Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Rückenschmerz Seite 20

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Wann ist die Arbeit möglicherweise schuld:

Grundlage ist eine Dreistufigkeit medizinisch wird zunächst festgestellt, welche Funktionen, die für die Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben bedeutsam sein könnten, durch die anerkannte Arbeitsunfallfolge oder BK beeinträchtigt werden und in welchem Ausmaß das eingetreten ist. Danach wird ermittelt, inwieweit die festgestellten Funktionseinbußen den Leistungsanforderungen im gesamten Erwerbsleben nicht gerecht werden. Anschließend wird festgestellt welchen Anteil die Tätigkeiten, mit denen die nicht mehr erfüllbaren Anforderungen verbunden sind, am gesamten Erwerbsleben haben, dh wie häufig sie im Verhältnis zu anderen vorkommen.
Bandscheibenbedingte Berufskrankheiten: Seit 1993 in die Berufskrankheiten-Liste aufgenommen:
nach H.-J. Seidel P.M. Bittighofer: Checkliste Arbeits- und Betriebsmedizin, Georg Thieme Verlag 2002
• BeK 2108: Bandscheibenbedingte Erkrankungen der LWS durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten oder durch langjährige Tätigkeit in extremer Rumpfbeugehaltung, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten geführt haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können. Tätigkeit im Bergbau, Be- und Entladearbeiten, Kraftfahrzeughandwerker, Maurer, Montagearbeiter, Stahlbetonbauer, Fischer, Lastenträger, Fußbodenreiniger, Pflegeberufe, Stein- und Plattenleger, Gartenbauer, Krankenpfleger
• BeK 2109: Bandscheibenbedingte Erkrankungen der HWS durch langjähriges Tragen schwerer Lasten auf der Schulter, z.B.: Fleischträger, häufige Überkopf-Arbeiten (Monteure, Maler, Anstreicher).
• BeK 2110: Bandscheibenbedingte Erkrankungen der LWS durch langjährige, vorwiegend vertikale Einwirkung von Ganzkörperschwingungen im Sitzen, ... (s. o.). Tätigkeiten mit Hubschrauber, Rasenhobel, Bodenhobel, Erdhobel (Grader), Baustellen-LKW, Schürfwagen (Grader), Land- und forstwirtschaftliche Schlepper, Muldenkipper, Forstmaschinen im Gelände, Rad- und Kettenlader, Bagger (Roll- und Kettengeräte), Radlader/Planierraupen.
– Voraussetzungen für die Anerkennung als Berufskrankheit :
• Mindestarbeitszeit von in der Regel 10 Jahren in einer wirbelsäulenbelastenden beruflichen Tätigkeit.
• Schwere Lasten müssen in einer gewissen Regelmäßigkeit und Häufigkeit in der überwiegenden Zahl der Arbeitsschichten gehoben oder getragen worden sein.
• Anamnestischer, klinischer und röntgenologischer Nachweis eines Wirbelsäulenschadens im LWS- bzw. HWS-Bereich, der mit Wahrscheinlichkeit auf berufliche Belastung zurückzuführen ist.
• Als Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugehaltung gelten Arbeiten in Arbeitsräumen, die niedriger als 100 cm sind.

Die Zahl der Anerkennung von Rückenschmerzen bzw. Bandscheibenbedingten Erkrankungen der LWS als Berufskrankheiten ist bisher trotz der hohen Zahl der Antragsteller gering, Tabelle Zahlen für das Jahr 2006: 

Rückenschmerz als Berufskrankheiten in Zahlen Angezeigte Berufskrankheiten Anerkannte Berufskrankheiten
weiblich männlich weiblich männlich
 Bandscheibenbedingte Erkrankung der Wirbelsäule (BK-Nr.: 2108 - 2110)

1.937 

4.321 

104 

84 

Angezeigte und anerkannte Berufskrankheiten, Deutschland, 2006 Quelle: Hauptverband der Berufsgenossenschaften e.V. (HVBG): Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der gerwerblichen Berufsgenossenschaften in Deutschland

 

In der gesetzlichen Unfallversicherung haben sich im Laufe der Zeit bei einer Vielzahl von Unfallfolgen und BKen für die Schätzung der MdE Erfahrungswerte herausgebildet. Sie sind in Form von Rententabellen oder Empfehlungen zusammengefaßt und dienen als Anhaltspunkte für die MdE-Einschätzung im Einzelfall. Die in den Tabellen und Empfehlungen enthaltenen Richtwerte bilden in der Regel die Basis für einen Vorschlag, den der medizinische Sachverständige zur Höhe der MdE unterbreitet, und gewährleisten, daß alle Betroffenen bei der medizinischen Begutachtung nach einheitlichen Kriterien beurteilt werden. BK Nr 2108 und BK Nr 2110- Berufsbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule sind erst durch die Zweite Verordnung zur Änderung der BKVO vom 18. Dezember 1992 (BGBl I 2343) als BKen in die BKVO eingefügt worden. Wegen der verhältnismäßig geringen Zahl an Versicherten, bei denen bisher eine MdE festzustellen war geht das BSG Urteil vom 2.5.2001, B 2 U 24/00 R bisher davon aus, dass die Richtwerte noch nicht fundiert sind. Die Richtwerte seien bisher überwiegend an akuten traumatischen Bandscheibenvorfällen orientiert, die naturgemäß einen besseren Verlauf zeigen. "Soweit das LSG seine MdE-Bewertung beim Kläger auf die bei Podzun/Nehls aaO und Mehrtens aaO veröffentlichten Richtwerte aus den "MdE-Erfahrungswerten" stützt, wonach die Folgen eines Bandscheibenvorfalls bis zum Ablauf von sechs Monaten mit einer MdE um 20 vH, bis zum Ablauf eines Jahres mit einer MdE um 10 vH und danach mit keiner MdE mehr bewertet werden, kann der Senat offenlassen, ob es sich hierbei um einen allgemeinen Erfahrungssatz handelt. Denn wenn dies der Fall ist, bezieht er sich auf traumatisch verursachte Bandscheibenvorfälle, bei denen generell angenommen wird, daß ihre Folgen innerhalb eines Jahres so weit abgeklungen sind, daß sie keine MdE mehr verursachen. Eine Anwendung der Empfehlung auf chronische bandscheibenbedingte Erkrankungen der LWS iS eines allgemeinen Erfahrungssatzes erscheint deshalb ausgeschlossen."

Mehrtens/Perlebach  bei M 2108 RdNr 10 unter der Überschrift "Anhaltspunkte":

"Funktionseinschränkung der LWS

Funktionell nicht bedeutsame neurologische Ausfälle MdE 10 %

Starke Funktionseinschränkung der LWS MdE 20 %

Funktionseinschränkung mit funktionell bedeutsamen motorischen Ausfällen und/oder ausgeprägtem, funktionell schwerwiegenden chronischen Wurzelreizsyndrom MdE 30 %

In der Regel wird ein berufsbedingter Wirbelsäulenschaden mit Funktionseinschränkung und ohne Nervenausfälle mit einer MdE von 10 %, bei sehr ausgeprägten Veränderungen bis zu 20 % bewertet. Eine noch höhere Einschätzung ist nur im Ausnahmefall und meist auch nur bei gleichzeitigem Nachweis von Lähmungen zu begründen."

Schönberger/Mehrtens/Valentin unter RdNr 8.3.5.5.6 S 540 unter der Überschrift "Anhaltspunkte":

"Funktionseinschränkung der LWS

Funktionell nicht bedeutsame neurologische Ausfälle MdE 10 %

Starke Funktionseinschränkung der LWS MdE 20 %

Funktionseinschränkung mit funktionell bedeutsamen motorischen Ausfällen und/oder ausgeprägtem, funktionell schwerwiegenden chronischen Wurzelreizsyndrom MdE 30 %

 

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