Befundung selten verwendet. Was ein Radiologe oder Neurologe als krank
befundet, kann bei einem anderen noch als altersgemäß gelten. Diese Schädigungen
der weißen Substanz sind ein Marker für eine Schädigung der kleinen Hirngefäße
hauptsächlich durch vaskuläre Risikofaktoren und einen kognitiven Abbau, der
aber in hohem Maße dosisabhängig ist. Manche Untersucher halten das Ausmaß der
Atrophie des Gehirn für den wichtigeren Marker für einen kognitiven Abbau.
Hauptsächlicher Risikofaktor ist der Hochdruck, beim Diabetes sind die Daten
schon weniger eindeutig. (Übersicht Current Opinion in Neurology 2007,
20:390–397)- Unklar bleibt damit ab wann sagt man bei einem Menschen über 45
Jahren, dass er im Kernspin sichtbare Durchblutungsstörungen hat, wenn 94%
seiner Altersgruppe solche DBS haben und keine klare Einteilung benutzt wird.
Die Rotterdamstudie
mit gesunden beschwerdefreien Menschen (ab 45 Jahre, Durchschnittsalter 63
Jahre) fand bei 1,8% ein meist kleines Aneurysma meist im vorderen
Hirnkreislauf, gutartige Hirntumore wurden bei 1,6% gefunden bei 0,9% waren es
Meningeome mit einer Größe von 5-60 mm (1,1% der Frauen und 0,7% der Männer).
Mikroadenome der Hypophyse fanden sich bei 0.3%, Aktustikusneurinome bei 0,2%.
Daneben fanden sich unter anderem bei 1,1% Arachnoidalzysten, bei 0,9% Chiari
Type I Missbildungen. Keiner der Tumore war operationsbedürftig, ein großes
Mediaaneurisma und ein großes subdurales Hämatom wurden einer chirurgischen
Behandlung zugeführt. (N Engl J Med 2007;357:1821-8.Abstract)
Ähnliche Probleme
bereitet die Beurteilung der Bilder der Kernspintomographie auch bei einer
Vielzahl anderer Krankheitsbilder. Beispiele: Die häufigen
Bandscheibenvorwölbungen (die bei bis zu 60% der schmerzfreien Patienten
vorkommen) werden zu häufig als Ursache von Rückenschmerzen angeschuldigt und
die führt nicht selten zu Fehlbehandlungen.
Mit zunehmendem Alter werden auffällige Befunde
im Kernspin der Lendenwirbelsäule auch bei beschwerdefreien Menschen die Regel
und nähern sich den 100% an.

BODEN, S. D.,
DAVIS, D. O., DINA, T. S., PATRONAS, N. J. & WIESEL, S. W. (1990). Abnormal
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72-A, 403-408.
Die Gesamtprävalenz von
Rupturen der Rotatorenmanschetten in Kernspintomographien bei Menschen ohne
Beschwerden in den Schultergelenken wird in einer Studie in allen Altersgruppen
mit 34% angegeben, 15% vollständige Rupturen und 19% partielle Rupturen. Die
Anzahl der vollständigen Rupturen nimmt dabei mit dem Alter zu. Im Alter von
über 60 Jahren fand sich bei 54 % der untersuchten von der Schulter her
beschwerdefreien Menschen eine Ruptur der Rotatorenmanschette, bei 29% eine
vollständige Ruptur der Rotatorenmanschette. Bei den 40- 60 jährigen hatten 4%
eine vollständige Ruptur der Rotatorenmanschette, 24 eine partielle Ruptur, bei
den 19-39 jährigen hatten 4% eine partielle Ruptur der Rotatorenmanschette.
J Bone Joint
Surg Am. 1995;77:10-15. Auch die Interpretation Kernspintomgraphischer
Aufnahmen nach operativer Reparatur von Sehnen der Rotatorenmanschetten ist
schwierig. In einer Untersuchung von 15 beschwerdefreien Patienten zeigten 3
(10%) von 30 Supraspinatus und Infraspinatus Sehnen eine normale
Signalintensität und 16 (53%) hatten eine leicht erhöhte Signalintensität in den
T2-gewichteten Bildern, die für eine Sehenentzündung sprach (Tendonitis oder
Tendinose). 3 teilweise und 4 komplette Risse der Supraspinatussehne und 2
teilweise sowie 2 komplette Risse der Infraspinatussehne wurden gesehen. Andere
Ergebnisse schlossen subacromial-subdeltoide Ergüsse (10 von 15 asymptomatischen
Patienten), Gelenkergüsse bei 5 Patienten und ein Knochenmarködem bei 6
Patienten ein.
Radiology,1999; 213(3): 705 - 708. Eine andere Studie befragte 1079
Patienten anlässlich einer Kernspintomographie des Schultergelenks nach dem
Ausmaß der Schmerzen, dem Ausmaß der Behinderung durch die Schulterschmerzen. Es
ließ sich keine Korrelation zwischen dem kernspintomographischen Befund und dem
Ausmaß der Schmerzen, dem Ausmaß der Behinderung durch die Schulterschmerzen
feststellen. Weder die Vollständigkeit der Rupturen, noch die Bursitis oder die
Beteiligung der Bicepssehen war korreliert mit den Schmerzen oder der
Behinderung.
AJR 2006; 186:1234-1239 Eine Studie
verglich die Häufigkeit von Meniskuseinrissen bei Patienten mit einseitigen
Kniebeschwerden mit dem Befund der beschwerdefreien Gegenseite. Von den 100
Patienten die mit dem Verdacht auf einen Meniskuseinriss zum Kernspin geschickt
wurden, hatten 57 einen solchen Meniskuseinriss am symptomatischen Knie, aber
auch 36 am kontralateralen beschwerdefreien Knie. Von den 57 Patienten mit einem
Meniskuseinriss auf der Symptomatischen Seite, hatten 63% (36/57) auch einen
Meniskuseinriss auf der Gegenseite.
Marco Zanetti
et al., AJR 2003;
181:635-641 Die
Interpretation von Kernspinbildern ist damit für Orthopäden auch an der Schulter
oder am Knie nicht einfacher als für Neurologen am Hirn, Krankheitsgeschichte
und klinische Untersuchung sind oft entscheidender als moderne Bildgebende
Verfahren- so schön die Bilder auch immer aussehen
|
Darstellung
verschiedener Strukturen im Kernspintomogramm (NMR) im Vergleich zum
Hirngewebe |
|
T1 Bild dunkel – T2 Bild hell |
T1 Bild dunkel – T2 Bild dunkel |
T1 Bild hell – T2 Bild hell |
|
Liquor, Ödem, bösartiger Tumor, ältere DBS =Infarkt, MS-Herd, Zyste,
Hygrom |
Schädelknochen, Luft = schwarz |
Fettgewebe, subakute / chronische Blutung, |
|
T1 Bild dunkel – T2 Bild wie Hirnsubstanz |
T1 Bild und – T2 Bild wie Hirnsubstanz |
T1 Bild wie Hirnsubstanz – T2 Bild dunkel |
|
Kopfhaut, |
Meningeom |
Eisenablagerungen |
|
T1 Bild wie Hirnsubstanz – T2 Bild hell |
|
|
|
Frische Blutung |
|
|
Warum es Kernspin heißt und wie
es physikalisch funktioniert.
Atomkerne
drehen sich ihre eigene Achse, dies ist was mit dem Begriff Kernspin gemeint
ist. Diese rotierenden geladene Teilchen erzeugen ein Magnetfeld. In einem von
außen angelegten Magnetfeld beginnt ein Spin um die Achse des Magnetfeldes zu
kreiseln. Atomkerne (und ganz besonders Wasserstoffatome) reagieren also auf
ein Magnetfeld in dem sie ihr magnetischen Dipolmoment danach ausrichten. Atome
werden nach ihrer Ordnungszahl (Anzahl der Protonen im Atomkern) und ihre Masse
(abhängig von Protonen- und Neutronenanzahl) geordnet. Da sowohl Proton wie
Neutron einen Eigendrehimpuls besitzen, hat der Kern üblicherweise einen
Drehimpuls, mit dem ein magnetisches Dipolmoment verbunden ist (Ausnahme sind
Kerne mit gerader Protonen- und Neutronenzahl, die nicht magnetisch sind). Wird
ein statisches Magnetfeld angelegt, so ist die Umorientierung dieser Dipole mit
der Ausstrahlung oder Absorption von Energie verbunden. Atomkerne besitzen somit
als zusätzliche Eigenschaft einen so genannten Kernspin. Wird auf solche
Atomkerne kurzzeitig eine geeignete Hochfrequenz eingestrahlt, so strahlen die
Kerne ein teilweise mehrere Sekunden langes Antwortsignal aus. Die
Wechselwirkung wischen der Energie (Ε) und der magnetischen Feldstärke wird
durch in der Larmor-Gleichung beschrieben Ε = h ν0
= γ B0/2π, h = Plancksches Wirkungsquantum, ν0 = Larmorfrequenz
(üblicherweise in der Größenordnung von MHz; B0 = Magnetfeldstärke in Tesla; γ =
Konstante (gyromagnetisches Verhältnis) für jeden Atomkern in Einheiten s- 1T-
1. Dieses sogenannte Kernspinresonanzsignal kann mit Hilfe derselben Antenne
gemessen werden, mit der die Hochfrequenzstrahlung erzeugt wurde. Bei 1,5 Tesla
wird ungefähr die 30 000-fache Erdmagnetfeldstärke erreicht, dadurch wird etwa
jeder 100 000ste Wasserstoffkern in eine Längsmagnetisierung versetzt. Je
stärker das anliegende Magnetfeld wird, desto höher wird die Rotationsfrequenz.
Für den Wasserstoffkern beträgt sie ca. 42 MHz je Tesla Feldstärke. Da die
Signale in der Kernspinresonanz (NMR, ``nuclear magnetic resonance'')
Informationen über die chemische Zusammensetzung der untersuchten Probe liefern,
ist die NMR zu einem wichtigen Analyseverfahren in der Chemie geworden. Auch die
räumliche Verteilung der Signale innerhalb einer Probe lässt sich ermitteln und
zur bildgebenden Darstellung der Probe verwenden. Wenn man Protonen einem
Magnetfeld aussetzt bekommen sie die Fähigkeit Radiofrequenz -
Elektromagnetische Wellen zu empfangen und zu senden. Nach dem die Protonen die
Radiofrequenzenergie aufgenommen haben, wird diese proportional zur Dichte der
Protonen ausgesendet. Die Stärke des ausgesendeten Signals ist also proportional
zur Protonendichte am Ort der Aussendung. Ein Pixel mit Kernspinbild bildet also
die Amplitude des Radiofrequenzsignals ab, das von den Wasserstoffkernen
(Protonen) im Wasser und Fett innerhalb eines Voxels (Volumenelement)
ausgesendet wird. Die Amplitude des Signals aus dem Voxel ist abhängig von der
Folge der Radiofrequenzpulse und der angewendeten magnetischen Gradienten sowie
der Dichte der Protonen und deren elektromagnetischen Mikroumgebung. Die
Zeittaktung der Radiofrequenzpulse und die Gradienten werden in verschiedenen
Sequenzen der bildlichen Darstellung variiert um die relative Gewichtung
zwischen Protonendichte und der elektromagnetischen Mikroumgebung zu verändern
und so unterschiedliche Aspekte darzustellen. Dieses Verfahren wird als
Kernspintomographie (MRT, ``magnetic resonance tomography'') bezeichnet und
findet in der medizinischen Diagnostik vielfältige Anwendung.
Diagnostisch wichtige
Kontraste sind T1-Gewichtung (Δ Längsmagnetisierung), Protonengewichtung,
T2-Gewichtung (Δ Quermagnetisierung), Fettsuppression bei T1-Gewichtung,
Fettsuppression bei T2-Gewichtung, T2-Gewichtung mit Liquorsuppression und
Kontraste aus Sequenzen zur Flussdarstellung, (Phasenkontrastmethode,
TOF-Methode, Kontrastmittel-MR-Angiographie). (siehe
Leitlinie) Eine protonengewichtete Aufnahme entsteht durch eine kurze
Anregung und eine unmittelbar danach erfolgende Auslesung. Hohes Signal wird als
heller Grauton im Bild dargestellt, so dass in der Pdw-MRT Flüssigkeiten und
Weichteile hellgrau sowie Luft und Kompakta des Knochens schwarz erscheinen. Je
länger die T2-Relaxationszeit (verzögerte Auslesung mit definierter Wartezeit
zwischen Anregung und Auslesung), desto höher das Signal. Bei den meisten
krankhaften Veränderungen nimmt der Wassergehalt im Gewebe zu, das zusätzliche
Wasser vermindert das Signal im T1 gewichteten Bild und führt zu einem
intensiven (weiß dargestellten) Signal in den T2 gewichteten Bildern.
Entsprechend sieht man krankhafte Veränderungen im T2 gewichteten Bild meist
besser. Je nach dem ob das Signal intensiv oder weniger intensiv ist wird dies
als hyperintens oder hypointens, befundet, da hier Signalintensitäten gemessen
werden. (Beim CT ist die Nomenklatur anders, dort spricht man von hyperdens und
hypodens, denn im CT /Röntgen werden Dichten gemessen) Das Kontrastmittel
Gadolinium intensiviert die Signale im T1 gewichteten Bild, besonders Störungen
der Bluthirnschranke werden damit im T1 gewichteten Bild besser sichtbar.
|
Darstellung von Blut im CT
oder Kernspin nach Stadium |
| Stadium/ Zeit nach Blutung |
CT |
MRT- T1 gewichtet |
MRT- T2 gewichtet |
MRT- FLAIR |
MRT- T2 Gradient Echo |
| Hyperakut (<12Std) |
hyperdens |
isointens oder leicht hyperintens |
hyperintens |
hyperintens |
hypointenser Rand |
| akut (12Std-2Tage) |
hyperdens |
isointens oder hyperintens |
hypointens |
hypointens |
hypointenser Rand der allmählich zum
Zentrum wandert |
| früh subakut (2-7 Tage) |
hyperdens |
hyperintens |
hypointens |
hypointens |
hypointens |
| spät subakut (8 Tage-1 Monat) |
isodens |
hyperintens |
hyperintens |
hyperintens |
hypointens |
| chronisch (>1 Monat) |
hypodens |
isointens oder hypointens |
hypointens |
hypointens |
Schlitzartiges hyperintenses oder
isointenses Zentrum, das von einem hypoinstensen Rand umgeben ist |
| Chelsea S Kidwell, Max
Wintermark Imaging of intracranial haemorrhage, Lancet Neurol 2008; 7:
256–67 |
|
- Siehe auch unter
Inzidentalome
- Sarah E. Vermeer, Peter J. Koudstaal, Matthijs Oudkerk, Albert Hofman, Monique
M.B. Breteler, Prevalence and Risk Factors of Silent Brain Infarcts in the
Population-Based Rotterdam Scan Study Stroke.
2002;33:21-25.
- M. Englund and Others
Incidental Meniscal Findings on Knee MRI in Middle-Aged and Elderly
Persons
Abstract |
Full Text |
PDF
- Zoe Morris, et al., Incidental findings on brain magnetic resonance imaging:
systematic review and meta-analysis BMJ 2009;339:b3016 (Published )[Abstract]
[Full text]
[PDF]
- R. Fajfr, B.
Müller, P. Diem
Evaluation des
hypophysären
und adrenalen
Inzidentaloms
Schweiz Med
Forum Nr. 27 3.
Juli 2002
- S.E.
Vermeer, et al Silent Brain Infarcts and the Risk of Dementia and Cognitive
Decline,N Engl J Med 2003;348:1215-22.
- Overview
of Neuroradiological MRI -Basics
of MRI
(Joseph P.
Hornak)
Clinical
Applications of Functional Magnetic Resonance Imaging -
MRI-Tutor
(J.R.
Ballinger,
Univ. of
Florida)
MRI
artifacts
(W. Patola
and B.
Coulter
RTMR) Clinical
Application of MRI Image Processing in Neurology -Central
nervous system imaging. When is CT more appropriate than MRI? -
MR-Atlas
des
Gehirns (K.A.
Johnson,
J.A.
Becker,
Harvard) NeuroWeb
(J.
Hesselink,
UCSD)
NLM
Visible
Human
Project World
of PET/Neurological Disorders -
- Lampidius, Michael S.; Irnich, Prof. Dr.-Ing.
Werner
Schrittmacher und Kernspintomographie: Frage der
Programmierung oder doch kontraindiziert?Deutsches Ärzteblatt 99, Heft 11 vom
15.03.02, Seite A-692
- Oliveira-Filho J, Ay H, Schaefer PW, Buonanno FS, Chang Y, Gonzalez RG,
Koroshetz WJ. Diffusion-weighted magnetic resonance imaging identifies the "clinically
relevant" small-penetrator infarcts.
Arch Neurol. 2000; 57: 1009–1014
- MRI Atlas of the Human Brain- Harvard Medical School
MRI
Atlas of the Human Brain- Michigan State University
- Demenz, vaskuläre
Leitlinie der DGN
-
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie
|
| Ketoazidose |
durch Insulinmangel oder Hemmung der Insulinwirkung
stark erhöhte Blutzuckerwerte (Blutglukose) und Ketonkörper
im Urin und Blut. Ketone sind Endprodukte des Fettabbaues (riechen wie
süßlich-fauliges Obst), Azidose meint Übersäuerung. Der vermehrte Fettabbau
wegen Insulinmangel führt dazu dass Betahydroxybuttersäure und Azetessigsäure
(wird durch Abspaltung von CO2 zu Azeton) in der Leber im Überschuss
produziert werden, dadurch entsteht die Übersäuerung. Blutzuckerwerte
liegen meist zwischen 300 mg/dl (16,7 mmol/l) und 1000 mg/dl (55,6 mmol/I). Ab
einem Blutzucker von 250 mg/dl sollten Diabetiker Ketonkörper im Urin bestimmen.
Wenn die Ketonkörper zweifach oder dreifach positiv sind muss der Diabetiker in
der Regel die doppelte Korrekturdosis spritzen, da Insulin bei Ketoazidose
vermindert wirksam ist. Ursache sind oft verspätet behandelte
Hyperglykämien (erhöhte Blutzuckerwerte, Infekte, Fieber, Alkoholgenuss,
Schlaganfälle, Herzinfarkte, Pankreatitis, Traumen, Blutzuckersteigernde
Medikamente (z.B. Kortison), unzureichende Blutzuckerkontrollen, zu viele
Kohlehydrate, zu wenig Insulin ( eine Spritze vergessen, defekte Pumpe,
Kortisoneinnahme, nicht mehr wirksames Insulin das beispielsweise im Kühlschrank
gefroren war oder in der Sonne lag, unzureichende Basalrate). Wenn ein Typ
1 Diabetiker sein Insulin weglässt, entwickelt sich regelmäßig eine Ketoazidose.
Selten sind auch quasi bewusst herbeigeführte Zustände mit Trinken von
Zuckerhaltigen Getränken und Weglassen des Insulins direkte Ursache. Meist sind
dann Persönlichkeitsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten vorbekannt. Am
gefährlichsten ist ein ketoazidotisches Koma als Erstmanifestation des Diabetes
m., letzteres passiert immer dann, wenn der Diabetes trotz eindeutiger Symptome
zu spät diagnostiziert wird. Viele Ketoazidosen entstehen durch mangelnde
Mitarbeit der Diabetiker bei der Insulinbehandlung, oft ist hier
psychotherapeutische Hilfestellung erforderlich. Es muss mit etwa 3000
Fällen pro Jahr in Deutschland gerechnet werden, in 99% bleibt die Ketoazidose
bei adäquater Behandlung ohne Folgen. Der Flüssigkeitsverlust beträgt
meist 5-7% der Körpergewichts sehr selten bis zu 15%. In der Behandlung wird
außer bei komatösen Patienten von 5-7% ausgegangen. Insulin hemmt normalerweise
den Fettabbau. Wenn kein Insulin zur Verfügung steht, können die Körperzellen
die im Blut vorhandene Glukose nicht nützen, als Energielieferant wird vermehrt
und rasch Fett abgebaut. Im Verlauf nimmt die Insulinwirkung ab. Entsteht
oft im Verlauf von Stunden bei schlecht eingestelltem Blutzucker, begünstigt
durch Infekte. Symptome: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Bauchweh,
Müdigkeit, Apathie, Appetitlosigkeit, Übelkeit,
Erbrechen, Hyperventilation,
Tachykardie (Herzklopfen), Kussmaul´sche Atmung,
Azetongeruch in der Atemluft. Im Zweifel ist bei den genannten Symptomen muss
immer der BZ und die Ketonkörper im Urin kontrolliert werden. Die Ketoazidose
kann in ein diabetisches Koma mit Bewusstlosigkeit einmünden. Im Zweifel ist bei
jeder Ketoazidose der Diabetologe hinzuzuziehen, im Zweifel auch immer
stationäre Behandlung, komatöse Patienten immer auf der Intensivstation.
Behandelt wird mit Insulin (initial meist 10-15 IE entsprechend etwa 20% der
Tagesbedarfes) und Flüssigkeit (1 Liter Wasser pro Stunde trinken), sowie
Elektrolyten, (Kalium, Natrium). Regelmäßige am besten stündliche BZ- Kontrollen
sind erforderlich. Diabetiker mit beginnender Ketoazidose sollten nicht alleine
bleiben. Wenn sich die Symptome nicht bessern muss der Notarzt oder der
Krankenwagen gerufen werden. Weitere Insulininjektionen alle 2 Stunden sind
meist erforderlich. Die Geschwindigkeit mit der im Krankenhaus in schweren
Fällen das Insulin und Salze sowie Flüssigkeit substituiert werden ist
Gegenstand der Diskussion. Gefürchtet ist die Komplikation eines Hirnödems,
zeigt sich im CCT oder NMR ein beginnende Hirnödem wird in der Klinik mit
hypertonen Mannitolinfusionen behandelt. CCT- Untersuchungen zeigen bei der
Ketoazidose häufig verengte Ventrikel bereits am Beginn der Behandlung, diese
werden als Ausdruck eines latenten Hirnödems gesehen, das allerdings meist
glücklicherweise folgenlos bleibt. Dieser Befund macht den Vergleich von Daten
verschiedener Studien schwierig, da die Definition des Hirnödems unterschiedlich
ist. Wesentlich in der Entwicklung ist das osmotische Gefälle zwischen dem
Intra- und Extrazellularraum und die Bluthirnschranke. Die Zellen des ZNS
(zentralen Nervensystems) schützen ihr Zellvolumen unter hyperosmolaren
Bedingungen in dem sie intrazellelulär osmotisch aktive Moleküle, so genannte
"idiogene Osmole" (Myo-inositol, N-Acetylaspartat, Cholin (einschließlich
Glycerophosphorylcholin), und Taurin) -- produzieren. Diese Moleküle
beeinträchtigen die Funktion der Hirnzellen nicht. Einmal gebildet, lösen
sich diese Moleküle nur langsam wieder auf. Bei zu schneller Reduktion der
Plasmaosmolalität durch Gabe von freiem Wasser unter diesen Bedingungen entsteht
ein Gradient der Wasser in die Hirnzellen zieht und so die Hirnzellen zum
Anschwellen bringt. Diese Pathophysiologie gilt sowohl für die hypernatraemische
Dehydratation als auch für die diabetische Ketoazidose. Eine wirkliche
Absicherung dieser Theorie durch kontrollierte Daten aus Studien fehlt
allerdings bisher. Besonders bei Kindern kann das Hirnödem bereits durch
die Ketoazidose an sich vorhanden sein, es scheint aber auch mit der
Geschwindigkeit der Substitution (meist empfohlen verteilt auf 48h)
zusammenzuhängen. Ein besonders hohes Risiko der Entwicklung eines Hirnödems
haben Kinder und Jugendliche die bei Aufnahme ins Krankenhaus eine hohe
Serumharnstoffkonzentration und eine Hypokapnie haben. Auch ein langsamer
Anstieg des Serumnatriums in Relation zum sinkenden Blutzucker unter Behandlung
soll auf dieses Risiko hinweisen. Dabei soll allerdings soweit kein
Blutdruckabfall vorliegt, das Serumnatrium langsam korrigiert werden. Die
Behandlung mit Bikarbonat und die zu großzügige Flüssigkeitszufuhr kann das
Risiko erhöhen. Allerdings gibt es auch Vermutungen, dass die hohe
Flüssigkeitszufuhr in Studien nur deshalb ein hohes Risiko bedeutetet, weil die
besonders ausgetrockneten Kinder im schlechten Zustand eine besonders schlechte
Prognose haben. Die initiale Serumglukosekonzentration oder deren Korrektur
spielt dagegen wohl keine Rolle. Das Hirnödem kann schon initial entstehen,
häufig entwickelt es sich aber erst einige Stunden nach Beginn der Behandlung,
zu einem Zeitpunkt, wenn der Blutzucker schon fällt und die Azidose teilweise
kompensiert ist. Ein Hirnödem entwickelt sich bei knapp einem Prozent
der Kinder mit einer Ketoazidose, es verläuft in fast einem Viertel der
Fälle tödlich, 35% behalten neurologische Folgeschäden. 70-80% der
Todesfälle von Kindern mit Diabetes unter 12 Jahren sind Folge des Hirnödems.
Beim nichtketotischen hyperosmolaren Koma des Diabetikers liegen im
Gegensatz zum ketoazidotischen Koma zwar hohe Blutzuckerwerte, aber kein
Ketonurie vor. Ein Behandlungsprotokoll der diabetischen Ketoazidose bei Kindern
ist von
Eric I. Felner, MD*
and
Perrin C. White, MD
2001 in Pediatric
veröffentlicht worden.
|
Diagnostische Kriterien für eine diabetische Ketoazidose oder ein
hyperglykämisches Koma |
| |
Mild |
Mäßig |
Schwer |
Hyperglykämie |
| Plasmaglukose
(mg/dl) |
>250 |
>250 |
>250 |
>600 |
| Arterieller pH
|
7,25–7,30 |
7,00–7,24 |
<7,.00
|
<7.30 |
| Serumbikarbonat (mEq/l) |
15–18 |
10-<15 |
<10 |
>15 |
| Urinketone |
Positiv |
Positiv |
Positiv |
niedrig Positiv |
|
Effektive Serumosmolalität (mOsm/kg) |
Variabel |
Variabel |
Variabel |
>320 |
| Anionen Gap |
>10 |
>12 |
>12 |
Variabel |
| Veränderungen der
Bewusstseinslage und der Wahrnehmung |
Wach |
Wach/leicht
benommen |
Stupor/Koma |
Stupor/Koma |
|
Hyperglycemic Crises in Patients With Diabetes Mellitus Diabetes
Care 2003 26: 109-117.
[Full Text]
|
|
|
N Engl J Med 2001;344:264-9.,A P C P Carlotti et al,
Importance of timing of risk factors for cerebral oedema during therapy for
diabetic ketoacidosis
Archives of Disease in Childhood 2003;88:170-173 Inward CD, Chambers TL.
Fluid management in diabetic ketoacidosis.
Arch Dis Child 2002;86:443–4, Lee JH, Arcinue E, Ross BD. Organic osmolytes
in the brain of an infant with hypernatremia.
N Engl J Med 1994;331:439–42 J A Edge et al,
The risk and outcome of cerebral
oedema developing during diabetic ketoacidosis Arch Dis Child 2001;85:16-22
Siehe
unter
Diabetes
mellitus und
HbA1c,
Hypoglykämie,
Polyneuropathie
|
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