
Kopfschmerzen Seite 13
Arteriitis temporalis,
Wenn Kopfschmerzen blind machen können. Um
schlimmes zu verhüten, muss bei Älteren an diese Krankheit immer gedacht werden.
Besonders
auch bei schweren Nackenschmerzen, Schulterschmerzen, und Schmerzen im
Beckengürtel bei Älteren sollte nicht nur an die Orthopädie und an Akupunktur
gedacht werden, sondern diese ernsthaft Erkrankung ausgeschlossen werden. - Vor
nicht reparable Schäden entstehen. - Die Patienten klagen oft, dass sie
morgens wegen der Schmerzen kaum aus dem Bett kommen. Manche brauchen hierbei
Hilfe. Sie können sich oft im Bett kaum drehen. Sie haben Schwierigkeiten beim
Kämmen, Anziehen, die Schwäche ist meist nur Ausdruck der Schmerzen. Manchmal
ist wegen der Schonung dennoch bereits eine Muskelverschmächtigung (-atrophie)
eingetreten. Letztere sollte nicht auf eine HWS- Schädigung geschoben werden.
Die meisten Autoren sehen in der Arteriitis temporalis oder
Riesenzellarteriitis und der Polymyalgia rheumatika 2 verschiedene
Manifestationen einer Erkrankung hiervon wird auch hier ausgegangen.
Die Arteriitis temporalis tritt bevorzugt nach dem 60igsten Lebensjahr auf,
sie ist bei Frauen 2x häufiger, mit 80 Jahren 10x häufiger als mit 60 Jahren.
Es handelt sich dabei um einen chronisch entzündlichen Prozess der großen
Blutgefäße. Sie befällt vor allem die mittleren und größeren Gefäßen des
Kopfes und Nackens, verursacht dort ein lymphozytisches Infiltrat, wobei sich
Riesenzellen um das Lumen einer durchbrochenen elastischen Gefäßschichtsammeln..
Sie ist auch als Riesenzellarteriitis oder Polymyalgia rheumatika bekannt. Die
Inzidenz (Neuerkrankungen) beträgt nach großen Studien für die über 50 jährigen
22- 24.2 pro 100 000 bei Frauen und 8.2 pro 100 000 bei Männern. Die Prävalenz
beträgt bei den über 50 jährigen 200 pro 100 000 und 1100 pro 100 000 bei den
über 85 jährigen. Unter Behandlung ist die Sterblichkeit nicht erhöht.
JAMA. 2002;287:92-101.
Die Ursachen sind noch nicht bekannt- es gibt aber Hinweise auf
Risikofaktoren. Ein besonders großes Risiko eine Riesenzellarteritis zu
bekommen haben nach einer Studie Raucher und Exraucher (odds ratio (OR) = 6.324
(95% Konfidenzinterval (CI), 3.503 - 11.418), p<0.0001); Untergewichtige
(eine Verminderung des Body mass index um .0 kg/m2 erhöhte in der Studie das
Risiko um 10% (OR = 0.898 (0.846 - 0.952), p = 0.0003); und Frauen mit Eintritt
der Menopause vor dem Alter von 43J. (OR = 3.521 (1.717-7.220), p = 0.0006).
(Annals of the Rheumatic Diseases 2006;65:529-532). Die Autoren nehmen an, dass
Östrogenmangel bei der Entstehung eine Rolle spielt.
Ein schwerer, andauernder, pulsierender, über Wochen zunehmender Kopfschmerz,
meist über einer oder beiden Schläfenarterien, ist das typischte Symptom. Das
Betroffene Gefäß ist dabei meist druckempfindlich, knötchenförmig verdickt und
oft pulslos, mitunter auch als geröteter Strang in der Schläfengegend tastbar.
Unspezifische Sehstörungen gehen oft dem Sehverlust voraus. Der Muskelschmerz
wird als vaskulärchemische Reaktion eingeschätzt, obwohl Muskelbiopsie und EMG
unauffällig bleiben. Klinisch finden sich weiterhin flüchtige
Gelenkknopelentzündungen besonders an Schulter-, Sternoklavikular- und
Kniegelenken, so dass die Abgrenzung zur im höheren Lebensalter mit ähnlichen
Symptomen beginnenden RA oftmals schwierig wird. Hinterkopfschmerzen mit
Druckempfindlichkeit können dabei sein. Schwellungen der Hände sind keine
Seltenheit, hierdurch kann auch ein Karpaltunnelsyndrom mit begünstigt werden.
Kieferschmerzen (Claudikatio) beim Reden, Kauen oder Schlucken entstehen
dadurch, dass auch die Gefäße der Kaumuskeln, der Zunge und des Gaumens
betroffen sein können. Es kann aber der ganze Körper betroffen sein.
Schilddrüsenunterfunktion, Blut im Urin, Hörverlußt, Husten, Heiserkeit, können
ebenso selten dabei auftreten, wie schwere Darmsymptome oder
Gebährmutterentzündungen. Leichtes Fieber ist häufig dabei.
Beidseitige
Hautnekrosen
am Schädel
(auch
unter den
Haaren)
kommen
vor, über
Verwechslungen
mit einem
Herpes
zoster
(Gürtelrose)
in solchen
Fällen
wird
berichtet. Die Diagnose ist
nicht immer einfach, die Allgemeinsymptome sind vieldeutig und bestehen in
Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, subfebrilen Temperaturen
und/oder psychischen Veränderungen sie können bei einer Vielzahl anderer
organischer oder psychiatrischer Erkrankungen vorkommen.
Deshalb muss auf jeden Fall eine Riesenzellarteriitis erwogen werden, wenn
bei einem älteren Patienten ein neuer, meist bohrender Kopfschmerz,
Sehstörungen, unklares Fieber mit oder ohne Muskelschmerz- Symptomatik auftreten
und eine erhöhte BKS gefunden wird.
Bei typischem Schmerz bei
älteren Patienten muss die
Blutkörperchen-Senkungs- Geschwindkeit (BKS) kontrolliert werden. Ist sie
deutlich erhöht, ist die Diagnose schon wahrscheinlich. In 4-13% (Durchschnitt
5% nach Literatur) der Fälle soll die BKS zu Beginn noch normal sein und erst im
Verlauf ansteigen. Andere Laborwerte wie ANA, Elektrophorese, Blutkultur und CK,
Leberwert, TSH dienen der Auschlussdiagnostik. Gesichert werden kann sie durch
mikroskopische Untersuchung eines betroffenen Gefäßes.
Eine Biopsie der Temporalarterien sollte vor
Beginn der Cortisontherapie stattfinden, ist aber bis zu 2 Wochen nach deren
Beginn noch positiv. Je eindeutiger der Tastbefund an den Temporalarterien, um
so einfacher ist es, histologisch die Diagnose zu sichern. Wenn keine
Druckschmerz vorhanden ist, und keine Verhärtungen tastbar sind, müssen manchmal
beiderseits längere Abschnitte der Arterien untersucht werden um einen Befund zu
erhalten. Bei Patienten mit Polymyalgia rheumatika ist die Biospsie nur dann
sinnvoll, wenn auch die Kopfarterien betroffen sind.
Die Krankheit muss bereits bei Verdacht behandelt werden,
da sonst erhebliche Komplikationen drohen. Am häufigsten
ist eine Erblindung. Es kann aber auch die Zunge absterben.....
Riesenzellen
histologisch |
Augenhintergrund
bei Arteritis |
Augenhintergrund
bei Arteritis |
|
|
Symptome der Arteriitis temporalis, |
- Schwere, pulsierende Kopfschmerzen
(77%)
- Sehstörungen, einschließlich
Verschwommensehen und Doppeltsehen, Halluzinationen, und Augen- und
Augenhöhlenschmerzen; Symptome die ohne Behandlung rasch in eine
Erblindung übergehen können (29%)
- Kieferschmerzen beim Reden, Kauen oder
Schlucken (51%)
- Fieber (26%)
- Berührungsempfindlichkeit der Kopfes
- allgemeines Krankheitsgefühl
- Morgensteifigkeit (34%)
- Arthritische Schmerzen
- Depression
|
|
Untypische Symptome die vorkommen
JAMA. 2002;287:2996-3000
ABSTRACT |
FULL TEXT |
PDF
|
Atemwegssymptome
trockener Husten, Halsweh, Zungenschmerzen, Gefühl zu Ersticken, unklares
Fieber
Wenn die großen Arterien betroffen sind
Claudikatio intermittens, Thorakale oder abdominale Aortenaneurysmen
Peripheres Nervensystem
Mononeuritis multiplex (Besonders am Plexus brachialis),
Zentralnervensystem Symptome
Schlaganfall, TIA, Demenz, Halluzinationen
Syndrom der inadäquaten ADH- Sekretion
Tumorartige Läsionen
Brustknoten
Ovarialzysten
Mikroangiopathische hämolytische Anämie
|
Die Behandlung beginnt wegen der Erblindungsgefahr bei Verdacht. 2–4
Wochen Behandlung mit Prednison 60 mg/Tag bringt die Beschwerden meist zum
Verschwinden. Nach Normalisation der BKS wird das Kortisonpräparat reduziert,
meist um 5 mg/Woche bis auf 40 mg/Tag, dann um 2 mg/Woche bis auf 20
mg/Tag, dann um 1 mg/Woche, weiterhin unter Kontrolle des Ansprechens. Mit einer
solchen Behandlung können die oft schlimmen Komplikationen meist verhindert
werden. Behandelt werden muss meist 2-3 Jahre (dann ist es meist ausgeheilt).
Manchmal reichen aber Monate, seltene Verläufe bis zu 5 Jahren sind berichtet
worden. Manchmal wird bei Unverträglichkeit für Kortison , Methotrexat, oder
Azathioprin eingesetzt. Eine neue Studie sieht allerdings keinen eindeutigen
positiven Effekt von Methotrexat.(
Hoffman GS et al.) Angesichts des Nebenwirkungsprofils ist diese Behandlung
deshalb nur bedingt zu empfehlen. Bei Ausschleichen wird versucht den
optimalen Kompromiss zwischen Kortisonnebenwirkungen und Risiko des Rückfalls zu
finden.
|
Klassifikationskriterien der Riesenzellarteritis |
| 1. Alter über 50 Jahre |
| 2. Neu aufgetretener
Kopfschmerz |
| 3. Palpabel veränderte A.
temporalis oder Pulsabschwächung, Dabei druckschmerzhaft und nicht durch
eine Arteriosklerose der Halsarterien
erklärt |
| 4. BKS >50 mm/h |
| 5. Histologisch granulomatöse
Veränderung |
| Eine RZA ist gesichert, wenn 3
von 5 Kriterien erfüllt sind |
| Sensitivität 93%, Spezifität
91 % |
| Hunder GG, Bloch DA, Michel
BA, Stevens MB, Arend WP, Calabrese LH, et al. The American College of
Rheumatology 1990 criteria for the classification of giant cell arteritis.
Arthritis Rheum 1990;33:1122-8. |
Der Terminus Polymyalgia rheumatika wurde 1957 von Barber eingeführt. Es wird
eine Inzidenz von bis zu einem Fall pro 133 Personen über 50 Jahren angenommen.
Die Manifestation als Polymyalgia rheumatika ist damit deutlich häufiger als die
Manifestation als Arteriitis temporalis (17,8 Fälle/100 000 über 50 Jahre).
Allerdings gehen Autopsiestudien von einer wesentlich höheren Inzidenz der
Arteriitis temporalis aus als dies nach den Angaben der klinischen Studien der
Fall ist.
Ist die
Diagnose
einmal
gestellt,
sollte
auch
langfristig
überwacht
werden.
Vor allem
die
Komplikationen
an den
großen
Arterien
treten oft
erst nach
Jahren
auf.
Etwa einer
von fünf
Patienten
muss mit
einem
Aortenaneurysma
oder einer
Dissektion,
einer von
acht mit
einer
Stenose
einer der
großen
Arterien
rechnen.
Symptome
die auf
eine
Beteiligung
der großen
Arterien
hinweisen
können
Schlaganfälle,
TIAs,
ungleicher
Blutdruck
an den
Armen,
etc. sein.
David B.
Hellmann,
Update in
Rheumatology,
Ann Intern
Med.
2004;141:801-804.
http://www.annals.org/cgi/reprint/141/10/801
|
Diagnostische Kriterien für eine Polymyalgia Rheumatika |
| Referenz
|
Kriterien
|
|
| Bird HA,
Esselinckx W, Dixon AS, Mowat AG, Wood PH. An evaluation of criteria
for polymyalgia rheumatica. Ann Rheum Dis 1979;38:434-9.
|
3 der folgenden oder
mindestens eines der folgenden und eine positive eindeutige Biopsie
der Temporalarterie:
Beidseitiger Schulterschmerz/ oder Steifigkeit
Anstieg der Symptome in maximal 2 Wochen zum Symptommaximum
BKS >40 mm/h
Morgensteifigkeit länger als eine Stunde
Patient älter als 65 Jahre
Depression und/oder Gewichtsverlust
Bilaterale Schmerzhaftigkeit der Oberarme
|
 |
| Jones JG,
Hazleman BL. Prognosis
and management of polymyalgia rheumatica.
Ann Rheum Dis 1981;40:1-5.
|
Alle der folgenden:
Schulter und Beckengürtelschmerzen ohne Schwäche
Morgensteifigkeit
Symptomdauer mehr als 2 Monate wenn nicht behandelt wird.
BKS >30 mm/h
oder C-reactives Protein höher als 6 mg
per L
Keine rheumatoide Arthritis, Entzündliche Arthritis oder kein
Malignom
keine objektiven Zeichen einer Muskelerkrankung
Promptes und dramatisches Ansprechen auf eine systemische
Corticosteroidbehandlung |
Chuang T-Y, Hunder GG,
Ilstrup DM, Kurland LT. Polymyalgia rheumatica:a 10-year
epidemiologic and clinical study. Ann Intern Med 1982;
97:672-80.
|
Alle der folgenden:
Alter über 50 Jahre
Bilaterale Schmerzen und Steifigkeit für mindestens einen
Monat oder mehr an mindestens
2 der folgenden Regionen: Nacken oder Torso,
Schultern oder Oberarme, und Hüften oder Gesäß- und
Oberschenkelregion
BKS >40 mm/h
Ausschluss einer anderen Erkrankung |
|
Healey LA. Long-term
follow-up of polymyalgia rheumatica: evidence
for synovitis. Semin Arthritis Rheum 1984;13:322-8. |
Alle der folgenden:
Anhaltende Schmerzen für mindestens
einen Monat oder mehr an mindestens
2 der folgenden Regionen: Nacken, Schulter und Beckengürtel,
Morgensteifigkeit, die mehr als eine Stunde anhält. Schnelles
Ansprechen auf Prednison (>20
mg/Tag), Ausschluss einer
anderen Erkrankung die
muskuloskeletal Symptome
verursacht, Alter über 50 Jahre, BKS >40 mm/h |
|
Przygoda P, Catoggio LJ, Soriano ER, Imamura PM, Camera LA, Kaplan
R, Mayorga LM.[Polymyalgia rheumatica
revisited]
Medicina (B Aires). 2002;62(4):358-64. Review. |
Alter über 50 Jahre
erhöhte BKS, gutes Ansprechen auf Prednison, nicht unbedingt
Biopsie, meist Besserung nach 12-24 Monaten |
|
|
|
Differential- Diagnosen der
Polymyalgia Rheumatika und ArteriitisTemporalis |
Polymyalgia
rheumatika
Krebserkrankungen
Cervikale Spondylose
Rheumatoide Arthritis
Bindegewebserkrankung
Myelom
Leukämie
Knochenerkrankung oder Osteomyelitis
Hypothyreoidismus
Miliartuberkulose
Endokarditis |
Arteriitis
temporalis
Zahnleiden
Trigeminusneuralgie(Anamnese!!)
Sinusitis
Otologische Erkrankungen
Netzhautgefäßschäden
andere Erkrankungen mit
Ophthalmoplegie |
| Swannell AJ.
Polymyalgia rheumatica and temporal arteritis: diagnosis and
management. BMJ 1997;314:1329-32 |
|
|
Wichtige Differentialdiagnosen der
Polymyalgia rheumatica |
|
Erkrankung |
Unterscheidungskriterien |
|
Alters-RA |
chronisch-symmetrische Synovialitiden, überwiegend die distalen (vom Stamm
entfernten) Gelenke betreffend,
chronisch-erosive Gelenkveränderungen im Röntgenbild,
Rheumafaktor-Nachweis |
| Fibromyalgie |
fehlende
systemische Entzündungszeichen
klinischer Nachweis typischer Druckpunkte |
| Para- oder
postinfektiöse Myalgien |
flüchtige
Myalgien (Virusinfekte),
Virustiter (z.B. Influenza, Röteln, Hepatitis)
Bakterienserologie (z.B. Gruber-Widal,
Lyme Borreliose, AST, Chlamydien) , |
| Bakterielle
Endokarditis |
Blutkulturen,
Echokardiogramm |
| Paraneoplastische
Syndrome |
Tumornachweis evtl. Glucocorticoidversuch,
auch hier Fieber, Gewichtsverlust, möglich |
| Polymyositis/
Dermatomyositis |
Muskelschwäche
stärker als Myalgien ausgeprägt
Muskelenzyme (CK, GOT) erhöht
Elektromyogramm pathologisch
Muskelbiopsie diagnoseweisend, Hautausschlag |
| Kollagenosen (SLE) |
Autoantikörper
(ANA) positiv
Komplementstatus verändert
Multiorganbefall (Haut, Nieren, Lunge, ZNS) |
| Systemische
Vaskulitiden |
Autoantikörper
(z.B. ANCA) positiv
Kryoglobuline, Komplement-Verminderung
Multiorganbefall
Haut-, Muskelbiopsie |
| Plasmozytom |
Immunelektrophorese, Bence-Jones-
Proteine, Beckenkammbiopsie, röntgenologische
Skelettveränderungen |
|
Schilddrüsenerkrankungen |
T3, T4, TSH,
Schilddrüsen- Autoantikörper |
| M. Parkinson |
Muskelsteifigkeit
(Rigor), Gangstörung, typische Körperhaltung, langsamer Beginn |
| Nach
http://www.rheumanet.org/qs_dgrh/ Deutsche Gesellschaft für
Rheumatologie Kommission für Qualitätssicherung Sept. 2000, C. J
Michet and E. L Matteson Polymyalgia rheumatica BMJ, April 5, 2008;
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Text]
[PDF] |
Vorstellungen zur Entstehung:
Die Krankheit tritt in Skandinavien und bei Menschen, die von dort stammen,
häufiger auf. Genetische Faktoren werden hierfür verantwortlich gemacht. Ein
Zusammenhang mit Infekten wurde häufiger angenommen, konnte aber nie wirklich
bestätigt werden. Molekularbiologische Verfahren konnten in den letzten
Jahren zur Aufklärung der RZA beitragen. Das aktuelle Krankheitsmodell geht
davon aus, dassdie Vaskulitis Folge einer Antigenerkennung durch T-Zellen in der
Gefäßwand ist. Krankheitsrelevante T-Zellen mit identischer
T-Zell-Rezeptor-Struktur konnten reproduzierbar aus Arterien verschiedener
Patienten isoliert werden. Diese T-Zellen produzieren Interferon-gamma,werden
lokal in der Arterie aktiviert und kommen nur in der Adventitia vor. Diese
Befunde sprechen dafür, daß das Antigen in der Adventitia lokalisiert ist und
dort von T-Zellen erkannt wird, die die Gefäßwand von den Vasa vasorum aus
infiltrieren. Die eigentliche Gewebszerstörung erfolgt durch verschiedene
Makrophagensubpopulatioen in den einzelnen Wandschichten.
Eine erhöhte Krebsinzidenz scheint bei diesen Krankheiten nach neueren
Studien (398 Patienten über 11 Jahre) nicht zu bestehen.
- Carlo Salivarani, F. Cantinini et al, POLYMYALGIA
RHEUMATICA
AND GIANT-CELL
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