Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Schwindel

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Pathologischer Gefäß-Nerv-Kontakt (paroxysmaler Schwindel)   Insgesamt seltenes Krankheitsbild. Irritation des N. vestibulocochlearis durch einen pathologischen Gefäßkontakt im Hirnstammbereich mit der Arteria cerebelli inferior anterior (ähnlich der Trigeminusneuralgie). Hier treten viele kurzdauernde Drehschwindelattacken, seltener auch Schwankschwindelattacken auf,  die  häufig durch Kopfbewegungen ausgelöst werden aber auch in Ruhe auftreten können und auf eine Behandlung mit Antiepileptika meist ansprechen. Manchmal aber auch einen operativen Eingriff erforderlich machen. Dabei wird wie bei der Trigeminusneuralgie eine neurovaskuläre Dekompression nach Janetta durchgeführt und ein Teflonband zwischen den VIII. Hirnnerven und das irritierende Gefäß gelegt. Die Operation ist meist erfolgreich, allerdings nicht ohne Risiken. Die Erkrankung ist auf Grund der Symptome oft nur vermuten. In diesem Fall weist das gute Ansprechen der Störung auf die Therapie mit Carbamazepin auf das Krankheitsbild hin. Manchmal kann die Gefäßschlinge eindeutig in der  Kernspinangiographie sichtbar gemacht werden, der entsprechende Kernspinangiographie sollte dann in einer Abteilung mit Erfahrung in dieser speziellen Diagnostik durchgeführt werden. Die arterielle Gefäßschlinge nahe der Austrittsstelle des VIII. Hirnnerven aus dem Hirnstamm ist nicht einfach darstellbar.   Eine Hörminderung und ein Tinnitus können  durch eine lokale Demyelinisierung des VIII Hirnnerven zusätzlich vorkommen. Bei längerer Krankheitsdauer kann es zu anhaltenden Hörstörungen selten auch Gleichgewichtsstörungen kommen. Letztere lassen sich dann durch AEP, ENG, und die kalorische Testung beim Hals- Nasen- Ohrenarzt nachweisen.  Siehe auch DGN- Leitlinie Schwindel http://www.dgn.org/183.0.html

 

Seltene Ursache kann auch eine Akustikus- Neurinom  sein.  Bei diesem gutartigen und langsam wachsenden Tumor wird heute in der Behandlung bei kleinen Tumoren vermehrt zum Abwarten geraten. Die Operation hat ein nicht unerhebliches Nebenwirkungsrisiko. Die Behandlung mit Radiochirurgie (Gammaknife) kann eventuell zu einer malignen Entartung nach Jahren führen, deshalb wird auch dort besonders bei jüngeren Patienten zur Vorsicht geraten. Oft wächst der Tumor langsam oder verändert sich über Jahre nicht. Er bedarf aber der Beobachtung. Die Therapieentscheidung ist deshalb immer individuell. Eine Verdachtsdiagnose kann häufig im AEP oder BERA gestellt werden, sichtbargemacht wird der gutartige Tumor in der Kernspintomographie, größere Tumore sind auch im CCT sichtbar, kleinere dort nur in Spezialaufnahmen des Felsenbeins oft indirekt erkennbar. 

  1. Masahiro Shin, Keisuke Ueki, Hiroki Kurita, Takaaki Kirino Malignant transformation of a vestibular schwannoma after gamma knife radiosurgery The Lancet, Volume 360,  Number 9329  27 July 2002  [Full Text] [PDF
  2. Kondziolka D, Lunsford LD, McLaughlin MR, Flickinger JC. Long-term outcomes after radiosurgery for acoustic neuromas.  N Engl J Med 1998; 339: 1426-33. 
  3. Kobayashi T, Kida Y, Mori Y. Long-term results of stereotactic gamma radiosurgery of meningiomas.  Surg Neurol 2001; 55: 325-31. 
  4. Yu JS, Yong WH, Wilson D, Black KL. Glioblastoma induction after radiosurgery for meningioma.  Lancet 2000; 356: 1576-77. [Text]
  5. Hanabusa K, Morikawa A, Murata T, Taki W. Acoustic neuroma with malignant transformation.  J Neurosurg 2001; 95: 518-21.
  6. McLean CA, Laidlaw JD, Brownbill DSB, Gonzales MF. Recurrence of acoustic neurilemoma as a malignant spindle-cell neoplasm.  J Neurosurg 1990; 73: 946-50. 

Bilaterale Vestibulopathie

bei beidseitiger Schädigung des Gleichgewichtsorgans durch bestimmte Antibiotika (meist Aminoglykoside) aber auch andere chronischen Schädigungen wie M.Meniere, Meningitis  usw. kann es zu einer Schädigung beider Gleichgewichtsorgane kommen, die typische Symptome verursachen kann. Es entsteht eine Stand- und Gangunsicherheit  bei Dunkelheit und auf unebenem Grund  sowie über Oszillopsien mit Unscharfsehen bei Kopfbewegungen oder beim Gehen. Es kommt zu einer Störung des Raumgedächtnisses und der Navigation. Typischerweise können die Patienten bei raschen Kopfbewegungen Gehen, Laufen oder Fahren nicht mehr scharf sehen, Straßenschilder oder entgegenkommende Menschen werden nicht sicher erkannt. Etwas mehr als die Hälfte der Patienten erholen sich von diesem Krankheitsbild wieder. Meist ist nur ein Gang- und Gleichgewichtstraining als Behandlung möglich. In den seltenen Fällen in denen eine Autoimmunerkrankung verantwortlich ist, ist eine Kortisonbehandlung hilfreich.

 

Eine Sonderform des Schwindels stellt möglicherweise der visuelle Schwindel dar- die Unterscheidung zum psychogenen Schwindel ist aber schwierig.

Manche Patienten mit Gleichgewichtsstörungen berichten über einen visuellen Schwindel. Dieser wird provoziert oder verschlimmert durch einen speziellen visuellen Kontext. (besonders. Supermärkte, Fahren, bewegte Objekte beobachten). Häufig liegt eine periphere vestibuläre Schädigung vor. Visueller Schwindel soll besonders dann bei Patienten mit vestibulärer Schädigung auftreten, wenn diese besonders auf visuelle Reize angewiesen sind, das mismatch zwischen visuellen und vestibulären Stimuli scheint auslösend. .Die Behandlung besteht auch hier in einem Training,  Desensibilisierung ist hier ebenso angesagt, wie bei vielen anderen organischen oder psychogenen Schwindelvarianten. Eine wiederholte optokinetische Stimulation könnte ebenfalls erfolgreich sein.

M. Guerraz, L. Yardley, P. Bertholon, L. Pollak, P. Rudge, M. A. Gresty, and A. M. Bronstein Visual vertigo: symptom assessment, spatial orientation and postural control,  Brain 2001 124: 1646-1656. [Abstract] [Full Text]  A. M Bronstein, Under-rated neuro-otological symptoms: Hoffman and Brookler 1978 revisited, Br. Med. Bull., October 1, 2002; 63(1): 213 - 221. [Abstract] [Full Text] [PDF]

 
 

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