Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) Seite 10

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Neurobiologie des dissoziativen Kontinuums: Die Neurobiologie der hyperarousalen Antwort schließt die Katecholamine des Hirnstamms ein (Murberg, McFall, and Veith, 1990). Die Neurobiologie des dissoziativen Kontinuums ist anders. Bei Tieren hat die Niederlagen- Reaktion eine eigene Neurobiologie, die, soweit dies überhaupt vergleichbar und beurteilbar ist, passend zur dissoziativen Reaktion bei Menschen ist. Tatsächlich entspricht die Neurobiologie und Phänomenologie der Dissoziation annähernd der Niederlagen- Reaktion der Tiere (Henry, Stephens, and Ely, 1986; Heinsbroek, van Haaren, Feenstra, and Boon, 1991; Miczek et al., 1990).

Wie bei der Hyperarousal/Kampf oder Flucht Reaktion, beinhaltet Dissoziation Hirnstamm vermittelte ZNS -Aktivierung, die zu einem Anstieg des zirkulierenden Adrenalins und der Stresshormone führt. (Glavin, 1985; Henry, Liu, Nadra, Qian, Mormede, Lemaire, Ely, and Hendley, 1993; Herman, Guillonneau, Dantzer, Scatton, Semerdjian-Rouquier, and Le Moal., 1982). Ein wesentlicher ZNS- Unterschied ist aber, daß bei der Dissoziation auch der Vagustonus (Hirnnerv, der die parasympathische Innervierung eines großen Teils des Körpers übernimmt) dramatisch ansteigt, dadurch fällt der Blutdruck und die Pulsfrequenz ab(was manchmal zur Onmacht führt), dies trotz ansteigendem zirkulierendem Adrenalin.

Zusätzlich scheint hier das dopaminerge System, primär mesolimbisch und mesocortical, wichtig zu sein (Kalivas, 1985; Kalivas, Richardson-Carlson, and Van Orden, 1986; Kalivas, Duffy, Dilts and Abhold, 1988; Abercrombie, Keefe, DiFrischia, and Zigmond 1989). Diese dopaminergen Systeme sind eng mit dem hirneigenen Belohnungssystem und der Affektmodulation verknüpft(z.B.:Kokain-induzierte Euphorie) und sind teilweise verbunden mit den Systemen, die endogene Opiate (Endorphine) zur Schmerzregulation und anderen sensorischen Prozessen steuern. Diese Opiate- Systeme sind beteiligt an der Veränderung der Schmerzwahrnehmung, dem Zeitgefühl, dem Gefühl für Ort und Realität. Tatsächlich können die meisten Opiate dissoziative Reaktionen induzieren. Die Opiate- Systeme sind   von großer Bedeutung für den Ablauf der freeze oder surrender dissoziativen Reaktion. (Abercrombie and Jacobs, 1988). Es gibt außerdem eine Vielzahl von anderen Hirnstamm-, Mittelhirn- und limbischen Neurotransmittern, die bei den komplexen Reaktionen eine Rolle spielen müssen.  Wichtig ist, daß die Neurobiologie dieser dissoziativen Kontinuum- Reaktionen anders ist als die Neurobiologie des Hyperarousal.

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