Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Bei einer MS ist nichts unmöglich aber es gibt Hinweise und Zeichen

spricht für eine MS spricht nicht für eine MS
Beginn zwischen 15 und 50, Schübe mit Rückbildung der Symptome, Optikusneuritis, Lhermitte’sches Zeichen, Partielle transverse Myelitis, Akute Harnverhaltung, Fatigue (anhaltende Müdigkeit),Verschlechterung der Symptome nach Sonnenbaden oder Überanstrengung, Internukleäre Ophthalmoplegie, Sensorisch nicht nutzbare Hand Beginn vor dem Alter von 10 oder nach dem 55. Lebensjahr, Stetige Zunahme der Symptome ohne Schübe, epileptische Anfälle, Frühzeitige Demenzentwicklung, Aphasie, Agnosie, Apraxie, Enzcephalopathie, Extrapyramidale Symptome, Uveitis, Periphere Neuropathie
Nach: Goetz CG, ed. Textbook of Clinical Neurology. 2nd ed. Philadelphia, Pa: WB Saunders; 2003:1060-1076.

 

Auch eine Vielzahl anderer Erkrankungen kann Optikusneuropathien oder ähnliche Symptome machen:

Andere entzündliche Optikusneuropathien
Postinfektiös Bilateral und gleichzeitig Kernspin mit Kontrastmittel
Nach Impfung oft Kinder mit guter Prognose Lumbalpunktion
Akute disseminierende Enzephalomyelitis geschwollener Sehnervenaustrittspunkt und Makulastar; Bartonella, Borrelien, und Syphilisserologie
Neuroretinitis spontane Besserung
Compressive Optikusneuropathien
Primärtumore bes. Meningeome, schmerzlos (selten schmerzhaft bes. bei Aneurysmen und Mukozoelen); Kernspin mit Kontrastmittel
Gliome, und Hypophysentumoure progressiver Sehverlust; Biopsie wenn nötig
Metastasen Optikusatrophie bei Erstuntersuchung;
Tuberkulome Vorgeschichte mit Primärtumor (bei Metastasen)
Schildrüsenbedingte Ophthalmopathie
Arterielle Aneurysmen
Nebenhöhlenmukozoelen
Infectious Optikusneuropathien
Syphilis forschreitender  Sehverlust nach Infekt, Optikusschwellung, Serologie
Tuberkulose Glaskörperveränderungen Lumbalpunktion
Borreliose Röntgen Thorax
Virale Optikusneuritis Tuberkulintest
Ischaemische Optikusneuropathien
Anteriore ischaemische Optikusneuropathie ältere Menschen, plötzlicher Beginn BKS
Posteriore ischaemische Optikusneuropathie  (PION) schmerzlos (außer GCA);
Riesenzellarteritis (GCA) geschwollene Papille  (außer PION);
Diabetische Papillopathie
Toxische und ernährungsbedingte Optikusneuropathien
Vitamin B12 Mangel Bilateral und symmetrisch; schmerzlos Serum Vitamin B12
Kupfermangel nach Magenop (siehe Arch Neurol. 2009;66(8):1025-1027 kann gleichzeitig zum B12 Mangel vorliegen Serum Kupfer
Tobak-Alkoholamblyopie schlechte Prognose
Methanolintoxikation
Ethambutolintoxikation
Kubanische und Tansaniscge epidemische Optikusneuropathie
Erbliche Optikusneuropathien
Leber'sche Optikusneuropathie Familienanamnese, sequentiell (oder simultan) bilateral schmerzlos Sehverlust Genetische Testung nach der  Leber'schen Mutation
Augenerkrankungen
Posteriore Skleritis schwerer Schmerz, weniger Sehverlust B-mode ultrasound of orbits
Makulopathie und Retinopathie, i Schmerzlos, Metamorphopsie (Verschwommensehen oder verändertes Sehen); erhaltenes Farbsehen Elektroretinogramm
Großes Blinder Fleck Syndrom Gesichtsfeldverlust, Normaler Fundus, erhaltenes Farbsehen Fluoroszeinangiogramm
Elektrokardiogram (EKG)

 

 

Häufige Symptome der MS: Die meisten Menschen die eines oder mehrere dieser Symptome haben haben keine MS.  Solche Symptome sind aber immer ein Grund einen Neurologen aufzusuchen.

  • Sehverschlechterung (eines oder beider Augen durch eine Sehnervenentzündung)
  • Sprachstörungen (undeutliche Sprache)
  • Gangunsicherheit
  • Zittern
  • Schmerzen unterschiedlicher Lokalisation
  • rasche Ermüdbarkeit
  • Schwindel
  • Doppeltsehen
  • Schwäche oder Lähmungserscheinungen in Arm(en) und/oder Bein(en)
  • Gefühlsstörungen, unterschiedlicher Verteilung 
  • Entleerungsstörungen der Blase und des Darmes

wpe5.jpg (3135 Byte) Am wichtigsten ist auch hier für die Diagnosestellung die Erhebung der Vorgeschichte und die neurologische (körperliche) Untersuchung. Neben der Kernspintomographie des Gehirns und des Rückenmarkes werden evozierte Potentiale, und Lumbalpunktionen (Hierzu wird eine feine Nadel von hinten in Höhe des unteren Lendenwirbelbereiches zwischen 4. und 5. oder des 3. und 4. Lendenwirbelkörpers in den Nervenwassersack eingeführt und man läßt etwas Nervenwasser abtropfen, die Untersuchung ist viel harmloser als ihr Ruf, sie ist aber nur noch selten notwendig) in der technischen Diagnostik eingesetzt. Deren Ergebnisse sind für sich allein meist nicht beweisend. Die weißen Flecken im Kernspin können manchmal ihre Ursache in Druchblutungstörungen oder anderen entzündlichen Gehirnerkrankungen haben. Manchmal haben sie auch gar keine Bedeutung. Neuere Untersuchung bestätigen frühere Beobachtungen, daß kernspintomographisch nachweisbare Krankheitsaktivität in Form kontrastmittelaufnehmender Läsionen mit höherer Wahrscheinlichkeit nachfolgend auch klinisch bemerkbare Schübe impliziert . Nicht unerwartet gilt ein ähnlicher Zusammenhang auch für die Entwicklung neuer Läsionen bei kurzfristiger kernspintomographischer Verlaufskontrolle. Aus diesem Grund kommt beiden Befunden ein guter Vorhersagewert bezüglich der Entwicklung einer klinisch definierten MS zu. Auch die Ausdehnung des Krankheitsprozesses bei Erstmanifestation spielt prognostisch offensichtlich eine gewisse Rolle, wobei der Hauptanteil der Zusatzinformation hier vor allem von der zusätzlichen Durchführung einer qualitativ hochwertigen MRT-Untersuchung des Rückenmarks zu erwarten ist. Sämtliche dieser Überlegungen dürften allerdings erst dann Bedeutung gewinnen, wenn vor dem Abschluß stehende Therapiestudien (ETOMS, CHAMPS) einen frühen Behandlungsbeginn der MS, d.h. sofort nach einem eventuellen Erstsymptom, angezeigt erscheinen lassen. In diesem Fall müßten allerdings sicher auch die derzeit gültigen allgemeinen Diagnosekriterien der MS neu überdacht und adaptiert werden.Miller D, Albert P, Barkhof F, et al. Guidelines for the use of magnetic resonance techniques in monitoring the treatment of multiple sclerosis. Ann Neurol 1996;39:616 

 

                         Diagnostische Kriterien der Multiplen Sklerose

Klinische Symptome und Verlauf

Benötigte Zusatzdiagnostik

Zwei oder mehr Krankheitsschübe, klinischer Nachweis von 2 oder mehr Funktionsstörungen

keine

Zwei oder mehr Krankheitsschübe, klinischer Nachweis von einer Funktionsstörung

Räumliche Dissemination im MRT durch Nachweis eines MS-typischen MRT-Befundes  und entzündlicher Liquorbefund

Ein Krankheitsschub, klinischer Nachweis von 2 oder mehr Funktionsstörungen

Zeitliche Dissemination im MRT durch Nebeneinander von frischen Gd-anreichernden Herden und älteren Herden,bzw. Nachweis von Gd-Aufnahme bei Folgeuntersuchung

Ein Krankheitsschub, klinischer Nachweis einer Funktionsstörung (Klinisch isoliertes Syndrom)

Zeitliche und räumliche Dissemination im MRT mit MS-typischem Befund  und entzündlicher Liquorbefund

Nach: McDonald W.I. et al., Ann Neurol 2001 Jul;50(1): 121-127

 

Neuere Kernspinkriterien der MS

  Dissemination nach Ort Dissemination nach Zeit
McDonald 2005 ≥3 der folgenden:
 
9 T2 Läsionen oder 1 Gadolinium-enhancing Läsion; ≥3 periventrikuläre Läsioneb; ≥1 juxtacorticale Läsionen ≥1 Läsionen in der hinteren Schädelgrube oder im Rückenmark
Eine Rückenmarksläsion kann eine Läsion in der hinteren Schädelgrube ersetzen
Jede Anzahl von Rückenmarksläsionen kann bei der absoluten Zahl mitgezählt werden
Eine Gadolinium-enhancing Läsion ≥3 Monate nach Beginn eines klinisch isolierten Syndroms
Eine neue T2 Läsion gegenüber dem Ausgangswert (Kernpin zu Beginn) ≥30 Tage  nach Beginn eines klinisch isolierten Syndroms 
Neue Kriterien Swanton et al., ≥1 Läsion an jeder von  ≥2 charakteristischen Lokalisationen: periventrikulär, juxtacortical, hintere Schädelgrube, Rückenmark
Alle Läsionen in symptomatischen Regionen ausschließlich der Hirnstamm- und Rückenmarkssyndrome
Eine neue T2 Läsion beim Kontrollkernspin unabhängig vom Zeitpunkt des Ausgangskernspins.
Polman CH, Reingold SC, Edan G, et al. Diagnostic criteria for multiple sclerosis: 2005 revisions to the “McDonald Criteria”. Ann Neurol 2005; 58: 840–46.
Swanton JK, Fernando KT, Dalton CM, et al. Modifi cation of MRI criteria for multiple sclerosis in patients with clinically isolated syndromes. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2006; 77: 830–33.[Abstract] [Full text] [PDF]
Nach einer neuen Studie wird allen Kernpsinkriterien eine hohe Spezifität (2001 McDonald, 91%; 2005 McDonald, 88%; Swanton et al. 87%) zugesprochen, die Sensitivität von Swanton et al. (72%) und 2005 McDonald (60%) Kriterien war höher als die der 2001 McDonald Kriterien (47%). Sensitivität und Spezifität
Josephine K Swanton, Alex Rovira, Mar Tintore, Daniel R Altmann, Frederik Barkhof, Massimo Filippi, Elena Huerga, Katherine A Miszkiel, Gordon T Plant, Chris Polman, Marco Rovaris, Alan J Thompson, Xavier Montalban, David H MillerMRI criteria for multiple sclerosis in patients presenting with clinically isolated syndromes: a multicentre retrospective study Lancet Neurol 2007; 6: 677–86

 

Making the Diagnosis -The Case for Early Diagnosis and Treatment In Relapsing Remitting Multiple Sclerosis Early Diagnosis and Intervention in Multiple Sclerosis - Poser Criteria: Diagnosing Multiple Sclerosis -

Depressive Symptome als Reaktion auf die Erkrankung.

Die Diagnostik depressiver Verstimmungen bei einer MS kann schwierig sein. Müdigkeit ist bei MS häufig ein organisch begründetes Symptom (als MS- Fatigue). Auch letztere spricht auf Antidepressiva an. Kognitive Symptome sind ebenfalls häufig bei der Erkrankung. Kognitive Dysfunktionen werden bei 40–65% der Patienten in mehr oder minder ausgeprägter Form angegeben. Bei 40–50% aller MS-Patienten sollen berufs- und alltagsrelevante kognitive Störungen vorliegen, bei 22–31% sollen Störungen im Bereich Lernen und Gedächtnis, 22–25% im Bereich Aufmerksamkeit und 13–19% im Bereich exekutiver Funktionen bzw. räumlich-konstruktiver Leistungen vorliegen. Diese neuropsychologischen Defizite können schon in frühen Stadien der Erkrankung vorhanden sein.   Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass Veränderungen der grauen Substanz, die bisher unterschätzt wurden, hierfür verantwortlich sind. Die graue Substanz soll bei MS-Kranken um bis zu 30% gegenüber einer Altersvergleichsgruppe vermindert sein. Diese und andere Zusammenhänge werden noch nicht vollständig verstanden. Die Unterscheidung organischer depressiver Syndrome von reaktiv- depressiven Zustandsbildern ist oft nicht möglich. Die Verarbeitung der Diagnose ist nicht einfach. Viele Patienten haben vor allem zu Beginn der Erkrankung große Schwierigkeiten die Erkrankung für sich akzeptieren zu können. mangelhafte Informationen ängstigen besonders. Es verwundert deshalb nicht, wenn zusätzlich depressive Symptome entstehen. In frühen Krankheitsstadien der MS nach Bekanntwerden der Diagnose besteht ein erhöhtes Suizidrisiko. Depressionen werden bei MS auch sonst häufig beobachtet, in circa 20-25 % ist eine psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung erforderlich. C. Wegner and P.M. Matthews, A new view of the cortex, new insights into multiple sclerosis, Brain 2003 126: 1719-1721..[Full Text]  Michael Sailer, Bruce Fischl, David Salat, Claus Tempelmann, Mircea Ariel Schönfeld, Evelina Busa, Nils Bodammer, Hans-Jochen Heinze, and Anders Dale Focal thinning of the cerebral cortex in multiple sclerosis Brain Advance Access published on June 4, 2003, 10.1093/brain/awg175 Brain 2003 126: 1734-1744.Abstract] [Full Text]   Kunkel A, Schulz D, Faiss J, Neuropsychologische Funktionen im frühen Stadium
der Multiplen Sklerose, Aktuelle Neurologie 2003 Thema: MS III P505

 

 

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