Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse

       Suche  Inhaltsverzeichnis  Glossar: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y

Seite 8

 

Weiter Zurück

Consensuspapier der World Psychiatric Association Das Consensus-Papier belegt, dass die Neuroleptika der 2. Generation einen nachhaltigen Fortschritt in Hinblick auf eine besser verträgliche Therapie besonders der schizophrenen Psychosen darstellen. Das Risiko der Provokation motorischer Nebenwirkungen ist bei Neuroleptika der 2. Generation eindeutig geringer. Wahrscheinlich sind sie den traditionellen Neuroleptika auch in der Wirksamkeit bezüglich kognitiver Störungen (Einschränkungen von Aufmerksamkeit und Abstraktionsvermögen) und der so genannter Negativ-Symptome (Antriebsarmut, Interesselosigkeit, u.a.m.) der Schizophrenien überlegen. Erste Analysen weisen darauf hin, dass auch Depressivität im Rahmen der Schizophrenie günstiger beeinflusst werden und infolgedessen die mit rund 10 Prozent erschreckend hohe Suizidrate schizophren Kranker gesenkt wird. Hier besteht erheblicher weiterer Forschungsbedarf.

Die Tagesbehandlungskosten sind für Neuroleptika der 2. Generation deutlich höher als diejenigen für traditionelle Neuroleptika. Die WPA beobachtet mit Sorge, dass u.a. aus diesen Kostengründen der Einsatz der Neuroleptika der 2. Generation international von Land zu Land erheblich variiert.

Die Substanzen und Markennahmen der neuen Antipsychotika   

  1. Amisulprid (Solian®)
  2. Clozapin (Leponex®, Elcrit®, Clozapin-neuraxpharm®)
  3. Olanzapin (Zyprexa®)
  4. Quetiapin (Seroquel®)
  5. Risperidon (Risperdal®)
  6. Sertindol (Serdolect®) (Zulassung ruht wegen EKG Veränderungen mit Komplikationen)
  7. Ziprasidon (Zeldox®)
  8. Zotepin (Nipolept®)
  9. Aripiprazol

Der entscheidende Vorteil der neuen Antipsychotika liegt in der besseren Zufriedenheit mit der Behandlung, und weniger subjektiven Nebenwirkungen, während die objektive Wirksamkeit in Bezug auf die psychotischen Symptome sich nicht wesentlich unterscheidet. Dies bestätigt auch eine 6- monatige kanadische Studie mit umfangreichen Patientenbefragungen. Wesentliche Auswirkungen auf die Compliace sind unzweifelhaft. Comparative evaluation of conventional and novel antipsychotic drugs with reference to their subjective tolerability, side-effect profile and impact on quality of life Voruganti L, Cortese L, Oyewumi L, Cernovsky Z, Zirul S, Awad A, Schizophr Res 2000 Jun 16;43(2-3):135-145,

Die WPA weist auf eine Reihe pharmakoökonomischer Analysen hin, die ergeben haben, dass die höheren Tagesbehandlungskosten durch Einsparungen an anderen Stellen zumindest kompensiert werden. Solche Einsparungen ergeben sich besonders aus seltenerer und kürzerer Krankenhausbehandlung. Sie erstrecken sich möglicherweise aber auch auf die indirekten Krankheitskosten, indem schizophren Kranke eine höhere Aussicht erreichen, sich in den Arbeitsprozess zu reintegrieren. Die WPA räumt ein, dass es weiterer, methodisch anspruchsvollerer pharmakoökonomischer Analysen bedarf.

Grundsätzlich gelten für die Dauer einer neuroleptischen Therapie die folgenden Faustregeln: Um einen Rückfall zu verhindern, ist eine Behandlung mit Neuroleptika bei einer erstmaligen Erkrankung für wenigsten ein Jahr weiterzuführen. Bei einem erneuten Auftreten einer akuten Krankheitsepisode sollte eine Rückfallprophylaxe für etwa fünf Jahre durchgeführt werden. Bei chronischem Krankheitsverlauf mit bleibenden Symptomen der Erkrankung oder schweren und häufigen Rückfällen ist unter Umständen auch eine lebenslange Vorbeugungsbehandlung mit Neuroleptika erforderlich. Durch die Rückfallprophylaxe gelingt es das Risiko für eine erneute Erkrankung von 80% auf etwa 20% zu senken.         Es wird vermutet, dass die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf eine Medikation abnimmt und die Prognose für den Patienten ungünstiger wird, wenn eine akute schizophrene Psychose längere Zeit unbehandelt bleibt.

Grundsätzlich kann bei jedem Medikament die gewünschte Wirkung auch mit unerwünschten Wirkungen (= Nebenwirkungen) einhergehen. Dies gilt auch für die Neuroleptika. Hierbei kann die Verträglichkeit eines Neuroleptikums von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Bei hochpotenten Neuroleptika können beispielsweise Bewegungsstörungen auftreten, die wir Ärzte extrapyramidalmotorische Störungen nennen. Beispiele hierfür sind Schluckstörungen oder Blickkrämpfe (= Früdyskinesie), Bewegungsarmut und Muskelzittern (= Parkinsonsyndrom), innere und äußere Unruhe (= Akathisie) und nach längerer Einnahme unwillkürliche Bewegungen vor allem der Mund- und Gesichtsmuskeln (= Spätyskinesie). Ob man solche Nebenwirkungen entwickelt oder nicht, kann nicht sicher vorhergesagt werden. Treten solche Störungen auf, können Gegenmittel gegeben werden; manchmal reicht aber auch eine Dosiserniedrigung auf. Schließlich kann in einem solchen Fall auch auf ein anderes Neuroleptikum gewechselt werden.

Weitere mögliche unerwünschte Wirkungen sind je nach Medikament und Patient/in z. B. Müdigkeit, Schwindel oder Blutdruckabfall. Sollten Sie unter der Medikamentenbehandlung bestimmte unangenehme Erscheinungen bemerken, teilen Sie mir dies sofort mit, damit ich prüfen kann, ob es sich um unerwünschte Begleiterscheinungen der Medikation handelt oder ob eine andere Ursache für Ihre Beschwerden vorliegt. Sollten Sie das von mir empfohlene Neuroleptikum wider Erwarten nicht gut vertragen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir für Sie ein besser verträgliches Medikament finden werden. Gerade in den letzten Jahren wurden neue besonders gut verträgliche Neuroleptika entwickelt. Im Einzelfall ist zu besprechen, welche Krankheitssymptome und welche unerwünschten Wirkungen von Ihnen akzeptiert werden können.

Weiter Zurück

 

Zur Startseite Anschrift des Verfassers: (Praxisadresse)
Feedback: Karl C. Mayer
Gästebuch Bergheimerstraße 56a
E-Mail 69115 Heidelberg