Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Siehe auch:  

  1. Rückenschule
  2. "unkomplizierte" Rückenschmerzen 
  3. unter somatoforme Störungen
  4. Screening nach Risikofaktoren für eine Chronifizierung
  5. Schmerzmedikamente
  6. Fibromyalgie
  7. Wann Röntgenbilder und Kernpintomographien indiziert sind
  8. Wann operiert wird
  9. Wichtige ,,Säulen“ der Therapie des degenerativ verursachten Lumbalsyndroms 
  10. wichtige mechanische Definitionen 
  11. Was und wie wird beim Arzt zunächst je nach Beschwerden untersucht 
  12. Was wird dann untersucht
  13.  Risikofaktoren für eine Chronifizierung
  14.  Ärztliche Maßnahmen die Rückenschmerzen chronifizieren
  15.  Links zu Rückenschmerzen

 

 

 

Vorschläge für eine tägliche vorbeugende Rückengymnastik

Gymnastik ist überwiegend zur Vorbeugung (auch zur Rezidivprophylaxe) sinnvoll. Bei akuten Schmerzen kann es sinnvoller sein mehrmals täglich 10-15 Minuten Stufenlagerung zu praktizieren. Bei ganz akuten Schmerzen sollte man in den ersten Tagen auch Aktivitäten vermeiden, die diese Verschlimmern. Bettruhe sollte nur in den ersten 1-3 Tagen und dann auch nur für mehrmals 10 min bis eine Stunde eingehalten werden. Längere Bettruhe schadet. Eis oder Kälte für 15 min auf die schmerzhaften Stellen ist am Anfang oft lindernd. Später ist meist Wärme besser. Einfache Schmerzmittel sind am Anfang oft hilfreich, kurzfristig auch Muskelrelaxantien. Bedenken Sie, die meisten Rückenschmerzen verschwinden innerhalb von 2 Wochen von alleine. Bei anhaltenden Rückenschmerzen sollten Sie immer zum Arzt gehen. 

Gymnastik verfolgt überwiegend das Ziel einem erneuten Schub der Erkrankung vorzubeugen. 

Ist Rückengymnastik und Krankengymnastik wirksam ? Die Beweislage lässt zu wünschen übrig.

Bei unkomplizierten Rückenschmerzen ist wegen der Neigung zu Wiederholungen (im Fachjargon Rezidiv) oft eine Vorbeugung indiziert. Sinnvoll ist immer viel Bewegung (am besten Gehen, Schwimmen, Radfahren). Oft scheint eine spezielle Rückengymnastik sinnvoll. Eindeutig erwiesen ist die Wirksamkeit allerdings generell nicht. Die Cochrane Library, Issue 2, 2001 fand 39 randomisierte und kontrollierte Studien zum Thema. Sie kommt zum Schluß dass es starke Hinweise gibt, dass Rückengymnastik nicht effektiver ist, als jede andere aktive oder inaktive Behandlung von  Rückenschmerzen mit der sie verglichen wurde.  Die Ergebnisse im Vergleich zu inaktiven Behandlungen der Rückenschmerzen sind widersprüchlich.  Rückengymnastik war allerdings effektiver als die übliche Behandlung beim Praktiker und genauso effektiv wie konventionelle Physiotherapie (Krankengymnastik) bei Rückenschmerzen. Immerhin eine beachtliche Aussage. Es gibt also laut Cochrane Library keinen Hinweis dass eine spezielle Rückengymnastik oder spezielle Übungen in der Behandlung akuter Rückenschmerzen erfolgreich sind. Allerdings scheint Rückengymnastik die Rückkehr zur Arbeit und die den normalen Lebensaktivitäten zu beschleunigen.  Studien die einen eindeutigen vorbeugenden Effekt nachweisen liegen ebenfalls nicht vor. Die Ergebnisse könnten auch damit erklärlich sein, dass viel Studien eine schlechte Qualität haben. Allerdings kommen auch alle nationalen Guidelines zu diesem eher niederschmetternden Ergebnis bezüglich Rückengymnastik in jeder Form. Die Empfehlung in den nationalen Guidelines (siehe Literaturhinweis am Ende des Abschnitts). und Ergebnisse von Untersuchungen bestätigen andererseits einfachen Maßnahmen wie der möglichst raschen Rückkehr zu den normalen Tagesaktivitäten einen Effekt bezüglich der Besserung und der Beschränkung der Arbeitsunfähigkeiten.  Jeder muss selbst entscheiden ob er Krankengymnastik oder Rückengymnastik betreiben will. Vorwürfe, dass wegen fehlender Gymnastik die Schmerzen wiedergekommen sind, sind jedenfalls nicht gerechtfertigt. Schonung und gar nichts tun ist allerdings die eindeutig schlechtere Alternative.  Die Studienlage stützt hier also (ausnahmsweise) die Sparbemühungen der Gesundheitsreform in diesem Bereich. Sie ist auch eine Aufforderung an die Krankengymnasten bessere Studien vorzulegen um den eigenen Nutzen unter Beweis zu stellen. Die Studienlage zu Massage bei Rückenschmerzen sieht übrigens nach Cochrane Library, Issue 2, 2001 nicht besser aus. Dies gilt im Übrigen auch für andere Indikationen von Massage wie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schmerzen nach Sport, Lymphödeme, Stress usw. Einen angenehmen versorgenden Erhohlungseffekt hat Massage aber sicherlich. Die Zuwendung die KG und Massage bringen kommt den Bedürfnissen vieler schmerzgeplagter Menschen nach. Dies bedeutet allerdings nicht automatisch, dass dadurch die Beschwerden schneller besser werden. Zum Vergleich lässt die Studienlage laut Cochrane Library, Issue 2, 2001 klar erkennen, dass Verhaltenstherapie erfolgreich in der Behandlung von Rückenschmerzen ist.   Normale Alltagsaktivität mit üblichen Bewegungen wie Gehen, Schwimmen, Radfahren usw. scheint  die wirkungsvollere Alternative. Dies Alternative ist aber oft den Patienten schlechter zu vermitteln.  Mit ein Grund für diese Darstellung  für Interessierte, die mehr das Gefühl brauchen etwas spezielles zu tun. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil der speziellen Gymnastik, Rückenkurse, Krankengymnastik etc. bei gewöhnlichen Rückenschmerzen ist, dass die Betroffenen sich ständig mit der Symptomatik beschäftigen, was eine Fixierung auf die Beschwerden auslösen kann und damit den Verlauf verschlechtern kann. Manche Untersucher weisen zudem darauf hin, dass die Angebote an Rückengymnastik in Sportvereinen, Volkshochschulen etc. sehr häufig von den Menschen genutzt werden, die diese am wenigsten benötigen. Ausgleichende Bewegungen am Arbeitsplatz zeigen in Studien gute Wirkung. Eine Metaanalyse der verfügbaren Studien zur Rückenschule und/oder Bändern und Orthesen bei Menschen, die am Arbeitsplatz schwer heben müssen, im British Medical Journal 2008 kommt zum Ergebnis, dass es bisher keine gesicherte Wirksamkeit für die Rückenschule am Arbeitsplatz gibt.

 

  • ACC. New Zealand acute low back pain guide. Wellington, New Zealand: Accident Rehabilitation and Compensation Insurance Corporation (ACC) and the National Health Committee, 1997. 
  • Bigos S, Bowyer O, Braen G, et al. Acute low back problems in Adults. Clinical Practice Guideline no. 14. AHCPR Publication No. 95-0642. Rockville MD: Agency for Health Care Policy and research, Public Health Service, U.S., Department of Health and Human Services, 1994 
  • Waddell G, Feder G, McIntosh A, Lewis M, Hutchinson A. Low back pain evidence review. London: Royal College of General Practitioners, 1996. 
  • Faas A, Chavannes AW, Koes BW, van den Hoogen JMM, Mens JMA, Smeele IJM, Romeijnders ACM, van der Laan JR. NHG-Standaard 'Lage-Rugpijn'. Huisarts Wet 1996;39:18-31. (in Dutch).
  • Jill A. Hayden, Maurits W. van Tulder, and George Tomlinson Systematic Review: Strategies for Using Exercise Therapy To Improve Outcomes in Chronic Low Back Pain Abstract] [Full Text] [PDF]
  • Jill A. Hayden, Maurits W. van Tulder, Antti V. Malmivaara, and Bart W. Koes Meta-Analysis: Exercise Therapy for Nonspecific Low Back  Pain Ann Intern Med, May 2005; 142: 765 - 775.
  • Kari-Pekka Martimo, Jos Verbeek, Jaro Karppinen, Andrea D Furlan, Esa-Pekka Takala, P Paul F M Kuijer, Merja Jauhiainen, and Eira Viikari-Juntura Effect of training and lifting equipment for preventing back pain in lifting and handling: systematic review BMJ 2008 0: 394634183. [Abstract] [Full Text]

Auch aus finanziellen Gründen kann nicht  immer in ausreichendem Maß Krankengymnastik verordnet werden. Eigene Gymnastik ist auch bei KG essentiell, damit sie wirksam sein kann.  Wichtig ist ohnehin bei jeder verordneten Gymnastik, dass die dort beigebrachten Übungen zu Hause täglich wiederholt werden. In Studien schneidet die Gymnastik in Eigenregie nicht unbedingt schlechter ab, als regelmäßige Physiotherapie. (Helen Frost et al., Randomised controlled trial of physiotherapy compared with advice for low back pain, BMJ 2004;329:708, Abstract] [Full text] [PDF]).    Bei Beachtung der unten genannten Hinweise, kann eine Gymnastik auch selbstständig durchgeführt werden. Je aktiver Sie mit Ihren Schmerzen und Beschwerden umgehen, umso besser die Prognose. Gymnastik und Bewegung sind langfristig einer Massagebehandlung immer überlegen.   Auch viele Krankenkassen stellen hierzu Anleitungen zur Verfügung, die man dort auch abholen oder bestellen kann. 

Sport empfehlenswert: Joggen vor allem auf weicherem Untergrund, Fahrradfahren,  Schwimmen: Delphin- und Brustschwimmen belasten allerdings die Halswirbelsäule. Rückenschwimmen  ist optimal für die Wirbelsäule. Skilanglauf, Kraftsport nur mit Anleitung und im Fitnessstudio mit qualifiziertem Personal,  Fußball bei richtigem Aufwärmen und Vermeidung von harten Zweikämpfen. Ungünstig: Tennis, Squash, Reiten, Kegeln, Skiabfahrtslauf, Kampfsport,

 

Machen Sie jede Übung 1 bis 5 x hintereinander zunächst einmal täglich. Steigern Sie allmählich auf 10 x jede Übung jeweils 2x täglich. 

Machen Sie die Übungen langsam. Empfehlungen mit einem individuellen Programm mit langsamer Steigerung der Belastung gelten nach Untersuchungen als deutlich effektiver als die Empfehlung mit den Übungen aufzuhören, wenn der Schmerz beginnt.  Wenn Sie während der Übungen Schmerzen haben, sprechen Sie dennoch zuerst mit Ihrem Arzt. Beenden Sie jede Übung sofort die den Rückenschmerz massiv verstärkt, ein Kribbeln, Taubheitsgefühl oder eine Schwäche in den Beinen hervorruft. Die Übungen sollen für eine bessere Kontrolle der Rücken-, Bauch-,  Becken- und Gesäßmuskulatur sorgen und dadurch eine Körperhaltung ermöglichen, die Ihren Rücken entlastet. Nach den Übungen sollten Sie unbedingt entspannen. Schütteln Sie Arme und Beine aus und entspannen Sie sich einige Minuten in Rückenlage auf dem Boden. Strecken, Dehnen und eine Kräftigung der Muskulatur haben durchaus eine positive Wirkung.

  1. Legen Sie sich auf dem Rücken den Boden, 
  2. Pressen Sie Ihr Kreuz gegen den Boden und spannen Sie dabei Ihre Gesäß- und Bauchmuskeln an, dadurch sollte das Becken etwas nach vorne und oben kommen. 
  3. Schieben Sie jeweils eine Ferse etwas weiter von sich weg, im Wechsel der Seiten,
  4. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig
  5. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß.  

Die Übung soll für eine bessere Kontrolle der Becken- und Gesäßmuskulatur sorgen und dadurch eine Körperhaltung ermöglichen die Ihren Rücken entlastet

 

  1. Beugen Sie ein Bein in der Hüfte, gehen Sie langsam mit dem Knie Richtung Kinn,
  2. Ziehen Sie langsam das Knie mit den Händen zur Brust, Versuchen Sie dabei mit der Stirn zum Knie zu gehen.
  3. Atmen Sie dabei ruhig
  4. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß
  5. Versuchen Sie das jetzt mit dem anderen Bein
  6. Atmen Sie dabei ruhig
  7. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß
  8. jetzt mit beiden Beinen
  9. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig
  10. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß
  1. Beugen Sie ein Bein in der Hüfte, gehen Sie langsam mit dem Knie Richtung Kinn,
  2. Ziehen Sie langsam das Knie mit den Händen zur Brust, Versuchen Sie dabei mit der Stirn zum Knie zu gehen.
  3. Lassen Sie die Ferse des anderen Beines auf dem Boden, versuchen Sie das Knie gegen den Boden zu drücken,
  4. Beugen Sie den Fuß, so dass die Zehen in Richtung Nase gehen
  5. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig
  6. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß

 

 
  1. Wiederholen Sie die erst Übung, strecken Sie dabei die Arme nach vorne aus und rollen Sich langsam in eine Sitzhaltung auf
  2. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig
  3. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß

  1. Um Ihren Rücken zu strecken, legen Sie sich jetzt auf den Bauch, legen Sie Ihre Hände vorne neben Ihren Kopf.
  2. Drücken Sie langsam Ihren Oberkörper hoch indem Sie Ihre Arme durchstrecken, behalten Sie dabei Ihre Hüften auf dem Boden, halten Sie die Position bis Sie bis 10 gezählt haben
  3. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig
  4. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß
  5. lassen Sie danach Ihren Oberkörper und Ihr Becken auf dem Boden und heben Sie abwechselnd das linke Bein für 10 Sec und dann das rechte Bein für 10 Sec an.
  1.  Gehen Sie auf den Knien und Händen in den Vierfüßlerstand.
  2.  Heben Sie Ihren linken Arm und Ihr rechtes Bein an, halten Sie den Nacken dabei gerade.
  3.  Halten Sie die Position für 10 Sekunden und gehen sie dann zurück auf die Knie und Hände in den Vierfüßlerstand.
  4. Wiederholen Sie das Ganze jetzt mit Ihrem rechten Arm und Ihrem linken Bein.
  5. Atmen Sie dabei ruhig und gleichmäßig
  6. Entspannen Sie danach Nacken, Schultern, Bauch und Gesäß


  1. Zuletzt eine Streckübung
  2. Stehen Sie mit ihrem rechten Bein auf einen Stuhl oder Hocker.
  3. Beugen Sie langsam das rechte Knie durch und halten Sie diese Position für 30-45 sec.
  4. Wiederholen Sie die Übung jetzt mit dem anderen Bein

Links

Bilder teilweise modifiziert aus http://www.lowbackpain.com/exercise.html entnommen

Rückenübungen auch unter

http://orthoinfo.aaos.org/booklet/view_exercise.cfm?Thread_ID=18&topcategory=Spine

http://www.physsportsmed.com/issues/1997/01jan/back_pa.htm,

http://www.physsportsmed.com/issues/1997/08aug/shiplepa.htm .

 http://www.familydoctor.org/flowcharts/531.html,

  http://www.drorphan.com/lbex.html

 

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