| Eine frühzeitige Behandlung der
Multiplen Sklerose (MS) mit Interferon-Präparaten kann nach einer amerikanischen
Multicenter-Studie den Krankheitsverlauf deutlich verlangsamen. In einigen Fällen sei die
fortschreitende Myelin-Zerstörung sogar gestoppt worden, veröffentlicht das "New
England Journal of Medicine in der Ausgabe vom 28.9.00. Die Ergebnisse einer
Langzeitstudie mit 383 Patienten in 50 Medizinischen Zentren der USA und Kanadas eröffnen
eine neue Perspektive für die Behandlung von Multipler Sklerose. Bisher wird
Interferon selten bereits nach dem ersten Krankheitsschub zu verordnet, Schuld ist hier
ein inzwischen veraltete, aber noch nicht geänderte Definition der MS. Nach der neuen
Untersuchung gibt es Hinweise, daß gerade die frühzeitige Behandlung die besten Erfolge
erwarten läßt. In der Studie wurde direkt im Anschluß an deine kurzdauernde
Kortisonbehandlung mit Interferon begonnen. Inwieweit eine frühzeitige
Interferon-Behandlung den Krankheitsverlauf nach den 3 Jahren beeinflußt ist
allerdings weiter offen. Unklar bleibt auch weiterhin, wann eine
Interferonbehandlung beendet werden soll. Gesicherte Kriterien hierfür gibt es bisher
nicht. Die Bedeutung der Kernspintomographie war bei Schaffung der noch aktuellen
Definition noch nicht gewürdigt worden. Zukünftig wird man bereits dann von einer MS
sprechen, wenn mindestens ein Schub aufgetreten ist und die Kernspintomographie des
zentralen Nervensystems einen eindeutigen Befund ergibt. Auf dem Neurologen- Kongress in
Baden- Baden an diesem Wochenende wurden auch die Zweifel englischer Ärzte an dem Nutzen
und der Kosteneffektivität der Interferonbehandlung angesprochen. Überwiegender Tenor
von Diskussionsleiter und Referent war, daß die englischen Ärzte die unter dem Eindruck
der Einsparungen im dortigen Gesundheitswesen ihre Zahlen veröffentlichen und Zweifel an
der bewiesenen Wirksamkeit der Präparate begründen, im privaten Gespräch eine ganz
andere Meinung vertreten. Ängste vor Regressen spielen allerdings auch hierzulande
inzwischen eine entscheidende Rolle in der Therapie mit teuren Medikamenten. Zu
berücksichtigen ist allerdings auch, daß auch Pharmafirmen kräftigen Druck für die
Verordnung dieser sehr profitablen Substanzen machen. Kaum einer derer die sich auf einem
Kongress auf dem Podium bei der Diskussion zur MS- Behandlung befindet, war nicht an einer
der Studien beteiligt, im Publikum nicht wenige gesponsert von einer der Interferon
produzierenden Firmen für den Kongressaufenthalt. Auch in Deutschland wird nur ein
Viertel der Betroffenen mit Interferonen behandelt. Die Tabellen der
englischen (viel kritisierten aber doch beachtenswerten) Kosten- Nutzen Rechnungen zur
Interferonbehandlung aus dem BMJ |