Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) Seite 11 Teleologische Signifikanz der Antwort eines Kindes auf BedrohungWarum benutzen unterschiedliche Individuen unterschiedliche Antworten, wenn sie sich einer Bedrohung gegenüber sehen ? Das Alter spielt eine Rolle. Unsere klinische Erfahrung lehrt, daß je jünger ein Individuum ist, um so wahrscheinlicher dissoziative Anpassungsmechanismen gegenüber Hyperarousal Reaktionen sind. Die Natur des Traumas scheint wichtig für das Anpassungsmuster zu sein, je immobiler, hilfloser, und machtloser ein Individuum sich fühlt, umso wahrscheinlicher benutzt es eine dissoziative Reaktion. Wenn körperliche Verletzungen, Schmerz oder Folter (deshalb Opiataktivation) bei dem traumatischen Erlebnis beteiligt sind, ist es wahrscheinlicher, daß ein Individuum eine dissoziative Reaktion zeigt. Schließlich gibt einen klaren Geschlechtsunterschied in den Reaktionen; Frauen neigen mehr zu dissoziativen Anpassungen als Männer. Zum Verständnis lohnt hier ein Blick in unsere Entwicklungsgeschichte, in der diese Funktionen einen Vorteil fürs Überleben gehabt haben müssen. Es ist leicht den Vorteil aggressiv- defensiven Hyperarousal/Kampf oder Flucht Reaktion bei erwachsenen Männern zu verstehen. Man kann sich leicht vorstellen, was passiert wäre, wenn Männer bei Bedrohungen immer mit Dissoziation reagiert hätten. Eine Gruppe starrer, passiver und bewegungsloser Menschen wäre eine leichte Beute für ihre Verfolger gewesen. Menschen entwickelten sich über die letzten 250,000 Jahre in Gegenwart zweier hauptsächlicher Verfolger oder Feinde: Raubkatzen (Tiger, Panther) und, den gefährlichsten Verfolgern, anderen Hominiden, einschließlich anderer Menschen (see Leakey, 1994). Für Katzen sind alle Menschen (Männer, Frauen und Kinder) -- die selbe Beute, mit einer gewissen Bevorzugung der kleinen, langsamen und schwachen. Für andere Menschen gab es aber einen wesentlichen Unterschied zwischen Männern Frauen und Kindern. Wie in der anthropologischen Literatur beschrieben, war es übliche Praxis, die Lager rivalisierender Klans zu überfallen und alle Männer umzubringen, die Frauen und Kinder aber als Beute oder Besitz mitzunehmen (auch in unseren heutigen Kriegen in der westlichen Zivilisation noch üblich). Es förderte das Überleben einer Art, wenn Kinder und Frauen solche Überfälle überlebten. Es war für Kinder eine bessere Anpassung zu dissoziieren und aufzugeben, sich in die Niederlage zu schicken, als hyperaroused zu sein und eine Kampf- Flucht- Antwort zu versuchen. Angesichts der Bedrohung war es ein Selbstschutz, abgestumpft, angepaßt, willenlos, gehorsam und nicht kämpferisch zu sein. Flüchten hätte Isolation und den sicheren Tod bedeutet. Kämpfen wäre vergebens gewesen. Das selbe gilt vermutlich für erwachsene Frauen. Man muß nicht lange überlegen, wie ein gewalttätiger Mann konfrontiert mit einer Frau, die nicht willens ist seinen Kommandos Folge zu leisten und zu seinem Kamp zu kommen, oder auf eine andere, die schreit, schlägt, kämpft und versucht wegzulaufen, reagiert. Hyperarousal (kämpfen oder fliehen) würde den Besitzwert einer Frau vermindern und damit die Wahrscheinlichkeit, daß sie ihre Gene an die nächste Generation weitergeben kann. Beides, das Hyperarousal und das dissoziative Kontinuum, waren über Tausende von Generationen Anpassungsmechanismen im Klan/Stämme- Krieg. In dem Maße, wie das menschliche Tier über Generationen reifer wird, und besser in der Lage ist zu kämpfen und zu fliehen, scheint das Vorherrschen der dissoziativen Anpassung abzunehmen. Es bleibt aber ein wichtiger Anpassungsmechanismus angesichts von Gefahr und Bedrohungen, auch weil Dissoziation es dem Betreffenden erlaubt, einen Zustand des physiologischen Hyperarousals zu erhalten oder sogar zu vermindern, und dabei das Denken und Problemlösen, im Gegensatz zum Hyperarousal, nicht beeinträchtigt wird, selbst angesichts der schlimmsten Situation nicht. Die Verteilung psychiatrischer Diagnosen auf Geschlechter in Statistiken bestätigt die Geschlechts- und Altersunterschiede der Anpassungsmechanismen. Die 3:1 Relation (m:f) bei neuropsychiatrischen Problemen in der Kindheit verschwindet im Jugendalter und geht bei Erwachsenen auf 2:1 (f:m) Relation über. In der Kindheit erfüllen mehr Jungen die diagnostischen Kriterien für externalisierende Störungen wie ADHD, Störungen des Sozialverhaltens, und oppositionellem Trotzverhalten, während Mädchen eine höhere Inzidenz von internalisierenden Störungen wie depressive, Angst- oder dissoziative Störungen zeigen. Die große Mehrheit von Kindern, die Mißbrauch, Mißhandlungen, Traumen ausgesetzt warenund die den psychiatrischen Institutionen wegen Symptomen wie Aggression, Aufmerksamkeitsstörungen und mangelnder Mitarbeit vorgestellt werden, sind männlich. Sie erhalten typischerweise die Diagnose ADHD. Man wundert sich, was mit all den Mädchen passiert, die ähnlich traumatisiert wurden. Kinder werden vorgestellt, weil sich die Erwachsenen an den Symptomen stören (die meist von anderen Erwachsen verursacht wurden). Ein kooperatives, dissoziatives, depressives junges Mädchen wird kaum zum Kinderpsychiater gebracht. Das Gewalt- und Mordpotential schreckt, der potentielle Suizid ist unbequem.
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