Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) Seite 2 

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Kindheits- Traumen, die  Neurobiologie der Anpassung und Benutzungsabhängige Entwicklung des Gehirns: Wie aus Zuständen Persönlichkeitsveränderungen und Charakterzüge  werden

Übersetzung von Childhood Trauma, the Neurobiology of Adaptation, and Use-dependent Development of the Brain: How States become Traits Infant Mental Health Journal, 16(4), 271-291.  Department of Psychiatry and Behavioral Sciences Baylor College of Medicine Texas Children's Hospital Houston Veteran's Affairs Medical Center by Bruce D. Perry, M.D., Ph.D.Ronnie A. Pollard, M.D.Toi L. Blakley, M.D. William L. Baker, MS Domenico Vigilante

Article published in Infant Mental Health Journal, 16(4), 271-291. Perry et al (1995) 

Übersetzung (überwiegend wörtlich) Karl C. Mayer

 

 

ABSTRACT

Traumen in der Kindheit haben einen tiefgreifenden Einfluß auf  emotionale, verhaltensmäßige, kognitive, soziale und körperliche Funktionen von Kindern. Erfahrungen in der Entwicklung prägen  und bestimmen den organisatorischen und funktionalen Zustand des reifen Gehirns. Die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen auf Entwicklung und Funktion des Gehirns sollen auf Grundlage der bekannten Prinzipien der Gehirnentwicklung diskutiert werden. Es gibt eine Vielzahl von geistigen und körperlichen   Anpassungsmechanismen an Traumen, einschließlich des physiologischen Hyperarousals (erhöhte Alarmbereitschaft) und der Dissoziation.    Weil das heranreifende Gehirn neue Information benutzungsabhängig internalisiert, ist es um so wahrscheinlicher, daß ein Kind neuropsychiatrische Symptome nach einem Trauma entwickelt um so mehr es in einem Zustand des Hyperarousals oder der Dissoziation ist. Wenn akut sinnvolle Anpassungsprozesse überdauern, können sie zu unangepassten Persönlichkeitszügen werden.  Nachfolgend sollen die klinischen Implikationen dieses entwicklungsneurologischen Konzeptes im Bezug auf Kindheitstraumen diskutiert werden.

 

Erwachsene interpretieren Handlungen, Worte und Ausdrucksformen von Kindern durch ihren eigenen von verschieden Überzeugungen verzerrten Filter. Im Leben der meisten Kinder sind diese häufigen erwachsenen Fehlinterpretationen relativ harmlos. In vielen Fällen allerdings können diese Fehlinterpretationen destruktiv sein.  Das dramatische Beispiel ist, wenn die Auswirkung, die ein traumatisches Ereignis auf Kleinkinder hat, als gering angesehen wird.  Es ist der Gipfel der Ironie, daß zu dem Zeitpunkt, an dem Menschen am verwundbarsten für Traumen sind - in der Kindheit- Erwachsene generell von einer großen und problemlosen Anpassungsfähigkeit und Spannkraft ausgehen.   

Diese destruktive  Fehlinterpretationen haben auch die Psychologie durchdrungen. In den letzten 10 Jahren hat unsere Gesellschaft Milliarden für die Erforschung und Behandlung erwachsener Traumaopfer ausgegeben.  In den USA vor allem für Kriegsveteranen, obwohl in der dortigen Gesellschaft wesentlich mehr Frauen Opfer von Vergewaltigungen werden als daß Männer im Krieg zu Opfern werden. Im Vergleich dazu hat man sich um die Opfer von Traumen in der Kindheit wenig gekümmert. (Perry, 1994a; Perry, 1995).

In dieser Arbeit sollen die verschiedenen Aspekte und Auswirkungen von Kindheitstraumen speziell unter dem Gesichtspunkt der Gehirnentwicklung im Bezug auf die traumatische Erfahrung und diskutiert werden.  Der Artikel stützt sich auf ausführliche Untersuchungen an 175 schwerst traumatisierten Kindern durch die Autoren. Basis sind die bekannten Grundsätze der Gehirnentwicklung, die auf das Gebiet der Traumaforschung bei Kindern übertragen wurden. Dies in der Absicht, weitere Studien zu den Themen der Phänomenologie und Neurobiologie im Zusammenhang mit Mißhandlungen und Traumen bei Kindern anzuregen.  

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