Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Rückenschmerz Seite 17

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Prinzip der Minuten bis Stundenweisen Stufenlagerung (keinesfalls den ganzen Tag) / oder was bringt diese einfache Methode bei akuten ischialgieformen (ins Bein oder zumindest ins Gesäß ausstrahlenden) Schmerzen

·    Geringer Druck innerhalb der Bandscheibe

·    Erweiterung der Zwischenwirbellöcher

·    Entspannung der Wirbelgelenkkapsel

·    Abflachung der dorsalen Bandscheibenvorwölbung

·    Erweiterung des Wirbelkanals

·    Entspannung des Nervus ischiadicus

·    Entlastung der Kreuzdarmbeingelenke

Bei unkomplizierten Rückenschmerzen (lokales Lumbalsyndrom) ist die möglichst weitgehende Beibehaltung oder baldige schrittweise Wiederaufnahme der täglichen körperlichen Aktivität anzustreben, da dies eine schnellere symptomatische Besserung fördert und zur Vermeidung einer Chronifizierung der Rückenschmerzen beiträgt( dies wird hier nicht aus Kostengründen gesagt, sondern ist durch entsprechende Untersuchungen belegt). Bettruhe ist für maximal zwei Tage indiziert, sofern keine radikulären Schäden vorliegen.

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Wärme

 Als wohltuend und schmerzlindernd werden bei akuten Lumbalsyndromen in der Regel alle Formen der Wärmeapplikation (seltener lokale Kälteapplikation) wie Heizkissen, Fangopackungen, Wärmflasche usw. empfunden.. Vorsicht!: Sollte durch Wärme eine Schmerzsteigerung eintreten, ist die Diagnose zu überprüfen. Bei Tumoren und Entzündungen kommt es durch die verstärkte Durchblutung zu einer Verstärkung der Beschwerden.

Massage

Aus offensichtlichen Gründen sind wissenschaftlichen Untersuchungen im Vergleich zu einem adäquaten Plazebo kaum möglich. Es gibt bisher nur wenige Untersuchungen (und diese mit Mängeln) zur Wirksamkeit von Massage bei Rückenschmerzen unterschiedlicher Genese. Die Untersuchungen die es gibt, sehen eine eindeutige, wenn auch nicht besonders starke Wirksamkeit für Massagebehandlungen. Die Wirkungsweise soll auf der Steigerung der Blut- und Lymphzirkulation im Haut und Unterhautgewebe und der dadurch besseren Sauerstoffversorgung und Entsorgung von Abfallprodukten und Schmerzmediatoren resultieren. Als wesentlicher wird allerdings die entspannende, Angst reduzierendes Wirkung auf die Seele angesehen. Massage ist Zuwendung. Als Kontraindikationen für Massage gelten: Venenentzündungen, tiefe Venenthrombosen, Verbrennungen, Hautinfektionen, Ekzeme, offene Wunden, Kochenbrüche und fortgeschrittenen Osteoporose (wegen des Risikos dabei eine Wirbelfraktur zu verursachen). Editorials  Massage treatment for back pain BMJ 2003;326:562-563 ( 15 March )

Krankengymnastik

Zu Beginn sollten isometrische (Muskelanspannung ohne die betreffenden Muskeln zusammenzuziehen bzw. zu verkürzen) Spannungsübungen aus der Entlastungshaltung mit 90 Grad gebeugten Hüft und Kniegelenken erfolgen. Bei Abnahme der Beschwerden werden zunehmend andere Ausgangsstellungen eingenommen bis hin zur entlastenden Ausgangsposition. In diesen Ausgangsstellungen versucht der Patient wieder normale Bewegungsabläufe durchzuführen und dabei die betroffenen Wirbelsäulenbereiche zu stabilisieren.  Zur Krankengymnastik gehört auch die Rückenschule für die Sekundärprävention. Aktive Maßnahmen wie Krankengymnastik bringen wesentlich mehr als passive wie Massagen. Die Übungen und gelernten Verhaltensweisen müssen nach entsprechender Schulung durch den Krankengymnasten auch alleine zu Hause gemacht werden.

In einer Studie wurden 323 Patienten mit Kreuz- oder Nackenschmerz prospektiv über einen Beobachtungszeitraum von 1 Jahr untersucht. Der Effekt einer krankengynastischen gegen chiropraktischen Behandlung auf den Kreuz- und Nackenschmerz wurde vergleichend untersucht. Skargren EI, Öberg BE  Predictive factors for 1-year outcome of low-back and neck pain in patients treated in primary care: comparison between the treatment strategies chiropractic and physiotherapy. Pain (1998)77: 201 - 207. Untersucht wurde absolute Grad der schmerzbedingten Beeinträchtigung bzw. das Ausmaß der Besserung der Beeinträchtigung. Mittels multipler Regressionsanalyse ergaben sich 5 (signifikante) prognostisch ungünstige Faktoren: Dauer der akuten Schmerzsymptomatik zum Behandlungsbeginn, Grad der schmerzbedingten Beeinträchtigung zum Behandlungsbeginn, Erwartungen der Patienten in die Behandlung, Zahl der unterschiedlichen Schmerzlokalisiationen und die subjektive Befindlichkeit. Je länger der Kreuz- und Nackenschmerz anhielt, je höher der Grad der schmerzbedingten Beeinträchtigung war, je negativer die Erwartungen bezüglich. eines Behandlungserfolges waren, je mehr Schmerzlokalisationen angegeben wurden und je schlechter die initiale Befindlichkeit war, umso ungünstiger war die Prognose bezüglich der Kreuz- und Nackenschmerzbesserung. Bei 12% der Patienten der untersuchten Population waren mindestens 4 prognostisch ungünstige Faktoren zum Behandlungsbeginn gegeben. Zwischen chiropraktischer Behandlung einerseits und krankengymnastischer Behandlung andererseits ergaben sich im Gruppenmittel keine signifikanten Unterschiede bezügl. der schmerzlindernden Behandlungseffekte. Die Studie zeigt die fehlende Überlegenheit chiropraktischer Maßnahmen im Vergleich zur Physiotherapie und beschreibt erstmals 3 prognostisch ungünstige Faktoren bei Kreuz- und Nackenschmerzen (Schmerzlokalisationen, Behandlungserwartungen, Befindlichkeit). Lediglich eine Subgruppenanalyse der Studie weist darauf hin, das Patienten mit akutem Kreuz- und Nackenschmerz, der nicht länger als 1 Woche besteht, mehr von chiropraktischen Maßnahmen profitieren, wo hingegen Patienten mit länger als 1 Monat anhaltenden Schmerzen eher von krankengymnastischer Therapie profitieren.  Sind bei einem Patienten eine Häufung prognostisch ungünstiger Faktoren gegeben, sollte frühzeitig mit einem multimodalen Schmerzbehandlungskonzept z.B. inclusive schmerzpsychotherapeutischer Maßnahmen begonnen werden

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