Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

    Suche  Inhaltsverzeichnis  Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y

Seite 2

Search our Site:

sitemap

Weiter Zurück

Schizophrenien sind gar nicht so selten: etwa einer von hundert Menschen (genauer gesagt 0,8 - 1,5% der Bevölkerung) erkrankt im Laufe seines Lebens an einer schizophrenen Psychose. Die Krankheit kann gleichermaßen bei Männern und Frauen auftreten. Der Beginn liegt meist zwischen der Pubertät und dem 40. Lebensjahr. Die Erkrankung beginnt also typischerweise bei jungen Menschen. Wenn die Erkrankung später beginnt liegt überzufällig häufig eine andere schwere Erkrankung als Ursache zu Grunde, nach dem 50 sollen die Symptome einer Schizophrenie gehäuft der erste Hinweis auf eine Demenz sein. Br J Psychiatry 2003 183: 213-219.[Abstract] [Full Text]. Männer erkranken meist deutlich früher. Bei den Frauen gibt es eine zweite Häufung mit Krankheitsbeginn zwischen 45 und 59 Jahren. Die Lebenszeitinzidenz ist für beide Geschlechter ähnlich. Zeitereignisse wie Kriege und Arbeitslosigkeit sind auf die Erkrankungshäufigkeit ohne Einfluss.

Die Tage im Krankenhaus nehmen weiter ab, die Aufnahmen eher zu. Schizophrenie
1994 1995 1996 1997 1998 1999
Anzahl der aus dem Krankenhaus entlassenen vollstationären Patienten 110.436 116.402 119.216 119.651 119.697 119.771
Anzahl der Krankenhauspflegetage der entlassenen vollstationären Patienten 9.107.809 8.975.616 9.207.649 7.090.512 5.922.252 5.508.239
 

 

Land Gebiet ‘Breite" Definition (ICD-9) ‘Restriktive’ Definition*
    Männer  Frauen Beide Geschl. Männer  Frauen Beide Geschl.
Kolumbien Cali 0.14 0.06 0.10 0.09 0.04 0.07
Tesch. Republik Prag 0.06 0.12 0.09 0.04 0.08 0.06
Dänemark Aarhus 0.18 0.13 0.18 0.09 0.05 0.07
Indien Chandigarh (ländlich) 0.37 0.48 0.42 0.13 0.09 0.11
Indien Chandigarh (städtisch) 0.34 0.35 0.35 0.08 0.11 0.09
Irland Dublin 0.23 0.21 0.22 0.10 0.08 0.09
Japan Nagasaki 0.23 0.18 0.21 0.11 0.09 0.10
Nigeria Ibadan 0.11 0.11 0.11 0.09 0.10 0.10
Russland Moskau 0.25 0.31 0.28 0.03 0.03 0.02
UK Nottingham 0.28 0.15 0.24 0.17 0.12 0.14
USA Honolulu, HA 0.18 0.14 0.16 0.10 0.08 0.09
USA Rochester, WA 0.15 0.14 0.15 0.09 0.08 0.09
Nach: Jablensky A, Sartorius N & Ernberg G et al. Schizophrenia. Manifestations, incidence and course in different cultures. A World Health Organization ten-country study. Psychological Medicine, Monograph Supplement 20. Cambridge: Cambridge University Press, 1992

 

Der Verlauf kann bei jeder/m Betroffenen anders sein und ist entgegen althergebrachten Vorurteilen - oft gutartig: Etwa ein Drittel aller Ersterkrankungen heilt folgenlos  aus; das heißt, die Betroffenen sind nach einer sogenannten "schizophrenen Episode" wieder völlig gesund, und es kommt zu keinem weiteren Krankheitsschub.

Bei einem weiteren Drittel kommt es nach Abklingen der ersten akuten Krankheitsepisode nach Monaten oder Jahren zu erneuten Krankheitssymptomen. Manche dieser Betroffenen sind zwischendurch völlig gesund, andere haben zwischen den Krankheitsepisoden leichtere bis mäßige Beschwerden, die aber - abgesehen von den akuten Episoden - ein zufriedenstellendes Leben ermöglichen, ohne dass längerfristig fremde Hilfe in Anspruch genommen werden muss.

Bei einem letzten Drittel der Betroffenen kann der Schweregrad der Erkrankung im Verlauf zunehmen. Unter Umständen sind ein oder mehrere längere Klinikaufenthalte oder die Inanspruchnahme fremder Hilfe (z. B. Hilfe durch psychosoziale Einrichtungen oder Leben in einer betreuten Wohngemeinschaft) erforderlich. Der Großteil aller Schizophrenien zeigt somit einen günstigen Verlauf. Wesentliche Voraussetzung dafür ist aber eine regelmäßige Behandlung, insbesondere auch die zuverlässige Einnahme von Medikamenten.

Bis vor kurzem stand außer Frage, dass die Krankheit Schizophrenie mit der ersten psychotischen Episode beginnt. Neuerdings hat sich jedoch herausgestellt, dass dem Ausbruch der Schizophrenie Entwicklungsanomalien auf neuromotorischer, kognitiver, emotionaler und Verhaltensebene vorausgehen, und zwar schon von Geburt an (verzögerte Sprachentwicklung und leichte kognitive Defizite). Nach dem Abklingen der ersten Episode gehen die Symptome wieder zurück und bilden quasi ein Plateau. Aber jene Komponente, die in Gestalt der oben erwähnten Entwicklungsanomalien in die Krankheit übergeht, bildet vermutlich eine stabile Basis von negativen Symptomen und kognitiven Defiziten. Ein Erklärungsmodell ist die Vulnerabilitäts – Stress – Hypothese. Ausgehend von einer individuellen Verletzlichkeitsschwelle wird davon ausgegangen, dass  Belastungen, welcher Art auch
immer, durch die diese Schwelle überschritten wird, den Ausbruch der Erkrankung oder einen neuen Schub auslöst. Die Vulnerabilität wird durch innere und äußere Einflüsse bestimmt wie chronischer oder akuter Stress und körperliche
Erkrankungen. siehe  Methodische Probleme der Verlaufsforschung an der Schizophrenie. Fortschr. Neurol. Psychiat.2000; 68: Nr. 5, S. 193-205.

Die Verhütung von Schizophrenien ist ein aktuell spannendes Forschungsthema von enormer Relevanz. Meist fallen die Symptome in der Familie und am Arbeitsplatz auf, häufig wird den Betroffenen auch schon früh zur Aufnahme einer Behandlung geraten. Allerdings bedingt die Krankheit an sich, dass sich die Betroffenen zu Beginn meist nicht als krank erleben. Üblicherweise dauert es  ein Jahr und länger bis Menschen mit einer schizophrenen Psychose nach Beginn der Erkrankung in eine Behandlung kommen. Die Beziehungen in der Familie und am Arbeitsplatz leiden, nicht selten geht die Familie in die Brüche und der Arbeitsplatz geht verloren, Freundschaften zerbrechen, manchmal droht sogar die Obdachlosigkeit. In dem Zeitraum vor Aufnahme einer Behandlung tritt oft bereits eine erhebliche Chronifizierung ein, nicht selten bilden sich bereits Symptome aus, die mit medikamentöser Behandlung nicht mehr völlig rückgängig zu machen sind. Viele Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Erkrankung wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird, das Gehirn so verändert, dass es immer weitere Symptome produziert. Ein Teil dieser Veränderungen findet breites in der so genannten Prodromalphase statt, in der die Kriterien für eine eindeutige Diagnosestellung noch nicht erfüllt sind.

Die Prodromalphase - wenn die Erkrankung noch nicht ganz eindeutig zu diagnostizieren ist

Besonders im Jugendalter kann es sehr schwierig sein, eine beginnende Psychose von anderen harmloseren psychischen Auffälligkeiten abzugrenzen. Besonders bei einem noch leichten aber anhaltendem Verlust der sozialen Leistungsfähigkeit ohne vorliegende florid-psychotische Symptome ist es bisher schwierig das abzugrenzen, ab wann  von einem Psychoserisiko bzw. einer Psychose ausgegangen werden muss. Oft stellen sich nicht erklärbare Einbußen der sozialen und beruflichen Leistungsfähigkeit ein, die Betroffenen bewältigen die bisher gut bewältigten Anforderungen des Beruf oder der Ausbildung nur noch mit größter Mühe oder Scheitern an Aufgaben, die ihnen früher selbstverständlich waren. Sie ziehen sich von Freunden und Bekannten zurück, empfinden sich selbst und ihre Umgebung als verändert, haben Schwierigkeiten sich beim Fernsehen oder  Lesen zu konzentrieren. Beziehen vieles auf sich, hören und sehen seltsame Dinge, die anderen unwahrscheinlich oder fremd vorkommen.  Frühsymptome der Schizophrenie sind oft Störungen im Denken wie Interferenzen, Perseveration, Drängen und Blockierung von Gedanken. Auch Störungen des Sprachverständnisses, eine unzureichende Fähigkeit zwischen Vorstellung und Wahrnehmung zu unterscheiden, die Neigung vieles auf sich zu beziehen, Derealisationen, visuelle und akustische Wahrnehmungsstörungen. Diese Symptome können auch lange vor die Diagnose gestellt werden kann auftreten. Man nennt sie dann Prodromalsymptome. Viele dieser Menschen sind introvertiert, suchen wenig Geselligkeit und Dominanz, sie werden oft als scheu, selbstgenügsam und kontaktunwillig von anderen erlebt.  Viele dieser letztgenannten Symptome können aber auch bei anderen psychischen Störungen und auch bei Menschen mit im Verlauf unauffälliger Biographie auftreten. Bei den meisten Patienten treten in oder kurz nach der Pubertät erste unspezifische Symptome auf. Durchschnittlich gehen diese Prodromalsymptome für einen Zeitraum von 5 Jahren der Erkrankung voraus. Die meisten Defizite im Bereich der sozialen Funktionen entstehen bereits in der Prodromalphase.  Die Betroffenen nehmen häufig selbst Beeinträchtigungen des Denkens, Fühlens und Wollens wahr, sind oft vermindert belastbar und vermehrt durch die Umwelt beeindruckbar. Manche werden scheu und kränkbarer, andere werden streitsüchtig und unnahbar. Der Umgebung fallen manchmal auch scheinbar sinnlose, unverständliche Verhaltensweisen auf. Nicht selten gehen kurzfristige psychotische Symptome mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen der eigentlichen Erkrankung voraus. Selbst erlebten kognitiven Defizite spielen dabei eine wesentliche Rolle insbesondere Denk- und Konzentrationsstörungen, Gedankeninterferenzen, Perseverieren von Gedanken, Gedankendrängen, gestörte Diskrimination von Vorstellung und Wahrnehmung, Störungen der rezeptiven Sprache, Derealisationserleben, optische und akustische Wahrnehmungsstörungen. Die Patienten werden misstrauisch, haben ungewöhnliche Wahrnehmungen und beziehen vieles ungerechtfertigt auf sich. Menschen mit solchen Symptomen entwickeln in bis zu 50% der Fälle innerhalb von 1-2 Jahren die vollen Symptome der Erkrankung.  "Die Dauer der unbehandelten Psychose erwies sich in mehreren Studien als Prädiktor eines ungünstigen weiteren Verlaufs der Krankheit. Diese Korrelation erfordert eine Verkürzung der Leidensstrecken. Ob die Verkürzung der unbehandelten Erkrankung durch Frühintervention nicht nur die erste psychotische Episode mildern oder verkürzen sondern auch den weiteren Verlauf günstig beeinflussen kann, wird inzwischen in kontrollierten Studien untersucht." (Hambrecht et al), R.Erkwoh,,  S.Herpertz, H.Saß Persönlichkeitsauffälligkeiten und schizophrene PsychoseNervenarzt 2003 - 74:740–747 Joachim Klosterkötter; Martin Hellmich; Eckhard M. Steinmeyer; Frauke Schultze-Lutter, Diagnosing Schizophrenia in the Initial Prodromal Phase Arch Gen Psychiatry. 2001;58:158-164. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF Andor E. Simona, et al., Swiss Early Psychosis Project (SWEPP) Psychotische Frühphasen: Wann intervenieren? Schweiz Med Forum 2005;5:597–604
 

Die Behandlung in der Prodromalphase verhindert den Ausbruch der Erkrankung

In einer neuen Studie zeigte sich bereits eine niedrigdosierte Behandlung mit einem Antipsychotikum (1,3mg Risperidon pro Tag) sehr erfolgreich in der Verhütung einer psychotischen Erkrankung. Im einer Kontrollgruppe, in der Symptome nur nach Bedarf behandelt wurden, erkrankten 10 von 28 Patienten an einer Schizophrenie. In der Behandlungsgruppe erkrankten nur 3 von 31 Patienten an einer Schizophrenie. Der Schutz der medikamentösen Behandlung hielt sogar noch 6 Monate nach deren Beendigung an. Die Patienten erhielten zusätzlich eine Verhaltenstherapie, wobei für den vorbeugenden Effekt der Psychotherapie die Mitarbeit bei der Medikamenten- Einnahme wesentlich war. Der Effekt der Verhaltenstherapie und der Medikamente kann in der Studie aber nicht sicher auseinander gehalten werden. Insgesamt mussten nach dieser Studie 4 Patienten 6 Monate behandelt werden um eine Erkrankung zu verhindern. Diese Zahl belegt einen relativ großen Effekt. Zum Vergleich: In der Behandlung eines mäßigen Bluthochdrucks muss man 13 Patienten behandeln um einen Schlaganfall zu verhindern.  Die geringe Patientenzahl in der Studie lässt keine sichere Aussage darüber zu, ob das dargestellte Behandlungsverfahren mit Sicherheit geeignet ist, schizophrene Erkrankungen zu verhindern. Allerdings haben 2 ähnliche Untersuchungen mit dem selben Medikament bereits solche Ergebnisse gezeigt. Mit anderen Antipsychotika sind ähnliche Untersuchungen im Gange. "Eine australische Pilotstudie konnte die Übergangswahrscheinlichkeit in eine schizophrene Psychose durch eine Kombination von Psycho-, Sozio- und Pharmakotherapie (atypisches Neuroleptikum in niedriger Dosis) binnen zwölf Monaten von 40 Prozent auf zehn Prozent reduzieren, sofern die beteiligten Patienten alle therapeutischen Schritte konsequent anwendeten." (Zitat aus Hambrecht et al)

Fazit

Insbesondere seit besser verträgliche Medikamente in der Behandlung der Schizophrenie zur Verfügung stehen ist deren vorbeugender Einsatz eine realistische Möglichkeit geworden gravierende Krankheitsentwicklungen zu verhindern. Auch psychotherapeutische Verfahren bekommen durch Weiterentwicklung einen gewissen Stellenwert in der Vorbeugung wie Behandlung. Bisher ist allerdings Psychotherapie alleine nicht geeignet diese schwere Erkrankung dauerhaft zu beeinflussen. Vorurteile gegen psychiatrische Erkrankungen und psychisch Kranke sind weiterhin das hauptsächliche Hindernis in der Früherkennung und verhindern oft eine rechtzeitige Behandlung. Durch konsequente Aufklärung konnte in Norwegen die Zeit von Ausbruch der Erkrankung bis zur Aufnahme einer Behandlung von 2 Jahren auf 6 Monate gesenkt werden. Auch ein solcher Zeitgewinn verhindert unnötige Chronifizierung mit Folgen.

 

  1. Häfner H, Nowotny B, Loffler W, an der Heiden W, Maurer K. When and how does schizophrenia produce social deficits? Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 1995;246:17-28. MEDLINE
  2. Patrick D. McGorry, et al. Randomized Controlled Trial of Interventions Designed to Reduce the Risk of Progression to First-Episode Psychosis in a Clinical Sample With Subthreshold Symptoms Arch Gen Psychiatry. 2002;59:921-928 ABSTRACT 
  3. Hambrecht, Prof. Dr.med. Dr.phil. Martin; Klosterkötter, Prof. Dr. med. Joachim; Häfner, Prof. Dr. med. Dr. phil. Dres. h. c. Heinz, Früherkennung und Frühintervention schizophrener Störungen, Deutsches Ärzteblatt 99, Heft 44 vom 01.11.02, Seite A-2936

     

 

Die Köln-Bonn-Aachener Früherkennungsstudie von Joachim Klosterkötter und Mitarbeitern konnte anhand von Basissymptomen Personen identifizieren, die später wahrscheinlich an Schizophrenie erkrankten. Insbesondere selbsterlebte kognitive Beeinträchtigungen (z.B. Gedankeninterferenzen) und Irritierbarkeit im zwischenmenschlichen Kontakt waren bedeutend für das Risiko der späteren Psychose. Um die Vorhersagekraft zu verbessern, ist die Psychopathologie mit der Familienanamnese, mit neuropsychologischen, neurophysiologischen und bildgebenden Verfahren zu kombinieren. So kann das Risikoprofil abgeschätzt werden. Neben der familiären Belastung gelten folgende Merkmale als Risikoindikatoren: Auffälligkeiten in Psychopathologie (kognitive Defizienzen, Wahrnehmungsstörungen, interpersonelle Irritierbarkeit etc.), Psychophysiologie (evozierte Potentiale, Augenfolgebewegungen) und Neuropsychologie (Aufmerksamkeitsleistung, Konzeptbildung). FETZ arbeitet an einer Verbesserung der genannten Verfahren zur Früherkennung und an einer wirksamen Frühbehandlung, die psychologisch-psychotherapeutisch arbeitet oder/und medikamentös mit niedrigdosierten, nebenwirkungsarmen Neuroleptika erfolgt.  Es gibt bisher aber keinen neuropsychologischen Test, der eine Schizophrenie sicher vorhersagt. Von J. Klosterkötter et al wurden 160 von psychiatrische Ambulanzen zugewiesene Patienten, die bei der Erstuntersuchung zwischen 1986 und 1991 noch keine schizophrenietypischen Symptome, wohl aber teilweise (110 Fälle) auf Prodromalsymptome verdächtige Störungen geboten hatten, wurden durchschnittlich 9,6 Jahre später mit denselben Instrumenten (BSABS, PSE-9) im Hinblick auf eine zwischenzeitliche Psychoseentwicklung nachuntersucht. Ergebnisse: 79 von 160 Patienten (49,3%) hatten eine schizophrene Störung entwickelt. Das Fehlen von Prodromalsymptomen schloss eine spätere Schizophrenieentwicklung mit einer Wahrscheinlichkeit von 96% aus, während die Ersterkrankung durch das Vorliegen solcher Symptome mit einer Wahrscheinlichkeit bis zu 91% vorhergesagt wurde.

Das Zentrum zur Früherkennung und Frühintervention bei Psychosen Köln bietet eine online Checkliste zur Früherkennung an. Weitere Früherkennungszentren Berlin,  Bonn,  München  Bochum, eppic Australien, Schneiderchildrenshospital- USA.  bieten ebenfalls Erklärungen der Symptome und der Krankheit an.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Risikokriterium „kognitiv-perzeptive Basissymptome“ (COPER)
Vorliegen von mindestens einem der folgenden zehn Basissymptome mit einem mehrfachen Auftreten über einen Zeitraum
von mindestens 1 Woche innerhalb der letzten 3 Monate und einem ersten Auftreten vor mindestens 12 Monaten:

  • Gedankeninterferenz
  • Gedankenperseveration
  • Gedankendrängen
  • Gedankenblockierungen
  • Störung der rezeptiven Sprache
  • Störung der Diskriminierung von Vorstellungen und Wahrnehmungen, Phantasie und Erinnerungen
  • Eigenbeziehungstendenz
  • Derealisation
  • Optische Wahrnehmungsstörungen
  • Akustische Wahrnehmungsstörungen


Hochrisikokriterium „kognitive Störungen“ (COGDIS)
Vorliegen von mindestens zwei der folgenden neun Basissymptome mit einem mehrfachen Auftreten über einen Zeitraum von mindestens 1 Woche innerhalb der letzten 3 Monate und einem ersten Auftreten vor mindestens 12 Monaten:

  • Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit zu spalten
  • Gedankeninterferenz
  • Gedankendrängen
  • Gedankenblockierungen
  • Störung der rezeptiven Sprache
  • Störung der expressiven Sprache
  • Eigenbeziehungstendenz
  • Störung der Symbolerfassung
  • Fesselung durch Wahrnehmungsdetails

Das Resultat dieser ersten prospektiven Prodromstudie mit ausreichend großer Fallzahl und ausreichend lange überschautem Verlauf eröffnet neue Möglichkeiten zur Prävention psychotischer Ersterkrankungen durch kognitive Verhaltenstherapie und "atypische" Antipsychotika. Zu Beginn der Krankheit stehen Kontaktstörungen und Abbau oder Abbruch der Beziehungen zur Umwelt im Vordergrund. Auch schon beim Schulkind und in der Pubertät können absonderliche Handlungen, Maniriertheit, Verschrobenheit und soziale Einordnungsschwierigkeiten beobachtet werden, die bisweilen als vermeintlich oppositionelle Tendenzen verkannt werden. Neben Störungen des Antriebs können dranghafte und zwanghafte Impulse, rituelle, stereotype und bizarre Handlungsabläufe beobachtet werden. Denkstörungen zeigen sich vor allem in einem deutlichen Konzentrationsverlust. Gegenstandsbezogene oder diffuse Ängste, die lange anhalten, lassen das Kind gequält oder erregt erscheinen. Vereinzelt kann es auch schon in diesem Lebensalter zu Halluzinationen und Wahnstimmungen kommen, wobei das Problem besteht, dass das Kind sich noch kaum adäquat dazu äußern kann. Zumindest für einen Teil der im Kindes- und Jugendalter Erkrankenden spielen schon zuvor bestehende kognitive Störungen eine wichtige Rolle. Basale Beeinträchtigungen, die als solche nicht erkannt werden, tragen aufgrund chronischer Überforderung im Leistungsbereich von Schule und sozialem Umfeld eventuell dazu bei, dass das gesamte psychische System dekompensiert. Emotionale Störungen in Form von depressiven Stimmungsschwankungen sind häufig mit dem Beginn und auch mit dem Verlauf schizophrener Erkrankungen verbunden, worauf schon Kraeppelin und Bleuler hingewiesen haben. In katamnestischen Untersuchungen ließen sich gravierende depressive Prodromi bisweilen schon länger vor Ausbruch einer Schizophrenie nachweisen. Bei der Diagnosestellung einer jugendlichen Schizophrenie muss eine Reihe von anderen psychogen ausgelösten Erkrankungen differentialdiagnostisch beachtet werden. Häufig kann erst der langfristige Verlauf die Diagnose einer Schizophrenie endgültig belegen. Etwa die krisenhaft sich zuspitzenden Reifungsschwierigkeiten der Persönlichkeit mit erheblichen sozialen Ausstrahlungen. Ein übersteigerter Autoritätsprotest kann in schweren impulsiven, sinnlos scheinenden Gewalthandlungen zum Ausdruck kommen.

Die erste psychotische Episode 
Warnhinweise auf eine erhöhte Vulnerabilität Beim Verdacht auf eine Psychose sind Verhaltenes- Veränderungen in folgenden Bereichen häufig:
  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Depression
  • Angst
  • Sich unwohl fühlen ohne nachvollziehbaren Grund
  • Andauernde Müdigkeit
  • Misstrauen, reden die Leute über Sie?, Versucht jemand Ihnen weh zu tun?
  • ungewohnte Grobheit
  • Rückzug von Freunden
  • Soziales Funktionieren (Freunde, Arbeitsplatz, Verein....)
  • Kognition
  • Stimmung
  • Inhalt der Gedanken
  • Vernachlässigung der persönlichen Hygiene
  • wahnhafte absonderliche Stimmung
  • abstrakte oder vage Sprache
  • ungewohnte Ausbrüche von Ärger oder Reizbarkeit
Die Symptome werden selten spontan oder freiwillig berichtet, es muss danach gesucht und gefragt werden.
Nach:  Initiative to Reduce the Impact of Schizophrenia's clinical guidelines and service frameworks (www.iris-initiative.org.uk/)

 

Psychoedukative Trainings- oder Therapieprogramme für Patienten mit schizophrenen Erkrankungen verfolgen das Ziel, die Betroffenen über Merkmale und Verlauf schizophrener Störungen und die gegenwärtigen Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären, um ihnen dadurch einen bewussteren und selbstverantwortlicheren Umgang mit ihrer Erkrankung zu ermöglichen. Im Allgemeinen wird erwartet, dass durch das bessere Verständnis für die Erscheinungsformen und Begleitumstände der Schizophrenie und die Wirkungsweisen und möglichen Nebenwirkungen moderner Medikamente eine bessere Behandlungscompliance und dadurch eine effektivere Rezidivprophylaxe erreicht werden kann. Als weiterreichende Konsequenzen werden auf der Ebene des Behandlungssystems eine Verringerung der Behandlungskosten und auf der Individualebene eine Erhöhung der Lebensqualität erwartet. Patienten, die an der Psychoedukation teilgenommen haben, sind eher in der Lage, die Erkrankung als Teil ihrer Person zu akzeptieren, weil sie gelernt haben die Schizophrenie als eine chronische Erkrankung zu begreifen, die sich nicht grundsätzlich von anderen chronischen Erkrankungen unterscheidet. Patienten lernen, bestimmte Krankheitssymptome besser wahrzunehmen und als Frühwarnsignale einer drohenden Psychose zu identifizieren. Die rechtzeitige Wahrnehmung und richtige Interpretation von Frühwarnsignalen ermöglicht es nach Einschätzung der Befragten den Patienten geeignete Maßnahmen zu ergreifen, durch die sich eine drohende psychotische Episode entweder verhindern oder zumindest abmildern lässt. Eine Reduzierung der Notwendigkeit von Krankenhausaufenthalten als Folge der Psychoedukation ist wahrscheinlich. 

Die wesentlichen Elemente in psychoedukativen Gruppen in der Behandlung schizophrener Patienten 

 Wissens- und Kompetenzerweiterung bezüglich der Erkrankung => die Einstellung des Patienten zu seiner Erkrankung soll verbessert werden

 Identifikation von Frühsymptomen der Erkrankung =>Durch die Wahrnehmung von Frühwarnsignalen soll einer Krankheitsverschlechterung vorgebeugt werden, es soll auch erreicht werden, dass wenn erforderlich auch eine stationäre Behandlung akzeptiert wird 

 Erreichen einer pharmakologischen Compliance => Ziel ist der Abbau von Vorurteilen und damit die verbesserte Einnahme und Akzeptanz der Medikamente, 

 Bewältigungsverhalten in Krisen, um nicht bewältigbarem Stress vorzubeugen

 Reiz- und Stimuluskontrolle

 Information über Rehabilitationsansätze um eine verbesserte soziale Integration zu erreichen

 Information über Selbsthilfegruppen und Psychose-Seminare

Von Kindern selbst berichtete ungewöhnliche Erfahrungen und Vorstellungen und Schizophreniforme Störungen im Erwachsenenalter. Forschung mit dem Ziel einer Früherkennung der Schizophrenie zeigt neue Ergebnisse.   Ungewöhnliche Erfahrungen und Vorstellungen sind gerade bei Pubertierenden oft schwer zu entdecken. Wahn und Halluzinationen werden geheim gehalten- den Eltern wird ohnehin weniger zugetraut, dass sie die Welt des Jugendlichen verstehen, der Anpassungsdruck der Gleichaltrigen ist in diesem Alter groß. Symptome von Krankheiten werden deshalb häufig nicht erkennbar, bzw. versteckt. In einer neuseeländischen Untersuchung die jetzt in der aktuellen Ausgabe von Archives of Psychiatry veröffentlicht wurde, wurden 761 Kinder im alter von 11 Jahren nach wahnhaften Überzeugungen und nach halluzinatorischen Erlebnissen befragt. Sie wurden dann bis zum Alter von 26 Jahren beobachtet. Es wurden jeweils auch strukturierte diagnostische Interviews durchgeführt. Selbst berichtete psychotische Symptome im Alter von 11 Jahren sagten mit hoher Wahrscheinlichkeit eine schizophreniforme Diagnose im Alter von 26 Jahren voraus. Kinder die  wahnhafte Überzeugungen oder halluzinatorische Erlebnisse im Alter von 11 Jahren berichteten hatten, hatten eine 16,4 fach erhöhte Wahrscheinlichkeit bis zum 26. Lebensjahr an einer schizophreniformen Erkrankung zu leiden. Umgekehrt hatten 42% der im Alter von 26 Jahren Erkrankten im Alter von 11 Jahren bereits eines oder mehrere schizophreniforme Symptome berichtet. Zu Manien oder Depressionen bestand kein symptomatischer Zusammenhang. Wahnhaft anmutende Vorstellungen von Kindern sollte man ernst nehmen.. Children's Self-Reported Psychotic Symptoms and Adult Schizophreniform Disorder: A 15-Year Longitudinal Study Richie Poulton, et al Arch Gen Psychiatry. November   2000;57:1053-1058

Nach diesem Vorstadium kommt es zur Ausbildung der eigentlichen schweren schizophrenen Symptomatik, zum Teil auf dem Hintergrund von Erlebnisfaktoren. Ein akuter Beginn der Erkrankung ist vergleichsweise seltener. In einer amerikanischen Studie wurden Verzögerungen von einen durchschnittlichen Zeitraum von einem Jahr bis zur Diagnosestellung festgestellt, in einer deutschen Studie waren es annähernd zwei Jahre, obwohl Konsens darüber besteht, dass ein späterer Therapiebeginn die Prognose verschlechtert. Offenbar werde das Problem oftmals negiert und die ärztliche Diagnose vielfach durch Angst und fehlendes Verständnis hinausgezögert.

Neuropsychologische Einschränkungen sind bei Patienten mit einer Schizophrenie häufig. Das Spektrum reicht von leichten Einschränkungen bis zu voll ausgebildeter Demenz. In Übereinstimmung mit Entwicklungstheorien geht ein Teil dieser Defizite dem Beginn der Erkrankung voraus. In wie weit solche Defizite nach Ausbruch der Erkrankung fortschreiten, ist noch Gegenstand der Diskussion. Die meisten Studien finden für den Großteil der Erkrankten aber keine Progression, das bedeutet, die Defizite bleiben im weiteren Verlauf meist unverändert. Für die meisten Kranken gibt es also keinen Zusammenhang zwischen Alter der Erkrankten, Dauer der Erkrankung und den feststellbaren neuropsychologischen Einschränkungen. Dies bestätigen auch neure Untersuchungen (K. Heaton et al, Arch Gen Psychiatry. 2001;58:24-32).  Es gibt allerdings eine Untergruppe von Erkrankten, bei denen es im Verlauf zu einem weitern geistigen Abbau kommt, diskutiert wird, ob dies von Ausmaß des  primären neuropsychologischen Defizit, dem allgemeine Verlauf der Erkrankung, oder von dem Auftreten Neuroleptika -induzierter Dyskinesien abhängt.

 Lernvorgänge und Gedächtnisleistungen spielen sich auf der zellulären Ebene ab. Ein Modell für einen zellulären Lernmechanismus ist die Langzeitpotenzierung (LTP) im Gegensatz zur Kurzzeitpotenzierung (STP). Vorübergehende synaptische Plastizität nennt man Kurzzeitpotenzierung (STP)( short-term potentiation) oder das Gegenteil  short-term depression, STD) sie spielt bei der Aufmerksamkeitslenkung, dem Arbeitsgedächtnis oder der Kontexterfassung ein Rolle. Bei der LTP geht es um die Konsolidierung also um dauerhafte Lernprozesse. Die Kurzzeitplastizität führt nicht zu strukturellen Veränderungen, bei der LTP kommt es zu Veränderungen der Proteinsynthese, zu einem synaptischen Remodelling und zu infrastrukturellen Veränderungen in Zellprozessen. Bei der LTP wird durch einen von außen zugeführten Reiz die Nervenzellantwort dauerhaft verändert, möglicherweise entsprechend einem Lernerfolg. Grundlage dieser dauerhaften Veränderung sind Membranrezeptoren, die auf bestimmte korrelierte Nervenreize reagieren. Zudem scheinen auch morphologische Zellmodifikationen zur dauerhaften Zustandsveränderung beizutragen. Zwei häufig untersuchte Phänomene, die solche Veränderungen in vitro zeigen, sind die Langzeit-Verstärkung (long-term potentiation; LTP) und Langzeit-Abschwächung (long-term depression; LTD) synaptischer Transmission. Die Tatsache, dass LTP und LTD durch korrelierte Aktivität prä- und postsynaptischer Nervenzellen induziert werden, sollte für die Spezifität synaptischer Veränderungen sorgen, das heißt dafür, dass lediglich solche Synapsen verstärkt werden, die während des Induktionsprozesses aktiv waren. Neuere Untersuchungen zeigen allerdings, dass sich nach aktivitätsabhängiger Modifikation einer Gruppe von Synapsen die Übertragungseigenschaften in benachbarten Synapsen ebenfalls verändern. Die attraktivste Erklärung für eine solche unspezifische Ausbreitung synaptischer Veränderungen sind diffundierende Botenstoffe, die am Ort der Induktion freigesetzt werden und dann auch Synapsen in der unmittelbaren Nachbarschaft beeinflussen. Dorit Polnau, Dr.Albrecht Kossel  Lernen und Erinnern, DNP - 11/02 ,NWG 1/00 Störungen dieser Prozesse spielen möglicherweise bei der Entstehung der Schizophrenie eine Rolle. (siehe unter Synapsen)

 

Veränderungen im Riechhirn könnten für einen Teil der Negativsymptome verantwortlich sein.

Unterentwickeltes Riechhirn bei Schizophrenie

Genetisch bedingte Veränderungen im Riechhirn könnten für einen Teil der Negativsymptome bei Patienten die an einer Schizophrenie leiden verantwortlich sein. Neue Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Verminderung des Riechvermögens auf die Entwicklung von Kontaktschwierigkeiten hinweist. Möglicherweise bekommen neue Forschungsergebnisse eine Bedeutung in der frühzeitigen Entdeckung der Erkrankung und ermöglicht so eine frühzeitige Behandlung.

Freudlosigkeit und Kontaktschwierigkeiten zählen zu den wichtigsten Symptomen einer Schizophrenie. Freudlosigkeit und Kontaktschwierigkeiten gehören auch zu den Symptomen der Erkrankung, die am schlechtesten auf die Behandlung ansprechen. Oft gehen diese Symptome Jahre dem Ausbruch der Psychose voraus.  Bei Menschen ist im Vergleich zu manchen Tieren der Geruchssinn geringer entwickelt. Teile des Riechhirns haben andere Aufgaben übernommen. Es ist bekannt, dass das Riechhirn bei Menschen eine wichtige Funktion in der Emotionalität hat. Das Sozialverhalten vieler Säugetiere hängt wesentlich von der Kommunikation über Gerüche ab.  Bei Kontakten sagt man nicht zu unrecht sprichwörtlich, dass man jemand nicht riechen kann. Ein vermindertes Riechvermögen scheint auch mit einem verminderten sozialen Interesse und verminderter Kontaktfähigkeit zu tun zu haben.

PET Untersuchungen ergaben, dass Patienten, die an einer Schizophrenie leiden unangenehme Gerüche genauso wahrnehmen wie gesunde Versuchpersonen, angenehme Gerüche nehmen sie aber weniger intensiv war. Bei der Wahrnehmung der unangenehmen Gerüche setzten sie andere Hirnregionen ein, als die Gesunden. Während Gesunde nach dem unangenehmen Geruchserlebnis Regionen des limbischen Systems (aus dem alten Riechhirn hervorgegangener Teil des Gehirns) aktivieren, aktivierten die Patienten statt dessen frontale Rindenregionen. In einer anderen Untersuchung war das Geruchsvermögen bei Menschen, die an einer Schizophrenie leiden generell vermindert. Enge Verwandte von Menschen, die an einer Schizophrenie leiden, hatten nach einer Untersuchung zwar ein normales Riechvermögen, aber einen verkleinerten "Bulbus olfaktorius" (Hirnfortsatz aus dem die Riechnervenfasern entspringen). Man vermutet, dass die fehlerhafte Zusammenarbeit zwischen den mesolimbischen Strukturen des alten Riechhirns und dem Frontalhirn für die emotionalen Störungen bei einer Schizophrenie mitverantwortlich sind. Unklar bleibt allerdings ob die Unterentwicklung des Riechsystems bei Verwandten wie Patienten nur gemeinsame genetische Wurzeln  wie die Schizophrenie hat oder ob es sich dabei um eine Abnormalität handelt, die für die Erkrankung mitverantwortlich ist. Eine neue Studie zeigt allerdings, dass die Verminderung des Riechvermögens proportional zu den sozialen Defiziten ist. Verminderte Geruchswahrnehmung lässt möglicherweise das Interesse an sozialen Kontakten erlahmen. Männer scheinen von dieser Verminderung des Geruchsvermögens und der möglicherweise damit zusammenhängenden Einschränkung der Kontaktfähigkeit mehr betroffen zu sein als Frauen. Obwohl auch eine Vielzahl von Medikamenten das Geruchsvermögen beeinträchtigen können, scheint dies bei Schizophrenien selten der Fall zu sein. Mehrere Untersuchungen haben  ergeben, dass die Beeinträchtigung des Geruchssinns bei Schizophrenien nicht durch die medikamentöse Behandlung erklärbar ist. 

 

  1. B. Crespo-Facorro, S. Paradiso, N. C. Andreasen, D. S. O'Leary, G. L. Watkins, L. L. B. Ponto, and R. D. Hichwa, Neural Mechanisms of Anhedonia in Schizophrenia: A PET Study of Response to Unpleasant and Pleasant Odors, JAMA, July 25, 2001; 286(4): 427 - 435.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
  2. B. I. Turetsky, P. J. Moberg, S. E. Arnold, R. L. Doty, and R. E. Gur Low Olfactory Bulb Volume in First-Degree Relatives of Patients With Schizophrenia Am. J. Psychiatry, April 1, 2003; 160(4): 703 - 708. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  3. L. C. Kopala, K. P. Good, K. Morrison, A. S. Bassett, M. Alda, and W. G. Honer Impaired Olfactory Identification in Relatives of Patients With Familial Schizophrenia, Am. J. Psychiatry, August 1, 2001; 158(8): 1286 - 1290. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  4. D. Malaspina and E. Coleman Olfaction and Social Drive in Schizophrenia Arch Gen Psychiatry, June 1, 2003; 60(6): 578 - 584.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
  5.  

 

Schizophrenie ist eine Erkrankung des Gehirns.

Schizophrenie ist eine Gehirnerkrankung, ursächlich sind meist bereits in der Hirnentwicklung eintretende Schädigungen. Dabei ist in der Regel nicht eine bestimmte einzelne Schädigung am Gehirn, sondern das Zusammenwirken verschiedener genetischer Einflüsse und Umweltfaktoren für die Entstehung verantwortlich. Hemmende Interneurone scheinen besonders geschädigt zu werden, ihre Zahl nimmt besonders stark ab, die Expression von Enzymen, die die hemmenden  Neurotransmitter wie Gammaaminobuttersäure (GABA) sind vermindert, die Expression von Neuropeptiden wie Cholecystokinin und Somatostatin, die während der Neurotransmission ausgeschüttet werden sind vermindert. Es kommt zu einer verminderten Migration von Neuronen von der weißen Substanz in die Hirnrinde ist vermindert. Zusätzlich zur Verminderung der Interneurone kommt es zu einer Verminderung Dendriten und Axonen, die Nervenzellen in der Hirnrinde verbinden (Verlust an corticalem Neuropil).  Es sind also neben den hemmenden Interneuronen auch pyramidale Zellen betroffen. In einer Studie (W.F.C. Baare, Arch Gen Psychiatry. 2001;58:33-40) wurden die Gehirne von 15 monozygoten (eineiige) und 14 gleichgeschlechtlichen dizygoten (zweieiige) Zwillingen die diskordant für die Erkrankung an Schizophrenie (Patienten) waren und die von  29 gesunden Zwillingen die paarweise als Vergleichsgruppe (Nach Berücksichtigung von alter, Geschlecht, und Geburtsreihenfolge) verglichen mit hochauflösenden Kernspinaufnahmen verglichen. Das Volumen des Frontallappens war bei den Erkrankten kleiner  (4.6% und 2.7%, jeweils bei diskordanten monozygotischen Zwillingen verglichen mit gesunden  monozygoten Zwillingen. Unabhängig von der Zygosität hatten diskordante Zwillinge ein kleineres Hirnvolumen, (2%), parahippocampales (9%), und hippocampales (8%) Volumen als gesunde Zwillinge.  Patienten hatten ein kleineres Hirnvolumen (2.2%) als ihre nicht schizophrenen Zwillinge, diese aber auch ein kleineres Hirnvolumen als (1%) gesunde Zwillinge. Das Volumen des Seiten- Ventrikels  und des 3. Ventrikels  war bei diskordanten dizygoten Zwillingen verglichen mit gesunden dizygoten Zwillingen vergrößert (60.6% und 56.6%, jeweils). Unter den diskordanten Zwillingen waren  die Seitenventrikel bei den Patienten größer (14.4%) als bei ihren nicht schizophrenen Zwillingen. Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen geringem Hirnwachstum in den ersten Lebensjahren und der Entwicklung einer Schizophrenie gibt. Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass neben genetischen Risiken, ein nicht genetisch bedingter neurodegenerativer Prozess in den ersten Lebensjahren ursächlich an der Krankheitsentstehung beteiligt ist. Modelle der Pathologie der Hirnentwicklung bei Schizophrenie gehen von einer Wechselwirkung von polygenetischen (verschiedene Gene) und Unweltfaktoren aus. Dabei spielen Prozesse, die sich um die Geburt herum abspielen und Prozesse der Hirnentwicklung im Pubertätsalter eine Rolle. In einer Untersuchung bei Patienten mit sehr frühem Beginn der Schizophrenie zeigte sich im Brainmapping während des Jugendalters ein eindeutiger zunehmender Substanzverlust in verschiedenen Hirnrindenarealen. Die frühesten Defizite sah man in den parietalen Hirnregionen, (Hirnregionen für räumliche Vorstellungen und das assoziative Denken) in den nächsten 5 Jahren breiteten sich die Defizite nach vorne in die Temporallappen und in die sensomotorische sowie die präfrontale Rinde sowie die präfrontalen Augenfelder aus.  Der Abbauprozess im Gehirn schreitet auch bei erfolgreicher Pharmakotherapie zumindest zeitweise fort,- möglicherweise aber nur unter konventionellen Neuroleptika. Dies betrifft insbesondere die frontalen Regionen. Der Substanzverlust, korreliert teilweise mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Allerdings gibt es wohl erhebliche Unterschiede bezüglich des Ausmaßes des Substanzverlusts je nachdem mit welchem Neuroleptikum behandelt wird. In einer Vergleichsstudie Olanzapin gegen Haloperidol kam es nur in der Haloperidolgruppe zu einem weiteren Substanzverlust. Dieser Substanzverlust unter Haloperidol betrug im Durchschnitt der Patienten 12 cm3 entsprechend 2% der Hirnsubstanz in 5 Jahren. Auch die kognitiven Störungen waren unter Haloperidol entsprechend größer. 
 

  1. B.-C. Ho, et al. Progressive Structural Brain Abnormalities and Their Relationship to Clinical Outcome: A Longitudinal Magnetic Resonance Imaging Study Early in Schizophrenia Arch Gen Psychiatry, June 1, 2003; 60(6): 585 - 594. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  2. W. Cahn, et al. Brain Volume Changes in First-Episode Schizophrenia: A 1-Year Follow-up Study Arch Gen Psychiatry, November 1, 2002; 59(11): 1002 - 1010. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  3. W. G. Staal, et al. Structural Brain Abnormalities in Chronic Schizophrenia at the Extremes of the Outcome Spectrum Am. J. Psychiatry, July 1, 2001; 158(7): 1140 - 1142. [Abstract] [Full Text]
  4. Daniel H. Mathalon; Edith V. Sullivan; Kelvin O. Lim; Adolf PfefferbaumProgressive Brain Volume Changes and the Clinical Course of Schizophrenia in Men: A Longitudinal Magnetic Resonance Imaging Study Arch Gen Psychiatry. 2001;58:148-157.ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  5. William Byne; Monte S. Buchsbaum; Eileen Kemether; Erin A. Hazlett; Akbar Shinwari; Vivian Mitropoulou; Larry J. Siever Magnetic Resonance Imaging of the Thalamic Mediodorsal Nucleus and Pulvinar in Schizophrenia and Schizotypal Personality Disorder Arch Gen Psychiatry. 2001;58:133-140. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  6. Deanna M. Barch; Cameron S. Carter; Todd S. Braver; Fred W. Sabb; Angus MacDonald III; Douglas C. Noll; Jonathan D. Cohen,Selective Deficits in Prefrontal Cortex Function in Medication-Naive Patients With Schizophrenia,Arch Gen Psychiatry. 2001;58:280-288.ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  7.  R. Freedman Schizophrenia N. Engl. J. Med., October 30, 2003; 349(18): 1738 - 1749.  [Full Text] [PDF]
  8. T. Hashimoto, D. W. Volk, S. M. Eggan, K. Mirnics, J. N. Pierri, Z. Sun, A. R. Sampson, and D. A. Lewis Gene Expression Deficits in a Subclass of GABA Neurons in the Prefrontal Cortex of Subjects with Schizophrenia J. Neurosci., July 16, 2003; 23(15): 6315 - 6326.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
  9. K. L. Davis, D. G. Stewart, J. I. Friedman, M. Buchsbaum, P. D. Harvey, P. R. Hof, J. Buxbaum, and V. Haroutunian White Matter Changes in Schizophrenia: Evidence for Myelin-Related Dysfunction Arch Gen Psychiatry, May 1, 2003; 60(5): 443 - 456.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
  10. S. Miyamoto, A. S. LaMantia, G. E. Duncan, P. Sullivan, J. H. Gilmore, and J. A. Lieberman Recent Advances in the Neurobiology of Schizophrenia
    Mol. Interv., February 1, 2003; 3(1): 27 - 39. [Abstract] [Full Text] [PDF] 
    L. D. Selemon, J. Mrzljak, J. E. Kleinman, M. M. Herman, and P. S. Goldman-Rakic Regional Specificity in the Neuropathologic Substrates of Schizophrenia: A Morphometric Analysis of Broca's Area 44 and Area 9 Arch Gen Psychiatry, January 1, 2003; 60(1): 69 - 77.  [Abstract] [Full Text] [PDF]
  11.  A. Guidotti, J. Auta, J. M. Davis, V. D. Gerevini, Y. Dwivedi, D. R. Grayson, F. Impagnatiello, G. Pandey, C. Pesold, R. Sharma, D. Uzunov, and E. Costa Decrease in Reelin and Glutamic Acid Decarboxylase67 (GAD67) Expression in Schizophrenia and Bipolar Disorder: A Postmortem Brain Study Arch Gen Psychiatry, November 1, 2000; 57(11): 1061 - 1069.  [Abstract] [Full Text] [PDF] 
  12. D. W. Volk, M. C. Austin, J. N. Pierri, A. R. Sampson, and D. A. Lewis , Decreased Glutamic Acid Decarboxylase67 Messenger RNA Expression in a Subset of Prefrontal Cortical {gamma}-Aminobutyric Acid Neurons in Subjects With Schizophrenia Arch Gen Psychiatry, March 1, 2000; 57(3): 237 - 245. [Abstract] [Full Text] [PDF] 
  13. L A. Glantz and D. A. Lewis Decreased Dendritic Spine Density on Prefrontal Cortical Pyramidal Neurons in Schizophrenia Arch Gen Psychiatry, January 1, 2000; 57(1): 65 - 73. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  14. C.-S. Chiu, K. Jensen, I. Sokolova, D. Wang, M. Li, P. Deshpande, N. Davidson, I. Mody, M. W. Quick, S. R. Quake, and H. A. Lester Number, Density, and Surface/Cytoplasmic Distribution of GABA Transporters at Presynaptic Structures of Knock-In Mice Carrying GABA Transporter Subtype 1-Green Fluorescent Protein Fusions J. Neurosci., December 1, 2002; 22(23): 10251 - 10266. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  15. D. W. Volk, J. N. Pierri, J.-M. Fritschy, S. Auh, A. R. Sampson, and D. A. Lewis Reciprocal Alterations in Pre- and Postsynaptic Inhibitory Markers at Chandelier Cell Inputs to Pyramidal Neurons in Schizophrenia Cereb Cortex, October 1, 2002; 12(10): 1063 - 1070. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  16.  T. Suhara, Y. Okubo, F. Yasuno, Y. Sudo, M. Inoue, T. Ichimiya, Y. Nakashima, K. Nakayama, S. Tanada, K. Suzuki, C. Halldin, and L. Farde
    Decreased Dopamine D2 Receptor Binding in the Anterior Cingulate Cortex in Schizophrenia Arch Gen Psychiatry, January 1, 2002; 59(1): 25 - 30. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  17. J. H. Callicott, A. Bertolino, V. S. Mattay, F. J.P. Langheim, J. Duyn, R. Coppola, T. E. Goldberg, and D. R. Weinberger Physiological Dysfunction of the Dorsolateral Prefrontal Cortex in Schizophrenia Revisited Cereb Cortex, November 1, 2000; 10(11): 1078 - 1092. [Abstract] [Full Text]
  18.  I.C. Wright, T. Sharma, Z.R. Ellison, P.K. McGuire, K.J. Friston, M.J. Brammer, R.M. Murray, and E.T. Bullmore Supra-regional Brain Systems and the Neuropathology of Schizophrenia Cereb Cortex, June 1, 1999; 9(4): 366 - 378. [Abstract] [Full Text]
  19. P. J. Harrison The neuropathology of schizophrenia: A critical review of the data and their interpretation Brain, April 1, 1999; 122(4): 593 - 624. [Abstract] [Full Text]
  20. F. Impagnatiello, A. R. Guidotti, C. Pesold, Y. Dwivedi, H. Caruncho, M. G. Pisu, D. P. Uzunov, N. R. Smalheiser, J. M. Davis, G. N. Pandey, G. D. Pappas, P. Tueting, R. P. Sharma, and E. Costa A decrease of reelin expression as a putative vulnerability factor in schizophrenia PNAS, December 22, 1998; 95(26): 15718 - 15723. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  21. J. N. Pierri, C. L. E. Volk, S. Auh, A. Sampson, and D. A. Lewis Decreased Somal Size of Deep Layer 3 Pyramidal Neurons in the Prefrontal Cortex of Subjects With Schizophrenia Arch Gen Psychiatry, May 1, 2001; 58(5): 466 - 473. [Abstract] [Full Text] [PDF]
  22. Nitin Gogtay; Alexandra Sporn; Liv S. Clasen; Tom F. Nugent III; Deanna Greenstein; Rob Nicolson; Jay N. Giedd; Marge Lenane; Pete Gochman; Alan Evans; Judith L. Rapoport Comparison of Progressive Cortical Gray Matter Loss in Childhood-Onset Schizophrenia With That in Childhood-Onset Atypical Psychoses Arch Gen Psychiatry. 2004;61:17-22. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  23. Kiyoto Kasai; Martha E. Shenton; Dean F. Salisbury; Toshiaki Onitsuka; Sarah K. Toner; Deborah Yurgelun-Todd; Ron Kikinis; Ferenc A. Jolesz; Robert W. McCarley Differences and Similarities in Insular and Temporal Pole MRI Gray Matter Volume Abnormalities in First-Episode Schizophrenia and Affective Psychosis Arch Gen Psychiatry. 2003;60:1069-1077. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  24. Eileen M. Kemether; Monte S. Buchsbaum; William Byne; Erin A. Hazlett; Mehmet Haznedar; Adam M. Brickman; Jimcy Platholi; Rachel Bloom Magnetic Resonance Imaging of Mediodorsal, Pulvinar, and Centromedian Nuclei of the Thalamus in Patients With Schizophrenia Arch Gen Psychiatry. 2003;60:983-991. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  25. Gina R. Kuperberg; Matthew R. Broome; Philip K. McGuire; Anthony S. David; Marianna Eddy; Fujiro Ozawa; Donald Goff; W. Caroline West; Steven C. R. Williams; Andre J. W. van der Kouwe; David H. Salat; Anders M. Dale; Bruce Fischl Regionally Localized Thinning of the Cerebral Cortex in  Schizophrenia Arch Gen Psychiatry. 2003;60:878-888. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  26. Terry E. Goldberg; Michael F. Egan; Tonya Gscheidle; Richard Coppola; Thomas Weickert; Bhaskar S. Kolachana; David Goldman; Daniel R. Weinberger Executive Subprocesses in Working Memory: Relationship to Catechol-O-methyltransferase Val158Met Genotype and Schizophrenia, Arch Gen Psychiatry. 2003;60:889-896. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF
  27. Leanne M. Williams, Pritha Das, Anthony W.F. Harris, Belinda B. Liddell, Michael J. Brammer, Gloria Olivieri, David Skerrett, Mary L. Phillips, Anthony S. David, Anthony Peduto, and Evian Gordon Dysregulation of Arousal and Amygdala-Prefrontal Systems in Paranoid Schizophrenia Am J Psychiatry 2004 161: 480-489. [Abstract] [Full Text]
  28. Georg Winterer, Richard Coppola, Terry E. Goldberg, Michael F. Egan, Douglas W. Jones, Carmen E. Sanchez, and Daniel R. Weinberger Prefrontal Broadband Noise, Working Memory, and Genetic Risk for Schizophrenia Am J Psychiatry 2004 161: 490-500. [Abstract] [Full Text]
  29. Larry J. Siever and Kenneth L. Davis The Pathophysiology of Schizophrenia Disorders: Perspectives From the Spectrum
    Am J Psychiatry 2004 161: 398-413.
    [Abstract] [Full Text]  
  30. Paul M. Thompson, Christine Vidal,  Jay N. Giedd, Peter Gochman, Jonathan Blumenthal, Robert Nicolson, Arthur W. Toga, and Judith L. Rapoport, Mapping adolescent brain change reveals dynamic wave of accelerated gray matter loss in very early-onset schizophrenia. PNAS u September 25, 2001 u vol. 98 u no. 20 11650–11655 .
  31. Jeffrey A. Lieberman et al., Antipsychotic Drug Effects on Brain Morphology in First-Episode Psychosis Arch Gen Psychiatry. 2005;62:361-370.
  32. Bin Xu et al., Strong association of de novo copy number mutations with sporadic schizophrenia Nature Genetics 40, 880 - 885 (2008) Published online: 30 May 2008 | doi:10.1038/ng.162
  33. Somaia Mohamed Cross-sectional and Longitudinal Relationships Between Insight and Attitudes Toward Medication and Clinical Outcomes in Chronic Schizophrenia Schizophrenia Bulletin, doi:10.1093/schbul/sbn067




     

 

 
Die gemessenen Volumen. A, Intrakraniell. B, Gesamtes Hirn. C,  Seitenventrikel (gelb) und 3. Ventrikel (grün). D, Frontallappen. E, Hippocampi (purpurrot und grün) und parahippocampale gyri (türkise und gelb).

Hinweise auf solche Faktoren gab auch eine andere Untersuchung (Kristian Wahlbeck, Arch Gen Psychiatry. 2001;58:48-52) dabei wurde bei 114 Patienten mit einer Schizophrenie oder einer schizoaffektiven Erkrankung der Frage nach Schwierigkeiten in der Schwangerschaft und nachgeburtlich nachgegangen. Es fanden sich erhöhte Risiken bei untergewichtigen Schwangeren, niedrigem Geburtsgewicht, geringer Körpergröße bei Geburt, niedrigem Plazentagewicht. Später an Schizophrenie erkrankte waren im alter von  7 bis 15 Jahren dünner als ihre Altersgenossen. Unterernährung  vor Geburt und in den ersten Lebensjahren scheint ein Risikofaktor für die Erkrankung zu sein.

Schizophrene Erkrankungen scheinen nach neueren Untersuchungen mit dem Alter der Väter zuzunehmen:

Dass die Gene bei der Entstehung Schizophrenie eine wichtige Rolle spielen ist lange bekannt und wird von niemand mehr bezweifelt. Bei Erkrankung eines Elternteils beträgt das Erkrankungsrisiko für dessen Kinder 10%, sind beide Eltern erkrankt, steigt der Anteil auf über 30 Prozent. Bei eineiigen Zwillingen steigt das Risiko sogar auf 50%. Jeder weiß, dass man Frauen mit zunehmendem Alter zu einer Fruchtwasseruntersuchung rät. Auch, dass das Risiko ein mongoloides Kind zu bekommen mit dem Alter der Mutter ansteigt ist allgemein bekannt. Aber auch Mutationen im genetischen Code der Spermien stellen eine wesentliche Quelle von spontanen Veränderungen menschlicher Gene im Laufe der Generationen, und für die Entstehung von Erbkrankheiten dar. Diese Mutationen nehmen mit dem Alter der Väter zu. Generell wird davon ausgegangen, dass das Risiko von Vätern die über 45 Jahre alt sind, etwa 4 bis 5x größer ist, Kinder mit einer sporadischen dominanten Mutation an einem Gen zu bekommen, als dies bei 20- 25 jährigen Vätern der Fall wäre. Im Gegensatz zu den den mütterlichen Genen zuzuschreibenden Erbkrankheiten ist diesbezüglich aber noch wenig geforscht worden. In einer neuen israelischen Untersuchung wurde jetzt ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Väter und dem Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken festgestellt. Von den zwischen 1964 und 1976 in Jerusalem geborenen 87 907 Kindern wurden 658 später stationär wegen einer Schizophrenie aufgenommen. Im Gegensatz zu anderen psychiatrischen Erkrankungen stellte sich bei ihnen das Alter der Väter als hauptsächlicher Risikofaktor heraus. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Spontanmutationen (also Veränderungen der Chromosomen die durch das Alter der Väter häufiger werden), in der Entstehung der Schizophrenie eine Rolle spielen. Sollte sich das Ergebnis in anderen Untersuchungen bestätigen wird es auch allgemein die Genforschung zum Thema Schizophrenie verändern.  Genforscher haben schon verschiedene Gene im Visier, die sie für die Schizophrenienstehung verantwortlich machen. Vermutlich wird es eher eine Kombination sein, und möglicherweise auch ein genetisch uneinheitliches Krankheitsbild. Diskutiert wird in den USA inzwischen bereits, ob das Alter für Samenspender herabgesetzt werden soll. Auch die Bedeutung des Alters der Großväter bei der Zeugung der Väter soll allgemein in Bezug auf Erbkrankheiten weiter untersucht werden. Sicher bleibt, dass die Gene nicht alles erklären. Stressfaktoren spielen bei entsprechender Veranlagung eine unzweifelhafte Rolle. Diskutiert wird aktuell auch die Rolle von Viren und Toxoplasmen. Insbesondere so genannte Retroviren, und Herpesviren werden angeschuldigt. Dolores Malaspina, et al., Advancing Paternal Age and the Risk of Schizophrenia, Arch Gen Psychiatry. 2001;58:361-367 Die Ergebnisse wurden jetzt in einer schwedischen Studie bestätigt. Die Autoren schließen, dass Spontanmutationen im Sperma der Väter mit zunehmende Alter insbesondere bei Familien, die sonst nicht belastet sind eine Rolle spielen. Für jede 10 Jahre, die der Vater älter ist, steigt das Risiko nach dieser Studie etwa um das 1,5 fache. Geburtskomplikationen oder soziale Faktoren spielten dabei keine Rolle. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass etwa 15.5% aller Krankheitsfälle an Schizophrenie auf ein Alter des Vater über 30 Jahre zurückgehen. Daten die besonders bei weiter ansteigendem Alter bis zur Entscheidung zu Kindern eine große Rolle spielen. In Schweden waren fast die Hälfte der Väter bei der Geburt ihres Kindes über 30 Jahre alt.  David A Leon et al,  Paternal age and schizophrenia: a population based cohort study,  published online 22 Oct 2004;  BMJdoi:10.1136/bmj.38243.672396.55

 

 

 

 Risikofaktoren für eine Schizophrenie, wie sind sie gesichert und was haben sie für eine Bedeutung.

Insgesamt gibt es bisher keine wirklich zuverlässigen Vorhersagemöglichkeiten bei gesunden Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen, die eine Aussage erlauben, wer an einer Schizophrenie erkranken wird. Die unten genannten Risikofaktoren, erhöhen zwar das Risiko. Die Risikoerhöhung ist in den meisten Fällen aber so gering, dass alleine das Vorhandensein des Risikofaktors für den einzelnen nur eine geringen Risikoerhöhung bedeutet. Auch die generelle Vorsorgeuntersuchung für Menschen mit diesen Risikofaktoren ist bisher nicht sinnvoll. Am ehesten haben genetische Veranlagung (Erkrankung der Eltern), Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, kindliche Entwicklungsverzögerungen und Probleme in der Schullaufbahn einen gewissen Vorhersagewert, der allerdings auch nur gering ist.  G. K. MURRAY, et al., Predictors of schizophrenia, Br J Psychiatry 2005 187(Suppl 48): s4-s7.[Abstract]  [Full Text

 

Risikofaktor (und Bedeutung) Effektmaß (Odds ratio oder relatives Risiko) Geschätzter Anteil von allen Fällen für diesen Faktor Quelle der Hinweise und Kommentar   Typ des Risikofaktors Interventions- Möglichkeit
Familien- Anamnese für Schizophrenie*** 12–45

 

5% Hinweise aus Familien-, Zwillings-, Adoptions- Studien

Das Risiko nimmt mit dem Verwandtschaftsgrad zu und ist am größten für eineiige Zwillinge, und für Kinder von 2 erkrankten Eltern. 85% der Erkrankten haben aber keine erkrankten Angehörigen

Keine Möglichkeiten der Verminderung des Risikos,   Bisher keine

Vielleicht ist in der Zukunft ein genetisches Screening möglich

Schwangerschafts- und Geburts- Komplikationen*** 2.0 20%? Recht eindeutige Ergebnisse von Fallkontrollstudien, radiologischer Nachweis einer strukturellen Schädigung,   besondere Gefährdung bei den Nachkommen genetisch vorbelasteter Eltern. Durch Zusammenwirken mit dem genetischen Risiko, kann bei vorhandenem genetischem Risiko besonders auf eine optimale Versorgung geachtet werden Optimierung der Geburtshilfe und Schwangeren- Vorsorge
Jahreszeit der Geburt - Winter oder Frühjahr. *** 1.1 10% Recht eindeutige Ergebnisse von Fallkontrollstudien, besonders in der nördlichen Erdhalbkugel, Virusinfekte?, Nahrungsmittel? Risikoindikator, der vermutlich mit anderen Risikofaktoren zusammenwirkt.  
Geburtsort – Stadt, Geburt in der Stadt** 2.4 34% Ergebnisse von Fallkontrollstudien,  Virusinfekte?, Nahrungsmittel? Risikoindikator, der vermutlich mit anderen Risikofaktoren zusammenwirkt.  
Virusinfekte der Eltern * ? ? Influenza (Grippe) Epidemien ?? Röteln?? Bornavirus?? Retroviren?? Toxoplasmen?? Herpesviren??. Risiko-modifizierender Faktor Impfung
Ernährung der Eltern* ? ? Hunger der Eltern, insbesondere der Mutter während der Schwangerschaft, könnte das Risiko erhöhen. Folsäure und Vitamin D könnten eine Rolle spielen Risiko-modifizierender Faktor Gesunde Ernährung
niedriges Geburtsgewicht ist wahrscheinlicher wenn der Vater an einer Psychose leidet   evtl, lässt sich das Risiko senken, wenn versucht wird das Geburtsgewicht zu erhöhen.    
Alter der Väter * 1,5-6 15% Siehe Studie oben    
Zugehörigkeit zu einer Minderheit 1,4-7,5 ?   Risiko-modifizierender Faktor Bessere Integration von Minderheiten
Cannabis- Konsum** 2-4 20%?   Eigenständiger Risikofaktor. Aufklärung
Migration 1,6-2 ?      
Medikamente in der Schwangerschaft 2?   Schmerzmittel, Diuretika... Eigenständiger Risikofaktor.  
Hochdruck und Diuretikaeinnahme der Mutter 4?        
*Schwache und nicht sichere Studienevidenz; **qualitativ gute Studien die repliziert wurden; *** qualitativ sehr gute Studien die mehrfach repliziert wurden und immer ähnliche Resultate zeigten. #Eine japanische Untersuchung ergab für Grippeepidemien bei Frauen eine negative Korrelation und für Männer keine Korrelation Y. Mino et al,Mood disorders and influenza epidemics in Japan,Psychiatry and Clinical Neurosciences 54  (1), 59-65
Modifiziert und ergänzt nach
  • John McGrath Universal interventions for the primary prevention of schizophrenia, Australian and New Zealand Journal of Psychiatry 34 ((Suppl.)), 58-64 http://www.blackwell-synergy.com/  
  • Dalman C, Allebeck P, Cullberg J, Grunewald C, Koster M.Obstetric complications and the risk of schizophrenia: a longitudinal study of a national birth cohort.Arch Gen Psychiatry.1999;56:234-240.ABSTRACT  |  FULL TEXT  |
  • J Boydell, J van Os, K McKenzie, J Allardyce, R Goel, R G McCreadie, R M MurrayIncidence of schizophrenia in ethnic minorities in London: ecological study into interactions with environment BMJ VOLUME 323 8 DECEMBER 2001 www.bmj.com  

  • King M, Coker E, Leavey G, Hoare A, Johnson­Sabine E. Incidence of psychotic illness in London: comparison of ethnic groups. BMJ 1994;309:1115­9.www.bmj.com 

  • Tyrone D. Cannon, et al, Fetal Hypoxia and Structural Brain Abnormalities in Schizophrenic Patients, Their Siblings, and Controls ARCHIVES OF GENERAL PSYCHIATRY,  January 2002, Vol 59, No 1,   http://archpsyc.ama-assn.org/issues/v59n1/abs/yoa8324.html

  • George C Patton, Carolyn Coffey, John B Carlin, Louisa Degenhardt, Michael Lynskey, and Wayne HallCannabis use and mental health in young people: cohort study, BMJ 2002; 325: 1195-1198 [Abstract] [Full text] [PDF] ,

  • Sorensen HJ, Mortensen EL, Reinisch JM, Mednick SA. Do hypertension and diuretic treatment in pregnancy increase the risk of schizophrenia in offspring? Am J Psychiatry. 2003;160:464–468

  • Stanley Zammit, Peter Allebeck, Sven Andreasson, Ingvar Lundberg, and Glyn Lewis, Self reported cannabis use as a risk factor for schizophrenia in Swedish conscripts of 1969: historical cohort study, BMJ 2002; 325: 1199.  [Full text] [PDF]  

  • Louise Arseneault, Mary Cannon, Richie Poulton, Robin Murray, Avshalom Caspi, and Terrie E Moffitt, Cannabis use in adolescence and risk for adult psychosis: longitudinal prospective study, BMJ 2002; 325: 1212-1213. [Full text] [PDF]  

  • Esben Agerbo; Majella Byrne; William W. Eaton; Preben B. Mortensen Marital and Labor Market Status in the Long Run in Schizophrenia Arch Gen Psychiatry. 2004;61:28-33. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF

  • Patrick F. Sullivan; Kenneth S. Kendler; Michael C. Neale Schizophrenia as a Complex Trait: Evidence From a Meta-analysis of Twin Studies Arch Gen Psychiatry. 2003;60:1187-1192. ABSTRACT | FULL TEXT | PDF

  • ELIZABETH CANTOR-GRAAE, CARSTEN BØCKER PEDERSEN, THOMAS F. McNEIL, and PREBEN BO MORTENSEN, Migration as a risk factor for schizophrenia: a Danish population-based cohort study  Br J Psychiatry 2003 182: 117-122. [Abstract] [Full Text]  

  • H. J. Sorensen, E. L. Mortensen, J. M. Reinisch, and S. A. Mednick, Association between prenatal exposure to analgesics and risk of schizophrenia Br. J. Psychiatry, November 1, 2004; 185(5): 366 - 371. [Abstract] [Full Text] [PDF]

  • H. J. Sørensen et al., Do Hypertension and Diuretic Treatment in Pregnancy Increase the Risk of Schizophrenia in Offspring? Am J Psychiatry 2003 160: 464-468. [Abstract] [Full Text]

  • Bin Xu et al., Strong association of de novo copy number mutations with sporadic schizophrenia Nature Genetics 40, 880 - 885 (2008) Published online: 30 May 2008 | doi:10.1038/ng.162

  • Somaia Mohamed Cross-sectional and Longitudinal Relationships Between Insight and Attitudes Toward Medication and Clinical Outcomes in Chronic Schizophrenia Schizophrenia Bulletin, doi:10.1093/schbul/sbn067

  • Herng-Ching Lin Association Between Paternal Schizophrenia and Low Birthweight: A Nationwide Population-Based Study Schizophrenia Bulletin vol. 35 no. 3 pp. 624–630, 2009

  • Ming-Qing Xu Prenatal Malnutrition and Adult Schizophrenia: Further Evidence From the
    1959-1961 Chinese Famine Schizophrenia Bulletin vol. 35 no. 3 pp. 568–576, 2009

  • J. Welham, M. Isohanni, P. Jones, and J. McGrath The Antecedents of Schizophrenia: A Review of Birth Cohort Studies Schizophr Bull, May 1, 2009; 35(3): 603 - 623. [Abstract]

  • H. J. Sorensen, E. L. Mortensen, J. M. Reinisch, and S. A. Mednick Association Between Prenatal Exposure to Bacterial Infection and Risk of Schizophrenia Schizophr Bull, May 1, 2009; 35(3): 631 - 637. [Abstract]

  • M. C. Clarke, M. Harley, and M. Cannon The Role of Obstetric Events in  Schizophrenia Schizophr Bull, January 1, 2006; 32(1): 3 - 8.  [Full Text] [PDF]

  • H. J. Sorensen, E. L. Mortensen, J. M. Reinisch, and S. A. Mednick Association between prenatal exposure to analgesics and risk of schizophrenia The British Journal of Psychiatry, November 1, 2004; 185(5): 366 - 371. [Abstract] [Full Text] [PDF]

     

 

Gene als Ursache sind noch mangelhaft erforscht. Man geht davon aus, dass 50-70% der Auftretenswahrscheinlichkeit der Schizophrenie (Varianz) alleine durch die Gene bedingt ist. Die anderen 30-50% der Auftretenswahrscheinlichkeit entsteht durch oben genannte Faktoren wie Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, Geburtsmonat, Geburtsort, psychosoziale Stressfaktoren. Unterschiedliche Gene (multiple Suszeptilitätsgene) und deren Zusammenwirken untereinander, wie mit anderen biologischen und psychologischen Faktoren, sind ursächlich. Man geht dabei von einer genetisch begünstigten Neuroentwicklungsstörung aus, die zu einer Veränderung der Zytoarchitektur im Gehirn führt. Bei Untersuchungen in einer Familie mit familiärer, katatoner Form der Schizophrenie wurde ein auf dem Chromosom 22 ein Gen gefunden, das ein WKL1 genanntes Protein kodiert. Im Computermodell weist WKL1 Ähnlichkeiten mit Proteinen auf, die Ionenkanäle bilden.  In der mutierten Form von WKL1 sei in einer von sieben Transmembran-Segmenten die Aminosäure Leucin durch Methionin ersetzt. Diese ausgewechselte Aminosäure könnte zu Problemen in der korrekten räumlichen Anordnung des Proteins führen und somit zu einer Funktionsstörung. Das WKL1-Gen wird nur im Gehirn exprimiert.   K.P.  Lesch" Molecular Psychiatry" (2001, Vol. 6, No. 3, Seiten 304-308).  Ein Polymorphismus an einzelnen Nukleotiden die zu einer neuronalen Funktionsminderung führen wurde auch  an einem  G-Protein Regulator auf dem Chromosom 1, einem Protein auf dem Chromosom 6 das für die Synapsenstruktur verantwortlich ist und an einem Wachstumsfaktor auf dem Chromosome 8 verantwortlich für das Synapsenwachstum gefunden. Weiter wurde auch ein Antwortmodulator auf dem Chromosome 13 gefunden der N-Methyl-D-Aspartat-Glutamat beeinflusst, sowie ein Rezeptor auf dem Chromosom 15 für Acetylcholin.  Die glutamatergen, cholinergen und dopaminergen neuronalen Mechanismen, die durch diese genetischen  Faktoren beeinträchtigt werden wurden für verschiedene Aspekte der kognitiven Dysfunktion (Wahrnehmungs-, Verarbeitungs- und Gedächtnisstörungen) bei der Erkrankung verantwortlich gemacht. Bis in die 60er Jahre setzte sich eine Auffassung des Menschen und seiner Persönlichkeit als von der Gesellschaft und frühkindlichen Erfahrungen geprägt durch, die sich im Kern auf die psychoanalytischen Theorien der Sozialisation von Sigmund Freud und Ernst Jung stützte. Die resultierende Philosophie suchte die Ursachen für Persönlichkeitskonflikte, asoziales Verhalten, Sucht, sowie neurotische und psychotische Persönlichkeitsveränderungen ausschließlich im engeren sozialen Umfeld, der Erziehung und der Entwicklung der Betroffenen. Erbliche Faktoren wurden dabei allenfalls als prädisponierende Randbedingungen gesehen, nicht aber als auslösende Kriterien. Mit der immer tiefer gehenden Analyse des menschlichen Genoms bis zur molekularen Ebene war es nur eine Frage der Zeit, bis die Thematik der Verhaltensbiologie und Psychologie des Menschen auf der Ebene der modernen Genetik neu aufgegriffen wurde. Da die Entwicklung des Nervensystems genetisch kontrolliert wird und darüber hinaus die Funktionen der ausdifferenzierten Nervenzellen direkt von der Existenz spezifischer Genprodukte abhängen, kann es nicht verwundern, dass viele Mutationen auch Aspekte des Verhaltens betreffen; schließlich beruht das Verhaltensrepertoire eines Organismus auf der Leistungsfähigkeit seines Nervensystems. Deshalb ist heute nicht mehr die Frage, ob genetische Einflüsse auf das Verhalten bestehen, sondern vielmehr, wie spezifisch einzelne Mutationen Verhalten verändern können (neurogenetischer Ansatz), und in welchem Grad die verhaltensrelevante Heterogenität im Genpool einer Population vorkommt (populationsgenetischer Ansatz). Zwischen "angeboren" und "erworben" liegt ein Kontinuum: Der Begriff des "angeborenen Verhaltens" wurde zuerst von Ethologen (z.B. von Konrad Lorenz) geprägt, deren Bestreben es war, sich von den verbreiteten behavioristischen Anschauungen abzusetzen, nach denen alles Verhalten erworben sein sollte. Sie tendierten deshalb dazu, "angeboren" in Gegensatz zu "gelernt" zu setzen. Nach heutiger Sicht macht das jedoch wenig Sinn. Geninformation gewinnt immer erst Bedeutung innerhalb eines eng definierten biologischen Zusammenhangs. Deshalb ist es nicht immer möglich, alles "gelernte" vom "angeborenen" Verhalten zu trennen. Immer wenn der Lerninhalt vorhersagbar ist (wegen konstanter vorhersagbarer Umweltbedingungen), kann Lernverhalten als eine Form des epigenetischen Entwicklungsprogramms aufgefasst werden. Dass meist eine Kombination von genetischen Risiken mit nicht genetisch bedingten neurodegenerativer Prozessen in den ersten Lebensjahren und manchmal spezifischen Übeforderungssituationen auslösend und ursächlich an der Krankheitsentstehung  ist, kann inzwischen als gesichert gelten.  .http://www.zum.de/neurogenetik/index.html  Möglicherweise spielen zusätzlich Entzündungen und eine angeborene Empfänglichkeit für solche Entzündungen bei der Entstehung eine Rolle, bestimmte Entzündungsfaktoren (IL2, BDNF, Relin ..)werden bei Schizophrenien gehäuft gefunden. COX2 Hemmer scheinen nach manchen Studien den Effekt der Neuroleptika zu verbessern, Clozapin senkt beispielsweise bestimmte Entzündungsparameter im Liquor (IL2). In wie weit sich aus dieser letzten Hypothese therapeutische Konsequenzen ergeben, ist noch unklar.  Für die Schizophrenie ist nicht ein einzelnes Gen alleine verantwortlich.  Schizophrenien können aber jeden treffen und kommen nicht etwa nur in bestimmten Familien vor. Auch nicht alle Menschen, die die genetisch Veranlagung zur Schizophrenie haben erkranken daran. Die meisten Erkrankten haben keinen Verwandten, der an dieser Störung leidet. Schizophrenien kommen in allen Ländern der Erde, allen Land, Kulturen, jedem Intelligenzquotienten, Charaktertyp und sozialen Klasse vor.   Die Rolle der Gene sollte also nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schizophrenie jeden treffen kann.

Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen vergrößern das Risiko an eine Schizophrenie zu erkranken. Infektionen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, Hungern der Mutter während der Schwangerschaft, und geburtshilfliche Komplikationen können eine Schizophrenie begünstigen. Ein Gebutstermin im späten Winter erhöht das Risiko für Schizophrenie wie für affektive Psychosen. Die Einnahme von Schmerzmitteln im zweiten Schwangerschaftsdrittel erhöht nach einer dänischen Studie das Risiko der Kinder an einer Schizophrenie zu erkranken.  In einer schwedischen Studie vervierfachten Blutungen in der Schwangerschaft und ein niedriges Geburtsgewicht bei Jungen das Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken. Von der Präeklampsie, die zu einer verminderten Nahrungsversorgung des Kindes im Mutterleib führt, ist dies in besonderem Maße bekannt.  Auch die Tatsache, dass Kinder die später an einer Schizophrenie erkranken eine verzögerte motorische Entwicklung haben und meist mehr Leistungsprobleme in der Schule habe, verdeutlicht eine frühe Auswirkung von Schädigungen auf das Gehirn, lange vor Ausbruch der Erkrankung.  So fand man in einer finnischen Studie dass ein signifikant erniedrigter Bodymassindex (BMI) der Mütter am Ende der Schwangerschaft das Risiko für die Nachkommen an einer Schizophrenie zu erkranken deutlich erhöhte (odds ratio [OR], 1.09 per kg/meter2; 95% confidence interval [CI], 1.02-1.17) . Ein erhöhtes Risiko fand sich auch für ein niedriges Geburtsgewicht, (OR, 1.48 per Kilogramm; 95% CI, 1.03-2.13), Kleinwüchsigkeit bei der Geburt, (OR, 1.12 per cm 95% CI, 1.03-1.22), und ein niedriges Plazentagewicht (OR, 1.22 per 100 g; 95% CI, 1.04-1.43). Menschen die später an Schizophrenie erkranken sind im Durchschnitt dünner als ihre Altergenossen mit 7 bis 15 Jahren. Auch eine andere Studie fand dass Menschen, die an einer Schizophrenie erkrankten, häufiger als andere ein Geburtsgewicht <2500 g hatten oder vor der 37 Woche geboren worden waren. Auch ein verminderter Kopfumfang bei Geburt als Hinweis auf eine bereits dann vorhandene Hirnentwicklungsstörung wird in manchen Studien gefunden,  ist aber in anderen Studien nicht bestätigt worden.  Infekte in den ersten Monaten oder Lebensjahren scheinen eine Rolle bei der Entstehung von Schizophrenien zu haben. Häufiger führen diese bei den Kleinkindern und Säuglingen zu diskreten neurologischen Auffälligkeiten, die möglicherweise hinweisend für die spätere Erkrankung sind. Lernschwierigkeiten gehen der Schizophrenie oft voraus.

  1. C. Dalman, P. Allebeck, J. Cullberg, C. Grunewald, and M. Koster Obstetric Complications and the Risk of Schizophrenia: A Longitudinal Study of a National Birth Cohort Arch Gen Psychiatry, March 1, 1999; 56(3): 234 - 240.  [Abstract] [Full Text] [PDF]

  2. D. Gunnell, F. Rasmussen, D. Fouskakis, P. Tynelius, and G. Harrison Patterns of Fetal and Childhood Growth and the Development of Psychosis in Young Males: A Cohort Study Am. J. Epidemiol., August 15, 2003; 158(4): 291 - 300.  [Abstract] [Full Text] [PDF]

  3. S. Cnattingius, C. M. Hultman, M. Dahl, and P. Sparen Very Preterm Birth, Birth Trauma, and the Risk of Anorexia Nervosa Among Girls
    Arch Gen Psychiatry, July 1, 1999; 56(7): 634 - 638. [Abstract] [Full Text] [PDF]

  4. R. Poulton, A. Caspi, T. E. Moffitt, M. Cannon, R. Murray, and H. Harrington Children's Self-Reported Psychotic Symptoms and Adult Schizophreniform Disorder: A 15-Year Longitudinal Study Arch Gen Psychiatry, November 1, 2000; 57(11): 1053 - 1058.  [Abstract] [Full Text] [PDF]

  5. F. Mulvany, E. O'Callaghan, N. Takei, M. Byrne, P. Fearon, and C. Larkin Effect of social class at birth on risk and presentation of schizophrenia: case-control study BMJ, December 15, 2001; 323(7326): 1398 - 1401.  [Abstract] [Full Text] [PDF]

  6. R. Milev Risk of schizophrenia increased with increasing paternal age Evid. Based Ment. Health, November 1, 2001; 4(4): 123 - 123. [Full Text] [PDF] 

  7. S. Thelander Review: schizophrenia is associated with premature rupture of membranes, gestational age <37 weeks, and use of an incubator or resuscitation Evid. Based Ment. Health, February 1, 2000; 3(1): 30 - 30. [Full Text]

  8.  K. Wahlbeck, T. Forsen, C. Osmond, D. J. P. Barker, and J. G. Eriksson Association of Schizophrenia With Low Maternal Body Mass Index, Small Size at Birth, and Thinness During Childhood Arch Gen Psychiatry, January 1, 2001; 58(1): 48 - 52.  [Abstract] [Full Text] [PDF]

  9. M. Cannon, P. B. Jones, and R. M. Murray Obstetric Complications and Schizophrenia: Historical and Meta-Analytic Review Am. J. Psychiatry, July 1, 2002; 159(7): 1080 - 1092. [Abstract] [Full Text] [PDF]

  10. H. KUNUGI, S. NANKO, and R. M. MURRAY Obstetric complications and schizophrenia: prenatal underdevelopment and subsequent neurodevelopmental impairment Br. J. Psychiatry, April 1, 2001; 178(40): s25 - 29. [Abstract] [Full Text] [PDF]

  11.  M. BYRNE, R. BROWNE, N. MULRYAN, A. SCULLY, M. MORRIS, A. KINSELLA, N. TAKEI, T. McNEIL, D. WALSH, and E. O'CALLAGHAN Labour and delivery complications and schizophrenia: Case--control study using contemporaneous labour ward records Br. J. Psychiatry, June 1, 2000; 176(6): 531 - 536.  [Abstract] [Full Text]
    C. M Hultman, P. Sparén, N. Takei, R. M Murray, S. Cnattingius, and J. Geddes Prenatal and perinatal risk factors for schizophrenia, affective psychosis, and reactive psychosis of early onset: case-control study BMJ, February 13, 1999; 318(7181): 421 - 426. [Abstract] [Full Text]

  12. S. L. Buka, M. T. Tsuang, E. F. Torrey, M. A. Klebanoff, D. Bernstein, and R. H. Yolken Maternal Infections and Subsequent Psychosis Among Offspring Arch Gen Psychiatry, November 1, 2001; 58(11): 1032 - 1037. [Abstract] [Full Text] [PDF]

  13. Hultman CM, Sparén P, Takei N, Murray RM, Cnattingius S. Prenatal and perinatal risk factors for schizophrenia, affective psychosis, and reactive psychosis of early onset. BMJ. 1999;318:421-426.

  14. P. Räsänen, H. Hakko, M.-R. Järvelin, and C. M Hultman Prenatal and perinatal risk factors for psychiatric diseases of early onset
    BMJ, June 12, 1999; 318(7198): 1622 - 1622. [Full Text]

  15. Bjørn Rishovd Rund, Ingrid Melle, Svein Friis, Tor K. Larsen, Liv Jæger Midbøe, Stein Opjordsmoen, Erik Simonsen, Per Vaglum, and Thomas McGlashan Neurocognitive Dysfunction in First-Episode Psychosis: Correlates With Symptoms, Premorbid Adjustment, and Duration of Untreated Psychosis Am J Psychiatry 2004 161: 466-472. [Abstract] [Full Text]

  16. Delbert G. Robinson, Margaret G. Woerner, Marjorie McMeniman, Alan Mendelowitz, and Robert M. Bilder, Symptomatic and Functional Recovery From a First Episode of Schizophrenia or Schizoaffective Disorder Am J Psychiatry 2004 161: 473-479 Abstract] [Full Text]  

  17. STUART J. LEASK, D. JOHN DONE, and TIMOTHY J. CROW, Adult psychosis, common childhood infections and neurological soft signs in a national birth cohort, Br J Psychiatry 2002 181: 387-392.Abstract] [Full Text]  

  18. Holger J. Sørensen, Erik L. Mortensen, June M. Reinisch, and Sarnoff A. Mednick, Association between prenatal exposure to analgesics and risk of schizophrenia, Br J Psychiatry 2004 185: 366-371. [Abstract] [Full Text] 

  19. D Malaspina Acute maternal stress in pregnancy and schizophrenia in offspring: A cohort prospective study BMC Psychiatry 2008, 8:71 doi:10.1186/1471-244X-8-71


Drogenkonsum als Ursache

In einer britischen Studie war die Rate des Substanzmissbrauchs unter Menschen, die das erstem Mal wegen einer psychotischen Episode in Behandlung kamen doppelt so hoch wie unter einer Vergleichgruppe Gleichaltriger in der gesunden Bevölkerung, bei Männern höher als bei Frauen. 51% berichteten einen Cannabismissbrauch, 43% einen Alkoholmissbrauch. Das Alter des ersten Konsums von Cannabis, Kokain, Ecstasy und Amphetaminen war signifikant mit dem Alter des ersten Auftretens von psychotischen Symptomen assoziiert. J.H. BARNETT, et al., Substance use in a population-based clinic sample of people with first-episode psychosis, Br J Psychiatry 2007 190: 515-520. [Abstract] [Full Text] [PDF]  Der Streit, ob Menschen die zu Psychosen neigen einfach eine größere Neigung zum Drogenkonsum haben als Gesunde oder ob die Drogen auslösend sind für die psychotischen Symptome ist Jahrzehnte alt. Es spricht aber mehr für die Hypothese, dass der Konsum von Halluzinogenen Psychosen auslöst und den Verlauf von Psychosen verschlechtert.   Nach einer aktuellen neuseeländischen Untersuchung erhöht der Konsum von Cannabis das Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken deutlich. Je früher der Konsum beginnt, umso größer das Risiko. Dabei scheint der Cannabiskonsum ein unabhängiger Risikofaktor zu sein, also nicht auf  einfach eine bestehende Neigung zu psychotischen Erkrankungen zu verstärken. Anandamid, einer der zentralen Botenstoffe des körpereigenen Cannabinoid-Systems spielt möglicherweise in der Auslösung der Erkrankung eine Rolle. Im Nervenwasser von unbehandelten Schizophrenie-Patienten wurde ein um das Achtfache erhöhter Anandamidwert gefunden. Der Konsum von Cannabis könnte einer der auslösenden Faktoren sein, die eine genetisch bedingte Veranlagung zur Schizophrenie aktivieren. Untersucht wurden in derer neuseeländischen Studie eine Kohorte von 1037 Menschen die 1972-2 in Dunedin, Neuseeland geboren wurden. Dabei wurde mit 11 Jahren nach psychotischen Symptomen, mit 15 und 18 Jahren nach Haschischkonsum gefragt und mit 26 Jahren gelang es bei 3/4 der Probanden zu überprüfen in wie weit die Symptome einer Schizophrenie vorlagen. Jeder 10. der mit 15 Cannabis raucht erkrankt bis er 26 ist nach dieser Studie an einer Schizophrenie, von den anderen Probanden die keinen Cannabiskonsum berichteten waren es nur 3%. Ähnlich die Ergebnisse einer schwedischen Studie an 50 087 zwischen 1969 und 70 geborenen Männern. Auch dort führte der selbst berichtete  Gebrauch von Cannabis zu einem 6,7 fach höheren Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken. Dabei konnten nach Ansicht der Autoren auch hier Persönlichkeitsveränderungen vor Aufnahme des Cannabismissbrauchs herausgerechnet werden. Cannabis stellt nach beiden Untersuchungen einen unabhängigen Risikofaktor für die Erkrankung an einer Schizophrenie dar. Dies auch völlig unabhängig von dem Missbrauch anderer Drogen. Der Effekt scheint abhängig von der Häufigkeit und der Dosis zu sein. Die Theorie, dass die Nutzung von Cannabis eine "Selbsttherapie" darstellte und somit nicht Ursache sondern Folge der Erkrankung war, halten die Autoren für widerlegt. Die Autoren gehen davon aus, dass man ein Drittel der Schizophrenieerkrankungen verhindern könnte, wenn man den Cannabiskonsum bei Jugendlichen eindämmen könnte. Den Autoren der Studien ist zuzustimmen, dass sehr ernsthafte Bemühungen unternommen werden sollten den weit verbreiteten Konsum von Cannabis besonders bei Jugendlichen einzudämmen. Besonders frühzeitige Erkrankungen an einer Schizophrenie führen nicht selten zu früher Vollinvalidität. Viele Betroffene schaffen es nicht, überhaupt einen Rentenanspruch zu erwerben. Nicht selten enden sie als sozial isolierte Sozialhilfeempfänger. Weitere Untersuchungen zu diesem Thema werden sicher folgen, aktuell gibt es auf jeden Fall guten Grund zu warnen. Insbesondere bei jungen Frauen scheint Cannabiskonsum Depressionen zu begünstigen. Emotionale Probleme sind vermutlich deutlich häufiger als bisher angenommen Folge eines Cannabiskonsums, haben aber bisher nicht soviel Aufmerksamkeit erhalten wie die schwereren Psychosen. Siehe: Rey et al. ,Br J Psychiatry 2002 180: 216-221. [Abstract] [Full Text Insgesamt kommen alle bisherigen Studien zu Cannabis und Psychosen zu einem erhöhten Risiko dieses betrug in unterschiedlichen Studien vom 1,77 bis zum 10,9 fachen im Median der Studien das 2,2-2,3 fache. Dort wo dies untersucht wurde gab es eine Dosis/ Wikungsbeziehung - je höher der Missbrauch, umso wahrscheinlicher die Psychose. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Cannabis durch eine Störung im Dopaminstoffwechsel für Psychosen anfällig macht. Die meisten Menschen, die Cannabis rauchen, werden zwar nicht psychotisch, sie müssen aber damit leben, dass sie ein deutlich erhöhtes Risiko haben. So jedenfalls auch eine neue Metaanalyse der vorhandenen Studien. David M Fergusson, Richie Poulton, Paul F Smith and Joseph M Boden, Cannabis and psychosis, BMJ 2006;332;172-175 [Full text] [PDF]  

Ist die zunehmende Verstädterung eine Ursache der Schizophrenie?

Nach Untersuchungen ist Schizophrenie in Städten allgemein und besonders in den Unterschichten der Städte besonders häufig. Eine neue schwedische Studie scheint zu bestätigen, dass schwere psychische Störungen wie Schizophrenien oder Depressionen nicht nur in der Stadt häufiger diagnostiziert werden, sondern auch mit der Verstädterung zunehmen. Besonders betroffen sind Alleinstehende mit niedriger Bildung, die aus einem fremden Land zugezogen sind. KRISTINA SUNDQUIST et al.,  Urbanisation and incidence of psychosis and depression, Follow-up study of 4.4 million women and men in Sweden,  The British Journal of Psychiatry (2004) 184: 293-298 J. VAN OS, Does the urban environment cause psychosis? Br. J. Psychiatry, April 1, 2004; 184(4): 287 - 288. [Full Text] [PDF]

Mathematisch begabte Menschen und deren Verwandte sind besonders gefährdet. Schizophrenie scheint unter naturwissenschaftlich begabten Jugendlichen und deren Verwandten häufiger zu sein, als in der Durchschnittsbevölkerung. Eine Beobachtung, die vielfach gemacht wurde, aber bisher noch nicht eindeutig erklärt werden kann. JON L. KARLSSON, MD, PhD,Psychosis and academic performance,  The British Journal of Psychiatry (2004) 184: 327-329, J. Arehart-Treichel, In Families With Psychosis, The Numbers Tell a Story, Psychiatr. News, June 4, 2004; 39(11): 36 - 42. [Full Text]

Die Inzidenz Schizophrener Erkrankungen ist bei ethnischen Minderheiten in den USA und in GB erhöht. Biologische Risikofaktoren scheinen dies nicht zu erklären, dabei scheint das Risiko dann besonders hoch zu sein, wenn die entsprechenden Menschen in einer kleinen Minderheitengruppe leben und geringer wenn mehr Menschen die zu dieser Minderheit gehören im Wohngebiet sind. Soziale Stressfaktoren scheinen dabei eine wesentliche Rolle zu spielen. Ausgesondert werden, Rassismus, Isolation und andere soziale Stressfaktoren spielen dabei wahrscheinlich eine große Rolle.  Lange bekannt ist, dass Psychosen zu sozialem Abstieg führen, dies ist wahrscheinlicher als, dass sozialer Abstieg zu Psychosen führt. Wichtig für den Verlauf ist, dass Psychosen in unteren sozialen Schichten später und schlechter behandelt werden als in besseren Kreisen. Dies ist der Hauptgrund für die dort meist schlechtere Prognose. Fiona Mulvany et al. Effect of social class at birth on risk and presentation of schizophrenia: case-control study, BMJ 2001;323:1398-1401 ( 15 December )PDF 

Leider kommt das eine Übel nicht immer alleine

Die Zahlen für die Komorbidität zwischen Schizophrenie und anderen psychischen Störungen sind in verschiedenen Untersuchungen unterschiedlich. Generell wird davon ausgegangen, dass etwa 7-15% der Menschen, die an einer Schizophrenie leiden gleichzeitig an einer Zwangsstörung leiden und umgekehrt, etwa 4% der Patienten mit einer primären Zwangsstörung auch an eine schizophrenen Psychose leiden. Besonders schwierig ist die Abgrenzung naturgemäß bei Persönlichkeitsstörungen. Besonders Persönlichkeitsstörungen des Cluster A (paranoide, schizoide und schizotype) gehen häufig einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis voraus und sind manchmal schwer von einer blande verlaufenden psychotischen Störung zu unterschieden. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Borderlinepersönlichkeitsstörungen nicht mit schizophrenen Psychosen verwandt. Etwa 2/3 aller Schizophrenen Patienten raucht, während diese Zahl in der übrigen Bevölkerung nur bei etwa einem Drittel liegt. 5% der Opiatabhängigen leiden zusätzlich an einer Schizophrenie, umgekehrt leiden etwa 4% der Menschen mit einer Schizophrenie auch an einer Opiatabhängigkeit. Bei etwa einem Drittel der an einer Schizophrenieerkrankten besteht zusätzlich eine Alkoholabhängigkeit. 

Weiter Zurück

 

Zur Startseite Anschrift des Verfassers: (Praxisadresse)
Feedback: Karl C. Mayer
Gästebuch Bergheimerstraße 56a
E-Mail 69115 Heidelberg