Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) Seite 12

 

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Benutzungsabhängige Internalisation von primären Adaptionen oder Anpassungsreaktionen

Weil die Hirnveränderungen sich in einer benutzungsabhängigen Art und Weise als Antwort auf ein Erlebnis während der Entwicklung organisieren ,  bedeutet dies, daß die spezifischen Muster neuronaler Aktivierung, die mit den akuten Antworten auf ein Trauma zusammenhängen, wahrscheinlich die sind, die internalisiert werden. Die spezifischen Symptome und Zustände,  die sich nach einem Trauma entwickeln, stehen im Bezug zu den Mustern, die während des Traumas zur Verfügung standen.  Wenn mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert, dissoziiert das Kind, und bleibt in einem dissoziativen Zustand für eine lange Zeit (besonders bei Reexposition oder ähnlichen Stimuli). Das Kind wird internalisierte und sensibilisierte neurobiologische Mechanismen entwickeln, die einer Dissoziation entsprechen und in der weiteren  Entwicklung zu  dissoziativen Störungen führen kann.  Entsprechen kann ein Kind das predominant Hyperarousal- Antworten nutzt, später persistierende Hyperarousal- Symptome entwickeln  (Figure 2).

Wir begleiteten ungefähr 50 Kinder in der  akuten posttraumatischen Periode. Es gibt eine klare Beziehung zwischen den Anpassungsmechanismen, die in der akuten Situation benutzt werden, und den Symptomen, die nach 6 Monaten bestehen bleiben. (Perry, 1994c; 1995).In unseren Studien haben wir die Pulsrate als Indikator des  physiologischen Hyperarousals angesehen (unproblematisch zu messen), es hat sich gezeigt, daß wenn das Kind anfängt zu dissoziieren, sein Puls zurückgeht. Das dissozierende Kind vermindert seine Aufmerksamkeit gegenüber external- bedrohenden Schlüsselreizen und fokussiert mehr und mehr auf internale Schlüsselreize, es fühlt sich dadurch weniger bedroht und verändert effektiv das neurobiologische Muster der Antwort auf Bedrohung, hin zum dissoziativen Kontinuum von " freezing zu surrender".  Dies ist in völligem Kontrast zu Kindern, die überwiegend eine Hyperarousal Reaktion benutzen. Der Puls der Kinder ist zu Beginn hoch und extrem schnell reagierend, dramatisch ansteigend, wenn mit emotional-aufgeladenen kognitiven oder physischen Schlüsselreizen konfrontiert (Perry, 1994c; 1995) Wenn sich diese Kinder entlang des Hyperarousal -Kontinuums, von Alarmbereitschaft zu Angst und Panik entwickeln, fahren sie fort das neurobiologische Muster der gut beschriebenen 'Kampf oder Flucht Reaktion' zu benutzen.

Weil sich die Neurobiologie und das Reaktionsschema der Dissoziation von diesem Hyperarousal- Kontinuum unterscheidet, erwartet man auch andere Symptome als Resultat der  benutzungsabhängigen Internalisation der anhaltenden Antwort auf Bedrohung. Dies ist auch so der Fall. Das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen IV (DSM IV) kann dem nur zum Teil gerecht werden. Es hat für die Mehrheit der Traumen und der Trauma- bezogenen neuropsychiatrischen Syndrome noch keine angemessenen beschreibenden Kategorien, besonders nicht für absichtlich durchgeführte Traumatisierungen. Nur  70 Prozent der schwer traumatisierten Kinder aller Altersgruppen mit dramatischen Symptomen von physiologischem Hyperarousal (n=120; m/f: 4:1) erfüllen die diagnostischen Kriterien für eine  PTBS (Perry, 1995). Außerdem haben in unserem Patientengut Mädchen viel mehr  affektive (Dysthymia, Majore Depression), dissoziative (65 % im der Child Dissociative Checklist mit Scores über dem  cutoff) und Borderlinepersönlichkeitszeichen als Jungen mit ähnlichen Trauma- Vorgeschichten. Die Mehrheit der Kinder, die in unserem  Kollektiv die Kriterien für eine PTBS erfüllen, nutzen eine Mischung aus dissoziativen und Hyperarousal Anpassungsmechanismen.  Dies macht die Erforschung und Praxis im Umgang mit traumatisierten Kindern schwierig (Scheeringa, Zeanah, Drell, and Larrieu, 1995; Terr, 1991).

 

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