Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Schwindel

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Schwindel durch Medikamente (als Nebenwirkung)

Schwindel tritt bei Medikamenten häufig durch eine Absenkung des Blutdrucks auf, beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen können die Blutgefäße nicht schnell genug reagieren um dem Druck zu halten und der Blutdruck sinkt ab. Langsam aufstehen vermindert den Schwindel und verhindert Stürze. Mit der Gewöhnung an das Medikament werden die Schwindelgefühle meist von alleine besser. Anders wenn das Medikament das Gleichgewichtsorgan schädigt. Hier tritt meist Drehschwindel auf; in diesen Fällen muss das Medikament abgesetzt werden. Auch Herzrhythmusstörungen können durch Medikamente ausgelöst werden und sich als Schwindel äußern. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt, wenn unter Behandlung mit einem Medikament Schwindel als Nebenwirkung auftritt. Ihr Arzt kann Ihnen oft schnell sagen, ob es sich um eine harmlose oder gar gefährliche Nebenwirkung handelt.

 

  Schwindel Tinnitus
Acetylcystein (ACC, Bromuc)   +
Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS) + +
Allopurinol (Allopuren, Zyloric) +  
zentral wirksame Analgetika +  
ACE-Hemmer (Xanef, Lopirin, Tensobon) + +
Baclofen (Lioresal) +  
Barbiturate (Evopan, Luminal) +  
Benzo-
diazepine (Mogadan, Tavor,
Dormicum)
+  
Beta-Rezeptoren-Blocker (Beloc,
Lopresor, Sotalex)
+  
Calciumantagonisten (Nifedipin, Dilzem,
Isoptin)
+  
Carbamazepin (Sirtal, Tegretal) +  
Chinidin (Chinidin-Duriles) + +
Chinin   +
  Schwindel Tinnitus
Chloroquin, Mefloquin, Hydroxychloroquin (Quensyl, Resochin) + +
Cinnarizin (Stutgeron) +  
Clofibrinsäure, -Derivate (Cedur) +  
Clonidin (Catapressan) +  
Codein (Codipront,Paracodin)   +
Cromoglicinsäure(Aarane, Tilade) +  
Diuretika (Bumetanid, Ethacrynsäure, Furosemid...) + +
Disopyramid (Disonorm, Rythmodul) +  
Dopaminantagonisten (Atosil, Neurocil) +  
Eprazinon +  
  Schwindel Tinnitus
Griseofulvin (Fulcin,
Griseo)
+  
Guaifenesin (Gufen) +  
Guanethidin (Ismelin) +  
Gyrasehemmer (Tarivid, Ciprobay) + +
H2-Rezeptorenblocker (Sostril, Zantic, Tagamet) +  
Isoniazid (Isozid,
Tebesium)
+  
Jodhaltige Röntgenkontrastmittel +  
Lidocain (Xylocain) + +
Lokalanästhetika (parentral) +  
Loperamid (Imodium) +  
MAO-Hemmer (Parnate) +  
Naftidrofuryl (Dusodril, Naftipuren) +  
Neuroleptika +  
Nichtsteroidale Antiphlogistika (Ibuprofen,
Diclofenac)
+  
Nitrofurantoin (Cystit, Uro-Tablinen) +  
Nitroimidazole (Metronidazol u. a.) +  
Östrogene (Progynon, Presomen) +  
Paromomycin (Humatin)

+

 

Pentoxifyllin (Pentopuren, Trental) +  
  Schwindel Tinnitus
Phenazopyridin +  
Phenytoin (Phenhydan, Zentropil) +  
Piracetam (Nootrop) +  
Polymyxin B, Colistin +  
Procain (oral) +  
Protionamid (Ektebin) +  
Pyrimethamin (Primaquin) +  
Pyritinol (Encephabol) +  
  Schwindel Tinnitus
Rifampicin (Rifa, Rimactan) +   +
Schleifendiuretika (Lasix u. a.) +  
Sulfonamide (Pallidin,
Longum)
+  
Sympathomimetika
(Arterenol, Suprarenin)
+ +
Terizidon +  
Tetracyclin (Supramycin, Tetracyclin) +   +
Thiazidderivate (Esidrix) +  
Thyreostatika (Carbimazol, Favistan, Irenat) +  
Triamteren (Triampur, Nephral) +  
Tri- und Tetracyclische Antidepressiva (Anafranil, Aponal, Saroten, Tofranil) +   +
Valproinsäure (Convulex, Orfiril)  

+

Vankomycin  

+

Als bilaterale Vestibulopathie bezeichnet man eine beidseitige Labyrinthschädigung z.B. durch ototoxische Antibiotika, M.Meniere, Cogan-Syndrom, degenerativen Erkrankungen, nach so genanntem. idiopathischem beidseitigen Labyrinthausfall, Meningitis oder einen anderen Schädigungsmechanismus . Die Patienten klagen über Stand- und Gangunsicherheit besonders bei Dunkelheit oder auf unebenem Grund, der Einbeinstand ist erschwert,  sie bemerken sowie über Oszillopsien (illusorisches Bewegungssehen, meist ohne Desorientierungsgefühl).  Bei Prüfung des vestibulookulären Reflexes finden sich dann meist Refixationssakkaden.

 

Ein echter Migräne-Schwindel ist bei Erwachsenen selten. Zwar haben viele Migränepatienten einen leichteren diffusen Schwindel bei ihren Migräneattacken, ein wirklicher Drehschwindel tritt aber nur bei einer Minderheit auf.  Die Diagnose wird gestellt, wenn ein Migräne-Syndrom nach IHS-Kriterien vorliegt und episodisch vestibulärer (Dreh-) Schwindel auftritt und beide während mindestens zweier Attacken gemeinsam aufgetreten sind. Meist handelt es sich bei dem Drehschwindel um ein Aurasymptom, das also vor dem Beginn der Kopfschmerzen im Rahmen der Migräneattacke auftritt. Seltener tritt der Schwindel wie andere neurologische Begleitsymptome der Migräne auch ohne begleitenden Kopfschmerzen oder am Ende der Migräneattacke auf. Ein Lagerungsschwindelsyndrom oder ein Gefühl wie bei einer Seekrankheit kommen vor. Die Behandlung unterscheidet sich nicht von der sonstigen Migränebehandlung, teilweise wird aber über eine Wirkung von dem Carboanhydrasehemmer Acetazolamid auf die Drehschwindelattacken berichtet, ausreichende Studien liegen aber nicht vor.

Grad der Behinderung im Schwerbehindertenrecht

Gleichgewichtsstörungen
(Normabweichungen in den apparativ erhobenen neurootologischen Untersuchungsbefunden bedingen für sich allein noch keinen GdB/F-Grad)
GdB
ohne wesentliche Folgen
beschwerdefrei, allenfalls Gefühl der Unsicherheit bei alltäglichen Belastungen (z.B. Gehen, Bücken, Aufrichten, Kopfdrehungen, leichte Arbeiten in wechselnder Körperhaltung)
leichte Unsicherheit, geringe Schwindelerscheinungen (Schwanken) bei höheren Belastungen (z. B. Heben von Lasten, Gehen im Dunkeln, abrupte Körperbewegungen)
stärkere Unsicherheit mit Schwindelerscheinungen (Fallneigung, Ziehen nach einer Seite) erst bei außergewöhnlichen Belastungen (z. B. Stehen und Gehen auf Gerüsten, sportliche Übungen mit raschen Körperbewegungen)
keine nennenswerten Abweichungen bei den Geh- und Stehversuchen
0-10
mit leichten Folgen
leichte Unsicherheit, geringe Schwindelerscheinungen wie Schwanken, Stolpern, Ausfallsschritte bei alltäglichen Belastungen,
stärkere Unsicherheit und Schwindelerscheinungen bei höheren Belastungen
l
eichte Abweichungen bei den Geh- und Stehversuchen erst auf höherer Belastungsstufe
20
mit mittelgradigen Folgen
stärkere Unsicherheit, Schwindelerscheinungen mit Fallneigung bereits bei alltäglichen Belastungen,
heftiger Schwindel (mit vegetativen Erscheinungen, gelegentlich Übelkeit, Erbrechen) bei höheren und außergewöhnlichen Belastungen
deutliche Abweichungen bei den Geh und Stehversuchen bereits
auf niedriger Belastungsstufe  
30-40
mit schweren Folgen
heftiger Schwindel, erhebliche Unsicherheit und Schwierigkeiten bereits
bei Gehen und Stehen im Hellen und anderen alltäglichen Belastungen,
teilweise Gehhilfe erforderlich
50-70
bei Unfähigkeit, ohne Unterstützung zu gehen oder zu stehen 50-70

aus den
"Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertengesetz" (1996)

 

 

 

 


 

Ausführliches in Buchform 

Brandt Th, Vertigo. Its Multisensory Syndromes. Springer 2.Aufl. 1999

Ratgeber: Wirksame Hilfe bei Schwindel. Was dahinter steckt und wie Sie ihn wieder los werden. Trias (August 1999)-  von Thomas Lempert

 

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Gästebuch Bergheimerstraße 56a
E-Mail 69115 Heidelberg

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