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Ratschäge
Es gibt keine Diät, die die MS nachweislich heilt. Die Propagierung einer
fettarmen ballastreichen Kost unter Bevorzugung mehrfach-ungesättigter
Fettsäuren ist ernährungsphysiologisch sinnvoll, der milde immunmodulative
Effekt bestimmter essentieller Fettsäuren als biologischer Vorläufer
kontrainflammatorischer Zytokine ist zumindest tierexperimentell belegt.
Sport in Maßen stärkt das Immunsystem; gemeint ist für MS-Patienten hier der
spielerische Sport oder der konditionsfördernde Ausdauersport, nicht der
Hochleistungssport.
Veraltete Vorstellungen zur restriktiven Haltung "MS und Schwangerschaft" sind
durch neuere Studien nicht nur gründlich widerlegt, sondern zur gegenteiligen
Empfehlung geworden.
Stress und MS
Überwiegende Schonung vermindert die Stresstoleranz und macht anfälliger.
Deshalb sollte man, wenn man an einer MS erkrankt ist, gut darauf achten, wie
viel Schonung, wie lange sinnvoll ist.
MS-Patienten bedürfen im akuten Schub der Schonung, gehören aber nicht ins Bett
– und schon gar nicht gleich in die Rente. MS- Schübe entstehen häufiger nach
akutem Stress. Belastende Lebensereignisse verdoppeln nach einer neuen
prospektiven Studie das Risiko eines neuen Schubes innerhalb von 4 Wochen bei
MS- Kranken, Infekte verdreifachen dieses Risiko. Auch kleinere
zwischenmenschliche Probleme können Schübe auslösen. Zwischenmenschliche
Konflikte können durchaus einen Schub auslösen. Konflikte sind nicht immer vermeidbar, es könnte aber für MS-Patienten besonders
bedeutsam sein, Stressbewältigungstechniken zu lernen und sich bei der
Bewältigung psychischer Problem helfen zu lassen. Manche Studien geben Hinweise,
dass verbesserte Stressbewältigungsstrategien, das Risiko eines Schubes
vermindern.
Gesund leben
Körperliche Überwärmung führt vor allem bei Optikus-Schädigungen oder spinalen
Symptomen – bekannt auch als Uhthoff-Phänomen – zu einer reversiblen
Symptomverstärkung. Mit der Empfehlung "warm anziehen" ist eine allgemeine
Infektprophylaxe gemeint, da sich auffällig häufig MS-Schübe zu banalen Infekten
zeitlich korrelieren lassen. Auch für MS-Betroffene gilt der Grundsatz: Die
einzige sichere Möglichkeit, sein Leben zu verlängern, ist, es nicht zu
verkürzen. Also Hände weg von Nikotin und übermäßigem Alkoholgenuß! Rauchen
vergrößert nachweislich das Risiko an einer MS zu erkranken und
verschlechtert nachweislich den Verlauf einer MS erheblich.
Arch Neurol. 2009;66(7):858-864
Raucher mit MS haben eine
durchlässigere Bluthirnschranke und dadurch größere Läsionen im Kernspin und
eine ausgeprägtere Hirnatrohpie im Vergleich zu Nichtrauchern mit MS.
Neurology 2009;73:504–510 Trotz
tradierter Vorurteile stellt die MS heute keine Kontraindikation bei medizinisch
indizierten Operationen mehr dar. Nach dem Schwerbehindertengesetz sind
Behinderungen und keine Diagnosen zur Beurteilung relevant, trotzdem wird bei
der Unwägbarkeit des weiteren Verlaufs oft schon nach Diagnosestellung ein
"Ausweis" beantragt, um über die dann meist zugebilligten "50 Prozent"
erweiterten Kündigungsschutz zu erhalten. Dies kann umgekehrt beim Wechsel des
Arbeitsplatzes dann wieder zum Einstellungshindernis werden.
|
Unsinnige Verbote oder Vorschriften: |
Teilweise richtige Ratschläge: |
1.
Spezielle Diät einhalten
2. Nie wieder Sport treiben
3. Auf keinen Fall schwanger werden
4. Strenge Bettruhe bei Schüben
5. Arbeit ist Stress und Stress macht krank
Daher Rente beantragen |
1.
Sonne und Hitze meiden
2. Warm anziehen
3. Hände weg von Alkohol und Nikotin
4. Nie operieren lassen
5. Schwerbehindertenausweis |
| nach
Prof.
Dr. Dietmar Seidel, Augustahospital Anholt,46419 Isselburg |
MS und Impfen
| Viele bakterielle und virale Infektionen können MS-Schübe
auslösen, einen sicheren Nachweis, dass dies irgendeine Impfung in ähnlicher
Häufung tut, gibt es nicht. Bei Infekten wie bakteriellen Harnwegsinfekten
viralen Atemwegserkrankungen, oder einer Gastroenteritis ist ein erhöhtes
Risiko für das Auftreten eines MS- Schubes im Rahmen des Infektes gesichert. Das Risiko eines erneuten Schubes bei der Multiplen
Sklerose durch Impfungen ist eine weit verbreitete Sorge, die oft diskutiert
wird. Grippewelle,- soll man bei einer MS impfen- Neue Studien sagen ein
unzweifelhaftes "Ja" . Nach der Datenlage bestehen keine Bedenken gegen die
Impfung. Umgekehrt haben MS- Patienten ein erhöhtes Risiko für schwerere
Verläufe der Grippe. Ähnliches gilt unzweifelhaft auch für Tetanus- und
Hepatitis B- Impfungen. Masern, Mumps, Röteln Impfung bedeutet kein erhöhtes
Risiko für einen MS-Schub, bei Immunsuppression wird diese
Kombinationsimpfung aber nicht empfohlen. Wie zu jedem Zeitpunkt überhaupt, kann ein
MS-Schub auch zum Zeitpunkt einer Impfung auftreten. Dies bedeutet nicht,
dass deshalb die Impfung auslösend wäre. Alle bisher vorliegenden Daten
sagen jedenfalls, dass die Wahrscheinlichkeit eines MS- Schubes oder des
erstmaligen Auftretens einer MS im Rahmen einer Impfung nicht erhöht ist.
Die Daten stammen aus sehr unterschiedlich angelegten Studien, die sehr
viele Patienten einschlossen und können mittlerweile als sehr gut gesichert
gelten. Ausnahmen: Bei der Gelbfieberimpfung erscheint eine
Verschlechterung der MS möglich. Bei FSME (Frühsommermeningoenzephalitis)
titt im Einzelfall nach Impfung eine akute disseminierte Enzephalitis auf,
ohne dass es Hinweise gibt, dass diese etwas mit einer MS zu tun hat,
dennoch eher nicht impfen. Keine ausreichenden Daten zur Sicherheit gibt
es bei folgenden Impfungen: Meningokokken, Tollwut, Pertussis,
Poliomyelitis, Typhus, Cholera, Haemophilus influenzae, Hepatitis A,
Pneumokokken. Bei den letztgenannten Impfungen muss deshalb im Einzelfall
Nutzen und Risiko genau abgewogen werden.
Unter Behandlung mit Azathioprin, Mitoxantron, intravenösen
Immunglobulinen, Rituximab, Cyclophosphamid wird oft keine ausreichende
Immunantwort und damit auch kein ausreichender Impfschutz erreicht. Bei
Einnahme dieser Medikamente muss die Impfung genau abgewogen werden.
Bei Behandlung mit Interferonen oder Glatirameracetat muss
kontrolliert werden ob nach Impfung eine Antikörperbildung eintritt. Unter
hochdosierter Behandlung mit Methylprednisolon sollte nicht geimpft werden,
hier sollte 2 Wochen abgewartet werden.
In einer 2001 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie
wurde diesem Risiko nachgegangen. Dabei wurde bei 643 Patienten mit
einem akuten Schub untersucht, ob es einen solchen Zusammenhang gab. Für den
Zeitraum von einem Monat, 3 Monaten und einem Jahr nach der Impfung ließ
sich kein solcher Zusammenhang nachweisen. Zumindest für Tetanus- ,
Hepatitis B, oder die Grippe- Impfung kann damit Entwarnung gegeben werden.
In einer weiteren Studie, die in der selben Ausgabe es NEJM
veröffentlicht wurde, wurde bei einer großen Zahl von Frauen isoliert der
Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang zwischen Hepatitis B- Impfung
und MS, sowohl beim ersten Auftreten, als auch bei neuen Schüben gibt. Diese
Studie stützt sich auf die Beobachtung von immerhin 121,700 Frauen
seit 1976 und 116,671 Frauen seit 1989 bezüglich der Erstmanifestation einer
MS. Bei der Analyse wurden 192 Frauen mit MS mit 645 vergleichbaren Frauen
im Verlauf verglichen. Im Ergebnis gab es auch hier keinerlei Zusammenhang
zwischen einer Hepatitis B- Impfung und neuen Schüben einer MS oder dem
Auftreten einer MS. In einer Studie
wurden 440 neu diagnostizierte MS- und Optikusneuritis Fälle aus den Jahren
1995-1999 darauf hin untersucht, ob bei den Patienten häufiger Impfungen
(Grippe, Hepatitis, Tetanus, Masern Mumps Röteln) voraus gegangen waren als
bei einer Kontrollgruppe. Auch diese Studie gab für die
Hepatitisimpfung und Grippeimpfung Entwarnung, für Tetanus sah es sogar so
aus, als ob die Impfung einen Schutz darstellen würde.
In einer
französischen
Studie
wurden 356
Kinder bis
2005 mit
einer
ersten
entzündlichen
ZNS-
Erkrankung
5,8 Jahre
nachbeobachtet.
In dieser
Zeit trat,
bei 146
(41%) ein
erneuter
Krankheitsschub
auf. Ein
Zusammenhang
zur
Hepatitis-,
oder
Tetanusimpfung
bestand
nicht. (Brain
2007 130:
1105-1110)
Trotz dem enormen Erfolg, den Impfungen in der Kontrolle und Ausrottung
schwerwiegender Krankheiten in der Welt haben, überwiegen in der
Öffentlichkeit weiter Ängste bezüglich der Impfungen. Ängste vor
Nebenwirkungen - reale wie andere- begleiten Impfprogramme seit Einführung
der Pockenimpfung. Besonders in unserer postmodernen Gesellschaft, sind
Menschen besonders skeptisch gegenüber Impfungen geworden, was die Chancen
zur Ausrottung mancher gefährlichen Krankheit gerade in den
Industrienationen mindert. Wie anderswo, ist auch bei Impfungen die
Wahrnehmung des Risikos dort besonders groß, wo es sich um eine Folge
einer menschlichen Handlung handelt. Dies im Gegensatz zu den Gefahren, die
durch ein Naturereignis oder den Gefahren durch einen natürlich vorkommenden
Krankheitserreger.
Bei vielen Krankheiten wie der Multiplen Sklerose ist die Ursache noch
nicht bekannt. Wenn breitere Bevölkerungsschichten geimpft werden, ist es
unvermeidlich, dass auch im Zusammenhang mit einer Impfkampagne bei solchen
häufigen Erkrankungen Schübe oder Erstmanifestationen beobachtet werden. Es
ist verständlich, dass die Betroffenen wie auch möglicherweise die
behandelnden Ärzte aus dieser möglicherweise zufälligen Abfolge einen
Zusammenhang vermuten. Besonders bei immunologischen Erkrankungen wie
der MS wäre ein solcher Zusammenhang (über eine Stimulierung des
Immunsystems) auch denkbar. Er ist auf jeden Fall abklärungsbedürftig. Nur
größere und längerfristige Studien wie die jetzt veröffentlichten können
dabei sichere Entwarnung geben. Gerade bezüglich des Immunsystems gibt es
viele absurde Vorstellungen unter Laien. So sind immerhin 25% der
Bevölkerung der der Meinung, dass häufige Impfungen bei Kindern das
Immunsystem schwächen. Ebenso viele gehen davon aus, dass Kinder zu häufig
geimpft werden. Eindeutige Hinweise, dass Grippe- oder Hepatitis- Impfungen
bei MS Schaden anrichten fehlen. Schwere Allgemeininfekte verschlimmern eine
MS, auch unter diesem Gesichtspunkt erscheint impfen gerade bei MS sinnvoll.
Vorurteile gegen Impfen sind besonders in wohlhabenden Kreisen häufig
geworden. Nicht nur bei Kindern schadet dies im Einzelfall wie der
Allgemeinheit.
Aktuellen Impfempfehlungen werden am besten direkt beim
Robert-Koch-Institut nachgesehen.
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