
Kopfschmerzen Seite 6
Es bleibt noch vieles unklar bezüglich des Ablaufs bei
einer Migräneattacke im Hirn. Sicher ist, dass die Halswirbelsäule nur
sekundär und am Rande eine Rolle spielt. Vieles bleibt aber noch, wenn auch
teilweise gut nachvollziehbare Theorie. Da Menschen nun mal für alles eine
Erklärung brauchen, ist ein solcher Überblick auch zur Kenntnis der Patienten
hier eingefügt.
Die gegenwärtigen Theorien im Überblick.
Man geht davon aus, dass es im Rahmen der Aura zu
elektrophysiologischen Mechanismen im Bereich der Hirnrinde, die auch als
spreading depression bezeichnet werden, ein Begriff der aus
Tierexperimenten kommt. Nach dieser Hypothese sollten die spreading depression
dann zu einer Plasmaextravasation in der harten Hirnhaut führen und diese
wiederum zur Erregung von Nozizeptoren und erhöhter Aktivität trigeminaler
Neurone im Nucleus caudalis des Hirnstamms und Rückenmarks. Es wird dabei
angenommen, dass es sich bei der Migräne um eine sog.
Ionenkanalkrankheit handelt. Bei diesen Krankheiten kommt es zu
vorübergehenden Funktionsstörungen von Ionenkanälen, die dann zu vorübergehenden
neurologischen Ausfällen führen. Während der Kopfschmerzphase kommt es zu einer
leichten Gefäßerweiterung im Bereich der Hirnhäute mit einer entzündlichen
Reaktion, die durch den Nervus trigeminus und den Nervus facialis
begleitende parasympathische Fasern vermittelt werden. Zusätzlich sind
vegetative Zentren des Gehirns in die Attacken einbezogen.
| Vorstellungen
über die Entstehung einer Migräneattacke (Pathogenese) |
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Erbliche Veranlagung, hinzukommende Triggerfaktoren
(Auslöser) |
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Einflüsse der Hirnrinde und des Hypothalamus auf den
Hirnstamm, Sicher scheint, das der Hypothalamus bei den
Vorsymptomen wie Gereiztheit usw. ein bis 2 Tage vor Ausbruch eine Rolle
spielt. Der Hypothalamus koordiniert
wichtige Vorgänge in unserem Körper: den Wach- und Schlafrhythmus, den
Blutdruck, die Atmung, die Nahrungsaufnahme, den Fettstoffwechsel, den
Wasserhaushalt, die Sexualfunktionen und das Schmerzkontrollsystem. Eine
Reizung des Hypothalamus löst eine Verengung der Hirngefäße aus. Durch die
Hypothalamusreizung kann auch das Schmerzkontrollsystem gehemmt werden:
Schmerzimpulse erreichen dann ungehindert das Zentrum des Hypothalamus,
den Thalamus und die Hirnrinde und äußern sich in dem migränetypischen
Kopfschmerz |
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Aktivierung serotonerger Neurone |
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Raphe- Kern und Locus ceoruleus
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Verstärkte Serotonin- und Noradrenalin Ausschüttung,
Serotonin stimuliert das Brechzentrum und ist für die Aura wie das
Erbrechen verantwortlich, es auf die Blutgefäße im Gehirn eine erweiternde
Wirkung, Die Gefäßerweiterung ist teilweise für die Schmerzen der Migräne
verantwortlich. |
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| Gefäßerweiterung und Ausschüttung von
Entzündungsmediatoren (Entzündungsvermittlern)
Am Beginn der Migräneattacke wird die betroffene Hirnregion
schlechter durchblutet. Dies kann zu Sehstörungen oder vorübergehenden
neurologischen Ausfällen führen. Anschließend erweitern sich die
Blutgefäße. Diese Gefäßdehnung verursacht dann die migränetypischen
Schmerzen. |
Abnahme der antinozizeptiven Aktivität,
Das Schmerzkontrollsystem arbeitet weniger |
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Neurogene
Entzündungsreaktion
das Trigeminale System aktiviert den Hypothalamus
verursacht dort die Lichtscheu, Geräuschempfindlichkeit. Signale des N.
trig. gehen auch in die oberen Teile des Rückenmarks und verursachen
hierüber Muskelverspannungen im Nacken. |
Aktivierung
von Afferenzen des N. Trigeminus, seine Fasern
enden unter anderem an größeren Blutgefäßen des Gehirns und an den
Hirnhäuten. Reizt man diesen Nerv mechanisch, elektrisch oder chemisch,
kann es zu einer Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen kommen. Die
Meldungen der bereits durch andere Transmitter erweiterten Gefäße werden
hier verstärkt, es kommt zu einer zusätzlichen Erweiterung. Der N. trig.
bewirkt nicht nur eine Erweiterung der arteriellen Gefäße, sondern erhöht
auch deren Wanddurchlässigkeit. Blutplasma kann dann in die Umgebung
austreten. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Entzündung des
Hirngewebes. Er bewirkt auch über eine Freisetzung vasoaktiver Substanzen
wie Substanz P eine Aktivierung von Prostaglandinen und die
Degranulation von Mastzellen. Auch die trägt zur Entzündungsreaktion
bei. Es werden auch wieder Signale zurück zum Thalamus und zur Hirnrinde,
gesandt die wesentlich für die Schmerzempfinung sind. |
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Migräneattacke
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Die Ergebnisse bildgebender Verfahren lassen vermuten, dass die bei der
Migräneattacke wichtige Modulation des trigeminovaskulären noziceptiven Inputs
vom dorsalen Raphe Kern, dem Locus ceruleus, und dem Nukleus Raphe Magnus
kommen. Die Rolle des Serotonins bei der der Migräne scheint komplex zu sein,
entsprechend widersprüchlich sind die diesbezüglichen Untersuchungen zu Teil.
Viele Migränemedikamente aktivieren die Serotoninrezeptoren. Einige
Studien lassen vermuten, dass der Serotoninspiegel während der Migräneattacke im
Blut ansteigt, andere kommen zum gegenteiligen Ergebnis. Einige Medikamente
verstärken die Serotoninrezeptoren, andere funktionieren als
Rezeptorantagonisten. Trotzdem funktionieren beide Arten von Medikamenten gegen
den Migränekopfschmerz. Der Widerspruch löst sich auf, wenn man von den beiden
unterschiedlichen Serotoninpools im Körper ausgeht. Einmal dem peripheren
Serotonin das man im Blut messen kann und von dem man glaubt, dass es einen
hemmenden Effekt auf den Raphe- Kern hat (Nukleus dorsalis raphe). Andererseits
vom Zentral- Nerven- System- Serotonin, das die Blutgefäße aktiviert und so den
Trigeminuskern stimuliert was wieder zu Kopfschmerzen führt. Beide Modelle
bezüglich Serotonin und Kopfschmerz gehen also davon aus, dass der periphere
Serotoninspiegel möglichst hoch gehalten werden soll (Hemmung des Weges über den
Raphe- Kern) und der Zentral- Nerven- System- Serotoninspiegel niedrig gehalten
werden soll. Der angenommene Wirkmechanismus ist so für alle Migränemedikamente
mit der Theorie vereinbar. Die meisten Medikamente wirken dabei überwiegend über
den peripheren Mechanismus. Vorbeugende Medikamente, Biofeedback und
Muskelrelaxation wirken als Serotoninantagonisten am Zentral- Nerven- System-
Serotoninrezeptor. Es ist unklar, ob es bei der Migräne primär zu einer Hemmung
der Hirnaktivität und dann zu einer Minderung der Hirndurchblutung kommt oder
umgekehrt. Der Freisetzung von vasoaktiven Peptiden wie Calcitonin- Gene-
Related- Peptide (CGRP), Substanz P (SP) oder Neurokinin A (NKA) wird ebenfalls
eine Schlüsselrolle in der Pathogenese des Migränekopfschmerzes zugeschrieben.
Die Frage ob die Freisetzung dieser Peptide auch im intrazerebralen venösen
Kreislauf stattfindet ist bislang jedoch nicht untersucht. Ein anderes s.g. „Keymolecule“
in der Pathogenese des Migränekopfschmerzes ist offensichtlich NO. Ergebnisse
mehrerer Studien deuten auf eine mögliche Interaktion zwischen CGRP und NO, die
genauen Mechanismen sind jedoch nach wie vor unklar.
1)Marcus DA. Serotonin and its role in headache pathogenesis and treatment.
Clin J Pain. 1993;9:159-167.
Alastair, J,J Wood et al Migraine current understanding and
treatment, N Engl J Med, Vol. 346, No. 4 January 24, 2002,
www.nejm.org 257ff
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