Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Kopfschmerzen Seite 8

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Die medikamentöse Vorbeugung gegen Migräne 

und der Stellenwert alternativer Verfahren in der Vorbeugung

Neben den schon unter den nicht-medikamentösen Maßnahmen aufgeführten Möglichkeiten bestehen verschiedene pharmakologische Möglichkeiten zur Prophylaxe von Migräneattacken. In der Regel wird man diese aber erst bei Patienten mit mehr als drei Attacken pro Monat oder besonders schweren und langanhaltenden Attacken diskutieren. Am besten untersucht und in der Regel erste Wahl ist die Gabe eines Betablockers (Propranolol, Metoprolol oder seltener eingesetzt Atenolol). Die Therapie sollte nur einschleichend langsam steigernd begonnen werden, wobei für Metoprolol eine Dosierung von 100–200 mg täglich anzustreben ist. Mit einer Wirkung ist frühestens nach vier bis sechs Wochen zu rechnen; etwa 70% der Patienten zeigen eine 50%ige Reduktion ihrer Attackenfrequenz. Nach etwa neunmonatiger Therapie sollte die Indikation für eine Prophylaxe durch einen ausschleichenden Absetzversuch kontrolliert werden. Aufgrund der starken intraindividuellen Schwankungen des Plasmaspiegels ist ein klinisch relevanter Unterschied zwischen Metoprolol- Präparaten mit zero-order-kinetic-Retardierung bzw. einfacher Retardierung  nicht zu erwarten. Zusammenfassend sind klinisch relevante Unterschiede zwischen verschiedenen retardierten Metoprololpärparaten nicht zu erwarten. Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Gabe von Ergotamin-Präparaten (langfristig) und Betablockern, da eine periphere Ischämie verstärkt werden kann. Bei Prophylaxe mit einem Betablocker ist eine kurzfristige Anfallsbehandlung mit Dihydroergotamin aber im Einzelfall vertretbar. Kontraindiziert ist immer die gleichzeitige Verabreichung von Dihydroergotamin und Triptanen, da gefährliche vasospastische Reaktionen auftreten können. Es gibt keinen Zweifel, daß bei der Migräne serotonerge Mechanismen eine wichtige Rolle spielen. Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin haben eine gewisse migräneprophylaktische Wirkung. Die meisten anderen modernen selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer zeigen keine nachweisbare Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe.  Topiramat ist nach neueren Studien eine sinnvolle Alternative, für Patienten, die Betablocker nicht vertragen. Das Präparat ist in Deutschland auch zugelassen. (siehe auch: J Pascuel et al. Neurologia 2003 18: 364-367. Bussone et al. Int J Clin Pract 2005 59: 961-968., Silvestrini et al. Cephalalgia 2003 23: 820-824., Storey et al. Headache 2001 41: 968-975.)

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Evidence-Based Guidelines for Migraine Headache in the Primary Care Setting: Pharmacological Management for Prevention of Migraine, US Headache Consortium:American Academy of Family Physicians,American Academy of Neurology, American Headache Society, American College of Emergency Physicians,American College of Physicians-American Society of Internal Medicine, American Osteopathic Association, National Headache Foundation. The AHCPR Technical Review included controlled trials indexed in MEDLINE January 1966 through December 1996. Several additional randomized controlled trials for migraine prevention were published after this date and are individually reviewed. Newly published materials not included in the evidence analysis are incorporated into treatment recommendations as appropriate, and these recommendations are based on consensus.
Gruppe 1:
Mittlere bis hohe Effizienz in der Migräne- Prophylaxe gute Beweislage (evidence based medicine), tolerable oder seltenen Nebenwirkungen
Amitriptylin, Valproinsäure, Lisurid, Propranolol, Timolol
Gruppe 2:
Niedrigere Effizienz in der Migräne- Prophylaxe oder schlechtere Beweislage (evidence based medicine), eher mehr oder häufigere Nebenwirkungen
Aspirin, Atenolol, Cyclandelate, Fenoprofen, Teufelskralle, Flurbiprofen, Fluoxetine, Gabapentin, Guanfacine, Indobufen, Ketoprofen, Lornoxicam, Magnesium, Mefenamic acid, Metoprolol, Nadolol, Naproxen, Naproxen sodium, Nimodipine, Tolfenamic acid, Verapamil, Vitamin B2
Gruppe 3:
Klinisch für wirksam erachtet in der Migräne- Prophylaxe, aber kein wissenschaftlicher Beweis der Wirksamkeit (evidence based medicine),mit vertretbaren Nebenwirkungen
Cyproheptadine, Bupropion, Diltiazem, Doxepin, Fluvoxamine, Ibuprofen, Imipramine, Mirtazepine, Nortriptyline, Paroxetine, Protriptyline , Sertraline, Tiagabine, Topiramate (neuerdings Plazebokontrollierte Doppelblindstudie bei 468 Patienten über 18 Wochen mit gutem Erfolg vorhanden JAMA. 2004; 291:965-973. ABSTRACT ) , Trazodone, Venlafaxine
mit nicht vertretbaren Nebenwirkungen (incl. Gruppe 4)
Methylergonovine (methylergometrine), Phenelzine, Methysergide, Flunarizine, Pizotifen, TR-DHE.
Gruppe 5:
Klinisch nicht wirksamer als Placebo in der Migräne- Prophylaxe
Acebutolol, Alprenolol, Carbamazepine, Clomipramine, Clonazepam, Clonidine DEK, Femoxetine, Flumedroxone, Indomethacin, Iprazochrome, Lamotrigine, Mianserin, Nabumetone, Nicardipine, Nifedipine, Oxprenolol, Oxitriptan, Pindolol, Tropisetron, Vigabatrin,

 

Medikamenten Kombinationen bei der  Migräne Prophylaxe Nach: Silberstein SD. Migraine: Diagnosis and Treatment. In: Silberstein SD, Lipton RB, Goadsby PJ, eds. Headache in Clinical Practice. Oxford, UK: Isis Medical Media; 1998.
Empfohlen/ Suggested Antidepressiva Betablocker
Kalzium- Kanalblocker (Sibelium, Flunarizin, Verapamil, Nifedipine, Diltiazem,...
Valproinsäure,
Methysergid
Methysergid Kalzium- Kanalblocker (Sibelium, Flunarizin,...
SSRIs Tricyclische Antidepressiva
Vorsicht /Use with caution Betablocker Kalzium- Kanalblocker (Sibelium, Flunarizin,.Verapamil, Nifedipine, Diltiazem,..
Methysergide
MAOIs± Amitriptylin oder Nortriptylin
Kontraindiziert MAOIs SSRIs
Die meisten Tricyclische Antidepressiva außer Amitriptylin oder Nortriptylin)
Carbamazepin

 

Effektivität der Prophylaktischen Medikamente bei Migräne Silberstein SD. Migraine: Diagnosis and Treatment. In: Silberstein SD, Lipton RB, Goadsby PJ, eds. Headache in Clinical Practice. Oxford, UK: Isis Medical Media; 1998
  Effektivität
Hoch Nieder fehlender Nachweis
First-line Beta- Blocker
trizyklische Antidepressiva,
Valproinsäure,
Verapamil
NSAIDs
SSRIs ±
 
Second-line Methysergid
Flunarizin
MAOIs
  Cyproheptadin
Gabapentin
Lamotrigin

 

 

Interaktion (Wechselwirkung) zwischen  Prophylaktischer und akute Schmerzmedikation Silberstein SD. Migraine: Diagnosis and Treatment. In: Silberstein SD, Lipton RB, Goadsby PJ, eds. Headache in Clinical Practice. Oxford, UK: Isis Medical Media; 1998.
Prophylaktisches Medikament Vorsicht bei Kontraindiziert mit
Methysergid Ergotamine  
Dihydroergotamine (DHE)
5-HT1 (selective serotonin)-agonists (eg, Sumatriptan)
Monoamine oxidase Hemmer (MAOIs)   Meperidin
Sympathomimetika
5-HT1-Agonisten,Sumatriptan usw.
Nichtsteroidale Entzündungshemmer andere NSAIDs oder Aspirin-enthaltende Med.  
Valproinsäure Mißbrauch kurz wirkender Barbiturate  

 

 

Beta- Blocker in der Migräne-Prophylaxe Start- Dosierung Maximal- Dosis
Propranolol 60-80 mg/d 240-320 mg/d
Timolol 20 mg/d 60 mg/d
Nadolol 40 mg/d 240 mg/d
Metoprolol 100 mg/d 250 mg/d
Atenolol 100 mg/d 200 mg/d

 

 

Kontraindikationen prophylaktischer Medikamente bei Migräne nach:Davidoff RA. Migraine: Manifestation, Pathogenesis, and Management. Philadelphia, PA: FA Davis; 1995.
Krankheit Kontraindiziertes Medikament
Hypotension (niedriger Blutdruck) Betablocker, Kalzium- Kanalblocker (Sibelium, Flunarizin,
Magenbeschwerden Nichtsteroidale Entzündungshemmer (Aspirin, Ibuprofen, Naproxen usw.)
Asthma Betablocker
Artheriosklerotische Herzerkrankung Ergotamine, Methysergid
Epilepsie trizyklische Antidepressiva,
Hypertonus (Bluthochdruck) Monoamine oxidase (MAO) Hemmer
Depression Betablocker
Übergewicht Betablocker, trizyklische Antidepressiva, Valproinsäure, Cyproheptadin, Pizotifen

 

 

trizyklische Antidepressiva - Nebenwirkungen- Dosierung
Medikament Marken-Name Anticholinergisch Sedation Orthostatische Hypotension Dosis- Bereich
Amitriptylin* Saroten ++++ +++ ++ 50-150 mg/d
Doxepin Sinquan, Aponal ++ +++ ++ 50-150 mg/d
Imipramin Tofranil ++ ++ ++ 50-150 mg/d
Nortriptylin Nortrilen ++ ++ + 50-150 mg/d
Desipramin Pertofran + + + 50-150 mg/d
Maprotilin Ludiomil + ++ + 75-150 mg/d
Trazodon Thombran + ++ + 50-300 mg/d

*für Amitriptylin am ehesten gesicherte Wirksamkeit generell bei Schmerzen und auch in der Migräneprophylaxe, besonders aber bei Spannungskopfschmerzen.

 

Kalzium-Kanalblocker in der  Migräne Prophylaxe
Generik Marke Start Dosis Maximale Dosis
Verapamil Isoptin 120-240 mg/d 480 mg/d
Nifedipine Adalat 30 mg/d 90 mg/d
Diltiazem   120 mg/d 360 mg/d
Flunarizine Sibelium 10 mg/d 10 mg/d

 

Alternative Verfahren zur Migräneprophylaxe

Substanz/ Verfahren was ist über die Effektivität bekannt
Mutterkraut (Feverfew)
Wenige wissenschaftliche Studien RCTs weisen auf einen vorbeugenden Effekt von Mutterkrautpräparaten in der Migräneprophylaxe hin, die Wirksamkeitsnachweise sind allerdings bisher weit davon entfernt, dass von einer erwiesenen Wirksamkeit gesprochen werden kann. Es gibt auch negative Studien, Nebenwirkungen sind in den Studien allerdings keine aufgetreten. Feverfew for preventing migraine, Pittler MH, Vogler BK, Ernst E,The Cochrane Library, Issue 2, 2001.
Verhaltenstherapie ist ergänzend wirksam kognitive Techniken, Stress- und Reizverarbeitungstraining und Schmerzbewältigungstechniken sind vor allem in Kombination wissenschaftlich bewiesen.
 Biofeedbacktherapie spezifische Biofeedbacktherapie ist wissenschaftlich bewiesen.
Sport Wissenschaftlich belegt ist die prophylaktische Wirkung aerober Ausdauersportarten, insbesonders Jogging
Magnesium Einige kleine Studien weisen auf eine Wirkung hin, Nebenwirkungen: in geringem Maße Durchfälle oder Magen-Darmbeschwerden
Riboflavin (Vit B2) bei Dosen von 400mg wurde über einen Effekt berichtet, kaum Nebenwirkungen zu erwarten. Die Studien sind bisher nicht ausreichend um eine Wirksamkeit zu beweisen. Aktuell dennoch die beste Alternative für Patienten, die üblichen sonstigen Medikamente nicht vertragen oder eine natürliche Alternative zur Vorbeugung suchen. An Nebenwirkungen sind eine Flavinurie, Durchfall und leichtere Magendarmbeschwerden möglich.
Pestwurz (PETADOLEX) Wirksamkeit unsicher, ins Gerede gekommen soll in Einzelfällen eine nekrotisierende Hepatitis auslösen können.  Leberschädigungen sind berichtet. In der Schweiz ist deshalb inzwischen die Zulassung von Pestwurz widerrufen worden.
Coenzym Q10  Eine kleine offenen Studie weist auf Wirksamkeit hin, Placebokontrollierte Studien fehlen.
Progressive Muskelentspannung Besserer und anhaltenderer Effekt als für Akupunktur dokumentiert
Akupunktur Kommentar der DKMG zu einer Übersichtsarbeit der Cochrane-Collaboration Die Übersicht zeigt eindrucksvoll, dass die meisten Studien zu dieser Thematik entweder viel zu klein sind oder schwerwiegende methodische Mängel haben. Ein signifikantes Ergebnis ist nur dadurch zu erreichen, wenn eine relativ niedrige Responderraten von 33% als Erfolg angesetzt wird. Diese Responderrate wird in den meisten Medikamentenstudien bereits in der Placebogruppe erreicht. Berücksichtigt man darüberhinaus, dass die Gesamtzahl aller Patienten, die in diese Studien eingeschlossen wurden, unter 400 liegt und dass dies die minimale Patientenzahl ist, die heute für eine Studie zur medikamentösen Prophylaxe gefordert wird, zeigt sich, dass hier noch ein großer Handlungsbedarf besteht. Eindrucksvoll ist allerdings, dass eine Methode, deren Beweis nach den Kriterien der Evidenz-basierten Medizin bisher nicht erbracht wurde, offenbar flächendeckend eingesetzt wird. Dies ganz im Gegensatz zu den Substanzen zur medikamentösen Prophylaxe, deren Wirksamkeit eindeutig belegt ist, die aber nur ein Bruchteil der Patienten mit entsprechender Indikation erhält. Melchart D, Linde K, Fischer P, White A, Allias G, Vickers A, Berman B. Acupuncture for recurrent headaches: a systematic review of randomized controlled trials. Cephalalgia 1999;19:779-786. Die Autoren der Metaanalyse (mit deutlicher pro Akupunktureinstellung nach deren sonstigen Publikationen) schreiben zusammenfassend selbst: Overall, the existing evidence supports the value of acupuncture for the treatment of idiopathic headaches. However, the quality and amount of evidence are not fully convincing. - Die Qualität der Studien und die Menge der vorliegenden Daten ist nicht vollends überzeugend.-  There is an urgent need for well-planned, large-scale studies to assess the effectiveness and cost-effectiveness of acupuncture under real-life conditions. Zu berücksichtigen ist, dass Akupunktur eine relativ teure und aufwendige Behandlung ist. Auch zu berücksichtigen ist bisher, dass je besser der angegebene Effekt um so schlechter die Studienqualität, wobei einige der schlechteren Studien aus Deutschland kommen. Alle vorliegenden Studien sind bei dem geringen Effekt im Vergleich zu Placebo mit zu niedrigen Teilnehmerzahlen durchgeführt worden. Nicht berücksichtigt wurde meist der Nadel- Plazeboeffekt: Die Plazebowirkung ist abhängig von der Art wie das Plazebo verabreicht wird.  So fand eine Metaanalyse von Studien bei Migränemitteln,  dass die (völlige oder weitgehende) Schmerzfreiheit bei 25,7 % der Patienten eintrat, denen das Medikament als Pille gegeben wurde, während es bei Verabreichung des Scheinmedikamentes aus Spritze immerhin 32,4 % waren. Der Unterschied war statistisch signifikant. (de Crean AJ et al: Placebo effect in the acute treatment of migraine; subcutaneus placebos are better than oral placebos, J. Neurol 247 (2000) 183-188) Die hier angegebenen 32,4 % entsprechen in etwa dem Akupunktureffekt. siehe auch CMAJ 1998;159:47-54 Siehe auch White AR, Resch K-L, Chan JCK, Norris CD, Modi SK, Patel JN, Ernst E in Cephalalgia 2000;20:632-7 dort ähnlicher Effekt in der Plazebogruppe. Siehe auch Acupuncture for idiopathic headache The Cochrane Library, Issue 1, 2002. Oxford: Update Software. Kritik wird dort vor allem auch an den vorliegenden deutschen Studien geübt. Dies nicht nur hinsichtlich eine undurchsichtigen Datenauswahl (keine Angaben über drop outs) sondern auch dahingehend, dass als Kontrollgruppe teilweise Patientengruppen genommen wurden, die Medikamente erhielten, die Kopfschmerzen provozieren (tägliche Ergotamineinnahme). Alleine das Absetzen des Ergotaminpräparates hätte hier vermutlich bei einem Teil der Patienten die Kopfschmerzen gebessert.  Die gängige Definition der Migräne scheint einigen der Autoren nicht  bekannt gewesen zu sein. Zitat: ". Furthermore, the control therapy used by Heydenreich et al. (Heydenreich 1989b) may not have been appropriate (long-term use of the ergotamine compound used in the study could arguably aggravate, rather than alleviate, headache). Finally, while it is stated that the patients included by Lehmann et al. (Lehmann 1991) had migraine, their reported mean baseline frequency of 22 headache days per month is hardly compatible with this diagnosis. Gao et al. (Gao 1999) reported that 24 of 32 patients treated with acupuncture were cured (defined as 'symptoms disappear completely without recurrence for 1 year'). Although the acupuncture intervention in this study seems to have been very well done, such a success rate is hard to believe. The unblinded study does not report how headache was monitored or whether there were dropouts and withdrawals. Furthermore, as the duration of disease was from 1 month to 15 years, it seems doubtful whether all patients truly suffered from migraine." Die Mängel der Studien resultieren also nicht aus verfahrensbedingten  schwierigen Nachweismethoden, sondern aus mangelnder Berücksichtigung allgemein bekannter Diagnose- und Behandlungsprinzipien der Migräne. Die Art wie in den Studien akupunktiert wurde wurde von dem Akupunkteur in der Metaanalyse bei vielen Studien als nicht nachvollziehbar beurteilt, bei einem Teil der Studien hätte er eine ganz andere Art der Akupunktur für angemessen erachtet. Insgesamt spricht also nichts (außer finanziellen Nebenwirkungen und einem erheblichen Zeitbedarf) eindeutig gegen einen Versuch mit Akupunktur zusätzlich zu den indizierten sonstigen Behandlungsmaßnahmen, eine eindeutige Empfehlung lässt sich aber bisher auf wissenschaftlicher Basis nicht begründen. Ökonomische Gesichtspunkte sprechen auf den ersten Blick eher für andere Behandlungsverfahren: 1000mg Acetylsalizylsäure haben einen eindeutigen Wirkungsnachweis, so die Kontraindikationen wie Asthma, Magenleiden..beachtet werden, entstehen dabei Kosten von 10-30cents. Eine Akupunktursitzung kostet 30-60 Euro und in der Regel 1 Stunde Fahr- und Wartezeit. Zitat aus den Leitlinien der ARZNEIMITTELKOMMISSION DER DEUTSCHEN ÄRZTESCHAFT, Chronische Kopf- und Gesichtsschmerzen  3. Auflage 2001 Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: " Die Datenlage zur Akupunktur erscheint aufgrund der oft schlechten Qualität der Studien nicht geeignet, um diese Methode als hinreichend belegt anzusehen. Eine Metaanalyse fand nur 10 Studien mit insgesamt etwa 300 Patienten, die bei einem Erfolgskriterium einer Besserung um > 33 % eine Wirkung der Akupunktur nahe legt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass das Erfolgskriterium bei Studien zur pharmakologischen Therapie > 50 % beträgt. Wird dieses Kriterium angelegt, ist die Akupunktur unwirksam. Eine jüngeres systematisches Review zur Wirksamkeit der Akupunktur bei chronischen Schmerzzuständen konstatierte einen signifikanten Zusammenhang zwischen niedrigem methodischen Standard und positivem Ergebnis der klinischen Studien zur Akupunktur. Die Evidenz zur Wirksamkeit der Akupunktur im Vergleich zu Nichtbehandlung, Placebogabe, Schein-Akupunktur oder Standardbehandlung wird als unzureichend angesehen. Auch der HTA-(Health Technology Assessment-)Bericht des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen kommt zu dieser Schlussfolgerung. Die beschlossenen »Modellversuche « der GKV-Kassen, die eine Akupunkturanwendung auch bei chronischen Kopfschmerzen beinhalten, werden nach den Anforderungen an die »Kategorien zur Evidenz«  und an der Berücksichtigung der dazu vom Bundesausschuss beschlossenen Vorgaben zu beurteilen sein. Für alle zugängliche Zusammenfassung der neueren Akupunkturdaten der Cochrane Library: Melchart et al. Acupuncture for idiopathic headache (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 3, 2002. Oxford: Update Software .Acupuncture for idiopathic headache in Bandolier

In der neuen deutschen Akupunkturstudie hatte Akupunktur eine deutliche Plazebowirkung. Wo gestochen wurde, machte allerdings keinen Unterschied, auch die Scheinakupunktur hatte die selbe Wirkung wie die Akupunktur nach der traditionellen Methode. Linde K, Streng A, .et al.:Acupuncture for patients with migraine: a randomized controlled trial JAMA 2005; 293: 2118-25

TENS Geräte Allenfalls geringer Effekt, kein sicherer Nachweis siehe auch CMAJ 1998;159:47-54 Zitat aus den Leitlinien der ARZNEIMITTELKOMMISSION DER DEUTSCHEN ÄRZTESCHAFT, Chronische Kopf- und Gesichtsschmerzen  3. Auflage 2001 Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: "Für die physikalische Therapie und die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) gibt es keinen Wirkungsnachweis im Rahmen prospektiver Studien. Auch viele andere zumeist nichtmedikamentöse Ansätze sind ohne Wirkung oder hinreichenden Wirksamkeitsnachweis. "
Trigger- Punkt Injektionen Allenfalls geringer Effekt, kein sicherer Nachweis
Physiotherapie, Osteopathie und Chiropraktik  Bisher kein Wirkungsnachweis, in sehr seltenen Fällen auch schwerwiegende Nebenwirkungen. siehe auch CMAJ 1998;159:47-54 und Chiroractic for migraine in Bandolier
Homöopathie von 4 doppelblinden und Placebo- kontrollierten Studien zeigten 3 keinen Effekt, bei der 4. bestanden erhebliche Zweifel an der Verblindung. E Ernst. Homeopathic prophylaxis of headaches and migraine? A systematic review. Journal of Pain and Symptom Management 1999 18: 353-7. Bandolier Homeopathic prophylaxis for migraine is ineffective
Verschiedenes was nach Auffassung der der DMKG unwirksam ist Die bisher durchgeführten prospektiven Placebo-kontrollierten Studien ergaben keinen Hinweis auf eine Wirksamkeit der Homöopathie. Von den nicht-medikamentösen Verfahren sind ebenfalls ohne Wirkung oder ohne wissenschaftlichen Beleg das autogene Training, die chiropraktische Therapie, Manualtherapie, Zahnextraktion, Aufbißschienen, Frischzell-Therapie, lokale Injektionen in den Nacken oder die Kopfhaut, Neuraltherapie, Reizströme, Magnetströme, Psychophonie, Neuraltherapie, Ozontherapie, Tonsillektomie, Fußreflexmassage, Sanierung vermeindlicher Pilzinfektionen des Darmes, Entfernung von Amalgamfüllungen, Hysterektomie und die klassische Psychoanalyse. (Prof. Dr. H.C. Diener,  Prof. Dr. Dr. K. Brune,  Prof. Dr. W.-D. Gerber,  Dr. V. Pfaffenrath,  Prof. Dr. A. Straube, N Therapieempfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft,
Therapie der Migräneattacke und Migräneprophylaxe, Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in Kooperation mit der Kommission "Schmerztherapie" der deutschen Gesellschaft füür Neurologie (DGN) Zuletzt besucht am 28.4.02) www.dmkg.de
Magnesium und Vit B2 sind billig, nebenwirkungsarm, frei verfügbar und gut verträglich- damit sind diese beiden Präparate im Vergleich zu den anderen zur Verfügung stehenden Methoden am ehesten den Patienten, die Alternative Therapieverfahren ausprobieren wollen, zu empfehlen. Bei etwas größerem Aufwand ist progressive Muskelrelaxation das Verfahren der Wahl. Alle genannten sollte nicht das Kopfschmerztagebuch und die Vermeidung, bzw. den verbesserten Umgang mit Auslösern ersetzen.

 

 

 

MIGRAINE DISABILITY ASSESSMENT SCALE (MIDAS) QUESTIONNAIRE  Tage
Anleitung: Bitte beantworten Sie die folgenden Frage zu Ihren Kopfschmerzen der letzten 3 Monate. Schreiben Sie die Antwort zu jeder Frage in das Kästchen, das der Frage am nächsten ist. Schreiben Sie einen Null hin, wenn  in den letzten 3 Monaten (nutzen Sie ggf. den Kalender) keine zutreffende Aktivität vorhanden war.  
1. An wie vielen Tagen der letzten 3 Monate haben Sie wegen Ihrer Kopfschmerzen in der Schule oder bei der Arbeit gefehlt?  
2. An wie vielen Tagen der letzten 3 Monate war wegen Ihrer Kopfschmerzen in der Schule oder bei der Arbeit Ihre Produktivität auf die Hälfte reduziert, (Zählen Sie bitte die bereits in Frage 1 genannten Tage an denen Sie  in der Schule oder bei der Arbeit gefehlt haben nicht mit)?  
3. An wie vielen Tagen der letzten 3 Monate haben Sie wegen Ihrer Kopfschmerzen Ihre Hausarbeit nicht machen können?  
4.  An wie vielen Tagen der letzten 3 Monate war wegen Ihrer Kopfschmerzen  bei der Hausarbeit Ihre Produktivität auf die Hälfte reduziert, (Zählen Sie bitte die bereits in Frage 3 genannten Tage an denen Sie wegen Ihrer Kopfschmerzen Ihre Hausarbeit nicht machen konnten, nicht mit.)?  
5. An wie vielen Tagen der letzten 3 Monate war Ihnen wegen Ihrer Kopfschmerzen die Teilnahme an Freizeitaktivitäten, Familienfesten oder anderen sozialen Aktivitäten nicht möglich?   
A. An wie vielen Tagen der letzten 3 Monate hatten Sie  Kopfschmerzen, bei mehreren Tagen hintereinander zählen Sie bitte jeden Tag?  
  Intensität
B. Auf einer Skala von 0–10, wie schmerzhaft waren Ihre Kopfschmerzen durchschnittlich (0= überhaupt kein Schmerz, und 10=Schmerzen so schlimm wie sie nur sein können)?  
Nach  Stewart WF, Lipton RB, Kolodner K, Liberman J, Sawyer J. Reliability of the Migraine Disability Assessment score in a population-based sample of headache sufferers. Cephalalgia 1999;19:107-14.  

 

 

Migräne lässt mit dem Älterwerden nach.

Migräneprävalenz nach Alter und Geschlecht

Alter

Männer %

Frauen %

12-17

4,9

7,3

18-29

6,2

20,4

30-39

9,0

28,1

40-49

7,9

25,5

50-59

5,9

18,2

>60

2,1

6,4

Bigal ME, Liberman J, Lipton RB. Age-dependent prevalence and clinical features of migraine. Neurology 2006; 67:246–251.

Nicht nur die Anzahl der Betroffenen geht, wie aus der Tabelle ersichtlich mit dem Alter zurück, auch die Intensität der Migräneattacken lässt meistens nach. Häufig sind es auch nicht mehr die typischen Attacken mit Aura und heftigen einseitigen Kopfschmerzen.

 

 

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Spannungskopfschmerzen

Migräne allgemein

sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz.

Migräne was passiert im Gehirn
Cluster Kopfschmerzen Migräne Behandlung der Attacke
cervikogener (von der Hals- Wirbel-Säule ausgehender) Kopfschmerz. Migräne Vorbeugung
Tabellarischer Überblick über verschiedene Kopfschmerzsyndrome Kopfschmerztagebuch zum ausdrucken als pdf
Wann Sie unbedingt sofort einen Neurologen aufsuchen sollten! Arteriitis temporalis,
Trigeminusneuralgie Links

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Um Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier dargestellten Sachverhalte gut Bescheid und kann Ihren individuellen Fall und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten nützlich ist, kann einem anderen schaden.  Selbstverständlich gibt es zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen. In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw, ergänzungsbedürftig.  Wenn möglich sind im Text Links zu solchen Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der Homepage dargestellten Krankheitsbilder auszuweisen. Ich gehe davon aus, dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite gekommen sein, werden Sie gebeten auch die Hauptseite aufzusuchen. 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