Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Kopfschmerzen Seite 7

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Die Behandlung der Migräneattacke

 

In der Therapie der Migräne spielt der Placebofaktor bekanntlich eine beträchtliche Rolle und wird von vielen Autoren nahezu übereinstimmend in einer Größenordnung von etwa 40% eingeschätzt. (Diener HC, Brune K, Gerber WD, Göbel H, Pfaffenrath, V. Behandlung der Migräneattacke und Migräneprophylaxe. Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Nervenheilkunde 1997; 16: 500-10. ) Erfolgskriterien für eine erfolgreiche Behandlung einer Migräneattacke ist eine Besserung der Kopfschmerzen von schwer oder mittelschwer auf leicht oder Kopfschmerzfrei innerhalb zwei Stunden nach Applikation des entsprechenden Präparates und eine reproduzierbare Wirkung bei 2 von 3 Migräneattacken.

Bei leichten bis mittelschweren Attacken: Kombination von Antiemetika also Medikamenten gegen Übelkeit (z. B. Metoclopramid 10–20 mg als Supp. oder p. o., z. B. Paspertin®, bzw. Domperidon 10 mg p. o., z. B. Motilium®) mit 1000–1500 mg Acetylsalizylsäure (als Brause- oder Kautablette), oder Paracetamol 1000mg, alternativ 400–800 mg Ibuprofen oder 250 mg Naproxen. Ausweichmedikation: 500–1000 mg Metamizol p. o.  Die Vorbehandlung mit einem Antiemtikum wie Metoclopramid oder Domperidon ist nötig, um die im Migräneanfall erlahmte Magen- und Darmbeweglichkeit anzuregen und damit die Aufnahme des Schmerzmittels aus dem Darm zu fördern.

Die Kombination der ersten Wahl bei leichten bis mittelschweren Migräne Attacken:
Wirksamkeit nur bei frühzeitiger Einnahme
Medikament gegen Übelkeit (auch wenn keine empfunden wird) Metoclopramid 10–20 mg als Supp. oder p. o., z. B. Paspertin®, bzw. Domperidon 10 mg p. o., z. B. Motilium®
Einfaches Analgetikum kein Mischpräparat, ausreichende Dosis 1000–1500 mg Acetylsalizylsäure (als Brause- oder Kautablette), oder Paracetamol 1000mg, alternativ 400–800 mg Ibuprofen oder 250 mg Naproxen.

Das preisgünstige und bei Erwachsenen gut verträgliche Magenmittel Metoclopramid ist im Hausgebrauch wie auch in der Notfalltherapie der Klink und Praxis oft Schmerzmitteln und Triptanen ebenbürtig.

Metoclopramid wurde primär als Medikament gegen Übelkeit und um die Aufnahme der Schmerzmittel durch den Magen- Darmtrakt zu beschleunigen verabreicht. Inzwischen ist eindeutig, dass die Substanz eine eigene gute Wirksamkeit bei Migräne hat.  Metoclopramid ist nach einer neuen Metaanalyse auch für sich alleine wirksam in der Behandlung einer leichten bis mittelschweren Migräne Attacke. Bei Erwachsenen ist  Metoclopramid meist gut verträglich, bei Kindern und Jugendlichen, seltener auch bei (sehr) jungen Erwachsenen ist Vorsicht geboten wegen dem vermehrten Auftreten von Dyskinesien.  Auch in der Notfallbehandlung der Migräne in der Klinikambulanz zeigt sich Metoclopramid intravenös gegeben, der subcutanen Gabe von 6 mg Sumatriptan ebenbürtig. Ian Colman, Michael D Brown, Grant D Innes, Eric Grafstein, Ted E Roberts, Brian H Rowe Parenteral metoclopramide for acute migraine: meta-analysis of randomised controlled trials BMJ  2004;329:1369-1373, doi:10.1136/bmj.38281.595718.7C (published 18 November 2004) [Abstract] [Abridged text] [Abridged PDF] [Full text] [PDF] B. W. Friedman et al.,  A trial of metoclopramide vs sumatriptan for the emergency department treatment of migraines, NEUROLOGY 2005;64:463-468

Ob die notfallmäßige Kortisongaben bei Migräne einen Nutzen hat, ist bisher strittig. Die Studienergebnisse sind widersprüchlich. Möglicherweise sinnvoll ist die i.v. Kortisongabe bei länger als 72 Stunden anhaltenden Migränezuständen. Die Plazebobesserungsraten in Studien, bei denen Notfallpatienten i.v. Dexamethason 10-24mg erhielten oder Plazebo waren sehr groß. B.W. Friedman et al, Randomized trial of IV dexamethasone for acute migraine in the emergency department, Neurology 2007;69 epub ahead of publication.
 

Migränemittel zur Einnahme bei der Attacke mit typischer Dosierung (Beispiele) (Keine Haftung, informieren Sie sich bei dem Arzt der Sie und ihre gesundheitlichen Probleme kennt über das für Sie geeignete Medikament und Ihre speziellen Risiken.) Paracetamol +  Metoclopramid 500 -1000 mg + 30 mg M. (absolutes Maximum 3000mg Paracetamol/Tag bei einem gesunden Erwachsenen)
Ibuprofen 400 -1200 mg
ASS + Metoclopramid 1000 mg +10 mg (Vorsicht Aspirin ist für Asthmatiker, Kinder und Magenempfindliche nicht geeignet.)
Naproxen 750 mg
Diclofenac 50 mg
Sumatriptan 25-100 mg Vorsicht bei vorheriger Ergotamin- Einnahme verboten, Vorsicht bei Herzkrankheiten.
Warum Ergotamine heute nicht mehr oder nur noch sehr selten und überwacht eingesetzt werden:. Bei der Therapie mit Ergotalkaloiden war größte Vorsicht geboten! Die zu häufige Einnahme von Ergotalkaloiden konnte sehr schnell die Migräneattacken in ihrer Häufigkeit und Intensität verschlimmern! Sehr leicht konnte ein ständiger, täglicher Kopfschmerz entstehen, ein sogenannter medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz.

Bei Absetzen entsteht ein sogenannter Entzugskopfschmerz und die Betroffenen müssen deshalb ständig weiter und mit der Zeit mehr und mehr Ergotalkaloide einnehmen, um nicht einen Entzugskopfschmerz zu erleiden. Bei Dauertherapie konnten auch sehr schwere Durchblutungsstörungen in den verschiedenen Körperorganen auftreten, meist zunächst in den Armen und Beinen. Die Durchblutungsstörungen konnten sogar sehr ernste Folgen haben, bis hin zum tödlichen Verlauf mit Herzinfarkt oder Absterben von Teilen des Darmes aufgrund mangelnder Durchblutung, weil eine dauernde Gefäßverengung verursacht wurde. Nach : Forschungsergebnisse der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft Ergotamine und Triptane — pro und contra Prof. Dr.med. Hartmut Göbel

Die neuen Triptane sind besser verträglich aber:

sie dürfen nicht eingesetzt werden wenn- keine ausreichende ärztliche Voruntersuchung einschließlich Blutdruckmessung und Elektrokardiogramm, sowie individueller Beratung vorgenommen wurde. Dies gilt auch gerade für den erstmaligen Einsatz in der Notfallsituation bei schweren Migräneattacken.

-andere Therapiemöglichkeiten zur Vorbeugung und Akutbehandlung von Migräneattacken noch nicht systematisch, individuell ausprobiert worden sind.

-ein medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz besteht. Das Risiko eines medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes ist bei Triptanen größer als bei normalen Schmerzmitteln

-Gegenanzeigen bestehen, wie zum Beispiel ein Zustand nach Herzinfarkt, Zustand nach Schlaganfall, andere Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Leber- oder Nierenerkrankungen Nach : Forschungsergebnisse der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft Ergotamine und Triptane — pro und contra Prof. Dr.med. Hartmut Göbel

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Auch Rezeptfreie Kopfschmerztabletten können schwerste Nebenwirkungen haben, sie sollten gerade bei den Arzneimitteln, die Sie selbst frei kaufen können den Beipackzettel besonders sorgfältig lesen und wie es die Werbung empfiehlt Ihren Arzt fragen. Wer weiß schon, dass Aspirin Asthmaanfälle auslösen kann oder bei Kindern eine lebensgefährliche Hautkrankheit auslösen kann. Paracetamol kann bei Überdosierung eine akutes Leberversagen auslösen.....

UAW Aspirin: Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Ulzera, Blutungen; Analgetika-Intoleranz (Rhinitis, Bronchospasmus), insbes. bei Patienten mit Asthma, Nasenpolypen; Urtikaria, Leber- und Nierenfunktionsstörungen

IA Aspirin: Erhöhtes Blutungsrisiko mit Antikoagulanzien, erhöhte Gefahr von Magen-Darm-Ulzera mit Glucocorticosteroiden, Wirkungsabschwächung von Antihypertensiva/ Diuretika, Toxizitätserhöhung von Methotrexat, Wirkungsverminderung von Probenecid, Sulfinpyrazon,

.... Wichtig ist also auch hier vorher Ihr spezielles Nebenwirkungsrisiko abzuschätzen und das Medikament hiernach auszuwählen.

Risikoprofil für Magenblutungen (Wann besonderer Magenschutz besonders bei Älteren)
Aspirin oder nichtsteroidalen Antirheumatika sind für über 80 Prozent aller Ulkusblutungen des älteren Menschen verantwortlich.
Andere Risikofaktoren
orale Antikoagulantien 7,8
Ulkusanamnese 3,8
Herzinsuffizienz 5,9
orale Corticosteroide 2,7
Diabetes mellitus 3,l
Raucheranamnese 1,6
Weil 5, Langmann MJS, Wainwright P et al.: Peptic ulcer bleeding: accessory risk, factors and interactions with non-steroid atiinflammatory drugs. Gut 2000; 46:[Abstract].
Zu den Nebenwirkungen von Ass siehe auch: The Dutch TIA Trial Study Group. A comparison of two doses of aspirin (30 mg vs 283 mg a day) in patients after a transient ischemic attack or minor ischemic stroke.N Engl J Med. 1991;325:1261-1266.MEDLINE und UK-TIA Study Group.The United Kingdom transient ischaemic attack (UK-TIA) aspirin trial: final results.J Neurol Neurosurg Psychiatry.1991;54:1044-1054.MEDLINE

"Endlich Migräne-Stopper da!" Es ist kein wesentlich anderer Effekt als mit bisherigem Acetylsalizylsäure -Präparaten zu erwarten. In der  Aspirin®Migräne Studie mit 374 Migräne-Patienten, wurde bestätigt, dass Acetylsalicylsäure (ASS) in einer magenfreundlichen Brauseformulierung bei Migräne-Kopfschmerz wirksamer ist als Placebo. Obwohl kein Antiemetikum gegeben wurde, sprachen 55 Prozent der Patienten auf die Therapie mit zwei Tabletten Aspirin® Migräne mit je 500 Milligramm ASS an.  Auf Placebo haben mit 36,8 Prozent signifikant weniger angesprochen. Als Therapie-Erfolg galt: Rückgang der Kopfschmerzen vom Schweregrad stark oder mäßig stark auf leichte oder keine Schmerzen zwei Stunden nach Präparat-Einnahme. Nebeneffekte wie Übelkeit, Erbrechen oder Licht- und Lärmempfindlichkeit seien zum Teil um mehr als 50 Prozent reduziert worden. "

Kombinationspräparate wie die Dreierkombination aus ASS, Paracetamol und Koffein (Thomapyrin®) sind möglicherweise besser als ihr Ruf. es ist inzwischen umstritten, ob sie häufiger als Monopräparate zu Abhängigkeit (Analgetika induzierten Kopfschmerzen) führen. (US-Headache Consortium 7/2000ein von der US-amerikanischen neurologischen Gesellschaft zusammengestelltes interdisziplinäres Gremium. In dieses Gremium sind Experten aus sieben medizinischen Organisationen, zum Beispiel aus der American Headache Society und der National Headache Foundation berufen worden. Große Studien sind allerdings noch im Gange endgültige Ergebnisse werden erst in 2 Jahren vorliegen.). Bis dahin und dennoch gilt bisher möglichst keine Kombinationspräparate. 

Bei schweren Migräneattacken oder bei Versagen dieser Therapieoptionen

(Nur bei sieben Prozent der Migräne-Attacken sind Triptane notwendig.)  

Behandlung mit den sog. Triptanen, die neben der Hemmung der neurovaskulären Entzündung auch eine vasokonstriktorische Wirkung haben. Zur Zeit sind mit Sumatriptan (Imigran®), Naratriptan (Naramig®), Zolmitriptan (AscoTop®) und Rizatriptan (Maxalt®) vier Triptane im Handel; im nächsten Jahr soll noch Eletriptan dazukommen. Hauptproblem der Triptane ist neben dem hohen Preis häufig das Wiederauftreten der Kopfschmerzen (im Durchschnitt zwischen 20 und 40% der Patienten) nach zwölf bis 24 Stunden. Daneben gelten für die Triptane einige Kontraindikationen wie Co-Medikation mit Ergotaminen, koronare Herzkrankheit, Herzinfarktanamnese, Herzrhythmusstörungen, schwere Leber- und Niereninsuffizienz sowie schwere unbehandelte arterielle Hypertonie.  Im Vergleich zwischen 10 mg Rizatriptan und 50 mg Sumatriptan zeigen sich eine etwas raschere Wirkung und eine etwas bessere Wirkung von Rizatriptan im Verhältnis zu Sumatriptan. Bei den Nebenwirkungen bestehen lediglich geringe Unterschiede. Da Rizatriptan seltener zu einem Engegefühl im Bereich der Brust führt, sollte es Patienten gegeben werden, die unter diesen Nebenwirkungen nach Sumatriptan leiden. Rizatriptan hat eine höhere Durchgängigkeit durch die Blut-Hirn-Schranke, was erklärt, warum es häufiger zu Müdigkeit und unsystematischem Schwindel führt. (Goldstein J, Ryan R, Jian K, et al., and the Rizatriptan Protocol 046 Study Group. Crossover comparison of rizatriptan 5 mg and 10 mg versus sumatriptan 25 mg and 50 mg in migraine. Headache 1998;38:737­47.)   Naratriptan ist als einziges Triptan weniger wirksam als die anderen Triptane und hat auch einen langsameren Wirkungseintritt (Goadsby PJ. A triptan too far? J Neurol Neurosurg Psychiatry 1998;64:143­7. ). Bei Prophylaxe mit einem Betablocker sollte die halbe Dosis der Triptane gegeben werden.

Sie dürfen das Triptan nicht schon nehmen, wenn sie die ersten Anzeichen einer Migräne zu verspüren glauben (im Gegensatz zur Einnahme von normalen Schmerzmitteln) und auch nicht bei einer beginnenden Aura. Eine solche prophylaktische Einnahme zählt zu den häufigen Fehlern der Migränetherapie, und damit wird die Wirkung der Triptane verspielt. Erst wenn die Migräneattacke sicher beginnt, ist das Triptan am Platz. Eine zu späte Einnahme beeinträchtigt ebenfalls die Wirkung. Der Patient muss also den optimalen Einnahmezeitpunkt herausfinden. Dies gelingt meist nach zwei bis drei Attacken.

Wenn einfache Schmerzmittel mit Antiemetikum nicht ausreichen.

Substanz Dosis Nebenwirkungen Kontraindikationen Besonderheit
Sumatriptan
(Imigran®)
25 - 100 mg
25 - 100 mg p.o.
6 mg s.c.
25 mg Supp
10 - 20 mg nasal
Druck-, Wärme-, Schwere-
Druck-, Wärme-,Schweregefühl,
"Brustschmerzen", Kältegefühl, Lokalreaktion an der Injektionsstelle, Atemnot, allgemeines Schwächegefühl
Hypertonie, KHK, Angina
Hypertonie, KHK, Angina pectoris, Myokardinfarkt, M. Raynaud, AVK, Schwangerschaft, Stillzeit, <18 und >65 J.
Prophylaxe mit DHE oder Methysergid, Ergotaminmißbrauch, Migräneaura (Kein Patient sollte sowohl Ergotamine als auch Triptane im Arzneischrank haben)
 
Zolmitriptan
(Ascotop®)
2,5 - 5 mg p.o. Schwindel, Benommenheit Wärmegefühl, Schwäche, Mundtrockenheit, Schweregefühl, "Brustschmerzen", Engegefühl im Hals wie Sumatriptan
WPW-Syndrom
Lipophil und damit ZNS- gängig, spezifischer als Sumatriptan (5-HT1B und 5-HT 1D Rezeptoren)
Naratriptan
(Naramig®)
2,5 - 5 mg p.o. Müdigkeit, Parästhesien, Engegefühl der Brust wie Zolmitriptan

lange Halbwertszeit und damit lange Wirksamkeit- Wiederkehren der Kopfschmerzen innerhalb der Attacke am seltensten, seltener Nebenwirkungen, aber  auch etwas weniger wirksam als Sumatriptan

Rizatriptan
(Maxalt®)
5 - 10 mg p.o. bzw. Maxalt lingual wie Sumatriptan wie Sumatriptan;
bei Propanolol-Medikation
nur 5 mg Rizatriptan
höhere Wirksamkeit, schnellerer Wirkungseintritt, als Sumatriptan
Eletriptan

(Relpax®)

  wie Sumatriptan noch nicht zugelassen soll am wirksamsten sein, aber auch am häufigsten Nebenwirkungen haben.
  Nach: Gibt es eine differentielle Indikation für Triptane bei der Migräneattacke?
Volker Pfaffenrath  

 


 

 

Pharmakokinetik der Triptane  für die Behandlung schwerer Migräne Attacken

Drug
Zufuhr
Wirkungseintritt
Wirkungsmaximum
Bioverfügbarkeit
Dosis 
Maximal Dosis
Schmerzfrei nach 2 Stunden  Verum- Placebo (%) Wiederauftreten von Kopfsschmerzen nach 2 Stunden
 
 
(nach Minuten)
(nach Minuten)
(%)
(mg)
(mg)
   
Sumatriptan (Imigran®) subcutan Spritze 15 12 97 6 12 22 28-35

 

Sumatriptan (Imigran®) Nasenspray 15-20 60-90 17 5 bis 20 40 22 28-35

 

Sumatriptan (Imigran®) Tablette 30-90 150 15 25 bis 100 200 22 28-35

 

Zolmitriptan (Ascotop®) Tablette 60 120 40 1.25 bis 5 10 16-23 24-37
Naratriptan (Naramig®) Tablette 60-180 180-240 70 1 bis 2.5 5 15 22-29
Rizatriptan (Maxalt®) Tablette 30-120 60-90 45 5 bis 10 30 22-31 37-43
Almotriptan (Almogran®) Tablette 60-180 90-240 70 6.25 bis 12.5 2    
Frovatriptan (Allegro®) Tablette 120 120-240 20 2.5 bis  5 7.5    
Eletriptan (Relpax®) Tablette 60 60 50 40 160 27-31 26-36
Modifiziert nach Marcus Ferrone, B.S., M.S., Pharm.D. cand. Susannah E. Motl, Pharm.D Current Current Pharmacotherapy for the Treatment of Migraine  U.S. Pharmacist, March 2003, Ferrari MD. The war of the triptans. In: EFNS Conference; 1999; Lisabon; 1999.Diener et al. Therapie der Migräneattacke und Migräneprophylaxe, Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft    
Kontraindikationen für Triptane: Hypertonie, koronare Herzerkrankung, Angina pectoris, Myokardinfarkt in der Vorgeschichte, M. Raynaud, arterielle Verschlußkrankheit der Beine, TIA oder Schlaganfall, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder, Alter >65 Jahre, schwere Leber- oder Niereninsuffizienz, multiple vaskuläre Risikofaktoren
wichtigste Nebenwirkungen der Triptane: Engegefühl im Bereich der Brust und des Halses, Parästhesien der Extremitäten, Kältegefühl, Lokalreaktion an der Injektionsstelle, erhöhtes Risiko medikamenten- induzierter Kopfschmerzen.
 

Die Behandlungsstrategien für Migräne werden sich möglicherweise ändern.

Mindestens 3 Behandlungsstrategien werden bisher für akute Migräneattacken vorgeschlagen:  stufenweise Behandlung von einer Attacke zur nächsten mit steigernder analgetischer Potenz,  stufenweise Behandlung innerhalb einer Attacke mit steigernder analgetischer Potenz, und eine von vornherein an den Schweregrad angepasste Therapie. 

Die Ergebnisse einer neuen internationalen Studie mit  835 Migränepatienten sprechen für eine von Anfang an besser angepasste Behandlung. In der Studie wurden 3 Behandlungsverfahren für jeweils 6 Migräneattacken pro Patient verglichen.

Bei stufenweise Behandlung von einer Attacke zur nächsten fangen die Patienten mit nicht spezifischer Therapie an  (einfaches oder Kombinationsanalgetikum wie Aspirin oder Paracetamol). Falls bei mehreren Attacken dies zu unbefriedigenden Ergebnissen führt, geht er wieder zum Arzt und es wird eine Steigerung zu einem wirksameren Schmerzmittel oder Vorgehen besprochen. Dieser Prozess wird wiederholt bis sich befriedigende Ergebnisse einstellen. Dieses Konzept wird bisher in den meisten Behandlungsrichtlinien empfohlen. Es hat Vor- und Nachteile. 

Bei der stufenweisen Behandlung innerhalb einer Attacke mit steigernder analgetischer Potenz und Spezifität wird zunächst während der Attacke mit einem einfachen Analgetikum angefangen. Es wird besprochen, dass wenn dieses nach einer festgelegten Zeit (meist 2 Stunden) nicht wirkt zur nächsten Stufe übergegangen wird- meist spezifischen Migränemedikamenten. Bei dieser Strategie haben die Patienten von vorneherein eine Handhabe für einen unzureichenden Behandlungserfolg.

Bei von vornherein an den Schweregrad angepasster Therapie wird bereits bei der ersten Einnahme je nach Schweregrad aus der gesamten Palette selektiert.

In einer  Studie wurden die 3 Verfahren verglichen.

bei an den Schweregrad angepasster Therapie erhielten die Patienten
mit Grad II Kopfschmerzen Aspirin, 800 bis 1000 mg (je nach Land), plus Metoclopramid, 10 mg, als Akutbehandlung für die Migräneattacken. Bei  Grad III oder IV Kopfschmerzen erhielten sie Zolmitriptan, 2,5 mg,  als sofortige Akutbehandlung.  

Bei stufenweise Behandlung von einer Attacke zur nächsten
behandelten die Patienten ihre Kopfschmerzen während der ersten 3 Attacken   mit Aspirin, 800 bis 1000 mg (je nach Land), plus Metoclopramid, 10 mg . Die die keinen befriedigenden Behandlungserfolg erzielten wurden angewiesen zu nächsten Schritt Zolmitriptan, 2,5 mg,  als sofortige Akutbehandlung für die nächsten Attacken überzugehen. Die anderen sollten bei Aspirin und Metoclopramid bleiben.  

Bei der stufenweisen Behandlung innerhalb einer Attacke
behandelten die Patienten ihre Kopfschmerzen zunächst mit  Aspirin, 800 bis 1000 mg (je nach Land), plus Metoclopramid, 10 mg . Die die nach 2 Stunden keinen befriedigenden Behandlungserfolg erzielten wurden angewiesen zu nächsten Schritt Zolmitriptan, 2,5 mg, zusätzlich einzunehmen. . Die anderen sollten bei Aspirin und Metoclopramid bleiben.  

Resultat der Studie:  Der Erfolg bei von vorneherein bei an den Schweregrad angepasster Therapie war nach 2 Stunden (wie eigentlich zu erwarten) signifikant besser,(52.7%) gegenüber den beiden anderen Gruppen  (40.6%; P<.001) oder   (36.4%; P<.001).  Die Ausfallzeiten waren ebenfalls bei diesen 6 Attacken in dieser Gruppe signifikant geringer. Allerdings waren auch die Nebenwirkungen signifikant häufiger (321 Ereignisse) gegenüber  (159 oder  217 in den beiden anderen Gruppen), die meisten Nebenwirkungen wurden als mild bis mäßig in ihrer Intensität beschrieben.

Eine von vorneherein an den Schweregrad angepasste Therapie erwies sich damit den anderen Verfahren als überlegen. Kommentar der  DKMG: Die Tatsache, dass in Deutschland in der Regel die Stufentherapie benutzt wird, beruht darauf, dass ein Arzneimittelbudget besteht und bei der häufigen Verschreibung von Triptanen der Nachweis geführt werden muss, dass die Patienten auf eine Behandlung mit Analgetika in Kombination mit Metoclopramid nicht angesprochen haben.

Hinweis statt Zolmitriptan sind sicherlich auch alle anderen Triptane ähnlich verwendbar. Stratified Care vs Step Care Strategies for Migraine  The Disability in Strategies of Care (DISC) Study: A Randomized Trial   Richard B. Lipton, MD; Walter F. Stewart, PhD, MPH; Andrew M. Stone, MSc; Miguel J. A. Láinez, MD; James P. C. Sawyer, MB, ChB JAMA. 2000;284:2599-2605 - November 22/29, 2000Vol 284, No. 20, pp 2551-2672

Vor Einführung der Triptane wurden häufig Ergotamine verordnet, heute spielen sie keine große Rolle mehr. Ihr Wirkmechanismus ist den Triptanen ähnlich, das Nebenwirkungspotential ist aber ungünstiger. Sie dürfen auf keinen Fall mit Triptanen kombiniert werden.  Die Nebenwirkungen der Triptane sind denen Ergotamine ähnlich. Besonders bei zu häufiger Anwendung (definitive Obergrenze 10x/Monat) sind mit Durchblutungsstörungen wie Herzinfarkte, Darmdurchblutungsstörungen (Mesenterialischämien), ischämischen Kolitiden, Milzinfarkten beschrieben worden. 
Weiterhin auch Parästhesien und Angina pektorisartige Schmerzen im Brust- und Rückenbereich sowie im Halsbereich. Alle Triptane können den Blutdruck während der Wirkung erhöhen.

Kontraindikationen gegen  Ergotamine Davidoff RA. Migraine: Manifestation, Pathogenesis, and Management. Philadelphia, PA: FA Davis; 1995.
  • Periphere Arteriosklerose
  • Koronare Herzerkrankung
  • Thrombophlebitis
  • Hypertonus 
  • Bradykardie
  • Hohe Dosen Betablocker
  • Leberfunktionsstörungen
  • Hyperthyreose
  • Mangelernährung
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Infektionen und Fieber
  • Alter über 60 Jahre (relative KI)

 

Langdauernde Auren mit neurologischen Symptomen sind ein bisher unbefriedigend behandelbares Syndrom, der NMDA-Rezeptor-Antagonist Ketamin kann bei einigen Patienten mit hemiplegischer Migräne die Ausbreitung blockieren ( Kaube et al. Neurology 2000;55(1):139-41) und bei einzelnen Patienten mit visuellen Auren und Hirnstammauren mit Bewußtseinsstörungen war die Gabe von Naloxon bzw. Flumazenil erfolgreich (Sicuteri et al. Headache 1983;23:179-83; Requena et al. Rev Neurol 1999;29:1048-51, Einzelfallberichte liegen auch zu dem Diuretikum Furosemid vor. T. D. Rozen. Treatment of a prolonged migrainous aura with intravenous furosemide. Neurology 2000;55:732

 

Migräne- Kopfschmerzen bei Kindern: 

Kopfschmerzen bei Kindern unterscheiden sich in den Symptomen nur wenig von denen bei Erwachsenen. Die Internationale Kopfschmerzklassifikation legt für die Einordnung des kindlichen Kopfschmerzes die gleichen Kriterien wie für Kopfschmerzen im Erwachsenenalter zugrunde, lediglich für Migräneattacken wird eine kürzere Dauer (2 Stunden im Vergleich zu 4 Stunden) gefordert. Bei kindlichen Kopfschmerzen sollten nicht medikamentöse und medikamentöse Behandlungsmaßnahmen kombiniert werden, und nicht medikamentöse Maßnahmen wie das Erlernen eines Entspannungsverfahrens oder verhaltentherapeutische Gruppenbehandlungen den Vorrang haben.
Gelegentliche Kopfschmerzen hat fast jedes Kind:  83 % der 8 bis 9-jährigen bzw. 90 % der 11 bis 12-jährigen Kinder leiden gelegentliche an Kopfschmerzen. 60 % aller Kinder und Jugendliche leiden an Kopfschmerzen vom Spannungstyp, 10 bis 12 % unter Migräne. Erstmanifestation der Migräne ist meist zwischen 6. und 8. Lebensjahr. Mädchen sind nach dem Alter von 10 Jahren sind signifikant häufiger von Migräne betroffen als Jungen. Je früher sich Migräne manifestiert, desto wahrscheinlicher ist ein schlechter Verlauf.  Bei etwa einem Viertel verschwindet die Migräne im Laufe der nächsten Jahre wieder. Sekundäre Kopfschmerzen im Kindesalter (meist infolge einer Infektion) werden häufig in Eigenregie von Eltern therapiert. Neben Bettruhe, Kühlung der Stirn, Entspannung,  Unterbrechung der ursprünglichen Tagesaktivität, Reizabschirmung, Entspannung, ätherische Ölen oder Akupressur,  kommen dabei medikamentös  Paracetamol oder Ibuprofen in Frage. Für Ibuprofen gibt es eine bessere Studienlage und eher weniger Nebenwirkungen.  Zur medikamentösen Attackentherapie der Migräne kommen wie bei Erwachsenen  für leichte Migräneattacken,  Ibuprofen, in Betracht. Auf Acetylsalicylsäure sollte bei Kindern wegen des Risikos eines Reye- Syndroms verzichtet werden. Paracetamol kann möglicherweise die Entwicklung von Allergien bei Kindern begünstigen. Bei sehr starken Migräneattacken können auch bei Jugendlichen Triptane erwogen werden. Bezüglich Metoclopramid ist wegen des relativ hohen Risikos von Dyskinesien eher abzuraten.  Dringend empfohlen wird auch das Führen eines Kopfschmerztagebuches. Als Migräneprophylaxe kommen Metoprolol in Frage (Metoprolol 1 bis 2 mg pro kg Körpergewicht pro Tag, als abendliche Einmaldosis, wobei die Behandlungsdauer zwischen 4 und 6 Monaten liegen sollte).



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Spannungskopfschmerzen

Migräne allgemein

sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz.

Migräne was passiert im Gehirn
Cluster Kopfschmerzen Migräne Behandlung der Attacke
cervikogener (von der Hals- Wirbel-Säule ausgehender) Kopfschmerz. Migräne Vorbeugung
Tabellarischer Überblick über verschiedene Kopfschmerzsyndrome Kopfschmerztagebuch zum ausdrucken als pdf
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