Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Multiple Sklerose

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Multiple Sklerose ist eine chronische, entzündliche, demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark).

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung

 

Die Nervenzelle, auch als Neuron bezeichnet, setzt sich zusammen aus einem etwa 0,25 mm großen Zellkörper (Soma) und mehreren Fortsätzen, den Dendriten. Der Zellkörper besteht aus dem Zellkern und den Nißl-Schollen, das sind stark von Ribosomen besetzte endoplasmatische Retikulen. Die aus dem Zellkörper herausragenden Dendriten sind kurz und stark verästelt. Einer dieser Fortsätze kann sehr lang werden und wird als Nervenfaser, Neurit oder Axon bezeichnet. Dieses Axon kann beim Menschen bis zu 1 m lang werden. Axone werden von Schwanschen Zellen umgeben. Da diese jedoch kürzer sind als die Axone, sind mehrere aneinandergereiht. Während der Embryonalzeit entstehen an diesen Stellen lamellenartige Umhüllungen, sogenannte Markscheiden, Schwannschen Scheiden oder auch Myelinscheide genannt. Die Markscheiden sind an das Axon gereit, wie Perlen an einer Schnur. Sie bestehen aus Proteinen und Lipiden und dienen als Isolierschicht. Die vorhandenen Zwischenräume werden als Ranviersche Schnürringe bezeichnet. Zwei dieser hintereinanderliegenden Zwischenräume haben einen Abstand von etwa 1-2 mm. Es wird bei den Axonen unterschieden zwischen denen mit Markscheide, genannt markhaltige Nervenfasern, und denen ohne Markscheide, bezeichnet als marklose Nervenfasern.

Weiterhin gibt es Verbindungsstellen zwischen mehreren Nervenzellen, sowie zwischen Nervenzellen und Muskelfasern oder Drüsenzellen. Diese Berührungsstellen heißen Synapsen.wpe9.jpg (19894 Byte)

Die von Hüllen umgebenen Neuriten bezeichnet man als Nervenfasern. Ein Bündel solcher Nervenfasern bildet den Nerv, welcher die Erregung von den Sinneszellen über das Zentralnervensystem zu den Erfolgsorganen leitet.

Das Nervensystem ist mit den Organen bzw. Organsystemen verbunden. Es steuert ihre Tätigkeit und sorgt für ihr Zusammenspiel. Es gibt verschiedene Nervenzelltypen für verschiedene Funktionen.Die Informationen über die Sinnesorgane laufen über sensorische Nervenbahnen. Die Informationen zur Ausführung von Reaktionen laufen über motorische Bahnen. Diese beiden Typen bezeichnet man als das periphere Nervensystem. Das vegetative Nervensystem steuert die Arbeit der inneren Organe.

 

 Bei zentralen Lähmungen (wie sie bei der MS auftreten) ist die Feinmotorik (besonders wenn der Schaden im Großhirn liegt, weniger bei Hirnstammschädigung) stark beeinträchtigt, es resultieren Massenbewegungen, es tritt keine Atrophie der Muskeln auf, der Muskeltonus ist spastisch erhöht (dabei erhält die Tonuserhöhung den betroffenen Gliedmaßen ihre Stütz- und Haltefunktion), die Muskeleigenreflexe in den betroffenen Muskeln sind gesteigert, es treten Kloni und pathologische Reflexe auf. Tonuserhöhung und Reflexsteigerungen entwickeln sich erst in den ersten Wochen der Schädigung. Die elektrische Erregbarkeit der Muskel über die zugehörigen Nerven bleibt intakt. Das EMG unauffällig. Die Spastik bewirkt auch das typische als Zirkumduktion bezeichnete Gangbild. Durch Erhöhung des Extensorentonus entsteht eine Spitzfußstellung, das Bein wird gleichsam zu lang. Der Kranke führt das Bein in einem nach auswärts gerichteten Bogen nach vorne. Im Unterschied dazu wird bei einer peripheren Lähmung der Fußheber (Peronäuslähmung) die Lähmung durch Anheben des Fußes ausgeglichen.

 

Bei der Multiplen Sklerose ist der Informationsfluß im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) an den Stellen an denen eine Entzündung abgelaufen ist, gestört. Normalerweise sind die Nervenfortsätze von einer isolierenden Schicht, dem Myelin, umhüllt. Es trägt dazu bei, Signale durch den Körper zu leiten. Doch bei MS sind die Schutzhüllen der Nervenfasern an einigen Stellen defekt. Dadurch können kleinere oder größere Gebiete der wichtigsten Schaltstellen im zentralen Nervensystem - Sehnerv, Gehirn, Kleinhirn und Rückenmark - lahmgelegt werden: Die blankliegenden  Verbindungsleitungen  zwischen den einzelnen Nerven übermitteln die Signale zu langsam oder gar nicht mehr. Ein Multiple-Sklerose-Schub ist die Folge. Bis zu einem gewissen Grad kann das Myelin sich neu bilden - die Symptome gehen zurück.

Die Krankheitssymptome hängen davon ab, welche Bereiche von Gehirn oder Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen sind. Eine Schadstelle im Kleinhirn kann Schwindelgefühl, Gleichgewichts- und Koordinierungsprobleme auslösen. Eine Schädigung des Sehnervs führt zu verschwommener Sicht oder blinden Flecken. Schäden im Rückenmark haben Muskelschwäche, Taubheit von Armen und Beinen sowie Lähmungen zur Folge.

Die ersten Symptome der Multiplen Sklerose

treten meist plötzlich und aus völligem Wohlbefinden heraus auf. Erste Krankheitszeichen sind häufig Lähmungen Empfindungs- und Sehstörungen Die Art der Beschwerden hängt davon ab, welche Nervenbereiche im Gehirn oder Rückenmark entzündet, vernarbt oder zerstört sind und Signale nicht mehr weiterleiten können Zu den häufigsten Beschwerden zählen Bewegungs-; Gleichgewichts- und Koordintationsstörungen, Empfindungs- und Sehstörungen sowie Blasen Darm- und Sexualfunktionsstörungen. Je nach Häufigkeit und Stärke haben Ms-Schübe unterschiedliche Auswirkungen auf die körperliche Verfassung der Erkrankten. Folgen der Multiplen Sklerose die fast alle Erkrankten betreffen sind erhöhte Ermüdbarkeit und niedriger Blutdruck. Häufig treten auch Gehbehinderungen auf.

Die Multiple Sklerose entwickelt sich aufgrund einer Störung des Immunsystems. Die Abwehrzellen haben eigentlich die Aufgabe, Krankheitserreger zu erkennen und zu verhindern, daß sie in den menschlichen Organismus eindringen und sich dort vermehren. Bei MS­Patienten greift das Immunsystem irrtümlich die körpereigenen, schützenden Myelinhüllen an: Es bilden sich Entzündungsherde - die weiche, fetthaltige Schutzschicht zerfällt und wird durch verhärtetes Narbengewebe ersetzt.

Die eigentliche Ursache, die den Amoklauf der Immunabwehr auslöst, ist trotz weltweiter intensiver Forschungsaktivitäten weiterhin unbekannt. Die Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, daß bei der Entstehung der Multiplen Sklerose sowohl erbliche als auch äußere Faktoren eine Rolle spielen. Eine der gängigsten Theorien lautet, daß der Erkrankung eine Virusinfektion im späten Kindes- oder Jugendalter zugrunde liegt. Forschungen deuten auf einen langsam wirkenden Virus (»slow virus«), der sich Monate oder Jahre im zentralen Nervensystem aufhalten kann, ohne Krankheitssymptome auszulösen. Allerdings konnte noch kein bestimmter Virus als Krankheitserreger dingfest gemacht werden - möglicherweise handelt es sich sogar um mehrere gemeinsam agierende Viren.

 

Millionen elektrochemischer Signale durchfließen permanent die verzweigten Netzwerke des Gehirns. Sie aktivieren Milliarden von Nervenzellen in wechselnder Kombination und steuern auf diese Weise Sinneswahmehmung, Sprache, Bewegungen - den ganzen Menschen. Nur wenn das Nervensystem reibungslos funktioniert, funktionieren auch die alltäglichen Abläufe. Bei dieser Krankheit kommt es zur fleckenförmigen Zerstörung des Myelins. Dadurch wird die Versorgung der Nerven mit Nährstoffen und die Weiterleitung von Nervenimpulsen beeinträchtigt. Diese Zerstörungen können sich meist wieder zurückbilden. Kommt es jedoch zur Zerstörung des von dem Myelin umhüllten Nerves, bleibt ein Teil der Beschwerden bestehen.Parese = Lähmung, Plegie = komplette Lähmung. Periphere Lähmung (tritt bei der MS nicht auf, da hier das zentrale Nervensystem geschädigt ist): schlaffe atrophische Lähmung mit abgeschwächten oder erloschenen Eigenreflexen, (die Reflexe fallen meist schon vor eine Lähmung bemerkt wird aus). Die Störung der Feinmotorik der Lähmung parallel. Der Muskeltonus ist herabgesetzt. Die Muskelfasern werden schnell atrophisch. Keine pathologischen Reflexe, im EMG Denervierungszeichen. Die Verteilung der Lähmung entspricht dem Versorgungsgebiet eines peripheren Nerven oder einer Nervenwurzel, oder eines Nervenplexus (Plexus =Geflecht). Sind nur Lähmungen ohne sensible Ausfälle vorhanden geht dies meist auf eine Schädigung der Vorderwurzel oder der Vorderhornzellen des Rückenmarkes zurück.

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Leitlinien der DGN zur MS zur ADEM

Das aktuelle frei verfügbare Online Buch (englisch) Multiple Sclerosis: Current Status and Strategies for the Future Janet E. Joy and Richard B. Johnston, Jr., Editors, Committee on Multiple Sclerosis: Current Status and Strategies for the Future, Board on Neuroscience and Behavioral Health, 6 x 9, 456 pages, 2001.Summary of a Workshop on Research in Multiple Sclerosis, April 5-6, 2001Prepared by Miriam Davis and Janet E. Joy, Board on Neuroscience and Behavioral Health 6 x 9, 32 pages, 2001. Via National Academies  Press

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