Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Eine frühzeitige Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) mit  Interferon-Präparaten kann nach einer amerikanischen Multicenter-Studie den Krankheitsverlauf deutlich verlangsamen. In einigen Fällen sei die fortschreitende Myelin-Zerstörung sogar gestoppt worden, veröffentlicht das "New England Journal of Medicine“ in der Ausgabe vom 28.9.00. Die Ergebnisse einer Langzeitstudie mit 383 Patienten in 50 Medizinischen Zentren der USA und Kanadas eröffnen eine neue Perspektive für die Behandlung von Multipler Sklerose.  Bisher wird Interferon selten bereits nach dem ersten Krankheitsschub zu verordnet, Schuld ist hier ein inzwischen veraltete, aber noch nicht geänderte Definition der MS. Nach der neuen Untersuchung gibt es Hinweise, daß gerade die frühzeitige Behandlung die besten Erfolge erwarten läßt. In der Studie wurde direkt im Anschluß an deine kurzdauernde Kortisonbehandlung mit Interferon begonnen.  Inwieweit eine frühzeitige Interferon-Behandlung den Krankheitsverlauf nach den 3 Jahren  beeinflußt ist allerdings weiter offen. Unklar bleibt auch weiterhin, wann  eine Interferonbehandlung beendet werden soll. Gesicherte Kriterien hierfür gibt es bisher nicht. Die Bedeutung der Kernspintomographie war bei Schaffung der noch aktuellen Definition noch nicht gewürdigt worden. Zukünftig wird man bereits dann von einer MS sprechen, wenn mindestens ein Schub aufgetreten ist und die Kernspintomographie des zentralen Nervensystems einen eindeutigen Befund ergibt. Auf dem Neurologen- Kongress in Baden- Baden an diesem Wochenende wurden auch die Zweifel englischer Ärzte an dem Nutzen und der Kosteneffektivität der Interferonbehandlung angesprochen. Überwiegender Tenor von Diskussionsleiter und Referent war, daß die englischen Ärzte die unter dem Eindruck der Einsparungen im dortigen Gesundheitswesen ihre Zahlen veröffentlichen und Zweifel an der bewiesenen Wirksamkeit der Präparate begründen, im privaten Gespräch eine ganz andere Meinung vertreten.  Ängste vor Regressen spielen allerdings auch hierzulande inzwischen eine entscheidende Rolle in der Therapie mit teuren Medikamenten. Zu berücksichtigen ist allerdings auch, daß auch Pharmafirmen kräftigen Druck für die Verordnung dieser sehr profitablen Substanzen machen. Kaum einer derer die sich auf einem Kongress auf dem Podium bei der Diskussion zur MS- Behandlung befindet, war nicht an einer der Studien beteiligt, im Publikum nicht wenige gesponsert von einer der Interferon produzierenden Firmen für den Kongressaufenthalt.  Auch in Deutschland wird nur ein Viertel der Betroffenen mit Interferonen behandelt.

Die Tabellen der englischen (viel kritisierten aber doch beachtenswerten) Kosten- Nutzen Rechnungen zur Interferonbehandlung aus dem BMJ

Nine month costs (1995 prices) to health service and society of patients with multiple sclerosis and estimate of cost of extra nine months of wheelchair dependence

Mean utility value (health state value) for people with secondary progressive multiple sclerosis stratified by postal ambulation scale score

Inputs to the cost utility model of interferon beta 1b for secondary progressive multiple sclerosis (Tayside 1993-5)

Threshold analysis of interferon beta-1b treatment for secondary progressive multiple sclerosis (Tayside, 1993-5): values required to meet different costs per QALY thresholds

Cost per quality adjusted life year of interferons in multiple sclerosis

Survival curve to wheelchair dependence in patients with multiple sclerosis treated with interferon beta-1b and controls. Area between curves/ 100=average delay; dotted lines indicate 83rd centile

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