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Sexualität und Schwangerschaft bei Frauen die an einer einer
Schizophrenie leiden
Sexualität
Schizophrenie an sich vermindert nicht die sexuelle Lust
und/oder die sexuelle Aktivität von Menschen. Manche Antipsychotika können aber
die sexuelle Lust vermindern. Nach den vorhandenen Studien haben Frauen die an
einer einer Schizophrenie leiden ein ähnliches Alter beim ersten Sexualverkehr,
wie ihrer gesunden Altergenossen, sie haben in ihrem Leben aber signifikant mehr
Sexualpartner, leben dennoch häufiger alleine ohne stabile Partnerschaft oder
noch bei den Eltern, sind
weniger zufrieden mit ihrer Sexualität, berichten häufiger über
Vergewaltigungen, und haben häufiger riskanten Sexualverkehr mit dem Risiko mit
HIV angesteckt zu werden. Nur wenige schizophrene Menschen leben in unserer
Gesellschaft in stabilen Ehen. Sie sind häufig schlechter informiert über Verhütung,
wenden diese auch unzuverlässiger und seltener an, werden häufiger ungewollt
schwanger. Sie haben häufiger mehrere Sexualpartner, die
keine Kondome benutzen. Auch ohne Behandlung sind bei Frauen und Männern im
Rahmen einer psychotischen Episode die Sexualhormonspiegel oft erniedrigt.
Sexuelle Funktionsstörungen als Nebenwirkung der Medikamente sind ein häufiger
Grund warum betroffene Patienten ihre Medikamente vorzeitig absetzen, etwa jeder
2. Mann, der mit Antipsychotika behandelt wird hat Libido- und Potenzstörungen,
bei den Frauen ist dieser Prozentsatz möglicherweise noch höher. Bei Behandlung
mit atypischen Antipsychotika sind diese sexuellen Nebenwirkungen (je nach
Medikament) etwas seltener. Umgekehrt bedeutet dies, dass die Hälfte bis zu 2
Drittel der mit einem Antipsychotikum behandelten Menschen unter keiner
sexuellen Funktionsstörung leidet. Ein Gespräch über diese
Medikamentennebenwirkungen verbessert die Mitarbeit des Patienten in der
Behandlung. Nicht sehr häufig, wenn aber gravierend können Wahninhalte das Sex-
und Liebesleben betreffen. Beispiele sind der erotische Beziehungswahn bzw.
Liebeswahn oder der Eifersuchtswahn. In diesen Fällen kann es zu erheblichen
Belästigungen im Sinne eine Stalking bis hin zu gravierenden Straftaten kommen.
Sexualstraftäter finden sich unter Menschen, die an einer Schizophrenie
leiden eher selten. Auch gibt es die psychotische Vorstellung, die eigene
Sexualität sei von anderen erzwungen oder kontrolliert, oder Betroffene glauben
unfreiwillig Opfer einer Geschlechtsumwandlung geworden zu sein. Vorstellung das
Genitale sei verändert worden oder Stimmen, mit sexuellem Inhalt, bzw. sexuelle
Leibhalluzinationen kommen ebenfalls vor.
Schwangerschaft
Frauen die an einer einer Schizophrenie leiden werden genauso
oft schwanger, wie ihre gesunden Altersgenossinnen, diese Schwangerschaften sind
allerdings häufiger ungewollt und ungeplant. Sie werden häufiger in der
Schwangerschaft misshandelt, und haben seltener eine vollständige
Schwangerenvorsorge. Bezüglich ihrer Schwangerschaft und der Geburt haben sie
mehr Ängste und weniger Zutrauen in ihre Fähigkeiten als Mutter. Sowohl
die Positiv- als auch die Negativsymptome können zu speziellen Risiken während
der Schwangerschaft führen. Manchmal wird die Schwangerschaft wahnhaft
verleugnet, ein wahnhafte Überzeugung schwanger zu sein, ohne dass dies der Fall
ist kommt ebenfalls gehäuft vor. Die Wahnhafte Verleugnung einer Schwangerschaft
birgt dabei besondere Risiken für Mutter und Kind. Die beginnenden Wehen werden häufiger nicht
erkannt. Die kann in seltenen Fällen auch zum Kindsmord führen.
Wochenbett
Im Wochenbett und im ersten Jahr nach der Geburt besteht ein
deutlich erhöhtes Risiko für eine erneute Krankheitsepisode, mehr als die Hälfte
der Frauen ist nach Studien davon betroffen. Gerade bei den psychotischen
Episoden im Wochenbett besteht ein besonderes Risiko für die Mutter-
Kindbeziehung. Frauen die an einer einer Schizophrenie leiden haben größere
Schwierigkeiten die Emotionen und Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen, Durchschnittlich treten die
Symptome eher später auf als bei den affektiven Störungen. Oft beziehen
sich Wahnwahrnehmungen und Halluzinationen dann auf das Baby, dies muss in der
Behandlung speziell abgefragt werden, da hiervon auch eine akute Gefahr für das
Baby ausgehen kann.
Versorgung und Erziehung eines Kindes
Die Versorgung und Erziehung eines Kindes stellt Mütter die an
schizophrenen Psychosen leiden vor besondere Probleme. 30-70% können oder dürfen
ihr Kind nicht selbst versorgen. Oft löst dies schwere Krisen bei
den Betroffenen aus, die sich wie andere Mütter auf ihr Kind gefreut haben.
Besonders Frauen die früh an einer Psychose erkrankt sind, haben oft schlecht
ausgeprägte eigene soziale Fertigkeiten. Fast alle Mütter an schizophrenen
Psychosen leiden benötigen Unterstützung von außen. Auch ältere Kinder werden
oft in Wahnsymptome oder Halluzinationen eingebunden. Mütter die an
schizophrenen Psychosen leiden sind oft überfordert und benutzen ihre Kinder
frühzeitig als Partnerersatz und Kinder werden oft früh zu "schützenden
Aufsichtspersonen". Im Interesse des Kindes muss auch hier frühzeitig
interveniert werden.
Die medikamentös antipsychotische Behandlung
Die medikamentös antipsychotische Behandlung ist auch in der
Schwangerschaft und im Wochenbett unabdingbar, auch wenn Antipsychotika
teratogen sein können. Nur in Ausnahmefällen ist bei der individuellen Abwägung
eine alleinige Beobachtung sinnvoll. In der Schwangerschaft muss die medikamentöse Behandlung
in besonderem Maße von einer Psychoedukation begleitet sein. Eine
frühzeitige Zusammenarbeit mit Jugendamt, Großeltern etc ist sehr sinnvoll.
Niederpotente Neuroleptika: Die von mehreren Studien gepoolten Daten
(75.000 Geburten, darunter 2.591 Behandelte) ergaben ein statistisch
signifikant erhöhtes relatives Missbildungsrisiko: normal 2% kongenitale
Anomalien, mit niederpotenten Neuroleptika 2,4% (=4 in 1.000 zusätzliches
Risiko). Es konnte dagegen kein spezifisches organbezogenes Risiko ermittelt
werden, ev. ist auch hier eher die Psychose selbst als die antipsychotische
Medikation für das erhöhte Risiko verantwortlich. Atypika verursachen in der
Schwangerschaft vermutlich eine vermehrte Gewichtszunahme der Kinder und
begünstigen auch den Schwangerendiabetes. Br J Psychiatry 2008 192: 333-337.
[Abstract]
|
Medikamentöse Behandlung der Schizophrenie während der
Schwangerschaft |
Wirkungen der Neuroleptika beim Neugeborenen:
Bei den Niederpotenten
Antipsychotika: Tachykardie,
gastrointestinale Funktionsstörungen, Sedierung, und Hypotension
(niedriger Blutdruck). Je nach Dosis halten diese Nebenwirkungen
selten länger als ein paar Tage an. Extrapyramidale
Symptome treten nur bei hohen mütterlichen Dosen von
hochpotenten Antipsychotika auf und äußern sich als
Hyperaktivität, gesteigerte Reflexe, Unruhe, und abnormale
Bewegungen, diese Nebenwirkungen können mehrere Monate anhalten.
Zusätzlich können Tremor, erhöhter Muskeltonus,
ungewöhnlich heftiges Saugen, schrilles Schreien etc. auftreten.
Teratogene Wirkung: Haloperidol, Perphenazin, Thiothixen
und Trifluoperazin haben nach Tierversuchen keine bekannte
teratogene Wirkung, es liegen nicht ausreichend Daten zu
Menschen vor, aus den vorliegenden Daten lässt sich keine
Teratogene Wirkung ableiten.
Die
Niederpotenten Antipsychotika
besonders Chlorpromazin , sind von einigen Autoren als
teratogen angschuldigt worden, Überwachungsdaten für
Chlorpromazin, Prochlorperazin, Triflupromazin oder Thioridazin
habe aber keine keine Teratogene Wirkung gezeigt. Die meisten
Antipsychotika verursachen nach dem derzeitigen Wissen keine
strukturellen Missbildungen. Studien bei Tieren lassen
aber vermuten, dass Verhaltensstörungen möglich sind, dies ist
beim Menschen bisher nicht verifiziert worden, bisher auch kein
Nachweis kognitiver Störungen.
Zu den neueren
Antispsychotika und Clozapin gibt es
weniger Daten als zu den alten typischen Antispsychotika.
Olanzapine, Risperidon etc, sind daher in der Schwangerschaft
gegenüber Haldol oder Perazin eher 2. Wahl. Es scheint so
zu sein, dass die Atypika häufiger zu Metabolischen Syndromen
bei den Schwangeren und zu schweren Babys führen, auch dies ist
ein Grund, warum die Antipsychotika der ersten Generation in der
Schwangerschaft eher vorzuziehen sind. (Schizophrenia
Bulletin, doi:10.1093/schbul/sbn107 )
Bei guter Einstellung auf ein Atypikum muss aber individuell
gut abgewogen werden ob eine Umstellung wegen der
Schwangerschaft sinnvoll ist. |
| Nach: AMERICAN ACADEMY OF
PEDIATRICS:Use of Psychoactive Medication During Pregnancy and
Possible Effects on the Fetus and Newborn PEDIATRICS Vol.
105 No. 4 April 2000, pp. 880-887 PEDIATRICS Vol. 121 No. 3
March 2008, pp. 647 (doi:10.1542/peds.2007-3639) |
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Folsäure kann manchmal Neuralrohrschädigung wie eine Spina bifida oder
Anenzephalie vorbeugenFür die meisten Menschen ist die Einnahme von Folsäure grundsätzlich eher
erwünscht, neuerdings geht man von einem schützenden Effekt bezüglich
Schlaganfällen und vielleicht auch Herzinfarkten und Demenz aus. Folsäure ist
besonders in dunkelgrünem Gemüse wie Broccoli und Vollkornprodukten enthalten
Besonders in der Schwangerschaft und bei beabsichtigter Schwangerschaft wird
aber die Einnahme von Folsäure zu Vermeidung Neuralrohrschäden wie der
Spina bifida oder der Anenzephalie empfohlen. Die Schädigung tritt hier schon am
25 bis 29. Tag auf, also vor viele wissen, dass sie schwanger sind. Für
Schwangere wird die Einnahme von 5 mg Folsäure besonders dann empfohlen, wenn
sie an: Diabetes oder Epilepsie leiden In der Familie und Verwandtschaft
eine Neuralrohrschädigung wie eine Spina bifida oder Anenzephalie vorgekommen
ist. Oder Sie selbst schon eine Kind mit Neuralrohrschädigung wie eine Spina
bifida oder Anenzephalie geboren haben. Frauen mit Folsäuremangel haben generell
ein erhöhtes Risiko des spontanen Aborts. Lena
George; James L. Mills; Anna L. V. Johansson; Anna Nordmark; Bodil Olander;
Fredrik Granath; Sven Cnattingius.Plasma Folate Levels and Risk of Spontaneous
Abortion.JAMA. 2002;288:1867-1873
ABSTRACT
|
FULL TEXT
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PDF
Schwangerschaft und Elternzeit bei Frauen mit Psychosen bedürfen
besonderer Unterstützung, Aufklärung und Überwachung. Mutter und
Kindstationen sind oft eine gute Alternative auch um Basisfertigkeiten im Umgang
mit dem Kind zu erlernen und diese Kompetenzen zu beobachten.
Ratschläge
-
Sexualität ist ein wichtiges menschliches Bedürfnis. Wenn
Sie an einer psychotischen Erkrankung leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt
auch über sexuelle Probleme.
-
Auch wenn Sie an einer psychischen Störung leiden, sollten
Sie in der Partnerwahl wählerisch sein und nur mit einem Partner
zusammenleben, der sie achtet und respektiert.
-
Wenn Medikamente ihre sexuelle Lust beeinträchtigen, setzen
Sie die Medikamente nicht einfach ab, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über
mögliche Alternativen
-
Auch die psychische Störung an sich kann sexuelle
Funktionsstörungen bedingen
-
Wenn Partner Sie sexuell unter Druck setzen, Sie Dinge tun
sollen, die sie nicht möchten, sprechen Sie mit ihrem Arzt. Lassen Sie
sich nicht sexuell ausnutzen.
-
Alkohol dämpft in höheren Dosen die sexuelle Lust und
vermindert die Fähigkeit zum Orgasmus.
-
Schützen Sie sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
Vermeiden sie ungeschützten Sex mit Gelegenheitspartnern. Kondome schützen
vor AIDS und ungewollter Schwangerschaft.
-
Wenn Sie schwanger sind, nehmen sie die notwendigen
Vorsorgeuntersuchungen wahr, besprechen Sie auch mit dem Frauenarzt ihre
psychischen Probleme und ermuntern Sie ihn zu einer Zusammenarbeit mit dem
behandelnden Nervenarzt. „Muttersein“ heilt Ihre Psychose nicht, sondern ist
zunächst ein Stressfaktor.
-
Fragen Sie sich vor einer möglichen Schwangerschaft, ob Sie
der Belastung eines Kindes gewachsen sind, sprechen Sie hierüber auch mit
Ihrem Arzt.
-
Bei einer Schwangerschaft, kümmern Sie sich um Unterstützung
auch für die Zeit nach der Geburt. Die psychiatrische Behandlung sollte in
dieser Zeit ebenfalls intensiviert werden.
-
Bei einer Schwangerschaft sprechen Sie mit Ihrem Arzt ob die
Medikamente reduziert werden können, tun Sie dies nicht ohne ärztliche
Absprache.
-
Ein Viertel der Frauen die an einer Schizophrenie leiden
erkranken nach der Schwangerschaft mit einem erneuten psychotischen Schub,
besprechen Sie bereits vorher wie damit umgegangen werden soll.
-
Besprechen Sie mit Ihrem Arzt ob Stillen sinnvoll ist.
-
Besprechen Sie Probleme mit Ihrem Kind umgehend mit ihrem
behandelnden Facharzt. Frauen mit Psychosen benötigen immer Unterstützung in
der Versorgung ihrer Kinder. Ihre Kinder sollen es einfacher und besser
haben als Sie selbst.
-
Gesunde Frauen haben häufiger Freundinnen, Eltern und
Verwandte, die ihnen bei der Kindererziehung zur Seite stehen,
gleichen Sie dies durch die Inanspruchnahme professioneller Hilfe aus.
-
Die meisten Kinder einer Mutter, die an einer Schizophrenie
leiden, werden nicht an dieser schweren psychischen Störung erkranken. Das
Risiko hierfür liegt nur bei 10-15%. Andere psychische Störungen als Folge
der schlechteren Bemutterung kommen aber vor.
-
Kinder leiden unter den direkten Auswirkungen der Psychose,
Mütter mit Psychosen haben weniger Augenkontakt, können die Signale ihrer
Kinder schlechter interpretieren, stehen unter stärkerer Anspannung und
fühlen sich häufiger ohne Grund vom Säugling beeinträchtigt. Sichern Sie
sich rechtzeitig Unterstützung von Freunden und Verwandten.
-
Wenn Sie einen schweren Rückfall ihrer psychotischen
Erkrankung haben, ist dies das größte Risiko das Kind zu verlieren. Eine
gute psychiatrische Behandlung vergrößert die Aussichten das Kind selbst
großziehen zu können.
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