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Schwindel
Seite 3
gutartiger (oder benigner) anfallsweise
auftretender (oder paroxysmaler) Lagerungsschwindel
( BPLS) Bei dem gutartigen anfallsweise auftretenden
Lagerungsschwindel handelt es sich um eine relativ häufige Schwindelursache.
Bis zum 70. Lebensjahr bekommt jeder 3. irgendwann diese harmlose, aber zunächst
bedrohlich erscheinende, Schwindelform. Das Durchschnittsalter liegt
zwischen 51 und 57 Jahren. Alterungsprozesse des Labyrinthes scheinen bei der
Entstehung eine Rolle zu spielen. Die otokonischen Kristalle, die ursächlich
sind werden bei Säuglingen und Kindern seltener im Labyrinth gefunden und
scheinen sich erst im Laufe des Lebens auszubilden. Selten tritt der Schwindel
deshalb vor dem 35. Lebensjahr auf, ohne dass ein Schädeltrauma vorausging.
Die Inzidenz beträgt etwa 64 pro 100,000. Im Alter wird aber eine Inzidenz bis
8/100 angegeben. Frauen überwiegen (Frauen/Männer 3/2). Insgesamt findet man bei
50%–70% keine Ursache, diese Fälle nennt man primär oder idiopathisch, 30%–50%
sind sekundär zu anderen Störungen wie Schädeltraumen (7%–17%), virale
Labyrinthitis oder Neuronitis vestibularis (15%), Morbus Ménière (5%),
Migräne (< 5%), Innenohroperationen (< 1%). Osteopenie/Osteoporose
verdoppelt möglicherweise das Risiko für einen BPLS. (NEUROLOGY
2009;72:1069-1076) Wenn die Episoden mit
anfallsweise auftretendem Lagerungsschwindel bei sehr jungen Patienten bereits
beginnen, nur eine kurze Dauer haben und häufig wieder kommen, ist besonders
daran zu denken, dass es sich um eine Migränemanifestation handelt. Andere
Migränesymptome während oder direkt nach den Attacken und ein bei der
Untersuchung oft atypischer Lagerungsnystagmus helfen dann bei der
Unterscheidung.
Leider wird das Syndrom immer
noch selten diagnostiziert, obwohl es sich um ein häufiges Krankheitsbild
handelt, die Diagnosestellung wie auch die Behandlung an sich nicht schwierig
sind, wird immer noch viele zu selten die richtige Diagnose gestellt und richtig
behandelt. Eine Studie (M.von Brevern et al.2002) an 71 Patienten die immerhin
seit etwas über 3 Jahren mit durchschnittlich 2,4 Wochen bis Monate dauernden
Episoden der Erkrankung zu kämpfen hatten, führte zu beschämenden Ergebnissen.
Die Mehrzahl der Patienten wurden mit unwirksamen Maßnahmen behandelt oder gar
nicht. Nur 4% erhielten ein spezifisches Lagerungsmanöver nach Epley oder Semont.
Eine Vielzahl teurer und überflüssiger Untersuchungen bei Ärzten verschiedener
Fachrichtungen war durchgeführt worden, eine diagnostische Lagerungsprobe war
nur bei 28% der Patienten durchgeführt worden. Folge solcher mangelhaften
Behandlungen ist dann oft die Entwicklung unnötiger Ängste Die
Schwindelform heißt gutartig deshalb, weil die Symptome zunächst zwar sehr
unangenehm sind und meistens am Anfang als sehr bedrohlich empfunden werden, es
sich aber um eine harmlose Erkrankung handelt, die man auch einfach behandeln
kann. Es liegt der Erkrankung also kein Tumor zu Grunde, den Betroffenen droht
auch kein Schlaganfall. Die Beschwerden bilden sich meistens wieder
vollständig zurück, können aber wieder kommen. Der Schwindel klingt bei
Menschen, die sich weiterhin bewegen in 2-6 Wochen auch von alleine ab,
allerdings dauert dies deutlich länger als wenn sinnvoll behandelt wird. Sehr
selten gibt es Formen, die zu einem dauerhaften Lagerungsschwindel führen.
Auch eine erbliche Komponente scheint eine Rolle zu spielen. Die Behandlung kann
prinzipiell alleine erfolgen. Es sollte jedoch eine ärztliche (am besten
neurologische) Kontrolle vorausgehen. Dabei sollte auch das korrekte Üben oder
Lagern vom Arzt kontrolliert werden. Die Übungen werden unten in Bildern
dargestellt.
| Diagnosekriterien:
|
- Anfallsartiges Auftreten in Abhängigkeit von Kopfbewegungen meist
kein Dauerschwindel
- Zwischen den Attacken wenige oder gar keine Symptome
- Drehschwindel mit typischem Nystagmus (vertikal und
drehend zum unten liegenden Ohr (schnelle Phase des Augenzitterns) bei
Lagerung auf die betroffene Seite) der durch das Dix- Hallpike Manöver
provoziert werden kann.
- Typische Latenz zwischen Dix- Hallpike Manöver und plötzlichem
Auftreten des Schwindels u. Nystagmus von einigen Sekunden
- Anfallsartige Charakteristik mit typischer Zunahme und Abklingen
über 10-20 sek.
- Erschöpfbarkeit - bei Wiederholung des Dix- Hallpike Manövers
nimmt der Schwindel ab.
- Nicht Auslösbarkeit des Schwindels in der Untersuchungssituation
schließt das Krankheitsbild nicht aus.
- Nicht seltene Rezidive nach mehrmonatiger Besserung
|
|
Die Unterscheidung von
Hirnstammschädigungen oder anderen zentralnervösen Ursachen |
| Symptom |
Peripher |
Zentralnervöse Ursache |
| Latenzzeit nach der
Bewegung bis zum Auftreten des Schwindels oder Nystagmus |
0-40 Sekunden (Durchschnitt 7.8) |
keine Latenz, beginnt sofort |
| Dauer |
weniger als eine Minute |
Die Symptome können länger anhalten |
| Erschöpfbarkeit der
Symptome (Habituation) nach Wiederholung der Übung oder des Provokativen
Manövers |
ja bei 87% |
nein |
| Nystagmusrichtung
(vertikal und drehend zum unten liegenden Ohr (schnelle Phase des
Augenzitterns) bei Lagerung auf die betroffene Seite) |
feste Richtung |
Richtung kann sich ändern, |
| Intensität der
Symptome und Zeichen |
Schwerer Schwindel, eindeutiger Nystagmus, systemische
Symptome wie Übelkeit
|
Meist milder Schwindel, weniger intensiver
Nystagmus, selten systemische Symptome wie Übelkeit |
| Reproduzierbarkeit
|
Inkonsistent |
Häufig |
| Troost BT, Patton JM.
Exercise therapy for positional
vertigo. Neurology 1992, 42:1441-1444 |
Symptome
Meistens beginnen die Symptome morgens beim Aufwachen. Ganz am Anfang
kann ein mäßiggradiger Dauerschwindel da sein, sogar bei Ruhigstellung des
Kopfes. Am häufigsten aber tritt von Anfang an nur bei bestimmten Kopfbewegungen
ein Drehschwindel auf. Am Anfang kann beim Laufen auch ein Gefühl da sein als ob
man auf einer Matratze läuft. Im weiteren Verlauf ist fast immer ausschließlich
ein von Kopfbewegungen abhängiger Drehschwindel vorhanden. Es handelt sich dabei
um Schwindelattacken von relativ kurzer Dauer, i. d. R. 10 bis 40 Sekunden, fast
immer weniger als 1 Minute. Wenn man die Bewegung, durch die der Schwindel
auftritt wiederholt, nimmt der Schwindel i. d. R. rasch an Intensität ab, und
lässt sich nach mehrfacher Wiederholung meistens nicht mehr provozieren.
Ursachen
(Bild:
Gleichgewichtsorgan)

Der Auslöser der Schwindelsymptomatik liegt in unserem
Gleichgewichtsorgan, das im Felsenbein der Schädelbasis neben dem Ohr
lokalisiert ist. Es besteht jeweils aus drei im rechten Winkel zueinander
angeordneten Bogengängen (zur Empfindung von Drehbeschleunigung) sowie Utriculus
und Sacculus im Bereich der Bogengangvereinigung, dem Vestibulum (zur Empfindung
von horizontalen und vertikalen linearen Beschleunigungen). Jeder einzelne
Bogengang sowie Utricculus und Sacculus besitzen eigene Gleichgewichts-
Sinneszellen. Diese sind Nervenzellen, die mit ihren Haarfortsätzen in einer
gallertartigen Masse eingebettet sind. Diese wiederum ragt in das
flüssigkeitsgefüllte Innere des Gleichgewichtorgans. Durch Drehbewegung und
lineare Bewegung gerät die Flüssigkeit (Endolymphe) in Strömung. Die Haarzellen
werden in eine bestimmte Richtung gelenkt. Sie werden gereizt und senden das
Signal nach zentral in das Kerngebiet des Gleichgewichtsnerven im Hirnstammes.
Um das Gewicht (und damit die Empfindlichkeit) der gallertartigen Masse von
Sacculus und Utricculus zu erhöhen, befinden sich dort kleinste Kalzitkristalle,
(CaCO3) die so genannten Otokonien oder Otolithen. Diese sind in der Regel fest
verankert. Während einer linearen Beschleunigung werden die Kristalle, die etwas
schwerer sind als die um sie herum befindliche gallertartigen Masse durch ihre
"Trägheit" etwas zurückgelassen. Die hieraus resultierende Biegung der mit ihnen
verbundenen Zilien verursacht eine Erregung der Haarzellen mit einer daraus
folgenden vermehrten Feuerungsrate des Gleichgewichtsnerven wenn die Bewegung
zur Kinozilie hin geht und eine verminderte Frequenz der Feuerungsrate, wenn die
Bewegung von der Kinozilie weg geht.
Die Kinozilienorgane melden die Richtung
und das Ausmaß der Bewegung, sie reagieren auf Schwerkraft und Beschleunigung.
Die Informationen des Gleichgewichtsorganes ermöglichen damit die
Wahrnehmung der Stellung des Körpers im Raum, die Aufrechterhaltung einer
stabilen gewünschten Körperhaltung und sie steuern bestimmte Augenbewegungen, so
dass bei Bewegungen (Kopfbewegungen oder Erschütterungen beim Gehen). der Blick
stabil bleibt und das gesehene Bild nicht verwackelt. Letztere Kontrolle
erfolgt über den
Vestibulo-ocularen Reflex.
Siehe Dr. Cullen McGill University,Canada Wenn sich ein "Steinchen" löst,
und sich an einer ungewohnten, dafür nicht vorgesehenen Stelle ablagert
kommt es zum Schwindel .(Calciumkristall-Ablagerungen auf dem Sinnesepithel der
Cupula des hinteren Bogenganges ("Cupulolithiasis") oder durch frei im Lumen der
Bogengänge schwebende Otolithenteilchen ("Canalolithiasis") als Folge einer
spontanen Degeneration der Otolithenmembran oder eines Labyrinthtraumas (auch
postoperativ)). Sie rutschen bevorzugt in den hinteren Bogengang.
Bei ruhiger Kopfhaltung liegen sie auf dem tiefsten Punkt des Ganges. Bei
Kopfdrehung verändert der tiefste Punkt seine Lage. Die Otokonien sinken
dorthin, der Schwerkraft folgend. Die Endolymphe wird in Strömung versetzt, die
vestibulären Haarzellen des Bogengangs werden erregt. Aus einem Rezeptor für die
Drehbeschleunigung wird ein Schwerkraftrezeptor. Es kommt zu einer einseitigen
unphysiologischen Aktivierung des Gleichgewichts- Systems. Der Patient zeigt den
typischen Nystagmus zur Seite der Schädigung. Er empfindet den Schwindel genau
so lange, wie die Strömung der Endolymphe anhält.

Durch das Steinchen, oder die
Ablagerung, das im Gleichgewichtsorgan an der falschen Stelle liegt, liefert das
Gleichgewichtsorgan unserem Gehirn eine falsche Information, die dann nicht mehr
mit unserem Lageempfinden und dem Sehen übereinstimmt und so entsteht auch hier
Schwindel. In etwa der Hälfte der Fälle findet man keinerlei Ursache für das
Zustandekommen der Erkrankung. Sie tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf
und wird mit zunehmenden Alter häufiger. Andere Ursachen können
Schädelhirntraumen, Durchblutungsstörungen, Operationen oder Entzündungen des
Gleichgewichtsnerven sein. Interessant ist die Hypothese einer neuren Arbeit,
dass die Endolymphe wegen ihres niedrigen Kalziumgehaltes (20 microM) in
der Lage ist Otolithen aufzulösen und es dadurch zur Spontanheilung komme.

Diagnose
(Bild: der Nystagmus bei einem Otolithen im hinteren Bogengang)

Die Erkrankung lässt sich relativ einfach diagnostizieren. Dabei wird
während der Untersuchung durch raschen Lagewechsel der Schwindel produziert, und
man kann dann während des Schwindels ein typisches Augenzittern ( einen
Nystagmus ) sehen. Manchmal ist es erforderlich durch weitere Untersuchungen
auszuschließen, dass eine andere Erkrankung die Ursache des Schwindels ist.
Entscheidend für die Nystagmusform ist, welcher Bogengang gereizt wird und rein
horizontaler Nystagmus entsteht nur bei Reizung des seitlichen Bogenganges.
Dieser ist vom benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel nur sehr selten
betroffen. Liegt abgesprengtes Otolithenmaterial im hinteren Bogengang – eine
der häufigsten Schwindelformen – herrscht ein vertikaler Nystagmus mit
rotatorischer Komponente vor. Manchmal kommen die Patienten erst spät im
Verlauf, dann lässt sich der Schwindel nicht mehr provozieren. In diesen Fällen
ist die Diagnose nur anhand der Anamnese zu sichern. Oft ist dabei die
betroffene Seite nicht zu erfahren. Dennoch ist auch in diesen Fällen die
Behandlung in über 50% der Fälle erfolgreich. In einer großen Serie von
590 Patienten war bei 521 (88%) der hintere Bogengang, bei 12% der vordere
Bogengang und bei 10% der horizontale Bogengang betroffen.
Behandlung
Die Behandlung ergibt sich aus dem Mechanismus des Entstehens des
Schwindels. Entscheidend ist, dass Sie nicht- wie man das automatisch tut wenn
einem schwindelig wird- alles vermeiden damit der Schwindel ja nicht auftritt.
Je mehr sie dem Schwindel aus dem Wege gehen, umso größer das Risiko dass er
chronisch wird und umso länger werden die Symptome dauern. Medikamente
sollten nur ausnahmsweise in der Anfangszeit genommen werden. Mit Medikamenten
kann man den Schwindel zwar unterdrücken, gleichzeitig wird aber auch unserem
Gehirn die Möglichkeit genommen sich auf die neue Situation einzustellen und man
verschiebt dadurch nur die Schwindelsymptomatik und sie dauert insgesamt umso
länger. Medikamente sind deshalb nur angezeigt, wenn die Symptomatik in der
Anfangszeit zu einer sehr starken Beeinträchtigung führt. Alle
Medikamente, die diesen Schwindel dämpfen machen auch müde und beeinträchtigen
ihr Reaktionsvermögen. In einer Serie von 259 Patienten in der Literatur war bei
Anwendung eines Befreiungsmanövers bei 75% der Patienten nur eine einmalige
Behandlung erforderlich, bei 19% eine 2. Behandlung, 98,4% waren nach 3
Behandlungen erfolgreich behandelt, die übrigen benötigten bis zu 7
Behandlungstermine. Eine andere Untersuchung von 127 Patienten berichtet
über Symptomfreiheit bei 90% der Patienten nach 3 Wochen durch das Semontmanöver.
Insgesamt kommen die meisten Studien zu Heilungszahlen zwischen 90 und 100%,
ganz wenige Untersuchungen nur von 60%. Bei einer Serie von 592 Patienten
besserten sich die Symptome bei 497 (84%) der Patienten bereits nach der
ersten Behandlung. Bei 77 (13%) der Patienten blieb das Dix-Hallpike Manöver
nach 48 Stunden positive, das Befreiungsmanöver wurden dann wiederholt, bei
Nachuntersuchung nach 45 Wochen gaben 544 (92%) von 592 behandelten Patienten
keine Schwindelsymptome mehr an.
Insgesamt gibt es also 3 verschiedene
Lagerungsübungen oder Befreiungsmanöver
Als erstes wurde das
Brandt-Daroff-Manöver
beschrieben. Es ist etwas weniger erfolgreich als die beiden anderen
Befreiungsmanöver, dafür einfach durchführbar. Übungsanleitung: Der
Patient lässt sich aus dem Sitzen jeweils nach rechts und links zur Seite
fallen, die Position wird jeweils solange gehalten bis der Schwindel in
der Position aufhört. Bei mehrfacher Wiederholung ist dann kein Schwindel mehr
auslösbar. Die Behandlung besteht vom Prinzip her darin, dass sie
mehrmals am Tag durch entsprechenden Lagewechsel den Schwindel provozieren. Am
besten ist, wenn sie dies immer serienweise, etwa 5 bis 10 mal solange
wiederholen bis der Schwindel jeweils nicht mehr provozierbar ist Ihr Gehirn
lernt dadurch mit den durch das falsch liegende Steinchen veränderten
Informationen zurechtzukommen und sich ganz darauf einzustellen.
Eine andere Möglichkeit ist, dass ihr Arzt versucht durch ein spezielles
Lagerungsmanöver, das man dann Befreiungsmanöver nennt, das Steinchen mit einer
einmaligen Bewegung aus dem Bogengang hinaus zu spülen
Das
Semont-Manöver ist
wesentlich erfolgreicher, allerdings ist der Erfolg an die Einhaltung der
Kopfposition gebunden. Das Prinzip dieser
Therapie ist einfach, aber sehr wirksam:
Die Otokonien müssen gewissermaßen durch eine gegenläufige
Bewegung zurück in das Vestibulum manövriert werden. Wenn
der Schaden rechts sitzt: Der Patient sitzt in der Mitte auf der
Untersuchungsliege, sein Kopf ist um 45 Grad nach links gedreht, er wird durch
den Untersucher rasch in die Rechtslage gebracht, die Seite des Schadens. Der
Kopf des Patienten bleibt dabei um 45 Grad nach links (und wenn möglich etwas
nach oben) gedreht, er schaut den Untersucher an. Hierbei tritt nun der
BPLS-typische Nystagmus zum unten liegenden rechten Ohr auf. Der Patient bleibt
so lange in dieser Position, bis der Nystagmus vergangen, der Schwindel vorüber
ist. Nun wird unter Beibehaltung der Kopfposition aus der Rechtsseitenlage mit
Schwung die Linksseitenlange eingenommen. Der Patient kommt mit dem Gesicht nach
unten zum Liegen. In der Regel tritt erneut der Nystagmus mit Schwindel auf, da
die Otokonien nun über den ausleitenden Schenkel das Bogengangsystem wieder
verlassen. Der Patient wird nun unter Beibehaltung der Kopfposition wieder
aufgerichtet. Das Befreiungsmanöver sollte dreimal durchgeführt werden. Um ein
mögliches Zurückgleiten der Otokonien zu verhindern, sollte der Patient in den
nächsten 48 Stunden zum Schlafen nicht flach, sondern möglichst nur mit
erhobenem Oberkörper liegen. Vor Beginn muss die
betroffene Seite anhand des Nystagmus zum unten liegenden Ohr identifiziert
werden.
Die Bilder zeigen wie Sie üben sollten.
Übungsanleitung für den rechten hinteren Bogengang:
-
Übungsanleitung für den linken hinteren Bogengang:
Das Semont- Manöver kann auch etwas
modifiziert werden, je nach Präferenzen des Behandlers und der Situation im
Behandlungszimmer gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die "Barbeque-Methode" hat
den Vorteil, dass sie im Liegen durchführbar ist.


Beenden Sie die Übungen, wenn 24 Stunden lang kein Lagerungsschwindel
aufgetreten ist, weder beim Üben noch zu anderen Zeiten.
das Epley-Manöver Übungsanleitung z.B.
für den rechten posterioren Bogengang: Im Sitzen dreht der Patient den Kopf nach
rechts, lässt sich nach hinten auf den Rücken fallen, dreht dann im Liegen den
Kopf langsam nach links und richtet sich nach Abklingen des Schwindels wieder
auf). Beim Epley-Manöver ist wie beim
Semont-Manöver
dabei vor allem auf die richtige Kopfhaltung und -rotation zu achten. Es gilt,
da besser an der Ursache orientiert, wie das
Semont-Manöver als deutlich
erfolgreicher als das Brandt-Daroff-Manöver. Die
Neurologische Abteilung der Charite hat ein bebildertes Übungsblatt für das
Epley-Manöver ins Web gestellt. Die Erfolgsrate wird von manchen Untersucher
mit 93% angegeben (7 Therapieversager bei 107 Patienten . Zu berücksichtigen ist
jedoch die in etwa 50% zu erwartende Spontanheilungsrate.
Die Behandlung besteht immer darin, dass dem Patienten die Übung erklärt und
diese zunächst unter Anleitung und Aufsicht in der Praxis durchgeführt wird.
Wichtig ist dass dies dann vom Patienten tatsächlich zu Hause durchgeführt wird.
Dies sollte kontrolliert werden. Die meisten Patienten können nach kurzer
Anleitung sowohl das Epley- als auch das Semont-Manöver selbständig durchführen.
Nur in ganz wenigen Fällen ist die beschriebene Behandlung nicht erfolgreich.
In den wenigen Fällen einer Therapieresistenz besteht die Möglichkeit des
operativen Verschlusses des befallenen Bogenganges.
Tirelli et al beschrieben ein weiteres
Canalithenrepositionsmanöver das nach deren in Laryngoskop 2000
veröffentlichter Studie bei 100% der Patienten spätestens beim 2. Versuch
erfolgreich war. Nachteil ist die vergleichsweise lange Dauer des beschriebenen
Manövers. Schwindel beim Manöver als Nebenwirkung soll dabei wesentlich seltener
auftreten. Ausgangspunkt für das Schütteln war dabei, dass auch Epley in seinen
Untersuchungen einen besseren Erfolg sah, wenn er einen Vibrator am
Warzenfortsatz ansetzte um die Canalithen zu lockern.

- Position 1. der Patient sitzt aufrecht ( 90° angewinkelter Oberkörper) .
- Position 2. Das Kopfteil des Untersuchungsstuhls wird um etwa 30°
zurückgekippt und bleibt in dieser Position für die Dauer des Manövers. Dies
ist wichtig um die Drehung des Kopfes senkrecht zur Ebene der hinteren
Halbbogenkanals zu halten. Der Patient wird auf die Seite des
betroffenen der hinteren Halbbogenkanals gelagert Der Untersucher/Behandler
steht hinter dem Patienten, nimmt den Kopf und "schüttelt" ihn dabei den Kopf
in der beschriebenen Ebene (die sagittale Ebene des Kopfes parallel zum
Untersuchungsstuhl oder -Tisch) haltend. Der Patient bleibt dann für 3-4
Minuten in dieser Position.
- Position 3 der Patient wird gedreht, zuerst der Körper, dann der Kopf,
dabei wird der Kopf so wenig wie möglich gehoben, bis die auf dem Rücken
liegende Position erreicht ist. Der Behandler nimmt wieder den Kopf und
"schüttelt" ihn in sagittaler Ebene parallel zum Untersuchungsstuhl oder
-Tisch. ) Der Patient bleibt dann für 3-4 Minuten in dieser Position.
- Position 4 der Patient wird auf die Gegenseite gedreht (gesundes Ohr nach
unten). Der Behandler nimmt wieder den Kopf und "schüttelt" ihn in sagittaler
Ebene parallel zum Untersuchungsstuhl oder -Tisch.) Der Patient bleibt dann
für 3-4 Minuten in dieser Position.
- Position 5. Der Patient wird wieder in die selbe Richtung gedreht bis er
die auf dem Bauch liegende Position mit dem Kopf um 30° nach vorne gebeugt
erreicht. Der Behandler nimmt wieder den Kopf und "schüttelt" ihn in
sagittaler Ebene parallel zum Untersuchungsstuhl oder -Tisch.) Der Patient
bleibt dann für 3-4 Minuten in dieser Position.
- Position 6. der Patient wird weiter in die selbe Richtung gedreht bis er
wieder die Position 2 erreicht. Der Kopf wird jetzt nicht geschüttelt. Der
Patient soll eine Minute ruhen. Sinn dieser Position ist, den Patienten wieder
in die sitzende Position zu bringen.
- Position 7. Der Patient wird wieder in sitzende Position gebracht und
gebeten für 4-5 Minuten ruhig sitzen zu bleiben, der Kopf soll dabei auf der
Brust ruhen mit einem Winkel von 30°.
Leitregel: Möglichst viel Bewegen, möglichst
wenig Ruhe, auch wenn der Schwindel Angst macht. Medikamente möglichst gar nicht
oder nur kurzfristig.
Wenn Sie bei den Übungen den Schwindel auslösen können, halten Sie die
Position bis er weggeht, und wiederholen Sie die Übung mehrmals. Es sollte dann
so sein, dass der Schwindel bei den folgenden Übungen nachlässt oder
verschwindet. In der Regel hält der Übungseffekt dann auch mehrere Stunden an.
Verzweifeln Sie nicht, wenn die ersten Tage
gelegentlich ein Rezidiv auftritt, wiederholen Sie Ihre Übungen die Aussichten
bleiben gut.
Es gibt zahlreiche Berichte die die Effektivität der Übungen belegen.
Diese werden durch neuere Studien mit Vergleich zwischen behandelten und nicht
behandelten gestützt. Wolf et al. untersuchte prospektiv die Effektivität
des Lagerungsmanövers bei chronischen Patienten (n=31) im Vergleich zu
unbehandelten Patienten (n=10), einer Kontrollgruppe. 93.5% der
Behandlungsgruppe besserten sich im Vergleich zu 50% der Kontrollgruppe. Nuti
et al. nutzte 2 verschiedene Verfahren des Lagerungsmanövers verglichen mit
einer Kontrollgruppe. Mit Lagerungstraining besserten sich in den beiden
Behandlungsgruppen (n=36 und n=56) 71% und 73% in der
Kontrollgruppe (n=21)besserten sich nur 30% . Der Mechanismus über den
die Lagerungsmanöver wirken, werden nur von wenigen Untersuchern bezweifelt. Die
Wirksamkeit an sich ist nicht umstritten. Die diesbezüglichen Untersuchungen
bleiben aber spannend hinsichtlich der besten Methode. Lagerungsschwindel
nach
Schädeltraumen
wird
genauso
behandelt
wie
spontan
auftretender
Lagerungsschwindel,
spricht
allerdings
etwas
schlechter
auf die
Behandlung
an.
Arch
Neurol.
2004;61:1590-1593.
Wichtig ist, wenn es nicht in der erwarteten
Zeit besser wird muss neu untersucht werden, gutartiger anfallsweise
auftretenden Lagerungsschwindel ist häufig, selten steckt aber doch hinter ganz
ähnlichen Symptomen ein Hirntumor.
Nach einem M. Menière kann ein Lagerungsschwindel
auftreten, der nicht oder kaum auf Behandlung anspricht. Durch den Labyrinth-
Hydrops bei der Meniere’schen Erkrankung kann es vermutlich zu einer
Schädigung der Makula des Utriculus und des Sacculus oder zu einer teilweisen
"Verstopfung" des membranösen Labyrinths kommen, die ursächlich hierfür ist.
Das betroffene Ohr ist hier identisch zu dem Ohr das vom M. Menière betroffen
ist. Die Symptomatik ist im Verlauf unabhängig vom Verlauf des M. Menière.
Insgesamt sind etwa 10% der Menierepatienten betroffen, wenn die Symptomatik
nicht gleichzeitig mit dem M. Menière auftritt ist das Ansprechen auf die
Behandlung des Lagerungsschwindels besser, die Prognose damit fast so gut wie
bei der idiopathischen Form. Es wird hier in einer großen Serie von einem 94%
igem Ansprechen auf das Befreiungsmanöver nach Epley oder Semont berichtet,
allerdings trat bei 50% der Patienten das Syndrom erneut auf und die Behandlung
musste wiederholt werden. Die Prognose des Lagerungsschwindels scheint dabei
besonders dann gut, wenn er dem M. Menière vorausgeht, allerdings ist dann die
Behandlung des M. Menière oft schwieriger.
Als Komplikationen der Lagerungsübungen oder
Befreiungsmanöver sind selten auch Ohnmachten (durch den akuten Schwindel)
möglich, es ist auch möglich, dass sich der Otolith so verlagert, dass der
Schwindel jetzt bei anderen Bewegungen auftritt. Die Übungen sollten deshalb
immer so durchgeführt werden, dass kein Verletzungsrisiko besteht. Mit schweren
Nebenwirkungen ist ansonsten bei der meist erfolgreichen Behandlung, die das
Leiden erheblich abkürzt, nicht zu rechnen.
Obwohl einzig sinnvolle Behandlung dieser Störung
teilt die KV im Rundschreiben zur Abrechnung 2/2003 mit:
"Otholithen-Repositionsmanöver sind nicht Bestandteil
der vertragsärztlichen Versorgung Die KBV hat uns zwischenzeitlich
mitgeteilt, dass alle Otholithen-Repositionsmanöver nicht Bestandteil der
vertragsärztlichen Versorgung sind. Damit ist für diese Leistung weder die Nr.
507 EBM noch die Nr. 1585 EBM und auch nicht die Nr. 3210 EBM abrechenbar."
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