Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

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Risikofaktoren und Risikohinweise

tabellarisch

Geschätztes relatives Risiko (Odds Ratio oder relatives Risiko)           1= Risiko der Durchschnittsbevölkerung
Familiär (Familienmitglied mit Schizophrenie)
  Biologische Eltern 7.0–10.0
  Beide Eltern  37.0
  Monozygote (eineiige) Zwillinge  45.0–50.0
  Dizygote (zweieiige) Zwillinge  14.0
  Geschwister ohne Zwillinge  9.0–12.0
  Verwandte 2. Grades  1.1
Soziale und demographische Risiken
  Niedriger sozioökonomischer Status 3.0
  Single (nicht verheiratet) 4.0
  Belastende Lebensereignisse (life events) 1.5
  Zuwanderer-/Minderheitenstatus (z.B.:     Afro-Caribbeaner im UK) 1.7–10.7
  städtische Geburt  1.4
Schwangerschaft und Geburt 
  Geburtshilfekomplikationen 2.0–4.4
  Geburtsgewicht < 2000 g 6.2
  Geburtsgewicht  < 2500 g 3.4
  Frühkindlicher Hirnschaden 6.9
Neuro- Entwicklung
  Frühe ZNS Infektion 4.8
  Epilepsie 2.3
  Niedriger IQ (< 74) 8.6
  Soziale Anpassungsschwierigkeiten in der Kindheit und im Jugendalter  30.7
*Nach Übersichtsarbeiten aus Assen Jablensky, Prevalence and incidence of schizophrenia spectrum disorders: implications for prevention, Australian and New Zealand Journal of Psychiatry 34 ((Suppl.)), 26-34
ZNS = Zentralnervensystem.

 

Häufige Frühwarnzeichen bei Schizophrenie
  Rang Häufigkeit in %
Ruhelosigkeit
1
72
Schlafstörungen
2
64
Nervosität, Gespanntheit
3
62
Schwierigkeiten bei der Arbeit
4
60
Die anderen verstehen mich nicht
5
56
sich überfordert fühlen
6
54
weniger Freude empfinden
7
52
weniger Kontakt mit Freunden
7
52
sehr aufgeregt sein
9
48
Die anderen reden über mich lachen mich aus
10 40
weniger aktiv sein als gewöhnlich
10
40
Angst vor der Zukunft
10
40
Konzentrationsschwierigkeiten
13
38
Gedächtnisschwierigkeiten
14
36
mehr religiöse Gedanken haben
14
36
Beschäftigung nur mit einer Sache
16
34

Die Kontrolle über sich selbst verlieren

16
34
Halluzinationen
19
30
Beeinflussungsgedanken
23
28
Aus: Olbrich et al, Schizophrenien und andere psychotische Störungen, in Berger Psychiatrie und Psychotherapie Urban und Schwarzenbeck 1999, 405-481

 

genetische Faktoren

Die erbliche Belastung ist zwar nicht bei jeder/m Patientin/Patienten nachweisbar. Aufgrund großer Familien- und Zwillingsstudien nimmt man aber an, dass bei der Entstehung der Schizophrenien erbliche Faktoren beteiligt sind. Einzelheiten sind allerdings noch unbekannt. Es erkrankt auch nicht jeder Mensch, der die entsprechende Erbanlage hat, an Schizophrenie, er ist nur eher dazu "veranlagt", die Krankheit zu bekommen, und reagiert empfindlicher als andere auf Einflüsse aus der Umwelt. Was letztendlich dazu beiträgt, dass manche dieser veranlagten Personen nicht und andere wiederum schwer erkranken, ist nicht bekannt.Leidet ein Elternteil an Schizophrenie, so beträgt - statistisch gesehen - die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind ebenfalls an Schizophrenie erkrankt, etwa 9 - 16%; sind beide Eltern erkrankt, liegt das Erkrankungsrisiko der Kinder bei 30 - 60%. Demgegenüber steht ein Prozentsatz von 1% in der Allgemeinbevölkerung.

Risikofaktor Nachkommen "outcome"
  SCH (+) SCH (–) Gesamt
Beide Eltern mit Schizophrenie 4 6 10
Keine Eltern mit Schizophrenie 16 99 974 99 990
Gesamt 20 9980 100 000
Sensitivität, 20%; Spezifität, > 99%; Positiver Vorhersage Wert ( predictive value (PPV)), 40%. SCH (+), outcome Schizophrenie; SCH (–), outcome keine Schizophrenie.

 

biochemische Faktoren

Innerhalb des Nervensystems sind sogenannte Botenstoffe (= Neurotransmitter) dafür verantwortlich, dass Informationen weitergeleitet werden. Diese Botenstoffe übertragen an Schaltstellen bestimmter Hirnregionen elektrische Signale von einer Nervenzelle auf eine andere. Sie lösen an so genannten Rezeptoren, also einer "Empfangsstelle" der Nervenzelle, eine Weiterleitung der Signale aus. Bei Patienten mit einer Schizophrenie konnten z. B. Veränderungen des Botenstoffes "Dopamin" festgestellt werden. Möglicherweise sind auch die Rezeptoren für das Dopamin in ihrer Zusammensetzung und Anzahl verändert. Man geht davon aus, dass diese Stoffwechselstörungen an vielen Stellen des Gehirns vorkommen und somit die teils sehr verschiedenen Symptome einer schizophrenen Erkrankung verursachen können. Ein Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, die Störungen im Dopamin - Übertragungsmechanismus zu beheben. Inzwischen weiß man, dass bei Schizophreniekranken auch Störungen im Bereich anderer Neurotransmitter (z. B. Serotonin oder Glutamat) vorkommen, deren Bedeutung für die Krankheit aber noch nicht ausreichend erforscht ist.

Ist Haschisch oder Marihuana manchmal schuld - eine weiter ungelöste Frage- neue Daten sprechen aber für ein deutlich erhöhtes Risiko durch Cannabis. 

Die Meisten Psychiater kennen einige Menschen bei denen sie den Eindruck haben, dass Haschisch für die Auslösung oder den Verlauf einer Psychose eine wesentliche Bedeutung haben. Die wissenschaftliche Datenlage ist aber nicht eindeutig.  Eine große prospektive Studie (Verlaufsbeobachtung) hatte gezeigt, dass Personen die im Alter von 18 Jahren vermehrt Cannabis konsumieren ein erhöhtes Risiko haben in den folgenden 15 Jahren die Diagnose Schizophrenie zu bekommen. Diese Häufigkeitsverteilung ist auch nach anderen Studien eindeutig über Zufall. In einer anderen Studie war es immerhin eine Verdoppelung des Risikos an einer Schizophrenie zu erkranken. Ob rein durch  Cannabis ausgelöste Psychosen existieren, oder ob für das entstehen einer Psychose bei Cannabisnutzern eine Veranlagung erforderlich ist, ist weiter strittig. Wenn Cannabis alleine Psychosen auslöst scheint dies eher selten zu sein. Vermutlich bedarf es dazu einer sehr hohen Dosis des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol, einen langen Zeitraum des Missbrauchs einer sehr konzentrierten Form von Cannabis oder einer entsprechenden ererbten oder erworbenen Veranlagung oder beides.  Es ist weiter unklar ob Cannabis Schizophrenien auslösen kann oder ob Cannabis eine Art Selbstmedikation bei für Psychosen empfänglichen Menschen ist. Denkbar ist auch, dass andere Drogen wie Amphetamine (Aufputschmittel), die von Cannabisnutzern häufiger als von anderen genommen werden, Schuld an der erhöhten Häufigkeit von Psychosen sind.  Relativ sicher ist, dass Cannabis bei an Schizophrenie erkrankten die Symptome einer Psychose auslösen kann. Ob nun als Substanz oder weil durch Cannabis die Mitarbeit und zuverlässige Medikamenteneinnahme in der Behandlung abnehmen, ist ebenfalls weiter in der Diskussion. Nach einer aktuellen neuseeländischen Untersuchung erhöht der Konsum von Cannabis das Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken deutlich. Je früher der Konsum beginnt, umso größer das Risiko. Dabei scheint der Cannabiskonsum ein unabhängiger Risikofaktor zu sein, also nicht auf einfach eine bestehende Neigung zu psychotischen Erkrankungen zu verstärken. Anandamid, einer der zentralen Botenstoffe des körpereigenen Cannabinoid-Systems spielt möglicherweise in der Auslösung der Erkrankung eine Rolle. Im Nervenwasser von unbehandelten Schizophrenie-Patienten wurde ein um das Achtfache erhöhter Anandamidwert gefunden. Der Konsum von Cannabis könnte einer der auslösenden Faktoren sein, die eine genetisch bedingte Veranlagung zur Schizophrenie aktivieren. Untersucht wurden in der neuseeländischen Studie eine Kohorte von 1037 Menschen die 1972-2 in Dunedin, Neuseeland geboren wurden. Dabei wurde mit 11 Jahren nach psychotischen Symptomen, mit 15 und 18 Jahren nach Haschischkonsum gefragt und mit 26 Jahren gelang es bei 3/4 der Probanden zu überprüfen in wie weit die Symptome einer Schizophrenie vorlagen. Jeder 10. der mit 15 Cannabis raucht erkrankt bis er 26 ist nach dieser Studie an einer Schizophrenie, von den anderen Probanden die keinen Cannabiskonsum berichteten waren es nur 3%. Ähnlich die Ergebnisse einer schwedischen Studie an 50 087 zwischen 1969 und 70 geborenen Männern. Auch dort führte der selbst berichtete Gebrauch von Cannabis zu einem 6,7 fach höheren Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken. Dabei konnten nach Ansicht der Autoren auch hier Persönlichkeitsveränderungen vor Aufnahme des Cannabismissbrauchs herausgerechnet werden. Cannabis stellt nach beiden Untersuchungen einen unabhängigen Risikofaktor für die Erkrankung an einer Schizophrenie dar. Dies auch völlig unabhängig von dem Missbrauch anderer Drogen. Der Effekt scheint abhängig von der Häufigkeit und der Dosis zu sein. Die Theorie, dass die Nutzung von Cannabis eine "Selbsttherapie" darstellte und somit nicht Ursache sondern Folge der Erkrankung war, halten die Autoren für widerlegt. Die Autoren gehen davon aus, dass man ein Drittel der Schizophrenieerkrankungen verhindern könnte, wenn man den Cannabiskonsum bei Jugendlichen eindämmen könnte. Den Autoren der Studien ist zuzustimmen, dass sehr ernsthafte Bemühungen unternommen werden sollten den weit verbreiteten Konsum von Cannabis besonders bei Jugendlichen einzudämmen. Besonders frühzeitige Erkrankungen an einer Schizophrenie führen nicht selten zu früher Vollinvalidität. Viele Betroffene schaffen es nicht, überhaupt einen Rentenanspruch zu erwerben. Nicht selten enden sie als sozial isolierte Sozialhilfeempfänger. Weitere Untersuchungen zu diesem Thema werden sicher folgen, aktuell gibt es auf jeden Fall guten Grund zu warnen. Insbesondere bei jungen Frauen scheint Cannabiskonsum Depressionen zu begünstigen.
 

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  19. Louise Arseneault, Mary Cannon, Richie Poulton, Robin Murray, Avshalom Caspi, and Terrie E Moffitt, Cannabis use in adolescence and risk for adult psychosis: longitudinal prospective study, BMJ 2002; 325: 1212-1213. [Full text] [PDF]  
  20. Fergusson DM, Horwood LJ.Does cannabis use encourage other forms of illicit drug use? Addiction.2000;95:505-520.MEDLINE,

Alkohol:

Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit stellen bei Menschen die an einer Schizophrenen Psychose erkrankt sind ein großes Problem dar. Die Statistiken hinsichtlich der Häufigkeit eines Alkoholmissbrauchs oder eine Abhängigkeit geben ganz unterschiedliche Prozentzahlen zwischen 10% und 2/3 der Erkrankten an. Dies liegt zum Teil an der Auswahl der Stichprobe, zum Teil auch an der Definition des Alkoholproblems. Dass eine erhöhte Komorbidiät vorliegt ist sicher. Ob es gemeinsame Ursachen sind oder das eine Problem das andere begünstigt ist Gegenstand der Diskussion, vermutlich spielt beides eine Rolle. Sicher ist, dass Alkoholmissbrauch den Verlauf der Erkrankung erheblich verschlechtert und die Behandlung erschwert. Menschen mit Psychosen sind anfälliger für die Folgen des Alkoholmissbrauchs. Eine neue Studie weist darauf hin, dass bei entsprechender Komorbidität ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Hirnatrophie besteht. Diese begünstigt nach aller Wahrscheinlichkeit auch kognitive Defizite. Viele Studien sehen auch häufigere stationäre Aufenthalte, häufigere Kriminalität und Obdachlosigkeit als mögliche Folgen des begleitenden Alkoholproblems.

  1. Daniel H. Mathalon, PhD, MD; Adolf Pfefferbaum, MD; Kelvin O. Lim, MD; Margaret J. Rosenbloom, MA; Edith V. Sullivan, PhD, Compounded Brain Volume Deficits in Schizophrenia-Alcoholism Comorbidity Arch Gen Psychiatry. 2003;60:245-252.
  2. Sullivan EV, Deshmukh A, Desmond JE, Mathalon DH, Rosenbloom MJ, Lim KO, Pfefferbaum A. Contribution of alcohol abuse to cerebellar volume deficits in men with schizophrenia. Arch Gen Psychiatry. 2000;57:894-902.
     

 

 psychosoziale Faktoren

Während die Wichtigkeit psychosozialer Faktoren (z. B. Familie, Umwelt, soziale Kontakte, Arbeit) für die Entstehung der Schizophrenie umstritten ist, ist sicher, daß der Verlauf der Erkrankung durch eine ungünstige psychosoziale Situation negativ beeinflußt werden kann. Familiäre Einflüsse können unter Umständen eine auslösende Wirkung auf die Erkrankung haben. Manchmal ist das Eltern -Kind Verhältnis gestört; z. B. durch ein Übermaß oder einen Mangel an Liebe und Fürsorge. Gelegentlich beobachtet man im Umfeld der Erkrankten auch ein Verhalten, das mehrdeutig und unpräzise ist. Konflikte, häufiger Streit und Kritik können ebenfalls auslösend wirken. Allerdings werden nicht bei allen Patienten mit Schizophrenie diese Beobachtungen gemacht, und auch in "gesunden" Familien gibt es solche Krisensituationen, ohne daß jemand eine Schizophrenie entwickelt. Besondere seelische Belastungen, die negativer aber auch positiver Natur sein können, können ebenfalls eine Rolle bei der Auslösung der Erkrankung spielen. Typische Beispiele sind: Tod eines Angehörigen, Scheidung, Prüfungen, der Beginn eines neuen Lebensabschnittes, aber auch Heirat oder die Geburt eines Kindes. Dabei trägt nicht die Situation an sich zu einem erhöhten Erkrankungsrisiko bei, sondern die seelischen und zwischenmenschlichen Spannungen oder Konflikte, die sich in der Folge ergeben. Für den Verlauf der Erkrankung ist unbestritten wichtig, daß Sie - als Betroffene - möglichst weiterhin in Ihrem gewohnten sozialen Umfeld bleiben können. Wie die Berücksichtigung zahlreicher sozialpsychologischer Variablen im Vulnerabilitäts-Stress-Bewältigungs-Konzept der schizophrenen Störung erwarten lässt, konnte für eine Reihe von psychosozialen Behandlungsansätzen, wie etwa soziales Kompetenz- und Problemlöse-Training, Psychoedukation von Patienten und/oder Angehörigen, familienzentrierte kognitiv-behaviorale Verfahren und Frühsymptommanagement empirisch gezeigt werden, dass sie die Rückfallhäufigkeit senken und die soziale Integration der Betroffenen verbessern können. Obwohl dem Bewältigungsverhalten im Rahmen des gegenwärtigen Erklärungsmodells schizophrener Störungen zentrale Bedeutung zukommt und bekannt ist, dass ein durch Integration der Erkrankung in die Gesamtpersönlichkeit gekennzeichneter Bewältigungsstil mit einem besseren Krankheitsverlauf einhergeht, gibt es bisher wenige Therapiestrategien, die hauptsächlich auf diesen Aspekt zugeschnitten sind. Und das, obwohl zwischen 70 und 90 Prozent der Betroffenen von sich aus auf selbst wahrgenommene neuropsychologische Defizite und arbeitsbezogene oder interpersonelle Belastungen mit Bewältigungsversuchen reagieren.

 

bewältigungsorientierte Gruppentherapie nach dem Vulnerabilitäts-Stress-Bewältigungs-Konzept

Module

Inhalte

1. Information

  • Informationen zu Symptomen, Ursachen
    und Behandlungsmöglichkeiten schizophrener Störungen
  • Identifikation von Frühsymptomen
    und Aufstellen von Krisenplänen

2. Gesundheitsverhalten

  • Identifikation von angenehmen Situationen
    und günstigen kognitiven Bewertungen
  • euthyme Strategien
  • Aufbau positiver Aktivitäten

3. Stressmanagement

  • Identifikation von belastenden Situationen
  • Analyse hinsichtlich kognitiver, emotionaler
    und verhaltensbezogener Parameter
  • soziale Wahrnehmungsübungen
  • Rollenspiele
  • Problemlösen

16 stationär und ambulant durchgeführte Gruppensitzungen mit fünf bis acht Patienten von 90 Minuten Dauer nach Dr. Andreas Bechdolf Köln

 

Vorliegende Daten rechtfertigen nicht den Einsatz psychodynamischer oder analytisch orientierter Psychotherapietechniken für Menschen mit einer Schizophrenie. Weder ambulant noch stationär. Wenn sie eingesetzt werden, sollten sie Teil eines Forschungsprojektes sein. So jedenfalls die The Cochrane Library, Issue 2, 2001 nach Studium der vorliegenden Literatur. Medikamente sind bei dieser Krankheit wesentlich erfolgreicher als eine psychodynamische  Therapie, ob nun ambulant oder stationär. Psychoedukative Gruppen, klar umgrenzte verhaltenstherapeutische Ansätze an einzelnen Symptomen, Angehörigengruppen usw. gelten als weniger riskant und sind teilweise in ihrem Erfolg bei Schizophrenien belegt. Von Patienten werden solche Behandlungen oft gewünscht, vielen ist eine  analytisch orientierte Psychotherapie bekannter oder sympathischer als eine Verhaltenstherapie, bei dieser Indikation erscheint aber auch ein erheblicher Schaden durch das Verfahren möglich, insbesondere in den Händen eines Psychotherapeuten ohne fundierte psychiatrische Kenntnisse. 

Die wesentlichen Teile familientherapeutischer Unterstützung in  der Behandlung schizophrener Störungen 

Verbesserung der Compliance der medikamentös antipsychotischen Langzeitbehandlung

Information und Psychoedukation: Aufklärung zum gegenwärtigen Wissensstand zu schizophrenen Störungen und deren Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten

Verbesserung des Familienklimas und der interpersonellen Kommunikation

Vermittlung von Problemlösetechniken innerhalb der Familie zur Verbesserung der Lösungsstrategien für aktuelle Familienprobleme

familiäre Ressourcenaktivierung (¹Hilfe zur SelbsthilfeŠ) zur besseren Krankheitsbewältigung ohne professionelle Hilfen

Verbesserung der Lebensqualität aller Familienmitglieder

 

 

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