Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Rückenschmerz Seite 12

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Epidurale Steroid- Injektionen

Es gibt inzwischen 12 randomisierte kontrollierte Studien zu epiduralen Steroid- (Kortison) Injektionen mit einer einigermaßen verwertbaren Qualität.

Epiduralen Steroid- Injektionen mit oder ohne Lokalanaesthetika scheinen bessere kurzfristige Erfolge bei akuten Rückenschmerzen mit ischialgiformer Symptomatik zu haben, als die Behandlungen mit denen sie verglichen wurden.  Siehe auch die Oxford pain internet site Steroid epidural Koes et al 1995b oder D A Nelson and W M Landau, Intraspinal steroids: history, efficacy, accidentality, and controversy with review of United States Food and Drug Administration reports J Neurol Neurosurg Psychiatry 2001; 70: 433-443. [Full text]  
die begrenzten vorliegenden Untersuchungen sagen, daß epidurale Steroid Injektionen mit oder ohne Lokalanaesthetika und/oder Opiaten scheinen keine kurzfristige Erfolge bei akuten Rückenschmerzen ohne ischialgiformer Symptomatik zu haben,
Epidurale Steroid- Injektionen sind invasiv und können selten aber ein dann auch erhebliches Risiko beinhalten.
  Eine Metaanalyse der American Academy of Neurology kommt zu dem Ergebnis:
1) epidurale Steroidinjektionen können manchmal zu einer Besserung bei lumbalen radikulären Schmerzen führen, wenn nach 2-6 Wochen nachuntersucht wird.(Level C, Klasse I-III Evidenz). Das  durchschnittliche Ausmaß der Wirkung ist klein, und die Verallgemeinerung der Ergebnisse der Studien ist schwierig, da bisher nur ein hochselektives Patientengut in wenigen Studien untersucht wurde, wenige Techniken und Dosen untersucht sind und die Vergleichsbehandlungen sehr unterschiedlich waren.

2) Im Allgemeinen ändern epidurale Steroidinjektionen bei lumbalen radikulären Schmerzen nicht die Funktionsbehinderung oder die Notwendigkeit einer Operation. Sie bieten keine Schmerzlinderung nach 3 Monaten oder länger. Die Anwendunga aus diesen Gründen wird deshalb nicht empfohlen.  (Level B, Kasse I-III Evidenz);

3) Es gibt keinerlei Evidenz epidurale Steroidinjektionen bei zervikalen radikulären Schmerzen in der Behandlung einzusetzen. (Level U).
Carmel Armon, et al., Assessment: Use of epidural steroid injections to treat radicular lumbosacral pain Report of the Therapeutics and Technology Assessment Subcommittee of the American Academy of Neurology NEUROLOGY 2007;68:723-729

  Insgesamt bleibt, dass Kortisonspritzen manchmal kurzfristig bei Ischias und nicht beim lokalen Rückenschmerz etwas helfen, selten haben sie erhebliche Komplikationen (bzw. sie sind durchaus mit Risiken behaftet).

Risiken der Injektion von Lokalanästhetika/ Kortison:

  • Gefäßverletzung mit Hämatombildung, mit Notwendigkeit der operativen Entlastung
  • Nervenverletzung mit zeitlich begrenzter oder dauerhafter Funktionsstörung (Schmerzen, Lähmung einzelner Muskelgruppen, Sensibilitätstörung bis hin zur Querschnittlähmung), Gefahr des Sturzes in den ersten Minuten nach Injektion,
  • Kreislaufreaktionen, Atemlähmung, Bewusstseinstrübung,
  • allergische Reaktionen bis hin zum anaphyaktischen Schock,
  • Verletzung von inneren Organen (Niere, Pleura, Lunge, Pneumothorax)
  • Infektionen mit Abszessbildung bis hin zur Meningitis (Hirnhautentzündung) mit Dauerfolgen (Defektheilungen des ZNS)
  • Bei der Verwendung von Bildwandlern/CT gestützte Injektionen Strahlenbelastung

R. Kayser, K. Mahlfeld,  C.E. Heyde Orthopäde 2008 - 37:285-299 DOI 10.1007/s00132-008-1225-5, Jungbecher R, Zenz M (2007) BGH-Urteil zum Racz-Katheter. Schmerz 21: 553-556


 

Facet Joint Injections

Studien bei chronischen Rückenschmerzen zeigen daß Infiltration der Facetten keine signifikante Schmerzreduktion und keine generelle Besserung bringen. Weder die Art des Medikamentes noch der Ort der Injektion beeinflußen dieses Ergebnis. Neither the type of agent injected nor the site of injection make a significant difference to outcomes. There is no evidence on the efficacy of facet injections in acute low back problems. (C) Bei der Infiltration der Facetten ist das Ziel die Ausschaltung der Kapselinnervation des Gelenkes, die von den Rr.dorsales n. spinales der angrenzenden Segmente stammt. Deswegen bedarf es keiner streng intraartikulären Lage der Injektionskanüle, wie dies mit CT-gesteuerten Gelenkpunktionen und dem Nachteil einer erheblichen Strahlenbelastung versucht wird. Vielmehr ist es wichtig, das Lokalanästhetikum im Kapselbereich zu applizieren, um hier die Schmerzausschaltung zu erreichen. Hierzu reicht eine Bildwandlerkontrolle. Der Behandler tastet und markiert die Dornfortsätze. Zwischen den Dornfortsatzmarkierungen, 2 cm neben der Mittellinie, ist die günstigste Einstichstelle für die Facetteninfiltration.Von dieser Stelle aus wird eine Injektionskanüle in sagittaler Richtung vorgeschoben, bis zum knöchernen Kontakt. Nach negativem Aspirationstest erfolgt die Injektion.Üblicherweise werden die unteren 2 oder 3 Segmente gleichzeitig beiderseits infiltriert. Als spezielle Komplikationen sind eine versehentliche epidurale oder intrathekale Injektion denkbar, allerdings höchst unwahrscheinlich. Für die Injektion wird je Wirbelgelenk ca. 2 ml 0,5 % Mepivacain verwendet.
Facet injections are invasive but the potential serious complications are rare.

Facettengelenksspritzen haben keinen bewiesenen Nutzen, können sehr selten erhebliche Komplikationen machen. (siehe oben unter Triggerpoint und Ligamentinjektionen)

 

Ganz und gar die Finger sollte man von Behandlungen mit Colchicin in die Vene lassen. In richtiger Dosierung hilft dieses starke pflanzliche Zellgift aus der Herbstzeitlose als Tablette bei akuten Gichtanfällen, familiärem Mittelmeerfieber oder der Behçet'sche Erkrankung. Eine andere Indikation hat es nicht. Die Wirksamkeit bei Rückenschmerzen ist nicht belegt, sehr alte diesbezügliche Studien sind widerlegt.  Die alternativmedizinische Anwendung als Infusion in die Venen hat in den USA wiederholt zu tödlichen Vergiftungen geführt. Eine Zulassung zur i.v. Anwendung gibt es auch in den USA nicht. (Deaths From
Intravenous Colchicine Resulting From a Compounding Pharmacy Error- Oregon and Washington, 2007 MMWR. 2007;56:1050-1052, JAMA, November 28, 2007-Vol 298, 20; Seite 2364 ff. )

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