Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Rückenschmerz Seite 4

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Was und wie wird beim Arzt zunächst je nach Beschwerden untersucht

 

Erhebung der Vorgeschichte Körperliche Untersuchung Laboruntersuchungen
Sturz oder Trauma in der Vorgeschichte?

Krebs in der Vorgeschichte?

Kommt eine gynäkologische Ursache, eine Nierenkrankheit, usw. als Ursache in Betracht?

Beschwerdebeginn und zeitlicher Verlauf
Schmerz: Art, Ort und Ausstrahlung ?

Gefühlsstörungen?, dauernd? zeitweise?

Schwäche in Arm oder Bein? Bewegungseinschränkung?

Was bessert, was verschlechtert den Schmerz?

Beurteilung des Allgemeinzustandes

Beobachtung des Verhaltens beim Gehen, An- und Ausziehen Körperhaltung und Muskelschwund?
Wie gut entfaltet sich der betroffene Wirbelsäulenabschnitte beim nach vorne Beugen (Messen mit dem Maßband )?fba.gif (347 Byte)
Verkrümmungen der Wirbelsäule?

Prüfung der Kraft und des Gefühlsempfindens

Reflexprüfung

Um entzündliche Erkrankungen auszuschließen, nur bei länger anhaltenden Beschwerden oder Hinweisen auf eine entzündliche Erkrankung

BKS
Differential-Blutbild

eventuell: Borrelien-Serologie, HLA-B-27 bei Verdacht auf Morbus Bechterew.

 

 
Rückenschmerzen Abklärung  nach Verdachtsdiagnose
Mögliche Ursache wichtigste Befunde Bildgebung weitere Untersuchungen
Krebs/ Metastasen

Vorgeschichte einer Krebserkrankung und neu aufgetretener Kreuzschmerz, keine Besserung im Liegen MRT BKS, Blutbild
Unklarer Gewichtsverlust, Alter>50,oder <20 Jahre , anhaltende Kreuzschmerzen, keine Besserung im Liegen Rö LWS
Infektiöse Ursache

Fieber,Schüttelfrost, i.v. Drogenmissbrauch, kürzlich vorausgegangene bakterielle Infektion (insbesondere Harnwege und Haut), Immunosuppression (Kortikosteroidbehandlung, Transplantierter Patient, HIV Infektion), Schmerzen schlimmer bei Nacht, oder schlimmer im Liegen MRT BKS, CRP, Blutbild
Diabetes m. diabetischen Neuropathie mit akuter Radikulopathie   NLG, EMG, Diabetes- Einstellung überprüfen
Cauda-Equina-Syndrom

Inkontinenz, Harnverhalt, Reithosensyndrom, Lähmungen in mehreren Etagen, bzw. Schweres oder fortschreitendes Neurologisches Defizit an den unteren Extremitäten MRT  
Wirbel-Kompressions- Fraktur

Bekannte Osteoporose , Kortisonbehandlung in der Vorgeschichte, fortgeschrittenes Alter Rö LWS  
Schwerer Unfall (Trauma bei Autounfall, Sturz aus großer Höhe), epileptischer Anfall
Ankylosierende Spondylitis Bechterew
  1. Morgensteifigkeit,
  2. keine Besserung im Liegen, Besserung durch Bewegung,
  3. wechselnde Gesäßschmerzen,
  4. mehrfaches Aufwachen in den Morgenstunden durch Schmerzen,
  5.  jüngeres Alter <40,
  6. mehr als 3 Monate anhaltende Schmerzen.

je mehr dieser Kriterien zutreffen, umso wahrscheinlicher

Übersichtsaufnahme der SI-Gelenke evtl. konventionelle Schichtuntersuchung. BKS, CRP, evtl. HLAB 27,
behinderndes neurologisches Defizit Lähmungen MRT EMG, SSEP; NLG
Rückenschmerz ohne ischialgiforme Ausstrahlung  und ohne die anderen Risikofaktoren keine  
Wenn der Schmerz nach 4 Wochen Behandlung nicht besser wird   je nach Vorgeschichte evtl

Rö LWS

Diagnostik psychosozialer Risikofaktoren, Überweisung Verhaltenstherapie, Schmerz- Bewältigungsprogramme
Ischialgie positiver Lasègue-Test und oder positiver umgekehrter Lasègue , keine Lähmungen bis 4 Wochen keine keine
nach 4 Wochen ohne Besserung insbesondere bei Schmerzausstrahlung bis unterhalb des Knies MRT,

sonst evtl zuerst Rö LWS

EMG, SSEP; NLG,  Diagnostik psychosozialer Risikofaktoren, Überweisung Verhaltenstherapie, Schmerz- Bewältigungsprogramme
Spinalkanalstenose ausstrahlender belastungsabhängiger Schmerz, Claudicatio spinalis  ältere Patienten,   bis 4 Wochen keine keine
nach 4 Wochen ohne Besserung MRT EMG, SSEP; NLG
MRT= Kernspintomographie, Rö LWS= Röntgen der Lendenwirbelsäule, EMG= Elektromyogramm   SSEP= Somatosensorisch Evozierte Potentiale NLG= Nervenleitgeschwindigkeiten,BKS= Blutkörperchen- Senkungsgeschwindigkeit, CRP = C-reaktives Protein, Die Sensitivität und Spezifität von BKS und CRP sind aber nach Studienlage bei dieser Indikation nicht sehr hoch. HLA-B27 steht dabei für Human Leukocyte Antigen-System, HLA-B27 findet sich bei bis zu 8% der Gesunden, aber auch bei 95% der an M. Bechterew erkrankten sowie bei 10-80% der von anderen rheumatischen Erkrankungen betroffenen, je nach Art der Erkrankung. Das HLA-B27 ist damit keine Krankheit, sondern ein genetischer Marker, der sich bei manchen rheumatischen Erkrankungen gehäuft findet. Gesunde mit HLA-B27 bekommen nur in etwa 6-7% einen rheumatische Erkrankung. Ähnlich wie Röntgenbefunde, ist damit auch dieser Laborwert nur im klinischen Zusammenhang zu bewerten.

Modifiziert nach: A Joint Clinical Practice Guideline from the American College of Physicians and the American Pain Society In Annals of internal Medicine  2 October 2007 | Volume 147 Issue 7 | Pages 478-491  PDF und Bigos SJ. Acute low back problems in adults. Rockville, Md.: U.S. Department of Health and Human Services, Public Health Service, Agency for Health Care Policy and Research, 1994; AHCPR publication no. 95-0642. P. A. Rives and A. B. Douglass Evaluation and Treatment of Low Back Pain in Family Practice J Am Board Fam Med, November 1, 2004; 17(suppl_1): S23 - S31.  [Abstract] [Full Text] [PDF] Deyo RA, Rainville J, Kent DL. What can the history and physical examination tell us about low back pain? JAMA 1992;268:760-765. A. J. Haig, M. E. Geisser, H. C. Tong, K. S.J. Yamakawa, D. J. Quint, J. T. Hoff, A. Chiodo, J. A. Miner, and V. V. Phalke Electromyographic and Magnetic Resonance Imaging to Predict Lumbar Stenosis, Low-Back Pain, and No Back Symptoms J. Bone Joint Surg. Am., February 1, 2007; 89(2): 358 - 366. [Abstract]

 

 

Erstbehandlung bei unkomplizierten Rückenschmerzen - Erklärung und Information

Eingehen auf die spezifischen Ängste des Patienten, ggf. Beruhigung , eine schwerwiegende Erkrankung ist meist sehr unwahrscheinlich. 

Röntgenbilder und Bluttests sind bei akuten Rückenschmerzen nur selten erforderlich.

Aufklärung, dass die schlimmen Schmerzen sich meist innerhalb von Tagen bis Wochen bessern, leichtere Schmerzen aber über einige Wochen bleiben können. 

Auch nach Besserung kommen die Schmerzen nicht selten irgendwann wieder.

Aufklärung, dass Ausruhen und Liegen nur kurzfristig sinnvoll ist. Möglichst baldige Wiederaufnahme der normalen körperlichen Aktivität und Arbeit bessert die Beschwerden schneller. Der Patient muss an der Genesung mitarbeiten.

Oft sind am Anfang regelmäßig eingenommene Schmerzmittel sinnvoller als eine Medikation nach Bedarf.

Angebot einer Nachkontrolle, falls der Patient den Schmerz nicht in den Griff bekommt.

 

 

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