|
Seite 3
|
Bei einer MS ist nichts
unmöglich aber es gibt Hinweise und Zeichen |
| spricht für eine MS |
spricht nicht für eine MS |
| Beginn zwischen
15 und 50, Schübe mit Rückbildung der Symptome, Optikusneuritis,
Lhermitte’sches Zeichen, Partielle transverse Myelitis, Akute
Harnverhaltung, Fatigue (anhaltende Müdigkeit),Verschlechterung der Symptome
nach Sonnenbaden oder Überanstrengung, Internukleäre Ophthalmoplegie,
Sensorisch nicht nutzbare Hand |
Beginn vor dem
Alter von 10 oder nach dem 55. Lebensjahr, Stetige Zunahme der Symptome ohne
Schübe, epileptische Anfälle, Frühzeitige Demenzentwicklung, Aphasie,
Agnosie, Apraxie, Enzcephalopathie, Extrapyramidale Symptome, Uveitis,
Periphere Neuropathie |
| Nach: Goetz CG, ed.
Textbook of Clinical Neurology. 2nd ed. Philadelphia, Pa: WB Saunders;
2003:1060-1076. |
Auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen kann Optikusneuropathien oder
ähnliche Symptome machen:
| Andere entzündliche
Optikusneuropathien |
| Postinfektiös |
Bilateral und gleichzeitig |
Kernspin mit
Kontrastmittel |
| Nach Impfung |
oft Kinder mit guter Prognose |
Lumbalpunktion
|
| Akute disseminierende Enzephalomyelitis |
geschwollener Sehnervenaustrittspunkt und Makulastar; |
Bartonella, Borrelien, und Syphilisserologie |
| Neuroretinitis |
spontane Besserung |
| Compressive
Optikusneuropathien |
| Primärtumore bes. Meningeome, |
schmerzlos (selten schmerzhaft bes. bei Aneurysmen und
Mukozoelen); |
Kernspin mit
Kontrastmittel |
| Gliome, und Hypophysentumoure |
progressiver Sehverlust; |
Biopsie wenn nötig |
| Metastasen |
Optikusatrophie bei Erstuntersuchung; |
| Tuberkulome |
Vorgeschichte mit Primärtumor (bei Metastasen) |
| Schildrüsenbedingte Ophthalmopathie |
| Arterielle Aneurysmen |
| Nebenhöhlenmukozoelen |
| Infectious
Optikusneuropathien |
| Syphilis |
forschreitender Sehverlust nach Infekt, Optikusschwellung,
|
Serologie |
| Tuberkulose |
Glaskörperveränderungen |
Lumbalpunktion |
| Borreliose |
|
Röntgen Thorax |
| Virale
Optikusneuritis |
|
Tuberkulintest |
| Ischaemische
Optikusneuropathien |
| Anteriore ischaemische
Optikusneuropathie |
ältere Menschen, plötzlicher Beginn |
BKS |
| Posteriore ischaemische
Optikusneuropathie (PION) |
schmerzlos (außer GCA); |
| Riesenzellarteritis (GCA) |
geschwollene Papille (außer PION); |
| Diabetische Papillopathie |
|
| Toxische und ernährungsbedingte
Optikusneuropathien |
| Vitamin B12 Mangel |
Bilateral und symmetrisch; schmerzlos |
Serum Vitamin B12 |
| Kupfermangel nach Magenop (siehe
Arch Neurol. 2009;66(8):1025-1027 |
kann gleichzeitig zum B12 Mangel vorliegen |
Serum Kupfer |
| Tobak-Alkoholamblyopie |
schlechte Prognose |
| Methanolintoxikation |
| Ethambutolintoxikation |
| Kubanische und Tansaniscge epidemische
Optikusneuropathie
|
| Erbliche
Optikusneuropathien |
| Leber'sche
Optikusneuropathie |
Familienanamnese, sequentiell (oder simultan) bilateral
schmerzlos Sehverlust |
Genetische Testung nach der Leber'schen Mutation |
| Augenerkrankungen |
| Posteriore Skleritis |
schwerer Schmerz, weniger Sehverlust |
B-mode ultrasound of orbits |
| Makulopathie und Retinopathie, i |
Schmerzlos, Metamorphopsie (Verschwommensehen oder
verändertes Sehen); erhaltenes Farbsehen |
Elektroretinogramm |
| Großes Blinder Fleck Syndrom |
Gesichtsfeldverlust, Normaler Fundus, erhaltenes Farbsehen |
Fluoroszeinangiogramm |
|
|
Elektrokardiogram (EKG) |
Häufige Symptome der MS: Die meisten Menschen die eines
oder mehrere dieser Symptome haben haben keine MS. Solche Symptome sind
aber immer ein Grund einen Neurologen aufzusuchen.
- Sehverschlechterung (eines oder beider Augen durch eine
Sehnervenentzündung)
- Sprachstörungen (undeutliche Sprache)
- Gangunsicherheit
- Zittern
- Schmerzen unterschiedlicher Lokalisation
- rasche Ermüdbarkeit
- Schwindel
- Doppeltsehen
- Schwäche oder Lähmungserscheinungen in Arm(en) und/oder Bein(en)
- Gefühlsstörungen, unterschiedlicher Verteilung
- Entleerungsstörungen der Blase und des Darmes
Am wichtigsten ist auch hier für die Diagnosestellung die Erhebung der
Vorgeschichte und die neurologische (körperliche)
Untersuchung. Neben der Kernspintomographie des Gehirns und des Rückenmarkes
werden evozierte Potentiale, und
Lumbalpunktionen (Hierzu wird eine feine Nadel von hinten in Höhe des
unteren Lendenwirbelbereiches zwischen 4. und 5. oder des 3. und 4.
Lendenwirbelkörpers in den Nervenwassersack eingeführt und man läßt etwas
Nervenwasser abtropfen, die Untersuchung ist viel harmloser als ihr Ruf, sie ist
aber nur noch selten notwendig) in der technischen Diagnostik
eingesetzt. Deren Ergebnisse sind für sich allein meist nicht beweisend. Die
weißen Flecken im Kernspin können manchmal ihre Ursache in Druchblutungstörungen
oder anderen entzündlichen Gehirnerkrankungen haben. Manchmal haben sie auch gar
keine Bedeutung. Neuere Untersuchung bestätigen frühere Beobachtungen, daß
kernspintomographisch nachweisbare Krankheitsaktivität in Form
kontrastmittelaufnehmender Läsionen mit höherer Wahrscheinlichkeit nachfolgend
auch klinisch bemerkbare Schübe impliziert . Nicht unerwartet gilt ein ähnlicher
Zusammenhang auch für die Entwicklung neuer Läsionen bei kurzfristiger
kernspintomographischer Verlaufskontrolle. Aus diesem Grund kommt beiden
Befunden ein guter Vorhersagewert bezüglich der Entwicklung einer klinisch
definierten MS zu. Auch die Ausdehnung des Krankheitsprozesses bei
Erstmanifestation spielt prognostisch offensichtlich eine gewisse Rolle, wobei
der Hauptanteil der Zusatzinformation hier vor allem von der zusätzlichen
Durchführung einer qualitativ hochwertigen MRT-Untersuchung des Rückenmarks zu
erwarten ist. Sämtliche dieser Überlegungen dürften allerdings erst dann
Bedeutung gewinnen, wenn vor dem Abschluß stehende Therapiestudien (ETOMS,
CHAMPS) einen frühen Behandlungsbeginn der MS, d.h. sofort nach einem
eventuellen Erstsymptom, angezeigt erscheinen lassen. In diesem Fall müßten
allerdings sicher auch die derzeit gültigen allgemeinen Diagnosekriterien der MS
neu überdacht und adaptiert werden.Miller D, Albert P, Barkhof F, et al.
Guidelines for the use of magnetic resonance techniques in monitoring the
treatment of multiple sclerosis. Ann Neurol 1996;39:616
|
Diagnostische Kriterien der Multiplen Sklerose |
|
Klinische Symptome und Verlauf |
Benötigte Zusatzdiagnostik |
|
Zwei oder mehr Krankheitsschübe, klinischer Nachweis von 2
oder mehr Funktionsstörungen |
keine |
|
Zwei oder mehr Krankheitsschübe, klinischer Nachweis von
einer Funktionsstörung |
Räumliche Dissemination im MRT durch Nachweis eines
MS-typischen MRT-Befundes und entzündlicher Liquorbefund |
|
Ein Krankheitsschub, klinischer Nachweis von 2 oder mehr
Funktionsstörungen |
Zeitliche Dissemination im MRT durch Nebeneinander von
frischen Gd-anreichernden Herden und älteren Herden,bzw. Nachweis von
Gd-Aufnahme bei Folgeuntersuchung |
|
Ein Krankheitsschub, klinischer Nachweis einer
Funktionsstörung (Klinisch isoliertes Syndrom) |
Zeitliche und räumliche Dissemination im MRT mit
MS-typischem Befund und entzündlicher Liquorbefund |
|
Nach: McDonald W.I. et al., Ann Neurol 2001
Jul;50(1): 121-127 |
|
Neuere Kernspinkriterien der
MS |
| |
Dissemination nach Ort |
Dissemination nach Zeit |
McDonald 2005 ≥3 der folgenden:
|
9 T2 Läsionen oder 1 Gadolinium-enhancing Läsion; ≥3
periventrikuläre Läsioneb; ≥1 juxtacorticale Läsionen ≥1 Läsionen in
der hinteren Schädelgrube oder im Rückenmark
Eine Rückenmarksläsion kann eine Läsion in der hinteren Schädelgrube
ersetzen
Jede Anzahl von Rückenmarksläsionen kann bei der absoluten Zahl
mitgezählt werden |
Eine Gadolinium-enhancing Läsion ≥3 Monate nach Beginn eines
klinisch isolierten Syndroms
Eine neue T2 Läsion gegenüber dem Ausgangswert (Kernpin zu Beginn)
≥30 Tage nach Beginn eines klinisch isolierten Syndroms
|
| Neue Kriterien Swanton et al., |
≥1 Läsion an jeder von ≥2 charakteristischen
Lokalisationen: periventrikulär, juxtacortical, hintere
Schädelgrube, Rückenmark
Alle Läsionen in symptomatischen Regionen ausschließlich der
Hirnstamm- und Rückenmarkssyndrome |
Eine neue T2 Läsion beim Kontrollkernspin unabhängig vom
Zeitpunkt des Ausgangskernspins. |
Polman CH, Reingold SC, Edan G, et al. Diagnostic
criteria for multiple sclerosis: 2005 revisions to the “McDonald
Criteria”.
Ann Neurol 2005; 58: 840–46.
Swanton JK, Fernando KT, Dalton CM, et al. Modifi cation of MRI
criteria for multiple sclerosis in patients with clinically isolated
syndromes. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2006; 77: 830–33.[Abstract]
[Full text]
[PDF]
|
Nach einer neuen Studie wird allen Kernpsinkriterien
eine hohe Spezifität (2001 McDonald, 91%; 2005 McDonald, 88%; Swanton
et al. 87%) zugesprochen, die Sensitivität von Swanton et al. (72%)
und 2005 McDonald (60%) Kriterien war höher als die der 2001
McDonald Kriterien (47%).
Sensitivität und Spezifität
Josephine K Swanton, Alex Rovira, Mar Tintore,
Daniel R Altmann, Frederik Barkhof, Massimo Filippi, Elena Huerga,
Katherine A Miszkiel, Gordon T Plant, Chris Polman, Marco Rovaris,
Alan J Thompson, Xavier Montalban, David H MillerMRI criteria for
multiple sclerosis in patients presenting with clinically isolated
syndromes: a multicentre retrospective study Lancet Neurol 2007; 6:
677–86 |
Making
the Diagnosis -The Case
for Early Diagnosis and Treatment In Relapsing Remitting Multiple Sclerosis
Early Diagnosis and
Intervention in Multiple Sclerosis -
Poser Criteria: Diagnosing Multiple Sclerosis -
|
Depressive Symptome als Reaktion auf die Erkrankung.
|
|
Die Diagnostik depressiver Verstimmungen bei einer MS kann
schwierig sein. Müdigkeit ist bei MS häufig ein organisch begründetes Symptom
(als MS- Fatigue). Auch letztere spricht auf Antidepressiva an. Kognitive
Symptome sind ebenfalls häufig bei der Erkrankung. Kognitive Dysfunktionen
werden bei 40–65% der Patienten in mehr oder minder ausgeprägter Form
angegeben. Bei 40–50% aller MS-Patienten sollen berufs- und alltagsrelevante
kognitive Störungen vorliegen, bei 22–31% sollen Störungen im Bereich Lernen
und Gedächtnis, 22–25% im Bereich Aufmerksamkeit und 13–19% im Bereich
exekutiver Funktionen bzw. räumlich-konstruktiver Leistungen vorliegen. Diese
neuropsychologischen Defizite können schon in frühen Stadien der Erkrankung
vorhanden sein. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass Veränderungen der
grauen Substanz, die bisher unterschätzt wurden, hierfür verantwortlich sind.
Die graue Substanz soll bei MS-Kranken um bis zu 30% gegenüber einer
Altersvergleichsgruppe vermindert sein. Diese und andere Zusammenhänge werden
noch nicht vollständig verstanden. Die Unterscheidung organischer depressiver
Syndrome von reaktiv- depressiven Zustandsbildern ist oft nicht möglich. Die Verarbeitung der Diagnose ist nicht einfach. Viele
Patienten haben vor allem zu Beginn der Erkrankung große Schwierigkeiten die
Erkrankung für sich akzeptieren zu können. mangelhafte Informationen ängstigen
besonders. Es verwundert deshalb nicht, wenn zusätzlich depressive Symptome
entstehen. In frühen Krankheitsstadien der MS nach Bekanntwerden der Diagnose
besteht ein erhöhtes Suizidrisiko. Depressionen werden bei MS auch sonst
häufig beobachtet, in circa 20-25 % ist eine psychotherapeutische und
medikamentöse Behandlung erforderlich. C. Wegner and P.M. Matthews, A new view of the cortex, new
insights into multiple sclerosis, Brain 2003 126: 1719-1721..[Full
Text] Michael Sailer, Bruce Fischl, David Salat, Claus Tempelmann, Mircea
Ariel Schönfeld, Evelina Busa, Nils Bodammer, Hans-Jochen Heinze, and Anders
Dale Focal thinning of the cerebral cortex in multiple sclerosis
Brain Advance Access published on June 4, 2003, 10.1093/brain/awg175 Brain
2003 126: 1734-1744.Abstract]
[Full Text]
Kunkel
A,
Schulz
D,
Faiss
J, Neuropsychologische Funktionen im frühen Stadium
der Multiplen Sklerose, Aktuelle Neurologie 2003 Thema: MS III
P505
|
 |
Anschrift des Verfassers: (Praxisadresse) |
|
Feedback: |
Karl C. Mayer |
|
Gästebuch |
Bergheimerstraße 56a |
|
E-Mail |
69115 Heidelberg |
| |
|