Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

 

Neurologie: Was ist das, wie und was wird untersucht?

Inhaltsverzeichnis:
1. Was ist Neurologie?
2. Neurologische Anamnese
3. Neurologischer Befund
4. Leitlinien und Links

 

Was ist Neurologie?

Nervenarzt = Neurologe + Psychiater.

Neurologie ist die Wissenschaft von den Nervenkrankheiten. Gemeint sind hier die Nerven, die man sehen kann. Beispielsweise der Ischiasnerv, der fast so dick wie ein Daumen ist. Das hier gemeinte Nervensystem ist das Organsystem, das unsere Empfindungen (z.B. Riechen, Hören, Sehen, Spüren, Schmerzen) wahrnimmt und verarbeitet. Es kontrolliert außerdem unsere Bewegungen, unsere Sprache und unsere anderen Ausdrucksmöglichkeiten. Eingeteilt wird es in das zentrale Nervensystem mit dem Gehirn und dem Rückenmark, sowie das periphere Nervensystem mit den Nerven, die vom Gehirn oder Rückenmark zu den Organen, Muskeln oder der Haut ziehen. Neurologie ist nun die Wissenschaft von den Krankheiten des Nervensystems. Gemeint sind hier also organische Erkrankungen. Entsprechend wird in der Neurologie auch die Funktion des Nervensystems untersucht. Neben der Anamnese (Beschwerdeschilderung) werden verschiedene Hilfsmittel benutzt. Vom Reflexhammer über den Augenspiegel bis zum EEG, EMG, VEP, AEP, SSEP. Dopplersonographie und Messung der Nervenleitgeschwindigkeiten, Blutuntersuchungen je nach Beschwerden bzw. Verdachtsdiagnosen. Manchmal ist es zusätzlich erforderlich, Röntgenuntersuchungen, Computertomographien oder Kerspintomographien zu veranlassen, um zu einer Diagnose und damit auch zu einer Behandlungsgrundlage zu kommen.

Die hauptsächliche Nebenwirkung technischer Untersuchungen ist, dass die Überinterpretation der daraus resultierenden Ergebnisse manchmal richtiggehend krank machen kann. Sie müssen immer von einem klinisch erfahrenen Arzt bewertet werden. Keinesfalls reicht hier beispielsweise die radiologische Beurteilung aus.

 

Neurologische Anamnese

Beispiel, was Sie vor einer Untersuchung in der Anamnese gefragt werden (oder wie Sie sich auf eine Untersuchung beim Neurologen vorbereiten könnten).

Selbstverständlich werden bei jedem Menschen und je nach Krankheitsbild oder Beschwerden etwas andere Fragen gestellt. Dieser Fragenkatalog kann dennoch helfen, sich auf eine Untersuchung vorzubereiten. Bedenken sie immer: Die meisten Diagnosen werden auch in unserer hochtechnischen Medizin durch die Erhebung der Anamnese und Vorgeschichte gestellt. Man kann bei keinem Menschen alle technisch möglichen Untersuchungen durchführen. Auch Röntgen und Laboruntersuchungen bedürfen zu ihrer Interpretation zunächst der entsprechenden Anamnese.


1.) An welchen Krankheiten leiden Ihre Eltern leiden oder woran sind evtl. Ihre Eltern verstorben? Gibt es bei Ihnen oder den nahen Verwandten wie Geschwistern und Kindern besondere erbliche Krankheiten (z.B. Schlaganfälle, Muskelerkrankungen, Nervenerkrankungen, Epilepsie, Migräne usw.)?

2.) Ihre bisherigen wichtigen Krankheiten, einschließlich die in der Kindheit durchgemachten.

3.) Schildern Sie Ihre jetzigen Beschwerden und wie lange die Beschwerden schon bestehen. Wichtig ist dabei, dass Sie Ihre Beschwerden in eigenen Worten schildern. (Bitte nicht Angaben wie z.B.:„Bandscheibenvorfall“ (was ein Medizinischer Befund oder eine Diagnose ist), sondern z.B.: 3x im Jahr für 2 Wochen Schmerzen im Nacken verstärkt bei Kopfdrehung mit Ausstrahlung in den Hinterkopf.

4.) Haben Sie selbst Auslöser für Ihre Beschwerden festgestellt?

5.) Wurden schon technische Untersuchungen durchgeführt? Bitte immer - auch dann, wenn Sie eine zweite Meinung einholen wollen - alte Röntgenbefunde und am besten die Bilder mitbringen. Oft ist hier der Verlauf für eine diagnostische und therapeutische Entscheidung wichtig, außerdem sollten unnötige Belastungen durch wiederholte Untersuchungen vermieden werden.

6.) Ungewöhnliche Auslandsaufenthalte?

7.) Haben Sie in letzter Zeit an Gewicht abgenommen? Wenn ja, wie viel in welchem Zeitraum?

8.) Wie viel Alkohol trinken Sie?

9.) Wie viele Zigaretten rauchen Sie pro Tag?

10.) Namen der Ärzte, die Sie derzeit behandeln sowie deren Fachbezeichnungen.

11.) Welche Medikamente nehmen Sie derzeit ein?
1.  ____________________________ Anzahl: Morgens__ Mittags_____ Abends____
2.  ____________________________ Anzahl: Morgens__ Mittags_____ Abends____
3.  ____________________________ Anzahl: Morgens__ Mittags_____ Abends____
4.  ____________________________ Anzahl: Morgens__ Mittags_____ Abends____
5.  ____________________________ Anzahl: Morgens__ Mittags_____ Abends____
6.  ____________________________ Anzahl: Morgens__ Mittags_____ Abends____
7.  ____________________________ Anzahl: Morgens__ Mittags_____ Abends____

Früher eingenommene Medikamente?

12.) Haben Sie Luftnot? Nur bei Belastung oder auch in Ruhe?
Unter bestimmten Bedingungen, in bestimmten Situationen?

13.) Sind Ihre Beine abends geschwollen?

14.) Müssen Sie nachts aufstehen zum Wasserlassen? Wenn ja, wie oft?

15.) Leiden Sie unter Husten? Auswurf?

16.) Wie ist Ihr Appetit normal ( ) vermindert ( ) vermehrt (...)

17.) Essen Sie eine bestimmte Diät? Wenn ja, welche?

18.) Wie ist ihr Durst: normal, vermehrt oder zu wenig?

19.) Haben Sie Schluckbeschwerden?

20.) Leiden sie unter Übelkeit, Erbrechen?

21.) Wie oft haben Sie Stuhlgang?

22.) Haben Sie Beschwerden beim Wasserlassen? Wenn ja, was für welche?

23.) Haben Sie einen häufigen Harndrang?

24.) Haben Sie Schwierigkeiten den Urin zu halten?

25.) Hat Ihre sexuelle Lust nachgelassen? Wenn ja, seit wann?

26.) Haben Sie Sehstörungen? Wenn ja, was für welche?

27.) Tragen Sie eine Brille? Zum Lesen oder für die Ferne? Wie viele Dioptrien?

28.) Hören Sie gut oder ist Ihr Hörvermögen beeinträchtigt? Falls beeinträchtigt, wie stark und wodurch?

29.) Ist Ihr Geruchssinn beeinträchtigt?

30.) Ist Ihr Geschmackssinn beeinträchtigt?

31.) Sind in der Vergangenheit Bewusstlosigkeiten aufgetreten ? Wenn ja, wann und unter welchen Umständen?

32.) Leiden Sie unter Schwindel (Art, Dauer, Auslösefaktoren)?

33.) Leiden Sie unter Ohrgeräuschen? Wenn ja, auf welchem Ohr und seit wann?

34.) Leiden Sie unter Krämpfen? Wenn ja, was sind das für Krämpfe?

35.) Leiden Sie unter Taubheitsgefühlen? Wenn ja, wo?

36.) Leiden Sie unter Kopfschmerzen (wo, wann, wie lange, Begleitsymptome)?

37.) Leiden Sie unter Schlafstörungen? Wenn ja, welche?

38.) Leiden Sie unter vermehrter Schweißneigung?

39.) Wie ist ihr Blutdruck im allgemeinen? Normal, erhöht, erniedrigt?

 

Neurologischer Befund

Wie könnte ein unauffälliger neurologischer Befund aussehen?

Blutdruck: x mmhg, Puls: x /min.

Guter Allgemein- und Kräftezustand. Keine Ödeme, keine Zyanose, kein Ikterus. Periphere Durchblutung o.B. Bei der orientierenden internistischen Untersuchung konnte über den Brust- und Bauchorganen kein pathologischer Befund erhoben werden: Herz und Lungen auskultatorisch o.B., Leber nicht tastbar.  

Kopf: Schädel symmetrisch gebaut, aktiv und passiv frei beweglich. Kein Druck- oder Klopfschmerz im Bereich der Schädelkalotte, die Nervenaustrittspunkte (V) sind schmerzfrei, keine Nackensteifigkeit.

Hirnnerven:

I: Geruchsempfinden normal, aromatische Stoffe werden spontan bzw. auf Vorschlag erkannt.

II: Gesichtsfelder normal, bei Spiegelung des Augenhintergrundes keine Stauungszeichen oder Entzündungserscheinungen.

III, IV, VI: Lidspalten gleichweit, Bulbi frei beweglich, kein pathologischer Nystagmus, kein Doppelsehen. Die Pupillen sind rund, seitengleich, reagieren gut auf Licht und Konvergenz.

V: Die Kaumuskulatur ist seitengleich innerviert, im Gesicht keine sensiblen Störungen.

VII:  Keine Paresen der mimischen Muskulatur, keine Geschmacksstörung. (mit Fazialisübungsschema)

VIII: Soweit bei der neurologischen Untersuchung prüfbar keine Hörstörung, Versuche nach Rinne und Weber unauffällig.

IX X XI XII: Die Gaumensegel werden seitengleich gehoben. Die Zunge wird gerade hervorgestreckt, ohne krankhafte Veränderungen.

Motorik, Tonus, Trophik und Reflexe: Freie Gelenkbeweglichkeit, kein Druck- und Bewegungsschmerz. Finger- Bodenabstand 0 cm. Lasegue und umgekehrter Lasegue beidseits negativ, seitengleich unauffälliger Muskeltonus, keine Paresen, keine trophischen Störungen, Muskeldehnungsreflexe sind seitengleich lebhaft auslösbar, keine Pyramidenbahnzeichen.

Sensibilität: Oberflächen- und Tiefensensibilität intakt.

Koordination: Die Finger-Nase- und Knie-Hacken-Versuche werden zielsicher ausgeführt. Rhombergscher Versuch unauffällig. Unauffälliges Gangbild.

Keine extrapyramidalmotorischen Störungen erkennbar. z.B.: kein Tremor, kein Anhalt für einen Morbus Parkinson.

Sprache: Die Sprachartikulation ist intakt, kein Hinweis auf eine aphasische Störung.

Keine apraktischen oder agnostischen Störungen.

Vegetatives Nervenssytem: keine Auffälligkeiten.

 

Leitlinien und Links

Leitlinien und andere wichtige Neurologische Links

Neurologische Untersuchung bebildert und mit Videos (englisch)

Entwicklung der Fallzahlen und der Vergütung im Nervenärztlichen Bereich

 

Videos zur neurologischen Untersuchung  auf Youtube

 

Videos zu Kleinhirnsymptomen und Untersuchungsmethoden auf Youtube

 

Videos zu Nystagmus auf Youtube

 

Videos zu M. Parkinson auf YouTube


Anschrift des Verfassers (Praxisadresse): Karl C. Mayer - Bergheimerstraße 56a - 69115 Heidelberg
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